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Full text of "Handbuch des Hilfsschulwissens : eine Darreichung für die zwecke der Hilfsschullehrerprüfung .."

LIBRARY 

Walter E. Fernald 
State School 




Waverley, Massachusetts 



No. 






(I 



n 



■f. §anb6u(^ 



Y 



Massachusetts SM 
for Fceble. Minder. 

beS 




ilfSfdmltoiffenS 

Sine ©arreid)ung für bie 
3fc>e<fe ber #ilf£f$uttef)rer£rüfuttg 



<Bon 

gratis ^ren^el 

£auptM)rer unb ßeiter ber ftäbtiftfjen £ilfsfdjule 

gu 6toIp i. ^om. 



Stoeiie cei'öoflftättMgte unb 
butdjgefeljette Auflage 



3Mer ^eile unb (£röänaimgsbanb „Sinffilpttttg in bie Kenntnis 
ber getfttgen Sdjwadjesußanbe ber §ilf6fd}üler" 
^Bon §Uf6fd)ulQrgt Dr. $. (£I)o£en in ^Breslau 






Äaltc a. 6. 1922 o Sart ^ar^otb 93ertag^bu(i)^anblung 

93erlag ber „ÄitfWule-, C 3 cm beS 93erbanbeö ber JoUfSfc&uten ©eutfd)tanb$, ber „3elt» 

fdjrift für bie «Ee&anblung 6 d)tt>acf) finniger", Organ beö Q3ereinö für (Sraiebung, Unterricht 

unb Pflege ©etfteöfcf)tt>act>er, unb be« „&tlf£f$ulfalenber*". 



3nJ)alt 



(Erfter Seil: 

©efcfyicfyte beS Mf3fctyufa>efen& 

8 toet te r Seil: 

Sßefen unb Sinrictytung ber SMtföfcfyute. 

©rittet Seil: 

©ie Mfgfc^ufyäbagogif. 

£tlföfd)uleräierjung, §ilfsfd)ulunterrid)t unb §ilfe= 

ftfjulfürforge, 

Vierter Seil: 

®te Sprachpflege in ber Mfgfdjule, 

6praa)e, 6pr ad) ftörungen, 95ef)anbIungs-- < iIftetf)oben, 
$Irtifulattons= unb 6d)U)errjörigenunterrid)t. Sftit 

14 $ibbilbungen. 

(Ergängungsbanb: 

(Smfityrung in bie Kenntnis ber geiftigen 
6cfytt>äd)e§uftänbe ber &UfSfci)üler* 

9JUt einem 3lnrjang: S>ie (öefunbrjeitspflege in ber 

£iifefrf)ule. 3Rit 23 Sibbilbungen. Eon Jpilfsfdjularat 

Dr. 5* (Efyotjen in ^Breslau. 



@efd)td)fe 



fceS 



#Uf$fdjultt>efen$ 



Son 



&ran$ ^renjel 



$auptlef)rer wnb fieitcr öer ftäötifd&en $üfsftf)ule 31t Stoty i ^ßom., 

Herausgeber fces £üfsftf)ui!alenöer* 



3n>ette, tJerüoUftänbtgtc unb 
bebeutenb erweiterte Auflage 




£afle a. 6. 1921 — (Earl 2RarI)olb 35erlagsbud)l)anblung 

«öerlag ber „JöUfSfcbute*, Organ beö «BerbanbeS ber joUföfc&ulen ©eutfcöjanbd, 

ber »3eirf(f)rift für btc <33e&anblung GcbTöacbfinniger", Organ beö 93eretn3 für €r- 

iiebung, ünterricbi unb Pflege ©etfteöfc&wacber, unb beö „ÄUfSfcrjuHalenber«" 



93'egleittt>ort 

Qflfitber (Ertoarten fyat bas ,,§anbbud) bes frilföfdjultoiffens" 
^V einen fo rafdjen $Ibfat; gefunben, baß fd)on nacfy brei 
3af)ren eine neue Auflage nötig mürbe, S)tefe Ausgabe fott ben-- 
felben 6toff barbieten, itnb gtoar in üerooflftcmbigter 3öeife mit 
95erüdfid)ttgung ber neueften 5orfd)iungsergebniffe auf bem ©e= 
biete bes iptlfsfdjulmefens, 33ei meinen Darlegungen fyabt td)> 
mid) ber möglidjften 6ad)Iid)feit befleißigt unb fern üon lieblofem 
aburteilen gehalten,. 3d) bin mir fefyr morjl betoußt, baß aud)l 
biefe meine Arbeit gar manche 6d)mäd)en in fid) trägt, 6ie ift 
in Siebe gur 6ad)e gefdjrieben, ber meine Sebeneaufgabe gilt. 
3ebe mir gufommenbe ^Berichtigung werbe id)i banfbar annehmen. 
OTen meinen Kollegen, bie mid) bei ber Arbeit burd) Sftat unb 
Sat unterftü^t Ijaben, fpred)e id) hiermit t)on gangem Sergen 
meinen 5)anf aus. 

6 1 o I p l Sßont v Oftern 1921. 



3n^aftgi>eräeid)ttR 



6ctte 

9Wgemeines, (&efd)id)tsqueHen unb 3eitabftf)nitte . • ♦ ? 5 

I. 3eüabf<i)nttt Vorläufer ber §iIfsfä)uIbetoegung. 3)ie 
Seit bis gum (Bnbe bes 3al)res 1863 ....... 13 

II. 3^tabfd)nitt. 3)ie ©rünbung ber erften £ilfsfd)ulen. 
©ie 3eit oon 1864 bis (Sttbe 1886 37 

III. 3eitabfd)nitt. 2)ie rafcfye SBerbreitung ber iptlfsfdfyulen. 
S)ie Seit oon 1887 bis ßnbe 1904 50 

IV. 3ettabfd)ttitt. Stte innere Slusgeftaltung ber ipilfsfdjule 
unb bie 93egrünbung einer ipilfsfifyultotffenftfyaft. 3>ie 
Seit oon 1905 an 67 

güfyrenbe Sßäbagogen unb bie 6d)taad)ftnnigenbilbung ... 84 

S)as ^luslanb unb bie beutftfye £ilfsfd)ule 97 

rtviieruTur . « ............. . . iui 



SlttgemeineS, 
©efd)id)t$qttettett unb 3titäbfönittt. 



©ie ©efd)id)te bcs Inlfsfdyulroefens ift leibet bisher nur feljr 
fparlidfy bearbeitet, ein Umftanb, ber barin feine Urfadje fyaben 
bürfte, baß bie ipilfsfcfyulbetoegung erft ein junger 3u>ei9 on bem 
großen 6tamme ber Sßäbagogi! ift. 9lad)rid)ten aus älterer 
3eit über bie SSerforgung ber (E>eiftesfd)tt)ad)en befi&en toir nur 
äußerft wenig. 6d)einbar fyerrfcfyte bamals bie $lnftd)t vor, baß 
es fid) nid)t oerloljne, ben geiftig Ernten, ben Stiefftnbern ber 
Sftatur, befonbere Sorgfalt unb SBefyanblung angebeiljen $u laffen. 
SBet'annt bürfte es fein, baß bei ben Spartanern Sdjuwdjlinge aller 
9lrt aus ber 2Belt gefdjafft mürben. 3>as (£ Triften tum, 
beffen ©rünber fid) ber Firmen unb ®ebred)!ltd)en befonbers mit» 
leibsooE annahm, befferte guttädjft bas £os biefer Unglücf lidjen 
im toefentlidfyen aud) nid)t, obwohl fid)i nad) feiner 2et)re liebe- 
volles (Erbarmen unb menfdjlidjes SJfttleib biefen bedauernswerten 
unb vielfach bem Spotte ber Umgebung ausgefegten ©efd)öpfen 
am etjeften tjelfenb Ijätten pmenben muffen. 

3m 5^o ran ber 9JtuI)ammebaner, ber ^eiligen Urfunbe t^rer Sftelt« 
gion, ift tl)nen bie ffütforge für bie <5dj)mad)ftnmgen jur ^ßfUd^t gemadit. 
€s f)etßt bafelbft an einer (Stelle: ,,©ib ben Sd)toad)ftnntgen ntdjt bie 
SJMttel, bie ©ott bir gegeben J)at, um fie für fte aufeubetDaijren; fonbern 
unterhalte fte aus benfelben, Heibe fte unb rebe freunbltdj mit iljnen." 

2)ie Anfänge ber beutfcfyen Kultur im Mittelalter laffen 
vereingelte Sürforgebeftrebungen für bie „fatui homines" erfen= 
nen. 2)aß biefelben jebod) nur in ben damaligen 93ilbungsftätten, 
ben SUöftern, gu fucfyen waren, barf nid)t weiter wunber= 
nehmen. (Es toirb uns bereits aus ber 3eit vor bem erften 3al)tr= 
taufenb berietet, bafc in bem alten Softer gu 6t. ©aßen, einem 
bamaligen wiffenfdjaftlicfyen unb fultureEen 3^ntralpun!te, bie 
gelehrten 9Jlönd)e es nid)t unter ifyrer SBürbe hielten, einem gei= 
ftesfdjwadjen, allerbings abeligen Sproß nid)t nur eine entfpre= 
cfyenbe SMlbung §u vermitteln, fonbern il)n aud) in ben 6d)oß 
itjres Konvents als bienenben trüber aufzunehmen, ©iefer blöb= 
finnige §eribalb, ber burd) unb mit Sdjeffels (Effeljarb in ber belle-- 
triftifdjen Literatur einige 93erül)mtt)eit erlangt fyat, ift alfo ge= 
wiffermaßen bas erfte bekannte päbagogifdje 93eifpiel unferes Son» 
bergebtets. 2>te (Eljronifen bes ^lofters fdjilbern bzn ffaU immer-- 



— 6 — 

i)tn mit einer getoiffen ^lusfüljrltdjfeit, woraus gu entnehmen ift, 
baß bie geiftlid)en £erren bem 3ögling gang außergewöhnliches 
3ntereffe wibmeten. Unb folite unfere §od)ad)tung cor leereren 
fid) aud) etwas minbern, ba ber fd)wad)finnige £eribalb oielleid)t 
nur feines (Erbes wegen bem Softer als annehmbarer 3nfaffe 
wert erfdjien, fo fyat bas an unb für fid) nid)t oiel gtt fagen. 5)ie 
mit großem (Eifer betriebene 33ilbung besfelben erhält burd) iljre 
Priorität immerhin eine gewiffe 93ebeutung. 

$lud) in ben fog. Darrenljäufern bes Mittelalters fan- 
ben I)in unb tötetet einige ^inber, „fo nitt bei 6innen waren", 
^ufnaljme, roie 5. 93. ein Sbtabe gu Nürnberg im 3af)re 1589 unb 
gtoei Wäbifytn in bem 2Bür§burger 3ulius!)ofpital im 3al)te 1590. 
3ebod) fehlen barüber genaue Dadjtidjten. 3m übrigen geftaltete 
fid) bas 2os ber 3bioten unb 6d)toad)finnigen nid)t im geringften 
anbers als bas ber anbeten ©eiftestranfen, bie, fofern fie nid)t 
gemeingefäfyrlttfye Neigungen befunbeten, fid) feibft überlaffen 
blieben. 

6elbft ibte Deformation, bie auf oielen Gkbieten einen 
Umfdjwung §um 93effeten herbeiführte, önberte an bem 6d)idfal 
ber geiftig Vetfümmetten nid)t otel. 90can glaubte in jener $t\t 
nod) oieiföd)! an 3) am onen unb fyiett rätfelfjafte unb uner= 
flärlicfye (Srfcfyeintmgen — u. a. aud) bie ©eiftesfranfen unb ©ei-- 
ftesfdjwadjen — für bämonifcfye 2Befen, gezeugt oon ben finfteren 
9tftäd)ten böfer ©eifter. (Es toitb fogar berietet, baß feibft 2 u 1 1) e r 
an ©ämonen glaubte unb blöbfinnige SOtenfdjen für Slinber bes 
Teufels anfal) — 2Bed)felbälge, ^ieüröpfe ufto. damals blühte 
aud) nodji an oielen Orten ber £ e 1 e n g l a u b e unb bie §ejen-- 
oerfolgung. teuere ^orfcfyungen laffen oermuten, baß oiele ber 
oermeintlidjen ipeEen unb Saubetet geiftesftanEe bgto. geiftes- 
djwadje Sßetfonen waren. 9[ftit bem ^Lufbtüljen ber 91a = 
:urwiffenfdjaften nafym ber ©ämonen-- unb £egenglaube 
allmäljlid) ab, unb eine oernünftige $iuffaffung begüglid) bet ©ei-- 
ftesftqnf^etten, namentlid) aud) l)infid)tlid) ber ©eiftesfd)wäd)e, 
erbreitete fid) untet ber 9Jcenfd)l)eit, unb bamit toud)fen aud> 
toeitete 33efttebungen, jenen Unglüdlicfyen p Reifen. 

2>ie Q>efd)id)te bet 6d)wad)finnigenbilbung ift mit bet (Se-- 
fd)id)te bet Vefyanblung bet ©eiftesftanfen, Strfinnigen, Sterinen, 
Saubftummen ufto. oerquicft, fo baß es fcfywer fyält, genaue 6on= 
beraufgeidjnungen über fie p gewinnen. 9Kan finbet mit ganj 
wenigen $iusnal)men aus ber Seit ber erften guoerläffigen, litera-- 
rifdjen 3)arftellungen biefer (öebiete, bas ift ettoa bet Anfang bes 
19. 3af)tt)unbetts, nur in größeren gelehrten 93 ü d) e r n 
einige ffiggenartige 9luf§eid)nungen über bie 93ilbungsbeftrebun- 
gen gum 95efren geiftesfd)wad)er feefen (3bioten). 3)ie l)iftorifd)en 
Sermerfe rühren in ber Degel oon ^irgten I)er. 6päter, befonbers 
als eine weitere Verbreitung ber 23ilbungsbeftrebungen fid) an= 



_ 7 — 

bahnte, würben tiefe 9tad)rid)ten oon einzelnen SRännern gefam-- 
melt unb gu merjr ober weniger umfaffenben Überfidjten 
gufammengeftellt, meift oon ftarf örtlicher Färbung. 6otd)e Über- 
fid)ten finben fid) in ben 3Berfen mancher Serfaffer als Anfänge 
ober beigaben oor, wieg. ^. in bem 3Berfe oon (£squirol: $iflge= 
meine unb fpegielleSßatrjologie unbStjerapie ber 0eelenftörungen, 
ßeipgig 1827. © r i e f i n g e r bringt in feinem 93ud)e: ©ie Sßatrjo= 
logie unb Sfyerapie ber pfr;d)ifcl)en Kranfrjeiten, Stuttgart 1861, 
ebenfalls l)ifrorifd)e Zotigen, besgl. 23 ran bes in feiner (5d)r if t : 
©er 3biotismus unb bie Sbiotenanftalten, £>annooer 1862. ©tefe 
oorgüglidye Sdjrift, für < 3trgte unb ßeljrer beftimmt, ift bas (Er= 
gebnis einer Steife, bie Dr. 33.1861 im Auftrage bes £annooerfd)en 
äRinifteriums bes 3nnern berjufs 93efid)tigung ber bebeutenbften 
3biotenanftaIten ©eutfcrjlanbs gemacht Ijatte. Seiner unermüb= 
lidjen Arbeit roar es §u oerbanfen, bafj 1862 bie 3biotenanftalt gu 
ßangenrjagen errietet würbe. 

Umfangreicher finb bie gefd)lid)tlid)en Angaben bei 
6engelmann in feinem St)ftematifd)en 2erjrbud)ie ber 
3biotenrjeilpfiege, Sorben 1885. Sengelmann gab 1885 un-- 
ter bem Site! „3biotopl)ilus" ein breibänbiges 2Ber! rjeraus, 
beffen erfter 93anb bas eben erroärjnte Serjrbud) barftellt ©er 
gweite 93anb bringt Aphorismen, weldje allen 3biorenfreunben, 
befonbers aber ben Serjrem, Sßflegern unb Hilfsarbeitern ber 
3biotenanftaIten bie nötigen 3Bin!e für eine toirffame Ausübung 
irjres ©ienftes bieten wollen, ©er britte 23anb gibt SBtlber aus 
bem ßeben ber 3bioten unb ber 3biotenanftalten, um burct)! biefe 
Säuberungen Seilnarjtne in roeiten Greifen ber menfcrjilicfyen (&e= 
fellfdjaft für bie 3bioten unb für bie Arbeit an itynen gu erweden 
unb gu förbern. 33on bem gangen 2Berfe ift befonbers bas £erjr= 
bud) widjtig unb oerbient aud) je£t nocfy eine geroiffe 33ead)tung. 
(Es roar lange Qdt fjinburcrj bie einzige maßgebenbe Schrift für 
bie 53eftrebungen unb arbeiten auf bem (Gebiete bes 3biotenbiI= 
bungsroefens in ©eutfcrjlanb. ©er 3nfyalt umfaßt einen tl)eore= 
tifdjen, einen f)iftorifd)en unb einen praftifcfyen Seil. 3m erften 
roirb bie Ontologie, Symptomatologie unb Ätiologie ber 3biotie 
berjanbelt. ©er gweite bringt eine fttrge ©efd)id)te bes 3bioten= 
roefens, eine Überfielt über bie 3biotenanftaIten, foroie eine gierh-- 
lid) umfangreidje unb guoerläffige ßiteraturgufammenftellung bis 
gum 3at)re 1885. ©er britte oerbreitet fid) über bie (Einrichtung 
ber 3biotenanfralten, über bas Sßerfonal, über ben Unterricht 
(Unterrid)tsgegenftcinbe), bit 93efd)äftigung, bie (Erholung, bie (5e= 
ünbrjettspflege, ben 9Serferjr unb bie Sagesorbnung. ©ie ©ar-- 
tellungen finb fnapp, aber flar unb befunben triel 6ad)oerftänbnis 
unb praftifd)e (Erfahrung in faft allen Angelegenheiten bes 3bio= 
tenbilbungsroefens. 

Am roertoollften aber ift bas 28erf oon (öerfjarbt: 



— 8 — 

3ur G>efd)id)te unb ßiteratur bes 3biotentoefens in 3)eutfd)* 
hrnb, ^llfterborf 1904. 2)er Söcrfaffer gibt neben einer ein= 
geljenben l)iftorifd)en Überfidjt aud> bie ßebensbefdjretbungen fyer- 
oorragenber 3biotenbilbner unb Sßroben ans üjren 9Berfen in 
gcitltd)er üReiljenfolge uneber. 3n 6 e g u i n 6 93ud): 3)ie 3bioti« 
umb ifyre SBefyanblung nad) pI)t)fiologifd)er SOßetljobe, 9ceu> ^otf 
1866, beutfdje Ausgabe 1912 Don Hrenberger, ftnb oom Über- 
feiner gleichfalls toicfytige gefd)id)tlicfye Zotigen beigegeben, bie fiel) 
in ber £auptfad)e jebocfy nur auf 9Ud)tigftellungen anberrueitiger 
eingaben begießen. C&roge SSerbienfte um g e f d) i d) 1 1 i d) e g ° v= 
f d> u n g e n l)ot fid> ^ i r m 6 e , Sbftein i. Taunus, erworben, 
ber triele ^luffäfee in ben oerfdjiebenften 3ßttfd)irtften veröffentlicht 
unb aud) für ben ,,£ilfsfd)ulfalenber'' bie gefdjicfytlidjen Angaben 
beforgt fjat. 93on Itirmfje rühren fämtlidje lebenslunblidje $er= 
merfe in bem „(Engnflopäbifdjen £anbbud) ber §eiIpäbagogif " fjer. 
3)es weiteren finben fidj gefd)id)Iid)e $ad)irid)ten in ben ^ln= 
ftaltsberidjten einzelner 3biotenanftalten t)or; boefy Ijaben biefe 
leiber nod) nidjt genügenbe Bearbeitung gefunben. ^ugerft roert= 
ooH finb bit gefd)id)tlid)en Qlufgeic^nungen in bm beiben Werfen: 
3)eutfd)e $lnftalten für 6d)itoad)finnige, (£pileptifd)e unb pfnd)o= 
patt)ifd)e Sugenblidje, unb 2)eutfd)e £ilfsfd)ulen in 2Bort unb 
93ilb, §aHe 1912 unb 1913. Sdjjlieglid) mögen nod) einige anbere 
SBerle genannt werben, bie ebenfalls gefd)id)tlid)e ^ufaeicfynungen 
bieten: 

• 1. Sfteinie, Sie Untertoeifung unb (Srjieljung fdnt>ad)finmger 5?tn= 
ber. «Berlin 1897. 

2. ftrenjel, Sie §ilfsfdmlen für fd)toad)begabte ^inber. Ham- 
burg 1903. 

3. äftaennel, 93om $ilfsfdmltoefen. Seipjig 1905. 

4. SBoobftetn, Sie ©rätefjungsarbeit ber 6d)itle an Sdntmd)be= 
gabten. Berlin 1908. 

5. SBösbauer, 3R i H a s , 6 dj i n e r , £anbbud) ber Sdjma($= 
finnigenfürforge. 2. Auflage. 2Bien 1909. 

6. ft t r m ft e , SÖeifes ^Betrachtung über geiftesfd)toad)e &inber. 2an= 
genfalja 1911. 

7. gu^s, 6d)tt>aa)jtnnige 5tinber, ifjre fittlid)»religiöfe, intellektuelle 
unb tDirtfd)aftUd)e Rettung. 2. Auflage, ©üterslol) 1912. 

8. geller, ©runbrifc ber §eilpäbagogif. 2. Auflage. Seipjig 1912. 

Sie 6rf)rift SR e i n I e s entplt in ber ipauptfadje einen 9ft e i f e b e = 
rid)t, in meinem ber SBerfaffer über feine im Auftrag ber Siefterroeg= 
6tiftung unternommene Reife jur 93efid)tigung ber 6djulen für fd)mad)fm= 
nige ^inber in «Braunfd&metg, (Elberfelb, Süffeiborf, £öln, ftranffurt a. 2H., 
ßeipjig unb Bresben berietet. Sie einzelnen 93ertd)te befjanbeln in ber* 
felben Reihenfolge: 1. bie gefd)icf)tlicl)e (Snttottflung ber Schule, 2. ben Sdjul= 
räum, 3. bie &ustoal)l unb $lufnaljme ber ^inber, 4. ben austritt berfelben, 
5. bie Organtfation ber 6dmle, 6. ben eigentlia^en ltnterrid)tsbetrieb unb 
ben Se^rplan, 7. bie befonberen ergiel)ltd)en SRa^na^men, 8. ben (Erfolg, 
9. bie Stellung, Slusbilbung unb SBefolbung bes Se^rperfonals unb 10. bie 
Soften, meldte ber ©emeinbe bura) bie ^ilfsfa^ule ermadjfen. 3m smeiten 
Seil oerfua)t ber SBerfaffer, bas gan^e in 5tebe ftel)enbe ©ebiet naa^ feiner 
gefri)iä)tlid)en (Entmtcflung unb feiner päbagogifa^en 93ebeutung überfielt- 



— 9 — 

Ii^ botauftetten. 3Bir erhalten futge gefdndjtlidje eingaben übet bie (Bnt* 
roidlung bes §ilfsfdmlgeban£ens, metben über Sie Sitten unb ©tobe be* 
©ajmadjfinns belef)tt unb mit ben bisherigen SBefttebungen füt bie (Scgie* 
fcung unb Untetroeifung 6$n)od)finniget begannt gemalt. S)es weiteten 
[ptid)t bet SBetfaffet nodj übet ben ßefytplan unb bie Untettidjtsgegen* 
ftänbe bet §ilfsfd)ule unb übet bie befonbete Slusbilbung bet ßel)t1täfte. 
$>et Sdjlufj btingt eine bead)tensmette ßitetatutübetftdjt. 

SRaennel gibt ein genaues unb ätemlidjj jutteffenbes SBilb bei* 
beutfdjen £ilfsfd)ule. Seine 6d)tift etfdjeint besfyalb füt (£infül) = 
tungsamede feljr geeignet. 2)et 93etfaffet oetbtettet fid) übet folgenbe 
^ßunlte: 3 U * ©efdndjte bes £ilfsfd)ulmefens, 93etanlaffung &ut ©tünbung 
oon $ilfsfd)ulen, bas Slufnafjmeoetfjujten, bie (£ltetn unb bie ßebensoet* 
J)ältniffe bet #ilfsfd)ület not unb mäljtenb bet Sdml&eU, bie ©efunbfjeits* 
setpltniffe bet £ilfsfdjület, bet £ilfsfdjület unb feine (£I)ataltetifttf, bau 
§tlfsfd)ulf)aus, bie ^loffeneinteilung unb bie 6d)ületaal)l in \ebet ipilfs* 
fd)ul£laffe, bet Stunbenplan, bet ßetytplan, bas ßeljtoetfafjten, oon bet 
(Etjielpngsmeife in bet #tlfsfd)ule, bie SSotbeteitung bes £ilfsfd)ülets füt 
bie fitd)lid)e ©emeinbe, ©emeinbe unb 6toat in üjtem SBetpltnis gut 
^tlfsfd^ulc, fieptet unb ßeitet bet £ilfsfdmle unb bie 93ebeutung bet §ilfs« 
fdmle füt bie Sßäbogogif. 

93oobfteins 93ud) xoiU in etftet ßtnie angeljenben jüngeten ßelj= 
tetn ein SBegtoeifet fein, ba bie oot^onbenen 2Betfe fid) meift on fdjon 
ältete unb etfof)tene Sehtet menben. ©onn obet ben!t bet SSetfoffet auc§ 
on bie Sdjutoetmaltungen unb $lufftd)tsbel)ötben, um biefen feine (Etfo§» 
tungen unb 9iatfd)läge gu untetbteiten. Übet^aupt uriE et (Etmägungen 
antegen, bie ßef)tenben, Sltetn unb 93el)ötben xrietletdjt bisset fetne logen. 
(Sinleitenb netbteitet et ftd) übet bie nol{smittfd)aftlid)e unb l)umamtäte 
6eite bet ^ilfsfa^ulftoge unb übet 93otfd)läge gut SBefeitigung bet 93il* 
bungsgegenfä&e im beutfdjen 93ol!e. 2)onn beantwortet et bie gtage: 2Bas 
ift gut (Ettetdjung bet angegebenen Qvoe&e bisset gefd)el)en? £ietbet 
beleudjtet et bas gonge ©ebiet bet §eilpäbagogif untet befonbetet ipetoot» 
Hebung bet Sdjwadjfinnigenfütfotge. 3m folgenben Slbfdmitte befaßt et 
(id) einge^enb mit bet fd)wad)en ^Begabung, mit bet Otgonifation unb ben 
Untettid)tsgegenftänben bet £ilfsfd)ule, mobet et namentlich bie tedmifdjen 
gädjet einet umfoffenben 93efpted)ung untetjieljt. 3m näajften Slbfdjnitte 
befptidjt et bie (£tjie§ungsptobleme. ipietauf netbteitet et fid) übet net- 
fd)iebene ^of)lfal)ttseintid)tungen unb gütfotgebefttebungen, fotoie übet 
bie gottbilbung. 3 u *n Sd)luffe fptidjt et nod) übet bie ßeljt» unb pflege» 
Itäfte bet £ilfsfdjule, übet ben £ilfsfd)ulatgt, übet ein ibeales £eim füt 
bie 6d)ule unb übet petfönlidjen unb u)ittfa)aftlid)en 9fled)tsfd)ug ftü^etet 
Söglinge. — 3Ran mitb non bet grüße bes (Gebotenen faft etbtüdit unb 
ctmübet aud) leid)t beim ßefen, meil bie 3)atfteHung %u meitge^enb unb 
ju lejtljaft ift. gut (Einfül)tungsämecfe fällt ba^et wenig ©eminn ah. 

2)as ^anbbud) bet 6d)toad)finnigenfütjotge non 35ösbouet, 9JliE = 
l a s unb 6 d) i n e t meift eine gemiffe #ljnlid)!eit mit bem $ u cn s fdjen 
Bud)e auf, nomentlid) in bet Stoffausmal)l. (Bs be^anbelt folgenbe 
fünfte: ©os 2Befen bes Sa)moa)finns, feine Sitten, feine Smnptome, feine 
Utfod)en, 2Ro§nol)men %u feinet 93et^ütung, ©efä)id)te bet 6d;maa)finnigen= 
fütfotge, (£tjie^ung unb 33ef)anblung bet 6d^tDoa)finnigen, (£tgie|ungsfot= 
men, Organifotion bes Slnftalts* unb £ilfsfä)ultDefens, Hntettid)t, Sperfön- 
lid)!eit bes (Etgieljets, gütfotge füt bie ous Slnftalten unb |>ilfsfd)ulen ent- 
laffenen 6a)mod)finnigen, 9ied)tsfo)u^ unb SJlilitätbienfteignung 6d)mod)» 
finniget unb 53ibnogtapf)ie bet 6a5mad)ftnnigenfütfotge, bes ipilfsfdjul* 
roefens unb bet oettoanbten ©ebiete. — 3)anod) bietet bie 6d)tift eine s $f«= 
d)ologie bes fd)mad)fimügen ^inbes, eine ^utje ©efd)id)te bet Cttäicljung 
6d)rDad)ftnniget, eine gebtängte §eilpäbagogi£ unb 5)iboEtü, ein 93ilb bet 
gütforgebeftrebungen füt ©a^xDadjfinnige unb eine ßiteratutüberfid)t bed 



— 10 — 

6d)toad)finnigenbilbungsu)efens. Diefe 9ieid)f)altigi:eit bes 3nl)alts red)t-- 
fcrtigt moljl bie 93eaeid)nung fyanbbud), liegt aber fonft nid)t im 3ntereffc 
einer grünblidjen u;iffenfd)aftlid)en Verarbeitung bes Stoffes. Dod) für 
(£infü!)rungsämede mirb bas 33ud) immerhin einen auocrläfftgen unb braua> 
baren $ül)rer abgeben. Sie gefdn'djtlidjen Ausführungen finb für unfere 
3n>ca*e ju bürftig. 

93on bem g u d) s fdjen 93ud)e erfdjien bie erfte Auflage 1899. ©er 
Skrfaffer fud)t barin bie fd)toad)finmgen Kinber nad) iljrer (öefamtnerfaffung 
gu fdjilbern unb aus ben Darlegungen 9iid)tlinien für bie fittlidje 1 unb 
intellektuelle Rettung biefer kinber abzuleiten. Die gtoeite Auflage ift 
mefentltd) anbers geftaltet. 6ie ftellt ein giemltd) umfaffenbes Üetjrbud) 
ber £ilfsfdmlpäbagogiE bar unb gliebert fid) in b r e i imuptteile. Der 
erfte Seil bringt bie © e f d) i d) t e bes £ilfsfd)ultoefens, ber 
gtoeite beljanbelt bas ipilfsfcfyulHnb — ^fnd)opatl)ologie bes 
Sdnoadjfinns — unb ber britte bietet eine toeitgefjenbe <p i l f s = 
fcfyulpäbagogH. 3n biefem Seile toirb aud) bie gortbilbungsfdjule, 
bie ipilfsfdmlergiefjung, bie ipilfsfdmlfürforge unb bie £üfsfdmllef)rerfrage 
erörtert. — Das 93udj ift £urj oor (Erlaj3 ber preufcifdjen £ilfsfd)uHef)rer= 
Prüfung erfd)ienen unb barum nid)t gang für biefen $wt& gugefdjnitten. 
Sro&bem mar es bie einzige Sdjrift, nad) toeldjer bie angef)enben ipilfsfdml* 
leerer fid) für biefe Prüfung vorbereiten konnten. Sdjabe nur, bafj in ir)r 
manage (Singelfyeiten bes ljeilpäbagogifd)en Unterrichts gu fttapp berüdfid)* 
tigt roorben finb. Der gefd)td)ttid)e Seil ift fel)r toertooll unb bietet eine 
fadjgemäfje DarfteHung ber gefamten «ptlfsfdmtbemegung. 

Der ipaupttoert ber geller fd)en Sdjrift liegt in ber Darbietung ber 
für ben £e!)rer fdnr>ad)fmniger kinber in 95etrad)t fommenben ©renguriffen* 
fd)aften, f)auptfäd)lid) ber Sßf g-djtatr t e. Das 93ud) befterjt aus gm ei 
Seilen, t)on benen ber erfte ben finblidjen Sdjmadjfinn, ber gtoeite bie ner= 
oöfen ßuftänbe bes Kinbesalters, if)re päbagogifd)e Sljerapie unb Sßropfynlaje 
bef)anbelt. Der erfte Seil bringt folgenbe Kapitel: Definition unb (£in= 
teilung bes 6d)road)finns, Komplikationen bes Sd)toad)finns (9Jtoraltf$e 
Entartung, (Epilepfie, (Efjorea, Stf, SRafturbation), Spradjftörungen, bie 
Snmptome unb bie Urfad)en bes Scf)toad)fiuns, befonbere formen bes 
6d)toad)finns (3nfantilismus, Kretinismus, SQlongolismus), bie t)eilpäb= 
agogifdje (£rgiel)ung unb ber I)eilpäbagogifd)e Unterricht, ©efd)id)te unb 
gegenwärtiger Staub ber Sd)toad)finnigenfürforge. Der groeite Seil umfaßt 
folgenbe Kapitel: Die neroöfe Konstitution, bie pft)d)opatt)ifd)en Kon= 
ftitutionen, bie ipnfterie, $ürforgeergiefntng unb ipeilpäbagogtf. — Die 
gefd)td)tlid)en Angaben erftreden fiel) auf bie Seiten 380 bis 442 unb 
be^anbeln folgenbe Sßunfte: (Erfte 93erfud)e — ©uggenbül)l — 3tarb — 
6eguin (ausfüfyrlid)) — Deutfd)e ipeilpäbagogtf — p§ilantropifd>=d)aritatiüe 
$Rid)tung: ^robft (ausfüfjrlid)) — Diffel^off — Sengelmann — Kern — 
6aegert — STRcbigimfcrje 9ttd)tung: SBranbes — ipilfsfdjule unb iljre (Ent* 
toidlung (Stöijner) — SWannljeimer 6t)ftem — (E^arlottenburger Softem — 
Öfterreia^: % ^ran! — (öeorgens unb Dein^arbt (ausfü^rlid)) — Amerling 
— Antenfteiner — SBereinsfürforge für 6d)toad)finmge — Sagesanftalt — 
Arbeitsleljrfolonie — Anftalten — Koebu^ation. 

3Son bemfelben 33erfaffer erfa^ien im 3cd)re 1911 bei |>ugo §eEer 
& (£ie. in 935ien eine §d)rift unter bem Sitel: llber ^fndjologie unb ^fr>-- 
^opat^ologie bes Kinbes, toorin in gemeinoerftänblid)er 2öeife tage unb 
meift gutreffenbe ^Belehrungen über biefe 2Biffenfd)aften geboten toerben. 

^Iber aud) afle biefe 2Berfe bringen nur Qu\ammen = 
ft e 1 1 u n g e n ber roid)ttgften gefdjt^tlic^en Satfadjen, roeniger 
auf ©runb eigener 5 or W un 9 en a ^ 5 üielmeljr an ber §anb üon 
Entlehnungen aus ber bisherigen Literatur bes 6ä)toadjfinnigen= 
btlbungsroefens. 5)a bie erften 93eftrebungen ber 6a^tr)ad)finnigen= 



— 11 — 

fürforge an Me SBirffamfeit ber 3 b i o fce n a n ft a It e n gefnüpft 
ftnb, fo formen mir t)on einer (öefd)iä)te bes |>ilfsfd)ulu>efens erft 
mit ber (Entftefyung ber eigentlichen § i l f s f d) u l = 
beroegung in 2)eutfd)lanb fpredjen, roerben aber aud) fd)on 
aus ber oorljergeljenben 3^it einige SJlänner namhaft machen 
muffen, bie ben £ilfsfd)iutgebanfen bereite erfaßt unb in il>ren 
33eftrebungen aud) größtenteils p oerroirflidjen gefud)t Ratten. 
(Es fei fyier aber ausbrücflid)! tjeroorgeljoben, ba$ bie Änftalten für 
(Ergiefyung unb Unterrid)t geiftesfdjro ad) er Kinber (3biotenanftal= 
ten) als bie eigentlid)e äRu.tter ber 6d)>ioad)finnigenbilbung 
be§eid)net §u roerben oerbienen, von benen fid) fpäter als Söd)ter 
bie £ilfsfd)ulen abgeneigt tjaben. 

§>en $erfud), bie ©efdjidjte bes $tlf sf d)uIto ef ene in djarat^ 
teriftifdje 3^tt abf (^nitt e einzuteilen, tjaben bereite einige 
^adnnänner mit metjr ober roeniger glücflid)em (Erfolg gemalt; 
bod) fel)lt ben oon ifynen aufgehellten S^^räumen trielfad) nod) 
bas beftimmte djarafteriftifdje Süterfmal. 

5 u d) 6 unterfdjieibet folgenbe S^tabfa^nitte: 

1. 2>te fürforge für bxe tieffteljenben (öeiftesfd)road)en. 3)te 3^it 
cor 1864. 

2. ©te (Entftefjung bes ipüfsfdntlgebanfens unb feine erfte 93ertmr?= 
Iidumg. 1864 bis 1881. 

3. ©er 2luffdntmng ber §üfsfdjutbett)egung unb bie (örünbung felb= 
ftänbiger £tlfsfd)uten. 1881 bis 1903. 

4. 2)ie genauere ^Differenzierung bes 6d)ülermatertals unb ber "Stus» 
hau ber £üfsfd)ule. 9Son 1903 an. 

(Es ift tiefe (Einteilung eine burdjaus beredjtigte, unb id) 
fdjließe mid) im mef entließen an fie an, giefye aber bie ©renken 
in etroas anberer Sfltdjtung» 

1. 3^^tabfd)nitt : Vorlauf er ber £ilfsfd)ul = 
beroegung. SDte 3^tt bis $um (Enbe bes 3al)res 1863. 

2. 3eitabfd)'ttttt: S) i e (E> r ü n b u n g ber e r ft e n 
§ i l f 5 f d) u l e n. 2)ie Seit oon 1864 bis 1886. ^Beginn mit 
bem (Erfdjieinen ber Stötjnerfdjen (Schrift: Sd)ulen für fd)road)= 
befähigte Kinber; erfter (Entrourf $ur 33egrünbung berfelben. (Es 
roerben im 6inne ber 6tötmerfd)ien Anregungen bie erften, meift 
fd)on felbftänbigen §ilfsfd)ulen gegrünbet: ©resben 1867, ©era 
1874, (Elberfelb 1879, ßeipgig unb 93raunfd>roeig 1881, ©ortmunb 
unb £alberftabt 1883, Krefelb unb Königsberg i. Sßr. 1885, (Eöln 
unb 9ieid)enbad) i. SöogtL 1886. Klärung unb erfte Verroirf-- 
lid)itng bes §ilfsfd)ulgebanfens. Anfänge ber §ilfsfd)ulliteratur. 

3. 3citabfd)nitt: 2) i e rafdje Verbreitung ber 
$ i 1 f s f d) u l e n. 5)ie Seit oon 1887 bis <£nbe 1904, (Eingeleitet 
tourbe biefer ßeitabfe^nttt mit ber Annahme bes befannten Kiel= 
l)ornfd)en Seitfafees auf ber beutfeben £ef)reroerfammlung gu 
©otl)a im 3al)re 1887. ©rünbung bes $iIfsfd)uloerbanbes im 



— 12 — 

3al)rc 1898. 3al)lteid)e ltterarifd)e (frfd)einungen über bxxs &ilfs-- 
fd)ulroefen. 3<*l)l ^er Jpilfsfdjulen am (£nbe btefer ^eriobe ettoa 
150 mit 700 klaffen unb ruttb 15 000 6d)ülern. 

4. 3eitabfd)nitt: 2) i e innere ^usgeftaltung 
ber<pilfsfd)uleunbbie93egrünbungeineripilfs = 
f d) u I u> i f f e n f d> a f t. 5)ie 3eit oon 1905 an. (Erlag bes preu- 
fjifdjen Unterrid)tsminifters oom 2. 3anuar 1905 mit maggeben- 
ben 3kfrimmungen oon grunblegenber 93ebeutung für bie innere 
ipilfsfcfyulentroidlung. ©rünbung einer eigenen 3ei*fd)rift. 9ln- 
ioad)|en ber toiffenfcfyaftlidjjen £ilfsfd)ulliteratur. (Einführung ber 
£ilfsfd)ullel)rerprüfung. 

5Urmfje bringt in ber ipilfsfdjule 3ctf)rg. 1918 £eft 9 §roei 
Überfid)ten, eine naefy äußeren unb eine nad) inneren ©eficfyts-- 
punften aufgefteEte, als maftgebenbe 3ßitabfd)nitte ber §ilfsfd)ul-- 
entnncflung. 6eine erfte Überfielt roeift folgenbe 3eit<*bfd)nitte 
auf: 

1. 3 e itobfcf)mtt: Vorläufer ber $ilfsfc$ule: SBon © u g -- 
g e n m o o s' unb 933 e i f e s fyilfsfdmlcujnliäjen 93eftrebungen bis gut (Er= 
rit^tung einer SRa^ilfcflaffe in Bresben* — Sie 3eit oon 1816 bis 1867. 

2. 3 e ita&fd)mtt: S a s jaf)Ienmä§ig longfame 91 n ro a <§ = 
fen oon &Ufsfct)uleinricijtungen unb bieSöiberftänbe 
gegen fie im legten drittel bes 19. 3<*^)*f)iinberts. Sas 
|>ilfsfd)ultoefen oon ber SReiajsgrünbung bis gum SBereinsäufammenfdjlufc 
ber §ilfsfd)ullel)rerfd)aft. Sie 3eit oon 1874 bis 1898. 

3. 3 c itöbfdmitt: S i e r a f d) e 93ermel)rung ber £ i l f s = 
faulen im neuen 3af)rl)unbert. Ser [iegenbe £ilfsfdjulge* 
bonle feit bem 93eftel)en bes beutfcf)en §ilfsfd)uloerbanbes. Sie 3^it oon 
1899 an. 

Sie jtoeite Überjtcfjt bietet folgenbe 3 e itöbfd)nitte: 

1. 3eitabfdmitt: Vorläufer ber $tlfsfd)ulpäbagogt£. 
S3on 3 o r b a n , Sern SSerfoffer ber „£eoenfcf)ur, bis gu 2Jc 1 1 b e , bem |>er« 
ausgeber eines faft mobernen 3lnfd)auungen entfpredjenben „2el)rbud)e* 
ber (Ergiel)ung", and) für fd)toacf)finnige 5Unber im 9*al)men ber SBoIfsfdmle. 
Sie Seit oon 1533 bis 1813. 

2. 3eitabfdmitt: Sie (Entftefjung ber Fachliteratur auf 
©runb praftifd)er (Erfahrungen. 95on 9B e i f e , bem 33er= 
faffer bes geitlid) erften fad^männifd)en Seitfabens, bis gu 6 1 ö fc n e r , 
bem ^Bearbeiter eines erften (Entwurfes gur SSegrünbung oon Spulen für 
fa)toacl)befä^igte ^inber. Sie 3eit oon 1820 bis 1864. 

3. 3eitabfd)mtt: Sie (En ttoidlung ber £i Ifsfdj u Ip ab = 
agogi? auf breiterer ©runblage unb in teilmeifer $1 n= 
lef)nung an bie Hnt er r i d)t s er g eb nif f e ber 3bioten = 
an ft alten. 93on 5L 93artI)olb, bem 95erfaffer ber erften gibel für 
6<f)road)fmmge, bis gu bem 3 e itpun!te ber 93enu§ung bes oom £ef)rer-- 
follegium ber Seipgiger £ilfsf<I)ule gefefjaffenen ßefebudjes für £ilfsfdmlen. 
Sie 3eit oon 1865 bis 1900. 

4. 3eitabfd)nitt: Sie 9lus g eftal tun g ber §ilfsfdjul« 
ergiefyung auf ber ©runblage ber eigenen (E r f a f) r u n = 
gen. Sie 3eitfpanne bes (Erfd^einens einer ga^lreic^en Fachliteratur nebft 
©rünbung einer 9Konatsfä)rift für bie gefamten 3utereffen ber ipilfsfdjule 



— 13 — 

unb iljrer ßeljrer, ber privaten 9lus« unb JortbUbung ber fiefjrfräfte unb 
bes CBinfefcens ber gefeilteren Regelung bes ^üfsfäutltDefens. 3)ie 3^^ 
x>on 1901 bis 1913. 

5. 3 c ftabfdS)nttt: 6 d) a f f u n g ber Unterlagen für ben 
Ausbau ber auf f enf tfjaf tlid)en ^Bearbeitung unb 
metf)obifd)en 2)urd)forfdjung bes gad)gebietes. Sie 
^ßeriobe ber fnftemattfdjen Slusbilbung unb "©ertoenbung ber ßeljrträfte 
uon bem Qtxtpunlte bes Snfrafttretens eines preufjtfd&en ©efetjes für bie 
^ilfsfa^uHe^rerprüfungen. 2)ie ßeit uon 1914 an. 1 ) 



L 3ettaBfd>nitt 

Vorläufe* feet 5)tiM<$tti&ctoegtmg* 

2)ie 3cit bis gum (Enbe bes 3a*)res 1863. 

(Sine ber älteften literattfdjen (Erf Meinungen 
auf bem ©ebtete bes 6<fytr>ad)ftnnigenbtlbungstt>efens bürfte bie 
unter bem Sitel „2et)enf<fyul" im 3crf)re 1533 herausgegebene 
6d)rift eines ^eter 3 o r b a n in Sftatng fein. Übet 3.s Sßerfi5n= 
iid)!eit ift toenig befannt geworben; man u>ei§ nur, baß er eine 
3)rucferei in 2Ratng befaß, aus meiner in ben 3cri)ren 1533 bis 
1535 eine 2ln&aI)I oon Druden Ijeroorging. 2)er ooKftänbige Sitel 
bes erroäfynten 2Berfd)ens lautet: 

Cevenfd)uL 

WJe man ftünftlid) 

vnb bebenb/ fd^eyben vnnb 
lefen foll lernen. Darneben 
aud) eyn vntberrid)t/ wie bie vngele 
rigen höpff/ jo eyns grobe verftanbs 
feyn/ on bud)ftaben/ bureb figu* 
ren vn Caracteren/ fo jnen 
jelbft anmutig/ aller* 
ley 3ur noturfft 
an3ufd)2ei 
ben vnb 3U lefen/ follen vnber* 
weyfct werben. 

( Öetrucfct 3U (Deyntj bey Peter 

Jojöan/ woneö 3ur Oülöen Ceb 

berbofen/ vff dem Graben. 



*) 3 ur Beurteilung biefer 93orfd)läge fiehe meinen 'Sluffatj: 2)ie (£nt« 
«ridlungsperioben ber ipUfsfdmle, in ber „§ilfsftf)ule" 3a^rg. 1919 §. 4. 



— 14 — 

Über bie Anlage bes 93üd)leins unb feinen 3ui)alt laffen von 
einige 'üuöfüijrungen k t r m (3 e 6 quo ber 3eitfd)rift für ftinber= 
forjdjung 3al)rg. 16, 8, folgen. 

„3l)t'cr ftofflidjen (£>runblage nad; leljnt fid) bie „iienenjdjul" ftart 
an „Ste redjte roets auffs türtjtft lefen gu lernen" non Valentin 3rfel-- 
famer an, mit ber manüjes fajt toörtlid) übereinftimmt, unb beren erfte 
Ausgabe bereits 1527 erjdjienen mar. 3)ic „^eijenfctjul" barf als bie 
früljefte Einbeulung auf ben toa)reiblefeunterrid)t ange|prod)en werben. 5)a» 
neben roaren beibe, fotuotjl 3delfamer roie 3orban, s 4nt)änger ber Üautier-- 
mettyobe, bie erft 3<u)rt)unberte fpdtcr burd) £einridj toteptjani, 1761 bis 
1850, in ti)rem !2Berte ertannt unb bem aligemeinen ödjulgebraudje guge= 
füljrt tourbe. 

3Benben roir uns nunmehr ben 3been 3 r b a n s gu, bie ben (ö e i -- 
fte s f d) ro a d) e n gelten. ödjon ber Site! brüctt bies ttar unb beutlid) aus, 
roenn er fagt: ,, 2>arneben oud) e n n untfjerria^t, rote bie un = 
geierigen töpff, fo enns grobe nerftanbs jepn . . . follen 
unberroeifet roerbe n." Safe es fid; t)ier nur um geiftig befette £in-- 
ber geljanbelt tjaben tann, liegt tlar auf öer £anb. 9lber roirö man fragen: 
2£ie tarn biefer s ^eter 3orban bagu, an bie Sdjroadjbegabten §u beuten? 
9lun, als oerftänbigem SUtanne, ber ftd) neben feinem Berufe gerotfc aud) als 
„Sdjulmeifter" betätigte, roaren iljm bie ungelehrigen Stopfe nid)t gieia> 
gültig geroefen, er fjatte if)nen nielmetjr 93ead)tung gefdjentt unö barüber 
nadjgebadjt, roie man i^nen burd) Unterriajt beitommen tonne. Sie $lbo 
büa)er feiner 3ßit roaren tf)tn betannt, benn er bemertt felbft, baft er „fold)er 
büajlein tuet über lefen, fyatte jebod) nutzer allen Eenns gefunben ba$ bes 
lobs roirbiger ift / bau eins / fo Valentin 3dels^amer bef abrieben t)at / 
burd) roeldjes id) aud) bin nerurfaajt roorben / Sift menn büdjlein §u truden, 
Samt id) furroar fenner mennung / fo r»iel id) bes t>erftanben / nad) gefolgt 
tjab / tmnb mennen tmuerftanb aufe feunem fdjrenbenn / gu befferem t)er= 
ftanbt erroentert \)<xb." SHefe 3delfamerfd)e ,,red)te roeis", in ber fiel) bie 
SBorte finben „tmnb mus ein grober nngefdjictter topff fein / bers nia^t er= 
greiffen roölt / roenn er ber bud)ftaben / nad) redjter art tmb erfinbung / roie 
jjernad) melbung bauon gefd)et)en roirb / berietet roere", mag iljn aber bagu 
angeregt Ijaben, feine C5rf)rtft fpegielt für fold)e „rmgefd)idten töpff" mit gu 
beftimmen. 2Bie er einerfeits red)t befdjeiben non feinem 2Biffen unb Slöm 
nen benft, g. 33. 3delfamer gegenüber, fo ift er anbererfeits fid) beffen tlar 
beroufet, ba$ er mit feinem 2&er£d)en eine befonbere Seiftung oollbraa^t fyabe, 
benn er roünfd)t biefes nia^t etroa als £el)rmittel für bie ^anb bes 6d)üters, 
fonbern als Seitfaben in berjenigen bes Se^rers, bamit bie „anfaljenbt fauler 
, . . . balb §um lefen gefa^idt roerb / bann es roirt bod) tenmer non \m felbs 
getert / ex \ab bann üor^in enn nnberroeifer nun fdmlmenfter." 2ßenn man 
beben!t, ba§ fd)roaa^finnige ^inber nid)t in ber Sage finb, £el)rmittel o^ne 
Einleitung rec^t gu gebrauten, fo roirb ber ipinroets auf eine fotdje o^ne 
roeiteres nerftänblid). 

3orban l)ätt in feiner „Senenfc^uot" in erfter Sinie aufs Sefen unb 
erft in groeiter Sinte aufs 6d)reiben. ®ie Elnmeifungen l)infia)tlid) ber 
6d)road)en nehmen auf beibes ^Be§ug. 9tad)bem er in ber Anleitung „3Bie 
man bie anfa^enben / fo luft tmnb liebe fjaben lefen gu lernen / erftlid) 
rmberroenfen foll", bargetegt ^at, bafr es unmet^obifd) fei, menn man bas 
Ellplmbet ber 9iei^e nad) einpräge, ftatt „allenn bie fünf 2autbud)ftabc gum 
anfang" einzuüben, befaßt er fid) jogteid) mit ben mtnberbegabten ec^ülern, 
unb groar in 2lnbetrad)t bes geringen Hmfangs feines 9Süd)teins ausfü^r= 
lief) genug. 

(£r fagt barüber folgenbes: 



— 15 — 

„Damit aber bie jenen fo grobe ver 
jtentnufc tyaben / befto leyapter vn be* 
Jenaer / bie art vnb eygentfdjafft aU 
ler budjftaben lernen kennen / vn mit 
jren rechten natürlichen namen nen= 
nen vnb aufo fpredjen / t)ab ich; eynem 
yeclidjen budjftaben ein figur obber 
Caractcr / eyns bings / bafe mit folcfye 
bud)ftaben angestimmt vnb befcr;* 
rieben wirt / 3ugefet3t / vff bafe fie bar 
burd) eyn anleytung tyaben / bie buch; 
ftaben 3U nennen. 

5o aber ye eyner fo gar eyns gro 
ben bummen r;irns were / bafc er bie 
bucbitaben 3U kennen vnnb nennen 
nit begreyffen künttye / möd)t er bod) 
burd) bieffe meyne anleyttunge / jm 
feibft eyn abc erwelen / mit figuren 
vnb Caraktere / bie jm am leyd)tften 
3U begreyffen / betyaltenn / fcrjreyben 
vnb aufc 3U fpredjen weren / Jebod) 
"bafe bie anftimmung / gemelter feiner 
erweiten figurn / eyn yiebe fid) reyme 
vff ben bud)ftaben / für ben er fie ferjt 
vnb brauchet. 

(Dan fol aucb bie 5d)uler / fo balb 
fie nur bie fünff Stimmenbe ob Caut 
budpftaben kennen vnb auftfprectyen 
künnen / von ftunb an aud) biefelben 
leren fd)reyben vnb abmalen / Vnnb 
alfo füran mit mit allen bucfyftabe i\)un 
ban folicrjs wirb jne am verjtab vn er 
katmufc nit vnfrud)tbar erfd)iejfen." 

hierauf folgen „Sie fünff ©timmenbe ober ßautbuäjftaben". 2lts 
„ftgur obber Garacter" ftnb betgegeben 

bem a eine „'Slrmbroft" 

e „ „<Sge" 

i ein „3gel" 

// „ „Qdjs" 

„ u eine „93f)r". 

S)arcm reiben flcf) bie Slonfoncmten, unb $voai gunädjft bie „Stummen 
buäjftaben": 

b mit ber gigur /,bed)er" 
c „ „ „ „ctrctel" 
b „ „ „ „begen" 

f n n ,, „W 

g „ „ \h *9a*9/ öobel" 

l „ „ „ Spiel „fart" 

V ,, „ „ //Pendel" 

q „ „ „ „tu, quu" 

t. . „ „ „tefd), tafei"; 

ferner bie „ipalblauten budjftaben": 

l mit ber $igur //lerne" 
m „ „ „ „meffer" 



— 16 — 



n 


mit ber 


%\a.\xx 


„nar" (Starr) 


r 


9 


tt 


n 


„rabt" 


f * 


tt 


tt 


tt 


»fege" 


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ff 


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tt 


„ijfraro" (Stteerroeib) 


% 


ff 


tt 


tt 


$apier „aebtel" 


ro 


H 


ff 


tt 


*roage" 


9 


H 


ff 


tt 


„euer". 



gttr ben fielet fd)road)ftnniger &tnber ntd^t minber intereffant er* 
weift fid) bte „93ebeutung ber ilonfonanten / mit roeldjem organo 
ober gerüft / [ie jm munbe gemacht ro e r b en ", j. 93. „ ( i)as b 
mit feinem gleiten p fd)idt fid) alfo / bafr man ben atfjem mit gue ge* 
trauern munbe galten mufc / bafc er bie baden auftreibt / onn ban bie 
leff&en fdjroinb auff tf)ut / oebod) bas p ift prter bann bas b." Sie 93il« 
bung anberer Saute roirb jebod) roeit einfadjer betrieben. 2)er $lutor be« 
gnügt fid) bamit, gu fagen, bafj „bas l) (entfielt) roie man mit ennem ftarden 
atfjem in bie fjenbt l)aud)t", „bas ro ift ber att)em / roie man beule Eoft 
Maßt" ufto. 

$lm Sd)luffe btefes $lbfd)nittes folgt bann nod)mals bie 2Ra^nung: 
,,©en onoerftenbigen aber onb ongelerigen topffen / mag maus burd) bie 
figuren / gleodjnuß / onn (Earactern roie oben befdnueben / mit flenfc für-- 
Jegen onb einbüben." 

$laü) ber 2>urd)nal)me ber 33ud)ftaben (Saute) Eommen nunmehr bie 
„6rjHaben" brau. 6ilbenbilbungen roie „ha, be, gi, co, lu, ab, eb, ig, oc, 
vX", bie „oolfommen onnb au% gefprodje roerben" foEen, erinnern ftar! an 
ben 9lrtifulationsunterrid)t, roie er in ber heutigen 6djule für Sd)mad)= 
finnige üblid) ift, unb roie fc. 93. 93 a r t f) o I b Ü)n gepflegt rotffen roollte. 

$ln bie Silben reiben ftdt) etliche 93emerEungen „oon ben ©ipfjtongts" 
an. ©arauf „9tul)n fol man bem 6d)üler bas gan& abc furlegen". 

Sämtliche Übungen bes 93üdjleins foHen fo burd)genommen roerben, 
baß „bie Sdjüler bie leodjteften gum erften lernen", überhaupt toünfdjt ber 
93erfajfer ein langfames 93orgel)en, um bie Minber fid)er jutn Sefen ju führen. 
3ft le&teres erreicht, fo roirb bie größere ftertigfeit an jufammen^ängenben 
Sefeftüden geübt. (Entfpred)enb bem Greifte ber Seit finben felbftoerftänblidj 
nur religiöfe fernen 93erroenbung. 6o enthalten benn aud) bie legten 
Seiten oon 3orbans „Seoenfdjuol" nur berartige Sftemorierftütfe: „Sas 
Gatter onnfer"; „2)er (EngeKifdje grüß"; „2)ie 8*»olff 9frttdel bes genügen 
<£l)riftlid)enn ©laubens"; „Sie ße^en ©ebott". 

6ooieI über bie Einlage ber £erjenfd)ul Wenn man bie bamali* 
gen 3eitoerpItniff e in 23etrad)t aierjt, fo oerbient bie 6d)rift alle 9ln= 
erfennung; fäjabe nur, baß fie leine weitere 93ead)tung fanb, fon-- 
bern bis auf unfere 3eit fpurlos oerfdjoüen blieb. 

SCRit ber (Ergierjung unb unterrtdytHäjen 53el)anblung C&eiftes-- 
fdjroadjer befaßte ft<fy aud^ ber origtneEe unb praftifdje Pfarrer 
3o^ann ^riebrid) ^lattt^ in 90Uind)tngen (Württemberg), 
geb. 1713, geft. 1797. $on feinen biesbepglidjen ©runbfä£en 
mögen ^ier einige folgen: „3)ie größte Kunft ift, I)arte ober gar 
ftf)roaä)ie ^öpfe p informieren, benn toeil biefe ol)neI)in ftd) nid)t 
oiel zutrauen unb oergagt finb, fo mirb i!)nen gleid) ber 90Rut gar 
genommen, mann ber öe^rmeifter über fte ungebulbig roirb." 
„2Ran muß nia^t meinen, ba§ biejenigen, roeldje nid)t fiel $er= 
ftanb Ijaben unb nid)t oiel lernen, in ber Welt niä)t oiel roerben 
lönnen. SHe täglid)e (£rfal)rung Ie!)rt, ba% aud) ein Unmeifer 



— 17 — 

» 

ebenfowol)! etwas wirb, töte ein 9Beifer." „(Es gibt 6ubjefte, 
bei weld)en man triel (frebuib Ijaben muß, unb weldje burd) Siebe 
unb freunbltdjes Begeugen aufgemuntert werben foilen. 3Benn 
man nun foldje burd) S^üngsmittel angreift, fo fann man trieles 
bei ifynen oerberben." x ) 

ipter muß nun bie 3Birffamfeit einer Sßerfönlidjfeit (Erwäl)= 
nung finben, bu üielfad) als ber erfte beutfdje §ilfs = 
f d) u II e I) r e r begeidjnet wirb — Sraugott^Beife, ßeljrer 
'an ber £öd)terfd)ule gu Seife, geb. 1793, geft. 1859. 3n Seife foH 
fd)on feit bem 3al)re 1803 eine 9lrt N a d) I) i I f e 1 1 a f f e an ber 
bortigen ^rmenfreifdjule beftanben Ijaben. Slinber, bie für il)r 
^Iter gu wenig wußten, würben jeben Sag, mit $lusnal)me von 
6onnabenb, in ber Seit oon 1 bis 2 UI)r gu einer Nad)I)ilfe im 
£efen, 6d)reiben unb Nedjnen vereinigt unb r»on gwei 2el)rern 
unterrtd)tet. SBeife übernahm fpäter felbft ben Unterridjt in 
tiefer Nad)I)iifefIaffe, fammelte hierbei (Erfahrungen unb ließ im 
3al)re 1820 in ber 2B eb elfdjen 33ud)I)anbIung gu Seife eine 
6d)rift erfd>einen, bie gewiffermaßen einen furgen (Entwurf bes 
ße^rgebäubes feiner päbagogifdjen 6d)wad)finnigenbel)anblungs= 
metljobe bietet 3*)r twllftänbiger Site! lautet: Betrachtung über 
geiftesfdjwadje ^inber in £tnfid)t ber Berftfyiebenfyeit, ©runbur= 
fadfyen, Kenngeidjen unb ber Mittel, tfjnen auf leidyte 3lrt burd) 
Unterridjt beigufommen. 5Qltt befonberer Nüc£fid)t auf bie Sßefta= 
loggifcfye Nedjenmetljobe. 

51 i r m ß e I)at im 3afyre 1911 eine Neubearbeitung ber ©djrift 
mit gefd)id)tlid)en Notigen unb fonftigen 33emer!ungen beforgt, 
woraus wir einiges wiebergeben wollen. 

„3)as 93üd)lein, groar in erfter ßinie für Sefyrer gefdjrieben, in groeiter 
aber aua) für (Altern, beljanbelt in fnapper unb treffenber 5Betfe fo giem- 
Iio) alles, mos ben greunb fdjtoaajfinniger ^inber bamaliger 3 e *ten inter* 
effieren tonnte, obgleia) nur ©acuter etroa bis gum 10. £ebensjaf)re 93erütf= 
fiajtigung erfahren. %üx bie älteren 6d)üler fd)etnt 30 c i f e bie Normal- 
fdmle in 93etraa)t gebogen gu Ijaben. 

2)ie fd)licl)te, einfädle 6pradje, bie Urfprünglidtfeit unb SBärme ber 
©arftellung, bie forrefte ©adjltajt'eit, bie mettyobifcfye (öefd)itflia)Jeit, fo= 
roie bie tiefe (Erfahrung, erroorben bura) eine grünblidje ^ßrajis, oerleiljen 
bem 9Bertd)en einen originellen <£l)araJter, ber auü) ben ffaajmännern ber 
(öegentoart imponieren muß, abgelesen oon bm 5tnfd)auungen, in benen 
20 e i f e fitf) als 5linb feiner &\t legitimiert. Srofcbem J)atte er fid) über 
ben Söert feiner Arbeit eine gar befajeibene Meinung gebilbet, roünfd)t er 

*) Dr. 6 d) u m a n n , ßeipjig, §at neulia^ in ber 3t. f. ^inberf. 1921 
^eft 1 bis 2 einen ^Beitrag gur ©efrf)ia)te ber 5ßlöbfinnigenbitbung gebraut, 
toorin er uns mit gtoei 5ülännern begannt maa^t, bie bereits gu Einfang bes 
19. 3ol)^unberts Snftitute für 93Iöbfinnige ins ßeben gerufen Ratten. (£s 
roaren bies ber ßefycer ^einria^ ip a u e r in 6uberobe bei Queblinburg unb 
ein gemiffer Sßäbagoge bittet in 9leu-?)fenburg bei ffranffurt a. 3R. 3n 
ber 5>auptfarf)e jeboa5 bringt ber 5lrti!el nur bie ^rofpe!te ber genannten 
3nftitutsinl)aber, bie fte im 9teia)sanjeiger in ben 3<ü)ren 1802 bäto. 1803 
oeröffentlid)t Ratten. 

2 



— 18 — 

bod; fef)nlid)ft, 5o§ feine ^Blätter „eine gefdjirftere gebet oeranlaffen", bte» 
£l;ema nodj weiter unb beffer burcfygufütyren. ^Bocoilbec ijatte s -u*eife [o 
gnt u)ie teine, er tonnte fict) t)öd)ftens auf öie 5krictyte feiner Vorgänger an 
ber 3eiB e ^ ipilfötiaffc ftütjen, fofern foletye überhaupt ooetjanben waren, ums 
nid;t einmal erwiefen ift. Ü5on öen geitgenöffifdjen Hretinenforfdjungen rjatte 
er woljl taum eine ^Ujriung, öenn bie fporabifa; hierüber erfdnenenen Publi- 
kationen, bie gubem faft ausfdjlie&lid; oon Uttebiginern t)erüt)rten, roaren 
il)m fidjer nid)t oor bie klugen getommen; fie tonnten it)m aud) nidjt oiel 
nützen. Es blieb alfo für iüSeife nur eine Quelle übrig: Selbfterar* 
bei tun g ber grunblegenben Erfahrungen, 60 erfpriefjlia) 
besfyalb für if)n bie ^iragis werben mufcte, fo fd)lugen bod) aud) oie Söne 
einer neuen päbagogifajen Offenbarung, roenn aua) gögernb, an fein Di)x 
— «iß e ft a 1 g g i, 2)urd) SUemeners „©runbfafce" unb „fieitfaben ber 
Sßäbagogtf unb Sibaftit" rourbe 3Beife mit ben 3öeen bes großen 
Sdjwetgers betannt. 3n ©emeinfdjaft mit feinem £el)rer 9iebs ftubierte er 
bann fpäter ^cftaloggis Originaif Triften, ätfenn man alfo ben ©eiftSßeft a- 
1 g g i s bei 2B e i f e beutlid) oerfpürt, fo finben mir bagegen 51 i e m e n e r 
oft wörtlid) gittert, Sies fd)eint wunberlid), finbet aber feine Erklärung 
barin, ba$ 9t i e m e n e r als einer ber bebeutenbften (ZUdtiUx niajt ge* 
ringen Einfluß auf bie Ißäbagogil ausübte; gubem mar er 3öeife aua) 
räumlid) naf)e, 

2Bas bie Anlage bes Scfjriftdjens betrifft, fo muß fyeroorgelmben 
werben, bog ber Aufbau ein burd)aus logifdjer gu nennen ift ©er Ein- 
leitung, bie uns mit 3wed unb Söefen bes 53üd)eld)ens begannt mad)t, 
folgt gunäd)ft bie Einteilung ber geiftesfd)waa)en Kinber, 
hierauf bie U r f a d) e n ber ©eiftesfd)wäd)e; bamn fajltefjen fia) bie 
^ennjeic|en berfelben, um bann mit bem befonbers umfangreichen $lb- 
(d)nitte über bie SBefjanblung ber Sd)wad)finnigen gu fdjliefcen. 

®ie Einteilung ber fd)wad)finnigen Kinber bafiert bei feeife 
auf bem 35oben ber qualitatioen unb quantitativen ©eiftesträfte. Er unter» 
fd)etbet brei ©ruppen, oljne jeboa) feine SUaffififation als abgefd)loffen gu 
betrautem gair it)n fommt es in erfter ßinie barauf an, für feine v'db= 
agogifdje ^Betätigung brei £auptflaffen aufguftellen, bie einen überblicf über 
bas gefamte ©ebiet ermöglichen, Sie erfte klaffe vereitelt alle ^Benutzungen: 
SBollibioten. S)ie 2Befen ber gweiten klaffe befi^en gwar l)öf)ere unb niebere 
©eiftesträfte, aber biefe Vermögen finb 1. gu fd)waa), ober 2. gehörig ftar!, 
bod) gleid)fam mit einer Prüfte überwogen. 2)ie britte klaffe weift ^inber 
auf, bie entweber 1. pfyere Seeleniräfte mit fd)led)ten nieberen ober 
2, gute niebere mit fdjled)ten f)öf)eren befi&en. 9lud) bie 33erbinbung ber 
fogenannten „f)öi)eren" unb „nieberen" ©eiftesträfte Eann eine redjt oiel» 
fettige fein. Unter ben erfteren verfielt er bas Selbftbemufctfein, bie Ur- 
teilskraft unb bas Vermögen gu probugteren unb gu reprobugieren, $lls niebere 
SeelenMfte tommen bie meljr mec^anifd) unb willturiid) fic^ ooügie^enben 
in 33etraä)t, wie ©ebäa^tnis, Einbilbungs!raft ufw, 

§tnfid)tlid) ber Ur fachen bes 6c^wad)ftnns, wie ber ©eiftestranf- 
fetten überhaupt, fdjliefct fid) 3Beife gang ben 2lnfidjten feiner 3eit an. 
©ie pfr)d)tatrifd)e SlBiffenfd^aft in ®eutfa)lanb be^arrte bamals auf bem 
pI)ilofop^ifa;=pft)C^oIogifc^en 6tanbpun!te, wie tfjn ^einrot^ 1 ) unb 
3 b e l e r 2 ) vertraten, Sßä^renb jener behauptete, ba§ bie ©eelenftörungen 
aus 6ünbe unb Abfall oon ©ott entftänben, unb bementfpredjenb frommes 
Seben unb d)riftlid)er ©laube bie Hauptaufgabe ber 93etjanblung bilbe, fua^te 



x ) ^einrot^/ £eljrbudj ber Störungen bes Seelenlebens ober 
Seelenftörungen unb if)rer SBe^anblung, 2 Seile. Seipgig 1818. 

2 ) ©runbrifc ber Seelen^eilfunbe, 2 Seile, «Berlin 1835 unb 1838. 
— SBergl, aud) gr iebr et dj, 3ur pfnc^iatrifd)en ßiteratur bes neun= 
geinten 3o^)^unberts 1801 bis 1836. SRegensburg 1842. 



— 19 — 

tiefer bas tranttjafte ©eiftesleben auf bem SBege 5er ©ialefttf gu bekämpfen, 
daneben folgert 3i> e i f e ober gang richtig, bafj bie tieferen faufalen s iUo» 
mente in ben 3Bed)felu)irtungen oon Körper unb ©eift begrünbet liegen. 

2)ie Kenngeidtjen ber ©eiftesfd)toäd)e treten am tlarften jutage „in 
ben 3af)ren bes 6ctmibefud)s". 

3)en größten Seil bes 6d)riftcf)ens nimmt bie 93el)anblung ein. 
2ö e i f e untcrfdjeibet jmei fiattoven, bie fid) in bie Arbeit gu teilen 
fyaben: Sie Sätigteit bes $lrgtes, bie fidf) auf bas #r)gienifd[)e erftredt, unb 
bie päbagogifa>ergiel)lid)e, bie bem £el)rer gufällt. 2)urd) biefe nernünftige 
ßmeiteilung ber Aufgabe botumentiert er gmedmäfjige &nfa;auungen. lEr 
Ijat §u bem $lrgte bas Vertrauen, ba$ berfelbe innerhalb feiner 6pt)äre bas 
93efte tun merbe für biefe tanften, mie aud) er nad) ber fdjulgemägen 6eite 
f)in es an niajts fehlen laffen mirb. 2)a& ber £el)rer tro&bem bie Eörper* 
lidfje (Ergiefjung ber Soviler nid)t aus ben klugen laffen barf, ift iljm felbft* 
oerftänblid). 

^Següglidj) ber gebotenen 9Jta§naI)men feljen mir, ba$ 9B e i f e , 
namentlich audj) ben Altern fa^maa^finniger Ktnber, eine Anleitung gur 
(Ergiefyung in bie Qanb gu geben münfdjte, unb barum, mie fd)on bemerkt, 
bie ^Beljanblung jüngerer Elemente befajreibt. Deshalb erftreden fid) feine 
Darlegungen auf „ § m e i ipauptmomentc ber (Entmidlung ber 
(Er Eenntnisfr äf t e : 

1. 2) t e f i n n l i d) anfcfyauenbe (Erkenntnis, 

2. bas (£rmad)en ber Vernunft im meiteren 6 1 n n c." 

(5o gleist bas 93üd)lein einem ßeitfaben für ben erften oorberei= 
tenben Unterricht im 6inne 23artl)olbs. 6d)on bie äRutter ift in ber 
Sage, mit if)rem Kinbe „SBerftanbesübungen" ufm. üomeljmen ju tonnen. 
(Ein fo gefdmltes Kinb aber mirb für ben £ef)rer, ber aisbann bie Sätig* 
leit an it)tn fortfe|t, geringere 6a)mterig!eiten bieten, ßefen, (Schreiben, 
$ftecf)nen, 93erfiänbnis für religiöfes ßeben, le&teres, fomeit es bem $affungs= 
tjermögen ber Sdjüler entfpridjt, bilben bie organifd)e gortfe&ung ber unter» 
ridjtlictjen 93el)anblung in ber ©djule. 

©ro&e SBebeutung mißt 2Beife ber 9lnmenbung ber Sßeftalogjtfdjjen 
9ied)enmetl)obe bei, „benn nichts ift gefc^idter, ben nerftedten l)öl)eren ©ei« 
ftesfunfen gu einem mofjltätig märmenben geuer an§ufad)en als bas 9ied)nen, 
ober mol)l gemerft nad) 'ißeftalo^is SRetljobe". Kein med^anifc^es (Eintric^-- 
tern oon 3 a f)l e nreil)en foH ben ©djmmdjfinnigen langtoeilen, fonbern burd) 
mannigfaltige unb pufige finnltd[)e SBeranfdjauüdfmng ift bas Sftedjenoer= 
ftänbnis angubafjnen unb mettergubtlben, namentltd) aucl) im §inblid auf 
bie fpätere "Slnmenbung im £eben. 

So §at ftcj) 20 e i f e feine 9lnfid)ten über bie 9Mlbung fcljmad)be= 
gabter Kinber auf einem 2Bege errungen, ber i^m als ber redjte £el)r= 
meifter unenblid) toertooH gemorben ift: auf bem ber prafti» 
fdjen (Erfahrung, bie ifym innerliche 93efriebigung braute, unb 
iljn in be§ug auf bie erlangten (Erfolge ausrufen lieg: „2)as ift 
mein ©laube, ob es aber toirElidj ber meiner ^Beurteiler fein toirb, 
muß id) ermarten, boa) fd^meid^le id) mir, meinem (Enb = 
^roede auf jeben ^all näf)er gekommen gu fein." Sief e 93e= 
urteilung ber eigenen 2ätig!eit ift entfdn'eben richtig, Denn 2Beife barf 
als einer ber fadjhmbigften Sßfabfinber ber 6d)toad)finnigenbel)anblung an= 
gefe^en ju roerben, namentlia; aud) bann, toenn mir bie moberne abnormen» 
bilbung mit feinen 53eftrebungen oergleid)en. 3)ie ©runbgebanten finb bie= 
felben. 

Um fo oermunberlia^er mug es besfjalb erfa;einen, ba§ feine 2öir!-- 
famfeit unb bas aus il)r eru>ad)fene 6d)riftd^en bie 5lufmer!fam!eit ber 
Seitgenoffen in fo geringem 9Rage erregt haben. ^Iber mer !ümmerte fia^ 
moljl bamals im großen unb gangen um bas menig umfangreid)e 6d)rift= 
d)en eines befdjeibenen unb fd)lid)ten ^trmenfc^ulmeifters? — 3Bcnn man 

2* 



— 20 — 

ferner ©eiftesftörungen üielfad) burd) Sieligionsübungen 31t befettigen Jjoffte, 
[o liegt bie Slnnaljme nalje, ba$ 5te objettine Söürbigung berartiger 3bcen 
negatio ausfallen mufcte. 2Kan Ijatte eben bie 93ebeutung unb bas 2öefen 
bes ^Problems nid)t ertannt, unb fomit mufjte 2Beife ein ^Brebiacr in ber 
Söüfte bleiben." 

©er erfte 93al)nbred)er, welcher gugunften ber (Ein - 
r i d) t u n g oon ipilfsfdjulen bas 3Bort ergriff, war Dr. $ e r i n g 
in ßiesborn in SBeftfalen, geb. 1773, gefi. 1829. SB. ijatte eine 
Heine ^rioatanftalt für ©eiftesfranfe eingerichtet unb fdjrieb 
meljrfad) über bas ©ebiet ber Sßfodjiatrie. 3n bzn 3af)ren 1817 
bis 1821 erfdjien in ßeipgig feine §weibänbige Sßfodjifdje §ei(- 
funbe, in welker fid) ber bemerfenswerte 6afc befinbet: „(Es 
wäre w i r U i d) gu w ü n f d) e n , b a fj in großen 6 1 ä b -- 
ten, wo bie 3 ci I) I ber b I ö b -- unb fd)wad)finnigen 
5Unber gewöljniid) f e I) r beträcfytlid) ift, eigene 
Unterridjtsanft alten für felbige errietet roür-- 
ben, fo wie man fdjon feit längerer 3eit für 
Saubftumme unb 93Iinbe foldje 3nftitute ange-- 
legt f>at." — 3)er £ilfsfd)ulgebanfe ift barin wof)I flar unb 
beutlid) ausgefprodjen, bod) gemeint finb eigentlich feine 6d)ulen, 
onbern 3nternate, u)ie fie für Saubftumme unb 93Iinbe bamals 
oeftanben unb aud) fyeute nod) oorwtegenb in biefer (Einrichtung 
befteljen. 

$lls ein weiterer Vorläufer ber §ilfsfd)ule ift ber £ef)= 
rer ©uggenmoos in ipaflein unb fpäter in Salzburg gu 
nennen, 2)iefer errichtete im 3alj)re 1816 in ber 6alinenftabt 
^allein eine Sßrioatfcfyule für fretinoibe, taubftumme, fprad)-- 
Iranle unb fd)werl)örenb>e Slinber. Seine 6d)ule beftanb in ^allein 
bis gum 3at)re 1829; bann wuvbt fie nad) 6algburg verlegt, ujo 
fie im Safyre 1835 infolge ungenügender Unterftüfeung einging. 
Über bie 9J(ett)obe (&.s ift wenig befannt geworben, ba er nidjts 
veröffentlicht fjat; aber einiges wiffen wir bod). (Es galt bei 
ifym als ©runbfafc, nie mefyr als 15 6d)üler auf einmal in einer 
fed)s= bis achtjährigen ©djulgeit auspbilben. gür ben beginn 
bes Unterrichts erachtete er bas fiebente ßebensjarjr als bas 
geeignetfte. 3)er Unterricht erftredte fid) auf ßefen, 6d)reiben, 
Steinen, Religion unb 6prad)übungen. 3bioten waren oon ber 
^lufnarjme ausgefdjloffen. — ©. ftanb feinem Unternehmen mit 
fyingebenber Siebe, feltener Slusbauer unb groger Opferwilligst 
oor. Über fein fonftiges ßeben ift weiter nichts befannt geworben. 

3n bemfelben 3crt)re (1835), als ©uggenmoos fein Un= 
ternetjmen aufgeben muffte, grünbete ber Sßfarrer £ a I b e n = 
w a n g gu Söilbberg in Württemberg bie e r ft e 91 n ft a 1 1 für 
6d)wad)finnige. 5)ie 3<tf)I o^ Kinber, meift fretinoibe, 
ftieg bis auf 24. ©er Unterricht I)atte bie Konfirmation gum 
3iel. (Er muß feljr gweefmägig erteilt worben fein; benn es fonn-- 
ten aHiäfjriid) mehrere Kinder fonfirmiert werben. 911s im 3crf)te 



— 21 — 

1847 bie jefet nod) befterjenbe £eil-- unb Sßflegeanftalt gu 9ftarta= 
berg eröffnet rourbe, löfte §>. feine "ülnftalt auf unb übergab bie 
legten geljn S\inber ber neuen 95ilbungsftätte. Sßfarrer §. fyat 
aud) md)ts über feine ^Inftalt ocröffentIid>t; er leitete fie aber 
mit großer Eingabe unb Xlneigennüfeigfeit 3)as 3Berf §.s fyat 
infofern eine geroiffe 33ebeutung, als es bie e r ft e 3biotenanftaIt 
in ©eutfd)Ianb roar. 

Qu ber $z\t, a * 6 ©uggenmoos unb £>aIbenroang, 
bie erften Vorläufer ber 6d)itDad)finnigenfürforge, irjre 95ilbungs= 
oerfudje anftellten, begann aud) nod) ein anberer Sflann feine 
Sätigfett als 3biotenIer;rer; es roar bies ber ßerjrer Slern in 
(Eifenad) — fpöter ©ireftor Dr. Slern in ködern — , ber im 
3at)re 1834 groei fdfyroadjfinnige Kinber mit (Erfolg gur ^onfir-- 
matton oorbereitete. Um fid) für feinen neuen 93eruf merjr (Se= 
fd)icc anzueignen, befugte er bie Saubftummenanftalt gu £eipgig, 
rourbe bafelbft für f urge 3eit £et)rer, l efyrte aber balb nad) (Eifenad) 
gurüd, um bie ßeitung ber bortigen Saubftummenanftalt gu über= 
nehmen. (Er befd)öftigte fid) fortbauernb mit ber (Ergierjung unb 
bem Unterrid)t ibiotifd)er Stinber unb faßte im 3arjre 1847 ben 
(Entfd)Iuß, fid) gang ber 3biotenergierjung gu toibmen. (Er fiebelte 
nad) ßeipgig über, befugte bie Unioerfität unb erlangte bie 3)of= 
torroürbe ber 9Jtebigm. 6päter grünbete er in ködern eine 2ln= 
ftalt, bie nod) fjeute befreit. Dr. ^ern fyat infofern ein großes 
3ntereffe für uns, als er im 3afyre 1863 (14. üRooember) in ber 
Sßäbagogifdjen © e f e l i f d) a f t gu ßeipgig einen Vortrag 
über bie (Ergiefyung unb Pflege blöbfinniger S^inber fyielt, roorin 
er am 6d)Iuffe ben $Bunfd) ausfprad), ba$ für SUnber, 
roeldje in ben $o Ifsf d) ulen mit ben anberen 
6d)ülern n i dt) t gleidjen 6 d) r i 1 1 gu rj alten t> e r -- 
mögen, 6 d) ulen für 6 djroad) finnige errichtet 
roerben müßten. $luf feine Anregung fyin bilbete fiefy im 
3afyre 1865 auf ber allgemeinen 3)eutfd)en £efyrerüerfammlung 
^u Seipgig eine fyetlpäbagogifd)e$lbteilung,bie fpäter 
gur 33ilbung ber ©ef ellf d) af t gur görberung oer 
6 cfyro ad)-- unb 93töbfinnigenbilbung füfyrte/ 2)iefe 
fd)Ioß fid) nod) in bemfelben 3al)re gu §annot)er gu einem herein 
gufammen unb fytelt aud) eine 6ifeung ab, 1 ) auf roelcfyer Saub-- 

r 

x ) ©iefe Si&ung fanb im 6eptember 1865 gu £annot)er ftott anläß* 
Ud) einer 93erfammlung beutfdjer 9Jaturforfd)er unb $r§te. 3n 6onberr>er-- 
fammlungcn ber Vertreter r>on 3biotenanftalten bes 3u= unb ^tuslanbes 
fpradjen f)ier Dr. 51 i n b über Sbtotie, Dr. ^ e r n unb SHreftor 93 a r t = 
I) o l 6 über ©lieberung ber 3biotenanftalten unb 6 1 ö ij n e r über S dj u = 
Ien für fd)tr>ad)bcfäl)igte ^tnber, roobei letzterer aud) ben ©fr» 
banden ausfprad), es fei bebenfüd), fdf)road)finnige ^inber gufammen mit 
blöbfinnigen ergießen gu rooUen. — SSergl. k i r m ß e , ©ie (SefeUfdjaft ber 
6d)road)finnigcn-- unb 93löbfinnigenbilbung. 3t. f. 93ef). Sd)ro. 1915, 10. — 
©erfclbe, Dr. med. ftern. 3t. f. <Bef). 6d)ro. 1914, 7. 



— 22 — 

ftummenleljrer 6 1 ö fc n e r , fceipgig, feine Anfielen unb (öeban-- 
!en über bic 6d)ulen für fd)tDad>befäI)tgtc (fd)toad)finnige) ftinber 
enttoid'eln burfte. 2)ie Skrfammlung einigte fid) gur Annahme 
bes Sajjes: „3n allen größeren 6t ab ten grünbe 
man 6d)ulen für fd)toad)finnige SU n ber, bamit 
biefe, bie fpäter g u m großen Seil ber © e - 
meinbe gur £aft fallen, burd) geeignete $er-- 
f önlid)f eiten unb en tf pr ed) en b en Unterricht gu 
brauchbaren 9ftenfd)en Ijerangebilbet ro erben." 
5)er Berfammlung Ijatte aud) ein ©resbener ßefjrer "J. 5B. 
6 1 e u e r beigewohnt 9lad) feiner SRücff el)r berichtete biefer in 
einer Seljrerfonfereng feiner 6d)ule über ben 6 1 ö £ n e r fdjen 
Vortrag. S)urd) bie ilonferengnieberfdjrift ber 6d)ule !am bie 
Angelegenheit gur Kenntnis ber 6d)ulbel)örbe, roeldje bem ©egen= 
ftanbe il)re lebhafte Seilnaljme guroenbete. 6d)on im 3al)re 1867 
tourbe in Bresben bie erfte klaffe für fd)toad)befäf)igte Sltnber er= 
öffnet. Bresben gebührt alfo ber 9fttt)m, bie erfte 6tabt in 
2)eutfd)lanb geroefen gu fein, roeldje im 6inne ber 6 1 ö £ n e r = 
fd)en Anregungen eine klaffe für fdjroad) begabte Hinber ins 
ßeben rief. — Dr. ^ e r n ftarb im 3al)re 1868. 6ein 6d)toieger-- 
foljn roar £erjrer SU n b , ber im 3al)re 1848 als (Ergietjer in bie 
3biotenanftalt feines 6d)roiegert)aters eintrat. (Er folgte beffen 
33eifpiel, ftubierte 9Kebigin unb erlangte ebenfalls bie Softor- 
toürbe ber Sftebigin. Dr. Slinb toar Sftitbegrünber ber oorljin 
ermähnten ©efefifdjaft gur 5ötberung ber 6d)toad)-- unb 93Iöb= 
finnigenbilbung. 2>ie Bereinigung fd)lief leiber feljr balb ein 
unb l)at aud) nur bie eine, oorrjin erroätjnte 6ifeung abgalten 
fönnen. Dr. Rinb rourbe fpäter ©ireftor ber 3biotenanftalt 
|u ßangentiagen unb Ijat feinergeit bie ©rünbung ber §ilfsfd)ule 
§u 23raunfd)toeig roarm befürroortet. 

5)er fräftigfte $ r ft ß für bie 6d)road)finnigenbil-- 
bung unb =fürforge fam aus ber 6d)roeig unb ift an ben tarnen 
©uggenbütjl gefnüpft. Dr. ©uggenbüljl, geb. 1816, 
geft. 1863, toar ein junger Argt gu 2Ratt im Danton ©larus. 
(Einft t)atte er gefeljen, roie ein fd)road)ftnniger Kretin oor einem 
Kreuge bas Baterunfer betete. Aus biefer 3BaI)rnel)mung fd)loß 
er, baß jemanb, bem biefes dbtbei beigebracht roorben fei, aud) bie 
gätjigfeit befifeen muffe, etroas anberes in feinen (Seift aufgunel)-- 
men. (Er fing an, für biefe Art Sötenfdjen Seilnaljme gu befunben, 
beobachtete roeitere 6d)road)finnige, fefete fid) mit berühmten 
6d)ulmännern in Berbinbung, beren ©utatäten er erbat unb er= 
ließ, nadjbem er ben (Entfd)luß gefaßt Ijatte, fid) ber Teilung unb 
ber (Ergieljung ber geiftesfdjtoadjen ^retinen gu roibmen, ben be-- 
f annten § i l f e r u f aus ben Alpen gur 93ef ämpfung bes ^reti-- 
nismus, roeldjer im 3al)re 1840 in Haltens Söeltfunbe, einer 
bamals fel)r angeferjenen unb toeit oerbreiteten 3^tfd)rift, er= 



— 23 — 

fd)ien. äftit folgenben ^Borten leitete er iljn ein: „S>ie 6d)meig 
I>at, feit ber begeisterten Anregung 9ft o u f f e a u s , burd) §ein= 
rid) ^(3 e ft a I o 5 g i unb (Emanuel Wellenberg fo £errlid)es 
für 9ftenfd)enbilbungsf)eil geleiftet, baf$ ber $unfe *> on SReufjof 
mie jefet oon £ofrot)l gur melterleudjtenben flamme gebiet" „(Es 
ift baljer an ber 3ett/ in biefem £anbe einmal etroas für jene Un= 
glüdltdjen gu tun, bie bem furdjtbaren Übel unterliegen, bas man 
mit bem bunfeln tarnen oon Kretinismus begeidjnet fyat." „(Es 
ift bies ber 6d)luj3punft menfdjlidjer 93emül)ungen auf biefem 
^elbe, ba burdjaus leine größere 3krnad)läffigung unb Entartung 
bes 3Renfd)en möglid) ift" ufm. ©iefer äuferft berebte Aufruf 
an bie menfdjlidje ©efeüfdjaft günbete unb fanb lebhaften 3öiber= 
tjall, unb oiele unb reiche (baben gingen aus ben uerfd)iebenften 
ßänbern ein, 6d)on im 3<rf)re 1841 lonnte aus ben eingelaufenen 
^Beiträgen eine Kretinentjeilanftalt auf bem Abenbberge bei 3nter= 
Ialen erbaut unb eröffnet werben, roeld)e bas erfte m e b i g i = 
nifd) = päbagogifd)e Unternehmen gur Ausbildung 6d)mad)= 
finniger mar. 5)ie Leitung unb SBermaltung ber Anftalt lag in 
ben |>änben Dr. © u g g e n b ü I) I s , ber felbft unterrichtete unb 
aud) bie mebigimfdje 33el)anblung ausübte* (Er ging t>on bem 
©ebanfen aus, baß bie freie, frifdje ipötjenluft bie 5 *9 en b'cs ^re= 
tinismus, roeldje ber bamligen Einfielt nad) oon ber bumpfen Sal= 
atmofpljäre, in ber bie meiften Kretinen aufroudjfen, fyerrüljren 
foHte, befeitigen refp. ertjeblid) milbern müßte, Außerbem glaubte 
er aud) mebiginifdje SQUttel entbedt gu tjaben, bie geeignet 
toären, bie ^retinen gu feilen. 

6eine £eilanftalt fteHte ein SB e r f o r g u n g s l) a u s unb 
eine 6d)ule bar, morin mebiginifcfye unb päbagogifdje §ilfs= 
mittel fid) gegenfeitig ergangen follten, aud)i mar bie (Erridjtung 
oon ipanbmerfsftätten geplant, bie jebod) nie gur $lus= 
füfjrung famen. 5)ie £eilanftalt foHte folgenbe Abteilungen 
umf äffen: 

1. Säuglinge, 

2. Hinber oon 1 bis 7 3af)ren (fpredjenbe, ftutnme, epüeptifd)e, auf- 
geregte), 

3. förperlid) gefunbe 93löbfinnige, bie bie 6d)ule befudjen (Sd)toad)= 
befähigte), 

4. unheilbare ^rettnen groeefs SBerforgung, 

5. (Entbinbungsinftitut für grauen, bie Stretinen geboren Ijaben, 

6. arbeitsfähige 3nbioibuen, 

7. ^inber gu Familien unb nad) Nationalitäten oereintgt. 

3ntereffant roamt bie p äbago gif d) en 2ftaßnal)men, 
beren ftd) ©. bei ber 33et)anblung bebiente. 3)ie (Entmidlung ber 
6prad)bilbung unb 6prad)fertigfeit fud)te er burd) bie §erangie= 
l)ung oon SRelobien gu erreidjen. 2)ie ©eljörnerüen mürben burd) 
©ong unb ©lode angeregt. Saftfinn, ©erud) unb ©efdjmad 
mürben ebenfalls befonbers geübt. 3 U * SBilbung bes (Erkenntnis- 



— 24 — 

oermögens biente ber ^nfd)auungsunterrtd)t. (Eine ergaben bar^ 
gefteilte Sparte fpielte babei eine große SHolIe unb rourbe mit Vor- 
liebe benufct. Leiter foEten fogar fd)roäd)ere H'inber btn (Einfluß 
bes 2id)ts, ber 2Bärme, ber fteudjtigfeit unb bas 3Bad)stum ber 
Sßflangen beobachten lernen. 6ie follten 6ammlungen oon ^lan- 
gen, SRineralien ufro. anlegen, pl)nfifalifd)e (Experimente oer= 
folgen, fo bie eleftrifdje $lngiel)ungs£raft bes 33ernfteins ufto. Wz 
biefe Übungen mußten bem 6d)reiben, ßefen unb 9ierf)nen oorauf-- 
gel)en, ba nad) feiner (Erfahrung foldjes als groedmäßig erfdjeine. 
Bur Erlernung ber 93ud)ftaben l)ielt er bie mnemotedjnifdje 2fte= 
tfyobe am geeignetften. 

3)ie Hauptrolle bei ber 23el)anblung ber Hretinen fpielten 
g \) m n a ft i fd) e Übungen. 3" biefem Qwzdt rourben gebraucht: 
6d)roebenbe ßeiter, ©nnamometer, 9*ed, ^Barren ufro. ' öpagier-- 
gänge unb Ausflüge roaren reidjlid) üorgefefjen. 

©roßen SBert legte er in feinem $inftaltsbetriebe auf ein 
ausgeprägtes Familienleben, auf bie ^lusbilbung 
bes (Gefühlslebens unb ber inbioibuellen $lnla = 
g e n jebes einzelnen Pfleglings. $lls Hauptaufgabe aber rourbe 
bie (Ergieljung bes SBillens gum ©uten betrautet, ba 
nur biejentgen SRenfdjen toatjrljaft glüdlict) feien, bie nid)t nur 
bas ©ute roiffen, fonbern es aucfy tun. 

©. t)at aud) eine $lngat)l 6 d) r i f t e n t»eröffentlid)t, bie je-- 
boä) mefyr bem Qvdi&z ber ^erbetätigfeit für feine ^nftalt bien-- 
ten, als baß fie nnffenfcfyaftlidje $irbeitsergebniffe brachten. 2)ie 
3Seröffentlid)ungien frember SBerfaffer über ben «iUbenbberg ufro. 
finb inbeffen fo galjlreid), baß ifjre 93ü<fyerei mel)r als 300 91um-- 
mern umfaßt, (line guoerläffige unb btn Satfadjen gerecht roer= 
benbe ^Beurteilung ber ^Birffamfeit Dr. ©.s enthält ein 33erid)t 
bes Setjrers § ö r n i g an bas fäd)fifd)e 9CRinifterium oom 3ctl)re 
1845. 3)iefer 23erid)t ift in ber S^ttfd^rift für bie 23et)anblung 
6d)road)ifinniger 3a^tg. 1904 6. 83 bis 88 gum ^Ibbrud ge-- 
fommen. 

3n bem 93crid)t betreibt £el)rer ip ö r n i g gunäcfjft bie Sage unb 
bie (Einrichtung ber 2lnftalt unb verbreitet fidj bann über folgenbe trier 
fünfte: 2>as gur SInftalt gel)örenbe Sßerfonal, bas äußere ber $nftalt, bie 
mebiginifdjen 9fltttel unb bie päbagogifd^en S&iaßna^men. Über ben legten 
Sßunft berietet er folgenbes: ,,©er Unterrtdjt läßt triel gu münfdjen übrig. 
3Ran plagt fiel) nur gu fef)r mit ber trodenen 93ud)ftabenrenntms. 9Jtana)es 
mistigere, namentlich ein paffenber Slnfdjauungsunterrtajt, mirb mäf)renö= 
bem überfein. 2)er 6pradf)bilbung megen 5°t nton in Dr. ©uggen* 
fcüf)ls ^tnftalt befonbere Sdjuriertgfeiten, ba man Seutfa) unb ftrangöfifd) 
gu gleicher 3 ß it betreibt. 2)as 6ingen mirb gepflegt, ba biefe ^tnber ©e= 
fang unb 9ftuft{ außerorbentlia) lieben. 6cjreiben unb 3ßid)nen bieten 
öagegen otel 6a3mierig!eiten. 6o fyaht \ä) in 33egie^ung auf (£rgie^ung 
unb Unterricht in ber §Inftalt nichts bleues unb iBorgüglic^es gefunben." — 
3)ie mebiginifc^en TOttel, bie mit me^r ober meniger Erfolg angemenbet 
würben, maren 3obine unb Sebertran. 3)ie 3obine btenten ^auptfäa^licl 
jur ^Bereitung einer 9lert>enfalbe unb eines 3obfirups. 'Stußerbem maren 



— 25 — 

Shtgblätter im ©ebrcmd) — Sftugbtättertee unb Slußbtätterbäber. 2Iud) 
einige magneto=eIeltrifd)e Apparate mürben beimißt, bagegen fehlten alle 
ortf)opäbif3)en Apparate. — ip. fommt §u bem Seeluft, bafc bie 2tnftalt 
Dr. ©uggenbüfyls meber in mebijinifdjer nod) in päbagogifdjer ipinfidjt ben 
Stnforberungen einer SJtufteranftalt geredet mürbe. 

2ftit Dr. ©uggenbüfyls Unternehmen roar bas 3nter= 
effe für bie geiftig Firmen, für iljre Pflege, (Er^ieljung unb 33x1- 
bung ermadjt. Srgte, ßeljrer unb SCftenfdjjenfreunbe aus gang 
(Europa, ja fogar aus ber Reuen 2öelt, gingen nad) bem Abenb-- 
berge, um bort $u lernen unb Anregungen gu gewinnen. 6d>rift= 
fteHer, u. a. bie ©räfin §al)n = ipal)n, intereffierten fid) für 
bie Anftalt unb fud)ten burd) berebte Säuberungen iljre (Entmicf= 
lung §u förbern. 3krfd)iebene Regierungen Heften 3äl)lungen ber 
Sd)toad)finnigen oorneljmen, unb an Dielen Orten fing man an, 
Anftalten für ©eiftesfd)mad)e, namentlich für jugenblidje, 
gu errieten. 

3)ie 3Bürttembergifd)e Regierung gab im 3al)re 
1848 bem Argte Dr. Röfd) ben Auftrag, Unterfudjungen über 
ben Kretinismus anguftellen. (Er !am bem Rufe nad) unb oer= 
öffentlidjte feine Beobachtungen in oerfd)iebenen Auffätjen. Auf 
feine Anregungen l)in mürbe bie bereits genannte 3biotenanftalt 
$u Rlartaberg im 3al)re 1847 ins ßeben gerufen» 

5)ie preugtfdjen Rttnifter bes Unterrichts unb bes 
3nnern erliegen im 3al)re 1858, jebenfaEs burd) bie Sdjrift bes 
^Paftors 5> i f f e 1 1) o f , Kaifersmertl): ®te gegenwärtige Sage ber 
^retinen, 93löbfinnigen unb 3bioten in ben djriftlidjen Säubern. 
(Ein Rot= unb Hilferuf für bie Verlaffenften unter ben (Elenben 
an bie beutfdje Ration, Bonn 1857, oeranlaftt, eine Runboer= 
fügung, in welcher bie traurige Sage ber blöbfinnigen iRinber mit 
berebten ^Borten gefd)ilbert mürbe. 3 u 9^iö) wies tiefe Berfü-- 
gung auf bie Rotwenbigfeit oon befonberen Anftalten für foldje 
irUnber l)in unb forberte bie Sßrooingialoerbänbe auf, £eil= unb 
(Ergieljungsanftalten für blöbfinnige Kinber $u errieten. 

Als erfte greifbare £at biefer Anregungen entftanb im 3al)re 
1859 bie eoangelifdje §eil= unb Sßflegeanftalt ^epfyata gu Rt- 
©labbad) für blöbfinnige Kinber Rljeinlanbs unb Söeftfalens, 
beren Seiter (E. SBartfyolö mürbe, meldjer fpäter eine ^ibel, 
ein 6prud)büd)Iein unb eine Anmeifung §ur Beljanblung blb'b-- 
finniger Kinber oeröffentlidjte. 

3)ie ältefte gefetjlid)e Rtaßnafyme, aus meldjer fid) eine 5ür= 
forge für ibiotifdje Kinber herleiten lägt, ift bas ©efei} über bie 
Verpflichtung §ur Armenpflege oom 31. 5)e§ember 1842. § 1 
biefes ©efefees überträgt bie "Jürforge °^ n ©emeinben. 3u biefem 
©efefe erfd)ien am 31. Rtoi 1855 ein (Ergängungsgefe^, bas aber 
feine mefentlidjen Beftimmungen über bie 3biotenfürforge brad)te. 
(Erft bas Ausfüljrungsgefe^ gum Unterftüfeungsmoljnfifegefelj oom 
8. Rtärg 1871 befaßte fid) etmas genauer mit ber 3biotenfürforgc. 



— 26 — 

§ 31 übertragt bie ftürforge für ©eiftesfranfe, 3bioten ufro. ben 
£anbarment)erbänben. 9lad) ber ^Rooelle üom 11. 3uli 1891, 
roeld)e am 1, $lpril 1893 in Kraft trat, fjaben bie 'ißrotringiatoer-- 
bänbe mit bzn Ortsarm ent) erb änben bie ^ürforge für ibiotifaje 
Hinber p übernehmen. 5)ie 93eftimmungen biefer SRooelle gelten 
nod) prgeit. 

3m K ö n i g r e i d)i 6 a d) f e n würbe auf ©runb oon (Srtje-- 
bungen bes ^egirfsargtes Dr. stimulier im 3af)re 1846 eben= 
falls eine $inftait eingeridjtet, bie Königlid)e 3biotenanftalt gu 
£ubertusburg. S)ies roar bie e r ft e b e u t f et) e 6 1 a a t s a n -- 
talt. 6ie nimmt in ber (£ntroicnungsgefd)id)te bes <öd)roaa>- 
innigenbilbungsroefens eine äußerft rüf)miid)e 6telle ein, unb 
oiele Anregungen finb von iljr ausgegangen. 

3ur ©efa)id)te ber Slönigltajen 3biotenanftalt gu £ubertusburg i. 6a. 
ift foigenbes fyingugufügen. 2)er erfte 2el)rer biefer Slnftalt mar ber oorljin 
ermähnte £el)rer ^örnig; aber fd)on nad) gtoei 931onaten mußte er feine 
6teliung aufgeben. 3l)*n folgte Oberlehrer (ötäfdje, ber in 19 jähriger, 
fegensooller Sätigteit an ber ^Inftalt mirfte. 3ui Safyxt 1854 oeröff entlidjte er 
feinen erften 93ertd)t über bie (Ergiefjungsanftalten für blöbfinnige ^inber gu 
£ubertusburg, in toelajem gum erften 3tflaie in eingef)enber, tiarer, auf pft)= 
d)ologifd)em Sßoben ertoaajfener Sarftellung bas beim Unterrtd)te unb bei 
ber (£rgiel)ung blöbfinniger ^inber eingufajlagenbe SBerfatjren angegeben 
toirb. Sarin liegt ber große SBert biefes SBeridjtes. (Er ift gleiajfam ber 
©runbftein getoorben, auf Bern fid) bie £eiIpäbagogi! weiterhin aufbaute. 
© t ä f 0) e s Unterrid)tsoerfaf)ren toeift etma folgenben ©ebantengang auf. 
„$lües beruht auf $nfd)auung. (Es gilt bafyer, 1. bie 6inne bes 
^tnbes ju üben, bamit es aufbauen lerne, unb gleidjgeitig ben 
Sätigfeitstrieb, ber fjier faft burdjgängig als 9tad)af)mungstrieb auftritt, 
einigermaßen anguregen. 2)er Saftfinn unb ber föefiajtsfinn toerben gu= 
erft geübt Dura) geigen unb SBetaften oetfd)iebener (öegenftanbe, tleiner, glang* 
genber Saaten, fjeüümgenber ©loden, bunter 93aüe, kugeln ufto. 2)as ©eljör 
mirb angeregt burd) bie laute 6timme bes £et)rers, burd) 9JtufitHnftrumente: 
Violine, Sßianoforte, burd) (öefang ufto. (Etnfad)e ^örperbemegungen: 
Sluftel)en, 6e&en, (öeljen ufto. toerben geübt. 9flan oerfucf)t nun roeiter, 
2. ba$ bas kxnb burd) toieberljoltes $1 n f d) a u e n ber 
5)inge gu SBorftellungen ton benfetben gelangt. ®ie" 
^inber toerben auf biefe 3Beife baljin gebraut, ba§ fie bie angefdjauten 
©inge ooneinanber unterfdjeiben unb auf Verlangen geigen unb beibringen, 
©ib mir bie (Mode, ben 33aH, bie ^ugel, bas 33utf) ufm. 3 e ißc mir beine 
Sßafe, beine Ol)ren, beinen ^opf ufm. 5)as ^inb mirb nun fettig, 3. b i e 
öemonnenen 93orfteltungen gu kombinieren unb ge = 
langt babura) gu ^Begriffen. (£s fa^aut oerfa^iebene ^älle, 
Sifd^e, 6tü^le, kugeln unb lernt bas 2Befentlid)e oom Hnmefentlia^en unter= 
fa^eiben. 3)ura) Aufträge: Srage btn ^BaE auf bm Sifa), l)oIe bas 33ua; 
oom genfter ufto. erplt es bie erften ^Begriffe oon bem 5Berpltnis ber 
©inge gueinanber. ©s lernt nun nod) fold)e Aufträge erfüllen toie: Sefe' 
bid) auf ben 6tuf)l, fteHe bia^ an bie Sür ufto. unb gelangt bamit gum 
6elbftbetougtfein. ^s toirb nun bal)in gearbeitet, 4. ba§ bas £inb 
ab ft radieren lerne. (Es merben i^m ^Ibbilbungen gegeigt, unb es 
geigt nun auf bem SBtlöc ben Stul)l, ben Sifa), bie Vtyx ufto. 2»er Unter» 
rid)t im 3ei<i)nen, 6d)reiben unb 2efen beginnt auf biefer Stufe. (Es gilt 
nun, 5. bajj bas Äinb fpredjen lerne, ^einestoegs f>aben bie 
6pred)übungen je^t erft gu beginnen, fie mußten oielme^r mit allen frü» 
^eren Übungen ^>anb in £anb ge^en. 3e^t aber toerben fie befonbers be= 



— 27 — 

tont, bas ^inb toirb gum 6pred)en Heiner 6ätje angeleitet. So gelangt 
es nun gur legten Stufe. (Es toirb 6. befähigt, nunmehr an bem 
(Elementarunterricht ber 93oltsfd)ule m i t 9t u tj e n teil» 
§unef)men. 2»as Kinb toirb angeleitet, bie Singe gu befd)retben unb fid) 
in einfachen Sä&en über Art, Stoff, Seile, ©ebraud), $arbe ufto. ber (öegen* 
ftänbe ausgufpred)en. §ier toirb ber Unterricht in 9taturgefd)id)te unb 
(öeograpljie vorbereitet. Sdnoer roirb biefen 5linbem in ber Siegel bas 
Unterfdjeiben ber färben. 9ttd)t fct)toer — mit roenigen Ausnahmen — 
bas Auffaffen oon 8al)lengrößen. (£s muß aud) ber Unterricht im 9ied)nen 
fid) immer auf Anfcfyauung grünben. 5)ie Übungen im ©abreiben, 3eid) nen 
unb £efen toerben fortgefeijt, leiste 93erfe unb Sieber roerben ausroenbig 
gelernt unb beim Singen oermenbet. 6ingen unb Surnen finb in ber 
Siegel ba f mo alle 93erfud)e fdjeitem,' bie einzigen üDttttel, burd) meiere 
Seben in bie toten (öeifter gebracht toirb.'' — „ s ^on ber $eii an, ba ein 
fold)es Kinb einigermaßen aus bem Staube gebogen unb gum 33etoußtfein 
erroedt roorben ift, toirb nun nad) Gräften batjin getoirft, ba$ es fein 
(öemüt gu ©ott ergeben, it)n finben unb lieben lernt. $at bas SUnb biefe 
gule&t gegeidmete 6tufe erreicht, fo ift bie Aufgabe ber Anftalt erfüllt, es 
ift nun fid)er befähigt, an bem Unterrichte ber (Slementarfctmle mit iftu&en 
teilnehmen gu tonnen. 5)a es aber im Filter unb in feiner törperliäjen 
(Enttoidlung foroeit oorgerüdt ift, bafc es bebenElid) erfdjeinen muß, es in 
bie SBoltsfdmle gu fd)iden, fo befielt bie (Einrichtung, ba$ aud) foldje oor= 
gefd)rittene 3°glinge in ber Anftalt oerbleiben, bis fic tonfirmiert unb als 
erroerbsfät)ig entlaffen toerben können. Sie bilben eine eigene Abteilung 
unb toerben natürlid) in allen Sifgiplinen fo toeit als möglid) geführt. 
9tomentlid) tritt für fie nod) ein befonberer Unterridjt in ber beutfäjen 
Sprache, 9£aturgefd)id)te, ©eograpljie unb in ber Religion l)ingu." 

„2>er Religionsunterricht grünbet fid) auf 9laturanfd)auung unb bibli= 
fetje (öefc^tcrjte unb toirb fo oft als möglid) an (Ereigniffe in ber Anftalt unb 
beren nädjfter Umgebung angeknüpft. 3Bo, toie l)ier, bie (Ergief)er unb 
Pfleger mit ben ßöglingen eine große Jamilte bilben, too jebes Seib, bas 
ben (Eingelnen trifft, unb jebe greube oon allen geteilt toirb, too alle in 
(öemeinfdjaft effen unb trinken, lernen unb fpielen, auffielen, fd)laf engeren 
unb beten, ba tann es an . geeigneten Anknüpfungspunkten nid)t fehlen. 
(Ein Religionsunterricht aber, ber fid) — fei er aud) nod) fo einfad) — auf 
bie (Erlernungen bes alltäglichen ßebens grünbet, ber gleid)fam aus bem 
Seben l)eraustoäd)ft, muß aua) toieberum in ben ^inbern lebenbig toerben 
unb fidjerlid) mefjr in bas ßeben eingreifen, als ein gu abftraft gehaltener 
ober mit 93egriffser!lärungen fid) fjerumtoerfenber. 3e größer bie Sdjmädje 
bes Sentoermögens bei Vlöbfinnigen ift, befto mefjr muß man burd) ben 
Religionsunterricht auf bas (öemüt berfelben gu wivtm fud)en, bamit biefes 
erfe&e, mas ilmen bort gebridnV' 

2)er 9Serid)t für)rt toeitcr aus, toie fid) bie törperlidje Pflege ber blöb-- 
finnigen S^inber in ipubertusburg geftaltete. Verpflegung, 5lletbung unb 
3Bol)nung, bie ßagerftätten, bie (£rgiel)ung gur Reinlia^!eit, bie SBett= unb 
ßeibroäfd5e, bie Väber, oor allem audj bie ^oft toerben eingeljenb befproa^en. 
Alles ftel)t unter ber £>berauffid)t ber Anftaltsärgte unb arirb in oorgüg= 
lic^fter 2Beife geboten. 6a^Iießlid) fteEt © l ä f d) e ben ©runbfa^ auf, man 
muffe in foldjen ^inbern fo oft als möglid) bas ©efül)l ber Jreube erregen, 
biefes föefüfjl foll bie gefamte ergief)Udje Sätig!eit burd)gie§en unb tragen. 

„yyiaq es immerhin nidjt gu billigen fein, roenn man beim Unterriapte 
Vollfinniger über alle 6d)mierig?eiten auf angenehme 2Beife, fpielenb, l)in= 
toeggutommen unb audj bas (Srnfte unb (Strenge in überguderter (Schale 
bargureidjen fud)t, bei ber (£rgie^ung unb Ausbilbung Vlöbfinniger liegt 
fidjer bie (öefafyr, in biefem ^un!te bes ©uten gu oiel gu tun, bei toeitem 
nia^t fo nafje, als bie entgegengefe^te. 2)ie $ reuoe ift es, bie ben ©lang 
unb bie 6d)ärfe bes Auges erl)öl)t, bie bas ^>erg lebhafter pulfieren maa^t, 



— 28 — 

ja, wol)l gar bie £ippen bes 6prad)lofen au 9iebe unb (öefang öffnet. 
SNufe borum obiger ©runbfafe fdjon aus päbagogifd)en 9iüctfid)ten in unjerer 
Anftalt fcftgcl;alten werben, fo wirb er nod) weiter geforbect oon ber 6timme 
ber äUenfdjlidjteit. 3e meljr biefe armen ftinber entbehren, befto meljr 
mu& ber (Ergieljer barauf finnen, itjnen einigen CSrfafe au gemäßen; beim 
was Ijaben fie oerfd)ulbet, ba$ fdjon in ber SBiege, ja, woi)l fdjon cor 
©eburt, bes 6d)idfals parier 6a)lag fie traf?" 

(£in ^weiter Vertagt erjd)ien im 3<ü)re 1858. (£s wirb barin 
über bie weitere Ausgeftaltung, weidje bie Anftalt erfutjr, berichtet. 3 11 " 1 
6d)luffe befdjäftigt fia; Der Verfaffer nod) mit ben Urfadjen, bie Vlöbfinn 
fjeroorrufen unb betätigt, bafj günftige (Erfolge nur bei Vlöbfinnigen nie= 
bereu (örabes, alfo bei öd)wad)finnigen gu erwarten ftnb. „Auf Teilung 
bes Vlöbfinns gu tjoffen, märe eine 3Uufion, unb fie prebigen märe (£l)ar= 
latanerie." 

3ef)n 3<*l)re fpäter, alfo im 3ctl)re 1868, erfd)ien oon <L V a r 1 1) l b , 
Sireltor ber 3biotenanftalt £epl)ata gu 9JL=©labbad), eine 6d)rift, bie 
äfjnlidje ©ebanEen bringt unb biefelben 3^ oerfolgt, mie bie genannten 
Veridjte. 31)* Sitel lautet: 3)er erfte oorbereitenbe Unterricht für 6d)wad)« 
unb Vlöbfinnige. m-©labbaa) 1868. ®ie britte Auflage biefer 6d)rift 
00m 3ct^re 1881 bringt aud) eine (Einleitung, meldte über ©runb unb Ur= 
fachen bes Vlöbfinns (3biotismus) Ijanbelt. S)er Verfaffer bietet in ber 
(Einleitung wof)l nichts 9teues, ijebt aber bas 2öefentlid)e bes ©egen= 
ftanbes recfyt anfdjaulid) Ijeroor. 3nt pra!tifd)en Seile befdjreibt er 
bie Sätigfeitsübungen, bie Unterfcfyeibungsübungen, bie Übungen für ipanb 
unb Auge (Vorübungen für 6d)reiben unb 3 e ^nen) unb bie Übungen für 
bas Ol)r unb bie 6pred)weri£äeuge (6predmnterrid)t). ©er 3tt>ed biefer 
Übungen ift, bie blöbfinnigen ^inber aus il)rem gebunbenen unb inftinftioen 
3uftanbe gu einem freien unb millturtidjen ©ebraud)e ifjrer ©lieber unb 
6inne gu bringen unb fie baburd) bem eigentlichen Unterrichte gugänglid) 
gu matten. 

Smangig Safyxe nad) bem (Erfdjeinen ber Vartl)olbfd)en 6d)rift, alfo im 
3al)re 1888, gab $ e r ft e r , Sresben, eine ät)nltd)e heraus, weldje ben 
Sitel füljrt: Ser geiftig S^rüdgebliebene unb feine Pflege in ben erften 
ßebensjafjren. Sresben=Vlafewig 1888. ©er Verfaffer befajreibt bartn biß 
^enngeidjen, Urfadjen unb oerfdjiebenen ©rabe bes 3biotismus, berichtet 
über bie (£rgebniffe ber 3ötotenergiel)ung unb gibt Anweifungen für bie 
Pflege unb ben erften Unterricht ibiotifdjer Stinber. — 3n berfelben 9fiid)-- 
tung bemegt ftdf) aud) eine Sdjrift oon 2$ e I) l e : Vorübungen gum (5d)reib= 
Iefeunterrid)t fd)wad)finniger SUnber, Vraunfd)weig 1897, in melier eben= 
falls beachtenswerte 9lid)tlimen für ben Anfangsunterricht 6d)wad)finniger 
geboten werben auf ©runb moberner Anfa^auungen» 

3ßon ber SRitte bee neunzehnten 3a^rl)unbert5 an entftanb 
eine gan^e IRenge üon ^Inftalten, beren 3^1 ftetig töud)5. 3 U ^= 
geit bürften in 9eutfd)lcmb toett über 120 ^Inftalten beftefjen. 
5)ie meiften baoon ftnb öffentliche ^o^Itätigfeitsanftalten; au|er-- 
bem gibt es aud) mehrere Sßrit)at= unb Staatsanwälten unb §u)ei 
ftäbtifdje, bie 3biotenanftaIten gu ©aßborf 1 ) unb §orn, bie ben 
©tobten ^Berlin bgro. ^Bremen gehören. 

3ur 6tatifti! ber Anftalten ift folgenbes gu bemeden. 3m 3«^e 
1863 erfaßten oon Dr. (B r l e n m e i) e r , Venborf b. (Eobleng, eine 6tatifti! 
über bie 3^enanftalten, bie im Anfange aua^ eine foldje über bie 3bioten= 
anftalten bradjte. 2>ie erfte fetbftänbige ©tatifttl über biefe 
Anftalten gab 6an.=9^at Dr. ßae^r im3af)rel874 heraus unter bemSitel: 



l ) Verlegt nad) Verlin--2Btttenau. 



— 29 — 

®ie 3biotenanftaIten 3)eutfd)Ianbs unb ber benachbarten beutfdjen Sänber. 
6päter übernahm Dr. öengelmann Me ^Bearbeitung biefer angelegen« 
I)eit unb reröffentltd)te eine überftdjtlidje 3 u f a ^ men f^Üung ber 3bioten= 
anftalten im 3<U)re 1885 in feinem 3biotopJ)ilus, 93anb 1. 3m 3oI)re 1887 
erfd)ien t)on ii)m eine Statiftit ber anftalten in bem 93ud)e: ©as 93linben=, 
3bioten= unb SaubftummenbilbungstDefen, herausgegeben üou 9Jt e r l e , 
6engelmann unb 6 ö b e r. Sorben 1887. 93om Säfyxe 1890 ab gab 
6engelmann felbftcmbige Überfidjten fyeraus, bie alijcujrlid), bis gu feinem 
Sobe (1899) erfcfyienen. 6ein SUa^foIger, SireEtor ^3aftor 6 tritt er, 
übernahm bie Fortführung ber StatiftiE. 3m Safyte 1902 erfajien eine 
foldje oon ilma in 23ud)form unter bem Sitel: SDie £eüer§iel)üngs= unb 
Sßflegeanftalten für fdnoad)befäI)igte Slinber, 3bioten unb (£püepti£er in 
9eutfd)lanb unb ben übrigen europäifa^en 6taaten. Siefe 6tatiftil erfuhr 
im 3af)re 1904 eine Neubearbeitung. 6eit 1905 bringt ber 8. a I e n b e r 
für f)eilpäbagogifd)e 6d)ulen unb anftalten (Irilfsfdjultatenber) aHjäfirlid) 
genaue Überfielen biefer anftalten einfdjlieglid) ber 3**en=, 93linben-, Saub= 
ftummen=, $rüppel= unb ffürforgeergieljungsanftatten, in benen (£räiel)ungs= 
unb Unterritf)tsabteüungen für 6d)maä)bef(ü)igte bgm. 6d)toad)finnige be= 
freien. 

3)as SBerbienft, guerft nadjfyaltig bie ^ufmerffamfeit unb 
bas 3ntereffe weiter Greife auf bie ßrgierjung unb 33ilbung ber 
S^retinen unb ©eiftesf d)w ad) en gelenft gu rjaben, muß unbeftritten 
Dr. ©uggenbürjl gugefprodjen werben; allein ein Heilmittel, 
woburd) aus jenen Unglücflicfyen gefunbe unb geiftig normale 
äftenfdjen umgefdjaffen werben lonnten, fyat er, trotjbem er fid) 
trielfad) rühmte, ein foldjes gu fennen unb gu befitjen, ntd)t er= 
ünben. SCftit biefer feiner 93erjauptung aber rjat er ber ^ürforge 
ür biefe ^rmen nid)t unerljeblid) gefdjabet unb ber gangen 6ad)e 
einen fd)led)ten 3)ienft erwiefen, benn lange 3wt rjerrfdjte nun ein 
gewiffes Mißtrauen gegen alle ber artigen (Einrid) hingen. 

$eute ift man oon bem ©ebanfen, ©eiftesfdjjwadje unb 93löb= 
finnige gu feilen, gänglid) abgenommen. ,,^luf Teilung bes 93löb= 
finns gu rjoffen, wäre eine 3Hufion, unb fie prebigen, wäre 
(Srjarlatanerie." 3>esrjalb fann es für oolllommen blöbfinnige 
unb bilbungsunfärjige S^inber aud)i nid)t (Srgie!)ungs= unb Unter* 
rid)ts=, fonbern nur 5Berforgungs= ober Sßflegeanftalten, ^frjle, 
geben. 

$lnbers hingegen frerjt es mit benjenigen ©eiftesfdjwadjen, 
beren geringes (Seelenleben immerhin nod) eine gewiffe 9^egfam= 
feit, SUuffaffungsoermögen unb ^iufmerffamfeit ernennen läßt. 
§ier wirb eine „innerhalb ber befterjenben SHefte bes 6eelenlebens 
gu erreidjenbe geiftige 2lusbilbung ber fenfitioen unb motorifdjen 
Gräfte, weldje als fjöd)ftes Qxtl eine gewiffe eigene giirjrung im 
ßeben, btn 33efi£ einiger richtiger fittlidjer ^Begriffe unb Regeln 
unb einen gewiffen ©rab praftifdjer 33raud)barfeit gu erftreben 
l)at", möglid) fein, oljne ba§ jeboa^ „alle 6t)mptome bes ibioti- 
fa^en 3uftanbes" oerwifdjt werben fönnen. 3m gangen allerdings 
wirb es fid) nur um eine gewiffe 33efferung (Rettung) Ijanbeln, 
bie aber oon großem Söerte für bie betreffenben ^inber felbft unb 



— 30 - 

ifyre Umgebung fein fcmn, befonbers wenn mit ber 53el)anblung 
fo frülje toie möglid) begonnen wirb. 2öenn ©eifiesfcfytoacrje in 
einem oorgerücften Filter in SBefyanbluncj fommen, fo ift bas oer-- 
fümmert gebliebene Seelenleben fdjon fcrjroieriger gu einer erträg= 
lidjen Entfaltung gu bringen. 2)arjer fann es nid)t genugfam 
empfohlen roerben, Kinber, bei benen man 93lbbfinn oermutet, 
rechtzeitig einem pfndjiatrifd) gebilbeten Ergiefyer gugufüljren, ber 
in ber £age fein bürfte, bie für eine geeignete Ergieljung unb 33il= 
bung erforberliäjen Schritte gu begegnen. Sie 93ilbung geiftes- 
fcrjtoacrjer Kinber fefet fadjoerftänbig geleitete Ergierjungsftätten 
Doraus; bie Einrichtung befonberer 2lnftalten gur Ergielmng unb 
Untertoeifung jugenblicfyer ©eiftesfdjroa^en erfäjeint besfyalb ge-- 
boten. 6oroeit mir begannt, entfpredjen bie I)ngienifd)en, unter* 
ricrjtlicfyen unb ergiel)licrjen 9Jtaßnal)men unb Einrichtungen ber 
meiften Ergieijungsanftalten für ©eiftesfdjroadjie (3biotenanftalten) 
bm $lnforberungen ber (öegenroart in jeber ipinfidjt unb bieten 
bamit bie (5eroä|r einer oernünftigen $$erjanblungs= unb Unter= 
riä)tsroeife ber itjnen anvertrauten S^glinge. 

33ei ber Kretinenfürforge, bie alfo ben eigentlichen $lnftoß 
^ur Blöbfinnigenfürforge in größerem Umfange gab, muß noä) ein 
Unternehmen ermähnt roerben, bas metjr oerrjütenber 9catur 
mar unb oon feinem (Geringeren als oon Napoleon I. ausging. 
Sftaä) ber Bereinigung bes Kantons Wallis mit S^onfreic^ im 
3al)re 1811 ließ Napoleon I. eine Särjlung ber Kretinen oornerj-- 
men, roobei bie ftafyl berfelben auf 3000 feftgeftellt rourbe. 3Iuf 
(örunb biefer Erhebungen erftattete irjm ber Sßräfeft ©raf $Ram= 
buteau im 3<*l)re 1813 einen 93eriä)t, roelcrjer als Urfacfye biefer 
Kranff)eit ben Einfluß ber geucrjtigfeit unb ber £iöe auf bie £al= 
betool)ner, foroie ben (Genuß lalffyaltigen Sriniroaffers nannte. 
Napoleons $ibfid}t mar es nun, bie 93eoölferung ber am meiften 
bem Übel ausgefegten Ortfctyaften gum SBeggierjen nacrj gefünber 
gelegenen Orten gu beroegen. SUllein bie 33eoöl£erung geigte feine 
Steigung, ben heimatlichen §>erb mit einem anberen Orte gu oer= 
tauften. Unb fo fam bas Unternehmen §um Scheitern. 

Sielbetoußt rourbe bie 3biotenfürforge in Sranfreiä) oon 
ürgtlidjer 6eite eingeleitet, bitten in ben Girren ber 9capoleoni= 
fdjen Kriege begann ber $irgt unb Saubftummleljrer Dr. 3 1 a r b 
in Sßaris bie Ergieljung bes im 3al)te 1800 aufgefangenen „Silben 
t)on ^loenron", ben er Biftor nannte unb bis gum 3al)re 1806 
unterrid)tlid) betjanbelte, otme baß er jebod) triel bei irjtn gu er= 
reichen oermodjte. 3)er 6ä)üler erroies fid) trot; großer (öebulb 
unb eines rjeroorragenben ßetyrgefcr/icfs feines Ergierjers als bil-- 
bungsunfärjig. 1 ) 5)ie SJcetljobe 3 1 a r b s ift fo intereffant, baß 
mir iljre £auptgiele l)ier furg roiebergeben toollen. 

*) 3tarbs 33erttf)te über ben SBilben oon ^ücxjron. ©cutfd^ üoix 
^renbcrger. 9Bien 1913. 



— 31 — 

1. (&emöf)nung an bas fojiale ßeben, inbem basfelbe im SBergleid) ju 
bem früher geführten angenehmer geftaltet mirb. 

2. Slmuenbung uon energifdjen Heilmitteln unb lebhaften feelifajen 
9lffeften, um bie (Empfinblidtfeit ber fernen ju metfen. 

3. Erweiterung bes 3beenfreifes burd) nermefyrte SBebürfniffe unb 
$>erfteUung oon engeren Regierungen äuriftfjen bem 3nbit)ibuum unb ben if)n 
umgebenben 2Befen. 

4. Slusbübung ber 9Jadjal)mung burdj bie gebieterifdje SSlafyt ber 9tot= 
menbigleit, um baburd) jum ©ebraudje ber Spradje gu führen. 

5. 2>urd) bie etnfadjften Übungen mit ben ben 93ebürfniffen bienenben 
(Segenftänben ift ber ©eift gu metfen unb bann auf bie Unterrtdjtsgegen» 
ftänbe gu lenfen. 

3tarbs bebeutenbfter 6d)üler mar ber ^Irgt unb Saub-- 
ftummenletjrer Dr. 6 e g u i n , geb. 1812 in Sranfreid), geft. 1880 
in 9km $)or£, ber ben Ausbau ber 9ftetl)obe feines Stifters fort= 
fefete unb fie allmäljlid) §u einem ausführlichen £erjrbud)e ertoei= 
terte. 2Bir befi^en t)on Dr. K r e n b e r g e r , 2Bien, aus bem 
3at)re 1912 eine beutfcfye Überfettung oon 6eguins §iaupttoer£: 
©ie 3biotie unb il)re 93et)anblung nad) pt)t)fiologifd)er SJtetrjobe, 
9iem $)or£ 1866; worin uns intereffante (Einblide in biefe 9Jle= 
tljobe geboten roerben. ©er ipauptgebanfe, melier bie gefamten 
Ausführungen beljerrfdjit, ift etma folgenber: ,,©ie pljrjfiologifdje 
6innesbilbung ift ber fönigltdje Sßfab gur 93ilbung ber 3nteHi= 
genj; (Erfahrung, nid)t 0>ebäd)tnis, ift bie äftutter ber 3bee." 
&on 6 e g u i n befitjen roir aus bem 3arjre 1846 nod) ein anbe= 
res mertoolles 2Berf, bas toitfytige 9fUd)tlinien für bie (Bräieljung 
ibiotifdjer Slinber bietet: ©er Sitel lautet: Traitement moral, 
hygiene et education des idiots et des autres eniants arrieres. 
S^renberger l)at am 6d)luffe feiner Überfe&ung bie mid)ttg= 
ften ©runbfätje baraus miebergegeben. $on öeguin ging bie 
gange gorfd)ung unb gürforge bes jugenblidjen Sdj)toad)finns in 
ben romanifdjen, englifdjen unb amerifanifdjen Staaten aus. 
Auf il)n grünbete fid) aud) Bourneville, ber Seiter ber 3bio= 
tenanftalt SBicetre in Sßaris, meldfyer ebenfalls für bie (Erfennung 
unb ©urd)forfd)ung ber patrjolo giften Sßrobleme rjeroorragenb 
geroirtt l)at. — 6 o 1 1 i e r l)at in feinem 93ud)e: ©er 3biot unb 
3mbecille, beutfdje Ausgabe oon Dr. 93rie, Hamburg 1891, 
mel)r ber pfr)d)o!ogifd)en 6eite ber gorfdjung Sftedjnung getragen 
unb ein oortrefflicfyes 93ilb oon bem (Empfinben, ©enfen unb 2Bol= 
len bes 3bioten unb 3mbegillen entworfen. (Er fdjilbert bas 6ee= 
lenleben biefer ©efdjöpfe in Ijunbert fleinen 3ügen unb entmidelt 
baraus eine 9teilje oon Sftufeantoenbungen für bie (Ergietjung. ©er 
3biot ift nad) ifyrn ein (EEtra--Sogialer, ber rjinter ber 2ftarfd)ltnie 
ber getoöljnlidjen 2Renfd)en gurüdbleibt, ber 3mbegille bagegen ein 
Anti--6ogialer, ber feitlid) ausbridjt unb eine feinblid)e Stellung 
gur ©efellfdjaft einnimmt, ©urc^ 6 o 1 1 i e r finb mir in ben 
93efi£ einer Sßfrjdjologie bes 6d)roa^finns gefommen, bie uns in 



— 32 — 

tfyrer S^leinmalerei oiel £cl)rreid)es bietet, jebod) mit einer geroiffen 
^ritif unb $orfid)t aufgenommen werben muß. 

1828 errichtete Dr. gerrus e * ne 3biotenfd)ule in SBicetre 
bei Sßaris, 1831 Dr. galtet e ^ foldje in ber 6alpetriere 
unb 1834 SB o i f i n ein (Ergierjungsinftitut. ^xaniuid) befaß 
balb eine reidje Literatur bes 3biotenroefens, trofebem aber blieb 
es fpäter mit feinen gürforgebeftrebungen tjinter benen anberer 
ßänber gurücf. 

$on anberen frühzeitigen SBeftrebungen im 6inne ber 
£ilfsfd)ule ift fyier nod) eine ^Bewegung unter ben preußifd)en 
2anblef)rern gu ermähnen, oon benen im 3ctl)re 1833 bie $ln= 
regung ausging, man möchte in ftarf befugten ßanbfdyulen eine 
Trennung ber 6d)üler nad) gäljigfeiten üornerjmen. (Eine gleidje 
gorberung fteHten im 3al)re 1846 anläßlid) ber geier °es r)un= 
bertjärjrigen (Geburtstages Sßeftalo^is bie füfyrenben Sßäba= 
gogen 3>eutfd)lanbs, um ben bie 6d)ute mit geringem 9ht£en be= 
fucrjenben 6d)ülem 9cacfyl)ilfe im Unterricht gu ermöglichen» 

3n biefem Seüabfdjnitte ™ U J3 «od)! eines Cannes gebaut 
roerben, ber ooflftänbig unabhängig oon' ©uggenbüljl 
feine Sätigfeit als Sbiotenlefyrer aufgenommen fjatte unb in 
mancher 93egiel)ung eine geroiffe 93ead)tung oerbient, bas mar ber 
5)ire!tor ber königlichen Saubftummenanfralt gu Berlin, Dr. 
6 a e g e r t , geb. 1809, geft. 1879. 9tls ©ireftor ber Saub- 
ftummenanftqlt fam er roieberrjolt in bie ßage, taubftumme 
Slinber roegen 93ilbungsunfäl)igfeit t>on ber ^lufnatjme in bh 9ln= 
ftalt prüdm eifert gu muffen. 3>abei empfanb er es jebesmal fd)merg= 
lictj, ba$ fie aisbann meift pm geiftigen Sobe, alfo in ber 9tegel 
5U einem rein tierifcrjen ©afein üerbammt mürben. SHefer ©e= 
5anfe ließ tfjnv feine 9turje, unb er fann nad), auf roelcrjem SBege 
biefen linglüdlicfyen nocty geholfen roerben fönnte* (Er fud)te in 
ben 6d)riften ber Sßrjilofoprjen (5^ant, ipegel, üftofenfrang); aber 
er fanb nidjts, roas itjm Reifen fonnte. 3>a roanbte er fid) gu ben 
'ätr^ten ((Esquirol, 3beler u. a.); aber aud) fie ließen ifjn im 6tid)e, 
bis iljm enbltd)! bie 6crjriften bes Sßljtjfio logen 3orj. Füller bie 
90RögIid)leit einer 3biotenberjanblung erfdjloffen. $ln einem ^na= 
ben, ber non ber Saubftummenanftalt als bilbungsunfäljig ab= 
geroiefen roorben mar, (teilte er feine erften 33el)anblungsüerfud)e 
an, bie gtemlid)' günftig ausfielen. 9hm bradjte er bie 21ngelegen= 
fyeit bei ben 93erjörben gur 6prad)e, in ber $lbftd)t, mit ber Saub= 
tummenanftalt aud) eine fold)e für 3bioten gu oerbinben. 3)od) 
eine 93el)örbe ging nid)t auf bie gemachten $orfd)läge ein, fonbern 
empfahl ifym, bie Arbeit auf bem SBege bes Sßrioatunternerjmens 
fortgufefcen. 6 a e g e r t tat es unb narjm bie unterrid)tlid)e 33e= 
tjanblung felbft in bie £anb, roärjrenb feine grau bie förperlidje 
Sßfl^e nerfaf). 6eine 9lnfd)auungen legte er in einer 6d)rift 
nieber: 2)ie Teilung bes SBlöbfinns auf intelleftuellem 2Bege, bie 



— 33 — 

im 3al)re 1845 erfcfyien. 3m folgenben 3al)re ließ er nod) einen 
gmeiten Seil folgen: 3)ie pfr)d)if^e Anthropologie. 3ntereffant 
ift es, bog 6 a e g e r t aud) eine ärgtlicfye Ausbildung bes Sd)mad)= 
finnigenieljrers forberte. 

6einc „Teilung bes 33Iöbfinns auf intellektuellem 2Bege" ift bem Hn= 
terrid£)tsminifter Dr. (£id)l)orn geunbmet; fie fjot ein iBortoort unb brei Seile. 
Ser e r f t e Seil fpricfyt t>on 5er SBeranlaffung gur Verausgabe ber 6d)rift 
unb bem 3Bege gur Teilung, ber $ wette fua)t ben ^Beweis ber 33ilbungs= 
fäljigfeit blöbfinniger SBefen aus ber ^Ijnfiologie gu erbringen, unb ber 
b r i 1 1 e verbreitet fid) über bie Teilung auf intellektuellem 2öege. 

^lüe bie Anftalteu, meldte infolge ber oorf)in bezeichneten 
Anregungen ins Seben gerufen mürben, Ratten bie fdymerften unb 
aufföfiigften ^älle t)on ©eiftesfd)imad)!en, baneben aud) ^retine, 
(Epileptifer unb ©eiftesgeftiörte p 3nfaffen. 6ie waren nid)it 
ipilfsfcfyulen in unferem 6inne, fonbern 3biotenanftalten unb 
lönnen besfjalb aud) nur mit (Einfcfyränfung als Vorläufer 
ber ^ilfsfcfyule begeidjnet merben. 5)ie genannten Scanner aber, 
benen biefe Anftalten tfyre ©rünbung p oerbanfen Ratten, unb 
bie fid) trielfad) in felbftlofefter 2Beife in ben ©ienft biefer < 5üx= 
forgebeftrebungen [teilten, finb bie 93 e g r ü n b e r b e r © e i ft e s = 
fcfymadjen^äbagogif ober ber § e i I e r 5 i e t) u n g. Sie 
fjaben auf btn ^otftanb, in melctyem fid)i bie betreffenben SBefen 
befanben, bie ^ftenfcfyfyeit aufmerlfam gemacht unb burdji tfyre 
$erfud)e aud) beroiefen, bajs es möglid) fei, ben fcfylummernben 
©eiftesfunfen an§ufad)en unb (Er§iel)ungs= unb 93ilbungsergeb= 
niffe, menn aud) in befcfyetbenen ©rengen, p erzielen. 93on tfynett 
ift alfo ber Anftofs pr |>eiler§iel)ung erfolgt unb ber ©ebanfe ber 
§ilfsfd)ulbeftrebungen ausgegangen. 

Söäljrenb biefes 3^itobfd)nittes oollgog fidt) bereits bie ©rün= 
bung ber erften 9t ad)lt)ilf e f laf f en. <Die erfte 9cad)f)ilfe-- 
flaffe rourbe p £alle a. 6. im 3at)re 1859 gegrünbet, unb gmar 
auf ^eranlaffung bes bamaligen $oIfsfd)ulref tors $ a u p t , ber 
1904 p 3Rerfeburg als ©et). 9^egierungs-- unb Scfyulrat ftarb. 3n 
einer 6d)uIt)orftanbsfi£ung Ijatte er ben Antrag gefteflt: „9lftan 
möd)te eine eigene klaffe für nid)t üollfinnige ^inber mit mög= 
lid)ft groei (Stunbtn einrichten." tiefem Antrage mürbe ^folge 
gegeben unb einem $otfsfd)iuIIet)rer ber Auftrag erteilt, täg-- 
lid) pei 6tunben Unterricht nebenamtlid) folcfyen Slinbern p 
erteilen, meld)e aus ben oerfdjiebenften (Mtnben in ber $olfs= 
3eit, el)e bie alltäglid); neu p einer klaffe p oereinigenben $in= 
ber ber Armen-- unb fpäteren 33olfsfd)iule einen eigenen $laffen= 
raum unb fd)liefclid) 20 3Bod)enftunben Unterricht erhielten. 

(Eine äl>nlid)e (Einrichtung vouxbt im 3a^re 1860 in (Efyem-- 
fd)ule nid)t §u förbern mären. (Es oerging bann eine geraume 
niö, 1874 in (Sera unb 1875 in Apolba ins fieben gerufen. 3n 
giemlid) unreränberter (öeftalt I)at fie fid) bis I)eute in Apolba er-- 
fjalten; in mite unb (öera finb reid)geglieberte $ilfsfd)ulcn aus 



— 34 — 

ifyr entffcanben, roäfyrenb in (Ttjemnitj im ^nfc^lug an bie $olfs-- 
fdjulen mehrere ipüfsflaffen beftefyen, bie ftufenmä|ige (ölieberung 
aufu>eifen. 

3n (£l)emnifc öoHgog fid) bie ßntunct'lung ber £tlfsfd}itlein-- 
rid)tungen fo eigenartig, ba$ f)ier einige Mitteilungen barüber 
folgen mögen. 

Sie Anfänge ber bortigen £ilfsfd)ulbeftrebungen follen nad) ben 
Angaben bes 6dmibireJtors (6 c I) I bis gum 3af)re 1835 gurürfgerjen. 3n- 
folge äutocit gefjenber 9iürffid)tnaf)me auf bie Armut mandjer Altern unb 
auf bie 2öünfd)e ber gabrifonten, meldje fetjr Ijäufig bie Hinberarbeit in 
Anfprud) normen, muröe bas ge[amte (Erjemnt&er 93oltsfd)ulmefen im erften 
^Drittel bes oorigen 3af)rt)unöerts in feiner (£ntmirflung unliebfam ge-- 
I)emmt. 6o gab es §. 53. im 3al)re 1826 eine gange Angarjl oon Kinbern, 
bie otjne jeben Unterricht aufmud)fen. Obgleid) oiefe ifjrem Filter nad) 
nid)t met)r fdjulpflid^tig maren, fo tonnten fie bod) nid)t nad) ben be-- 
ftetjenben gefe&Iidjen 33eftimmungen fonfirmiert unb aus ber 6dmle ent= 
laffen meröen. Um nun biefen „oeralteten" 6d)ütern bie notmenbigfte Vor- 
bereitung gur Konfirmation gu geben unb ifjre 6d)ulentlaffung enölid) gu 
ermöglichen, mürbe für fie eine befonbere, itjren Vebürfniffen unb ifjrer 
geiftigen SSerfaffung entfpredjenbe 6dmleinrid)tung oorgefet)en, bie im #tn» 
blid auf ifjren 3mecf bie eigenartige 33egeid)nung „Sßotfdjule" erhielt 3f)re 
Eröffnung erfolgte im 3<u)re 1835 mit 27 SJkrfonen im Alter oon 14 bis 20 
3<u;ren. 2)en Unterridjt in ber 9totfdmle erteilten brei £et)rer, gunädjft in 
ber 3eit oon 4 bis 6 Ut)r nachmittags, fpäter in ben Abenbftunben oon 6 bis 
8 Utjr. 2)ie £et)rer erhielten als Vergütung für jebe Unter ridjtsftunbe 
50 ^ßf. Sie 3"^t oerurfad)te in ber 9totfd)ule anfänglid) große Sdjmierig-- 
Jeiten, fo ba% oielfad) bie Sßotigei anmefenb fein mußte. Srofebem mirfte 
bie neue 6d)uleinrid)tung fo fegensreid), baß bereits nad) einem 3al)re oier 
6d)üler gur Konfirmation geführt merben tonnten. 

Als fpäter bie älteren 6d)üter entlaffen morben toaren, löfte man bie 
6dmte nid)t auf, fonbern führte fie metter; es follten nun alle biejenigen 
Kinber Aufnahme finben, bie bei ^Beginn bes 14. £ebensiat)res nod) in ben 
unteren Klaffen ber nieberen Vürgerfdmle faßen, too fie burd) natürliches 
Unoermögen ober äußere nachteilige Umftänbe in ben erften 6d)ulEenni> 
niffen gurücf gel) alten maren." Siefe 9lotfd)ultlaffe unterfd)ieb fief) oon ben 
ledigen ipilfsflaffen befonbers baburd), ba% it)re 6d)üler aud) am Unter= 
rid)te einer 9lormal?laffe teilnehmen mußten. AEmät)lid) mürben and) 
jüngere Kinber aufgenommen, unb es freute fid) bie Stotmenbigfeit einer 
Vergrößerung ber 6d)ule t)eraus, fo ba§ man im 3ötjre 1856 gur (Binridj- 
tung einer 5 m e i t e n Klaffe fd)reiten mußte. 6d)utbire!tor SJ3 m f e l be= 
grünbete feine ^orberung mit folgenben beadjtensmerten Ausführungen: 
„6s ift ein mid)tiges Vebürfnis, ba§ bie 9lotfd)ule oergrößert merbe, meldje 
ba^u beftimmt ift, Kinbern nad)§ul)elfen, bie megen geringer föaben, früherer 
95ernad)läffigung ober aus fonftigen Urfadjen bei mad)fenbem Alter fomeit 
jurücfgeblieben finb, ba§ fie nod) in Klaffen fi&en, tief unter ber 6teEung, 
toeldje fie nad) il)rem Alter einnehmen follten. 60 gibt es Kinber, meldje 
fid) nad) jmei ober an6) brei 3ol)ren nod) in einer unterften Klaffe befinben 
unb nod) immer nid)t oerfepar merben; es gibt 6d)üler oon 13 unb 14 
3at)ren, alfo ber Konfirmation nad) it)rem Alter ganj nar)e, meld)e noct) 
in ben unterften Klaffen fi&en. ©ie letzteren §ur Konfirmation melbbar gu 
mad)en, menn aud) nur notbürftig, unb bei ben erfteren geitig genug oor= 
gubeugen, ba% es mit it)nen nid)t gel)e mie mit ben eben ermähnten, baju 
ift bie ftotfdjule beftimmt. hierbei ift bas SBerbienft bes je^igen 2et)rers 
ber 9lotfd)ule fet)r anguerJennen, benn mit folgen ftumpffmnigen ober oer= 
matjrloften Kinbern gu arbeiten, ift eine fo mür)fame, anftrengenbe, oft gar 



— 35 — 

fef)r oerbrießlidje Sad)e, ba§ eine mal)rl)aft jäf)e ausbauet, niä)t nur im 
gexoiffenfyaften Sinne, fonbern eine aus 5er Siebe jur Sad)e unb 
aus SRitleib mit folgen unglüdtlidjen Kinbern entfpringenbe, red)t ftarte, 
lebhafte unb r e g f a m e s JBärme ber 23erufstreue neben ber 
nötigen elementaren Sef)rgefd)idElid){eit erforberlid) ift, um 
biefem (Sefd)äfte mit 9iugen oorjuftefjen. $lber foE bie 9lbfid)t gebeil)lid) 
erreicht werben, fo mu| eine foldje Klaffe nur memg Sdjüler fyaben, ba 
l)ier oiel, anf)altenb unb inbioibualifierenb mit ben einzelnen ju arbeiten 
ift. Sie Klaffe barf nid)t mel)r als etma 10 bis 12 Sd)üler tjaben." 

2)Ut bem 3al)re 1860 mürbe ein ^tnberung in ber Stotfdmle oorge» 
nommen; man Bereinigte alle Sdjüler berfelben §u einer Klaffe in ber 
3Beife, ba§ fie nun getrennt ben gefamten Unterridjt erhielten unb nid)t 
mefjr eine Sftormalfdmle befugen burften. Siefe Klaffe erhielt ben tarnen 
9tarf)f)ilfsnaffe, moraus ftd) bann nad) unb nad) Inlfsftaffen bgm. 
^ilfsfdmlfrjfteme entmidelten. 2)er Unterricht in ber &ad)l)ilfsflaffe um» 
faßte möetjentlid) 13 6tunben — für Religion 5, Spradje 1, Sefen 3,. 
üKedmen 2, Schreiben 2. SBct einer Teilung ber SUad^ilfsflaffe naljm man 
aud) eine Trennung ber (öefd)led)ter oor, bie l)eute nod) in ben (£l)emni&er 
§ilfsfdmleinrid)tungen beftel)t. 

3um 6ä)luffe biefes $lbfd)nittes fei nod) auf ein 2öer! oon Dr. © e o r » 
g e n s unb %>. Seinfyarbt: Sie ipeilpäbagogi! mit befonberer 93e» 
rürffid)tigung ber Sbiotie unb ber Sbiotenanftalten, Seipgig 1861 unb 1863, 
tjtngemiefen, bas megen feines großen t)eilpäbagogifd)en s JQ3ertes nidjt un- 
eruialjnt bleiben barf. 

Über bie 9lnftalt oon ©eorgens unb Setnljarbt mögen fol» 
genbe Angaben geboten merben. Siefe Sftänner Ratten im Sd)loffe Siefing 
bei 2Bien eine Elnftalt unter bem SRamen S e r> a n a errichtet, bie für bie 
(Sr§ief)ung abnormer beftimmt mar. 6ie beftanb oon 1856 bis 1866. 93on 
il)nen rüfjrt bie 93egeict)mmg £etIpäbagogif I)er. 3 e et n ^ a u l 
l)atte burd) feine Ijeilenbe ^äbagogif auf fie mächtig eingemirlt. (£r barf 
alfo als ber eigentliche Urheber bes Samens ipeilpäbagogif gelten. 

Sie £eilpäbagogi? ©eorgens unb Seinljarbts fiel)t ben 
3mecf bes Unterrichts in ber (Entmidlung ber ^ä^igf eiten für eine ä ft J) e » 
t i f d) e 20 e 1 1 = unb 9laturbetrad)tung an. Sie gibt bem Unter» 
richte als 3nl)alt Arbeits* unb Sprachunterricht, bann K u n ft » 
Übungen, ferner ben auf bie Elrbeitsübungen aufgebauten Unterricht 
in 2Ratf)emati£ unb ben Religionsunterricht Ser % r * 
b e i t s u n t e r r i d) t l)at im Spiele feine 33orausfe^ung, in ben 93efd)äf» 
tigungen unb arbeiten feinen 3nf)alt unb in ben 9Banberungen feine $ort» 
fetjung. Siefe Übungen finb aud) 3ftittel ber Sinnesübungen. Sas CBrgeb» 
nis ber 9Banberungen mirb im Sprachunterricht reprobujiert, gufammen» 
gefaßt, oerarbeitet unb bef efttgt. Qnm Sprachunterricht füljrt bas 
§Hlbbetrad)ten — ein tl)eoretifd)es SBanbern — unb biefes felbft 
mad)t in feiner ©efamtfjeit in ber (Slementarflaffe bie Unterlage bes I)ei= 
mar» unb melt£unblid)en Unterrichts aus. 3 Ü i&in gehören auc^ bas 2 e f e n 
unb Schreiben. (Erfteres foH etrjmologifd) beginnen. (£s merben o^ne 
Sautieren unb SnHabieren oon Einfang an Stammmörter gelefen, gu mel» 
cfjen mit bem ^ortfcfjritt bes Unterrichts immer meljr tonlofe Einfügungen 
Jjinaufommen. ®er Schüler prägt fi<f) gebäcfytnismäfcig bie ©eftalt ber 
2Börter ein, unb babei unterftü&en bie Aneignung bie ©ruppierung ber 
3öörter nad) bem auslauten unb ijre mannigfache Kombinierung unb 53e= 
fpred)ung. 5)ie 33er!nüpfung ber Wörter gefd)ic^t in Reimfäfeen. (£s mirb 
aua) ftets auf äfjnlid) lautenbe 3Börter oermiefen. 5)ie ^il)nlia)feit ber Saut» 
geftalten unb 3 e ^ en ^erbinbungen bringt ben Sd)üler burc^ Analogie gum 
felbftänbigen Scfen neuer 3Börter. 9Benn biefe bann nod) in beftimmten 
Rfjnt^men gufammengefügt merben, ger)t bas Sefen fdmeller oormärts. 
Siefes 53erfal)ren bejmedt außer bem Sefenlernen nod) me^r bie (Entroict» 



— 36 — 

hing ber Snteüigeng unb bie Stäctung bes (öebädjtniffcs. 2)ie SBerfaffer 
polten bie medmnifdje £efefertigfeit, toeldje in Sbiotenanftalten erhielt 
toirb, für feinen (öetoinn. Sie bemerfen aber felbft, bafc bas ^efenlernen 
in itjrem Sinne bei Sbioten minbefiens 4 bis 5 Soljre bauert, manchmal 
aud) nod) länger, ba$ fie jebod) ben 2efeunterrid)t feines 3bioten bis gum 
3iele burd)fetjen tonnten. 2)er Sd)reibunterria)t foll ben fortfd)rei= 
tenben £efeunterritf)t überall „gegenfäfelid)" ergänzen. SBenn g. ©. im 
Stammtoörterbud) feörter mit oerftärftem Anlaut gelefen werben, fo mer= 
ben im Schreiben 3Börter mit Siquiben unb mit ^--Anlauten oorgefüf)rt. 

3ntereffant finb bie Ausführungen ber SBerfaffer über bie Spiele. 
6ie erklären bas Spiel für einen Srieb unb galten es für ein SRittel gu 
Sinnes* unb SBexoegungsübungen unb als moralifd)» erforberlid), toeü es 
einen freubigen unb innigen (öemeinfd)aftsfinn enttoicfelt. Sie fteüen 
brei mannigfad) ineinanber übergefjenbe 6pielarten auf: 2>as r f) n 1 1) = 
m i f d; e Spiel, bei meinem fid) gum Si^ntljmus ber ^Bewegung aud) bas 
rf)t)tl)mifd)e Spred)en unb bas Singen gefellen, bann bas g n m n a ft i f d) e 
Spiel, in meinem fid) gtoedmäftige, aber ungebunbene ^Bewegungen als toett= 
eif ernbe Sätigleiten entfalten, unb brittens bas üftadjafymungsfpiel, 
meldjes bie emftt)aften Sätigfeiten ber (Ertoad)fenen reprobugiert. An ben 
rf)ntj)mifd)en Spielen mit (öefang, bie in mimifaje Spiele auslaufen, follen 
3btoten teilnehmen, auö) wenn fie noaj fein 93erftänbnis bafür Jaben, weil 
fie fid) über if)r gewöl)nlid)es ©afein hinaus in eine f)öf)ere Sphäre gehoben 
füllen, ba bie (Empfinbung ber freien unb fd)mungoollen Bewegung, gu 
ber fie nid)t felbftänbig gelangen fönnen, fie glücfltd) mad)i unb bie oerein= 
gelten SBorftellungen, bie in biefer Stimmung angeregt werben, oon befon= 
berer £ebl)aftigfeit finb, fo bafj bie 3°Qftnge oerpltnismäfjig rafcf) tue 
oerfdn'ebenen Spiele, wenn aud) i^re 3ö^l eine umfaffenbe ift, Derartig 
fennen lernen, ba$ fie wiffen, toas gefpielt wirb, wenn ber 9?ame öes 
Spiels genannt ober bie betreffenbe 2ftelobie angefd)lagen wirb. 

2)ie SBerfaffer meinen es mit if)rer ipeilpäbagogif fel)r gut, fie über= 
feljen aber in iperoorljebung i^res großen allgemeinen 3 tDe£ ^ es / & ß K (Eigen* 
arten bes mangelhaften Sbioten befonbers entgegenkommen. 3l)r 3Berf 
ift barum au6) eine Sßäbagogif für ©efunbe, 93linbe unb Saubftumme. (Es 
enthält wol)l triele allgemein bilbenbe unb aud) ins einzelne gefyenbe praf= 
tifd)e gorberungen, meldte eine ^üUe oon fajarfen 93eobad)tungen befunben, 
aber bie ßweeffeijung ift meiftens oerfeljlt unb beantwortet bie $rage ber 
3btotenbef)anblung nid)t fadjgemäfj. ®ie Serfaffer finb aud) nod) in ber 
bialeftifd)en 9Jtetf)obe gu fe|r befangen, weldje ber Sl)efis bie Antitfyefis 
entgegenfe&t, toie btes beutlid^ ber ^Betrieb i^res Sa^reibunterria^ts geigt. 
Sro^bem bietet tl)r 33ua) oiele Anregungen unb oerbient aua^ l)eute noa^ 
93ead)tung, ba es gemifferma^en bas erfte größere 2e^rbua^ ber Sbioten-- 
beljanblung barftellt. 

60 fe^en roir bereits in tiefem 3^töbfd)nitte ben ©ebanfen 
ber jefeigen §iIf5fd)iuZe tri (£rfd)ieinung treten unb ftogen and) fdjon 
auf einzelne iBerfudje, bie fid^i mit ber ^Berförperung bes $tlfs'= 
fdjulgebanlens p fd)iaffen madjten. §ilf sf^ulin t er na t, 
Stnftaltsfdjuie, ^otfdjute, ^ad)!l)ilf eflof f e, §ilfs- 
f lajf f e — all biefe 53iibungsftätten für geiftig fd)!rDad)e unb gu- 
rüdtgebliebene ^inber lernten roir fennen, ebenfo bie erften 93e= 
ftrebungen ber 6(^töad)finnigenfürforge unb bie Anfänge bes $eil= 
unterridjts. 



— 37 — 
IL 3eitafcfd)ttttt 

©te ©nmtmng ber erften £Uf£fd)ulen. 

Sie Seit t)on 1864 bis (Enbe 1886. - 

2)er ^ame otogner, ein ben fidfy bie 93egrünbung ber 
beutfdfyen £üfsfd)Ulen fnüpft, fyat bereits (Ertrmbnung gefttnben. 
6 1 ä § n e r geb. 1832, gefi. 1910, mirfte guerft als ßetyrer an ber 
ftaatiidfyen (Erßiefyungsanftalt für ©djtaW'd^ unb SBiöbfinnige #u 
£>ubertusburg, 3)ann ging er tn gleicher CSigenfdjoft an bie £aub= 
frummenanftalt gu Seipgig, naäfybem er ein anerbieten © u g g e n = 
büfyls abgefcfylagen I) : atte, b>as tfyn als ßeljrer auf ben ^lbenb= 
berg berief. Seine Seilnafyme an ber Sbiotenbilbungsfacfye erlofd) 
nie, itnb mit großem (Eifer erftrebte er bie ©rünbung einer 6ä)!ule 
für 6d)itDad)finnige in ßeipfttg. 9Jüt Dr. Hern grünbete er bit^ 
bereits ertr»al)nte C&efeHfdjaft pr Sorberung ber 6d)!road)= unb 
33lobfinnigenbiIbung unb betätigte fiefy fäjriftftetterifdj außer* 
orbentHcfy fruchtbar auf bem Gebiete ber ^eileräiefyung, . <£r tuar 
$ule£t 2)ire£tor ber ^aubftummenanftalt gu Bresben umb ftarb 
bafelbft als 6d)ulrat. 3m 3afyre 1864 gab er unter bem Sitel: 
Spulen für fd)mad)befäl)igte ^inber. (Erfter (Entwurf gut 93e- 
grünbung berfeiben, eine 6d>rift heraus, bie ptn erften Sociale 
ben begriff ber £ilfsfd)ule flar ausfprad) umb aud) fogar eine 
(Einrichtung geid)nete, bie in ifyren ^auptpgen nod) fyeute als 
maßgebenb eracfytet merben muß. 3>as 93üd)lein Stöhne rs, 
bas allen 6(fyulbef)örben ans £>er$ gelegt wirb, umfaßt 43 6eiten 
unb gliebert fiefy in brei Seile. 

3m erften Seil roeift ber Skrfaffer gunäd)ft nad), 5a§ faft ieöe Sdml- 
flaffe Sd)road)finnige beherbergt. 2)ann fdn'lbert er fold)e SUnber nad)if)rer 
förperlidjen unb geiftigen 93erfaffung, mit befonberer iperoorijebung iljres 
allmählichen Surüdbleibens im geroöl)nlid)en Schulunterrichte. (£r tommt 
ferner auf bie ;ötöglid)!eit iljrer befferen ^usbilbung §u fpred)en. 93ergleid) 
mit einem fd)tr>ad)en Magneten, ber bei groedmäßiger (Steigerung ber 93e= 
laftung in feiner Hroftenfoltung geförbert roerben form. (Er berichtet bann 
über bie (Er§ief)ungsergebniffe ber $lnftalten für ^Blöbftnntge unb beruft fid) 
babei auf einzelne 9Jlänner, bie mit (Erfolg auf bem ©ebiete ber Sd)roaa> 
finnigenbilbung tätig roaren, mie g. 33. Oberlehrer Od I ä f d) e in £ubertus= 
bürg, Dr. S\ e r n in ködern ufro. $tls Schlußfolgerung ftellt er ben Sag 
auf: „3n allen größeren 6täbten grünbe man S d) u = 
len für fa)roaa)befäfyigte ^inber, bamit biefe, bie 
fpäter jum großen Seil ber (öemeinbe §ur 2a ft f a I = 
len, burd) geeignete Sßerfönlid^eiten unb entfpre* 
d) e n b e n Unterricht §u brauchbaren $ft e n f d) e n f) e r a n = 
gebilbetroerben. " 

®er §u>eite % e i 1 befaßt fid) mit ben allgemeinen 93 o r -- 
fd) lägen gur Einrichtung foldjer Sdjuten, ber 9tad)I)ilfefd)ulen. ®ie 
6 d) u l ä e i t foü minbeftens ad)t %al)Zt umfaffen. 6a^üler§al)l 11 bis 15. 
Unterrid)tsaeit für bie 6d)roäd)ereu 1 V 2 bis 2 6tunben täglid), für bie 
befferen 2 V2 bis 3 Stunben. ©as Sd)ullotal foll geräumig fein, gute 
Lüftung l)aben unb einen ©arten in ber 9?äf)e befi^cn. (Sin geräumiges 



— 38 — 

3immer gum Spielen unb als $Irbeitsftätte für #anbarbeiten ift erforber- 
lid). 9lusftattung ber S d) u l ft u b e : Sleine ; J3änEe, fonbern Stühle, 
meiere äBanbtafeln, £efe= unb 9ied)enmafd)inen, Placier, 2lUerleifd)rani:, 
äftobelle, 33iiber. ©ie Setjrermolmung foll fid) in bcr Sicuje bcfinbcn, bomit 
ber Selber ftets bei bcr ipanb fei ©er £ej)rer foll über grofce ©ebulb oer* 
fügen. ßüct)tigungen finb ausgufd)alten. £ausbefud)e bei ben (Eltern ber 
5tinber finb oft gu unternehmen, um bie 2ftitmir!ung bes (Elterntjaufes für 
bas (Srgiefjungsmerf gu geroinnen. (Es foll gairforge für bie (Ermaajfenen 
geübt merben. 3eben 9Wonat ift menigftens einmal ^elb unb 2öalb gu 
befugen. 93erfa)iebene 2öerfftätten finb aufgufudjen, um bie ^inber mit 
gewerblichen (Einrichtungen begannt gu madjen. ©as £eben auf bem äftartte 
unb ber Strafte foH beobachtet unb ber Unterricht oiel im freien erteilt 
werben. — 3m U n t e r r i d) t ift ftxeube gu med en; besfjalb finb ©efang, 
Surnen unb Singfpiele fleißig gu üben, ©er gefamte Unterricht foll in 
einer ipanb liegen. Öffentliche Prüfungen mögen unterbleiben, meil babei 
leid)t auf eine Säufdmng bes Sßublihtms Eingearbeitet mirb. ©ie Trennung 
ber ©efd)led)ter erfajeint unnötig. $lusreid)enbe unb fähige ßel)rlräfte mer» 
ben fid) finben, roie es ja aud) oiele Seljrer für bie Saubftummen unb 
33linben gibt. 

©er britte Seil enthält einen Seljrplanentmurf unb ent» 
miclelt aud) bie Unterridjtsgrunbfäfce. 

1. ©er Unterricht foll fo anfd)aulid) unb l)anbgreiflid) roie nur irgenb 
möglid) gel)anbt)abt merben. 

2. ©as 53ormärtsfd)reiten erfolge Sd)rittd)en für Sd)rittd)en. 

3. SJlan langmeile bie ^inber nie, fonbern med)fle mit ben Unterrichts* 
gegenftänben ah, etroa alle SBiertelftunben. 

©lieberung ber Sdmle. Sie foE oier Stufen aufmeifen, oon 
benen bie unterfte als eine $lrt SBorftufe gu gelten Ijabe. 

9luf ber o i e r t e n Stufe fteljen bie Sinnesübungen im SBorber» 
grunb, um SBorfteHungen gu bilben. Sie umfaffen: 

a) Übungen gur SBilbung bes ©efid&ts. 

b) Übungen gur 93ilbung bes ©el)örs. 

c) Übungen gur 93ilbung bes Saftfinns. 

d) Übungen gur 93ilbung bes ©erud)s unb ©efdmtadts. 

©er $lnfd)auungsunterrid)t mufj fict) mit §anbbetätigungen oerbin« 
ben (Stäbd)enlegen, Äinbergartenbefa)äftigungen ufro.). 

9luf ber brüten Stufe mirb ber 2lnfd)auuungsunterrid)t fort* 
gefegt, I)auptfäd)lid) mit 93enufcung oon Silbern, ©as (Ergäben oon ©e- 
fa)id)ten unb 2Rärd)en tommt f)ingu. ©er erfte Unterricht in ber biblifdjen 
(&efd)id)te tritt auf. ©as ßefen fefct ein, bann tommt Schreiben l)ingu 
unb Sftedmen. Überall erfolgt ein furger £inmeis auf brauchbare Hilfs- 
mittel. Singen unb Surnen finb in iljren Anfängen gu pflegen. £äglia> 
foH eine l)albe Stunbe geturnt merben. (Ergieljung gur (Ermerbsfäl)igfeit 
ift gleid) oon Anfang an gu erftreben. 

5luf ber g ro e i t e n Stufe foH ber Unterricht allmcüjlid) abftra!ter 
merben. (Es tommt nun ein Shtrfus in ber btblifcrjcn ©efd)id)te I)ingu. 
©as ßefebud) mirb ^erangegogen unb bas erfte Sd^reibbua^ in ©ebraud) 
genommen, ©as 9led)nen mit 3iffe*n beginnt. ^>eimatlunbe unb natur- 
gefd)id)tlid3er Unterricht treten auf. 

9luf ber e r ft e n Stufe beginnt ber eigentliche 9fteligionsunterria)t. 
©as Sefebud^ mirb metter benufct. (Es mirb aud) oon grammatifd^en unb 
ort^ograp^ifdien Übungen gefprodjen. ©emeinnüfeige ^enntniffe foEen er» 
morben merben. ©er 9^ed3enunterrid)t mufc pra!tifd) erteilt merben. Singen 
unb Surnen foHen meitge^enbe Pflege finben. ©ie 9ttäbd)en muffen Unter- 
richt in meiblidjen ^anbarbeiten erhalten, ©ie Knaben follen pappen A 
fd^nifeeln, bauen unb bie Anfänge oon ^orbarbeiten unb oon arbeiten 
an ber £>obelban! lernen. 



— 39 — 

3um Stfrlufc erfolgt eine lur^e $tbtoeifung ber Vorurteile unb 
93ebenfen, bie fid) ettoct gegen bie (Einrichtung ber 6dmlen für ©tfnoad)* 
befähigte geltenb machen füllten. 2)oran faüpft ber Sßerfaffer bann nod) 
bie Hoffnung, ba§ bie gute (5ad)e eine erfreuliche ^lufncujme unb fförberung 
finben toerbe. 

9Bie bereits ermähnt, fyatte bte ©efettfcfyaft gut 5iörberung 
ber ©cfyroacfy-- unb 931öbfinnigenbilbung auf ifyrer Sagung $u §an= 
nooer im Safyre 1865 bie ^oriberung ©t-öfrnc.ts pr (£rrid)tung 
t)on ©djulen für fcfymadfybefä'fyiigte Jlinb er angenommen. ^Darauf« 
fyin tourbe ©töijner oom SRat ber ©tabt 2etpgig pr Abgabe 
eines Gmtacfytens unb Stoftenanfdjllages für eine in Seipgig p er= 
ridjtehbe ©cfyule aufgefordert. © t ö tj n e r tat bies in einem (frut= 
ad)ten oom 3. 9cooember 1865, unb ba ifym bie 3bee ber Sauft« 
ftummenanftalt üorfäjimebte, fd)ilberte er bie ©dfyule als eine 93e= 
toafyranftalt für bm Sag, toorin bie 5linber nidjt nur SMefyrung 
unb (£räiel)ung, fonbem auefy 23e£öftigung unb 93eauffid)tigung 
toäfyrenb ber unterrichtsfreien 3^t erhalten foHten. SHefe 9Sor= 
fd)läge unterbreitete ber 9tat ber ©tabt 2eip^ig ben ©tabtoerorb« 
neten im WäT% bes 3at)tes 1866. 2)ie ©tabtüerorbneten ftimmten 
im folgenben 3at)re (1867) bem antrage toofji grunbfätjlid) p, 
lehnten aber bie oorgefdjlagene ©urdjfüfyrung bes Sßlanes ab, in« 
bem fie u. a. befonbers auf bie großen ©äjunerigfeiten einer riety« 
ttgen Auslefe bes ©cfyülermaterials fyimtriefen. Als pr Ausfüfy« 
rung geeignet empfahlen fie, ben rDirllicfy fd}toad)finnigen Sliubern 
einen t)on bem übrigen ^Iaffenunterrid)!te , gefonberten Unterricht 
buräj einen befonberen 2^rer, jeboä)i in ber ©ä)iule felbft, er« 
teilen unb bie Austoafyl ber Sliniber unter 3Jlittoir!ung eines 
Arztes oomefjmen p laffen. 5>er 9tat ber ©tabt ging iebod) 
feinerfeits nun nicfyt auf bie ^Borfdjläge ber ©tabtüerorbneten ein, 
fonbern t)ielt an feinem urfprünglicfjen Sßlane feft, fo baß oor« 
läufig alle weiteren SBerfyanblungen in biefer Angelegenheit ftä)i 
^erfd)lugen. 2Bäre mit bem SBorfcfylage ber ©tabtüerorbneten 
irgenbein Anfang gemacht toorben, bann fyätte fiefy mit ©icfyerfyeit 
bie oom 9tat getoünfcfyte Anftalt mit ber Seit enturicfelt. 

3ngmifd)en toar ein literarifcfyer ©treit 1 ) unter ben 
Sßäbagogen ausgebrochen, ber ebenfalls einer gebetfylidjen C^nt« 
toicflung ber gangen ©acfye fyinbernb in ben 2öeg trat. © t ö fe n e r 
fyatte in feiner ©cfyrift bie SBeaeirfutung ,,9catf)l)ilfefd)ule für 
©cfytoacfybefaljigte" gewählt, als fcfyonenbe ^Benennung mit Sftücf« 
ftd)t auf bie (Eltern; in sfeirflicfyfeit aber meinte er eine befonbere 
6d>ule für ftfjtoacfyfinnige 5linber. SMefer 3Biberfprucfy groifdjen 
©adje unb 93egeid)uung rief eben bm ermähnten ©treit Ijeroor. 
©ie eine Partei trat lebhaft für 9Rad)l)ilfeunterrid)t ber prücf« 
bleibenben normalen 33ol!sfd)üler ein, toäfyrenb bie anbere be= 



x ) otogner beteiligte ftd) auef) babei unb lieg 1868 eine «Schrift: 
2tltes unb bleues aus bem (öebiet ber ^eilpabagogif, erfd)einen, roorin er 
für feine 3bee lebhaft eintrat. 



— 40 — 

fonbere C£r^tel)ung unb 33elel)rung ber 6d)toad)finnfgen oerlangie. 
9tatürltd) waren beibe im ^cd)t, nur in btn Aufgaben, bie fie er^ 
blickten, gingen fie auseinanber. Sprofeffor Dr. 93 od, Seipgig, ber 
ben 6tanbpunft 6töfeners oertrat, oerfud)te burd) einen ^uf- 
fafe in bem ßeipgiger Tageblatt t)om 8. 3uli 1866 b^n bisher ge- 
malten $orfd)lägen eine flare 93egriffsbeftimmung gugrunbe &u 
legen unb unterfcrjieb folgenbe (Gruppen öon ^inbern: 

1. 93lbbfinnige ^inber, b. f). bie burd) (Gefjirnfrörung geiftig 
unbefärjigten; 

2. fajmad)finnigc S^inber, b. rj. bie aus unbefannten ilrfad)en 
nid)t normal, fonbern nur fd)toad)ibefät)igt erfdjeinen; 

3. trägfinnige Slinber, b. t). blutarme unb bleid)füd)tige, aber 
fonft normale ^inber. 

5ür bie e r ft e (Gruppe empfahl er bie Sßflegeanftalt, 
für <bie § ro e i t e eine b efonber ßrgierjungsanftalt 
unb für bie b r i 1 1 e nur eine befonbere 6 d) u l f l a f f e. 
ßeiber mar biefe 33egriffsbeftimmung nid)t gang glüalid) gemutet 
unb erhielte besrjalb aud) feine oöEige Sllarfteliung ber (Sachlage 
b§ro. feine richtige pfncrjoIogifd)=päbagogifd)e (Gruppierung bes 
6d)iülermaterials. 3Benn man bie erfte (Gruppe aufeer ad)t lägt, 
bann finb oon üorntjerein gwei päbagogifcfye 53eftrebungen gege- 
ben, bie nebeneinander rjergeljen, bie eine pgunften ber gurüd- 
bleibenben urirflid)i 6d)mad)finnigen, bie anbere gum Vorteil ber 
prüdbleibenben Normalen. 3if)nlid)e (Gruppierungsuerfudje mit 
entfpredjenben Serjanblungsoorfcfylägen bitbeten lange 3^t l)in-- 
burd) fyeifj umftritiene (Einrid)tungsfragen, bis auf (Grunb oielcr 
unb längerer (Erwägungen unb (Erfahrungen aud) barin befriebi- 
genbe 3Bege ermittelt mürben. 

?ßon Schriften, bie biefe ^Ingelegenrjeit betjanbeln, finb fol- 
genbe in. nennen: 

<S ü n b e t , §ux Orgamfierung bcr (5eiftesfd)mad)en--$ürforge. ipaüe 
1906, (Tarl 30cari)olb 93erlagsbud)f)anblung. 

5)ie Schrift gliebert fid) in gtoet ipauptteile; im erften mirb bas 3* e * 
bcr (Seiftesfdjmadjenfürforge beljanbelt unb im gmeiten bie Organifierung 
berf elften. 2Bcrtt)oH finb namentlich bie $lusfül)rungen bes groeiten Seils, 
morin bie Sßflid)ten bes Staates in begug auf bie (Seiftesfcfymaajenfürforge 
red)t beutlidj §ur ^orberung erhoben merben. ^ufterbem bieten bie 2Uts-- 
fül)rungen einen lebensvollen ßinblid in btc mannigfachen Sätig!eiten ber 
(Ergieljungsanftaiten für (5eiftesfd)mad)e unb finb fomit geeignet, bas Snter-- 
effe für biefe §u roedin unb %u beleben. 

93 a r 1 b o I b , <S)ie Sbictenanftalten unb bie £ilfsfd)ulen, eine ©ren^ 
regulierung. 3- f- ^ty* 60910. 1901, 12. — ipint}, 2öeld)e päbagogifdjen 
S0tafcnal)men eignen fid) für ben Unterridjt unb bie (£r§iel)ung foldjer Ätn* 
ber, roeldje burd) bie Sßolfsfdmle nid)t genügenbe görberung erfahren? 
^Berlin 1898. — 8. a I i f d) e r , 5Bas !önnen mir für bie (Erjieljung unb 
ben Unterricht unferer fd)mad)begabten ^inber tun? Berlin 1897. — SHedjt 
intereffant finb bie 33orfd)läge oon ipint$; id) laffe fie bes^alb f)ier ooll-- 
ftänbtg folgen. 



— 41 — 

„1. gür tieffteljenbe — oollftänbige — Sbioten ober 33löbfinnige emp- 
fiehlt ftd) bie Sßflegeanftalt, für ben einfachen Sbioten ober Sd)road)finnigen 
fyöljeren (Srabes einfdjlieglid) ber 3mbegtllen bie ^nftaltsergiefyung, fei es 
in einem £alb- ober in einem (öanginternat. 

2. fiüx nenraft^enifdje nnb geiftig geftörte Slinber mirb eine gefonberte 
päbagogifdje $3efyanblung nnr für bie 2)auer tljres frantl)aften 3uftanbes 
gur 9totroenbig£eit, falls burd) il)n bie (Er^iefjung ber Normalen nnb 9Ud)t= 
normalen gefd)äbigt roirb. 

3. s Me 6d)road)begabten nnb bnrd) ändere $erl)ältniffe im $ortfd)ritte 
gehemmten, fotoie alle übrigen torperlid) nnb geiftig 9Jlinbermertigen, felbft 
bie 6d)toad)finnigen geringeren ©rabes gehören in bie Sftormalfdmle, beren 
Organifation fo %u geftalten tft, ba§ fie aud) ben roeniger £eiftungsfäf)igen 
ofjne 3müc!fe^nng ber 93efferbegabten eine möglid)ft inbinibnelle 93el)anb- 
Inng bieten Jann. 

4. fiüx geiftig minbermertige Slinber, bie an bem planmäßigen 6dmi= 
unterridjt nid)t mit (Erfolg teilnehmen fönnen, beren 33efäf)igung aber nidjt 
fidler erfennen lägt, ob fie gn ben fd)road)finnigen §u redmen feien ober 
nid)t, ift bie (Einführung eines 9tebenunterridjts in befonberen, prooifo- 
rifdjen ober SßrobeHaffen §u erftreben. ©er 3tf>e<f biefes ^ebenunterridjts 
muß barin befielen, bie ^inber unterrid)tsfäf)ig $u madjen; bemgemäft ftnb 
fie je nad) bem (Ergebnis ber (Erziehungsarbeit ber ©emeinbefdmle roieber 
ganj gugufü^ren ober einer (Ergie^ungsanftalt für 6d)road)finnige gu Über- 
reifen. (Eine ßoslöfung biefer klaffen oom Organismus ber Sdjule ift 
nidjt gu empfehlen." 

3n Bresben war, wie bereits ermähnt, im Safyre 1867 eine 
9kd)f)ilfe£laffe ins 2ebzn gerufen worben, roe!d)er im näd)ften 
3af)re eine gtoeite folgte, 9Son ©reeben erbat fici) ber Sftat ber 
(5tabt ßeipgig ^usfunft über bie 93ewäl)rung ber bort getroffe- 
nen (Einridjtung unb erhielt eine günftige Antwort $lber ctitd) 
burd) fie ließ er fid) ntd)t p einem ^Berfud) mit ber (Einridjtung 
einiger klaffen bewegen, befonbers weil bie £eip§iger 6djulbiref= 
toren bie 3)resbener (Einrichtung ablehnten unb an il)rer 5m v fr e= 
rung, eine ^Inftalt, bie 23elef)rung, (Er^ierjung, 93eföftigung unb 
23eauffid)tigung §u bieten imftanbe wäre, feftljielten. 3)er 9tat 
legte baljer $um ^weiten S(ftale im Safyre 1868 feinen unoeränber- 
ttn ^lan ben Stabtoerorbneten oor; biefe lehnten jebod) abermals 
bk Vorlage ab unb empfahlen roieber bie (Einrichtung oon befon- 
beren klaffen für 6d)wad)finnige. 6 1 ö tj n e r Ijatte oorljer für 
feine 6ad)e burd) einen Vortrag in ber Sßäbagogifdjen ©efellfdjaft 
gu ßeipgig ^erftänbnis unb 3ntereffe gu weefen gefudjt. Sro^bem 
biefe Bereinigung fid) für bie (Einrichtung einer 6d)ulanftalt für 
fd)road)finntge ^inber im 6inne 6töijners ausfprad), neben- 
bei aber aud) bie (Einrichtung einer befonberen klaffe, in welcher 
eine 6d)eibung ber 6d)wad)finnigen oon ben nur ber 9tad)f)ilfe 
33ebürftigen erfolgen foEte, empfahl, fanb bod) bie Vorlage bie 
erroöljnte ^bleljnung. 3)ie 6tabtoerorbneten freuten jefet befon- 
bers bie {)of)en Soften ber (Einrichtung. (Eine britte SUbleljnung 
erlebte bie 9Wsoorlage im 3a^re 1870; bod) mar ber SBiberfianb 
biesmal fd)on fd)mäd)er geworben. 3nfolge ber gefd)id)tlid)en (Er-- 
eigniffe ber 3al)re 1870--71 rul)tcn längere 3al)re rjinburri) fämt« 



— 42 — 

lidje (£rtoägungen in biefer Slngelegenfyeit, unb erft nad) ber 9teu= 
geftaltung bes 2eip§iger ißolfsfcfyulroefens (1873=74) fam bie 6ad)e 
toieber in glug. ®^ 6d)iuIbire£toren beantragten im 3crf)re 1881 
bie red)t balbige (Einrichtung t»on ein ober groei klaffen für 
fcfywadjfinnige Slinber. %xi 5. SUpril 1881 rourbe enblia) bie (£in= 
rictytung biefer klaffen befcfyloffen unb am 19, Sftooember besfelben 
3ai)res bie e r ft e 6 d)i ro a cty f i n n i g e n ! I a f f e eröffnet. 3)as 
Seipgiger £ilfsfd)iuIroefen entroicfelte fid) bann im Saufe ber 3eü 
in red)lt erfreulicher 2Beife, banl ber umficfytigen ßeitung bes 6d)ul= 
bireftors &. 9ft i d) t er. Sftäfyere Eingaben (barüber bietet feine 
lef)rreid)!e 6d)rift: S)ie ßeipgiger Scr)toad)finnigenfd)iuIe nad) ifyrer 
(&efd)id)te unb (Bntroicflung, Öeipgig 1893. 1 ) 

3n ßeipgig t» erfolgte) bie erfte klaffe für ödjroadjfinnige nod> ben 
©oppelgroed, ifyre 6d)üler für bas ßeben oorpbilben unb 
einzelne unter iljnen burd)i SRad)l)ttfe ber 9lormaIfd)uIe roieber 
#u$ufürjren. 5)a aber ifyr ßeiter immer metyr oon biefem 5)oppei= 
ymtd abroid)' unb nur roirllid); 6d)toiad)finnige aufnahm, fo baute 
tdj feine Sdjlule mit ber 3wt $u einer reinen 6d)mad)finnigen* 
djule aus. ®an$ befonbers betonte er bte ^otmenbiigfeit einer 
ßnge anbauernben unb eimbringlic^! roirfeniben (Erftiefyung unb 
verlangte besfyalb für bie innere unb äufjere (£inrid)tung alle jene 
Stftafcnatnnen, bie aud)| 6tiötjner fdjion empfohlen Ijatte. (£r 
f epe ben Ausbau feiner 6d)lu!e $u einer £ a g e s a n ft a 1 1 burd), 
um ben Kinbern nacfy ber ödjulfteit aud)i 93eEöftigung, 33eaufftd)= 
tigung, 93efd)äf tigung unb (Ergietjung geröärjren ju lönnen. Unb 
fo ift es in ßeipjig bis fyeute geblieben, mit ^lusnafyme einiger 
Sorortrjilfsfdjulen, bie reinen 6a^|ul(^!ara!ter aufroeifen. 

2)ie to eitere ©rünbung von ärjnlidjien ^Inftalten oollgog fid) 
gunäcfyft nur langfam. 3m 3al)re 1879 regte in (Elberfelb 
frer SBeigeorbnete unb SBorftefjer ber bortigen ^rmenoerroaltung 
(Brnft an, aus Einlaß ber golbenen §od)!§eit bes Kaiferpaares 
eine Stiftung gum 3wecfe oer 9lusbilbung, geiftig unb torperlid) 
mangelhaft veranlagter Kinber ins ßeben p rufen. 3)ie p biefem 
3roede oeranftaltete 6ammlung ergab bie 6umme r»on 30 000 9ft., 
fcie t)on ber Stabt auf 40 000 2R. erl)öt)t mürbe. 3)ie 3wfen biefes 
Kapitals foHten gur (Einria^tung unb Unterhaltung einer §ilfs= 
llaffe bienen. 5)a (Binrid)itungen äl)nlid)ier ^rt, bie man gum 
^orbilbe l)ätte nehmen fönnen, nod) 1 nid)t befannt roaren, fo 



x ) (£in jtDeiter 93erid)t 3li^tcrs etf^tcn für bie 3al)re 1893 Ms 
1897. 93on biefer 3 e it ob ift jebes 3af)r ein 35erid)t über bie Seidiger 
^>ilfsfc^ule I)erausge?ommen. 5)te SBcrid^tc bieten intereffonte (£inbli(fe in 
bie (SnttöidEhmgsgefd)id)te bes Seipjiger ^ilfsfdjultüefens. 

9ttd)ter §at noc^ bie folgenbe 6d^rift üeröff entließt: ©ebanfen nnb 
93orf erläge jur vetteren (Enttoidtlung ber §ilfsfd)nle für 6d)tDad)befcu)tgte 
in Seipjig. ^ine 2)en!fd^rift. Setpaig 1905. — 93gl. auä) ben Sluffafc oon 
© f) r i g : 3um 80. C&eburtstag ^arl 9^id)ters. 3. f. «Bei). 6<4jtD. 1907, 1. 



— 43 — 

wollte man mit ber größten 3Sorfic^t unb auä) nur t)erfuä)s weife 
gur $lusfül)rung bes planes fdjireiten. 9}aä}jbem man oerfcrjiiebene 
©utacfyten eingeholt rjatte, würbe ber für bie Verwaltung ber 
klaffe in ^lusficfyt genommene Sekret auf fedjs Monate nad) ber 
3biotenanftaIt £epl)ata in 9Öt=G>Iabbad)- gefctyidt, um fid)l bort mit 
ber ^eilerzietnmg befannt gu machen. S)ie ^ufnalnneregel für 
bie neue ©cfyule fdjrieb ben ßeitern ber SBolfsfctyule größte 3Sor= 
ficfyt bei ber 2luswal)l ber 6d)üler oor unb bezeichnete folgenbe 
$inber als für bie £ilfsfd)ule geeignet: 

1. Vilbungsfät)ige, aber in folgern ©rabe geiftig befctyriänfte 
Kinber, baß fie bem Volfsfcfyulunterricfyt nicfyt zu folgen 

vermögen; 

2. S^inber, benen infolge förperlicrjer ©ebrecfyen bies nid)t 
mögliä) fei, 

3. foldje Slinber, bte burd) anbauernbe $ränfliä)ifeit am regel= 
mäßigen 6d)ulbefucr) ge'rjinbert feien. 

<Um 1. Oftober 1879 formte eine klaffe mit 18 fthtfrern unter 
ber ßeitung bes ßefyrers 9tottlänber eröffnet werben. 3>a 
biefer Verfucfy burcrjaus z ur 3 u f^^o^l)^it atter ^Beteiligten aus= 
fiel, würbe am 1. Oftober 1880 eine zweite klaffe hinzugefügt 
(Es vergingen bann einige 3ar>re ruhiger Arbeit. 5)ie weiteren 
günftigen (Erfahrungen, welctye man wätjrenb biefer ßwt machen 
fonnte, führten jur (Errichtung einer brüten klaffe am 1. 9Jlai 
1884. 

6cfyulrat Dr. SBoobftein, (Elberfelb, ber Seiter bes (Elber= 
felber Sßolfsfcfyulwefens, braute ber ipilfsfctyule triel 2öol)lwollen 
entgegen, fo baß fie fiel)! in erfreulicher 3Beife weiter entwicfelte. 
(Er ift aucrjl ber Verfaffer einer fleinen 6d)irift, bie genaue 3lus= 
fünft über bie (Entwicklung ber (Elberfelber gnlfsfcfyule bis z um 
3al)re 1901 gibt; ifyr Sitel lautet: 3)ie ^ilfsfcrjule für fct)wad)= 
befähigte 5linber in (Elberfelb, eine furze ©efd)icl)te irjrer (Ent- 
wicklung unb itfjrer (Erfahrungen in ben erften 20 3al)ren iljres 
93eftel)ens. 3tn 3ctl)re 1908 erfcrjien twn xfyta ein zweites, giemlio^ 
umfangreiches 2Berf: 2)ie (Erziehungsarbeit ber Scljule an 
6d)wad)ibegabten, ^Berlin 1908, bas zwar reidji an ©ebanfen, aber 
wegen feiner breitangelegten, letyrljaften ©arfteEungsweife nicfyt 
überreifen (Gewinn für Unterrichts-- unb ^usfunftsgwecfe ab^u= 
werfen geeignet erfcfyeint. 

3n bas 3al)r 1881 fällt bie ©rünbung ber ^Braunfdjweiger 
§ilfsfd)ule. 5)er bortige 6anitätsrat Dr. SBerfrjan, ein auf 
bem (Gebiete ber 6cr;wad)finnsforfcr/ung rjeroorragenber 9ftann, 
oeranlaftte in 33raunfd)weig eine (Erhebung über bie Qal)l ibiotifd) 
oeranlagter ^inber in ben Volfsfcfyulen. 2)a bie ßatyl ft<*) ols 
red)t bebeutenb erwies, fo würbe bie (Einrichtung einer |>ilfs= 
flaffe für fä)wad)befäl)igte ober fdjwac^ibeanlagte Slinber befcfylof-- 
fen unb bie gürjrung biefer klaffe bem fieljrer ^ i e l r) o r n über-- 



— 44 — 

tragen, ber fett ber (örünbung ber 6d)ule biefe ununterbrochen 
bis gum 3ol)re 1914 leitete unb fid) aud) fcfyriftftellerifd) auf bcm 
£ilfsfd)ulgebiet fef)r rjertmrtat. 3)ie gunäcfjft t)erfud)smeife ein- 
gerichtete £>ilfsHaffe mürbe 1881 enbgültig bem 6d)ulmefen 
^Braunfd)meigs einverleibt unb entmidelte fid) fo rafd), bag im 
3d)re 1885 bereits eine §ilfsfd)ule mit brei auffteigenben klaffen 
entftanben mar. ßur weiteren Kenntnis über bie §ilfsfd)ule in 
95raunfd)meig ift bie 6d)rift oon Kielrjorn gu empfehlen: (£r- 
gierjung unb Unterridjt f(fymacfybefäf)igter Kinber. öilfsfcfyullefjr- 
plan. §atle a. 6. 1909. 3)ie ^raunfdjmeiger §ilfsfd)ule gab 
neben ber Seipgiger für triele fpäter gu erricfytenbe ipilfsfdnxlen 
bas üBorbilb ab. 

3m 3at)re 1883 mürben £>ilfsfd)iuten gu ©ortmunb unb £al- 
berftabt ins 2ebm gerufen, 1885 gu Grefelb unb Königsberg i. Sßr. 
unb 1886 gu (Eöfn unb 9Md)>enbad) i t SBogtL 3ür 5>;o r t m u n b 
unb (Erefel'b mar jedenfalls bas 93eifpiel von (Elberfelb maj3= 
gebend. 2>as Siufblüfyen biefer 3nbuftriefräbte Ijatte einen ftarfen 
28ed)fel ber 33eoöl£erung im (befolge, beffen 9Bir£ung ficf) aud) 
an ber fdntlpflidjtigen 3ugettb bemerfbar mad)te, fo ba$ bie (Er-- 
ridjtung oon 9Rad)il)itfe£kiffen für bie öurd) $Banberung unb Um- 
gug benachteiligten Kinber gur 9ßotmenbigfeit mürbe. SJttt ber 
Seit bilbeten aber diejenigen 6d)üler, melcfye infolge iljrer fd)ma-- 
c^en Begabung bie £üden itjrer Kenntniffe unb ^ertigfeiten nid)t 
gu Überbrüden t)ermod)iten, ben eifernen 93eftanb biefer Klaffen, 
unb bamit nätjerte fid) ibie gange (Einridjtung immer meljr bem 
ökbanfen ber heutigen ipilfsfdyule. 

3n ipalberftabt mürben fogleid)! gmei ipilfsflaffen errid)-- 
tet, eine für Knaben unb eine für 9Jcäbd)en, jebenfalls nad> bem 
dufter üon $lpolba; benn bis gum 3al)re 1913 mürben aud) 
Kinder aufgenommen, bie nur infolge äußerer ungünftiger 93er-- 
t)ättniffe in ifyrer (Entmidlung gurücfgeblieben maren. 

3n Königsberg i. Sßr. reichen bie anfange ber Jpilfs- 
fd)ulbemegung bis in bas 3al)r 1879 gurücf; aber erft im folgen- 
den 3al)re mürbe ber 93efd)tuj3 gefaßt, fd)mad)finnigen Kinbern an 
einem befonberen Orte burd) eine befonbere ßetjrfraft möcfyentlid) 
24 6tunben befonberen Unterricht erteilen gu laffen. 3>a man 
fid) aber nidjt recfyt flar mar, ob eine befonbere 6d)ule eingu-- 
rid)ten fei, ober ob fdjon ^ad)l)ilfeunterrid)t genügen möd)te, fo 
verging nod) einige Szxt, bis enblid) 1883 ein erneuter Eintrag 
geflellt mürbe. 3n ber Begründung biefes Antrages rjieß es: „33ei 
individueller Behandlung, bei einem gefdjidten, auf ber 91nfd)au= 
ung bafierten Seeerfahren, bei rnögiidjft groger $ereinfad)ung 
des £et>rftoffes unb ^ebugierung ber 2el)rfäd)er laffen fid) geiftig 
gurüdgebliebene Kinber, gu einer fleinen 6c^ule Bereinigt unb in 
6piel unb Arbeit oon fumbigen £er)rern geleitet, fomett ermeden 
unb förbern, ba| fie bie jebem 9Jcitgliebe ber menfd)lid)en ©efetl- 



— 45 — 

fd)ttft nötigen Äenntniffe unb fittlierjen begriffe gewinnen." 3m 
6inne bicfer 9lid)tlinien mürbe am 1, $lpril 1885 bie erfte £ilfs= 
fdjulflaffe mit 12 Ämtern beiberlei (Sefd)iled)ts eröffnet. Sie ent= 
micfelte fid) halb fo günftig, ba§ in furger 3^t mehrere klaffen 
folgten, ^n biefem SBeifpide fernen mir, mie ber iptlfsfcfyulgebanfe 
fd)on immer flarer erfaßt mürbe unb aucfy finngemäße ^erförpe-- 
rung fanb. 

5)ie 'ütnregungen gur ©rünbung ber iptlföfcfyule gu & ö l n 
gingen oon bem bortigen Stabtfdjulrat Dr. 93 r a n b e n b e r g 
aus, ber fid)i trielfad) mit ber gürforge für bie Sd)mad)ifinnigen 
befd}äftigte unb aud)) bie (£inrid)tungen in (Slberfelb unb ßeipgig 
fannte. 3m 3atyre 1886 mürben eine Knaben-- unb eine 3Jcäbd)en-- 
flaffe unter bem Flamen „Sdjiule für geiftig nicfyt normal ent= 
midelte Äinber" eröffnet. Dr. 33 r anb enb er gi l)at feine (£r= 
fafjrungen in einer fleinen Scfyrift niedergelegt, bie red)!t lerjrreid)e 
^Darlegungen bietet; xfyt Site! lautet: 3ur ^Jürforge für bie 
6d)mad)finnigen, 93ielefelb 1890. 

2>ie Anfänge ber £ilfsfd)uleinrid)tung in 3teid)enbad)i i. 93. 
finb jebenfatls auf bie (Binflüffe oon ßeipgig bgm. (Efyemnife gurücf= 
gufül)ren; es maren aber bafelbft nur 9Rad)l)ilfeflaffen üorgefeljen, 
bie aud) jefet imd) hm 93olfsfd)ulen angegliebert finb. 

S)ie furzen yiatyvidytm über bie <&efd)id)te ber §ilfsfd)ulen 
biefes Seitabfcfynittes finb mit ^bfidjt gegeben morben, fie roollen 
in ber |>auptfad)e geigen, unter meld) eigenartigen 93erl)ältniffen 
bie 33egrünbung biefer 6cf)iuleinrid)tungen t>on ftatten ging;, unb 
mie oerfdjiebenartig bie mit iljnen oerbunbenen Steife gur ^U6= 
füljrung gelangten, ©er ©ang ber (Entmiclluncj in ßeipgig ift 
eigentlich oorbilblid) für bie gange 93orgefd)icfyte ber meiften Jpilfs= 
fdjtulen, menn aud) nicfyt überall bn Unklarheiten unb §emmniffe 
fid) fo ftarf bemerkbar machten mie gerabe in ßeipgig. 

9Sei ber ©rünbung ber erften £>ilfsfcr;ulen bad}ten fomorjl bie 
93et)örben als aud): bie Serjrer moljl meift an eine ben ge= 
fd)mäd)ten Äinbern gu gebenbe 9tad)irjilf e, moburd) fie be- 
fähigt merben follten, bie 93oIfsfd)ule mit (Erfolg mieber gu be= 
Juanen. Slftit großem (£ifer mürbe bie Arbeit aufgenommen unb 
bas 3iel ber unterften 93olfsfd)<ulflaffe gu erreichen t>erfud)t. SORan 
oerfefete bann aud) einige S\inber in bie 93olfsfd)atle gurücf, madjte 
aber ferjr balb bie (Erfahrung, baß fie bem bortigen normalen 
Unterrid)tsfortfd)ritte mcfjt 51t folgen t>ermod)ten, oon neuem gu= 
rüd'blieben unb nadj einiger Qext bann mieber ber £>ilfsfd)ule 
übermiefen merben mußten. 6omit mußte fid) bie (Menntnis 
s 33al)n bred)en, baß b i e f e Ä i n t c r n i d) t in bie 93 1 1 s -- 
fd)ule gehörten; aber es geigte fid) aud), ba^ fie burdj einen 
anfyaltenben unb iljrer 5B e f e n s a r t angepaßten 
Unterricht red)t mol)l geförbert merben f 11 n -- 
t e n. ^llfo aus ber ^rarjs heraus ermud)s bie (£infid)t, ba^ nur 



— 46 — 

auf bem 3Bege gefon berter Unterroeifung unb bei 
anbauern ber Trennung oon ber Voltsfdjule fd)road)-- 
finnigen Kinbern roirflidt) gu Reifen fei. 2)araus ergab fict) roieber 
als roeitere ^otroenbigfeit, biefe 6a)ulen frufenroeife fortfdjreitenb 
auszubauen, alfo merjrflaffig ausgugeftalten. 

3)ie erften 6d)ulen roujjten gegenseitig roenig ober gar nid)ts 
oon iljrem Veftefyen unb itjren inneren (Einrichtungen unb roaren 
in ifyrer ^Birffamfeit ausfd)IieBIid) auf fid) allein angeroiefen 3^re 
Seljrer fal)en fid) rool)l nad) $lnroeifungen unb ßiteratur bgro. aud) 
nad) SJieinungsaustaufcfy um; aber oon all ben 6ad)en roar nid)t 
oiel öorfyanben. SDod)> biefer Umftanb gereicfyte ber gangen (Ent= 
roidlung ber §ilfsfd)nle burdjaus nicfyt gum Schaben. 2)enn beim 
93efanntroerben ber etngefcfylagienen 3Bege ftellte fid) eine giemlid) 
roeitgeljenbe Übereinftimmung in Dielen 2)ingen fyeraus, rooburd) 
beroiefen rourbe, baft bie Val)nbred)er ber £ilfsfd)ulberoegung 
burd) bie gegebenen Verfyältniffe im großen unb gangen in bie 
gleiten Vatjnen gebrängt roorben roaren — fie befanben fid) 
alfo jedenfalls auf bem richtigen 2Bege. 

Sftatürtid) galt es ju Anfang ber ipilfsfdjulberoegung, nod) 
manage 2B i b e r ft ä nb e gu befeitigen unb mand)e Vorurteile 
unb Vebenfen gu roiberlegen. SUn erfter Stelle roaren es bie 
Altern, benen es roiberftrebte, ifyre Kinber ber „3)ummenfd)ule". 
roie bie ipilfsftfyule trielfad) begeidjnet rourbe, gugufüljren. SMefen 
3Biberftanb fudjte man burd) 9$üc£fprad)ien auf gütlichem 2Bege 
beigulegen — bei einfidjtigen (Eltern aud)i meiftens mit (Erfolg, 
daneben fam aus. p ä b a g o g I f d) e n Greifen $Biberftanb. (Es 
rourbe behauptet, ber .33efud)i ber §ilfsfd)ule branbmarfe bas ßinb 
für fein ganges ßeben, fe&e es in ber Umgebung unb öffentlichen 
SReinung fyerab unb füge ifym fomit empfinblidjen 6d)aben für 
fein fpäteres g^rtfommen gu. $lls ©egenüorfdjlag empfahl man 
§erabfefeung ber SUaffenbefudjsgarjl unb ber Un = 
terridjtsgiele in ber Volfsfcrjiule; bann roürben aud) fd)road)= 
begabte Kinber roirffam geförbert roerben tonnen. 93ei bem erften 
Vorfdjlage iebod)! tjatte man bie §auptfad)e überfein, benn nid)t 
bie geringe Klaff enbefefeung fpielt in ber Sd)road)finnigenbiIbung 
bie Hauptrolle, fonbern ber eigenartige, bem SBefen ber gefd)toäd)= 
ten Veranlagung angepaßte 6onberunterrid)t Unb aud) ber 
groeite Vorfd)Iag — £>erabfe&ung ber Klaffengiete — bietet feinen 
gangbaren $iusroeg. Verfdjiebenartige 6d)ülerelemente roerben 
in ein unb berfelben Klaffe niemals oöHig gegenfeitig il)re 9ted)-- 
nung finben; entroeber bie 6d)toad)en roerben geförbert, bann 
bleiben bie begabten oernadjläffigt, ober biefe roerben oorroärts-- 
gebrad)t, bann bleiben jene gurüd. ^lußerbem rourbe bei biefem 
Verfahren nid)t nur ber «Jortfdjritt ber gangen 6d)ule, fonbern 
im (Enbergebnis aud) ber ber gefamten Vilbung bes Volfes ge= 
rjemmt roerben. (Es bleiben alfo in biefer Vegierjung nur groei 



— 47 — 

5öege gangbar — enttoeber bie 6d)toad)ftnnigen oerbleiben in bzn 
Sßolfsfdjulen, bann finben fie feine erfpriepdje ^usbilbung, ober 
fie toerben, felbft auf bte (öefafyr einer geroiffen 3urüdftellaing l)in, 
ber fie ja niemals entgegen, ber £ilfsfd)ule überliefen, in toeldjer 
fie in p)ecfbienlid)er $kife für bas fpätere ßeben Vorbereitung 
unb ^luöbilbung erhalten» 

2)es weiteren nahmen fid)i Unerfahrene unb allerlei 9[ftenfd)en-- 
freunbe in „falfdjem SOI i 1 1 e i b " biefer „bebauernstoerten" 
^inber an unb fugten burdfy 9ftenfd)Iid)leitsgrünbe bas 93ebürf= 
nis naa> £ilfsfcfyulen p oerneinen. SHefe Sftenfd)enfreunblid)= 
feitsgebanfen fanben oielfadji 9lafyrung unb festen ftd) aud) in 
einzelnen mafcgebenben Greifen ber 6tabtüerroaltungen feft, fo 
baß bann bie (£rrid)tung oon §>üfsfd)ulen an mannen Orten oon 
oornfyerein §ur Unmöglidjleit tourbe. 1 ) 3ftit ber Einrichtung t»on 
£,ilfsfd)ulen urnren erfyebltd)e R o ft e n oertmipft; auct) biefe 
gaben oielfad) einen 6treitgegenftanb ab, inbem man geltenb 
mad)te, bafj bie großen (Mbfummen, bie für bte ^usbilbung 
fd)U)ad)finniger ^inber oerlangt toürben, unnütze ausgaben toären, 
bie man fid) fparen tonnte; benn bie 6d)toad)finnigen teifteten 
bod) nid)ts für bie M gern ein!) ei t ufm. hierbei ijatte man jebod) 
nid)t an bie Soften gebad)£, meldje bei einer etwaigen fpäteren 
Unterhaltung ober Verforgung ber 6d)>toad)finnigen nötig toären, 
toenn biefe gang unb gar ofyne ^toedmäjsige ^Borbtlbung ins 2zbm 
träten. 

6d)IieJ3Üd) ertoud)s ben ipiifsfdjatlen aud) eine geroiffe ©eg= 
nerfdjaft aus ben Vertretern ber 3 b i o t e n a n ft a i t e n , 
bie fidj bereits im Safyte 1874 ju einer alte brei 3ctfyte tagenben 
^onfereng für bas Sbiotenroefen 2 ) gufammenge-- 

J ) SBergl. hierbei bte ^lusfüljrungen über (Segner ber £ilfsftf)ule im 
2. Seil bes ipanöbud)es. 

2 ) 3ur ©efajiajte ber Konferenzen ift folgenbes gu berieten. 

3m September 1874 erliegen bie 2)ire!toren oon fed)s ber größeren 
bentfdjen 3biotenanftalten — Dr. Sengelmann, $llfterborf, 33 a r t = 
f) o l ö , 9K.--(5laöbad) , Dr. SU n b , £cmgenf)agen , 9ft a 1 1 , Sflariaberg, 
Dr. £arbelanb, üfteinftebt, unb Sonbenberger, Stetten — eine 
(Einladung §u einer Konf erenj. Sie 1. Konferenz ber 3 b i o t e n = 
£ e i l = <iß f l e g e fanö in ben Sogen oom 4. bis 6. Stooember 1874 gu 
Berlin ftatt. 2. Konferenz nom 16. bis 18. Ottober 1877 in £eipgig. 3. Kon= 
fereng r-om 13. bis 15. September 1880 in Stuttgart. 4. Konferenz oom 
4. bis 6. September 1883 in Hamburg. 5. Konferenz t>om 14. bis 16. Sep- 
tember 1886 in grantfurt a. 9fl. 6. Konferenz oom 13. bis 16. September 
1889 in 93raunfc!)tDeig. 7. Konferenz für bas 3öiotentoefen 
com 5. bis 8. September 1893 in ^Berlin. 8. Konferenz oom 17. bis 20. 
September 1895 in £eibelberg. 9. Konferenz für 35iotenpflegeunb 
Schulen für fajroadjbefäJjigte & i n b e r com 6. bis 9. Sep= 
tember 1898 in Breslau. 10. Konferenz oom 17. bis 20. September 1901 
in (Slberfelö. 11. Konferenz für bas 3 b i o t e n = unb £ i l f s f d) u l -- 
w e f e n nom 6. bis 9. September 1904 in Stettin. 12. Stonferenj oom 
17. bis 19. September 1907 in Gfyemnit}. 13. S^onferenj bes Vereins 



— 48 — 

fdyloffen fyatten. ©iefe Konferenzen mürben aud) von ben Ver- 
tretern ber $üfsfd)ulen red)t rege befucfyt. ^Bereits im 3al)re 1880 
in Stuttgart befaßte fid) t>ie Konferenz mit ber §>ilfsfd)ulfrage, 
veranlagt burcfy eine anfrage bes ©ireftors ber 3biotenanftalt 
in £angenl)agen bei ^annooer, Dr. Kinb, ber beauftragt mar, 
ein (&utad)ten über bie geplante (Einrichtung einer §ilfsfd)ule für 
bie 6tabt Vraunfdjmeig abzugeben. 3)ie Srage lautete: „3ft es 
u>ünfd)iensmert, ba% größere 6täbte eigene klaffen für fd)mad)-- 
befäljigte Kinber errieten, ober finb leitete ben 3biotenanftaIten 
^upmeifen?" Dr. Kinb fprad) fid) in bejafyenbem 6inne für 
bie (Einrichtung folcfyer Klaffen aus. 3>erfelben Meinung maren 
aud) nod) anbere Seilnerjmer, befonbers mehrere auslänbifcrje. 
3lnbere bagegen (23 a r 1 I) o I b , 90c.--©Iabbad), 6engeimann, 
$iifterborf) oerneinten fie in ber Veforgnis, es möd)te burd) bie 
(Einrichtung von £ilfsfd)ulen ben ^Inftalten attes nodj bilbungs-- 
fäfyige Scrjülermaterial entgogenj merben, fo blaß fie bann §u 
reinen Sßflegeanftalten rjerabfinfen mürben. 6d)ließlid) mürbe 
bod) ein Eintrag Dr. K i n b s angenommen, ber folgenbe Raffung 
!)atte: „Sie Konferenz erHärt es unter ben 
jetzigen SBerljiältniffen für münfdjensmert, ba$ 
größere 6 1 ä b t e für f d) m a d) b e f ä rj i g t e (i m b e § i II e) 
Kinber befonbere Klaffen errieten." $luf biefen 
Vefd)luß einigte man fid) nod) einmal auf ber folgenben Kon- 
ferenz im 3ctl)re 1883 in §amburg, auf melier K i e I r> o r n , 
Vraunfcfjitoeig, im ^nfdjluß an einen von itjm gehaltenen Vortrag 
bie §ilfsfcr)ulfrage t)on neuem aufrollte unb gur 93efpred)ung 
ftellte. $luf ber näd)ften Konferenz im Sarjre 1886 in 5 ran ^f ur * 
a. .901. fprad)| ftcrj bie Verfanimlung im $lnfd)iuß an einen Vortrag 
bes &d)iuIbireftors Dr. Bartels, (&era, ber über feine (Erfah- 
rungen in ben Klaffen für 6d)macfybefäl)igte berichtete, im all- 
gemeinen günftig für tiefe 6d)iuleinrid)tungen aus. 3** e * n8r 
fd)iarfen ^luseinanberfe^ung fam es bann aber nod) einmal auf 
ber Konferenz im 3al)te 1889 in Vraunfcfymeig, auf melcfyer 
Kielfyorn mieberum einen Vortrag über £ilfsfd)atlbeftrebun-- 
gen I)ielt. $Iuf ben folgenben Konferenzen mürben bie SÜteinungs-- 
oerfdjiebenljeiten gmifc^en ben beiberfeitigen Vertretern immer 
geringer, rjauptfäcrjlid) aud)i besljalb, meil bie §ilfsfd)ulbemegum] 



für (£rgief)ung, U n t e r r i $ t unb Pflege ©etftesfdjmadjer 
Dom 13. bis 16. September 1910 in 2Biesbaöen. 14. ^onferenj .com 8. bis 
11. September 1912 in 93ietefelb unb «Bettel bei ^ielefelb. 2)ie 15. £on- 
ferens foUte im 3af)re 1915 in SJUindjen möglidjft gufammen mit 5em 93er-- 
bonbe ber £ilfsfdmlen <Deutfd)lanbs tagen, bjm. im 3af)re 1914 in Stutt= 
gort ftattfinben. ©er Stusbrud) bes SBeltfrieges J)at biefe Sagung oer= 
ijinbert. (Es fonb jebod) in ben Sagen bes 9. unb 10. Oftober 1916 eine 
Uriegstagung bes Vereins gu ftranffurt o. 2TC. ftatt. S)ie 16. 5lon= 
f erenj fonb nom 9. bis 11. September 1919 in 3ena ftott. — SBgl. ^ i p e r , 
(Sin t)iergigiäl)riges 3ubilöum. 3- f. $el). Sdjm. 1914, 9--10. 



— 49 — 

in$roifd)en eine erftaunli(fye (Entroidhtng angenommen fyatte unb 
p einer Sftadjtgröße geworben mar, mit ber bte ^onfereng redjnen 
mußte. ^us biefem ©runbe änberte aud) bie 5^onfereng auf ifyrer 
Sagung im 3al)re 1898 in Breslau tfyrje Bezeichnung unb nannte 
id) „S^onfereng für Das 3 b i o t e n = unb £ i l f s = 
' d) u I m e f e n ". 'Sluf ber Slonfereng im 3afyre 1907 in (Efyemnit} 
änberte fie mieberum ifyre Begeidjnung unb nannte fid)! nunmehr: 
„herein für Er^ieljung, Unterricht unb Pflege 
©eiftesf djro adjer ". 

5)ie §ilfsfd)ule oerbanft ben Slnftalten in päbagogifdjier 93e= 
giefyung red)t t)iel, namentlid)i in be#ug auf ßiteratur, 2el)rmittel 
unb befonbers auf bie 9[ftetI)obe bes $lnfangsunterrid)its. 2)ie 
$lnftalten befaßen aud)i bereits feit fielen Setzen eine fiaty* 
$ e 1 1 f dj r i f t. 3m 3aty?e 1880 rourbe biefe oon SHreftor 6 d)l r ö = 
ter, ©reeben, unb Oberlehrer Sfteitfyelt, §ubertusburg, ins 
ßeben gerufen unter bem Xitel: Se^fdjrift für bas Sbiotenroefen. 
Born 3a!)re 1885 ab fyieß fie: S^fdjrift für bie Befyanblung 
6d)road)finniger unb (£pileptifd)ier, unb feit 1908 füfyrt fie ben 
Xitel: 3^tfd)rift für bie Beljanblung 0<fymacfyfinniger. 6ie mar 
bas Organ ber oorfyin genannten Konferenz unb ift es aud)| für 
bie je^ige Bereinigung geblieben. 

Über bie 6tettungnafyme ber fleinen, üielfadji beoorftugten 
Sßrioat = 3biotenanft alten pr ipilfsfcfyule ift nidjt t)iel 
$u fagen. 3n biefen $lnftalten fanben trielfad)! beffer gefteHte 
f<fymad)finnige Slinber gmedmäßige $lusbübung, unb baburd) 
rourbe bie altgemeine 'Slufmerffamfeit auf bie $usbilbungsmög= 
lidjfeit foldjer Slinber gelenft. S)ie ipilfsfdjjlulpäbagogif fyat fid) 
oielfad) bie reidjen Erfahrungen biefer «üinftalten frunutje gemadjt 
unb fie für itjre 3tt>ede oerroertet. fe fei hierbei nur an bie 
6 d) r ö t e r fdje ^Inftalt in Bresben erinnert. Sdjröter, geb. 1844, 
gefr. 1910, mar pnäd)ft im ftäbtifd)ien 6d)iulbienft gu ©resben 
tätig unb übernahm 1868 bie Leitung ber neugegrünbeten 6d)Ule 
für 6d)road)finnige in 3)resben=$fteuftabt. 1873 grünbete er eine 
$tnftalt für fd)road)finnige S^inber, bie er 1876 in eine t)on ber 
Regierung fongeffionierte (Ergiefyungsanftalt für 6d)iroad)ftnnige 
umroanbelte. 6eit 1880 gab er im Berein mit bem bamaligen 
Sefyrer 9t e i d) e 1 1 in £ubertusburg bie 3^tfd)irift für bas 
3biotenroefen heraus, roeldje er mit meifer Umfid)t unb großem 
Berftänbnis bis gu feinem Sobe leitete. 3*)t oerbanlen mir 
manchen roertooflen Beitrag gur (Erdung unb Bilbung Stfymad)-- 
fmniger 1 ). $lm 1. 3uli 1900 legte er bas SHreltorat ber ^nftalt 
nieber, rourbe §um 6tabtrat ernannt unb ftarb 1910. 

2Bie bereits in ber (Entmidlungsgefd)id)te ber oorfyin be= 
nannten §ilfsfd)uleinrid)tungen bemerlt mürbe, befürwortete man 

x ) 6te toar lange 3^it f)inburd) bie einzige ßcitfrfjrift, toeta^c bie 3nter= 
effen 6et 6a^toaci)[inmgenbtlbung üettrot. 



- 50 - 

an einigen Orten im (öegenfafe gum §ilfefd)uluntcrnd)t einen fo- 
genannten 9iad)l)ilfeunterrid)t, ber nid)t feiten bas 3iel 
eines 9Ibfd)lußunterrid)ts oerfolgte. 2)urd) biefen toolite 
man nid)t nur ben fd)mad)befäi)igten ^inbern Reifen, fonbern aud) 
benjenigen oollfinnigen, bie burd) ^ranftjeit, häufigen 6d)ultoed)-- 
fel unb fonfrige 6d)ult)erfäumniffe gurücfgeblieben roaren. 3)a 
man aber in ben fogenannten ^bfdjlußflaffen bas Übel nid)t an 
ber 2Bur#el faßte, fonbern eigentlid) groei 3weden gu bienen oer-- 
fud)te, fal) man fid) balb genötigt, biefen <8erfud) aufzugeben, 
^lußerbem rourben bie ^bfcrjlußflaffen fpäter burd) einen (Erlaß 
bes Sßreußifdfyen Unterrid)tsminifters oom 27. Oftober 1892 — 
U. III. 9tr. 1924 — ausbrüdlid) für Preußen verboten. 

2Benn bis gum 6ct)Iuffe bes Saures 1886 aud) nur wenige 
£ilfsfd)ulen beftanben, fo roar ber §ilfsfd)ulgeban£e bod) 
gang erljeblid) geflärt unb bamit bie SÜföglicrjfeit einer gebeit)-- 
lidjjen %oitmtmxdhirtQ biefer 6d)uleinrid)tungen gegeben, oor 
allem aber iljre 93eftef)ensbered)tigung erroiefen. 5 ur 
ben großen $iuffd)toung, ben bie frilfsfdjulbetoegung nun alsbalb 
naljm, mar bamit bie SSaljn geebnet, fo baß bie SBeftrebungen in 
ber folgenben Qtit tut gang erftaunlid)er 2Beife, toie es felbft bie 
eifrigften Sörberer biefer 6ad)e faum geahnt tjatten, fiegreid) oor= 
roärts brangen. 



HL Setiafcfdjttiti 

®ie ?af$e Skt&seitung fce* $ilf§fc$uletn 

SHe Seit oon 1887 bis (Snbe 1904. 

3)as 3al)r 1887 tjat für bie beutfdje £ilfsfd)iule eine große 
53ebeutung erlangt; es bilbet gerotffermaßen einen mistigen 
SRarfftein in i^rer <&efd)id)te. 2im 7. Stuguft 1887 tagte bie 
2 7. allgemeine beutfdje ßeljreroerfammlung gu 
©otfya; auf biefer fjtelt Slielfyorn, 93raunfd)toeig, einen auf= 
flärenben Vortrag über bie ipilfsfdjule, roorauf bie ^ßerfammlung 
nacrj eingebender ^Beratung folgenben 6a£ annahm: „6d)toadv* 
befähigte 5\inber, b. I). foldje, meiere 6puren 
oon 6d)road)finn in folgern ö>rabe an fid) tra = 
gen, baß i f) n e n n a d) minbeftens gmeiiäljrigem 
^efud) ber $olfsfd)u!e ein Sottftijreiten m * * 
geiftig gefunben SU n b e r n n t d) t m ö g l i d) ift, müf = 
fen befonberen 6 d) u l e n (Jpilfsfdjulen, £ i l f s = 
Haffen) überroiefen roerbe n." &>amit rourbe ber §ilfs= 
fd)ulgeban£e pm erften Sftale in ben breiten 6trom ber beutfdjen 
ßetjrerfcfyaft getragen, hierauf oon biefer weiter erörtert unb feine 



— 51 — 

praftifdje s 33ermtrflid)ung, mo fie ben gegebenen SSerlpltniffen 

nad) nur möglid) mar, angeftrebt. (Er erfolgte nun in einem 

fd)neüeren 3citma§ als bisher Die ©rünbung oon ipilfsfdfyulen, 

fo baß in 3)eutfd)!anb am Oimbe biefes 3eitabfd)nittes in etma 

172 Drten 700 klaffen mit runb 15 000 6d)ülern beftanben, 

mäljrenb es im Saljre 1887 nod> t'aum ein 5)ufeenb §>ilfs-- 

fd)ulen gab, 

3ur 6 1 o t i ft i I ber £> i l f s f d) u l e n ift folgenbes ju bemerken. 
2>ie erfte Sufammenftellung biefer s 2lrt crfc^ien im 3cti)re 1893. 6ie führte 
bm Sitel: Überfielt über bie 6ajulen für 6d)mad)finnige in 3)eutfd)lanb 
unb ber ödjtoeig. 9cad) ben im 3<ü)re 1893 feitens ber ^ommiffion für 
6d)ulgefunbl)eitspflege in Nürnberg gepflogenen Hebungen gufammenge» 
ftclltoon 91. 2) är in Nürnberg. Zdbeüe. Nürnberg 1893. 3m 3cü)re 1898 
gab Hintermann, ^Bremen, bie erfte größere ©tatifti! l)eraus 
unter bem Sitcl: Sie Irilfsfcfmlen 2)eutfd)lanbs unb ber beutfdjen Sdjmeia 
nebft einem 9inl)ang, betr. bie £ilfsfdmlen in Sftotterbam, 2öien unb (£f)ri* 
ftiania am Anfang bes 3<ü)res 1898. Sangenfalga 1898. 2)es weiteren 
finben ftrf> ftatiftifdje Überftdjten ber beutfdjen £tlfsfdjulen in ben 25 e r i cf) » 
t e n über ben 1., 3., 6. unb 8. 93erbanbstag. $iud) bas 3 c utralblatt 
für bie gefamte llnterridjtsoermaltung in Preußen gibt in ben 3cü)rgängen 
1894, 1896, 1901, 1903 unb 1907 Überfielen ber t)orf)anbenen Sdjulein» 
ridjtungen für nid)t normal ht^obtt ^inber fdmlpf listigen alters, aller» 
bings nur über bie preußifajen (£inrid)tungen. 6eit 1905 bringt ber 
^ a l e n b e r für fjeilpäbagogifdje 6djulen unb 9lnftalten (#ilfsfd)ulfalen= 
ber) meiigefjenbe ftatiftifcfye 9tad)rid)ten ber ipilfsfdmlen, unb gtoar ber 
beutfdjen, öfterreid)=ungarifd)en unb fdjmeigerifdjen. Seiber erftreden fid^ 
bie Angaben nur auf 10 3cd)re; mit 1915 |örte bas (Erfajeinen bes 
^alenbers auf. 

2Beld)e 6tellung nahmen bie 6 dj u 1 b e I) ö r b e n p ber 
§ilfsfd)ulbetoegung ein? — ©iefe ^xa^ lägt fid} furg bafjin be= 
antworten, baß bie linterid)itsbef)örben faft aller beutfdjen fiänber 
bie §>ilfsfd)ulbemegung tmn üornljerein als gefunb unb be = 
r e d) t i g t anerkannten unb mit Aufmunterung §u iljrer 5örbe= 
rung nid)t fargten. 6ie liegen aber im übrigen bie £ilfsfd)ule 
fid) oöllig frei entmideln, jebeufaEs in ber (Erwartung, baß l)ier 
bie (Srfatjrung bie befte ßeljrmeifterin fein merbe. 3)arum gelten 
fie fid) aud) anfänglid) fern tmn allem $orfd)riften= unb $er= 
fügunggeben unb fjemmten fo ben natürlidjen (Entmicflungsüer-- 
lauf nid)t burd) oorgeitige Anordnungen. Sftaßgebenb in biefee 
ganzen Angelegenheit mar jedenfalls bas $erl)alten ber ober-- 
ften preußifd)en Unterridjtsbefyörbe, bie erft in 
feljr fdjonenber SBeife eingriff, als bereits ber §>ilfsfd)ulgeban!e 
§u einem gemiffen Abfdjluffe geführt morben mar. 3f)*e (Erlaffe 
bieten gemiff ermaßen einen fleinen Beitrag pr (E n t m i d = 
l u n g s g e f d) i d) t e b e r p r e u ß i f d) e n § i l f s f cfy u l e ; bes-- 
Ijalb mollen mir bzn 3nl)alt berfelben in furzen 3ügen Ijier mieber-- 
geben. 

©er bereits ermähnte (Erlaß oom 27. Oftober 1892 befdjuf-- 
tigt fid) mit ben bei einigen iBolfsfdjulen eingerid)tctcn Ab-- 
f^luß Haffen für gurüdgebliebene ^inber unb orbnet iljren 

4* 



- 52 — 

gortfoH an. ©er (Erlaß com 14. Rooember 1892 — U. III. 
A. 3018 — bringt fdjon eine amtlidje 33eftätigung ber §ilfs= 
fd>ulen; er nennt fie groar nod) nid)t £ilfsfd)ulen, fprtdjt aber oon 
6d)ulanft alten für fd)toad)finnige ^inber, bie 
groar nid)t fo Ijilflos finb, um in 'iUnftalten untergebracht roerben 
§u muffen, bie aber bod) für bas £eben unb bie Arbeit in ber 
Bolfsfdjule groeifellos als ungeeignet erfdjeinen. 91ls $ o r a u s = 
f e i$ u n g für biefe ödutlen forbert er, baß bei iljnen nad) einem 
befonberen £et)rplane unb nad) geeigneten 3ftetf)oben unterrichtet 
roerbe, unb ba$ bie $lufnarjme ber Slinber in biefelben nur auf 
©runb einer genauen unb guoerläffigen Sßrüfung unter ärgtlidjer 
Beteiligung erfolgen bürfe. — ©er folgenbe (Erlaß t)om 16. 3uni 
1894 — U. III. A. 1030 — fierjt bereits bie Bezeichnung „ § i I f s - 
Haffen für f d) ro a ^begabte hinter" cor, empfiehlt 
bie 31usfd)ließung ber nur roegen ^äuslidjer Bernad)läffigung gu= 
rüdgebliebenen S^inber aus ben ipilfsflaffen, fprid)t bie Hoffnung 
auf (Erweiterung ber (Einrichtungen §u me^rftufigen 6cfyul= 
fnftemen aus unb gibt aud) einige Richtlinien für ben ßeljrplan. 
©er (Erlaß oom 28. Sluguft 1896 — U. III. A. 1384 — Ijebt 
fyeroor, baß bie Abneigung ber Altern gegen bie ipilfsflaffen 
erfennbar gu roeidjen beginne unb empfiehlt ben Regierungen bie 
angelegentliche 5^ r ^ crun 9 biefer fegensreidjen Beranfraltungen. 
(Ein SKinifterialbefdjeib oom 17. 3anuar 1900 — U. III. A. 3148 
— fprid)t fid) barjin aus, baß es feinem Bebenden unterliege, fd)ul= 
Pflichtige fc^road)finnige ^inber auf ©runb eines ärgtlidjen^ltteftes 
in §ilfsf a^ulen groangsroeife ein§ufd)ulen. ©er 2ftinifterial= 
erlaß oom 6. Stpril 1901 — U. III. A. 2626 — orbnet erneut bie 
regelmäßige Beteiligung bes $1 r § t e s für bie §ilfs= 
flaffen an, namentlich bei ber SUusroarjl oon 6d)ülern. ©es roei= 
teren fpridjt er fid) gegen bie Rücfoerfetjung älterer ^inber 
in untere 9lormalfd)ulflaffen aus. ©er 3ftinifterialerlaß oom 27. 
3uni 1903 — U. III. A. 1654 — o erlangt Berichte über bie gur- 
gelt oorljanbenen 6d)uleinrid)tungen für minberbegabte Kinber, 
roobei bie unterricfytlidjen (Einrichtungen, bie 9Kett)oben, bie er= 
giel)lid)en ©runbfä^e ufto. mit gu berüdfid)tigen feien, ^ud) foll 
über bie ärgtlidje SOtttroirfung an ben £ilfsfd)ulen, über bie 6tel= 
lung ber Altern gur §ilfsfd)ule, foroie über bie ^usbilbung 
ber §ilfsfd)ullel)r!räfte mitberidjtet roerben. 

2ftel)rere anbere Bunbesfraaten regelten bie $ilfsfd)ulfrage 
burd) eigene Beftimmungen ober auf ©runb befteljenber gefe£lid)er 
Borfdjriften ufro., fo g. B. Braunfd)toeig burd) ein befonberes 
© e f e fc oom 30. <Upril 1894. 

3n Preußen fal) ber oon 3^olifefd)e 6 d) u l g e f e § = 
e n t ro u r f bes 3al)res 1891 ebenfalls einige Beftimmungen über 
bie Sütforge 6d)toad)finniger oor. § 9 ^Ibf. 2 bes (Entrourfs 
lautete: 



— 53 — 

„Stürbet, roeldje wegen £ötpetlid)et ober geiftiget Mängel 
nid)t mit (Erfolg ober nid)t oijne etrjeblidje föefarjt für bie 
anberen Stinbet am ©d)uiuntettid)t teilnehmen fönnen, büt= 
fen nad) (Entfd)etbung ber Sireis-- (6tabt--) ©djulberjötbe oom 
Untetrid)te ausgefd)Ioffen toerben. Siefeiben finb oon Obrig= 
feits toegen, foroeit etforberlid), bis gum ooEenbeten 16. 
ßebensjaljre in geeigneten (Ergierjungsanftalten untergu= 
bringen." 1 ) 

3)ie §ilfsfd)ulen roaren ausfdjilieftlid) lommunale (£ i n = 
rid)tungen unb oetlangten oielfacfy namhafte ©elbopfet. 91bet 
biefe rourben mit einer großen 93ereitroiIIigfeit bargebrad)t, roie 
man fie bisher feiten roarjrgunerjmen ©elegenrjeit finben burfte. 
9luf bem Springifcfyen ©täbtetag gu 3Imenau im 3aj)re 
1893 unb auf bem 33ranbenburger ©täbtetag im 3al)re 1909 
rourbe bie ©rünbung oon ^rilfsfcfyulen bgto. ipilfsflaffen für 
fd>road)befäI)igte Stinber auf (Brunb aufflärenber Vorträge unb 
eingel)enber Beratung roarm empfohlen. ©o entfpann fid) fd)ilte)3= 
lid) ein e b I e r SBettftreit groifdjen ben ©tobten in ber (£t= 
tid)tung unb ooHfommenften ^lusgeftaltung ber Jpilfsfd)ulen. ©er 
©ebanfe, bie §ilfe bes ©taates in $lnfprud)i $u nehmen, taudjte 
aud) roorjl rjier unb ba auf, ift aber bieder nirgenbs ernftlid) 
erroogen roorben. 2>odj geroärjrte ber preußifcfye ©taat für bie 
erfte ßerjrerftelle an ber £ilfsfd)ule nad) bem C^efeg oom 14. 3uni 
1888 (bgro. 31. 9Jlärg 1889) einen ©t aatsguf crjiufc oon jäl)r= 
lid) 500 9JI. anftatt 300 3ft., roenn in ber ©djule nad) einem 
befonberen Seljrplane gearbeitet rourbe. SJlinifterialerlaß oom 16. 
3uni 1896. 

(Es toutbe fcfyon früher barauf rjingeroiefen, baß bie Seljrer 
ber §üfsfd)ulen nad) einem 3ufammenfdjiuf3 ftrebten, um 
iljre 3ntereffen roirffam oertteten unb föxbern $u fönnen. 2)ie 
33el)anblung, toe!d)e fie auf ben legten Sagungen ber Slonfereng 
für bas 3biotenxoefen erfahren fyatten, roar nid)t bagu angetan, 
roeiter mit ber ^onfereng §>anb in ipanb gu geljen, besrjalfr ent= 
fdjlog man fid), gur Gkünbung eines eigenen $ e r b a n b e s 
ber $ilfsfd)ulen 3)eutfd)Ianb$ p fdjreiten. CEnbe 
bes 3al)res 1897 rourbe ein Aufruf, ber oon Dr. 33 e r 1 rj a n , 
93raun[d)toeig, ©d)u(bireftor © d) a r f d) m i b t , Bremen, ©tabt= 
fdplrat Dr. 3B e I) r I) a I) n , ipannooet unb ben ßerjtlörpern ber 
£ilfsfd)ulen §u 93raunfd)toeig, Bremen unb ipannooet unter= 
$eid)net roar, gur ©riinbung eines folgen $ e r b a n = 
bes erlaffen. 3)iefer Aufruf fanb in btn beteiligten Greifen aß= 
gemetne 3uftimmung. 2)ie ©rünbung bes SBerbanbes erfolgte gu 
ipannooer im 3al)re 1898. ^n fie fdjlog fid) aud) bie e r ft e ©it-- 

*) 93gl. meine „£üfsfrf)ulgefeke", 6toIp t. Sßom. 1911, bie fjierjn Das 
einfd)lägige 2Rateriat bringen. Sie ^eronjie^ung nod) roeiterer be^örblidjer 
SSerorömmgen ufro. folgt im nädjften Kapitel. 



— 54 — 

jung an. Unter ber gefdndten 5ül)rung feines s £orfi£enben, 
6tabtfd)ulrat Dr. 2B e rj r t) a I) n , ijat fict) ber SBerbanb im Saufe 
foer 3al;re §u einer Bereinigung entroidelt, bie eine angefefjene 
unb einflufjreidje 2Rad)t auf bem (Gebiete bes beutfdjen £ilfsfd)ul-- 
roefens bebeutet. ^uf feinen erften Sagungen gelangten gunäd)ft 
bie midjtigften (£inrid)tungsfragen gur ^Befjanblung. 

5luf bem erften SBerbanbstage p £annoc<er 1898 umrbe bie 
Sftotro enb igfeit bes Berbanbes unb bie 93 e ft e f) e n s -- 
bered)tigung ber §ilfsfd)ule erörtert unb auf bem groeiten 
im 3af)ie 1899 gu Gaffel bie (Einrichtung ber £ilfsfd)ule 
in großen 3ügen feftgelegt. $luf bem britten im 3al)re 1901 gu 
Augsburg mürbe bie päbagogifdje unb o o I ! s ro i r t = 
f d)|af tlidfye 33ebeutung ber §>ilfsfd)ule befprod)en unb auf bem 
vierten im 3al)re 1903 §u SÖRaing ifyre (Einridjtung im eingelnen 
beraten. 3)ie Regierungen üieler 6taaten unb bie 6täbte fd)id= 
ttn gu ben Serfammlungen regelmäßig ifyre Vertreter unb förber= 
ten bie 33eftrebungen bes 93erbanbes aud) burd) (Mbgutoenbungen. 
9$ei feiner ©rünbung gäfylte ber Berbanb 72 9JUtglieber unb im 
3at)re 1904 bereits gegen 400. 

©ie bisherigen SBerbanbstage: 

1. SBerbanbstag 1898 in £ an not) er. ©te 53ebeutung eines 
SBerbanbes ber beutfd)en &ilfsfd)ulen. Referent 5ttetl)orn, 93raunfd)tDeig. 
©er gegenwärtige Stanb bes £tlfsfdntlroefens. Referent Hintermann, 
^Bremen. 2BeId)e ^inber gehören in bie ipUfsfttjule unb mos ift bei $tuf= 
nannte berfelben gu beadjten? Referent ©rote, £annooer. Aufgabe nnb 
Stellung bes $lrgtes in ber ipilfsfdmle. Referent ©ireftor Dr. SBuIff, 
Sangen!) agen. 

2. SBerbanbstag 1899 in <X a f f e l. ©er erfte Soredmnter= 
ria)t in ber |>ilfsfd)ule. Referent 6tra!erio§n, ßübed. ©te £aupturfad)e 
ber 6d)roätf)en unb (Entartungen im £eibes= nnb Seelenleben unferer 5lin* 
ber. Referent ©tr. 3» Srüper, Sopf)ien!)öf)e bei 3eno. Organisation ber 
£ilfsfd)ule. Referent ^ielfjorn, 93raunfd)toeig. ©as er&iefjltdje 2Bir!en ber 
£ilfsfd)ule. Referent £orrig, ©üffelborf. Beratung ber S^efen gu bem 
oon ©rote, £annooer, anf bem erften SBerbanbstage gehaltenen Vortrage; 
2öeld)e ^tnber gehören in bie £tlfsfdmle, unb mos ift bei ber $lufnaf)tne 
berfefben ju bead)ten? 

.3. SBerbanbstag 1901 in Augsburg. ©as §tlfsfa)ullefe= 
bna) unb bie £tlfsfdmlftbel. Referenten (£I)rtg, Setpgig, nnb 5tteIf)orn, 
23raunfd)roetg. ©er Slnabenl)anbfertigfettsunterrid)i in ber £tlfsfd)ule. Re= 
ferent SBafeboro, $annooer. SBertajt über bie nene £tlfsfa)ulftatifttt\ Re- 
ferent Hintermann, ^Bremen, ©te £tlfsfdmle nad) üjrer päöagogtfdjen unb 
nolfstoirtfajaftltajen ^Bebeutung. Referent §anfe, ©örlitj. Über ben linb= 
Ud)en Sdjroad)ftnn. Referent Dr. med. $. 3B. 2JUiller, Augsburg. ^Beratung 
über bie bem 2. SBerbanbstage vorgelegten Settfätje $1 bis (5 über bie 
Organifation ber iptlfsfdmle. * 

4. $erbanbstag 1903 in ailainj. ©as Rennen auf ber 
Hnterftufe ber £ilfsfdmle. Referent ©iefe, S&lagbeburg. können bie 
^inber gmangsmetfe ber £tlfsfdmle gugefü^rt merben? Referent ©rote A 
£annooer. ©as fd^madjbegabte ^inb im £aufe unb in ber Sa)ule. Referent 
©elitfd), flauen i. iB. ©te ^erüdftdjtigung ber Sa)mad)ftnntgen im bür- 
gerlichen unb öffentlid^en Red)t bes beutfdjen Reimes. Referent Oberamts= 
rid)ter Rolte, 55raunfd)mexg. ^Beratung über bie bem 2. 93erbanbstage non 



00 

Kicitjorn, iBraunfdnoeig, oorgelegten Seitfäfce G über bie Organifation ber 
ipüjsfajule. 

5. SBerbanbstag 1905 in ^Bremen. Sie Slusbilbung ber 
§ilfsfd)ullel)rer. Referent SBufdj, 3Uagbeburg. Sie 53el)anblung von Spraa> 
gebrcdjen in ber §ilfsfd)ule. Referent Dr. med. 2öindler, ^Bremen. Über 
moraltfdje 2Inäftf)efte. Referent Sireftor Dr. med. Sd)olä, ^Bremen. Sie 
93erüd:ftd)tigung ber 6d)toad)finnigen im 6trafrecf)t bes beutfcfyen Reiches. 
Referent Oberamtsriajter Rotte, 33raunfa}roeig. Über ben gegenwärtigen 
6tanb ber gürforge für bie aus ben i>üfsftfmlen entlaffenen Kinber in 
unterriditlidjer unb praftifcfyer 33egiel)ung. Referent Scljenf, ^Breslau. 

6. SBerbanbstag 1907 in Eljarlottenburg» Ser ^er« 
fonalbogen in ber §üfsfdntle. Referent £orrir„ Süffeiborf* Sie fd)rift= 
liefen arbeiten in ber £ilfsfcl)ule. Referent g. ffrenjel, 6toIp. Ser 3Düli= 
tärbienft ber geiftig äRinberroertigen. Referent Stabsarzt Dr. Stier, 33er= 
lin, Korreferent Kielljom, SBraunfajroeig. Sie gx>rtbilbungsfd)ule für 
Sdjroaäjbeanlagte. Referent grtd)s, ^Berlin. Sie geplante Reuorganifatton 
ber Charlottenburger ©emeinbefdmlen mit Rüctficfyt auf bie minberbegabten 
unb minberleiftungsfäljigen Kinber. Referent Sanbt, Eijarlottenburg. 

7. SBerbanbstag 1909 in Sfteintngen. 2Bas Jann in 
fleinen ©emeinben gefd)e$en, um ben fcl)road)begabten Kinbern in unter* 
ridjtlicfyer 93ejieljung $u Reifen? Referent 33afeboto, ipannooer. Ser Redten* 
Unterricht auf ber Mittel« unb Oberftufe ber £tlfsfd)ule. Referent Scfjüije, 
Hamburg. Ser 5trgt in ber &ilfsfcl)ule. Referenten (Sei). SWebiginalrat 
$rof. Dr. £eubuf$er, 2Keiningen, unb £ilfsfd)uUel)rer 2lbam, 9Jceiningen. 
■jßfndjiatric unb £ilfsfdjule. Referent Dr. SBogt, Frankfurt a, 2R. Ser be= 
grifflid)e Unterricht im ^Infa^Iug an Spaziergänge. Referent grl. Otto, 
Berlin. 

8. SBerbanbstag 1911 in ßübeef. ^flidjtftunbengal)! ber 
£ilfsfdmHel)rer. Referent Si^ng, 'jßantoro. 2Ber!= unb $lrbettsunterrid)t 
in ber #ilfsfdmle. Referent $laa§, Eljarlottenburg. Sie Sifetplm in ber 
$ilfsfdmle. Referent Krufe, $lltona. £ilfsfd)ulftatiftit\ Referent 2Binter= 
mann, ^Bremen. Sie geiftige 2Rinberroertig!eit im beutfd)en Strafrecfjt, 
6trafproäe6red)t unb StrafooHjuge. Referenten Staatsanwalt Riefjoff, 
SBraunfdjroeig, unb Sdmlinfpeftor Kielfjorn, 93raunfd)roetg. £itnt)eränbe* 
rungen bei jugenblicf) abnormen. Referent ^rof. Dr. SBenganbt, §am» 
bürg. Ser fyausroirtfcfyaftlicfye Unterricht in ber £ilfsfd)ule. Referent ffrl. 
93iefentf)al, ^Berlin. 

9. 93erbanbstag 1913" in 93 o n n. Sociale gürforge für bie 
aus ber ipilfsfdntle Entlaffenen. Referent £en§e, granffurt a. 9JI. Sta» 
tiftif über bie Erwerbstätigst ber aus ber £ilfsfdjule Entlaffenen, Refe* 
rent Hintermann, Bremen. Sas £eimatprinjip im |>ilfsfcf)ulunterrtdjte. 
Referent 2Kibbelborf, Sortmunb. Über Erfranftmgen im Kinbesalter, bie 
^um Sdjwaajftmt führen fönnen. Referent ©el). 9fleb.*Rat Sßrof. Sajulje, 
93onn. Sie formen bes erroorbenen Scfjwadjfmnes oom pfrjd^iatrifa^en 
6tanbpunfte, Referent Oberarzt Dr. 2ücferat(), 93onn. Antiqua ober 
graUur beim erften Unterrichte namentlich in ber £ilfsfdmle. Referent 
^ommergienrat Soennecten, 35onn. 3Bas foH mit ben ^inbern gefcf)el)en, bie 
ficr) in ber ipilfsfcfmle als nid^t genügenb bilbungsfäl)ig ermeifen? Referent 
Reftor ^llro. Scl)enl, ^Breslau. 

©et 10. SBerbanbstag follte 1915 in 3ftünd)en ftattfinben, fiel aber in* 
folge bes Krieges aus. Eine SBertreteroerfammlung fanb am 
11. Slpril 1917 in ^Berlin \tatt 53erid)t über |)ilfsfcl)ulen unb frühere öilfs* 
fa)üler, gufammengeftellt nad) ben Ergebniffen ber Fragebogen. Referent 
Stadler, Sortmunb. Sie gürforge für bie Sd)toacf)begabten naa^ bem 
Kriege. Referent ^enje, gran!furt a. 2R. Sie ^Bebeutung ber Sugenbfdjrift 
für bie ipilfsfdmle unb irjrc 93erroenbung in berfelben. Referent Quante, 
fünfter. — 95ertrcteroerfammlung am 1. 3uni 1919 in EI)ar-- 



— 56 — 

lottenburg. Unfere Stellung jum Scfmlprogramm bes S)eutfd)en £ef)rer= 
oereins. Referent 9toa&, (Sfjarlottenburg. 2)ie fogiole unb päbagogifdje Ve-- 
beutung ber £ilfsfd)ule. Referent (Sgenberger, 2Ründ)en. — Vertreter» 
cerfammlung am 22. $luguft 1920 in £annooer. Veriajt über bie 
^eicfjsfcfmltonferena. Referent ©rote, £annooer. 2öas ift in ber 33e[oI» 
bungsangelegenf)eit bisher oom Vorftanbe getan? Referent Raab, (Sf)ar-- 
lottenburg. 2)ie Vefolbungsfrage. Referent ^lan!e, Vuer. 2>as £Ufsfc|ul= 
gefetj. Referent 5lod), Verlin=Scf)öneberg. 

$Us $erbanbsäeitfd)rift umrbe pnädjft bie 3^tfd)tift „Sie 
SUnberfefyler", herausgegeben t>on S r ü p e r , 3ena, geumfylt. 
$lber baib machte fid)i in bm Greifen ber Skrbanbsmitglieber ber 
5Bunfä) naä) einer eigenen 3citfc3^rtft geltenb. liefern 33er-- 
longen rourbe gunädjft baburd) entfproäjen, baß ber ^orftanb in 
geroiffen Seit ab f (fynitten erf djieinenb e 3tRi 1 1 et = 
Jungen unter bem Site! „S)ie £ilfsfd)ute" oerbreiten ließ. 
3)ie erfte Kummer erfd)ien im 6eptember 1904, bie le&te im 
gebruar 1907. 2)ann würbe eine eigene $erbanbs3eitfd)rift unter 
bemfeiben Site! ins ßeben gerufen, fie erfdjeint jatyrliä) in 12 §ef= 
tm; bie erfte Kummer rourbe am 15. 3anuar 1908 üeröffentlid)t. 

$ius ben 6a jungen bes SBerbanbes ift fotgenbes begannt 
$u geben: 

2)er ^exbanb fe&t fid) als Aufgabe: Verbreitung ber £üfsfd)ulen, 
weiteren Ausbau ber £Ufsfd)ulpäbagogif unb ber in it)ren Vereid) fattenben 
SBiffenfdjaften, foroie fogialc ftürforge für bie ber £iifsfd)ule überwiefenen 
Stinber wcujrenb unb naa) ber (5d)ul%eiL ©in weiterer Ausbau ber Organa 
fatton bes Verbanbes ift bura) ©rünbung oon Unteroerbänben anju» 
ftreben. $tls Sftitglieber !önnen in bem Verbanbe aufcer ben Vertretern ber 
Srfmlbe^örben unb ben ßeitern unb ße^rern ber ipüfsfd)ulen alle für bie 
Arbeit in ben £ilfsfd)ulen intereffierten Sßerfonen Veljörben unb Vereine 
2lufnaf)me finben. Sie Leitung, Vertretung unb ©efd)äftsfüf)rung bes Ver= 
banbes beforgt ber aus gwei Vorfi&enben, brei Schriftführern unb jwei 9ted)- 
nungsfü^rern befteljenbe Vorftanb. Serfelbe fyat infonberljeit bie Sages* 
orbnung für bie Verbanbstage feftgufe&en, für geeignete Vorträge ju for= 
gen unb bie Verbinbung unb ben Verfeljr ber Verbanbsmitglieber gu oer= 
mittein. (Er wirb auf bem Verbanbstage t»on fämtlidjen anwefenben 3ftit= 
gliebern bes Verbanbes auf bie 2>auer von oier Sauren gewählt, jebodj 
berart, bafj nadj je gwei Sauren ber 1. Vorfitjenbe, ber 2. Schriftführer unb 
ber 1. ^edmungsfüfjrer b%vo. ber 2. Vorfi&enbe, ber 1. unb 3. Schriftführer 
unb ber 2. $fted)nungsfüi)rer ausfäjeiben. 2Bieberwaf)I ift geftattet 3 ur 
Unterftü^ung bes Vorftanbes wirb ein Verbanbsausfajuft gebilbet. 2)ie 
äftttglieber biefes 2lusfdutffes werben oon ben Untern erb änben ober ben 
fonftigen «pilfsfcfmloereinigungen gewählt, unb gwar entfällt auf je fünfzig 
%af)lenbe 9JlitgIieber bes V. b. |>. 2). ein Vertreter. (£in angefangenes 
^ünfgig gilt für ooH. 3n ben Sanbesteilen, wo feine £n!fsfd)uIoereim= 
gungen befielen, ernennt ber Vorftanb bes V. b. £. 2). bie Slusfcfmftmit* 
glieber. 3n jebem beutfe^en Vunbesftaate wirb jur Vertretung feiner 
Sonberintereffen auf bem ©ebiete bes §ilfsfd)ulwefens ein Sonberausfa)u§ 
gebilbet. ©iefem gehören an bie in bem betreffenben Staate woljnenben 
äftitglieber bes Verbanbsausfd)uffes unb ber Obmann bes betreffenben 
Staates aus bem Vorftanbe bes V. b. p. 5). 3)ie Sonberausfdjüffe fyahen 
bas 9led)t fic^ gu erweitern. W,e gwei 3ct^re wirb ein Verbanbstag ah' 
gehalten, für ben Ort unb Sag auf Vorfdjlag bes Vorftanbes oon ber Ver* 
fammlung feftgefe^t wirb, ©ie Sagesorbnung für benfelben ift zeitig in 
ber Verbanbsjeitfdjrift be!annt gu geben. 3um Verbanbsorgan wirb bit 



— 57 — 

Settfärift „$ie £ilfsfct)ule" befttmmt. 9lHe ben ^Berbanb betreffenben 93er» 
öffentlid)ungen finb in berfelben com 93orftanb §u ertturfen. 

9JUt ber äußeren ßntroidlung ber £tlfsfd)ulen madjte fid) 
and) ein 2Bad)f en ber § i I f s f d) u 1 1 i t e r a t u r bemerkbar, bie 
ebenfalls mit ber 3eit einen gang au&ergetoörjnlitfyen Sluffdjroung 
naljm. Vorbereitet tourbe biefe Literatur burd)! fote Schriften aus 
bem ©ebiete ber p ä b a g o g i f dfy e n Sßatfyologte, toeldje 
bie (£I)arattertftif unb 33el)anblung patfjologifd) oeranlagter 5Un= 
ber $um ©egenfranbe ifyrer Erörterung rjaben. (£s finb I)ier, ber 
Seit nad) georbnet, folgenbe Sdjriften p nennen: (Smming-- 
|aus, $fnd)ifd)e Störungen im mnbesaiter (1887); S i e g e r t , 
$robIematifd)e ^inbernaturen (1889); Strümpell, Sßäbago- 
gifa> Sßat^ologtc (1890), 4. Siufl. bearbeitet non Spinner 
1910; — 5^ od)», Sßft}d)!opatl)ifdc)e Sölinberroertigfeiten (1891); 
Sdjolg, Cl)arafterfeJ)Ier bts Äfoibes (1891); Äölge, SHe päfr 
agogifa> ^atrjologie (1893); Srüper, Sßfnd)iopatl)ifd)!e 9Min- 
berroertigfeiten im Äinbesalter (©üterslof) 1893); »urfljarb, 
SHe Sedier ber Ämter (Karlsruhe 1898); Schumann, 3)te 
©runbgüge ber päbagogifdjen Sßatrjologie (2Beimar 1900); Srü = 
p e r , 2)ie Anfänge ber abnormen (£rfd)einungen im finblidjen 
Seelenleben (Siitenburg 1902); Sieben, SHe ©eiftest'r anlei- 
ten im Äinbesalter (1902, 1904, 1906). 1917 erfd)ien Neroon 
eine erro eiterte ^Buchausgabe. 

Sie Schrift oon ßmming^aus bürfte tooI)l bie erfte fein, meiere 
ftd) eingeljenb mit ben Problemen ber pfncfjifdjen Störungen bes 5Unbes= 
alters befajäftigt. SBenngleicl) ü)r SBerfaffer ein ^Irjt ift, fo fmb feine 
Slusfüfjrungen bod) oon großem päbagogifdjen Söert unb bieten oortrefflidje 
Säuberungen ber feelifdjen Sftegelmibrigteiten bes ^inbesalters fourie be= 
adjtenstoerte 93ef)anblungsmaf3naf)men gu i^rer SBefjebung. 3eber §ilfs= 
fdmllefjrer urirb bie Sdjrift mit Sftu&en lefen. 

2)as Strümpell f d)e SBud) ift in 4. Auflage von Dr. Spinner 
bearbeitet. 3)er umfangreidje Stoff ift in brei Seile gegliebert, uon benen 
ber erfte bas grunblegenbe Material barbietet; ber gmeite bringt bas pft)= 
d)iatrifd)e SRatertal unb ber britte befjanbelt bie praftifdjen bgm. metl)obi= 
fä)en Folgerungen fotoie bie biagnoftifdjen fragen. 9leu l)ingugetommen 
finb bie Kapitel über Spradjftörungen, Sprad)fet)ler, 93erfpred)en, ^Beriefen 
unb SBerfdjreiben ber Äinber, ferner bas Kapitel über bie ©etoinnung unb 
^Bearbeitung bes päbagogifd)=patI)ologifcf)en (£rfal)rungsmaterials, bie $lb= 
^anblung über bie pfndjogenen Störungen unb bie SdjlugbemerJungen mit 
ßiteraturergängungen. ©er $wt& ber Sdjrift foH ein breifadjer fein. Sie 
mitl erftens bem $äbagogen ein richtiges SBerftänbnis ber bei Sdmlünbern 
niajt feiten ror^anbenen abnormen pfrjd^ifd&en 3uftänbe unb Vorgänge er= 
möglichen, jtoeitens möajte fie aud) bie ^ebingungen ernennen laffen, unter 
benen ein erfpriefclidjes 3ufammentoir!en bes ßel)rers unb bes Sdmlargtes 
innerhalb ber gemeinfamen, bie geiftige unb leiblirfje ©cfunb^eit ber 6d)ul= 
ünber betr. ^xaqtn möglia^ mirb, unb brittens toiU fie bas 55etou§tfein bes 
(£rjief)crs oon ber ftaotsbürgerlid)en, moralifa^en unb religiöfen 93ebeutung 
feines Zimtes unb ber ju bemfelben gehörigen Aufgaben unb ^iele oertiefen 
unb fräftigen. 2)as ^Bud) ftellt eine ^unbgrube für miffcnf$aftlitt)e ^or» 
fa)ungen bar unb gibt toeitge^enbe 'Slusfünfte über alle einfd)lägigcn fragen 
bes beregten ©ebiets. 5)er Anfänger roirb fiel) in il)m ?aum jurecf)t finben, 
bagegen ber 5öO)n^ann toertoolles Material unb maßgebenbe Richtlinien für 



— 58 — 

feine ftorfdjungen unb für feine Berufstätigkeit gewinnen. 2)en §ilfsfdmi-- 
lef)rern !ann es nid)t nur für 9tad()fdf)lagc--, fonbern aud) für Stubicngmedc 
angelegentlidjft empfohlen werben. 

S)er Farne „pdbagogifdje Spattjologie" ftammt oon bem 
späbagogen 6 d) w a r g f)er, geft. 1837, ber ein 6d)wiegerfof)n 3ung-- 
6tillings war unb in ben 3al)ren 1804 — 12 eine grofje bieibäubige CErgieljungs« 
Iefjre Verausgab. 3)er ermähnte Farne erlangte fpäter eine grofje Bcbeu« 
tung unb gab aud) bem Sitel gu mehreren literarifajen Beröffentlidmn= 
gen ab, 

Si o d) s 6d)rift umfafjt brei Abteilungen, in welajen in monogra= 
pf)ifd)er 2)arfteüung bas gange ©ebiet ber pfpd)opatf)ifcf)en SJUnbcrwertig-- 
jeiten gur Erörterung gelangt. 5)er Farne ift t>om Berfaffer felbft ge= 
fd&affen. (£r teilt bie abnormen (öefdjefjniffe, ^ßrogeffe unb ßuftänbe im 
pfna;ifd)en ßeben bes 3Jtenfd)en ein in 1, felbftänbige elemeniare Anoma* 
lien, 2. pfnd)opatl)ifd)e TOnberwertigteiten unb 3. ^fndjofen unb pft)d)o= 
tifd)e 3uftänbe. Unter ber Begeid)nung pfnd()opatl)ifd)e äJUnberwertigteiten 
üerfteJ)t er aEe, feien es angeborene, feien es erworbene, ben Sftenfdjen 
in feinem Sßerfonenleben beeinfluffenben pft)d)ifd)en Fegelwibrigüeiten, bie 
auö) in f glimmen fallen nod) leine (£>eifteslrantl)eiten barftellen, welaje 
aber bie bamit behafteten Sßerfonen aud) im günftigften ^aüe nid)t als 
im Bollbefifce geiftiger Formalität unb £eiftungsfäl)ig£eit fteijenb erfa)einen 
laffen. 5)ie pfnd)opatf)ifd)en 2Rinb er Wertigkeiten bleiben aber immer unb 
überall pft)d)opatl)ifd)e in bem Sinne, ba% i^re Urfadje organifd)e 3 u itfmbe 
unb Beränberungen finb, meldte jenfeits ber pl)t)fioiogifd)en ©renken liegen. 
5Bett aber bie pfndjifd)en (Erfdjetnungen, meldte als minbermertige angu= 
fpred)en finb, ob fie aud) im einzelnen bie ©eftalt pfjnfiologifdjer (St)aralter= 
eigentümlidjteiten ^aben tonnen, bod) immer patt)ologifd) bebingt ftnb, 
barum gehört iljre Betrauung in bas ©ebiet ber $fnc[)iatrie. 2öemt bie 
pfnd)opatl)ifd)en äftinberwertigteiten nun nid)t gu ben $ft)d)ofen geregnet 
werben bürfen, fo ift es bod) fo, ba% fie auf ber einen 6eite gang allmäf)» 
Iid) gu ben (öeiftestanfl)eiten hinüberführen, auf ber anberen aber aU= 
mäf)lid) fid) in bie Breite bes Formalen verlieren. ^ o d) teilt bie pfnd)o= 
patf)ifd)en Sftinberwertigleiten ein gunäd)ft einmal in 1. anbauernbe unb 
2. in flüdjtige. Bei ben anbauernben unterfd)eibet er a) angeborene 
unb b) erworbene. 5)ie angeborenen toie bie erroorbenen anbauernben 
pfnd)opatl)ifd)e 90ttnberw er tigfeiten gerlegt er in 1. pfr>d)opatl)ifd()e SHspofü 
tion, 2. pfncf)opatI)ifd)e Belaftung unb 3. pfnd)opatl)ifd)e Degeneration. — 
£>ie Sd)rift ift in erfter Sinie für Sßfndjiater unb Neurologen beftimmt, 
aber aud) 9Jtänner in anberen Berufsarten wie ©eiftlidje, £el)rer, 3uriften, 
6ogiologen, ©efd)id()tsforfd)er u. a. werben fie mit Futjen gebrauten 
tonnen, gumal bie Ausführungen fo gehalten finb, ba§ fie aud) oon gebil* 
beten Saien begüglid) ber für fte oon Belang erfdjeinenben Sachen oer* 
ftanben merben !önnen. Aua^ mir werben aus i^r oiel Fufcen für unfere 
Berufsarbeit gießen, barum ift tljr 6tubium gu empfehlen. 

6 a^ o l g befdjreibt folgenbe ©ruppen ber (El)arafterfel)ler bes ^inbes: 

1. Sie 5Unberfel)ler auf bem ©ebiete bes ^lens unb Empfinbens 
— bas traurige, empfinblid^e, launenhafte, ängftlid^e, oerlogene, bas über» 
mutige, l)od)müttge, etgenfinnige, eitle, vorlaute, bas inbolente, rü^rfelige, 
romantifdje, fdjabenfro^e ^inb. 

2. 5)ie ^inberfeljler auf bem ©ebiete ber BorfteEung — bas bumme, 
gerftreute, flüd)tige, faule, bas frühreife, p^antaftifa^e, p^antafielofe, neu= 
gierige, ^eimlid^tuenbe, unorbentlia^e, unreinlidje, pebantifa^e ^inb. 

3. ®ie £inberfel)ler auf bem ©ebiet bes SBoHens unb ^>anbelns — 
bas unruhige, bas linüfa^e, bas alberne, bas begef)rlid)e, fammelnbe, be-- 
trügerifdje, biebifd&e, ungefällige, neibifc^e, bas boshafte, graufame, un= 
?eufd)e, gerftörungsfüd^tige, lügenbe £inb. 



— 59 — 

3n einem beförderen $ibfcrjmtte befpridjt er nod) ben öelbftmorb ber 
Äinber. 

2>ie 5t ö l g e fcrje 6d)rift ftelXt bie ^Beantwortung einer ^ßreisaufgabe 
bar, loelaje bie päbagogifcrje ©efellfajaft gu £eipgig im Sdfyxe 1891 auf 2ln= 
rcgung bes Sprof. £♦ 6 1 r ü m p e 1 1 gefteHt fyatte. 2)ie Aufgabe f;atte 
folgenden SBortlaut: Wlit SBerüdfidrtigung ber oon Sßrof. ß. Strümpell 
oeröffentlidjten 6d)rifi, bie päbagogifcfje ^atfjologie, foll bie beutfdje v'äba* 
gogifdje Literatur feit Anfang bes 19. 3cu5rrjunberts burd)fud)t roerben, 
um feftguftetten: 1, 2Beld)e päbagogifd)en Sttnberfet)ler oon ben betreffen» 
bm 6ajriftftellem genannt unb beamtet finb, 2. roas über bie 9latur unb 
v£igenartigteit unb 3. roas über bie SBeranlaffungen unb Urfadjen berfelben 
gefagt roirb. — 2)iefe fixaQm f u $t ocr SScrfaffcr auf (örunb eines um-- 
fangreidjen Siteraturmaterials gu beantworten. Srotj irjrer ©rünbltdtfett 
unb ©ebiegenrjeit rjat bie 6d)rift nidjt oiel 93ead)tung gefunben, roeil ber 
SBerfaffer gu fdjematifd) unb regiftrierenb oorgegangen ift unb aud) ein 
gu großes ©ebiet erörtert rjat. 3n £ilfsfd)uitreifen fjat fie bisrjer faft 
nod) gar feine SBerroenbung gefunben. 

3ur (Einführung in bie £ e rj r e ber päbagogtfd)en Sß a t rj o * 
I o g i e finb bie 6d)rxften oon SBurfrjarb unb 6 d) u m a n n gu 
empfehlen. 33. oertritt ben päbagogifdjen ©tanbpunlt, 6d), ben feelforge* 
rifdjcn. Sie arbeiten Z r ü p e r s befi|en rjorjen päbagogifdjen 2Bert unb 
finb in ber einfd)lägigen Literatur aud) überaus reicfjlidj ausgenu&t toorben. 
2)ie größten SBerbienfte aber Fjat fidj 2 r ü p e r mit ber Verausgabe ber 
3eitfcrjrift „Sie 5tinberferjler, 3eitfd)rift für bie iUnberforfdmng mit befon« 
berer 93erüdfid)tigung ber päbagogifdjen ^ßatrjologie", ertoorben, fcie er 
bereits im 3arjre 1895 ins £eben rief. (Ebenfo roertooH finb feine „^Beiträge 
gur Äinberforfdmng", roorin größere arbeiten btefes ©ebiets gur $3er= 
öffcntlidmng kommen. 

23on 3 1 « h c n erfdjien unter bem Stiel: 2)ie ©eiftestranErjeiten im 
itinbesalter, in ben Safyxm 1902, 1904 unb 1906 eine 6d)rift in brei 
heften, bie 1917 gu einer umfajfenben einbänbigen (Sefamtausgabe auf 
ben 93üd)ermarfi gebrad)t rourbe. ©er 3nrjalt verfällt in groei §auptteile: 
©efettpfoajofen unb ^Pft)d)ofen orjne 3ntelligengbefefte. 93et ber erften 
(öruppe roerben angeborene unb erroorbene ©efeftpfrjd)ofen unterfdjieben 
unb bei ber groeiten etnfadje unb gufammengefe&te 'jßfrjdjofen. ©er erftc 
Seil oerbreitet fid) über bie £äufigteit, bie Urfacrjen, bie 6e!tionsbefunbe, 
bie 6rjmptome (pfrjd)tfcrje unb torperlid)e) ber ©efeitpfrjcrjofen, über bie (£tn= 
teilung ber 3mbegiHität, bie (Erkennung berfelben, bie ipeilungs* unb 93effe= 
rungsausfia^ten unb bie 2krjanblung. ©er groeite Seil befdrreibt affeftioe 
Sßfrjcrjofen, intellektuelle Sßfrjdjofen unb bie pfrjdjopatrjifcrjen 5tonftitutionen. 
©er $lnrjang bringt Siteratumadjrocife, 93ertd)tigungen unb (Ergänzungen, 
©as 2Berr. ift roorjl jiemlid) umfangreid), aber es bietet bem SBerftänbnis 
bes 91ia^tpfrja3iaters !eine aHgu großen ©a^roierigfeiten unb ift bisher in 
feiner ©arftefiung einzigartig. (£s bürfte rootjl bisrjer nur roenige ^>ilfs» 
fd)ulle^rfräfte geben, bie bas 33ud) nia^t gur ©runblage trjrer 6tubien 
auf bem ©ebiete ber Sßfrjdjopatrjologie benu|t rjaben. 3n §ilfsfdjul?urfen 
unb §u ^>ilfsfd)ullel)rerprüfungen rourbe nadj ir;m gearbeitet unb reid^lia^e 
93elel)rung aus i^m gefd)öpft, unb gar mand)em fyat es eine gebiegene 
förunblage für feine Serufstätig!eit geboten. 

gür bie Qmtdt ber grilfsftf)itie fud)te man gunä^ft ben 
©egenftanb rö i f f e n f d) a f 1 1 i d)f gu erörtern unb bas ©ebtet 
bes 6d)trjad)finns gu umfdjreiben unb gu umgrengen. 35on 
6di)riften biefer ^Irt finb folgenbe gu ertöäljnen: ^örfter, ©er 
geiftig 3uni(iqebliebene unb feine Pflege in btn erften 3af)ren 
(1888); 6 o i I i e r, ©er 3biot unb 3mbegille (1891); © e m o o r , 



— 60 — 

SHe anormalen Slinber unb tljre er§iel)Xtd)e 33ef)anblung in §aits 
unb 6d)nle (1901) unb 93 e r f I) a n , Über ben angeborenen unb 
früfy erworbenen ödjiroadfyfinn (1904), 

Scmoors 33uaj bietet eine Ief)rrctd)c Abjanbtung über bas ©ebiet 
5er päbagogifajen Sßattjologie oom ärgtliajen 6tanöpuu£te aus. ©er 33er= 
faffer mar Sßrofeffor ber me5iginifa;en ^afultät an 5er Unioerfität gu 
Trüffel un5 Oberargt an 5er bortigen £ilfsfa)ule. 3wt 1, Seil beljanbelt 
er öie ^robleme 5er befonberen (Ergietjung anormaler 5Un5er un5 ent= 
midEelt hierbei 5ie miffenfajaftliajen ©runb lagen. 3m 2. Seit bringt er 
5as normale un5 anormale Slin5 in Sßaraüele gueinan5er, fd)it5ert 5ie 
5!enngeia)en bei5er, fpriäjt 5ann oon 5er Unterfuajung anormaler ^in5er 
un5 gibt anfajliefceno eine intereffante (Einteilung 5erfetben. 3m 3. Seil 
verbreitet er fia) über 5ie SBef)an5lung öer 3urüdgebliebenen, unb gmar 
gunädjft 5er mebiginifd) 3 UI ü^9 c öliebenen un5 5ann 5er päöagogifd) 3 U= 
rüdgebtiebenen, mobei er aud) 5ie toiajtigften 93ef)an5lungsmetl)o5en er- 
örtert 3nt 4. Seil befd)reibt er 5ie llnterrid£)tsmetI)o5en bei päbagogifa) 
ßurüd gebliebenen unb !ommt hierauf auf 5ie ipilfsfdmle un5 il)re 33e= 
beutung in eingef)en5er un5 fadjgemöfter 3Beife gu fpre<|en. 3m Anfange 
bringt er intereffante Ausführungen über 5as eurlji)tl)mifd)e Surnen, 5ann 
95efd)reibungen einiger befonbers auffälliger Slmöertnpen un5 eine furge 
£iteraturüberfid)t. 2>ie gefamte 2)arfteHung ift gemeinoerftänölid) ge= 
galten. 3)as 93ud) roucöe in päöagogifcfyen & reifen oielfad) benu&t, öa es 
bis gum (Erfahrnen cüjntidjer 9Ber!e 5ie eingig umfaffenöe Sarftellung 
5iefes ©ebiets bilbete. 

2)ie eigen tlt d)e Jpitfsfdjiuniteratur fefete erft 

fpäter ein unb fdjloß fid)i an üft i d)i t e r s „3He Seipgiger 6tf)itnacfy-- 

finnigenfcfyule" (1893) an. Sinter gepren fyierfyer: Slieifyor n, 

3>te (£rgief)ung geiftig Surücfgebliebener in £ilfsfä)ulen (1897); 

9t e i n ! e , 5)ie Ünterroeifung unb (Ergiefyung fd)toad)ifinniger 

Slinber (1897); Halif cfyer , 5Bas fönnen mir für ben Unter-- 

ricfyt unb bie (Ergiefyung unferer fd)madj)begabten Slinber tun? 

(1897); %u(b)5 f 6<fymad)finnige Slimber, tfjre fittlidfye unb in= 

teEeftuelle Rettung (©üterslol) 1899); 2ö e r) g a n b t , 2)ie 93e= 

fyanblung tbiotifdjer unb imbeziller ^inber in ärgtliäjer unb p'db= 

agogifdfyer 93eftiel)ung (1900); 93 o o b ft e t n , Sie ßlberfetber §ilf6= 

fcrjlule (1901); €aff ei, SBas lefjrt uns bie Unterfifd[)iung geiftig 

mint)erroertiger 6(f)uifinber? (1901); 2a quer, ©ie &tlfsfd).ule 

für fdjiroadjbefä^igte Kinber, i|re ärgtlidje unb fogiale 53ebeutung 

(1901); ©oll, •älrgtlidje Unterfudjungen aus ber £ilfsfd)u!e für 

fcfymacfyfinnige Slinber gu Slarlsrufye (1902); ftrenjel, 5)ie 

.grilfsfcfyulen für 6ä)tüa<fyb'egabte (1903); ipeller, förunbrift ber 

ipeiipäbagogif (1904). 

Dr. 2 a q u e r , 9teroenargt in granffurt a. 2R., mar ftets ein eifriger 
SBerfed^ter unferer 6aaje, 5es^alb mögen 5ie Seitfä^e, 5ie feiner 6a)rift 
gugrun5e liegen, l)ier unge!ürgt folgen. 

1. 3)er angeborene ober frü^ erroorbene 6d;mad)finn ift bie ©run5= 
läge oieter fernerer, gumeift unheilbarer Heroen* unb ©eiftesftörungen, 
fomie ferner oerbefferlidjer Neigungen gum 95erbred)en. 

2. 2)ie (Einrid^tung oon ^ilfsfa^uten für fa)roaa)befäl)igte ^inber 5er 
9Jlin5erbemittelten ift notmenbig gur frühen (£r!ennung 5er oerfd)ie5enen 
©ra5e 5es 6d)maa)finns, gur richtigen (Brgie^ung un5 33el)an5lung öer 



— 61 — 

6d)tüctd)fmnigen unb gum 6d[mt}e berfelben oor fittlia)em Verfall unb oor 
Verarmung öurd) (£rmerbsunfät)ig!eii 

3. 2)ie gegenwärtige Verfaffung ber mefjrJIaffigen felbftänbigen £üfs* 
fajulen ift im toefentlidjen aufrecht gu erhalten; fic ift burd) £ilfs!laffen, 
bie an bic 9tormalfdmIe fia) angliebem, nid)t gu erfe&en, aber burd) An- 
fügung non Internaten mit ©peifung unb 93efd)äftigung ber ^inber in 
ben 9tad)mittagsftunben auszubauen. 

4. ©as ßufannKemoirfen gnnfajen £e§rern unb 6dmlär§ten ift geeig= 
net, bie 6d)toad)finnigen fajon in ber Volfsfajule redjtgeitig gu fonbern 
unb nur bie Mlbungsfcü)igen 3mbegiIIen ber £üfsfdjmle zuzuführen, aud) 
bie 93ebeutung ber torperlirf)en Veränberungen für bie (£ntnrictlung bes 
6dnoad)finns feftzuftetten. 

5. AHe (5d)toaa)finmgen, meldte bie Sltaffenziele ber £iifsfdmie nid)t 
erreidjen, finb auszufajuien unb ben 3biotenanftaiten mit fnftematifajem 
Hnterrtdjt gu übertoetfen. AUe 9ftoraiifa>2)efetten, (£pilepttfer unb mit 
ferneren unheilbaren 6innesgebred)en 93ef)afteten gehören in befonbere 
Slnfialten. 

6. 9tur burd) mehrjährige toeitere Verforgttng unb Unterftü^ung ber 
aus ber ipüfsfdmle entlaffenen göglinge toirb itjre öelbftänbig!eit unb 
(£rroerbsfä|ig!eit im fpäteren Seben getoäfjrleiftet. — 6teHennad)töeis, 3°*)* 
Iung non £ef)r= unb ^ßflegegelbern finb burd) prinate 2Bof)Itätigfeit ober 
öffentliche Mittel ju ermöglichen. Seia^te £anbroer!e unb länblidjje Arbeiten 
finb als beruflid^e $wU für 6d)toad()finnige anzuftreben. 

7. 3)en 2Rilitär= unb 3uftizbe|örben finb genaue 93erid)te über bie 
6dwlleiftung unb über bas fittüdje Verhalten ber £ilfsfd)üler jugänglia) 
gu maajen, bamit bei Vergebungen gegen bas ©efetj if)re Unzurecl)nungs= 
fäl)igfeit beroiefen ober menigftens if)re Veftrafung gemilbert toerben tonne. 

3Bet>ganbts 6a;rift eignet fid) für Anfänger zur (Einführung in 
bas ©ebiet ber 33el)anblung ibiotifdjjer unb imbeziller Sinber. 2)er Ver- 
f äff er fudjt einerfeits alles bas, toas bem Sßäbagogen non ärgtlia^er 6eite 
Vrauapbares zur Veljanblung folajer ^inber geboten toerben fann, in oer= 
ftänblid^er unb jugleid^ fritifd)er SBeife barzufteEen, unb anberfeits aua; 
bem Arzte bie toicfytigften unb toertooEften 6eiten ber päbagogifd)en Ve= 
f)anblungstoeife überfidjtlid) oorzufül)ren. (Er oerfolgt bamit alfo einen 
©oppelzroed, ber eigentlidj nid)t redjt gut erreid)t toeröen fonnie. 2)est)alb 
§at feine t>d)rift audfj oiele Angriffe erfahren, namentlich non päbagogifa)er 
6eite. 

3)ie 6d)riften oon 23 er 11) an, 3Beggan'bt, ^ali = 
fcfyer, (Eaffel, £aquer, unb ©oll üertreten ben är#tli= 
d)en 6tanbpunft« 2)ie erfte 6d)ltift, roeldje bie §tlfsfd)lule natfy 
t^rem ©efamtbilbe fc^tlbert, ift com Herausgeber bes §anbbud)6 
(1903). Qu btefen felbftänbtgen 2Ber!en fam notfy eine große ^n= 
gaX)X oon ^uffäien, SUrttfeln uftn v bie ben ©egenfranb ber §tlf6= 
djule t)on ben üerfd)iebenften ©efid)t6pun!ten aus beleuchteten, 
)inp; iljre 3^1 ging balb ins Xlnenbltd)!e. 

S)te © e g n e r , roeldje fid)| in ber erften 3^t ber §ilfsfd)iul= 
beroegung no^ giemlid)i §at)Iretd^ fanben, tourben an 3<rf)I immer 
geringer unb oerftummten aHmäljIict), als ein begriff, ber oon 
einem 6d^ulauffid)tsbeamten, Sßrof. Dr. 3Bitte, ^rei ! sf(^lulin= 
fpeftor in Sljorn, in feiner 6d)rift: SBoIfsfdjIuIe unb £ilfsfd)ule, 
St)orn 1901, roirffam gurürfgeroiefen mürbe. 

Über SBittes 6a^rift ift folgenbes %u bemerken: 

6oroeit mir belannt, ift nur biefe einzige 6d)rift gu nerjeidinen, 



— 62 — 

rocldje ben gegnerifdjen Stanbpunft in ber «pilfsfdmlfrage oertritt. 30* 
üoUftänbigcr Sitel lautet: 5>oltsfd)uie unb ipilfsfdmle. Übet bie gbrberuug 
ber 6d)U)ad;en im 9ialjmen ber normalen Soltsfdmle unb bie met)rfad) 
bebenHidje (£inrid)tung non ^ilfsfdjulcn als Sdmlen njir für fdnuadjbegabte 
5Unber. (£ine fd)ulmännifd)e (Srroägung. Sfyorn 1901. — ©er SBerfaffer 
fcfjreibt bie (£inrid)tung uon <pilfsfd)ulen bem (Sinfluffe eines faft aufbring-- 
lidjen Treibens geroiffer ^eißfporne unb ifjrer gefaxten 2Jlad)e gu. ©es 
roeiteren behauptet er: 

1« ©ie ipilfsfdmlen enigieljen bie geiftig fd)rüad)en (5d)üler bem mol)l* 
tätigen (Sinfiuffe unb bem anfpornenben Wetteifer ber begabteren. 

2. (Es fei unmöglid), eine klaffe non lauter Sdjroadjfinnigen gu unter- 
richten unb gu förbern; man mifd)e t)ielmel)r einen Ungeljorfamen unter 
©efyorfame, ein ©rittel 6d)road)e unter gmei ©rittet ^Begabte ufm. 

3. ©er 53efud) ber #ilfsfd)ulen fei für bie betreffenben Hinber be- 
fcpmenb unb beprimterenb. ©iefe mürben non ben normalen 6d)ülern 
t>erl)öf)nt unb nerfpottet. 

4. ©ie (Eltern fträuben fiel) gegen bie (Einfdmlung iijrer Slinbcr in 
bie <pilfsfd)ule. 

5. (but eingerichtete §ilfsfd)ulen feien toftfpielig. 2Ran folle foldje 
großen ausgaben für nerljältnismäßtg menige ^inber r>ermeiben, ba fie 
fpäter menig ober ntdjts für bie Allgemeinheit leifteten. 

6. ©ie §ilfsfd)uten feien aua) l)ngienifd) bebenftidj; fie bilben leidet 
Ausgangspunfte unb §erbe eptbemifd)er Hranf Reiten, ba bie fdmmdjbegab-- 
ten Hinber gugleid) gcbrccrjltcr) unb torperlid) nid)t miberftanbsfäl)ig feien. 

7. ©ie &ilfsfd)ulpäbagogi! Ijänge unfid)eren Seljren ber SRebigtn unb 
ber fog. experimentellen Sßfndjologie an unb bringe bie SBolfefdmlpäbagogif 
in 9JliPrebit 

3rgenbetn (Erfolg blieb ber 6djrtft oerfagt, unb es märe am beften, 
fie gänglidj gu überfein, menn tyx SSerfaffer nid)t in fo anmafeenber Art 
unb SBeife vorgegangen märe, bie §ilfsfd)ulbemegung gu fdjäbigen unb gu 
unterbinben. 

2)ie (Entwidmung bes beutfdjen Inlfsftfyulmefens mürbe aud) 

burä) einen 6 1 r e i t , ber ftdfy auf bem am näcrjften t)ermanbten 

©ebiete ber §eiler§ief)ung , ber 3biotenbeI)anblung, entmicMte, 

nicfyt mefentlid) beeinträdjtigt; er ging im ©egenteii faft fpurlos 

an ber £ilfsftf)iule tmrüber. ©iefer 6treit mar gmifdjen Sßäb= 

agogen unb ©eiftlidjen einerfeits unb ^ir^ten anbererfeits um bie 

Oberleitung ber 3biotenanfiaIten ausgebrodjen. Siluf einer $et= 

fammlung bes Vereins beutfd)er3t:renärgtep Sranf-- 

fürt a. Söt im 3ai)re 1893 mürbe folgenber ^3 e f d) I u g gefaßt: 

„9Udjt unter ärgtlidjer Seitung unb SBerantroortung fteljenbe Anftalten 
für ©eiftesfranfe — einerlei, ob biefelben heilbar ober unheilbar ftnb — , 
für (Epileptifd)e unb für^bioten entfpredjen nid)t ben Anforberungen ber 
2öiffenfd)aft, (Erfahrung unb Humanität unb fönnen bes= 
Ijalb als „gur 23emal)rung, Hur unb Pflege biefer Hranfen geeignete An= 
ftalten", aua) im Sinne bes preußifd^en ©efe^es oom 11. 3uli 1891, nid)t 
betrautet merben." 

^uf ber 7. Honfereng für bas 3biotenroefen gu ^Berlin in 
bemfelben 3al)re (1893) !am biefer 33efd)lug gur 6prad^e unb im 
$infä)Iuf3 baran mürbe folgenbe ©egenerflärung gefaßt: 

1. ^ür bie £eitung t)on 3biotenanftalten !ommen £e^rer, ©eiftlidje 
unb ^trgte gleid^mäßig in 93etradjt. 

2. 3Bir er!ennen es gmar an, ba% bie Mitarbeit bes Argtes in biefen 



— 63 — . 

Anftalten nottuenbtg ift, eradjten aber befonbers in benjeuigen An- 
wälten, meld)e oorgugsmeife 33ilbungsgmede oerfolgen, bie päbago» 
gifd)e Sätigfeit für bie Hauptarbeit. 
3. 2Bir fpredjen bie (Ermartung aus, bafa in ben SBerfjanblungen 
über biefe gemeinsame Arbeit im Sntereffe berfelben ber Son gegen= 
feitiger Adjtung unb Anerkennung gemafyrt merbe. 

5)ie £ilfsfd)ule fyai bisher im beften (£int»ernel)men gu bm 
Orgien geftanben. 6ie befi^t Dorroiegenb ben (Efyarafter einer 
6d)ulanftalt unb fcmn auf bie Erörterung jener fragen üer= 
gidjten. 

3n iljrer St&ung gu Sßotsbam im 3ctfyre 1907 rjat fid) bie 

^ommiffion für 3 b i o t e n f o r f d) u n g unb 3bioten = 

fürforge bes- beutfcfyen Vereins für ^ft)d)iatrie barjin ouege= 

fprodjen: 

„(Es ift gu erftreben, bafj bie ßeitung ber Anftalten für btlbungs* 
fähige 6d)mad)finnige ben träten/ bie ber Anftalten für fajmadjbefcujigie 
Sugenblidje (6tufe ber |>ilfsfd)üler) ben ^äbagogen §ugeroiefen 
merbe." 

§iergu bemerft Dr. Strorjtnarjer in feinen „^orlefun- 
gen über bie Sßfrjd)iopatl)oIogie bes Stinbesalters" (Tübingen 1910), 
er fjabe bas (Befühl, bafj bei biefer 0ebiet5oufteilung ber ^öb= 
agoge etroae gu furg gefommen fei. 

2Bid)tig erfd)eint l)ier nodfy bit Bietet, roeldje Stellung bie 
9x e i d) 6 1) a u p t ft a b t gu ber ipilfsfcfyulberoegung einnahm. (Erft 
im 3al)re 18£8 fd)uf Berlin burd) bie (Einrid)tung oon fogen. 
„Sftebenflaffen" notbürftige Sürforgemajsnarjmen für ifyre 
6d)road)finnigen. Über bie S^ede unb Siele ber 91eben£laffen 
mögen folgenbe Ausführungen bes ^Berliner Stabtfdjulinfpetors 
ü o n ® i 1 1) & i nähere Auskunft geben. 

„©emeinbefdmUinber, meldte infolge geiftiger ober förperlid)er <pemm= 
niffe an bem lelrplanmäfjigen ilnterriajt nid)t mit (Erfolg teilnehmen, 
!önnen einem Unterrid)t in ben 9lebenflaffen übertoiefen merben. (Er foH 
bie ^inber fo förbern, ba$ fie enttoeber fdfjulfä^tg merben ober bie if)nen 
erretd)bare SSorbübung für bas fpätere ßeben erlangen. 

3m Oftober 1898 mürben aunädjft 22 fola)er klaffen mit 267 ^inbern 
eröffnet, unb fajon im April 1899 mußten meitere 18 9teben?laffen §inju* 
gefügt merben. 

33or biefer 3cit Ratten nur menige geiftig fdjmaa^e ftinber ber 93er= 
liner ©emeinbefdjulen feitens ber 93ef)örben eine ausreicbenbe ^öroerung 
finben tonnen. 6anj befonbers fernere ^äEe oon 6d)mad)finn mürben ber 
3biotenanftalt in Sallborf übermiefen, anbere ^inber biefes 6d)lagcs mur* 
ben in gleidjer Söeife mie Krüppel, l)od)grabig 6d)merl)örige, $urgfid)ttge 
unb anbere ßranfe in mödjentlid) oier 6tunben burd) ©emeinbefdjullefjrer 
auf Soften ber (Stabt prioatim unterrtdjtet. 

2)a auf biefem 3öege natürlid) nur für menige fd)mad)finmgc 5linber 
geforgt merben tonnte, fo blieb bie nad) ipunberten jäfjlenbe grofte SCRcr)r* 
garjl ber eines befonberen Unterridjts SBcbürftigcn in ben oI)nel)in ftarf 
befe^ten llnterflaffen ber ©emeinbefdmle gurüa* unb bilbete bort einen 
93obcnfatj, meldjer bie ffortfrfjritte ber beffer bcanlagten ^inbcr Ijcmmtc, 
of)ne felbft eine mefentlid)e ^örbecung ju erfahren. (Es gefdjab bcsfyolb 
nid)t feiten, ba§ ^inbcr bie Unterftufe ber (Öemeinbefd)ule übnfyciupt nidjt 
überfa^ritten unb mot)l gar fedjs 6a^ulia^re in ber unterften klaffe 51t- 



— 64 — 

brachten. SHefen 3uftänben mad)te bie (£inrid)tung ber Sftebenflaffen ein 
(£nbe. 

3QScId^)e ©efid)tspunfte bie ^Berliner mafjgebenben 23el)örben veranlag- 
ten, abmeid)enb t>on ben in öen meiften öeutfd)en ©tobten befteljenben 
(Einrichtungen ben Unterricht für bie fcfymad)befäl)igten 5linber niajt in 
organij'ierten, felbftänbigen ipilfsfdmlen, fonbem in oeretngelten, gemiffen 
©emeinbefdmlen angeglieberten Sttebenilaffen erteilen ja laffen, barüber 
gibt ber &ermaltungsberid)t bes äftagiftrats oom 3af)re 1898=99 $luslunft. 
(£s Reifet ba auf 6eite 10: „(Eine beträchtliche $lngai)l oon 6täbten fyat ben 
menfd)enfreunblid)en 3^°^ burdj befonbere ©Ovulen (#ilfsfdmlen) gu er- 
reiben gefugt. ©iefen 2Beg Ijaben mir aus gmet ©rünben nid)t betreten; 
erftens mürben in ^Berlin bie 6d)ulmege %u meit roerben; jmeitens aber 
roürbe man mit ber enbgültigen ilbermeifung in foldje ipilfsfd)ulen bem 
5Unbe ben 6tempel ber 9Jlinbermertigteit für alle 3etten un b oft noreilig 
aufbrüden. 2Bir »erfolgen ben ^lan, bas üinb als ©emeinbefcpler gu 
behalten, es in menig befegten klaffen gur (Entmidlung gu bringen unb 
fo balb als möglid) in bie ©emeinfd)aft ber übrigen 3urüd§ufüt)ren. 3nbem 
mir nun ben 9tebenunterrid)t mit ben 5linbem ber unterften klaffen an- 
fangen, beabfid)tigen mir, aEmäl)lid) unb ie nad) ber 93efd)affenl)eit ber 3ög - 
tinge auf bie unterfte 9leben!laffe eine pljere aufzufegen unb fo fortzu- 
fahren, aber immer mit ber $(bfid)t, ben 9iebenunterrid)t fo balb als tunlid) 
burd) ben regulären %u erfegen." 

Sas 6tatut fegte bie Qrrequeng ber einzelnen Sftebenflaffen auf l)öd)« 
ftens gmölf ^inber unb ben Umfang bes $u erteilenben Unterrichts auf 
jmölf 6tunben mödjentlid) feft. $lls Unterridjtsgegenftänbe maren Religion, 
Seutfd), 6d)reiben unb 9ied)nen unb in geeigneten fallen aud) £anbfertig= 
leit unb ipanbarbeit für 2Räbd)en in $lusfid)t genommen; aud) follten bie 
Jlinber eoentueH an einzelnen 6tunben bes normalen Unterrichts, j. 93. 
am 3 e i^ cn / Surnen unb 6ingen, teilnehmen» 

Sie 3uroeifung bes Äinbes an bie Sftebenflaffe erfolgte auf SBorfd)lag 
bes 9teftors ber Sdmle, melier bas 5linb bisher angehört |atte, nad) Unter- 
fudnmg burdj einen oom 2Ragiftrat befttmmten $lrgt burd) ben guftänbigen 
6tabtfdjulinfpe!tor. ©emölntlicf) mürben nur fold)e Slinber in bie hieben« 
llaffen aufgenommen, meldje bie ©emeinbefdutle bereits gmei 3al)re o^ne 
(Erfolg befugt J)°tten* 

2Bas gunäd)ft bas 3^^ betraf, bas bie 6d)ulbeputation in bem äRagi- 
ftratsberidjt non 1898=99 ben 9lebenllaffen geftedt f)atte, bie fdjltefclidje 3" = 
rüdfü^rung ber ^inber aus bem ©pegialunterridjt in bie normalen ©e« 
meinbefdmlen, fo ermies fid) biefes nur in ben feltenften Soßen als erreich- 
bar, ©ie Scebenflaffen maren im £erbft 1898 mit 267 Slinbem eröffnet 
morben. Sttefe $af)l mar nadj Ablauf bes (gtatsja^res 1899 auf 645 ange- 
mad)fen. SBä^renb biefer 3^t, alfo in ben erften brei £albjaf)ren, konnten 
im gangen 21 ^inber bem ^auptunterria^t gurüdgegeben merben. 3m Saufe 
bes 3a^res 1900 ftieg bie 93efegungsgiffer ber Sftebenflaffen auf 701, bie 
3af)l ber an bie ©emeinbefdmle 3 ur wdoerfegten bagegen betrug nur 20. 
Wm 21. ©egember 1902 §attc bie 3af)l ber SRebenllaffen 78 erreta^t mit 
1020 ^inbern (552 Knaben unb 468 9fläbdjen). ©ie 3^1 ber ber ©emeinbe- 
fdjule Übermiefenen mar biesmal ungemö^nlid) ^od); fie betrug 65 (36 
Knaben unb 29 2ftäbd)en). 6päter aber fan! fie ganj bebeutenb I)erab 
unb ftellte nur einen Hcinen 33rua3teil ber ©efamtga^l bar. 

©iefe geringen Sßrogentfäge bemiefen, ba$ ber ©eftd)tspun!t, bie ßm- 
ber in „menig befegten 9teben!laffen" gur „(£ntmidlung y/ ju bringen, fid) 
in ber ^ra^is nur J)öd)ft feiten ^atte bura^fü^ren laffen. 33ei ber 55e- 
grünbung ber 9leben!laffen in ^Berlin maren irrtümlidjermeife gmei ©at» 
tungen oon Äinbern miteinanber gufammengemorfen morben, bie geiftig 
6d)mad)en unb bie bura^ äußere Umftänbe jurüdgebliebenen Normalen. 
5)ie legieren tonnten in ber Zat nid)t feiten burd) einen 6ueäialunterric^t 



— 65 — 

* 

in xvenig befe&ten klaffen in niajt allgulanger 3 e i* f° toett geförbert tverben, 
baft fic ber ODemeinbefajule tvieber angeführt tverben burften, unb bte 
meiften Hinber 5er Stfebenflaffen, bie toir£Iic§ fturüctgefüljrt tvorben finb, 
muffen ficljer §u biefen gerechnet tverben. 

£>ie übertviegenbe Wl£§x%af)l ber Hinber ber StfebenElaffen beftanb ober 
nictjt aus folgen, fonbern aus geiftig anormalen, meiere fo gut tvie bie 
3öglinge ber äbiotenanftalt in 2)aUborf eines eigenartigen Unterrichts mit 
befonberen gieien unb äftetljoben beburften, eines Unterrichts, ber fie fürs 
£eben, nietjt für eine anbere Sdjute vorbereitete; fie brausten eigene, ifyren 
ffäljtgEeiten unb Sebürfniffen angepaßte (Brjiet)ungsanftalten, für tvelctje bie 
vereinzelten 5lebenfiaffen nur als unenttviäelte SBorftufe angefefjen tverben 
fonnten. 

3Bir!lid) fctjmaajfinmgen Slinbern gefetjaf) faft. niemals ein ©ienft bamit, 
bafj man fie in bie alten 93erl)ältniffe ber ©emeinbefctmle gurüctverfe&te. 
6ie konnten fiel) fetjr tvoljt bei bem Spegialunterria^t in brei bis vier Sauren 
bie 6umme von ^enntniffen aneignen, meldte normale Kinber in gtvei 
3at)ren ertverben; aber fie tonnten naa; Ablauf biefer &it troij ber er= 
tvorbenen ^enntniffe nid)t geiftig anbere SÖ^lenfctjen toerben, fie tvaren troti 
bes empfangenen Unterrichts niajt in ber Sage, mit normalen Sftenfctjen 
von nun an gleiten ©abritt ju galten, Stjre 6d)tväd)e beftanb nietjt in 
einem Mangel an Kenntniffen, fonbern in einem 9Jtangel an Straft, neue 
^enntniffe gu ertverben unb bie ertvorbenen ^enntniffe $u betvatjren unb 
richtig anjutvenbeiu 

$lber noa) ein gtveiter Hmftanb fpract) entfcfjieben gegen bie Qnxnd-oex= 
fetjung ber ^inber aus ben Sftebenflaffen in ben £auptunterricl)t: itjr £ebens= 
alter. 6ie traten im allgemeinen frütjeftens mit act)t %al)xm in bie Sieben* 
flaffen unb vermoorten bann vielleicht in brei Sauren bas Sßenfum ber beiben 
unterften ©emeinbefdjulflaffen §u betvältigen. 3Rtt elf Sauren tonnten fie 
alfo im günftigften gaU ber britten klaffe ber (öemeinbefcfmle, von unten 
gerechnet (nact) bem neuen £ef)rplan ber aajtflaffigen SBolfsfdmle alfo ber 
fect)ften klaffe) gugetviefen tverben. ©ort tvurben fie mit ^inbern zufa^nten 
unterrichtet, beren normales ßebensalter aajt 3at)re betrug, ein SJtigver* 
i)ältnis, bas tveber für biefe jungen Sölitfdjüler nod) für fie felbft unb ifjre 
Vorbereitung fürs praftifäje Seben von Vorteil mar. 

2Benn fiel) fonaef) bie 93egrünbung ber 9teben!laffert unter teiltveife 
irrigen SBorausfetjungen vollzogen fjatte, fo brängten boef) bie praftifeljen 
93ebürfniffe bie (BnttvidElung biefer (Sdmlgattung fetjr balb in bie richtigen 
93at)nen. (Es fteHte fict) heraus, ba§ aua) bie tücfjtigften £ef)rträfte bei ber 
fo farg bemeffenen 3ot)l von 12 SBoäjenftunben if)re fdnvierige Aufgabe nidjt 
löfen fonnten. 5lllmä|lict) mürbe batjer bie Qafyl ber 3Bod)enftunben in bm 
9fleben!laffen vermehrt, fo ba$ fie im 2)urcf)fct)mtt 20 überfctjritt. (Ebenfo 
folgte man bem Vorgänge anberer 6täbte 2)eutfa;lanbs barin, bafj man 
ben §anbarbeitsunterria)t für SÖiäbdjen überall unb ben §anbfertig?eits= 
unterriä)t für Knaben cm einigen 6teHen verfuct)smeife einführte. ^lu§er= 
bem näherte man fia) auet^ in ber 9Beife bem 95orbilbe ber organifierten £ilfs= 
fa)ule, ba§ man mehrere 9^eben!laffen an einer 6teKe vereinigte unb mehrere 
einanber übergeorbnete 6tufen fcljuf." 

5)er prafttfd)e 6d)luf3, ben man aus einem SScrglcid): gtoifdjen 
SRebenflaffen unb ^ilfsfdjatle gieljen fann, ift fo einleud)tenb, baß 
aud) für ^Berlin bie $flid)t ermudjö, auf bem (Bebtete bes §üfs= 
d)ulunterrtd)t5 ben anbeten 6täbten ©eutfdjlanbe p folgen. Unb 
o mürbe aud) aEmätjlid) in Berlin mit ber (Einrichtung ber 9leben-- 
'taffen aufgeräumt, unb man fd)ritt §u ber 33egrünbitng oon felb-- 
ftänbigen £ilfsfd)ulen. 3m 3a^re 1911 mürbe -bas gefamte $ilfs'= 
fd)ulmefen in Berlin neu geftaltet an ber £»anb oon befonberen 



— 66 — 

SBeftimmungen, bie ben C5ebon!cn unferer geitgemäfcen £ilfsfd)ul= 
foeftrebungen entfpredjien. Sftur in ber Einrichtung ber $ o r = 
Haffen beft&t ^Berlin etwas ^tbtpeicfyenbes unb Eigenartiges, 
bas voo\)l nod), ein wenig an ben $xdz& ber Sftebenflaffe erinnert, 
giir bie Sßorflaffen gelten folgenbe 33eftimmungen: 

„SlUe hinter, bie aus 5en oerfd)iebenften ©rünben im erfreu 9iormal= 
fd)uliar)r nid)t gur 93erfe£ung reif erfdjetnen, werben in fogenannien 93 o r « 
Haffen oeretnigt, bie oon ipilfsfdmllerjrern geleitet ©erben, £ter foll 
oerfud)t merben, in einem 3at)re btefe Kinber gur 33erfe&ung in bie gmett= 
unterfte SRormalfdmlflaffe gu befähigen. 9Zur gang gmetfeüos fct)mad)finntge 
Kinber fotten fofort in bie iptlfsfdmle oerfe&t merben. Sie in bm 93or= 
Haffen als ntd)t normalfd)ulfät)ig ernannten Ktnber merben ber fünftlaffigen 
§ilfsfd)ule übermiefen. 6tnb fie in biefer regelmäßig oerfetjt, fo bleibt 
tr)nen nad) $lbfoloterung ber oberften klaffe nod) ein Sdmljarjr. (Ss foll 
bann eine Prüfung ftattfinben, um feftgufteHen, ob btefe Kinber nun md)t 
bas lefcte 3at)r auf ber Söttttelftufe ber 93olfsfd)ule mitarbeiten unb fo oon 
bem Obtum, eine ©drnle für 6d)mad)ftnmge befugt gu fjaben, befreit roerben 
tonnen." 

2)as 9tad)f)tn£en ber 9fteid)sr)auptftabt in iljren £tlfsfd)uletnrtd)tungen 
mar für bie gefamte $tlfsfdmlentmidlung nid)t oon Vorteil; man fat) auf 
^Berlin unb füllte jtdj bemogen, met)r 9fttidr)altung gu üben, als menn ein 
einmütiges $ortfd)retten ber gangen ipilfsfdmlbemegung gu beobadjten ge= 
mefen märe. Spuren oon Übeln 9tad)mtrlungen ber berliner &erfud)e 
mad)en fid) nod) in unferen Sagen bemerfbar, mie bas folgenber SBorfatt 
bemetft. 2)er berliner 2et)rerrat lehnte bie fforberung ber borttgen £ilfs= 
fdjuller)rerfd)aft nadj $ad)auffid)t ab mit ber 93egrünbung, bie iptlfsfdntle 
fei nur eine befonbere Skranftaltung ber SSolfsfdjule, gehöre alfo gu ber= 
felben unb bebürfe barum feiner eigenen gadjauffidjt. %\ 5 \fy tior oielen 
Sauren auf bie 9flotmenbig!eit einer |>tlfsfdmllel)rerprüfung fjinmies, fanb 
id) mentg (Der)ör, unb ber ^Bremer Inlfsfdmltag 1905 lehnte — jebenfalls 
unter ftarfer SSeeinfluffung oon ^Berlin — bie ^orberung einer foldjen 
gadjprüfung ab* 2Bas für ein großer ^etjler bamals begangen morben tft, 
fjat unfer le&ter ©er)altsfampf bemiefen, ein SBlidin bie „®enffd)rtft" mtrb 
iebem (Etnfia^tsoollen bie klugen gur ©enüge öffnen. 

(Eine nad)alpmensmerte (£inrtd)tung auf bem ©ebtete ber Slusgeftaltung 
bes ^Berliner <pilfsfd)ulmefens finb bie 6ammeUlaffen für öc^ujcr« 
fd)toadjfinnige. $lus einer ftatiftifdjen Umfrage l)at fid) bort er= 
geben, baß es in ben Jpilfsfdjulen eine gange $lngai)l oon Kinbern gibt, bie 
infolge mer)rfad)er ^Belaftung (fernerer 6d)mad)finn, Kretinismus, fdjmere 
torperltd)e Kranl^eit, (£ptlepfie ufm.), bas Qxtl ber oberften Klaffen bod) 
nid^t erreidjen, fonbern ftets auf ber Hnterftufe bleiben unb eine bauernbe 
Saft unb Hemmung für ben Unterrid)tsbetrteb btlben. derartige Kinber 
muffen einen Hnterrid)t erhalten, ber mentger 93ßert auf bie 2Biffensfäd)er, 
©eutfd) unb Sftedmen, aber befto me^r auf bie $tusbilbung ber ©efa)idltd)-- 
!ett legt. Sie (£rfaf)rung ^at ^inreid)enb gelehrt, ba§ bie geiftig 6d)mäa)ften, 
bie nie lefen unb redmen lernen, bod) nod) gur SBerrtd)tung leidster arbeiten 
ausgubilben finb, SBct ber fd)mierigen Arbeit in ber ipilfsfdmle tft es aber 
ntd)t möglid), tl^nen eine ^usbilbung nad) biefer SRtdjtung guteil merben gu 
laffen, menn bie anberen, leiftungsfä^igeren Kinber nid)t gefa^äbtgt mer* 
bm fotten. SBielfad) mirb nun ben (£ltern ber 9^at erteilt, fold)e Kinber in 
bie ^eil- unb (£rgief)ungsanftalt SBittenau gu bringen, ©agu moHen fid) 
aber oiele ntd)t entfd)lteßen, meil i^nen bie Trennung oon tljren Kinbern 
gu ferner mirb. 2>ie 6d5ulbeputation ^at fidtj baljer entfd)loffen, für btefe 
fa3mäd)ften Kinber gu Oftern 1917 befonbere 6ammel!laffen in oerfa^tebenen 
6tabtgegenben gu errieten, unb gmar oerfud^smetfe bret bis oter. 3ebe 
Klaffe foU nid)t me^r als ^öd)ftens 15 Kinber erhalten, «uf btefe 3Betfe 



— 67 — 

mirb bie #ilfsfrf)ule son fan 6djülem befreit, Me megen Mangels an 3 e ^ 
in tl)r boä) nid)t genügenb gefördert merben können, 3 u 9^ ß ^ wirb °^ er 
aud) bie 9ÄögItd)Ieit gefdjaffen, bei jenen geiftig ärmften Hinbern Me ge= 
ringe 93ilbungsfcü)igleit nod) jur (Bntmidlung gu bringen. 93ei 5er 2ius» 
maf)l ber Hinber für bie 6ammelllaffen foE ein Sßfndjiater beratenb mit» 
mitfen. 

«Sd^tteglidf) bleibt noa) ju ermähnen, baß bie Stabt ^Berlin fief) große 
SBerbienfte onf bem (Öebiete ber 6tf)merf)örigenausbübung ermorben fyat 
3n Berlin ift eine gange %n%ai)l tum 6a)töerprigenfd)ulen ins ßeben ge= 
rufen morben, in benen fd^merprige Hinber fachgemäße (£rgiel)ung unb 
Unterm eifung erhalten. Sftäfiere eingaben bietet ber Se^rplan für bie 
6d)a>erprigenf deuten ^Berlins (^Berlin 1915, 2. OeljmigjEes Verlag). 

(Eine neue (£rrungenfd)aft toeift ^Berlin auf mit ber (Sinridjtung 
einer 6d)ule für 6ef)fa)mad)e, morüber in ber „£ilfsfd)ule" 1921 £eft 1 
£ef)rer $ e r § o g ausfü^rlid) berietet 

©er £ilfsfd)ulgeban£e roar am (Enbe biefes S^abfdjnitts in 
bie to c i t e ft e n Greife oorgebrungen, fo baß oon nun an faft 
ausfdjließtid) f elbftänbige £ilf sf cfyulen ins ßeben ge= 
rufen unb beftefyenbe im 6inne ber oorljin gegeicfyneten 33eftrebun= 
gen ausgebaut tourben. 2>amit toar man aud) $u einem getoiffen 
$lbfd)luß gekommen — ber äußere 23au roar ooEenbet, unb nun 
galt es, an bie inner e 21 u s g e ft alt ung unb an bie Sil e i n = 
arbeit ^erangugetjen, insbefonbere aud)i bie Inlfsfcfyulpäbagogif 
toiffenfd)!aftIi(J)i gu begrünben. 



IV. 3eftabf^tttti 

©ie inmt e tin^geftaliung ^et -SilfSf^uie unb 
bie «Begrünbutig eine? $iif«f^uifortffenfc§aft* 

5)ie 3eit oon 1905 an. 

SCRtt bem Safyre 1905 begann eine fölanftperiobe für bie 
beutfdje £ilfsfd)ulbetoegung. ÜDie "3eit ber $erfudje toar über- 
tounben unb bie |>ilfsfd)iule ftanb als gefertigter 23 au ba, 
ber nur nod) ber inneren iBeroottftänbigung beburfte. 5)iefe $ir= 
beit tourbe oon ben &vwioi= unb Unteroerbänben bes SBerbanbes 
ber £ilfsfd)iulen 3)eutfd)lanbs, beten es je£t mefyr als 20 gibt, 
in Eingriff genommen, unb gtoar berart, baft fie fid) in enger 
^üfytung miteinanber in bh fogenannte Kleinarbeit teilten. 
3n Heineren $lrbeitsgemeinfd)aften gelangten bie toidjttgften 5 ra= 
gen bes £ilfsfd)ultoefens ju eingeljenben (Erörterungen, bie fid) 
bann auf ben Tagungen bes §auptoerbanbes um fo frud)tbrin= 
genber geftalten ließen, ^uf tiefe SBeife tourben totdjtige ©eftdjts- 
punfte, Richtlinien unb 2ftaßnal)men in o er fd)i ebener £infid)t 
geroonnen, junädjft für eine beffere öHieberung bes 6d)üler= 
materials unb bamit aud) für eine atoedmäßtge unter rid)t = 

5* 



— 68 — 

I i d) e Sß e r f o r g un g ber einzelnen ©ruppen. (Es würben bie 
pfnd)opatIn7d)--minberwertigen von ben inteMtueE=fd)wad)finni-- 
gen Kimbern gefd)ieben, bes weiteren bie fd)<wad)begabten von 
bm fd)wad)finnigen unb biefe wieberum von ben blöbfinnigen. 
gair bie $tlfsf<fyule fommen gegenwärtig nur fd)lwad}finnige 
Kinber in SBetratfyt, alfo foldje, bie niemals bie Sitte ber $olfs= 
fdjule erreid)en tonnen, in itjrer ßeiftungsfäljigfeit roeit hinter 
ben $olfsfd)ülern prücfbleiben unb oljne eine angemeffene Unter-- 
weifung unb (Ergiefyung geiftig verkümmern. 3n mannen £ilfs= 
fdjulen werben wotjl nod) blöbfinnige unb aud) epilep= 
t i f d) e ^ i n b e r aufgenommen, bie fid) jebod) meift als ftörenbe 
^Beigaben erweifen. SBenn bie (Eltern foldjer Sfinber aud) nod) fo 
fefyr mit ^Bitten brängen, um bie ^lufna^me gu erreichen, fo ift 
es bodj beffer, bei ber $lbweifung gu verbleiben. Sdjwer abnorme 
^inber müßten eigentlich auf ©runb bet)vrblid)er ^öerorbnungen 
ifjrer (Eigenart entfprerljenben 3lnftalten oljne weiteres pgefüljrt 
werben können. 

ferner würbe eine b e f f e r e $i u s g e ft a 1 1 u n g ber 
£ilfsfd)ule im allgemeinen angeftrebt. 3u bw vorfyanbenen brei= 
frufigen ®lieberung — jebe Stufe foE nad) 9tftöglid)feit in einer 
klaffe (3at)rgang) vereinigt werben — fügte man an mandjen 
Orten nod)! eine $ o r i l a f f e als Sammelf laffe für geiftig tief 
ftetjenbe Stinber t)in$u. S)ementfpr edjenb mußten aud) bie 2et)r= 
plane umgearbeitet unb ber gefamte Unterridjtsbetrieb eingerid)= 
tet werben. So entftanben mehrere £ e I) r p t ä n e , bie in man= 
d)er 93e§iet)ung eine weitgefjenbe Klärung ber $tusgeftaltungs= 
fragen brad>ten. 3)ie grünblidjfte Arbeit auf bem (Gebiete bes 
ipilfsfd)ultet)rplans bietet 9Bei| in feiner Sdjrift: ßeljrpläne für 
ben Unterridjt in ber §ilfsfd)üle nebft metljobifdjer ^Inweifung, 
2angenfal§a 1911. daneben ift aud)' noefy bas bereits genannte 
SBud); von 5Üell)orn §u erwähnen: (Er#iel)ung unb Unterridjt 
f<fy.wad)befät)igter Äinber. §ilfsfd)uHel)rplan. §alle 1909. 3n etwas 
anberer 9iid)tung bewegt fid) bte Sdjrift von ©lud : Sd)wad}>be'= 
anlagte Kinber, ©ebanten unb $orfd)itäge gu i^rer Unterweifung 
unb (Ergietjung mit befonberer 93lerüdfid)£iigung; grogfräibtifcfyer 
$ert)ältniffe, Stuttgart 1910. 3)ies 93ud> bietet par nichts 
wefentlid) Sfteues, tjebt aber einige befonbere SBebürfnisfragen ber 
§ilfsfd)uleinrid)tung red)t beutlid) aus bem allgemeinen 9fal)men 
heraus. 

3öct§ mill mit feinen ßel)rplänen — eigentlich ift es nur ein 2tfyx= 
plan, 93erfaffer fe^t ober nor jeben Unterridjtsgegenftanb bas 2Bort ßejr= 
plan, fo oa§ er auf biefe 9Beife fcmiel 2el)rplcme erhält, als es Unterrichts* 
gegenftänbe gibt — an ben inneren Ausbau ber £ilfsfdmle §anb anlegen, 
um bie Arbeit an ben 6d3mad)begabten inburibueller unb baburd) erfolg= 
reifer ju geftalten. (£rft bringt er allgemeine ©runbfä^e gum Se^rplan 
ber £ilfsfdmle, inbem er bie beiben ftzaQm %u beantmorten fud)t: ^luf 
melden Sßringipien mu§ fidE) ber Se^rplan ber ^ilfsfa^ule aufbauen, unb 
urie fann ber Unterricht in ber £ilfsfdmle ben (gntmidlungsgefe^en geregt 



— 69 — 

werben? 2>ann folgen bie £ef)rplcme für bie einzelnen Unterrid)tsgegen= 
ftänbe, in ber Siegel mit allgemeinen 33emerfungen beginnenb, an bie fid) 
bie (Stoffoerteilung für bie einzelnen klaffen anfd)lief3t Vefonbers ein» 
ge^enb unb tef)rreid) ift ber £ef)rplan für ben Unterridjt in ber beutfd)en 
6prad)e bearbeitet 2)en 6d)luf3 bilbet ber £ef)rplan für bie Fortbilbungs* 
fdmte ber £ilfsfdjute in Qwiäau, bie nad) ben Ausführungen gweiftufige 
©lieberung aufweift. — Verfaffer bemüljt fid), feine Sarftefiungen wiffen= 
fd)aftlid) gu begrünben unb baraus praftifdje Folgerungen gu gießen. ®es= 
i)alb gegen feine ^orberungen bisroeilen etwas gu weit, namentlich in 
ber Formenlehre, Aber ein wenig Optimismus ift für unfere Sadje gut gu 
gebrauchen unb wirb iljr burd)aus nid)t gum Schaben gereichen, ■ 

Kielfjorn bringt in feiner 6d)rift gunäd)ft eine Jurge (Sefd)id)te ber 
SBraunfd)weiger ipitfsfdmle unb bie gefe&lidjen Veftimmungen, bie bort 
maftgebenb finb. Aisbann entwickelt er bie ©runbgüge bes §ilfsfd)ul= 
Unterrichts unb oerbreitet fiel) fdjttefclid) über bie eingelnen Unterrichts* 
gegenftänbe ber £ilfsfdmle. 2>er Verfaffer rücft überall ben ergief)lid)en 
©eftd)tspun!t in ben SSorbergrunb unb (priest aud) in einem befonberen 
Kapitel über bie (Brgie^ung gum ©elwrfam, über fittlidje Verfehlungen, 
über Suchtmittel unb Strafen unb über bie (£rgtel)ung gur Arbeit 901el)rere 
Veifpiele aus ber ^ragis werben gur Veranfd)aulid)ung geboten, — 3n 
ber £auptfad)e ift bie (Schrift eine feiebergabe bes £el)rplans ber 93raun= 
fd)weiger ipilfsfdmle. 2)ie anberen Arbeiten bes Verfaffers oerbreiten fia) 
oorwiegenb über Organifationsfragen ber <pilfsfd)ule unb geidmen fid} burdj 
flare unb gemeinoerftänbtidje SarfteHung ber <Seban!en aus. 2Bid)tig ift 
aud) fein „Konfirmanbenunterrid)t in ber £ilfsfdmle" (£angenfalga 1905), 
worin er geitgemäge ©runbfä&e für bm Konfirmanbenunterridjt ber £ilfs* 
fdmle entwickelt 

©eine Forberungen finb fotgenbe: „5)ie ipilfsfdmlftnber bebürfen eines 
befonberen Vorbereitungsunterridjts gur Konfirmation. 2)iefer Unterricht 
werbe bem £ilfsfd)ulteiter übertragen. Sie Kirche f)at bie (£ntfd)eibung 
über bie 3ulaffung gur Konfirmation gu treffen, 3)ie Konfirmation erfolgt 
mit ben anberen Konfirmanben gemeinfam." 

2k>n neuerer ßiteratur finb I)ier aufter ben bereits oor= 
l)in genannten Werfen nod) folgenbe 6cfyriften gu ertoäI)= 
nen: ip o r r i i , SBegroeifer burefy ben ßefyrftoff ber ipüfs= 
fd)ule (^Breslau 1914); berfelbe, Ratgeber beim erften Sprach 
unb 2efeunterrid)t auf pfyonetifdfyer ©runblage (©üffelborf 1919); 
berfelbe, $lnfci)aulid).er 9kd}enunterrid)t in ber ipiifsfcrjule (ipaÜe 
a. 6. 1919); berfelbe, ©er 6anbtifd)! in ber ipilfsfcfyule (|>alle a. 6. 
1919); Sfturtfelb, ©runblagen unb 6toffe für §ilfsfrf)uflel)r-- 
pläne föranffurt a. SR. 1914). 

$ o r r i 5 will einen 2 e f) r p l a n nebft 6 1 o f f a u s w a l) l für bie 
Vebürfniffe ber £ilfsfd)ule unb gur Veleljrung ber £ilfsfd)ullel)rträfte bieten. 
(£r fpridjt gunäd)ft über bas Qxel in (Srgief)ung unb Unterricht ber ipilfs= 
fdjule unb gibt aud) bie SRittel gur (Erreichung biefes ßieles in gwölf 93Zert» 
fehlen an, bie folgenbe ©ebanfen ausfpredjen: 

„1. ^Beobachtung unb 33ead)tung jeber 3nbioibualität, befonbers bie 
ber fdjwädjeren £ilfsfd)üler, bie immer I)erangugiel)en finb im Klaffen» 
Unterricht ©iefe Sätigfeit wirb geförbert burc^ bie forgfälttge Führung 
ber Sperfonalbogen, befonberc 23ead5tung ber ®tspofttionsfd)wanhtngen unb 
anberer Ijemmenben (Binftüffe. 

2. ^ebung bes fdjmadjen, manchmal gänglia^ gefc^wunbenen CBelbft- 
oertrauens ber ^)tlfsfd)üler. 

3. Veoorgugung ber formalen Vtlbung, ber Örrgteljung bind) Unter« 
rid)t, barum ^öefdjränfung unb Vertiefung bes Se^rftoffes mit Wiicffidjt 



— 70 — 

auf bie Vermittlung einer abgerunbeten Vilbung in einem bebeutenb- 
feineren 9lal)men als fie bie Voltsfdmle bietet, mit fteter Vesugnafjme 
auf bas praftifd)e ßeben. 

4. gielbetoußte Übung ber Aufmerffamfeit unb ber Sinne, befonbers 
bes ®efid)ts--, ©et)ör-- unb Saftfinns, unb 3Bedung bes Sntereffes. 

5. Pflege ber Anfdjauung burd) möglid)ft fiele Sinne unb Seilfinne, 
unb groar fo, ba$ bas Angefdjaute einen ftarten 9ieig auf bie 6inne aus-- 
üht unb barum unoenoifd)bare ©puren im C&eifte gurüdläßt. 

6. Veranfd)aulid)ung oon Gegriffen unb Urteilen in breiter, brofti-- 
fdjer gorm. 

7. Unausgefefete Übung bes erfaßten Stoffes als ©etoöfjnung für bas 
fpätere Seben. 5lEe Untertoeifungen gefdjeljen, toas bie Art ber Darbietung 
unb ben 6toff betrifft, in birefter Anlehnung an bas praftifdje Sebem 

8. AEfeitige fefte Verknüpfung bes fid)er ertoorbenen Stoffes mit 
bem alten. 

9. häufige 2öieb erklungen bes gelernten Stoffes oon ben erften An= 
fangen an, 

10. (£rgief)ung &u felbfttätiger, befonbers aud) barfteEenber Arbeit in 
allem ilnterridjt. 

11. Antoenbung einer natürlichen, einfad)en, auf bas genannte Qul 
Iosfteuernben Stftetl)obe in ben oerfd)iebenften Unterrtd)tsfäd)em, bie aEes 
blenbenbe Veimer! oermeibet unb nur roafjre, ernfte Arbeit ift unb förbert. 

12. (Erjiefjung gur 9teinlicf)!eit, Orbnung, ^ünftlidtfeit, Sittfam!eit, 
£öflid)feit, SparfamJeit u. a. burd) immerroährenbe Übung in ber 
Jpilfsfdjule." 

©ann oerbreitet er fid) über ben 2et)rplan im allgemeinen unb I)ebt 
hierbei Terror, ba§ ©runblage aller arbeiten in ber £ilfsfdmle eine gefunbe 
(£lementarmetf)obe unter Vead)tung unb Amoenbung ber oor!)in ermähnten 
$fter!fä&e bleiben muß. hierauf erörtert er in üiierfidjtlidjer 3ufammen= 
fteEung bie Stufen= unb ^taffenbilbung in ber ipilfsfdjule unb tommt bann 
auf bie toödjentliaje Unterridjtsgeit unb bie ßctl)l ber Unterridjtsftunben §u 
fpred)en. Sdjlteßlid) läßt er feinen 2Begtoeifer burd) ben Sefjrftoff folgen, 
toorin er fia) über fämtlid)e £el)rgegenftänbe bes £ilfsfdmlunterrid)ts in 
eingebender 3Beife äußert. ©er SBegmeifer bietet gugleid) eine oor^üglidie 
Stoffoerteilung für bie einzelnen klaffen ber £ilfsfdmle unb bringt aua> 
eine SOtage beadjtenstoerter mett)obifd)er £intoeife für bie Vefjanblung. — 
©ie Ausführungen laffen ernennen, ba% ber Verfaffer planmäßig, gielbetoußt 
unb praitifd) oorgel)t unb baburd) ben ipilfsfd)ullef)rfräften nad) 2Röglid)= 
feit eine (Erleichterung in ber ferneren Jlunft ber Vilbungsarbeit an ben 
Sd)toad)begabten bieten roiE. 

©er Ratgeber bietet in ber £auptfad)e einen Veitrag gum Verrieb bes 
erften 2efeunterrid)ts mit befonberer £eroort)ebung ber fpred)tedmifd)en 
Seite, (£r mad)t uns befannt mit ber £aut= unb £autbilbungslet)re nad) 
t>erfd)iebenen 9ttd)tungen t)in unb gibt brauchbare Anleitungen unb Jptn^ 
roeife in biba?tifd)er unb mett)obifd)er Ve^ietjung. 2öid)tig ift ber Sßlan für 
bie Veljanblung jebes (Ein§ellautes unb bie Anleitung gur richtigen Vil* 
bung ber Saute, ©iefe Kapitel bieten eine $üEe oon Anregungen unb 
befunben reidje praltifd)e (Erfahrungen bis auf bie elementarften ^leinig» 
feiten. 3m aEgemeinen fann man ben Ausführungen bes Verfaffers ju* 
ftimmen, ba fie bie C&efe&e ber 2autpr)t)fiologie unb Sßr)onetif richtig betoer» 
tcn unb gur Anmenbung bringen. Aud^ bie Darlegungen über ben Vor= 
gang bes Sefens laffen genaue unb richtige Folgerungen erfennen unb Ijeben 
einzelne mistige ©runbfä^e !lar l)eroor, bie fia; rea)t pra!tifa^ ertoeifen 
bürften. ©er ©runbfa^: Vom (Eingellaut gur Sautfolge, oerbient aEfeitige 
Vead)tung, ba feine Vefolgung bas ridjtige ßrfaffen unb 9flad;bilben ber 
(ginjellaute unb ber Saatfolgen getoä^rleiftet unb für bas 9*ed)tfd)reiben 



— 71 — 

von größtem Sftu&en fein urirb. Überhaupt voixb bie intereffante 6d)rift 
iebem £ilfsfdjullef)rer gute Sienfte leiften, namentlid) aud) für bie $voedt 
ber SBeljanblung oon 6prad)ftörungen. 

2)er anfd)aultd)e $fted)enuntetrid)t ftellt eine beachtenswerte 9ted)en s 
metljobe für bie £ilfsfd)ule bar, #. begeid)net nid)t nur alte unb neue 
SBege für bie 93eranfd)aulid)ung ber ^edjentätigfeiten, fonbern entmicfelt 
unb erklärt aua) bie Keinen unb fleinften 6d)ritte feines 93erfal)rens in 
intereffanter 2Beife. Namentlid) ift es il)m barum %u tun, ein t)on il)m 
früher befd)rtebenes unb begrünbetes ©runbgefeij beim Unterrichte <5d)voa(^= 
begabter — bas (öefetj ber Trennung naa) 3 e *t unb 9taum — folgerichtig 
burdjgufüljren. ©iefes fdjeint iljm aua) im großen unb gangen gelungen 
gu fein, menngleidj bie ^Inmenbung mancher betriebenen 2Bege unb 93er* 
anfajaulidjungen auf Söiberfprud) ftoßen bürfte, fo namentlid) fein 9ßer= 
fahren bei ber herauf djaulidmng ber leidsten Senfaufgaben. Sonft aber 
ift bie Arbeit oon feltener ©rünblid)feit unb erfdjöpfenber Sarftellung 
unb toirb in ber £ilfsfd)ule mit großem 9ftu&en gu gebrauten fein. 

2)er 6a nbtif 5 d) ^bietet eine brauchbare Anleitung §ur Anlage unb 93e= 
nu&ung bes 6anb!aftens im ipilfsfdjulunterridjte. Sie ipinmeife erftreden 
ftd) auf alle Unterridjtsgegenftänbe unb erfa^einen burdnoeg praftifd) unb 
gtoeclmäßig. 

SQlurtfelb ift beftrebt, (örunblagenfür befonbere £ 1 1 f s= 
fcpulbüd)er gu bieten, mie feine £ilfsfdmlfibel, fein £ilfsfd)uilefebudj, 
feine 9fted)enbüd)er, fein ilbungsftoff für bm 9ftecfytfd)reibunterrid)t unb fein 
Sielt gionsbud) bereits foldje Hilfsmittel barfteHen. ^olgenbe ©ebanfen burd)= 
gießen feine Darlegungen: „ßuft unb ^reube am Unterricht gu fd)affen, 93erücf= 
fid)tigung ber 3Befensart bes fd)toad)begabten Hinbes l)inftd)tlid) ber Stoffaus* 
mal)l anguba^nen, 9lid)tlinien für Anorbmmg unb 93el)anblung bes Stoffes &u 
geben, eine enge SBerbinbung ber einzelnen Unterrichtsfächer Jjerbeijufüfjren 
unb baburd) eine beffere 2)urd)bringung bes Stoffes gtoeds §erftellung 
eines in ftd) gefdjloffenen ©ebanlenlreifes ju ermöglichen." (Einlettenb 
befaßt er fid) mit ber SBefensart ber ipilfsfdjule unb lommt bann gur 93e= 
fpredjung ber einzelnen £el)rgegenftänbe, inbem er junädjft bie ©runbfä^e 
für ben betrieb jebes Unterrichtsfaches entmidelt unb hierauf bu Stoff* 
plane bringt. Am 6d)luffe folgen Ausführungen über bie gortbilbungs» 
fdjule für Sdnoaajbegabte, erft allgemeine SSemerlungen, bann befonbere 
£inmeife über bie einzelnen Unterrichtsfächer unb fd)ließlid) 6toffpläne 
für 2ebens= unb 33ürgertunbe unb für 9tedmen. — £ro& ber eingangs er» 
mahnten Abfidjt bringt bas 93udj manche beadjtenstoerte Fingerzeige für 
bie £ilfsfd)ulpäbagogil, namentlid) in ben (örunbfä&en. 

3)ie Jpilf sf d)itle erhielt nun aud) burd), b e f) ö r b 1 1 d) e 
$erorbnungen unb (E r I a f f e eine immer beftimmtere < 3lus= 
geftaltung nac^ intern (£fyara£ter unb iljrer (Einri^itung. 3)er (S r = 
Ia§ bes preußtfd)ien Unterridjitsminifters t)om 2. 3anuar 1905 
— U. III. A. 3204 — fcfyuf in biefer SBegiefyung gerabegu grunb= 
legenbe 93efttmmungen oon töeifttragenber 33eibeutung. (£r tybt 
pnädjft Ijeroor, baß bie ^ilfsfdjiule feine ^R ad)il) t If ef d) ul e fei unb 
barum aud) nidjjt bas Qid oerfolge, bie il)r anvertrauten ^inber 
ber 3SoI!6fd)uIe tüieber gugufüljren. (£r befürmortet töeitgeljenbe 
inbiüibuelle 33e^anblung ber Kinber unb bie (Sinrid)-- 
tung con ! I e i n e n klaffen, betont ben 9Bert einer guten (£r-- 
gieljung unb bie 33orbiIbung gur (Er m er bsf öl) ig fei t. (Er 
gibt bes roeiteren ^roedmäßige ^Inraeifungen für bie $ertei = 
I u n g ber ^inber auf bie einzelnen klaffen ber ipilfsfdjule, be- 



— 72 — 

fürroortet ben $iustaufd) in einzelnen Unterrirfjtsgegenftcin-- 
ben unb roarnt oor einem §o auftreiben ber Serngiele. 2)er 
Sefyrplan fei jäl)rlid)i mit ben ßrgebniffen ber praftifdjen (Erfah- 
rung p üergleidfyen. (Eine Trennung ber C5efd)Ied)ter 
tonne unterbleiben; 6d)ul--, 6piel= unb $lrbeitsftunben muffen 
^roedmäßig abroeäjfeln, unb 6pagiergänge feien häufig p unter- 
nehmen. 3um 6d)luffe roeift er auf bas bisherige erfreulidje 
3ufammenrotrfen aller beteiligten in ben £ilfsfd)ulfragen 
§in unb gibt ber Hoffnung einer ferneren gebeipdjen (Entroicf-- 
lung ber £ilfsfd)ule $lusbrud 

3ur weiteren Klärung ber £ilfsfd)ulfrage trugen aud) pei 
Üterarifdje 2Berfe bei, bie beibe im Safjre 1905 erfdjienen: 
SRaennel, Vom §ilfsfd)!ulroefen, ßeipgig 1905, unb 93 ös-- 
bau er, 9JUflas, ©äjiner, £anbbucfy ber 6(fymail)!finnigen= 
fürforge, 2Bien 1905. 3n beiben Vüäjern roirb bas ipüfsfd)ul= 
roefen nadj oerfdyiebenen 9tiä)tungen f)in eingerjenb beleuäjtet, 
überall mit grünbliäjer 6ad)£enntnis unb roeifer iperoorfyebung 
etroaiger Verbefferungsoorfcfyläge. StRit biefem 3at)re begann 
auty ber „§eilpäibogogifd)e ^alenber" (§ilfsfd)ulfalenber) p er= 
fd)einen, ber fortlaufend püerläffiges ftatiftifctjes Material bietet 
unb ein beutlicfyes Vitb oon ber Jpilfsfdjulberoegung jebes 3al)res 
gibt. SUn ber £»anb biefes 93üä)leins ift es möglid), ben jäljrlicfyen 
3uroad)s ber ipilfsfdplen feftguftellen, bie 3 un ^me ber literari-- 
ftfyen (Erfd) einungen, einfcfyliellid) ber £el)r= unb Lernmittel, ken- 
nen p lernen, foroie Kenntnis oon ben befyörbliäjen Verorbnun= 
gen, gefefelidjen Veftimmungen ufro. p ermatten. 

Um ben ©ebanf en ber £ilfsfä)ute in immer ro e i t e r e 
Greife p tragen, fyxt ber Vorftanb bes Verbanbes es taftooll 
üerftanben, aus ben Sfteifyen mafrgebenber Sßerfönliäjfeiten Vor= 
tragenbe für feine Sagungen p geroinnen. 6o rourben p ben 
Vorträgen herangezogen €r§te, $ed)tsgelel)rte, Verroaltungsbe-- 
amte, ßefyrer ufro. Silußerbem roaren bie Sfyemen otelfadt) fo ge= 
roäfylt, bafj fie nitfyt nur bas Sutereffe ber Sßäbagogen, fonfoern 
aud) bas anberer Greife in $infpruä)! nahmen, 3)urd) Verbreitung 
feiner Sagungs beriete, foroie burd) Überfenbung befon= 
berer üftunbf <fyr eib en an 6täbte, Vefyörben ufro. fyat er un= 
ermüblid) für bie §ilfsfd)ule geroorben, unb mand)e ©rünbung ift 
feiner Anregung unb feinem (Eingreifen ppfdjreiben. (Ebenfo tjat 
er bie entfäjieibenben 6d)ritte für eine beffere V o r = unb 91 u s = 
b Übung ber £ilfsfd)ullet)rMfte in bie SBege geleitet, fo baß 
an t)ielen Drten, roie g. 93. in 93onn, 5>üffelborf, Breslau, Verlin 
ufro., Sefyrgänge für biefe 3roecfe eingerichtet rourben. 2)urd) 
güfylungnafyme mit oerroanbten Vereinigungen fudjte er $inre= 
gungen p geroinnen, aber aud) bafelbft feinen (Einfluß im 3nter= 
effe ber £ilfsfd)ule geltenb p mad)en. 

2)ie innere (Entroicflung ber £>ilfsfd)>ule rourbe burdfy eine 



— 73 — 

^eifye toertooller ^uffätje ber ^Jac^äeitfdjrift geförbert, bie eine 
6ammeIfteHe für einfd)Iägige $erb^fentiid)iungen aller SUrt btlbet. 
SBiele berfetben weifen unoerfennbar ein tieferes (Einbringen in 
bas SBefen ber £üfsfd)iulmetl)obi£ unb rotff enf d) af tltd) es (Erfaffen 
bes £ilfsfd)!ulgebanfens auf, ^Is eine gang fyeroorragenbe (£r= 
fdyeinung toiffenfdjaftlidjer Arbeit ift bas „(En^ftopäbifcfye £anb= 
bud) ber £eiIpäbagogif " oon 2) a n n e m a n n , 6 d) o b e r unb 
6 dj u 1 1 e ftu nennen (£»aEe 1911), bas eine umfaffenbe 3)ar= 
fteUung bes gefamten ©ebiets ber ipeilpäbagogif bietet unb einen 
guoerläffigen güfyrer unb Ratgeber für äße gragen bes £ilfs-- 
fdjuftoefens abgibt. (Einen getoiffen 2Bert für metfyobifdje ftvot&e, 
insbefonbere für ben ^l n f a n g 6 u n t e r r i d)> t , befi^t bas SBer! 
oon $ e r b e r i d) : 2Jtett)obi£ bes G<fytoa4fittnigenunterrid)ts, 
2)onautoörtI) 1910. $lud)i bie £ilfsfd)ui£unbe oon 33 r u n s unb 
Timmen, Dlbenburg 1912, oerbient 23ead)itung; fie toirb gum 
ßtoede ber (Einführung in bas £>ilfsfd)ulgebiet gute 2)ienfte leiften. 

iperberid)s 93ud) möchte ben 2el)rträften an §ilfs= unb Anftalts* 
faulen als ßeitfaben bienen, aus bem fie einerfeits neuen äftut 
fd)öpfen bei eintretenber Verzagtheit, bem (ie aber aua) anberfeits oieles 
entnehmen tonnen, toas fie neben bem eigenen SBiffen beim Unterrichte 
oertoerten toerben. Vefonbers miH es ben Anfängern ben langen, mü§* 
famen 2Beg bes 6elbftfinbens bei ber ßöfung fdpieriger Unterrid)tspro= 
bleme erfparen. 2)as 2Ber! gliebert fid) in gmei Seile, allgemeine 
unb f p e i i e 1 1 e 9JletIjoMi 3m erften Seile enttoidelt ber 93erfaff er bie 
bibaftifdjen (örunbfä&e bes £eüunterrid)ts, fprid)t oon ber 93egrtffsentunci= 
lung, bem Unierridjtsgang, bem £el)roerfat)ren, ber ßefyrform, bem Vor= 
trag, ber (Ergäfjlung, ber Vefdjreibung, bem Vormaäjen unb Vorfpredjen, 
ben fragen, ben Anttoorten unb Aufgaben, um bura) biefe Ausführungen 
bie Sonberforberungen ber ipeilpäbagogif §u begrünben. 3nt smeiten Seile 
verbreitet er fia^ über bie einzelnen £el)rgegenftänbe bes Sd)mad)finmgen= 
Unterrichts: Vorübungen, Religionsunterricht, Anfd)auungsunterrid)t, bm 
beutfajen 6prad)unterrid)t, ben Unterricht im Rechnen unb in ber fformen= 
le^re, ben &ealienunterrid)t, 6d)önfd)reiben, Seiten, ©efang, Surnen unb 
£anbarbeitsunterrid)t. (Er bringt aud) Veifpiele aus ber ^ßragis unb be= 
fajränft fid) nidjt blofj auf nadte Ausführungen allein. SBertooll finb bie 
enttoidelnben ©ebanten, bie er bei ber (Erörterung ber einzelnen Unter« 
rid)tsfäd)er jebem Se^rgegenftanbe oorausfd)idt. Sie Vertoenbung oon 
£el)rmitteln roirb gleichfalls gebüljrenb berüdfid)tigt, ebenfo bie einfdjlägige 
ßiteratur genügenb herangezogen. 2>er Anfänger toirb bas 23ud) mit Ritten 
gebrauchen tonnen. 

Sie £ilfsfd)ulfunbe oon 33 r u ns unb ff i m m e n ift eine gefd)idte 
3ufammenfteEung oon £ilfsfd)ulorganifation unb §tlfsfdjul- 
päbagogif. 6ie umfaßt einen allgemeinen unb einen fpegieUen Seil. 
2)er erfte beljanbelt l)auptfäd)lid) Organifationsfragen unb ber gxoeite bie 
ßeljrgegenftänbe ber £ilfsfdmle. 5)ie Verfaffer moEen mit i^rer 6c^rift 
ein Hilfsmittel aEen benen bieten, bie fid) mit bem £ilfsfdEmltoefen praJtifcl) 
ober theoretifd) ju befa)äftigen gegtoungen finb. ffadjmänner, bie fid) im 
^ilfsfdjultoefen befonbers betätigt f)aben, merben bei ben Ausführungen 
in ben Vorbergrunb geftellt unb il)re Anfic^ten unb Meinungen aus iljren 
Arbeiten be!annt gegeben, ein jeber auf bem i^m eigenen ©ebiete. S»em 
ßefer bleibt es überlaffen, fid^ feine eigene Anficht auf ©runb biefer ©ar= 
fteEungen gu bilben. 

^m toertooßften aber ift bas bereits genannte 93ud) oon 



— 74 — 

g u d) s : 6dpad)finnige Kinber, ifyre fittltdje, religiöfe, intettef* 
tuelle unb umtfd)aftli<fye Rettung, $erfu<fy einer §ilfsfd)ulpäb= 
agogif, 2. Auflage, ©üterslof) 1912, bas in feinen brei Seilen — 
bie (£efdj)id)te bes ijMlfsfdjultöefens, bas £tlfsfd)ulfinb unb bie 
£ilfsfd)ulpäbagogif — eine umfaffenbe, tütffenfd)aftltd);e 3>arftel= 
lung alles 2BiffenstDerten bes £ilfsfd)Ulgebietes bringt, 

2)es weiteren üerbienen an tiefer Stelle nod) einige Sdfyriften 
ärgtlid^er SBerfaffer (Ertoäljnung, bie in tnelfeitiger 2Beife bie 
pfndjopatfyiftfyen SRinberroertigfeiten gur (Erörterung bringen, in 
ber ipauptfacrje jebod) eine ^Beantwortung ber grage bieten: 28 i e 
f i n b bie e r g i e l) li d) e n u n b u n t e r r i d> 1 1 i d) e n 501 a fc = 
nahmen ben t>eränberten93ebingungen bes ab* 
normen ©efytxns. angupaffen? 

SBanfe, Sßfnäjiatrie unb ^äbagogif. 2Biesbaben 1905. — £ er- 
mann, ©runbtagen für bas Skrftänbnis fronf^after Seelensuftänbe (pfn= 
d)opatt)ifd)er 2Jünberroertig!etten) beim ^inbe. £angenfalga 1909. gmeite 
Auflage 1911. — % u c g e E , Sßfgajopattjologie unb Sßäbagogif. (Eaffel 1910. 
— Stro^mener, Vorlefungen über bie 'ißftjdjopatljologie bes 5Unbes» 
alters. Tübingen 1910. — S d) o l & , anomale Äinber. Berlin 1912. — 
A n t o n , (Entmid: lungsftörungen beim Slinbe. ^Berlin 1908. — 3 i e 6 e n / 
2)ie (Erkennung bes 6d)toad)fimts im 5linbesalter. SBerlin 1909. 

3B. fud)t nad^utoeifen, toieoiel ber Sßäbagoge oon ber Spfndnatrie 

miffen muft, um bei feinem (Er^ieljungsroerfe pfna)ifa>abnorme 3 u ftänbe 

unb bie baraus ftd) ergebenden ipanblungen fo früt) rnte mögltd) als fold)e 

%u er!ennen unb gu roürbtgen. f$ft)d)agogir\ — ip. bringt, bem Stanbpunft 

ber miffenfd)aftlid)en (Erkenntnis entfpreajenb, alles bas gur SarfteÜung, 

mas als gefid)ertes (Ergebnis bem (Ergief)er oon Sftu&en fein Jann, bamit 

er fein päbagogifajes Snftem bes Snbünbualifierens aufzubauen oermag. — 

£. geigt, tote $fnd)opatl)ologie unb Sßäbagogi? in innigem, gebenbem unb 

empfangenbem 2Bed)felüerl)ättnis gueinanber fteljen muffen. Sie Sßft)d)ia» 

trie foll bie Unterlage für eine inbiotbualifterenbe Sßäbagogi! bieten, unb 

bie Sßäbagogtf fott ben Argt, ber oielfad), zumal bei ber SBefjanblung fernen« 

leibenber, mit päbagogtfdjen ©runbfägen arbeiten muft, unterftü&en. — 

6t. Derbrettet fid) über bas ©efamtgebiet ber pfnd)opatl)ifd)en 9JUnber= 

Wertigkeiten unb beljanbelt bie lexajteften feelifdjen 9tegelwtbrigfeiten bis 

gu ben ooUenttoidelten (Seiftesfran!f)eiten bes ^tnbes. ©er Sajroerpunft 

feiner Darlegungen liegt in ber (Erörterung ber $rage, in melier 2Beife 

ftd) auf bem ©renjgebiete ber abnormen ^tnberfeelenhtnbe bie Anteile bes 

"ißft)d)iaters unb bes Sßäbagogen gegeneinanber abgrenzen laffen. — Sdj. 

beljanbelt gleichfalls bas ganze ©ebiet ber getfttgen 9flegelroibrig!etten ber 

5Unber. Seine Ausführungen ftellen gettriffermafjen ein gemeinüerftänb= 

lid)es Se^rbua) ber ^fndjiatrie bes Sugenbalters bar. — 51. \)ebt in feinen 

Ausführungen bie pra!tifa^e iBebeutung ber (Entroitflungsftörungen ge= 

nügenb ^emor unb gibt 9ftid)tlinien für bie ri^)tige unb redjtjetttge ©r= 

lennung unb ^Beurteilung ber (£r!ran!ten, foroie Mittel unb 9Bege §ur 

mir^famen Vorbeugung ber Störungen. 3n einer fpäteren Arbeit oom 

3al)re 1918: 3«^ 33e^anblung unb (£rätej^ung ber %uxü tfg eblt ebenen unb 

entarteten ^tnber, Sangenfalja, merben btefe fragen nod) etngejenber er= 

örtert. — 3- beantwortet fad)gemä§ bie ^rage: An melden !örperlia^en 

unb getftigen Symptomen ernennen mir beim ^inbe fdjon in ben erften 

3a^ren ben angeborenen Sa)toaa;ftnn ? 

SUls 6ammelftelle für literarifdje (Er fd) einungen 
auf bem (Gebiete bes Sdjtoa^finnigenbilbungsroefens, für 2 e l) r = , 



— 75 — 

Sern-- unb fonftige Hilfsmittel ufw. fjat ber $erbanb ein 
„2>eutfd)es §ilf sf ctyulmuf eum " eingerichtet, welches, 
feit 1911 mit bem 6d)ulmufeum ber Statt gyannooer oerbunben 
ift. (Ein ^Rufeum für S<fywiad}finnigenbilbung mit folgenben Ab- 
teilungen: Ardjin, 33ibliott)ef, £el)rmittel unb Sd)ülerarbeiten 
ufw. fyxt Anftaltsleljrer R i r m ß e , 3bftein i. Taunus, begrünbei 
©efonbers bie erfte Abteilung biefes Stftufeums ift fd)on ^iemlidy 
reichhaltig ausgefluttet unb weift foftbare Sd)ät}e auf, 

(Eine gefe^lidje Regelung bes ipitfsfd)iulwefens ift in 
einigen Staaten aud)j bereits erfolgt 93efonbere |> i l f s f ä)i u l = 
g e f e £ e beftetjen in SBürttemberg (oom 17, Auguft 1909), in 
Dlbenburg (oom 4. ^ebvuat 1910) unb in 33aben (oom 7. 3uli 
1910), 2)as ©efefe über bas 2) i e n ft e i n I o m m e n ber Setjrer 
unb ßerjrerinnen an bm öffentlichen ^Boltsfcfyulen in Sßreußen oom 
26. 2Rai 1909 gebaute ebenfalls ber §ilfsf^unel)irfräfte. § 24 
Abf. 4 lautete: „3)en SefyrMften, bie an befonberen $eranftal= 
tungen ber ^olfsfcfyute für förperltd)| ober geiftig nid)t normal 
üeranlagte Sli'nber ooH befcrjäftigt finb, fönnen Ä m t s § u l a g e n 
gewährt werben. 5)en Sd)ult)erbcinben bleibt bie SBeftimmunß 
darüber überlaffen, ob biefe Amts^ulagen penfionsfärjig fein 
fönen." 

2>as ^otgefefe oom 7. 9CRat 1920 gewährte ben ipilfsfd)tuk 
lefyrern 800 äft. rurjegefyaltsfäf)ige Amtsgulage unb bm lebens= 
länglicfy angefteltten ipilfsfdjulleitern nocr) eine weitere oon 
800 Slft. 5)as ^olfsfd)ullel)rer--5)ienfteinfommengefefe com 17. 'De- 
zember 1920 reifyt bie £ilfsfcr}uller/rer in ©ruppe 8 ein, mit ber 
Auf rüdungsmö gliedert nad) feruppe 9. Sie lebenslänglidji an= 
geftellten ßeiter ber ^Botfsfdjulen für förperlicfy ober geiftig, nicfyt 
normal oerantagte ^inber mit trier ober mef)r auffteigenben S^laf= 
fen fommen fofort nad) ©ruppe 9. Aucfy biefes ©efet) meibet nodj 
bie 35egeid^nung £ilfsfd)ule. 

S)urd) müfyfame Arbeit unb triele (Erfahrungen rjat bie §ilfs= 
fdjule ftd) allmärjlid)) §u bem ausgebaut, was fie rjeute ift — eine 
$ werf mäßige (Eraiet)ungs = unb 93ilb un gsftätt e 
für f d) w a cfy finnige ^inber. 3t)te ÜBirffamfeit fyat es 
erroiefen, baß es rrtögXiä)! ift, fd)wad)finnige Slinber für bas Qtben 
aus^ubtlben. 6ie f)at eine Unterrid)tsmetl)obe gefdjaffen unb 
trielfad) wiffenfcfyaftlid)! begrünbet, bie in iljren 3ielen nid)t wefent- 
lid) oon ben allgemeinen abweisen will, bie aber fonft bie ein- 
fachen SBege gur (Entwidlung ber geiftigen Gräfte befcfyreitet, 
ben Unterrtd)tsftoff in feiner 23efd)iaffenl)eit ber geringen £ei= 
ftungsfärjigfeit unb (Eigenart ber geiftig minberwertigen Sdjüler 
angupaffen fuc^t unb bas in engen ©renken bleibenbe ©eiftesleben 
nad) 9JiögIid)leit gu entfalten ftd) beftrebt. (ünt\pxtd)mb ber oer-- 
langfamten ©efamtentroidlung i^rer 6d)üler mäßigt fie bas 
Unterrtd)ts3eitmaß, berüdftd)tigt babei bie feelifd)e ^Berfaffung 



— 76 — 

jebes einzelnen S^inbes nadfy SKöglidJfeit unb forbert Heine klaffen 
unb freie 23emegimg innerhalb bes 2el)rplanral)mens, 3)as alles 
fyat fie in to t f f e n f d) a f 1 1 1 d) e r SBeife auf bem ÜBege bes Stu- 
diums, ber ^Beobachtung unb ber ßefjrtätigfeit erarbeitet unb ba= 
bei müfye- unb bornenooEe Söege äurücfgelegt 3l)re gefiederten 
(Ergebniffe beginnen nunmehr aud) auf bie aHgemeine ftäbagogif 
günftig prücfsumirfen unb iljren Hinflug in mandjer 33e^te|ung 
geltenb §u rnadjen. 3)ie ©runbfä&e oon ber elementaren 
unb anfdjaultdjen Raffung bes Unterrichts, oon ber § a n b -- 
betätigung, t)on ber 6 o n b e r u n g ber 6 d) to i e r i g = 
feiten, oon bem ^Betriebe eines vernünftigen 6ad) = 
unb Sprachunterrichts ufm. faff en bereits aud) bort fiufc 
unb werben ficfyer mit §unel)menber ro tff enf d) af tlid) er 93egrünbung 
nod) mefyr (Eingang finben. Saugte bie £ilfsfd)ule iljre §ilfsmit= 
tel unb 9ftetl)oben pnäd)ft teils von ben ^nftalten, teils von ben 
$olfsfd)iulen entleihen, fo ift fie je£t bereits auf bem beften $Bege, 
bas (Empfangene mit 3tafen ^urüäperftatten, Sftaennel be= 
fyauptei fogar, baß bie £ilfsfd),ule als ein päbagogifcfyes Seminar 
im meiteften Sinne allen Sdjulen bienen tonnte, 

3n ber ipilfsfcfyule mir! en Gräfte/ ber oerfd)ieben = 
ften 9^id)tungen, urie Sßäbagoge, ^rgt, Seelforger unb 
(Elternhaus, in erfreulid}er 2Beife miteinanber unb beeinfluffen 
baburät) t)orteilt)aft bas Arbeitsgebiet, Sß f t) d)> i a t r i e , SR e u r= 
ologie, (E n t to i cf l u n g s l e l) r e , ^inberforfdjung, 
ejp er im einteile Sßf t) d) o lo gie, Spr ad)t) eilfunb e 
ufto. finben in ber ipilfsfdjule ein intereffantes ^orf^fUngsgebtet; 
aber biefe ^Biffenfcfyaften werben aud) burd)i bie feitens ber Sßäi>= 
agogen in ifyr gemalten ^Beobachtungen unb (Erfahrungen |eil= 
fam beeinflußt unb ergängt Selbft bie SUrcfye l)at Kenntnis 
von ben ipilfsfcfyulbeftrebungen genommen; fie ift auf unfere $or-- 
d)läge begüglid) bes Slonfirmanbenunterricfyts in fet)r entgegen-- 
bmmenber 2Beife eingegangen, wie bies eine Verfügung bes 
königlichen ^onfiftoriums ber Sßrooing SBranbenburg über ben 
^onfirmanbenunterrtdjt 9^inberbegabter com 3al)re 1913 beut= 
lidj gum SUusbrude bringt 

„1. Minderbegabte Slonfirmanben merben in befonberen Abteilungen 
unterrichtet, unb gtoar Knaben unb Stftäbajen gemeinfam. Sie 9loxmal%af)l 
einer Abteilung betrögt 25 ^inber. 2, 3n ben unter 1 bezeichneten Ab* 
teilungen toerben unterrichtet: a) bie ^inber aus ben oon ber 6dmle ein» 
gerichteten klaffen für Gajujaa^begabte, b) bie ^inber aus ben klaffen ber 
Unterftufe, c) jofern es gtoectmäfjig erfdjeint, auc^ Slinber aus bem unter= 
ften 3öf)rgang ber SRittelftufe. 3* ©er Unterricht in ben unter 1 be§eia> 
neten Abteilungen roirb toödjentlid) jtoeimal in abgewürgten 6tunben gu 
ben für ben ^onfirmanbenunterriajt feftgefeijten 3^iten ober in ben Btüly 
ftunben erteilt 4, a) 3)er Unterricht ber ntinb erbegabten ^onfirmanben 
einer ©emeinbe !ann einem ©emeinbegeiftlic^en auf feinen 2öunfdj bauernb 
ober für mehrere 3al)re übertragen toerben, anbernfaHs unterrichten bie 
©eiftlidjen ber ©emeinbe im regelmäßigen 9Bed)fel je ein 3a^r. b) 3ft 



— 77 ~ 

bie 3 a ^ &er minberbegabten Slonfirmanben einer ©emetnbe ju gering, 
um eine befonbere Abteilung %u bilben, fo finb fie bem Shtrfus einer $1 a d) = 
bargemeinbe §u§ufüf)ren, ober es toerben bie minberbegabten ^inber 
mehrerer benachbarten (Semeinben gu einer Abteilung gufammengefcfyloffen. 
Auf bie (Erteilung bes Unterrichts in folgen Abteilungen finben bie 93e= 
ftimntungen unter 4 a finngemäfje Anmenbung. c) 5)er unterrxdjtenbe ©eift= 
Iic§e fegnet bie minberbegabten ^onfirmanben gemeinfom mit ber Abtei- 
lung feiner anberen ^onfirmonben ein. d) 2)ie mit bem Unterricht min» 
berbegabter ^onfirmanben beauftragten (öeiftlidjen finb nid)t oerpflidjtet, 
roöct)entlicf) me^r als aa)t ^onfirmanbenftunben im gangen §u erteilen. 
5. äRtt ber Ausführung ber oorfte^enben 33eftimmungen finb bie Ferren 
Superintenbenten beauftragt" 

3tucfy triele 2R.änner ber 9Bif f enf d) af t, röie 3. 93. 
Sßrof. Dr. % u c i e i , Harburg, Sßrof, Dr. 2B e r> g a n b t , §am= 
burg , ^rof. Dr. 3 * e fy 8 n , $aEe a. 6. , Sßrof. Dr. 93 9 1 , 
SBiesbaben u. a., fyaben fidt) in ben SHenft ber £ilfsfd)uifad)e ge= 
ftettt unb burd) 3Bort unb 6d)rift für unfere 93eftrebungen Seit-- 
narjtrte befunbet. 3)ie Sagespreffe bringt trielfadji ^Irtilel 
unb ^iuffäfee belerjrenben 3nrjalts über unfer ©ebiet, metft in 
üerftänbiger SBürbigung unferes üftettungsroerfes an ben Sdfttoad)» 
finnigen. 3n biefer 93epefyung muß aber nodymefyr gefdjefyen, benn 
es fyat fid) rjerausgefteHt, baß üielfadt) eine große Untüiffenrjeit über 
bie §ilfsfd)itlen befielt, fo baß felbft ßanbtagsabgeorbnete nid)t 
über fie orientiert toaren. $lud)i ift bie 93egeid)nung |>ilfsfd):ule 
bisher nod) nid)t gefe&lid)! feftgetegt. SBon roiffenfdjaftlidjer 93e= 
beutung ift bie ,,3eitfd)rift für bie (Erforfdjung unb 93erjanblung 
bes jitgenblidjen Sd)road)ftnns auf miffenfd)aftlid)'er förunblage", 
herausgegeben oon ben Sßrofefforen Dr. Sßogt unb Dr. 2Beg = 
g a n b t , Verlag oon 5^ er / 3ena, bie mieberfyolt ifyre Spalten 
ber |>ilfsfd)uie pr Verfügung geftellt bat* 

SBenn man bie Literatur ber legten Sßeriobe mit ben Werfen 
besfelben ©egenftanbes aus bem oorigen Seitraum (1887 bis 1904) 
oergleidjt, fo roirb man einen gang bebeutenben gortfdjritt et= 
fennen — tjier ein gielbemußtes, bestimmtes (Entroideln, bort ein 
taftenbes, oorfidjttges (Erwägen unb 6onbern. (Einen äbnlidjen 
gortfdjritt roeifen aud). bie meiften anberen literarifdjen (Erfd)ei= 
nungen bes legten 3eitraums oon 1905 an auf, man merft ibnen 
beutlid) bie beffere roiffenfdjaftlidje ©urdjarbeitung unb 93egrün= 
bung an, foroie ein tieferes (Einbringen in bie Statur bes ©egen'= 
ftanbes. 3^ erroäbnen finb fyier nod) folgenbe felbftänbige 6d)rif= 
ten: 93 öder, ©ie Heimat unb iljre 93egiebungen gu ^Baterlanb 
unb s 3Mt. (Ein ^Beitrag gur ^usgeftaltung bes $eimatunterrid)ts 
gugleid) für bie SBebürfniffe ber §ilfsfd)ule, ^Breslau 1915; 
2 e b ni , Über ßerntoeifen unb ßerngeiten bei fd)toad)finnigen unb 
fd)töerfd)to ad) finnigen ^inbern, ßangenfalga 1913; ^>. SRöII,5 ors 
jnale unb materiale 3ntelligen^befefte als Hemmungen im erften 
2efeunterrid)te ber 6d)road)begabten unb eine biefen ©efeften an-- 
gepa|te ßefelebrmetbobe, ßangenfalga 1915 ; Löffel, 9^id)t-- 



— 78 — 

Unten für bie 6toffau5toaIj)I im Unterridfyte fd)road)finniger Slinber, 
Sangenfalga 1913; 6 d) r e f f unb Steinhaus, 2)as fdjtoad)-- 
finnige 5li!nb in ber normalen $oIfsfä)uIe, ^Irneberg i. SBeftf. 
1913. 

SBon neuefter ßiteratur finb noä)i folgenbe 6d)riften gu er= 
roä^nen: (Efyofeen, (Einführung in bie Kenntnis ber geiftigen 
6<fyuw<fyeftuftänbe ber ^ilfsfäjüier. $aüe a. 6. 1921, (Earl 90Rar= 
Ijolb. — ©ürtler, Sriebgemäger drlebnisunterrid)t. (£in 33ei= 
trag §ur Sßrarjs ber ipeilpäbagogif unb ber ^Irbeitsftfjule. §alle 
a. 6. 1921, (£arl 9Jtarl)oIb. — ip o r r i i , 33egriffsbilbung unb 
©ebanfenausbrucf in ber §ilfsfd)ute- ipafle a. 6. 1921, (£arl 
SÖfarfyoIb. — ^aa^r 3)ein öorgenfinb. 6ein 2Befen unb feine 
Rettung. §aüe a. 6, 1921, (Earl 2Rarf)olb. 

£>ie Sdjjrift oon (Eijotjen bilbet einen (Ergängungsbanb gu bem 
£anbbud) bes £>ilfsfd)ulroiffens. Söätjrenb biefes Söerfc bie päbagogifa> 
Seite ber Sd)road)fmnigenbilbung batftelit, fo befyanbelt jene Sd)rif t bie 
mebiginifdje unb pfr)d)iatrifd)e SBiffenfdjaft biefes ©ebiets. Sie ift eigent* 
Iid) eine (EinfüEjrungsfdjrift in bie Seiten ber Sßfndropatlrologie für bie 
3roeche ber £>ilfsfd)ulpäbagogth. 2)er 3nf)alt umfaßt folgenbe Kapitel: 
3Der Slufbau bes ■fteroenfnftems — bie normale Sebenstärigheit bes Heroen* 
fgftems ( s $f)t)fiologte unb pfynfiologifdje $fnd)oIogie) — bie (Erkrankungen 
bes ©etjirns — ber angeborene Sdjroadjfinn — bie IReroofität (erbitdje 
(Entartung, pfnd)opatl)ifd)e SJUnberroertigheit — bie £>rifterie — (Epilepfie 
— geiftige 93eränberungen roäfyrenb ber ©efcf)ied)tsreife — ©eifteskranh* 
tjeiten bes ^inbesalters — bie 33erforgung ber abnormen ^inber in ber 
i>ilfsfd)ule. (Es fehlte bisher eine ©efamtbatftellung biefer Sßiffenfdjaft 
für unfere Steche, bestjalb ift es mit greuben gu begrüßen, ba$ nun ein 
facfyfcunbiger 2lrgt ein foldjes SBerh, fpesiell für Sie tfnlfsfdjuliefjrerprüfung 
^ugefdjnitten, bietet. 

(Sürtlers Sdjrift ift Beitrag gur SRettjobih bes Sdjro ad) finnigen» 
Unterrichts. 23erfaffer raeift roiffenfdjaftlid) nad), roie ber Unterricht am 
beften an bas Xriebleben ber i^inber angufdjjließen ift unb geigt bann 
an ausgeführten intereffanten S3eifpielen, roie er aud) burdjgefüfirt roerben 
kann. (Er roill bamit bem Ausbau bes Sd)road)finnigenunterrid)ts bienen 
unb gugleicf) einen Beitrag für bie ^Ejeorie unb Sßragis bes mobernen 
5lrbeitsunterrict)ts liefern. 3)es roeiteren fud)t er nacfyguroeifen, baft unfer 
oieloernannter Spegialunterridjt trotj feiner burd) bie Stnpaffung an bie 
(Beiftesbefdjaffenfyett unferer Sdjüler bebingten Sefdjränhung fet)r roofyl 
bie 3ftöglid)heit gu einer geifterfüllten Sluffaffung unb !$urd)füli)rung 
bietet, felbft auf ben unterften Stufen ber £>ilfsfd)ule. 

i)ie Schrift oon £> o r r i i bietet ebenfalls einen Seitrag gur 3ftetf)obi& 
bes Scfyroacfyfinnigenunterricfyts in berfelben Sßeife roie fein anfcfjaulidjer 
9ted)enunterrid)t in ber £>ilfsfd)ute unb fein Sanbtifd). Sie bringt metfjo= 
bifcfye SBinfce unb ausgeführte fieRtionen gur (Einführung ber ^ilfsfdjüler 
in bas S3erftänbnis unb bie Slnroenbung ber 2ftutterfprad)e. 

2)as Südjiein oon Staat} ift eine SBerbefdjrift für bie ^ntereffen 
ber ^ilfsfc^ule. (Es erfdjeint geeignet, roeitgetjenbe Stufhlärungen über 
bie Arbeit ber $>ilfsfd)ule unb iljre 23ebeutung für (Elternhaus, Sdjule, 
(Bemeinbe unb Staat gu bieten unb baburd) neue greunbe unb Mitarbeiter 
für unfere S3eftrebungen gu geroinnen. 

5<*ft aüe arbeiten bes legten S^traumes laffen erfennen, 
ba| man t)on einer §iIfsfd)uIroiffenfd)aft p fpred)en 
beredjtigt ift. Snfjalt unb Umfang biefer 2Biffenfd}aft erftretfen 



' — 79 — 

icfy $mar auf ein eigenartiges (Bebtet, bas aber nunmehr t)oH= 
"tänbig umrilffen unb abgegrenzt erfdjeini 

9flatürltd) fonnten bie (Errungenfäjaften unb (Erfolge auf beut 
(Gebiete bes §ilfsfd)ultt)efens nur bei einem eifrigen unb fteten 
5o rtf cfyreiten unb Streben ber ^Beteiligten erreicht xo erben, ein= 
jelne Surücfbleibenbe rourben ofyne weiteres mitgegogen. $iud) 
ber 3^uf nad)! einer befferen 2>urd) bilbung ber Sefyrfräfte, 
worauf bad)i fdfyließlidjj bas meifte anfommt, üerfyallte nid)t unge= 
fyört. 3)ie preuftifdje Regierung entfcfyloß fid), fogar ein fyeil = 
p ä b a gi g i f d)i e s 6 e m i n ai r einpridjiten, unb gwar bort, 
wo bie 3ö$I oer ßefyrfräfte in einem ftarl beteuerten (öebiet mit 
Dielen bicfytt beieinanber liegenden größeren Orten auJ3erorbent= 
licfy groft tft. ©0 rourbe benn am 1. ^looember 1913 p (£ffen 
bas erfte Ijeilp öbago gif d)ie 6eminar mit ftaatlid)er Unterftüfeung 
ins ßeben gerufen, in welchem über 100 ftrebfame ^ßäbagogen 
eine grünblidje wiffenfdfyaftlidjse unb jebenfaüs audfy praftifdje 
^lusbilbung fanben, bie leiber burcfy ben $rieg unterbrochen 
würbe. 2)en iptöfyepunft aber fteXlt bie pm 1, Oftober 1914 in 
^raft getretene, oom preußifdjen Unterridjtsminifter erlaffene 
Sß r ü f u*n g s r b n u n g für § i l f s f dfy u II e I) r t r ö f t e bar, 
meldte nid)t nur oon weitgeljeinber SBebeutungi für bie ßefyrMfte 
ift, fonbern aud)i für bie gefamte £ilfsfdplbewegung. 3)ie §ilfs= 
d)iule wirb baburd) in ben klugen ber öligem einl) ei t oiel an $ln= 
e|en geroinnen unb bie £iIfsfd)uIpäbagogi£ bie ^Bewertung einer 
3Biffcnfd)iaft erlangen. 2Bir werben nidjt mefyr wie früher 
als ßaien auf unferem Qkbiet gelten, fonbern als ffixfyimU, bie 
aud) ein 98ort mitgureben fyaben. 

(Bin meiterer (E r l a § bes preufetf^en Unterridjts* 
m i n i ft e r s vom 17. 3anuar 1918 — U III C 9tr. 16 — ^attc für biß £üfs= 
fajuIenttDitflung eine große 93ebeutung. $la<fy biefem ©rlafc burften |>itfs= 
ftfjuttefjrer oJ)ne weiteres bie SfteJtorprüfung ablegen, unb bie ipüfsfdfml- 
leerer, meldje biefe ^Prüfung abgelegt Ratten, erhielten bie 93eretf)tigung jur 
Seitung non £üfsfd)ulen. ©amit mürbe unfer 2Bunfd), bte £üfsfd)ullel)rer= 
Prüfung ber SJttttelfdjuUefyrerprüfung gleitf) %u fteüert, erfüllt. 9tnberfeits 
aber mürbe aud) bie ffrage nad) ber Seitung oon £ilfsfdmlen befriebigenb 
gelöft 

Übet bie (Enttoicf lung ber beutfdjen §iIfsfd^uIbetoegung in 
ben 3al)ren 1904 bis 1912 mögen bie folgenben eingaben eine 
t leine Überfidjt geben. (£s beftanben in % r e uß e n : ' 

1904-05 in 31 ©tobten 400 klaffen mit runb 9 000 Sdjülern, 
1906-07 in 116 Statten 623 klaffen mit runb 13 000 6d)ülern, 
1910-11 in 193 Stäbten 1037 klaffen mit runb 25 000 6a)ülern, 
1912 in 208 Stäbten 1140 klaffen mit runb 28 000 6d)ülern; 

in ganj 5)>eu tf djlanb : 

1904-05 in 143 ©tobten 700 klaffen mit runb 15 000 Gdjülern, 
1906-07 in 195 ©tobten 921 klaffen mit runb 20 000 ©cbülern, 
1910-11 in 267 ©tobten 1544 klaffen mit runb 35 000 ©a^ülern, 
1912 in 285 ©tobten 1699 klaffen mit runb 39 000 ©cplern. 



— 80 — 

3ntereffant bürfte bie folgenbe Überfielt fein, bie bie ©rünbung 
oon frlfsfajulen in seitlicher Bufeinanberfolge bis 1920 naefnoeift. 

1859 $>aUe (SRadföüfeabteüung). 

1860 Gljemnifc (9taa)l)ilfeabteilung). 

1867 Sresben-Bltftabt. 

1868 2>resben=9ieuftabt. 

1874 (Sera* 

1875 G$emm& (2. 9?aä)l)ilfeabteilung), Bpolba (3>ad;l)üfeabteilung). 
1879 (Biberfell 

1881 33raunfa)a)eig, ßeipjig. 
1883 Sortmunb, §alberftabt 

1885 Grefelb, Königsberg il O^r. 

1886 Göln, SReidjenbadj't. 93. 

1888 Badjen, Gaffel, 2)üffelborf, Sübeet , 

1889 Altena, Bremen, grantfurt a, 951. 

1890 (Erfurt, Kaiferslautem. - 

1891 »imar. 

1892 Breslau, Hamburg, £annor>er, SJlagbeburg, Sfflaing, 9ie£fd)tau u $., 
9tforbl)aufen, 6tettin. 

1893 Gljarlottenburg, ©örli£, Sßlauen, 3t»ic!au. 

1894 ©laudjau, ©otfja, Nürnberg. 

1895 «Branbenburg a. b. fr, Gffen a. b. SRuIjt, ©öttingen, SRül^aufen h Gif. 

1896 Carmen, Gifenad), §retentDatöe a. £>♦, Karlsruhe, ßeip3tg«SßIagurifc, 
Süneburg. 

1897 «Bonn, Gottbus, ©rimma, £alle, Ofa)a& (Kgr. 6ad)fen), Sßforgfjeim, 
Sßofen, (Strasburg t. GIf v -3tttau i. 6. 2. 

1898 Bltenburg, ^Berlin, SBremertjaoen, 93romberg, ©an^ig, 2ubttrigsl)aüen 

a. 9i, Sßirmafens, 6tegli&. 

1899 ©armftabt, 2)resben=Gotta, #agen i. 2Beftf v £anau, Sinben b. £anno= 
oer, 3[Reerane (Kgr. 6ad)fen), Ölsnifc i. 93., Osnabrück, 2Bortns. 

1900 Bllftebt i. Spr., 93emburg, 93oma (Kgr. 6aä)fen), ©effau, ©resben- 
Söbtau, ffütti), Königsl)ittte i. 0.=6d)L, £eip&ig=©ol)lis, Sfteiningen, 
9Jtüt)lf)aufen t. £f)ür., äft.=©labbacl), Orb i. 93eg. Gaffel, Sßotsbam, 
6d)0)elTn, Stolp, Söilmersborf b. Berlin, bitten. 

1901 Gisleben, Flensburg, ©ersborf (Kgr* 6ad)fen), Hameln, SRannfjetm, 
90fcülf)eim a. b. Sftuljr, 9totl)enou), 6d)öneberg b. Berlin, 3 e i&» 

1902 Bugsburg, 93ielefelb, 93od)um, ©uisburg, Gberstoalbe, granf fürt a. O., 
gretberg (Kgr. 6ad)fen), griebenau b. ^Berlin, ©elfenftrcljen, ©rün= 
berg i. 6d)L, Harburg, iperforb, £ilbesf)eim, ipirfcfyberg i. 6d)l., Kiel, 
Köslin, £ict)tenberg b. ^Berlin, 2Ründ)en, 9iummelsburg b. Berlin, 
©aalfelb, Strasburg i. IL, Silfit, Srier, Ulm, S^lettborf b. ^Berlin. 

1903 $lfd)ersleben, Gmben, Kircl)berg (Kgr. 6aä}fen), £eip§ig=£inbenau, 
ßübenfäjeib, ^Reiften, 9leu=9iuppin, Offenbad), $eine, Sßöfjnec? i. SI)ür., 
Queblinburg, 6tolberg (9UjH>.), SBanbsbe!, 2ßerbau (Kgr. 6ad;fen). 

1904 93eut^en (0.-Sd)L), ^Blan!enburg, Golmar, ®üren i. 9l^H) v gorft i. b. 
2aufi|, ©ie^en, ©räfrat^ b. 6olingen, ©rauben^, ©rei§, Katton)itj 
(0.-6ö)L), TOilfjeim o. ^ v 9fceu!öEn, Offenburg i. 93aben, 6targarb, 
9Biesbaben. 

1905 Brnftabt, iBanreut^, «Burg b. SRagbeburg, Goburg, Göpenic!, Göp- 
pingen, 3ena, Kai! b. Göln, Krölpa b. 9tanis (S^ür.), ßangenbreer 
i. 9öeftf v Sauenburg i. ^om v 2Refe, SRinben, Unna, 2BaltersI)aufen 
t. Sl)ür v SBeifeenfels, SBilfau b. 3toic!au. 

1906 Bnnen l 3Beftf v SBifd)ofstt)erba, SBismar^ütte, iBrud)fat, Glbing, GHer 

b. ©üffelborf, Gntmerid), gal!enftein i.93ogtl v ge^rbeHin, gran!enberg 
t. 6., greiburg i. «Br v ^antrn, £afpe i. 2öeftf v ^eibelberg, ^eiben^etin, 
£örbe l SBeftf., Kolberg, 2ofd)toi^ l 6 V gjlül^eim-Stnrum, SRünfter 
i. O.-Glf., 9flaumburg, 9leufe a. 3fl§., ^eumünfter, 9Zeuftabt a. b. fr, 



— 81 — 

Leuftabt o. b. Orla, Ofjltgs, Obernfyau t. S v Letnfcfyeib, 2öaIbJ)eim 
i. S., SBalb (9ftf)Ib.), 2Banne, Söafungen, Söerne. 

1907 Slntiam, 93enratf) b. Süffeiborf, SBrife b. Berlin, (Eaternberg, (Ehingen, 
©eoelsberg, £ambom, &of i. 33., £omberg=ipod)l)eibe a. Ltj., 3ltnenau 
i. £f)., 3&efyoe, Kempten, Sanbsberg a. b. 2B., Siegnitj, Sinben a. b. 
Lufyr, ßuctentoalbe, ßünen a. b. Sippe, "iXRarienberg i. Sa., Lbr. 
£ertnsborf, Sßaberborn, Sßanfoto, Sßfor^eim, Leimdenborf, Legens= 
bürg, LJ)enbt, Lottfjaufen, Solingen, Stertrabe, Stolberg i. Lf)lb., 
SBalbenburg i. Scf)l., 2Battenfd)eib, 2Beiba i. 6.-903., SBefel, 2Bill)elms= 
fyaoen. 

1908 (Eaftrop, (Efctjroeiler, ©üben, ©ummersbad), £eibelberg, 3ferlof)n, £id)= 
terfelbe b. Berlin, Sippftabt, harten, SJlinben, Loroaroes, Oberläufen, 
Olbenburg, Latibor, Laroitftf), SFtoftod, Sdjarlen, Sdnnargenborf bei 
^Berlin, Soeft, Sorem, Spanbau, SSölfItngen, SBeiftenfee b. Berlin, 
2Biesborf a. LI)., 2Bür§burg. 

1909 2)elmenl)orft, $ran£entl)al i. ^falg, greiburg i. Schief., grteörtdjs* 
l)agen b. Berlin, gürftenroalbe a. b. Spree, Hattingen, Snfterburg, 
ilreugnacl), £anfroi& b. ^Berlin, ßimburg a. b. 2af)n, Leuftabt (Coburg), 
Lofcberg i. 0.=Scf)l., Lubolftabt, Luftringen i. Olbenb., Saarbrücken, 
Sc^roientodjloroit}, Stenbal, Segel b. ^Berlin, Sreptoto b. ^Berlin, 93el= 
bert. 

1910 $lblersl)of b. ^Berlin, ^Iteneffen, 93orbect, £eilbronn a. L., £erne i. 2B., 
£od)neutucf), S^ran, fünfter i. 3Beftf., ^renglau, Latingen, Luba in 
0.=Sd)l., Uerbingen a. LI). 

1911 ^tüenftein, ^Bamberg, (Eoblenj, Safylfyaufen a. b. Luljr, (Einbecl i. £ann., 
(Eifenberg i. S.=^t., ipainid)en i. Sa., £od)emmerid), polten, Königs- 
roufterfjaufen, ßangenberg i. Ll)lb., ßeer i. £ann., ßütgenbortmunb, 
Lieberfefcmar, Ober=Sd)önetoeibe bei ^Berlin, Oppeln, Oranienburg, 
Ofternburg i. Olbenb., LI) eine i. 2Beftf., Lonsborf, Siegen, Sprem= 
berg, L.=£., Stuttgart, 5Bittenberge, gabor^e i. 0.=Sd)l. 

1912 (Elafelb=©eisroeib, (Eronenberg i. Ll)lb., (Eüftrin, Surlad) i. SBaben, 
grtebridjsfelbe b. ^Berlin, gri einer sf)eim, 9Jcef)lis i. Sl)ür., HRtlfpc, 
äftoers=ipod)ftraj3, Lieberfd)önl)aufen bei ^Berlin, Liefa a. b. (Eibe, 
Sagan, Steinad) i. S.=2R., Sljom, 33ierfen, 2ßeibenau, Qtüa=(5L SBlafit. 

1913 SBuer i. 2Beftf., (Seile, Sinslaf en, ©üterslol), £auraptte i. 0.--Sd)l., 
gWteuttfd&üfc i. 0.=Sd)l., 2Reufeltoi£ i. S.-9I., Leu=3fenburg, Ofterfelb 
i. 2öeftf., Sd)Ieufingen, Sa^lestoig, Sa^toerin, Steele b. (Effen, Serben 
a. b. 'aller, 93of)tüinfeI. 

1914 33rieg, (Eöt^en i. 2lnt)., (Eic!el i. Sßeftf., ^>inbenburg i. 0.=SdjI., Lintetn 
a. b. 3B., 233il§elmsburg i. |>ann., 53ramfelb b. Hamburg, 33au^en, 
^Bergeborf b. Hamburg, ^aan i. LJIb., Supen, ipabersleben, |>arpen 
i. 2Beftf., ^ufum, Kletoe, ^ol)Ifd)eib b. ^ac^en, äRanen, ßipine in 
0.-So)I. 

1915 ßennep. 

1916 93ennecEenftein i. ^arg. 

1917 Sangenfalga. 

1918 ©eftemünbe. 

1919 ^tmberg, ^Bottrop, ^rimmitfrf)au, Semmin, (Erlangen, 9Jcengebe, 9ceu= 
ftettin, Sa^toeinfurt, 2Bernigerobe i. ipara. 

1920 «erlin-aRarienfetbe, g3erlind)en, «ernftein (Leumarf), «iebria) a. L^., 
SBunjIau, 2)elit}frf), (Efdjtoege, ©arbelegen, ©obesberg a. LI)., ©oslar, 
©reifsroalb, ©ries^eim a. 9Äain, ^Bab ^ornburg, ^aulsborf b. ^Berlin, 
Rauterberg a. ^>arj, StRünben, Nienburg a. 2öefer, 53ab Olbesloe, Leä* 
lingf)aufen, Lenbsburg, Saljroebel, Sdjönebec!, Sömmerba, Straus= 
berg, Sroinemünbe, tilgen, 2Beifcenfee i. Sf)ür. 

Sine fortfa)reitenbe Qunafyme geigen bie 3af)re 1901 bis 1907; oon 
ba ab marf)t fid) roieber eine ^(bna^me bemertbar. ©as Äriegsja^r 191i 



— 82 — 

meift notf) 18 ©rünbungen auf. 3ebenfaIIs f>at bie (Entmitflung ber £ilfs-- 
fdmle in ber Sriegsgeit niä)t nur aafjlenmä&ig, fonbem aud) in if)rem 
inneren 2öert gelitten. — 6eit 1920 beginnt ein geroaltiger Slufftieg. 

(Ss voivb tooljl gurgelt in 5)eutfd)l'anb faum noä) eine 6tabt 
von über 50 000 (£inroof)nem geben, bie nid)t burd) bie (Einrich- 
tung einer £tlfsfd)ule für ifyre fd^road) finnigen S^tnber geforgt 
I)ätte. 3a, felbft Heinere 6täbte üon nur 10 000 (Eimooljnern 
I>aben mit groger Dpfertoiütgfeii foldje SBeranftaltungen ins Seben 
gerufen. 3ebenfalte Ijat I)ier bie überaus roofylroollenbe ^Beljanb-- 
lung ber ^ilfsfcfyuifrage auf ben t>erfd)iebenen 6täbtetagen $ln= 
flang unb prattifdje Serunrfliäjung gefunben. 1 ) 

3ur Beleuchtung einiger to t d) t i g e r, SBerljältniffe 
auf bem £ilföfd)ulgebtete mögen aus ber 6tatiftif bes 3af)res 
1910/11 nod) mehrere genaue Eingaben folgen. 

9lebm 1428 gemtfdjten Stoffen (für beibe ©efd)Ied)ter) beftonben 
bamals nur 59 Snaben= unb 57 9Mbd)enftoffen. 93on ben Sinbern roaren 
etroa §mei ©rittel etmngelifd) unb ein drittel fatljolifd). 5)er Sprojentfat} 
ber £tlfsfdml!inber gegenüber ber ©efamtl)eit ber 93oItsfd)uItmber fdjmanfte 
in ben einzelnen Orten ie na$ bem Umfange, in bem bie Kommunen für bie 
6d)mad)en geforgt Ratten, gmifdjen 0,5 bis 4,5 r». £. 3m Surdjfdmitt [teilte 
fid) biefer ^rogentfajj für bie aufcerpreufcifdjen 6taoten ouf 1,24, für Sßreufjen 
auf 0,61, für ganj 2)eutfd)Ianb auf 0,95. 2ln ben £ilfsfdmlen mir!ten 1155 
bjro. 420 t>oü= unb 114 bgro. 248 nid)t noEbefd)äftigte Seljrer b§ro. Seherinnen. 
2)ie möd) entließen 6tunbengal)len in ber Stoffe fd)man!ten sroifdjen 11 
unb 34 (in Ie&terer Qcifyl finb 93efd)äftigungsftunben einbegriffen), in ber 
überroältigenben SKefjrgal)! ber fräUe gmifd^en 20 unb 28, je nad) Filter ber 
Sinber unb Organifation ber 6d)ule. 2)ie ©efamtja|l ber 6dmlein= 
rid)tungen betrug 513, barunter 195 mit eigener Leitung. 2öcU)renb in ben 
meiften Orten nur eine «pilfsfdmle oorfyanben mar, beftanben in t>erfd)iebenen 
©rofcftäbten beren mehrere in ben nerfdjiebenen 6tabtteilen. $ln aufftei* 
genben Stoffen fanben fid) 1 bis 6 bgro. 7 bei Einbeziehung ber „93 o r ft u f e" 
cor. SBäfyrenb bie größeren 6täbte burd^meg fünf» unb fedjsftufige ©nfteme 
eingerichtet Ratten, maren einige bei Heineren 6nftemen üon brei, gmei unb 
einzelnen Stoffen fielen geblieben, um meite Sdjulmege §u uermeiben. 93 e r = 
I i n allein geilte nad) ber ©tatiftt! 168 Stoffen mit 2479 Sinbern, Hamburg 
88 Stoffen mit 1629 Sinbern. 93on ben 1906 bis 1909 entl offenen 
Sinbern mürben bejeidmet als t>öllig ermerbsfäl)ig 71,32 t>. §., 
als befdjränft ermerbsfä^ig 22,30 t). £., als n i d) t e r m e r b s = 
f ä 1) i g 6,38 r>. §. 13,72 r-. £. aller Sinber maren mit 6 p r a d) ft ö r u n - 
gen behaftet, 7,72 r«. $. litten an 6djmerl)örigfeit, 8,52 ü. §. an 
$tugenbefeften, 5,46 o. &. an 2äf)mungen unb fonftigen ©e-- 
bredjen. 

SHe 9ftitglieibergal)l bes ^erbanbes ber £ilfsfd)ulen 
3)eutfd)Ianbs ift gur^eit auf runb 2000 cmgetoad)fen, barunter be= 
finben fid) nid)t nur £üfsfct)utlel)rer, fonbern aud) t)ert)orragenbe 
Vertreter aller 2Btrfungs= unb SBtffensgebtete — $ertüaltungs= 



*) 32. 95ranbenburgtfd)er Stöbtetag in 9lir,borf om 20. bis 21. Septem- 
ber 1909. Oberbürgermeifter 93 o II m o n n , ©üben, erftattete 93eridjt über 
bie Erfahrungen mit Sdmlen für 6ä)maä)begabte. — 5Iud) auf bem beut= 
fd)en Seljrertage in Strasburg i. (£Ifa§ im 3a^re 1910 mürbe über bie £ilfs» 
fcjmle t»er^anbelt unb it)re (£inrid)tung marm befürmortet. 



— 83 — 

beamte, %?d)tsgelel)rte, Sfteötgmer, C5ei(tlid)e, fonftige (Mehrte, 
Borftänbe oon Sßoljltätigfeitsüereinen ufro. 

3)aß mit ber (Entroidlung ber t>ilfsfd)ule ficfy aucfy bas 93^= 
bürfnis nad) 5 ü r f o r g e für iljre 6d)üler bemerf bar madjen 
mußte, roar oorausaufeljen. 2)ie ^ürforge rietet fid)> auf ^ ö r = 
perpflege, 93 e a u f f i d) t i g u n g , ^Beratung, (E i n f ü I) = 
rung int bas 2 eben, 6<fyu£ cor Ausbeutung unb 
93enad)teiligung, 93 e i ft a n b in 9ted)tsfällen, 
6 d> u £ öor f a l f d) e n Beurteilungen ufro. 6ie roirf = 
fam auszuüben, roar bie Sdjule allein ntd)i imftanbe; es tourbe 
besljalb bie SüRitfyilfe ber ©efeUfdjaft erbeten, bie an ben meiften 
Orten aucfy nid)t üerfagte. % ü r f o r g e x* e r e i n e mannigfacher 
Art traten ins £eben unb fcfyufen 93eranftaltungen im 6inne jener 
95eftrebungen. 5)ie ©emeinben Ralfen trielfad) mit burd) (Errid)= 
tung oon Porten, Stiftung t)on SiJletfterprämien, 
Einrichtung con ^^^tbilbungsfd^ulen bgro. 5 o r t * 
bilbungsfllaffenfür ehemalige ^ilfsfdjulgöglinge ufto. Aud) 
ber 6 1 a a t Ijat biefer Qmforge Seilnafyme entgegengebracht unb 
93orfel)rungen getroffen, bie g. 93. bas (EinfteEen 6d)road)finniger 
in ben ipeeresbienft oerf)inbem unb ifyre richtige 93 e = 
urt eilung cor ©erid)t geroäljrleiften. 93ergl. 9MinifteriaI= 
erlaß bes preußifdjen ilnterridjtsminifters oom 7. 9tooember 1906 
— U. III. A. 3665 — (Erlaß bes preußifcfyen ^riegsminifters com 
20. Oftober 1906 — 991. 8. 06, A. 1. I. Ang. — unb Verfügung 
bes preußifdjen 3uftipunifters com 11. SRooember 1910. 3uftig= 
9Jtin.--93I. 6. 410. 3)ie 3ugenbgerid)te müßten eigentlid) gu jeber 
9Serl)anblung einen ipeilpäbagogen als 6ad)üerftänbigen l)eran= 
gießen. 

6o fefjr aud)i bie errungenen Erfolge auf bem ©ebiete bes 
§i!fsfd)uItoefens in bie Augen fallen, fo weift bennoct) bie §ilfs= 
fdjulfadje in mancher 93egiel)ung unoerfennbare 6d)roäd)en, 
Mängel unb 2 ü & e n auf. 3)ie gürforge für bie ödjtoadjftn 1 * 
nigen iftin fletnen 6täbten unb auf bem £ a n b e nody 
nid)t geregelt. 5Ueinere£iIfsfcf)uIen verlangen bringenb 
nad) 6elbftänbigfeit. 3n größeren Drten mit mehreren 
§ilfsfd)ulen fel)lt oft bie einheitliche Oberleitung, befonbers aud) 
in ben ^ürforgebeftrebungen. c£j e ße^rer ber £ilfs= 
fdjulen roerben als päbagogifdje 6ad) o er ftänbig e in ben 
6d)uIbeputationen unb ebenfo oor ©erid)t bei Beurteilung ftraf= 
barer ipanblungen früherer $ilfsfd)ulgöglinge trielfad) nid)t geprt. 
5>er £üfsfd)uIpäbagogi£ fetjlt noct) in mandjer £>infid)t eine ge-- 
naue toiffenjidjaftlid) pfrjd)ologifd) = päbagogifd)e 
93egrünbung, besgleidjen roeifen bie ßeljrpläne nid)t 
unerhebliche Mängel auf. 3)ie befteljenben (Erlaffe, bel)örbltd)cn 
Verfügungen, Drtsbeftimmungen ufro. finb meift nod) u n o o l 1 » 
ft ä n b i g unb nid)t umfaffenb genug. 3l)re 3ufammenfaffung ju 

6* 



— 84 — 

einem eintyettliifyen ipüfsfdjulgefeij auf (krunb ber 
in itjnen gum Shisibrutf gebrockten 'iUnfdjiauungen unö fonftigen 
(Erfahrungen bürfte anpftreben fein, ebenfo 6d)ulgroang für 
6<fytrwd)finniige. 

(Ein ©efefc gur 93efdmlung toubftummcr unö blinber Slinber befi&en 
mir bereits nom 7. Sluguft 1911, ebenfo ein ^rüppelfürforgegefefc r>om 6. ättai 
1920. ©inen (Entmurf gu einem £ilfsfcl)uigefe& bringt bie £tlfsfct). 1920 in 
£eft 11. — 93ergl. auet) ben (Entmurf eines £ilfsfd)ulgefe§es für bie Sfdjecljo- 
fiomafet in ber 3. f. Stinöf. 3ol)rg. 26 jpeft 3-4. 

C5d)tlxeglt(^ muß nod) (Erroätjnung einiger fürjrenber 
Sß a b a g o g e n gefcrjefyen, beten Schriften uns ^nfyaltspunfte 
für bie SBefyanbtung ftfymacfyfinniger S^inber bieten. 3n erfter ßinie 
ift fyier $lmos (E o m e n i u s , geb. 1592, geft. 1670, gu nennen, 
öer feine $injtd)len in tiefer £infiä)t in feiner Didactica magna 
niedergelegt fyat. 

Äatl$ilfd&er, 2Bien, berietet in ber £eilpäb. Sdml- unb (Eltern, 
gettung 3<ujrg. 1919 £eft 7-8 foigenbes borüber. „3m 6. Kapitel "2lbf. 7 
fprid)t fid) (Eomenius über bie 93ilbung aller Sffienfdjen, olfo aud) ber 
6(^roadf)finnigen folgenbermafcen aus: „Sooiel im allgemeinen barüber, ba$ 
bie 9lusbilbung für alle nötig ift, benn, bafc ben Scl)roadjftmtigen gur 33c-- 
Jämpfung ifjres natürlid)en Stumpfinns eine Unterroeifung notroenbig fei 
— roer roollte bies begroeifeln?" 3«m 93emeife, bafj auü) bie ftumffinnigften 
äRenfdjen, ja felbft fo!ct)e, bie in ber 2öilbnis aufgemachten finb, tljren ffät)ig= 
leiten entfprecfjenb ausgebilbet roerben tonnen, geigt er im 6. Kapitel mit ber 
(Ergäl)lung non bem unter SBölfen aufgeroad)fenen unb 1450 eingefangenen 
I)effifd)en Knaben, ber fia) gang roie biefe roilben Siere gebärbete unb fpäter 
gum 90tafd)en erft erlogen roerben mufjte. (Eomenius fd)eint l)ier ben einen 
öer nermilberten f)efftfdjen Knaben gu meinen, bie, nad) Zauber, um 1340 
bgm. 1744 aufgefunben rourben. 1 ) (Er bietet uns aber nod) ein foldjes 33ei- 
fpiel. Dr. Zauber bringt es in feinem 93ud)e „Homo sapiens ferus" nid)t. 
<L fprid)t non einem gallifdjen Knaben, ben ©ulartius in feinem 93u<|e 
„®ie SBunber unferes 3<*f)rl)unberts" anführt. $laü) biefem 93erid)te gingen 
1563 einige 3lbeltge in ©aUien auf bie 3agb. 6ie erlegten gmei SDßölfe unb 
fingen bei biefer Gelegenheit in Strichen einen etroa ftebenjätjrigen naeften 
Knaben mit gelblidjer Hautfarbe unb fraufem £aar. (Er ijatte Jrumme 
Prallen roie ein 9l6ler, tonnte ntd)t fpredjen, fonbern nur unartüuliert 
brüllen. 3ns Sdjlofc gebraut, tonnten il)m bafelbft nur mit 9Jlüt)e geffcln 
angelegt roerben. ©urd) junger mürbe er gal)m gemalt unb im fiebenten 
Sftonat fing er gu fpredjen an. ©iefes 5Unb mürbe in ben Stäbten als 
Sdjauobjett herumgeführt, moburd) feine ^Befi^er (Selb nerbienten. Später 
erlannte es eine grau als i^ren Soljn an. fett biefer (Ergäl)lung bemeift 
er ben Slusfprud) Sßlatos: „3)er Sftenfd) fei bas gafjmfte unb göttlidjfte 
Sier, menn er burd) richtige 3 uc *)t gegäf)tnt morben fei; roenn aber burd) teine 
ober falfaje, fo fei er bas roilbefte non allen, bie bie (Erbe l)err-orbringe." 
(Eomenius tommt nun gu bem (Ergebnis: „2öer foHte benn etroa beftreiten 
roollen, baft bie Summen ber 3 u $ t bebürfen, um ben natür- 
lichen Stumpf finn gu befeitigen?" (Er fommt bamit ber $lnfid)t S e g u i n s 
unb fetner 2lnl)änger nal)e, bie behaupten, Sa^maa)finn fei auf intellektuellem 
3Ö3ege heilbar. 

Über bie geifttge 93ilbung aller 2Renfrf)en fagt Gomenius im 9. Ka- 
pitel 5lbf. 2: „2Benn mir alfo nur einige gur ©eiftesbilbung 



*■) Ste^e: „Homo sapiens ferus ober bie 3 u ftönbe ber SSerroilberten 
unb i^re «Bebeutung für SBiffenfdjaft, ^oliti! unb Schule." 3Son Dr. W. 
Zauber. Setpgig 1888, Verlag non Clemens 9teufa^el. 



- ,85 - 

3U I off eil, mit Slusfdjlufc anbetet, fo l)anbeln roir unredjt nid)t bloß 
gegen bie, bie an berfelben Stotur teil I)aben, fonbem gegen ©ott felbft, 
5er oon allen, benen er fein 93ilb aufgebrüdt §at, erfannt, geliebt, gelobt 
roerben roüT; unb im $lbfa& 4 betont er ausbrüdlid) bie notroenbige 93il= 
bung ber 6cfyroad)finnigen. „5)em ft e l) t aud) n i d) t entgegen, 
ba$ einige oon Statur ftumpffinnig unb bumm f d) e i * 
n e n : benn bas empfiehlt unb oerlangt biefe allgemeine Pflege ber ©eifter 
nur nod) gebieterifdjer, benn je fd;roerfäEiger unb boshafterer Statut einet 
ift, befto mefjr bebarf er ber £ilfe, um oon bem tierifd)en Stumpffinn unb 
ber Summfjeit fooiel als möglid) befreit gu roerben. llnb eine fold)e iln* 
frudjtbarteit ber Anlage läfct fidj nid)t finben, ber bie Pflege burdjaus 
feine 33efferung bringen Jönnte. 3Bie g. 93. ein burdjlödjertes ©efäfc, bas 
oft abgeroafdjen ift, toenn es aua) {ein Söaffer l)ält, bod) ausgefdjeuert unb 
reiner roirb: fo roerben bie 6tumpf finnigen, toenn fie aud) in ben SSBiffen- 
fdjaften nichts oor fid) bringen, bod) in ü)rem Gfyataltet oerfeinert, fo ba% 
fie ben ftaatlidjen 95ef)örben unb ben Wienern ber 5ttrd)e gu gef)orct)en oer= 
fielen. (£s fteljt nidjtsbeftoroeniger erfaljrungsmä^ig 
feft,ba§ gexoiffe oon Statur fel)r fdjroerfälltge £eute 
boa) roif f enf djaf tlid) e ^Bilbung in einer 3öeife erlangt 
fjaben, bafj fie fogar ben 93eanlagten oorausgeeilt 
f i n b : fo roaljr ift ber Slusfprud) bes 5)td)ters: „Hnoerbroffene Arbeit be= 
fiegt alles." 3o fogar roie monomer in feiner $inbf)eit oon Körper ausnel)= 
menb ftar! ift, bann Iran! roirb unb abmagert, ein anberer bagegen ein 
rränflidjes 5lörperd)en in feiner Sugenb bai)infd)Ieppt, bann erftarlt unb 
fdjlanl emporroäd)ft, fo oerfjält es fid) mit ben geiftigen Einlagen, 
bafj einige frühreif finb, aber fdmeE entkräftet roerben unb mit einer $lrt 
Stumpffinn enben, anbere fid) anfänglid) fcfyroadj geigen, bann fid) fd)ärfen 
unb fräftig einbringen. 5lu§erbem lieben roir, in ben Obftgärten nid)t blofj 
fold^e Zäunte gu fjaben, bie frühreife grud)t bringen, fonbem aud) fold)e, 
bie in ber mittleren unb fpöten 3<U)*esgeit gur Steife lommen; roeil ein jebes 
gu feiner Qeit fein £ob finbet unb enblid) bod), roenn auä) erft fpät, geigt, 
bap es nid)t oergebens geroefen ift. SBolIen roir alfo in bem ©arten ber 
2Biffenfd)aft nur Anlagen einer $lrt frühreife unb beroeglid)e bulben? 2>a» 
f)er roerbe niemanb aus g ef d)lo f f en als ber, bem ©ott 
6inn ober 93 e rft an b oerfagt I)at." Gomenius geigt fid) bamit 
als roarmen greunb ber 6d)toad)begabten unb forbert bie iljren gätjigfeiten 
entfpredjenbe ergiefjertfdje unb unterrid)tlid)e ^Beeinfluffung in ber <5dmle. 
5)a aber bis baf)in alle $1 r t e n oon 6d)ülem einer 6dmle guge= 
roiefen rourben, fo rotE er 6dmlen, bie allen Qweden genügen. 

£>as 11. Kapitel feines SBerfes ift baljer mit: „ 3 l) r e m ßroetfe 
uollfommen en tf p r e d) enb e Spulen fyahen bis iefct 
gefehlt" überfdjrieben. 2)ie Stotroenbigleit oon ^>ilfsfd)ulen fyat alfo 
<£ m e n i u s fd)on gu feiner Seit empfunben. (£r beroeift im brüten 
Kapitel, ba% es notroenbig ift, ^ad)fd)ulen für Merbauer unb §anbroer!er 
gu grünben. SoE nad) feinem ^lusfprua^e: „Omnes, omnia, omnino", „Wittes 
in allem aUfeitig" gebilbet roerben, bann finb bie 6d)ulen für 6 t u m p f -- 
finnige, fo benennt er bie 6d)road)befäf)igten, ebenfo notroenbig, roie 
foldje für 'Slrferbauer unb £anbroerfer. Unb im groölften Kapitel, bas über 
„5)ie 6d)ulen finb einer Umgeftaltung gum 53efferen 
f ä f) i g " Ijanbelt, fagt er im groeiten ^Ibfa^e „2ßir oerfprea^en aber eine 
foldje ^Inorbnung ber 6d)ulen: roonad) 1. bie gefamte 3ugenb 

(roenn nia)t (öott einem ben 33erftanb oerfagt fyat) unterrichtet roirb, 2 

3. unb fo, ba$ fid) jene SMlbung als eine Vorbereitung für bas ßeben 00II-- 
giel)t, bis ber 2Iienfd) l)erangeroad)fen i ft." ©er 6d)üler foü 
alfo folange in ber Sdjule behalten roerben, bis er felbftänbig geworben ift, 
b. I). er fann aua) über bie feftgefefcte ©auer ber 6a)ulpflid)t in bot Gdntle 
unterrichtet roerben, roas ja in ben £üfsfd)ulen aud) geftattet ift. 



— 86 — 

(Einen trefflichen Ausfprud) über Me SBilbung unb (Ergieljung iebes 
9Jcenfd)en bietet uns (Eomenius im 13. Abfa& bes 12. Kapitels mit ben 
2Borten: „ 9c i d) t aus jeöem £ o l g e lögt fiel) ein 2Rer!ur 
f d) n i & e n , fagt man. 3d) antroorte: Aber aus jebem2[ftenfd)en 
ein 231 e n f dj , roenn leine Skrberbnis einroidt." (Eomenius fagt and; im 
12. Abf a&e Jriefes Kapitels, bag es nur einer oerftänbigen Leitung 
b e b a r f , um „Me oon Statur aus in allen 9Jcenfd)en Uegenben 6amen 
ber 2Siffenfa)aft, Sittlia)£eit unb Frömmigkeit" gu erroeden. 3e nad) ber 
geiftigen Steife bes Schülers unb ber ©efa)idlid)feit bes ßeljrers roirö es 
möglich fein, and) fd)roaa)befäl)igten Kinbem eine geroiffe, il)ren guljigleiten 
unb Einlagen entfpredjenbe (Ergieljung unb 33ilbung gu oermitteln. 5)ies 
beroeift er im 16. Abfa& biefes Kapitels burd) bie folgenben treffenben 2kr= 
gleite: ,,©u roirft fagen: (Es gibt nid)tsbeftoroeniger ä u g e r ft 
ftumpffinnige © e i ft e r , in bie f i df) nichts t) i n e i n b r i n * 
gen lägt, Antroort: (Es gibt faum einen fo fajmutjigen Spiegel, ber 
nid)t roenigftens auf irgenbeine SBeife Silber aufnimmt, taum eine fo rau^e 
Safel, auf ber fidj nicf)t roenigftens etroas unb auf irgenbeine 3Beife fcfyreiben 
liege. Überbies roenn bir ein mit 6taub ober Rieden oerunreinigter Spiegel 
bargereidjt roirb, mugt bu iljn erft abroafajen, unb roenn bie Safel fo raut) 
ift, mugt bu fie erft glätten, bann roerben fie bir ben ©ebraud) nia^t oerfagen. 
2Benn auf gleiche 3Betfe bie Sugenb geglättet unb gefdjärft roirb, roerben 
geroig bie einen oon ben anbern fo oorgüglicl) gefebörft unb geglättet roer= 
Ben, bag alle enblid) alles auffaffen. (Unerfdjütterlid) b e ft e l) e 
i d) auf meiner 93el)auptung, roeil bie ©runblage un« 
e r f d) ü 1 1 e r l i d) f e ft ft e l) t.) (Es roirb fidfj allerbings ber ltnterfd)ieb 
geigen, bag bie fdnoerfäEigeren merlen roerben, bag fie nur eine giemlid) 
fd)road)e Kenntnis ber ©inge befi&en, aber bas merken fie bod); bie fähigeren 
hingegen roerben, inbem fidj il)r 6treben oon einem gum anbern ausbelmt, 
tiefer unb immer tiefer in bie 5)inge einbringen unb neue, fef)r nü&lidje 
^Beobachtungen über bie ©inge in mannigfacher 2Beife fammeln. (Enblidj, 
mag es immerhin geroiffe für bie SBilbung burdjaus 
ungeeignete © e i f t e r geben, roie Erummes, fnorriges 
ip o l g für Sdjreinerarbeiten untauglich ift: unfere 
Se^auptung bleibt bod) roal)r für bie mittelmägt gen 
© e i f t e r , an benen burdj ©ottes ©nabe immer ber 
reidjfte Vorrat ift. ©ang geiftesarme feljen roir ebenfo feiten, als 
2ente, benen oon 9latur eingelne ©liebmagen fehlen. Senn 93linbl)eit, 
Saub|eit, ipinJen, Slränülid^eit roerben geroig nur feiten mit ben 9Jcenfd)en 
geboren, roir gießen uns bergleid)en oielmeljr burdf) unfere Sdjulb gu: fo ift 
es aud) mit ber augergeroöl)nlid)en 6d)roäd)e bes ©el)irns." 

Auf ©runb biefer Ausführungen ift (Eomenius ber Anficht, bag aud) 
bie 6d)toad)finnigen je nad) iljren Anlagen „in allem allfeitig" ausgubilben 
finb. 3e nad) ben Anlagen teilt er bie Sd)üler in fed)s ©ruppen ein, unb 
groar 1. in bie Sd)arffinnigen, 3Bigbegierigen unb gügfamen; 2. bie 6d)arf= 
finnigen, aber Sangfamen, iebod) 3Billfäl)rigen; 3. bie Sdjarffinnigen unb 
SBigbegierigen, aber SBilben unb Schroffen; 4. bie 2BiHfäl)rigen unb guglci 
ßembegierigen, aber babei Scbro erfälligen unb 6tumpffinnigen; 5. bie 
6tumpfftnnigen, bie gugleid) fdjlaff unb träge finb, unb 6. bie Stumpf* 
finnigen, bie gugleid) oerbrel)t unb boshaft oon 9^atur, gemeiniglia) oer= 
loren finb. SBon ben fec^s Kategorien intereffieren uns oorerft bie bret 
legten, ^ür bie unter 4 angegebenen, bie roir f)eute mit „bebil" begeia^nen 
mürben, oerlangt (Eomenius, bag fidj ber 2el)rer gu i^rer Sc^roäd)e l)erab» 
lägt, nichts mit |)ärte t)on il)nen forbert, fie mit ©üte be^anbelt, iljnen auf 
^ilft unb fie kräftigt unb aufrichtet, bamit fie nid)t ben 2Rut oerlieren. (Er 
uergleid)t biefelben mit ben Spätfrüd^ten, bie aber um fo länger aushalten 
als bie frühreifen ^rüd)te. 5)ie unter 5 angegebene, bie imbegiEe Art oon 
6d)ülern lägt fid) burc^ ©ebulb unb iBorfxc^t beffern, menn feine |>artnäc!ig= 



— 87 — 

fett in ben 2Beg tritt. 93ei folgen 6cl)ülern, bie unter bie Kategorie 6, 
bie mit moral insanity behafteten, fallen, foH man tro& ber 9lusfid)tsloftg= 
ieit nidjts unoerfuct)t laffen, mas ifjrer SBilbung förberlid) märe. 

$lls (Ergebnis feiner $luseinanberfe&ungen fn&rt er bie 2Borte ^ßlut« 
ardjs an, melier fagt: „9tfUt meldten Anlagen bie Kinber geboren merben, 
ftel)t in feines ipanb, aber bafj fie burdj richtige (Er§iel)ung gut merben, 
fte§t in unferer 9ftad)t." (Er vergleicht ben <Er§iel)er mit einem 93aumgärt= 
ner, ber mit feiner Kunft aus einem beliebig gearbeiteten 6e^ling einen 
«Baum erzeugt. SBeiter ift (Eomenius ber 2lnfid)t, bafj fiel) bie gefamte, 
oerfdjieben beanlagte 3ugenb naa) ein unb berfelben 9Jletl)obe unterrichten 
unb bilben läßt, meil 1. alle SJtenfcfjen* %u bemfelben (Enbrel ber SBetshcii 
ber Sittlichkeit unb |>eiligfeit geförbert merben follen; 2. alle SRenfctjen tro^ 
iljrer oerfdjiebenen Einlagen, boa) ein unb biefelbe menfa^lia^e, mit benfelben 
Organen ausgerüftete Statur Imben; 3. meint (Eomenius, fei bie 93 er» 
fa^ieben^eit ber geiftigen Einlagen „nidEjts anberes, 
als ein e 93 er ir r ung unb ein Mangel ber natürlichen 
Harmonie, in gleicher 95kife, mie bie Kranfijeiten bes Körpers 93erir= 
rangen finb infolge %u groger ^eua^tigfeit ober Sroden^eit, 3öärme ober 
Kälte". (Eomenius ift ber $lnfict)t, ba% bie S d) ä r f e bes © e i ft e s in 
ber ^etnr)eit unb 93emeglid)teit ber ©el)imneroen befte^t. © e i ft i g e r 
S t u m p f f i n n mirb burdfj bie tlebrige ®ide unb ©etrübtljeit ber Heroen 
im ©el)im bemirft. 3)iefe ©ide unb ©etrübtljeit rann burd) pufige 2ln* 
regung ©erteilt unb erhellt merben; je früher bies gefd}iet)t, befto beffer ift 
es für bas 3nbioibuum. 

3)a§ (Eomenius aud) einfädle e£perimentelt=pfnct)ologifd)e 6tubien bei 
feinem Unterrichte machte, bemies er im 16. Kapitel $lbfa§ 10, morin er als 
bie befte 3 c i t für ben Unterricht bie SJcorgenftunben emp= 
fie^lt. (Experimentelle (Ermübungsmeffungen *) an £ilfsfdmlfinbem §aben 
bas (Ergebnis geliefert, bie 3ett oon 9 bis 12 Ul)r vormittags fei bie befte 
für ben Unterricht biefer Kinber. 93or 9 Ut)r tjinbert biefe Sdjüler bie 
SJlorgenbepreffion (93erfd)lafenfein), nadj 12 Ut)r ber 93erbauungsproje{5, bie 
(Ermübung vom Vormittag u. a. an einer gebeirjlidfjen geiftigen Arbeit. 

3m 16. Kapitel 9lbf. 24 tritt er bafür ein, ba§ in ben Schulen eine 
Sd)eibung ber Scljüler nad) iljren gäf)igf eiten vorgenommen merbe. „ © i e 
© e t ft e r follen, mie fi d)'s gehört, in bie 3 u $ * genom- 
men merben unb baburdfj oon überflüfftger 93efd)äftigung ferngehalten 
merben." SBtlbttd^ brüc!t (Eomenius biefe ftorberung burd) ben 93ergleidj 
mit 93äumd)en ober Sdjößlingen aus, bie man oor ber pftanjung nid)t be= 
fdmitten fyat (Er ift baljer ber 9lnfid)t, ba$ bie Sdjüler i|ren geiftigen 
£rär)ig?eiten entfpredjenb gefonbert unb banaü) aud) unterrichtet merben. 
Scur fo unterrichten mir naturgemäß, ba audjj bie Statur oon einem Subjekte 
nur bas oerlangt, mas es imftanbe ift, ^eroorjubringen. (Einen 93aumfe&= 
ling, ber nid)t feurjel gef dalagen fyat, mirb ber ©ärtner gang gemiß ntci)t 
mit bem pfropfen eines Reifes belaften, ba biefe Arbeit umfonft unb or)ne 
(Erfolg märe. 

SBenn mir bie neuzeitlichen 93eftrebungen S t d i n g e r s in 3Hann» 
F)eim unb ber ^Berliner ^ürfprect)er für bie 93egrünbung oon 53egabtenfd^ulen 
(93Roebe=^ior!omsti=9Bolff) betrauten, fo laufen fie ebenfalls auf bie $orbe= 
rung bes ^Itmeifters (Eomenius hinaus, „bie ©eifter in bie 3«ö)t ^u nehmen, 
mie ficf)'s gehört". 



n 



l ) Dr. £t). § e l le r , (Ermübungsmeffungen an fa)macl)finnigen Kin« 
bem. 2Bien. mcb. treffe 1899 ö. 11. bis 15. - Karl £ i l f cf) e r , (Ermübungs- 
meffungen an fd)road}finnigen Kinbern mit bem 9?euramöbimeter oon Sieg» 
munb (Erkner, ipcilpäbagogifclje 6rf)ul= unb (Eltern^eitung 1919 ö. 5--6. 



— 88 — 

SBon unferen großen Sßäbagogen barf namentlich Sßefta-- 

I o ^5 1 , geb. 1746, geft. 1827, nidjt unerwähnt bleiben. 1 ) 5)tefer 

große (£rgiel)iingsreformator, ber groar bie begriffe 6a)toad)finn 

unb 3biotie, 23löbfinn unb Kretinismus, toie fie (Eomenius 

teilroeife ermähnt, unberiicfficfytigt unb unerörtert läßt, fpriri)t 

fidj inbeffen über bie $ergeumitigung ber 3nbioibualität fcfyroad)-- 

befäfyigter 6cfyüler beutlicfy genug aus. 

„2>ie 3nbioibuaüta'tseigenl)eiten unferes ©efajlec^ts finb naa) meinem 
©efüf)l bie große 9Bbl)ltat unferer Statur unb bas eigentliche ftunbament, 
moraus üjre l)öd)ften unb öffentlichen 6egnungen l)eroorgel)en. Sarum 

follten fie cmd) in l)ol)em ©rab refpeftiert merben 3Bo man fie 

refpettieren mill, ba ift notmenbig, ba% .man bas nid)t trenne, mos (Sott 
gufammengefügt f)at, aber aud) ebenfo, ba% man bas n i d) t & u = 
fammenfüge,mas © o 1 1 getrennt l) a t. Dilles fünftlidje 
unb gemaltfame 3uf ammenf ügen oon an fid) $eteto- 
genen ©egenftänben l) a t feiner Statur n a d) in allen 
SBer^ältniffen bas 6 1 i 1 1 ft e t) e n ber 3nbiotbuaHräfte 
unb 3nbioibualetgenl)eiten, bie unpaff eno jufammengefnüttelt 
merben, gur golge, un0 foldje unpaffenb äufammengefügte unb baburd) ftiU 
gefteUte unb oermirrte 3ixbioibualträfte unb 3nbioibualeigenl)eiten fpred)en 
fid) bamit in iebem fiatte als gemaltfam l)erbeigeül)rte Xln» 
n a t u r aus unb mir!en bann auf bas © a n g e ber 2ftaffe,gu beren 
©unften fie alfo jufammengefügt merben mollten, auf eine fie in itjrem 
(Jansen 3 u f a wment)ang ftörenbe, oermirrenbe unb abfdjmäajenbe 2Beife. 2 ) 

&ierju ftimmt aud), mas ein Augenzeuge, A. 6 o o a u £ aus ^Berlin, 
über bie 3«f a inuienfeöung 5er Unterrid)tsgemeinfd)aften an ber Anftalt in 
SBurgborf (1802) berichtet: „Sine beftimmte Ulaffeneintetlung gab es nidjt; 
bafür aber fünf bis fed)s ©ruppen oon Kinbern, meldte fid) naa) jebec 
6tunbe auflöften unb anbers bilbeten, je nadjbem es tfjre oerfd)tebenen 
©eiftesbebürfniffe erforberten." 3 ) ©aneben nal)m Sßeftaloföt fid) aud) ein= 
gelner geiftesfd)mad)er 6d)üler befonbers an» 6d)on in feiner SRettungs* 
anftalt auf bem 9teul)ofe 4 ) bei 93irr (^t. Aargau) erjog unb bilbete er 
einige „^retinen", unter if)nen ben nochmals talentierten ^afcenmaler ©ott= 
frieb 2Tcinb, ©ofjn eines notorifajen Srin!ers aus bem Danton 93em, ben ber 
menfd)enfreunblid)e fetter auf einer Steife oöllig oermaljrloft auffanb unb 



x ) Sie folgenben Ausführungen ftammen oon SU r m ß e aus feiner 
,,©efd)id)te ber eraieljlidjen Se^anblung 6cl)mad)finmger" in SBeifes 93e* 
trad)tung über geiftesfdjmad)e lUnber. Sangenfalga 1911, Verlag oon §. 
93ener & 6öf)ne. 

2 ) Dr. 5t. 6 t ding er, Sötctjr £id)t unb 2Bärme ben 6orgen!inbern 
unferer SBol!sfd)ulel (£in Vermächtnis £einrid) Sßeftaloföis. 6. 24. 3ü = 
ritt) 1905. 

3 ) 6tctinger, 6. 25 f. 

*) Auf Anregung bes (Brjieljungsfefretärs Dr. 3 1 1 1 n g e r in Qüiid) 
foll ber Sfteuljof als lebenbiges 9tationalben!mal ^eftaloföis in eine in feinem 
©tun unb ©eift geleitete (£rjief)ungsanftalt oermanbelt merben, unb jmar 
ift in erfter ßinie ein fa^meigerifc^es Sßeftalogäi^eim, eine lanbmirtfcljaftltay 
gemerblid^e Kolonie gur (Eräie^ung unb 93erufslel)re für anormale junge 
Seute aus ^ilfsfa^ulen unb Anftalten für © eiftesf cinoaaje ufm. in Ausfiaj: 
genommen. — 3Sergl. SBerljanblungen ber 7. fdjmeiä. Konferenj für bas 
3biotenmefen in Altborf am 5. unb 6. 3uli 1909. 6. 75. — 3» 2B e b e r - 
©remminger, 3ur ©efa)ic^te bes Sßeftalojäiifd&en SReu^ofes bei 33irr im 
Aargau. ©duoet^. 3 ß itfd)tift für ©emeinnüfeig!eit 1909 ijpeft 2. — Dr. 
3 1 1 i n g er in ben 6ct)toeifr. ^Blättern für ©efunbf)ettspflege 1909 §eft 2. 



— 89 — 

bem (Etenb entriß. 1 ) Unb menn man gerabe in ber ©egenmart nad)l)alttg 
betont, öa§ bie bibaftifajen unb metl)obiftf)en 9Jlaßnaf)men bes Unterria)i^ 
Sa)mad)beanlagter geeignet feien, 5er 93oltsfd)ulp ab agogtf bemer!ensmerte 
Fingerzeige gu vermitteln, ba jene bod) pfrjajologifaj am tiefften bringen 
unb non biefer 93afis ausgeben, fo merben mir um fo beffer oerfteljen, menn 
Sßcftatogät flogt, ba% gu feiner 3eit teinc einzige ber (£rforfd)ung ber (Er= 
Zietyungstunft gemeinte Anftalt oorfjanben gemefen fei. 

Leiter ift Ijier $luguft Hermann $1 i e m e t) e r , Sprofeffor in 
£aße, ein Urenfel 51, £. Brandes fr u nennen, (©eb. 1754, geft. 
1828.) 

6o mertooH bie non il)m oerfaßten „©runbfä&e ber (Erziehung bes 
Unterrid)ts für Altern, £austel()rer unb Sdmlmänner" für bie 93e|anblung 
normaler ^inber auä) fein mögen, ba fie in l)of)em 9Kaße bartun, ba§ es 
eine ber oorne^mften Sßflidjten bes 3ugenbbilbners fei, ben geiftigen Suftano 
bes Sa^ülers genau ju erforfdjen — bie eigentlich Sdjmaäjfinnigen erfahren 
teine 93erücEfid)tigung in befonberem Sinne, fragen mir nad) ber Ürfadje 
ber 9ftd)tbead)tung ber geiftig Sd)mad)en bei dt i e m e n e r , fo fei barauf 
Jingemiefen, ba$ biefer feinen pf)Uofopl)ifd)en 3been unb Auftakten naaj auf 
^ant bafiert, unb ba§ eben Slant in feiner „Anthropologie" § 48 93töbfinn 
unb Sd)mad)ftnn als „Seeleniofigfoit" anfielt, bie päbagogifd) nidjt beeinflußt 
merben können. Anbererfeits tonnte unb rooßte 9ftemerjer nur „bie Summe 
ber ^äbagogit feiner 3ett" gießen, mie £erbart aner!ennenb f)eroorl)ebt, unb 
bie Jannte ja bie 93el)anblung ©eiftesfd)mad)er faum bem Flamen nad). Unb 
bennod) ftüfct SBeife in feinem 93üd)lein fia) gumeift auf 9ttemerjer. (Es ent= 
galten bie §§ 65 unb 66 bes erften 33anbes: „93erfd)tebenl)e:t ber jugenb= 
liefen ^öpfe unb nötige Sßrüfung berfelben", „9*üdfid)t auf bie 93erfd)ieben= 
f)eit ber ^öpfe bei if)rer 93ilbung", fomie bie fed)fte ^Beilage; „Über bie Sßrü= 
fung urfprünglidjer Anlagen unb gäf)igfeiten", bebeutfame Fingerzeige für 
ben £ef)rer minberbegabter JUnber. 

Unfere roeitgeJjenbe 93ead)tung oerbtenen bie ßefyren eines ber 
größten öfterreidjifcfyen Sßäbagogen, bes %ixx\tnibx\d)-ofß üon 2Bien, 
Sßincena Gbuarb 9)1 i 1 b e , 2 ) nod) ber &yod)t ber ^ufroärtsberoe= 
gung in ber Solfsf^ule aus ber 3ofefinifd)en Qtit angefyörig. 
«Beb, 1777, geft. 1859). 

3n feinem gmeibänbigen, großzügigen 2ßer!e „ßefyrbud) ber allgemeinen 
(Brgiel)ungs!unbe gum ©ebraudje ber öffentlichen 93orlefungen, 3 ) basfid) 



*) 2)er ©resbener £el)rer unb SdjriftfteHer ^ranz 2Biebemann, 
t 1882, fd)ilbert bas £eben 2Jtinbs in einem angie^enben Sd)riftd)en: 2>er 
^atjenrapljael. ßebensbilb eines feltfamen Mnftlers. 2. Aufl. Seipziö 
1887 

* 2 ) 93ergl. Jjterbei Dr. ^. 2Bott!e, 93. (2. 2JWbe als ^äbagoge 
unb fein 93ert)ältnis zu ben geiftigen Strömungen feiner 3 c i*. 2Bten 1902. 
©in bebeutfames 9Berr\ ßeiber fa^en!t 2öotfe ben 2Rilbefd)en Ausführungen 
bezüglia) ber päbagogifd)en Sjßat^ologie menig AufmertfamEeit. — Dr. A. 
£l)ummalb, ptfterzbifa^of 93. (E. äRilbe als Jßäbagoge. 2Bien 1877. 

— ^. 3B e i g l , (Ergänzungen zur ©efrf)id)te ber päbagogifa^en ^atlplogie. 
2)ie ©efunbl)eitsmarte 1909 5lr. 12. 

3 ) 9Kien 1811 unb 1813. 1820 erfd)ien es im Auszuge. (Eine 9teuaus-- 
gabe bes letzteren aus bem 3af)rge. 1843 oeranftaltete §♦ Somberger 
unter bem Sitel ,„AUgemeine (£rzie^ungs!unbe". 3Bien 1876. 2. Aufl. 1887. 

— Als an ber 933tener Unioerfität im 3al)re 1806 ein 2 e I) r ft u i) l für 
(£rziel)ungs!unbe gefdjaffen mürbe — einer ber erften an einer Uni- 
oerfität überhaupt — erhielt Stfttlbe biefen Soften, mas itjn oecanlaßte, bas 
93ua) z« fd)retben. 



~- 90 — 

oon jeber tonfeffioneEen ftärbung oöEig frei f)ält, finben and) 5ie frijtoadj btan- 
lagten Sajüler forgfamfte 23eacl)tung. s 2Us oemiegter Kenner ber £onfequengen 
ber (Srgieljungsleljre [teilte er barum ben ©runbfafc auf: „bie ^fi)ü)ologie ift 
bie Quelle ber Sßäbagogir. 3nfolgebeffen grünbet fidE) bie Sljeorie feiner 
^ßäbogogi! auf bas Sßringip ber $fntf)ologie, meltf)er Umftanb itjn auaj oer-- 
anlafjte, eine möglidjft fäjarfe Differengierung bes Sdjülermaterials in ben 
SBorbergrunb gu fteEen. Diefe 6eite feines 6nftems tf)arafterifiert ein 
geitgenöffifd)er 9*egenfent feljr treffenb: ,,©o§ ber £err 93erfaffer fo gerne 
an ber £anb ber ^fncfjologie manbelt unb ©egenftänbe aufnahm, bie nur 
menige (Ergieljer, mie fie gemöljnlid) finb, gu faffen unb angumenben im* 
ftanbe fein bürften, ift fein ©ebredfjen, fonbern ein magrer 93orgug feines 
SBerfes. Denn es ift gefajrieben, nid)t um biefelben in Schlummer gu mie= 
gen, fonbern fie aus bemfelben gu medEen, if)nen eine pljere 2lnfid)t oon 
i^rem bisherigen Sagemerfe gu oerfajaffen". 1 ) |>infid}tlid) ber patf)ologifa>n 
©eiftesguftänbe nimmt äftilbe an, ba§ biefe „ifjren ©runb in ber organifdjen 
33efrf)affenf)eit bes Körpers" f)aben. „3n biefem gtiEe roäre bie Teilung 
6ad)e bes Slrgtes. 3m übrigen muffen bei Übeln ber ©eiftesguftänbe g. 33. 
93löbftnn, gänglid)er 2lpatl)ie, 6d)mäct)e bes SBiEens ebenfalls erft bie Quel= 
Ien freigelegt merben, elje an eine unmittelbare ipeilung gebaut merben 
l ann." Die Darlegungen über bie „ £ e i 1 1 u n b e ber formellen 
©ebred)en ber tntelle!tuellen Anlagen" enthalten fcr)r be= 
l)ergigensmerte 9Ud)tlimen, mobei fel)r ftarf betont mirb, bafj man einmal, 
ben bei ber Sugenb „nid)t ungetoö^nlid^en ©ebredjen oorbeugen, oft letdjt 
abhelfen" tonne, „menn man biefe ©ebred&en erfennen mürbe unb gu Reiten 
oerftänbe", unb gum anbern, ba$ man nidjt oon jebem (Ergiefjer „eine ooE* 
ftänbige Kenntnis ber 5lenngeid)en, ber QueEen, ber Heilmittel unb ber §eil» 
metljoben aEer ©eiftesfr anleiten" forbern bürfe. 2lEein fo oiel foEte ieber 
miffen, „um menigftens bas Übel gu erfennen, basfelbe nidjt gu oergröftem" 
unb bann „anbere um 9tat gu fragen, menn man bem Übel felbft abgreifen 
nid)t im 6tanbe ift/' 

SJUlbes Definition ber ©etftesfranfljeiten ber 3ugenb geigt mieberum 
ben oorgügliajen 93eobad)ter: „bie Hranfljeit erftredEt fia) entmeber auf aEe 
Anlagen ober nur auf einige ober auf eine etngetne Anlage bes ©elftes/' 
„Diefe aEgemeinen Unterfdfjiebe merben ben (£rgiel)er fomot)l bei ber 93eur« 
teilung, als bei ber Teilung bes 3 u ftonbes feines 3öglings gu mistigen 
Folgerungen führen, unb tr)n lehren, ba% bie gemöl)nlia)en ^Benennungen, 
blöbe, ftupib, gerftreut, oerge§Iia^, oiel gu aEgemein unb unbeftimmt finb, 
als baf3 fie gu einer beftimmten SBegeidJnung b^s ©eiftesguftanbes bienen 
fönnten." „Die ©ebrea^en bes Kopfes laffen fia) ferner in folgenbe aEge= 
meine klaffen teilen: 1. ©etftesfdjtoädjen, b. fy. Untätigkeit ober 
I)ol)er ©rab bes 3Jlangels ber Sätigüeit eingelner Anlagen ober ber ©eiftes» 
iräfte im gangen. 2. ©eiftesoerrüdungen, jener 3«ftönb, ber aus 
Disharmonie bes ©rabes ber Sätigleit ber Einlagen entfielt. 3. © e i - 
ftesoerirrungen. Diefe befielen nia)t in bem ©rabe, fonbern in ber 
9lrt ber Sätigleit ber ©eiftesiräfte." „3n einem leben ftaUt ift es oor aEem 
notmenbig, bie $lrt bes ©ebrea^ens genau unb dortig gu beftimmen, meil 
bie $eilmetf)obe baoon abfängt. Dies ift oft fcfjtoierig, meil oer» 
fa^iebene Wirten ber ©ebrea^en biefelben ober menigftens fer)r analoge ^iu§e= 
rungen fjaben. 9lur eine genaue, länger fortgefe^te93eob= 
arfjtung, eine ridjtige ^ergleia)ung ber Hmftänbe, bie 
Unter fu a;ung bes !örperlid)en ßwftanbes, bie ferner« 
!ung, ob ber 3uftanb in 9iüdfia)t ber Objelte abfolut 
ober relatio, ob er fortmä^renb, remittierenb ober 
intermittier enb, ob er auf alle ober nur auf einige 



33aterlänbifa)e Blätter für ben ßfterreitt)ifa)en ^aiferftaat. 3a^rg. 
1811, 221. 



— 91 — 

(ö e i ft e s a n lagen ausgebest fei, bas 3lad)benfen über 
bie $ r t , 5eu 3 e i*punft u n b b i e Quelle ber ©ntftel)ung 
bes3**f* anöes f ö n n e n gu einem r i d) t i g e n unb g e g r ü n = 
beten Urteile fü^re n." 2>ie ©ebrectjen können aus r>erfd)iebenen 
Urfadjen entfielen: 1» S)ie natürliche unb urfprünglid)e 33efd)affenl)eit ber 
Einlage felbft. 2. 2>er (Einfluß bes Körpers. 3. Mangel an Kultur unb 
9laf)rung ber ©eiftesfräfte. 4, Überreif unb übermäßige Sinftrengung. 5. 
Statur unb groecfrüibrtge Kultur. 6, Hinflug einzelner ©emütsjuftänbe. 
2Bas bie 33el)anblung ber 6d)üler anbetrifft, fo mögen l)ier gtuei c 4bfd)nitte 
im Wortlaut folgen, bie unferer mobernen $luffaffung faft entfpredjen: 

SSorfdjriften ber Teilung ber intellektuellen 

©ebredjen. 

„2Benn ber ©rgiel)er ein formelles ©eiftesgebreöjen an feinem Söglinge 
entbeat, fo ad)te er basfelbe in feinem $aile gering, er oerfdjiebe bie £ei= 
lung nid)t auf fpötere Scd)*^/ er redme nid)t auf bie 6elbftoerbefferung Des 
ge^lers, fonbern fudje bemfelben abhelfen. (Er fud)e bie Quelle gu t»er= 
ftopfen, unb alles basjenige §u entfernen, isoburd) ber fehlerhafte (5eiftes= 
guftanb genährt unb t»erftärft rotrb. $lße pofitioen Heilmittel roerben frua)t= 
los angeroenbet, folange biefe 93orfd)rift nid)t befolgt ift. ©r gebraute bann 
bie bem 3 u f* a K° e entfpredjenben Heilmittel langfam unb ftufenroeife. ©r 
roenbe nidjt allezeit fogleid) bie ftärtften an; er erroarte nid)t eine plö&lidje 
SÖBirfung berfelben, fonbern beobachte bm (Erfolg burdj längere ßcit. ©ine 
bauerfjafte SBefferung fann nur langfam unb ftufenroeife gefdje§en. 3)cs* 
megen ift es roidjtig, baft ber ©rgieljer nidjt ermübe, nidjt bie Hoffnung bes 
©elingens oerliere. ©ine l)arte, gurüdfajredenbe SSeljanblung, ißorroürfe, 
beifcenbe 6atiren ober 6trafen nü&en bei ben eigentlichen ©eiftesfranf= 
Reiten ber Ktnber in feinem ^alle, madjen aber fej^r oft bas Übel nod) ärger* 
©ine milbe SBeljanblung, eine fdjonenbe ^Beurteilung, J)erslid)e £eilnat)me 
können allein bas Vertrauen unb bie äftitroirfung bes 3°9^ n 9 s begrünben. 
Leibes ift gur Teilung notroenbig. 2)er 3°9^ n 9 ^"6 bw Sftatfdjläge bes 
©rgieljers gern befolgen, unb feine eigene 33efferung §offen, roünfdjen unb 
baju mitroirfem" 

Teilung ber ©eiftesfd)rüäd)en. 

„2Benn ber 3"ftctnb bes 3öglings in ber Untätigkeit ober Sdjroädje 
einer ober mehrerer Anlagen bes (öeiftes befte^t, fo fann biefes gülge bes 
pl)t)fifd)en 3uftanbes bes Körpers, ber natürlichen <5<§mäcfye ber Einlage, bes 
Mangels an (Erregung unb Übung bes Übergeroid)tes einer anbern Kraft 
ober bes (öemütsguftanbes fein. 5)ie totale Untätigfeit aller ©eiftesfräfte 
geigt fia) als blöbe ©ebanf enlofigf eit, unb ift oft gang unheilbar, 
ober roenigftens fo fdjroer gu feilen, ba$ bies n i d) t 
S a d) e bes geroöl)nlid)en ©rgiel)ers fein fann. 2Benn 
bie ©eiftesfd)toäd)e im Körper iljren ©runb §at , fo 
fann ber ©rgieljer nur nad) iperftellung bes lörper- 
lidjen 3 u ftonbes, bura) eine forgfältige Kultur unb 
fleißige Übung bem Übel abhelfen, 20 e n n in ber 
natürlichen 93 e f d) af f enfy e i t ber Anlage bie Quelle 
liegt, fo fann ber © r j i e f) e r oft nid)t alles leiften, 
roas man ro ü n f d) e n bürfte, allein eine uerftänbigc 
Stnroenbung ber bei jeber Einlage angegebenen SB 1 1 - 
bungsmittel, eine r> o n bem Klein f t e n anfangenbe, 
langfam unb in ftrenger Stufenfolge fortfdjreitenbe 
9Jletl)obe, eine ausl)arrenbe ©ebulb, ein fortroä^- 
renber unb jebe ©elegenljeit benü^enber SBilbungs« 
eifer fönnen jroar nid)t fdjnell, nid)t bas I)öd)fte, aber 
langfam oiel, aud) bei einer fc^road;en Einlage leiften. 



— 92 — 

93 e i folgen f d) m a d) e n 3 ö 9 H jt g e n ift ber © e i ft ber 9ft e = 
1 1) b e Speftalos^iö j e b e m (S r & i e t) e r gu m ü n f d) e n ; benn 
alles f)ängt üoji 5er (£inf a dE) f) eit 5er Stufenfolge un5 
Don 5er $lnfd)aulid)!eit öer Übungen ab. 2Benn bie 
öd)toäd)e ber Untätigkeit blofc aus bem Mangel an Kultur entftanben ift, 
fo fann, roenn bie 93ermaf)rlofung nid)t fet)r lange gebauert Ijat, burd) eine 
fleißige Übung leidet unb fidler geholfen merben, nur roirb bie Kultur in 
fpäteren Sauren fernerer, als biefelbe in ber Sugenb geroefen märe. 3Benn 
ber ©emüts^uftanb bie Sätig!eit einzelner ober aller ©eiftesfräfte l)inbert, 
bann ift es 6ad)e bes (Erjiefyers, bura) ©ämpfung ober 6d)mädmng ber Ur-- 
faaje bem Übet abhelfen. . . ♦" 

^ud) bie 9lbfd)nitte über bie „Teilung ber SBerrüdung ber Einlagen, 
ber ©ebreajen int gieren, bes Mangels ber 2Billfür im ©ebrauaje ber 
©eiftesfoäfte unb ber ©eiftesoerirrungen" enthalten fajätjensmertes 9ftate= 
rial, ebenfo bie „SHäteti! ber materietten ©eiftesbitbung". 3n ber £eil= 
hmbe ber ,,©ebred)en bes ©efül)lsoermögens" unb bes „33egel)rungsüer= 
mögens" finben fid) ebenfalls roeitere ^Intoeifungen über bie 93et)anblung 
Sftinb erbegabter. $lEes in allem barf man fagen, ba% 9JUlbe für 5as ©e= 
famtgebiet ber päbagogifdjen ^at^ologie bebeutfame Vorarbeit geteiftet l)at, 
ja man barf it)n getroft als 23al)nbre(|er biefer Sifgiplin bejeidmen, barum 
empfahl es fid) oon felbft, ijn t)ier eingebender gu mürbigen, ol)ne inbeffen 
feine 3been %u erfajöpfen. Sine 93etrad)tung feines Originalmerfes, bas 
faft 1000 Seiten ftarf ift, mürbe gemifc noa) meljr gutage förbern, gumal 
unter jebem $lbfd)nitte bie be§ügtid)e Literatur angeführt mirb. 

(£s bürfte nid)t oon ber £anb %u roeifen fein, ba$ angeregt oon Sftilbes 
$lnmeifungen mandjer in öen ©ebirgslänDern Ö[terretd)s mofynenbe Pfarrer 
unb Seljrer, mo es ja oiete ^retinen unb 6a)madjfinnige gibt, fid) bemühte, 
me^r, ober minber brauchbare 9Jtenfd)en aus it)nen §u madjen. Der für bie 
3btotenfürforge lebhaft intereffierte ^Bremer Sfteifenbe unb 9taturforfd)er 
3oIj. ©eorg & l) l x ) beridjtet barüber: ,fllut I)ier unb ba motzte oietteid)t 
ein mol)tmoltenber 2ftenfd)enlel)rer, ein einzelner ©eiftliajer, fid) einzelner 
^retinen annehmen, fie belehren, bitben unb ber für fia; felbft bie Über* 
jeugung ber 2ftögtid)Jeit biefer (Ergiefjung geroann, eine Überzeugung, bie 
aber nidjt bie feiner Seit mürbe. 3d) fyahe §ier unb ba in abgelegenen ©e= 
birgsbörfern mof)l einzelne ^retinen gefunben, bie il)ren Unterrid)t, il;re 
ftertigMt im ©abreiben unb SKedmen, iljre ^Begriffe oon ber 2Belt unb oon 
©ott folgen guten ©eiftlid)en oerbanfen." 

(Ein anbetet totlaufet bet pöbagogiifä) ! en Sßatl)oIogie, bet 
Sßfjitofopf) 5t. (Eb. 93enefe, 2 ) Sßrofeflor in ©erlin, geboten 
1798, geftorben. 1854, bet Scfyule £etbatts nafyefteljenb, 
jeibod)! felbftänbig in feinem 5)en!en, unb bet ©egtünbet eines 
eigenartigen pfndjologifcrjen 6nftems, oetbteitet fid) in feinet 
6d)dft „^Beiträge gu einet teinfeeIentDiffenfd)aftlid)en 35eatbei= 
tung bet Seelen!tanfl)ieit5?unbe, als SSotatbeiten für eine fünftige 
fttengmiffenftt>ftlid)e ^Ratutle!)te betfelben", bann weitet in bet 
„(Etsiel)ungs-- unb llntettidjitsle^te", 3 ) in bem „2el)tbua^i btx ^fn-- 



1^1 



etiföm o«s Statur- unb SBölferleben. 35b. 2. 6. 272. Bresben 1851. 

2 ) £). ©ramgom, g=. C. 33ene!e als Vorläufer ber päbagogifdjen 
Sßat^ologie. ein ©ebenlbtatt. ©üterslo^ 1898. 

3 ) 3mei 53änbe. Berlin 1835 bis 1836. Stamentlid) ^Bb. I. 4. 3lufl. 
1876. 



— 93 — 

djologie als ^aturtmffenfdjjaft", 1 ) foroie in anbeten Schriften unb 
$lbl)anblungen über finblicfyen SBlöbfinn unb (Mftesfcfytoäcfye. 

(öeiftesfdjtoädje befielt nad) tf)m in einem Mangel an geiftiger ^raft. 
(Etjarafteriftifdje äftertmale berfelben finb bie «ergeßlidtfeit, ber befajränfte 
Umfang bes &orfteHens, fotoie bie Sajmädje aller übrigen pfod)ifd)en (E>e= 
bilbe. Sa fid) t>te Uroermögen 2 ) bes 33löbfinnigen t)infid)tlid) bes geringen 
(örabes iljrer ilräftigfett benen ber Siere nähern, fo tft ber iBlöbfinnige eben= 
fotoenig toie bie Siere imftanbe, ftarbetoußte 2Baf)rnet)mungen §u bilben. 
93om «löbfimt fpegififd) oerfd)ieben tft bie ©ummljeit. kluger ben oerfd)te 
benen ©raben bes angeborenen 95löbfinns unb ber (öeiftesfdnoädje gibt es 
aua) einen enoorbenen 93löbfinn. 3n bejug auf bte ip e i l u n g 3 ) frmmt es 
barauf an, bie oorfjanbene geringe 5träftigfeit ber Uroermögen ju ftär!en. 
Sas gefd)iel)t unmittelbar burd) gmedmäßige Steige — angepaßter Unterridjt 
— bie aümälilid) unb in entfpredjenber ffolge mirfen muffen, ©abei tft es 
53ebingung, ba§ alles oermieben toirb, toas bie Uroermögen nod) mef)r 
fdjmädjen tonnte. 

$on ben Vertretern ber fog, (^riftlid)en9flid)itung: in bergab- 
agogi! tft (£f)r. ipeinrid) 3e*ler, 4 ) ber ©runter ber üftettungs- 
unb ^lrmenfd)ullel)reranftalt in SBeuggen am Sftfyein, p nennen, 
(©eb. 1779, gefr. 1860.) 

(Er fdjrieb eine bretbänbtge "ißäbagogif „£ef)ren ber (Erfahrung für 
djriftliaje £anb= unb $lrmenfdmtlef)rer", 5 ) bie gumeift als metfjobologifdje 
Anleitung für feine göglinge ^ m ^ % n fetner „6eelenlef)re" 6 ) rebet 
er aud) „oon ben natürlichen Sftängeln, Störungen unb Frontseiten bes 
6eelen= unb ©eifteslebens". ©iefelben leitet &Uex, entfpredjenb fetner 
religiöfen Überzeugung, oon ber fortgepflanzten 6ünblid)teit bes gefallenen 
2Renfd)en 5 er * ®* unterf Reibet: 1. Mangel an allem ©elbftbetoußtfein — 
bei aßen flehten Finbern gleid) ftarf oertreten, 2. Sdnoädje bes SBerftanbes 
im Senfen unb Urteilen, 3. 6d)toädje bes ©ebäd)tniffes, 4. 6d)toäd)e bes 
6prad)oermögens, 5. (Etgenfinn als gemöf)ntid)e (5 eb r e dj en bes 
(Erkenntnis o' ermögen s. 5)ie außergemöfjnlidjen © e = 
b r e d) e n besfelben finb nad) ü)m: 1. 5)er 6tumpffinn, gleid)bebeutenb 
mit 3biotie. 6ie finb „audj burdj ben gmedmäßtgen Unterridjt unb bie flei= 
ßigfte Übung toenig oortoärts gu bringen", Fommt nod) eine „auffaüenbe 
©ebunbenl)eit unb 6d)üd)temf)eit im Sieben" fjingu, „fo f)eifjt er 93löbftmt 
. . . . mit unförmlichen köpfen, größeren unb Heineren Kröpfen, einem 
gtoergartigen 2Bud)fe .... ufto.". 2Bie I)ier 3 e tfer 93löbfinn mit edjtem 



*) «erlin 1833. 4. Stttfl. 1877. 9laä) Volmers (Eo. ^äbaogogü, 
II. ^bt. 6. 259, Ijat 33ene!e in feiner (Ergiel)ungs= unb Untcrria)tsle^re, «b. 
II 6. 600, „ben begriff unb bie Wirten ber S^otftt^ulen ausetnanbergefe^t". 
5)iefe foüten aud) ^inbern bienen, bei benen „SJlangel^aftigleit ber Anlage" 
beftanb. 

2 ) 53. faßt bas gefamte pfndjifdje Seben in oier ©runbprogeffen jufam= 
men: Uroermögen (Urträfte), neue Uroermögen, 6puren, ©efamtbilb. 

3 ) ^Beiträge jur 6eelen!ranE^eitsIe^re« 5. ^ap. 

4 ) 6d)öllt), (E^r. |). 3eHer. 93afet 1901. — 1875 erfc^ien eine 
2 33änbe ftar!e £ebensbefd)reibung oon 9B. Z fy i e r f d). 

5 ) <Bafet 1828. 5Reuausgabe oon beffen (Enfel (E^. %. 3elter. — 
5. 9lufl. 1883. Seiber roenig bebeutungsooü. 

6 ) £e^te Ausgabe (Ealto 1866. g^ü^ere ausgaben nid)t gu ermitteln. 
— 93ergl. (5. ^ ö j I e , 2)ie ^äbagogifd^e ^at^ologie in ber (Eräiel)una.s-- 
!unbe bes 19. 3af)rf)unberts. 6. 131 f. C&ütersloj) 1893. 



— 94 — 

Kretinismus 1 ) oerroeojfelt, fo fte^t er legieren als Saubftumnujeit an, 
roeil „oft nur in äußerlicher ö>ef)örlofig!eit begrüntet". 

Gx Serrenner , ber 6rf>ule 9?iemet)ers angefyörenb, tropft 
in äftagbeburg, l)at in feinem 93ud)e: „©runbfäfee ber 6cfyuler3ie= 
ljung, ber 6djul£unbe unb Untcrridj'itstDiffenfc^aft" A ) einen W*= 
fdjnitt „Sßäbagogifdje $eil£unbe" gebraut, olme inbeffen Ijinfidjt-- 
lid) ber Kultur äUinberbegabter meljr gu bieten roie fein Sfteifter. 
(£r ift aber immerhin barauf bebaut, baß bie „Heilmittel" ber ©e= 
bredjien „ber SRatur be0 SOßenfdjen, ber 3nbitribualität bes Qöq= 
Jtngs unb ber Sftatur bes gu Ijeilenben Übels gemäß" angepaßt 
werben, (©eb. 1789, geft. 1852.) 

SBon ben 'jßäbagogen neuerer 3eit erfannte Dr. ^Billjelm 

£arntfd)i, geb. 1787, geft. 1864, bas 28efen einer befonberen 

6d)ul= unb (Ergiefyungsanftalt für 6d)ix>aö)finnige am llarften. 

6ä)on in feiner SBreslauer 3cit mürbe er mit bem 3nftitute bes Dr. 
6djneU 3 ) in SBiflisburg, Kanton 2öaaot in ber romanifctjen 6d)roeij, be= 
fannt gemacht, allein er fd)eint biefe Anregung im Saufe ber 3af)re oer= 
geffen %u l)aben. (Brft mit Einrichtung ber SBeilenfelfer &nftalt für £aub= 
ftumme 4 ) im 3al)re 1829, bie mit bem bortigen £ef)rerfeminar, bas ipar^ 
nifd) feit 1822 leitete, oerbunben mar, laut er auö) mit ©eiftesftfnoacfyen 
in 33erül)rung, ba folaje in Saubftummenfdjulen öfters jur 2tufnaf)me an» 
gemelbet mürben. 93ielleict)t ift üjm- auaj ber ©ebanle einmal aufgetankt, 
felbft eine $lnftalt für „93löbfinnige" ins Seben %u rufen ober oorbereiten 
%\x fjelfen. 3n feinem „ipanbbuct) für bas beutfaje 93olfsfdmImefen" 5 ) 
münf d)t er, ba$ gunääjft „bertlnterridjtfo eingerichtet m i r b , 
bafj auc| ber (5 et) ü l e r , melier nur in einem befäjränf* 
ten Umfange roegen öcfjmäcfje ber Einlagen gebilbet 
merben . ♦ . ein« oert) ältnisma'fjig genügenbe unb 
fixere ©eiftesbilbung erhalte". $>arntfc§, ausgezeichnet burd) 
©rünblicPeit unb ödjarffinn einerfeits fomie buret) flare (Erfaffung 
£er ^eftatoggifctjen 3been anbererfeits, lonnten biefe geringen 93ca§na^men 
natürlid) nid)t genügen. Nact) i^m l)at besfyalh aud) bie „Einteilung 
btx 6 d) u l e n " „auf bie befonberen Sagen, roorin f i dj 
bie 6 d) ü l e r befinben", 9t ü d f i d) t %u nehmen, unb es 
ergeben fid) baraus mieber befonbere 6d)ularten: 

*) 8» ftüfct ji^) W* teilmeife auf Dr. ©uggenbüf)l, ben er perfönlie!) 
fennen gelernt f)atte, unb ber bann im SKonatsblatt oon 93euggen 1844, 
9cr. -9 einen $luffat$ „Über Kretinismus überhaupt ufm." oeröffentüajte. 

2 ) 9Jcagbeburg 1833. 2. Slufl. 6. 34. — Unter 3errenner befaßte fiä) 
6ägert mit bem erften 3bioten. 

3 ) ersie^ungs- unb Sd)itlrat 1820 £. 19 6. 141. 93ergl. meiter 
oben. Er f djreibt barüber in einem 5luffafce „$lnftalten für 93löbfimtige": 
,,3d) erinnere mid), einmal, el)e biefe fragen an mid) eingingen, oon einer 
folgen 9lnftalt gelefen gu Ijaben, ia) mei§ aber nia^t me^r, ob es eine 3bee, 
ober ob es SBirfticPeit gemefen ift." 

4 ) §. 35 e 1 1) e , ©as Kgl. 6eminar gu Söeifeenfels unb bie mit bem= 
felben oerbunbene Sßroo.=Saubftummenanftalt. ©otlja 1879. 

5 ) 1812 erfa;ienen als „3)eutfd)e Solfsfc^ulen, mit befonberer 9tti<ffid)t 
auf bie ^eftaloä§iftt)en ©runbfäfee". <£rfte Neubearbeitung 1820, gmeite Neu- 
bearbeitung 1829, abermalige gänglia^e Umarbeitung 1839. Klaffüeraus- 
gabe oon Dr. g 1 . Bartels, sugleia^ mit einer 93iograpl)ie oerfe^en. 
Jßangenfalga 1893, ^ermann 55ener & 6ö^ne (33ener & 9Jtann). 



— 95 — 

neben 6d)ulen für Saubftumme, SSlinbe, 23ermaf)rlofte, SBerbredjer ufm., bei 
benen ber torperlidje unb fttttidje 3uftanb maßgebenb ift, ferner foldtje 
„aus ben geiftigen Anlagen, (nämlid)) ©tauten für 
SBlöbfinnige u n fc 6 d) m a cf) e ". 

Über bie Einrichtung berfelben äußerte er fid) einige 3af)re foäter 
in einem $Iuffa&e: „^nftalten für 93löbfinnige." *) Sarin meift er 
äunädjft nad), bafc fold)e Snftitute ein ,/Sebürfnis" feien, ba bie fd)mad> 
finnigen Kinber in ben Greifen ber 3l)rigen, „benen fie täglid) 6orge be= 
reiten" nid)t bleiben könnten, ba fie oon biefen „oft falfd) beljanbeii 
mürben. 93on feinem ortt)obor,en Stanbpunfte aus, fud)t aud) er natürlid) 
bie llrfadje „ber 93ermel)rung ber imbezillen Kinber" in „ber 3ftel)rung ber 
©iinbe bes ßeitalters", ofjne jebod) bie „(5d)ulb auf bie Eltern ober (öroß= 
eitern oon imbezillen Ktnbern zu merfen". Ergreifenb §eid)net er bann 
meiter bie unglüdlidjen Sage ber armen Kxnber unb legt bar, mie er fid) 
ein Unternehmen für jugenblidje 6dnoad)e benft. 

„3Bäre eine fold)e 9lnftalt erft ba, 2 ) fo toürbe fid) besf)alb awfy ein be= 
fonberes SSerfa^ren in ber 93el)anblung ber 3mbe^iHen ausbilben. 3Bie 
Saubftummenanftalten bie Kunft ^eroorgerufen §aben, Saubftumme einfad) 
Zu unterrichten, Srrenanftalten großen Einfluß auf bie Teilung oon 3rren 
unb SBafjnfinnigen gehabt I)aben, fo mürben aud) Slnft alten für 
SUöbfinnige uns näl)er auf bie oerfd)iebenen 8 u ftönbe 
biefer Unglüdlid)en aufmer!fam machen, unb uns bef = 
fere 5Bege als bie bisherigen angeben, um biefe Un-- 
glüdlid)en z u feilen, ju bilben, z u lehren, %u be = 
f d) ä f t i g e n unb iljnen i I) r £ o s §u erleichtern. 

2Ber eine foldje $lnftalt unternähme, müßte ben ^äbagogen 
unb btn 91 r z t in fid) vereinigen; 3 ) ober toenn er nur ein 
^3äbagoge ober nur ein $lr§t märe, fo müßte er bie anbere notmenbige 
<5eite burd) einen anbern 9Jtenfd)en neben fid) ergänzen, oor allem bürfte 
il)m aber bas eine nid)t fehlen, mos not tut: ©laube, Siebe unb 
Hoffnung, mie Eljriftus fie in uns geoffenbart Ijat, benn es möchten 
fid) §u Einfang manche 6d)mierigfeiten oorfinben. 

$lm beften mürbe bie $lnftalt auf bem ßanbe anzulegen fein, nid)t gar 
meit von einer bebeutenben 6tabt in einer freunblidjen ©egenb. £>a bit 
^Ingeprigen jebes 6tanbes münfd)en mürben, il)r Kinb i^rem 6tanbe gemäß 
bejubelt %u fef)en, fo mären brei oerfd)iebene ^enfionsfä&e anzunehmen; 



x ) allgemeine 6d)ulzeitung 1843 9fr. 111 6. 918 bis 920. 

2 ) 2)ie um jene Qeit errichteten Slnftalten oon 93öfe in Efjarlottenburg, 
oon % £albenmang in 2öilbberg, insbefonbere aber ©uggenbül)ls Slnjh 
auf bem $tbenbberge, fd)eint Jparnifd) nid)t gefannt gu fyaben, benn in 
9fr. 161 6. 1328 berfelben 8eitfd)rift mirb er auf bie fdjon in 3al)rg. 1841 
9cr. 110 6. 929 bis 932 unb 3al)rg. 1842 9k. 133 6. 1089 bis 1091 ge- 
brachten, bie Sftettungsanftalt für fd)mad)finnige ^inber in 3Bilbberg be= 
treffenben felfjr inftruüioen 93erid)te aufmerlfam gemalt. — ^)ier möge auc^ 
barauf fjingemiefen merben, ba^ oon älteren 3citfd^riftcn gerabe bie feit 
1824 befteljenbe 'SlUg. ©djulgeitung, ein 5lrd)io f. b. 2Biffenfd)aft bes gef. 
Ergiel)ungs» unb Untecridjtsmefens, über bie ©efd)id)te ber 6dj)maa)finnigen= 
bilbung ga^lreid)e mertoolle ^atta enthält. 93on ben mebiginifd)en Organen 
fommt neben ber oon ©amerom 1844 begrünbeten ^tUg. ß^tf^^ f« ^Pft)a)ia= 
trie ganj befonbers bas oon Erlenmeoer ins Seben gerufene &orrcfponbeng= 
blatt ber 5)eutfa)en ©efeüfdjaft für $ft)d)iatrie, feit 1854, in Setrad)t, ba 
es fid) gur Aufgabe fetjte, bie von 9töfd) 1850 bis 1852 herausgegebenen 
„iBeobadjtungen über ben Kretinismus" %u erfe^en. 

3 ) Ergieljungs-- unb 6d)ulrat 1820 ^eft 19 6. 141. Dr. Sdmett „be- 
müht fid) bie 5fr§nei!unft mit ber Erjiel)ungs!unft ju Bereinigen", ftljnltd) 
fpäter 6ägert, Kern, Kinb ufm. 



— 96 — 

bie id) alles in allem eingerechnet, olfo aud) Reibung, £el;rmittel ufto. 
alfo beftimmen möchte 200, 100, 50 £lr. 2Bie arm unb reid) in bem 
geroöt)nlid)en bürgerlichen £eben mit» unb nebeneinanber leben, fo fann 
bies aud) in ber Anftalt gefd)et)en, menn nur bie gleite Siebe oon feiten 
bes SBorftanbes allen guteil toirb. SRur bie leitenben Gräfte ber Anftalt 
finb in it)r gu befdjaffen. 2>enn bie bienenben Gräfte toerben gang ober 
bod) größtenteils aus ben 93löbfinnigen felbft genommen roerben tonnen. 
3a es tonnten bie 93löbfinnigen, bie über ben llnterrid)t l)inroeg unb an 
eine getoiffe ©eroerbstätigteit getoötjnt roären, nod) etmas für bie Anftalt 
oerbienen. 1 ) Aud) möchten fiel) mit ber gett roof)l liebeoolle bergen finben, 
bie ber Anftalt etmas legierten, bamit fie aud) gang arme Äinber unent» 
geltlid) aufnehmen tonnte. 

ßs fange nur jemanb in ©ottes tarnen an, momöglid) mitten in 
2>eutfd)lanb, ober mehrere in oerfdjiebenen ©egenben, er fange an in 2)emut 
unb ©lauben, unb follte fie aud) nid)t gleia) anfangs reichen £o^n für bie 
barauf gemanbte SO^ü^e gemäßen, es roirb fid) fdjon finben, unb toas met)r 
mert ift, ©ottes £of)n toirb ntc^t ausbleiben." 

©a| ipamifd) begüglid) ber 6d)toad)ftnmgenergiet)ung gefunbe 3been 
entroidelt I)at, bürfte burd) bie ©efd)id)te beftätigt fein. Als er bie obigen 
3eilen fdjrieb, mar jener Biaxin im ferner Oberlanbe bereits in Aftion 
getreten, bem es gelang, bie Angelegenheit ber ^retinen, 3bioten unb 
6d)toad)ftnnigen gu einer gunäd)ft orioaten unb foäterf)in gu einer öffent* 
lidjen Angelegenheit gu machen. 

©iefer ©ebanfe fyat fid) aber nur attmäfylidji burdjigefetjt, aud) 
auf ergieljlidjem ©ebiete. 3- 93. (Eurtmann, ber bas „2ef)r= 
budj ber (Ergiefyung unb bes Unterridjts" oon fi- £. 6d)ttrarg 2 ) 
neu bearbeitete, finbet es felbft in ber fiebenten Auflage biefes 
weit üerbretteten 5$erfes, bie 1866 erfd)ien, nod) nid)it für ange= 
brad)t, bie 33ef>anblung 6d)tDad)finniger aufzunehmen. 3>asfelbe 
gilt oon beut ebenfaUs votxt befannten „3Begmeifer jur 93iibung für 
beutfdje ße^rer" t)on 2) i e ft e r vo e g. 3 ). CErft in ber fünften $tuf= 
läge, 1877, finbet fid) eine entfpredjenbe Bearbeitung oon (E. 
6tö£ner. Spätere 2Ber!e 4 ) fyaben bann trielfad) ben ©egeu= 
ftanb ober toeniigftens bie Bebeutung einer gefomberten 93efyanb= 
iung pft)d)tfd)! abnormer Slinber betont. (Es bleibt barum nur 
nodj übrig, einige 3Borte gu fügen über biejenigen Bearbeiter 
gangbarer päbagogifdjer §anbbüd)er, (Engrjflopäbien ufro., bie 
möglicfyft frül) aud) bie ? (ErgieI)ung unb Bilbung ber ©eiftesfd)u>a= 
d)!en im 9laf)men ber ©efamtpäbagogif p toürbigen fid) beftrebten, 
toogu aüerbings bie fdjon befprod)enen „Vorläufer" ebenfalls 
mit§ugät)Ien finb. 

x ) 93artt)olbs 6nftem ber Arbeitsergiet)ung: Sie Arbeit ber 6dnoaa> 
ftnntgen mufc brauchbar fein unb einen, roenn aud) tleinen. ©emtnn ab* 
merfen. 

2 ) (£in bamals auffe^enerregenbes 9Beri (Brftmalig erfc^ienen Seipgig 
1802 bis 1812. 6d)toarg führte aua) ben Ausbrud „päbagogifa)e Sßatjo- 
logie" in bie Sßäbagogif ein. Siet)e 6. 58. 

3 ) (£rfte Auflage 1834. 

4 ) ®as engntlopäbifd)e %>anbbuä> ber (£rgie^ungs!unbe oon Dr. 
3; 2 o o s , 2 93be., Söien 1906--08, ein fonft treffliches 3Bert, entplt einen 
Artifet „6d)matt)finn unb Abnormenfürforge" oon Srüper, eine 6on- 
berarbeit über bie £ilfsfd)ule fudjt man oergeblid). 



— 97 — 

3unäd)ft begegnen txrir gnoei Tübinger Sfyeologen, einem 
fatfyolifdjen unb einem etmngelifdjen, bie beibe unferen ®egen= 
ftanb §temlid)i fadjgemäß beljanbeln. 

Dr. Gx 9(ft. 3)urfd), Sßfarrer in 2BurmIingen unb 9fott= 
roeil, geb. 1800, geft. 1882, uribmet in ber 1851 oeröff entließt eu 
„Sßäbagogif, ober SBiffenfcfyaft ber djriftlicfyen (Ergieljung auf bem 
6tanbpunft bes fatX)oItfd)ien (Glaubens" in bem ^ibfdjnitt über 
„bie Pflege bes geiftigen Sehens" ben 93ier= unb 6d)töad)finnigen 
eine befonbere Abteilung : „ $1 n m e n b> u n g ber (E r i i e = 
fyungsmittel bei abnormer, £ r a n f l) a f i e r unb 
unnatürlicher (Entto xd lung" , bie er in ben ^Begriff 
„p f rj d) i a t r i f dj e Sß ä b a g o g i i " gufammenfagt. 5)ie ^lusfü^= 
rungen oerraten6ad)funbe. 6einKoEege, Sßrof. Dr. (El), ^alme r, 
geb. 1811, geft. 1875, überfd)reibt in bem 2 3al)te fpäter erfd)iene= 
nen 3Berfe „(Eoangelifdje Sßabagogi!" einen großen ^bfdjnitt „bas 
eoangelifd)e ^ettungstoer!", bem er „biegöttlicfye 31 u f = 
gäbe unb il)re menfd)lid)e ßöfung" ooranftellt, um 
bann „bie mangelhaft O r: g a n i f i e r t e n " eingeljenb 
in befpredjen. (Er unterfdjeibet fid) oon 3)urfd)i infofern, als 
er auf bie Slftetljobif eingebt, unb bie eigentltdfyen Kinberfeljler 
in biefes Kapitel nid)t mit einbegriffen toiffen toill, ba biefe nid)t 
„auf abnormer, alfo nicfyt imputabler (Enttoidlung, als trielmeljr 
auf einem Überfyanbneljmen oon Neigungen berufen*" 

©aß St %. 6d)mib in ber oon il)m unb §al)lreid)en S0ltt= 
arbeitern herausgegebenen „(Engrjflopäbie bes gefamten Unter- 
rid)ts= unb (Er^ieljungstoefens" 1 ) ben (öegenftanb berüdfid)tigte, 
roar p erroarten. 3 un 'öd)ft in 33b. L „Kretinismus unb 33töbfinn 
im ünblidjen Filter. (Ergiefyungs-- unb £eilanftalten für fd)road)= 
finnige Kinber"; 33b. IV. „Sßfrjdjifdye Kranfljeiten ber Kinber"; 
33b. IX. „6tumpffinn". 2 ) — $lud)i in 9t e i n s (En^rjüopäbifdjem 
£>anbbudj ber Sßäbagogif finbet fid) ein 3lrtiM über ipilfsfdjulen 
für 6d)road)beföl)igte oon SL 3 i e 9 1 e * / leiber feinem ^adjmann. 

33cn 5)eutfd)lanb ging bie ipilfsfdjutbetoegung aus, bas $lus = 
l a n b folgte attmäljlid). " 31uslänbifd)e Srgte, £ef)rer unb 6d);ul!-- 
auffid)tsbeamte famen nad) 5)eutfd)lanb, befudjten unfere 33er= 
banbstage, lernten unfere §ilfsfd)ulen kennen unb riefen bann in 
iljrer §eimat foldje 6d)ulen ins ßeben, fo ba§ Ijeute bie £ilfs= 
fd)ule in faft allen Äulturlänbcxtn ber (Erbe 5^6 gefaßt fyat. 
Unbeftritten aber ftel)t 5)eut[d)lanb nod) immer, forool)l txrns btn 



*) 11 93be., ©otf)a 1859 bis 1878. 

2 ) (£s ift mir nidjt unbc!annt, bafj aud) nod) anbete päbagogifd)? 
^laffifer an einzelnen (Stellen ifyrer 6d)tiften ber 6c^tüac^ftnnt9enbtl5uno 
gebenten. 3cbod) ftnb i^re Ausführungen barüber metft fo bürftici, bafa 
es ftrf) nirf)t nerlo^nt, fyxex bes näheren auf fte etn^ugefjen. 3öer fidt> bar« 
über informieren miü, ber Iefe bei ^ ö 1 3 e , ^äbagogifdje spatf)o(ogic, 
föüterslo^ 1897, nad). 

7 



— 98 — 

äußeren als aud) ben inneren Ausbau ber §ilfsfd)ule anbelangt, 
an ber 6pi£e ber ^Bewegung. 

„3n oerljältmsmäfcig turger 3eit I)at bie 6 dj m t t g grofce ftortfajritte 
auf bem ©ebiete bes $lnftalts= unb £ilfsfd)ulmefens gemalt. ©er traurige 
Ausgang ber SBeftrebungen Dr. © u g g c nb ü f) l s t)attc bort offenbar redjt 
entmutigenb gemirft. (£rft oon etroa 1880 an matten fid) roteber Stimmen 
gum heften ber ©eiftesfd)mad)en me^r bemerflid). 2)ie erfte fd)meigertfd)e 
£tlfsfd)uleinrid)tung mürbe 1888 in 93afel gefdjaffen. 93orf)er fd)on beftanb 
in einigen Orten bie (Sinridjtung bes 9lad)f)ilfeunterrid)ts für bie 6o)maa)en 
mit einigen 2Bod)enftunben. Slber fdjon 1889 fprad) fid) bie „1* f d) m e i g e - 
r i f d) e ^onferenj für 5as 3biotenmefen" fel)r marm für £ilfs» 
faulen aus. 2>tefe 6dmlen führen in ber 6d)meig faft allgemein ben tarnen 
„öpegialflaffen". 1899 beftanben in 18 ©tobten 48 SUaffen, 1905 in 24 
Orten 61 klaffen mit 1236 Ätnöern, 1911 in 37 ©täbten 91 klaffen mit 
2009 ^tnbern. infolge ber geringen (£inmol)nergal)l ber meiften Sajmeiger 
6täbte muffen bie (Einridjtungen in ben meiften Orten einllafftg bleiben. 
^Daneben mirb in gaf)lretd)en Orten oerfdjiebener Kantone 9Zad)t)ilfeunter= 
rid)t an bie (5d)mad)en erteilt. 3n SBafcI (1906), 6t. ©allen (1908) unb 
6olotl)urn (1910) mürben 93erfud)e mit görb erraffen bes 2ftannt)eimer 
©nftems angeftellt. 2Beitere Angaben finben ftd) in 2B a \t e r , 2)te neueften 
93eftrebungen ufm. 6olotl)urn 1903. (Erfte 6d)merf)örigenfd)ule 1917. 

3n Öfterreid) mürbe bie erfte £ilfsfdmle 1885 in 9Bien mit gmet 
Älaffen gegrünbet; fie gäjjlt je&t 10 klaffen, $rü^er führte fie ben tarnen 
„Unterridjtsabteilung für fd)mad)finnige fdmlpflid)ttge 5Unber\ Seboa) geljt 
man jefct allgemein aud) in öfterreid) gu ber 93egeidmung „Jpilfsfdjule" über. 
6d)on oor 1885, gum Seil bereits in ben fiebriger 3al)ren, beftanben in 
öfterreid) „^urfe für fcfymadjfinnige 5Unber", bie, ungefähr ein 3of)r bauernb, 
ausfd)lie§lid) 9tadjl)tlfe mit bem 3icl ber Sftüctoerfefeung begmedten. 3)ie 
ipilfsfdntlbemegung Ijat erft in ben legten 3al)ren, baut ber rührigen Sätig* 
Eeit bes „^ürforgeoereins für Sd)mad)finnige unb CS p i » 
I e p t i f d) e ", einen lebhafteren $luffdjmung genommen. Sie 6d)mierig!ei> 
ten liegen im SJtangel einer reidjsgefe&lidjen ©runblage begrünbet. Sas 
9$eid)soollsfd)ulgefet; Ijat alles ber Sanbesgefe&gebung in ben einzelnen &ron= 
länbern überlaffen, bie trot$ mieberljolter bringenber ipinmetfe bes 9JMm= 
ftertums fid) nur ferner gu Opfern entfdjliefcen. 9lm beften ausgebaut ift bas 
£ilfsfd)ulmefen in ber (Btabt ©rag, mo brei oollausgebaute fünfflaffige £tlfs-- 
!d)ulen mit 93orftufe, Sagesljetmftätte unb StfUttagsfpeifung befte^en. 3ebe 
6dmle I)at eigene Settung. 3m gangen befielen bort 20 klaffen mit 350 
Äinbern (bei etwa 150 000 (Hnmoljnern). 93et ber £obelbanfarbeit mir!t ein 
gelernter Sifdjler, bei ber ©artenarbeit ein gelernter ©ärtner mit. 3n ber 
gangen öfterretd)ifdjen SOtonardne beftanben oor bem Kriege 39 £tlfsfd)ulen 
mit 106 klaffen unb 2055 5Unbem. 

3n Öfterreid) erfd)eint auä) feit einer 9lcir)c oon 3al)ren eine ftafy 



oorragenber 2öeife btent. £rfa)eint je^t unter bem Sitel: ^ü^ret alle 
gum ßtd)t. 

93ebeutenbe ftortfdjritte ^at bie 93erforgung ber ©etftesfd)mad)en nad) 
oerfa^iebenen 6eiten ^in in U n g a r n in ben legten 3crf)ren gu oergeta;nen 
gehabt, in erfter £inie bura^ bas überaus lebhafte 3ntereffe bes Unterritt)ts- 
mimfteriums. 3n iBttbapeft befielt eine in if)rer ©efamtetnridjtung mo^l 
etngig bafte^enbe ftaatlidje $>tlfsftt)ule mit fea^s auffteigenben 6d)ul» unb 
brei ^ortbilbungsfa^uHlaffen in eigenem fef)r ftattltdjen ©ebäube, in beffen 
erften 6tod fid^ ein unter Dr. 9* an f dj b u r g s Seitung ftefjenbes Ijetlpäb- 
agogifdj-pfn^ologifd^es Saboratorium beftnbet. Webm 9t. als 6dmlargt 



— 99 — 

mixten an ber Schule je ein Spegialtft für £)f)ren!rantl)eiten unb für Ortl)0- 
päbie. 2)ie Sctmle befi&t rociter ein Sagesl)eim mit äftittagsfpetfung. (Enb» 
lid) forgt für bie Binder eine auej) oom 6taat unb oon ber Staöt mit Mitteln 
nerfefjene Unterftü&ungsfommiffion. ^lufjer biefer Sdjule moren fdjon 1909 
in SSubapeft 15 kommunale ipilfsfdmlftaffen oorljanben. 9lufjerbem beftefjen 
gurgeit in etroa gel)n ^rooinjftäbten £ilfsfa)ulflaffen. S)ie $lufftct)t über 
bie gefamten fjeilpäbagogtfajen SBeranftaltungen Ungarns übt ein aus 93er= 
tretern ber oerfajiebenen SBeranftaltungen unter bem 93orfi& bes l)octmerbien= 
ten Staatsfeftetärs im Unterricßtsminifterium 9lärai) = 6äabö $uf am* 
mengefe&ter ffactjbeirat aus, ber bireEt bem SJlinifter unterfteljt. (Einzelne 
£ilfsflaffen, Sie in einem Sßoltsfdjulgebäube untergebracht finb, unterließen 
in if)rem inneren ^Betrieb bire!t bem Sdmlinfepftor. Sobalb an einer £ilfs= 
fdmle meljr als jmei ßel)rer mir!en, muffen monatliche Konferenzen abge= 
galten roerben, bereu SßrototoKe bem SRinifterium ein^Ufenben finb. Sie 
2ei)xex erteilen in 24 3öoa)enftunben Unterricht. 2)ie Klaff enbefetjung barf 
20 nidf)t überfteigen. 

3n 91 u § t a n b beftanben nur in SJtosfau, Petersburg, $ftifct)nt)=9tom= 
gorob unb (Eljarforn ipilfsfdjulen unb aufjerbem nocl) in §innlanb einige 
Jjilfsfajulflaffen. 

3n ben brei norbifdjenSfteicßen, bie im Slnftaltsroefen für 
6d)roaa)ftnmge gum Seil SBorbtlblicßes gefdjaffen ßaben, konnten bei bem 
2Rangel an Orten mit größerer 35et?öl!erung Jpilfsf Ovulen in erf)eb lieber Safyl 
nia)t entfielen. 3n ©änemarf richtete man £ilfsflaffen in Kopenhagen feit 
1900 ein; es bürften bort gegenwärtig etroa 20 ben oerfa^iebenen ©emeinbe« 
fdmlen angegtieberte £ilfs!laffen befielen. 3n Scfnoeben mürben bie erften 
fünf £ilfsfd)ul!laffen 1905 in Stocfljolm eingerichtet. 3n Sftorroegen begannen 
bereits 1876 2R. #. # a n f e n unb 2 i p p e ft a b mit bem Unterricht abnormer 
Kinber; 1892 mürbe bie 3Seranftaltung oon ber 6tabt Kriftiänia über= 
nommen, 1901 beftanben fdjon 31 Klaffen mit 410 Kinbem. 2lucf) ^Bergen 
unb ©rontfjeim richteten in ben neunziger 3al)ren ipilfsflaffen ein; 1901 
beftanben bort 14 Klaffen mit 222 Kinbem, t)ier brei mit 30 Kinbem. 

3n (Englanb mürben bie erften, ben beutfdjjen £ilfsfct)ulen entfpre= 
djenben (Einrichtungen für geiftesfdjroaaje Kinber 1892 in ßonbon unb £ei= 
cefter gegrünbet. Sie fteßen bort in enger 93egiel)ung gu ben Sd)uleinrid)= 
tungen für 93linbe, Saubftumme, (Eptleptifd)e unb Krüppel. Sitte führen bie 
^Bejeidjnung „special schools for defective children". $tn ipilfsfdjulen in 
unferem Sinne (sp. seh. for mentally defective children) beftanben 1909 
etwa 160 mit runb 10 000 Kinbem in 35 6täbten. Sie ßaben faft fämtlidj 
nid)t mefjr als brei auffteigenbe Klaffen. 2)en Unterricht erteilen faft nur 
Seherinnen, unb in ßonbon fteßt eine befonbere Sdjulinfpeftorin an ber 
Spit$e aller special schools. ®ie Kinber merben mit bem 7. 3af)re benipilfs» 
faulen aus ben für alle 4= bis 7 jährigen gefetjlid) oorgefdnnebenen „infant 
schools" (bie unferen Kinbergürten äfjnlicr) finb) jugemiefen. 93ielfad) finb, 
namentlich in ßonbon, \e eine ipilfsfcfmle unb eine Krüppelfcßule in einem 
Sdjmlfyaufe untergebracht, bie Krüppel im (Erbgefdjoft, bie ©eiftesfdjmacben im 
erften ©efcfyoft. %nx bie SBeförberung ber Krüppeltmber nad) ber Schule be= 
ftcr)t bie (Einrichtung ber „Sdjulmagen". Um bie 3Q^r5unbertmenbe blürjtc 
bas Jpüfsfdmlroefen aud) in (Englanb rafcf) auf, erlitt aber oon etwa 1904 an 
anfcfjeinenb eine Stockung. 3Jian bötte moßl aud) Sdjmacf)ftnnige ßößeren 
©rabes in größerer 3ctl)l in bie |)ilfsfcßulea aufgenommen, bei benen natüt» 
lieb teine erheblichen Erfolge in bejug auf fpätere 33ermenbung im öffent- 
lichen ßeben erhielt merben !onnten. 3n biefer 93egief)ung feßeint buxd) bie 
1907 erfolgte (Einfettung eines „Medicinal Department atthe Board ofEduca- 
tion" #nberung r)erbeigefür)rt ju fein, ©ureß biefe (Einrichtung roirb aucl) bie 
ftorberung einer ausreiö)enben ^tusbilbung ber 2eßr!räfte für ißren Sonber» 
beruf tatfräftig oertreten. (Es finb infolgebeffen in bas ^egulatio über bie 
Slusbttbung ber 95ol!sfcf)uEeßrfräfte oon 1908 and) 53eftimmungen über ßeil-- 



Schtr 



Massachusetts 

ded, — 100 — 

päbagogifd)e Seljrgänge mit aufgenommen. (Erwähnt feien nod) befonbere 
Einrichtungen gut beruflichen $tusbilbung älterer Knaben unb 9Jläbd)en. 
Gin befonberes £ilfsfd)ulgefefc ermöglicht, bie §ilfsfd)ulEinber bis gum 16. 
3cu)re in ber Sdmle feftgul) alten. 

3n £ollanb finb oomCEnbe ber neungiger 3cd)te ab in ben größeren 
6täbten £ilfsfdmlen eingerichtet, bie im großen unb gangen in ßielen, (Ein-- 
rid)tung unb ilnterridjtsbetrieb ben beutfdjen gleiten; jebod) finb fie burdj 
©efefe com 3af)re 1903 aus bem 93ereid) ber öffentlichen SBolfefdmlen aus= 
gefd)ieben unb mit ben ^Inftalten für 93löbfinnige unb 6d)wad)finnige gu-- 
fammengefteHt worben, um reifere ftaatlidje 3uwenbungen für fie gu er= 
möglichen, ©er 6taat gaf)lt ben ©efamtbetrag ber äJUnünalgef) älter unb 
baneben 4 Francs ie 5Unb. ©ie £ilfsfd)ule in ^mfterbam wirb uon einem 
herein unterhalten. Vlaä) bel)örblid)er 93orfd)rift muß in £ol!anb auf je 
16 ^inber eine Sel)rfraft fommen. ©ie 3<ri)l ber Lehrerinnen barf bie <pälfte 
atter Sefjrfräfte nid)t überfteigen. ^ein ^inb barf über bas 15. 3aljr hinaus 
gur £ilfsfd)ule gugelaffen werben. — 33on ben wenigen £ilfsfd)ulen in 
93 e l g i e n , in meinem Sanbe ja ein 6d)ulgwang überhaupt nod) nid)t be= 
fteljt, f)at bie in Trüffel bebeutenben 9htf erlangt, infonber^eit burd) bie 
t)on Sßrof. Dr. © e m o o r als £aupt bes mebtginifd)en ^Beirats biefer Sdmle 
entfaltete £ätig!eit. 9Son einer eigentlichen iptlfsfdjule fann allerbings in 
Trüffel nid)t gerebet werben; es fyanbelt fid) otelmeljr in ber $auptfad)e um 
in ber Stabt gerftreute klaffen für bie oon © e m o o r als „arrieres ped- 
agogiques" (burd) äußere ©rünbe — fd)led)te (Ergiejung, mangelhaften 
SdpulbefucJ), Rxanfyeit ufw. — 3 u *üdgebliebene) unb als arrieres medicaux 
(mit geiftigem ©efelt SBefjaftete) bezeichneten Slinber. 9lur bie letzteren 
mürben als eigentliche £ilfsfdmlfinber gu gelten §aben. 

ftranfreidj l)at erft um bie 3cil)rl)unbertwenbe bie erften Anfänge 
gu &ilfsfd)uleinrid)tungen gemacht, (Es erfd)eint nid)t ausgefdjloffen, bar, 
man aud) l)ier es nod) einmal an manchen Orten mit bem nu&lofen SBerfuel) 
oon 9teben£laffen gum $we& ber Sftüdoerfe&ung beginnen wirb, ftxantxtiä) 
befi&t feit 1909 ein eigenes £ilfsfd)ulgefei3, bas in mancher 93egiet)ung rect)t 
intereffant ift. ©iefes ©efe£, ausgeftefft oom 15. 2tpril 1909, fieljt bie ©rün« 
bung t)on £ilfsflaffen, oon $alb= unb t)on ©anginternaten oor. ©ie ipilfs-- 
Ilaffen mürben oon 5vinbern bis gum 13. Safyxe befugt, bie ^Inftalten tonnen 
Don ßöglingen bis gum 16. 3<*l)re befugt werben, fie übernehmen aber audfj 
bie berufliche 9lusbilbung. $lus ben ipilfsflaffen ift Schülern mit 13 Safyxtn 
ber Übertritt in bie Slnftalt geftattet. ©ie ©efd)led)ter foHen überall ge= 
trennt werben, ©ie Unterhaltung ber SBeranftaltungen liegt ben ©emeinben 
ob, bie ©ef)älter gaf)lt ber Staat, ©ie Seiter ernennt ber Scinifter, bie Seljr* 
träfte ber ^räfeEt. (Es wirb iljnen eine 3ulage gewährt, bie für bie be= 
fonbers geprüften 300 $r. beträgt, ©as ©rünbungsbefret einer SSeranftal- 
tung beftimmt bie 3<rf)l ber 3ögliuge, bie 3<ü)I unb ©auer ber 6tunben, bie 
93erwenbung ber £e^r!räfte ufw. ©ie £ilfs£laffen unb 5lnftalten unterfte^en 
ber 9t.uffiä)t ber ©epartementsfa^ulbe^örbe unb einer ärgtlid)en 3nfpe!tions= 
lommiffion, bie aÜe £albjaf)re reoibiert. ©ie 6a)ülerauswa^l erfolgt burd) 
eine lommiffion, befte^enb aus bem Vertreter ber 6a^ulbe^örbe, einem Slrgi 
unb bem Seiter ber ^Inftalt. — 3" bem ©efefe ergingen am 25. 9luguft 1909 
einge^enbe ^lusfü^rungsbeftimmungen mit Angaben über 6tunbenplan. 
Sel)rgegenftänbe unb Unterridjtgiele. ^Bcfonbcrer 2öert wirb gelegt auf 
©efang unb SJlufif, Sprechübungen, Surnen, Übungen aus bm SBeretdj bes 
prattifd^en Sebens unb £anbarbeit. 3n ben 5lnftalten foH bie £älfte ber 
3eit behufs beruflicher 'Slusbilbung ber ^anbarbeit gugewiefen werben. 3n 
Serbinbung mit bem ©efefe ift eine genaue Drbnung für eine befonbere 
£itfsfd)ullef)rerprüfung ergangen, bie aud) im eingelnen bie in berfelben 
gu fteHenben ^Inforberungen angibt. 

3n Spanien unb 3talien ift man bei bem niebrigen 6tanbe 
bes bortigen 95ol!sfa)ulwefens gur ©rünbung oon |>ilfsfc^ulen nod) nia)t 



— 101 — 

gelangt. 3n Stalten reid)t bie Sdmlpflid)t nur bis gum 10. 3cu)t*e unb xoirb 
auä) in biefem befdjränften Sftafje nod) nid)t ftreng get)anbl)abt. 3n biefem 
9ial)men ift natürlid) eine einigermaßen ausreid)enöe 93tlbung ber Sd)toad)en 
faum möglidj). 2Ran ift baf)er über einige wenige (Einrichtungen privater 
$lrt, toie g. $. bie t>on Sßrof, S a n t e be S a n c t i s in 9iom, ntd^t hin- 
ausgekommen. 2Beitere 9Jadjrid)ten über bie 93ilbungsbeftrebungen mit 
Sdnnadjfinnigen bietet bie 3 e üfdt^x^ift: L'Inianzia Anormale, Bolletino dell' 
Assoziazione Romano per la cura medico-pedagogica dei fanciulli anor- 
malie e deficientipoveri, herausgegeben oon $rof. Dr. Umberto Safiotti 
in 9Rom. Sie erfdjeint iäl)rlia5 in fed)s Hummern unb lann bereits auf 
mehrere 3a^rgänge gurüctbliden. 

3n ben ^Bereinigten Staaten t> o n Storb-^lmertfa, 
mofelbft im Slnftaltstoefen fd)on feit geraumer 3 e *t fc^r 93ead)tenstöertes in 
toiffenfd)aftlia)er mie praftifa^jer 93egief)ung geleiftet morben ift, tyat man [i.c 
gu Anfängen oon £ilfsfdmlemrid)tungen nur langfam unb ferner entfdjlie= 
|en tonnen. 3u ben menigen ©tobten, mo fold)e oorljanben finb, befielen 
fie meift nur aus einzelnen klaffen, bie ben SBolfsfdmlen angegliebert finb. 

3n 3 a p a n ift man oor furgem ebenfalls an bie ©rünbung oon 
Schulen für fdmmdje 5ltnber herangegangen. 

SBätjrenb bes Krieges roerben in ben genannten Sänbem 
roof)I mancfye SBeränberungen audj in ber 6cfytx>a(i)finnigenfürforge 
oorgefommen fein, ßetber roar es nicfyt möglich, trgenbn)elä)e 
yiadjiifyten baritber gu erhalten. 3Son bm Sß o I e n finb in ben 
uns abgenommenen £anbesteilen faft fämtlicfye ipilfsfcfyulen aitf= 
gelöft morben, toie 3. 33. in ©rauben^ Sf)ocn, Sßofen u, a. m. 

Genauere & a d) r i dfy t e n über bie 6d)r0ad)finnigenfüt-- 
forge bes $iuslanbes, über 91nftaiten unb ipilfsfdfyulen ufu>. fyat 
ber ipilf sf d) uITadenb er mit feinem reicfylicfyen unb über-- 
fid)tliä) gruppierten ftattftifdjen Material gebraut. 

Stteratut* 

$Ib?ürgungen: Sie £ilfsfdmle: £ilfsfd). — 3 e itfdt)rtft für bie 93e» 
fjanblung Sd)mad)finniger: 3* f» ^^)* Sdnn. — (BngntHopäbifd)es £anbbudj 
ber $eilpäbagogit: (Eng. %>bbd). — 3 e üf<9?ift für bie Ocrforfdmng unb 93e* 
fyanblung bes jugenblic!)en Scl)toad)finns: 3* f» ®tf. igbl. Sd)to. — 3^tfa;rift 
für Hinberforfdjung: 3* f- Äinbf. — ^Beiträge gur Stinberforfdmng: 33eitr. 

g. 5linbf. 

Sie erfte bead)tenstoerte ßiteraturüberfidjt bietet 
Sengelmann in feinem £ef)rbud) ber 3biotenf)eilpflege. Sorben 1885. 
£iteraturüberfid)t bis gum Satyrn 1885. (Eine giemlid) ooUftänbige Literatur 
bes ipilfsfajultoefens bringt bas ipanbbud) ber Sdmmdjfinnigenfürforge oon 
^Bösbauer, 3K t £ l a s unb S d) i n e r. 1911 erfdjien eine Literatur* 
überfidjt für bas ^tlfsfdjulmefen auf ber 3nternationalen ipngiene=$lus= 
ftellung gu Bresben als Separatabbrudt aus bem Sonber!atalog für miffen* 
fdjaftlidje Sdjutfjngiene, bearbeitet oon 91. ©raupner, Bresben. 3m 
ipanbburf) ber (Erforfdmng unb ffürforge bes jugenblid)en Sd)toad)finns, 
2. £eft, 3ena 1912, Ijerausgegeben oon ^rof. 53 o g t unb Sßrof. 2B e t) -- 
g a n b t , oeröffentlidjte ^enje in feinem ^luffatj: 2)ie §ilfsfd)ule, auf 
S. 241 bis 366 eine fef)r meitge^enbe, bisher bie befte 2iteraturäufammen= 
ftellung. S d) u l g e bringt in feinem 93ud)e: Sie 53erufsbilbung bes Jpilfs-- 
fcQulle^rers, ^alle 1917, ebenfalls einen brauchbaren Siteraturnad)meis. 
Sie oollftänbigfte ßiteraturüberfidjt aber bietet ba?. oorltegenbc 
^anbbud). 



— 102 — 

1« ©efdjtdjtltd&es unb 93entmnbtes. 

91 1 1 t) e r , Karl, Dr. 3. 3. ©uggenbüi)I (1816 bis 1863) unb bie 9ln- 
fange 5er fd)meigerifd)en 3öiotenfürforge mit 9üidEfta)t auf bie V. fd)toeige» 
rifdje Konferenz für bas 3biotentoefen. 6t. ©allen 1906, 3oUi!ofer. — 
21 l 1 I) e r , Karl, Sie (Entnricf Jung ber 3öiotenfürforge im 19. 3af)rf)unbert 
unb if)r gegenmärtiger Slnftaltsbetrieb. 6t. ©allen 1906, SoUifofer. — 
^Bartels, Dr. griebritf), 53cricrjt über bas 25 jährige 93eftef)en ber £tlfs» 
fd)ule in ©era. ©era 1899, £f)eob. &offmamt. — 93 a r t e l s , Dr. ftriebr., 
Über bie Klaffen für 6d)toaa)befäI)igte. 3. f. 93ef). 6dju>. u. (£p. 1887, 1-2. 

— 93eritf)te, offizielle, bes 93erbanbsoorftanbes über bie beutfd)en £ilfsfa)ul= 
oerbanbstage, 9tr. 1 bis 8. £alle a. 6., 9ftarl)olb. — 93 a r t f) o l b , ftriebr., 
3biotismus unb feine 93efämpfung. 6tettin 1868, 9ku)mer. — 93 er tt) an, 
©r. O., (Ein ©utaajten bes ©ireltors Dr. Kinb über bie (Erritf)tung einer 
£ilfsfd)ule in ber 6tabt 93raunftf)meig t>om 31. 2ftai 1880. 3» f» $*f* 19°^ 
6dno. 1907 93b. 1. — 2) e r f. , Über bie ©runbfäfce, natf) benen ^ilfsllaffen 
einguridjten finb. 3» f* ^ e ^ 6dp. u. (Ep. 1881=82, 5. — 5) er f., ©ie 
^ilfsftaffe für fd)toad)befäI)igte Kinber bei ben 93ürgerfd)ulen §u 93raun= 
fd)toeig. 3. f. 93eJ). 6tf)m. u. (Ep. 1881=82, 2. — 93ernf)arb, ©efdjiajte 
ber Kütfenmüljler Slnftalten bei 6tettin oom 3ct^re 1863 bis 1900. 6tettin 
1900. — ©enffcf)rift gur ^eter bes 50 jetzigen 93eftel)ens ber ipeit- unb 
Sßf legeanftalt für 6cfymad)finnige unb (Epileptifdje in 6tetten i. SR. — Vis- 
ier, £ilfsftaffen für 6d)maä)finnige. 3» f* 93e^ 6a)to. u. ^. 1889, 'Max. 

— $ r e n g e l , ffürforge für getftesfd)toad)e, taube unb blinbe 6d)ulünber. 
6d)ul^ngienifd)es Safajenbudj, herausgegeben t)on Surft unb Pfeiffer. £am« 
bürg 1907, SBerlag oon £. SBofc. — © e r f. , ©ie (Entnritflungsperioben ber 
§ilfsfa)ule. £ilfsfdj. 1919, 4. — % u d) s , 31., ©er gegenwärtige 6tanb ber 
|>ilfsfd)ulfrage. ©eutftf)e 6d)ute 1902 £eft 3, 4. 93erlin unb ßeipgig, Klinf« 
Ijarbt. — © e r f. , ©ie erften ge!)n 3<rf)*e ber 93erliner #ilfsf<Jmle. Sägt. 
9Umbfa)au tiom 14. ©egbr. 1908, 93erlin. — ©erwarbt, 3. %, ©efd)id)te 
ber fdjmeigerifdjen 3Motenfürforge. Sßeftaloggianum, 93eiblatt g. fajtoeig. 
Seljrergeitung, 3"rid) 1907. — o. ©igptfi, Dr., (Entmitftung bes Unter* 
rid)ts für fdjmadjfinnige Ktnber in 93erlin. 93lätter f. 93oltsgefunbl)eitspft., 
2Rüna)en 1902. — © e r f. , ©er Unterriajt für fd)toad)finnige Kinber. 93off. 
3tg. 1903 (40. bis 43. 6onntagsbeil.). — £ e n g e , 51., ©ie ©rünbung eines 
£itfsfd)uloerbanbes in (Engtanb. 3- l ^in&f- 1905. — ©er f., ©as £itfs= 
fdjuttoefen im 5luslanbe. 3* f» ®tf> iö&k 6d)to. 1907. — © e r f. , (Snttoitf- 
lung unb gegenwärtiger 6tanb bes £itfsfä)ultoefens in ©eutfdjtanb. 3» ?• 
<Srf. jgbl. 6d)m. 1906 93b. 1 £. 1. — © e r f. , ©efd)itf)te bes §itfsfdf)utmef ens. 
(Eng. ipbbd)., paUe 1911, äRar^olb, — © e r f. , ©ie £ilfsfa)uie. ^anbb. b. 
(Erforf 0). u. ^ürforge b. jugenbl. 6a3mad^f. ^>. 2, 3ena 1912. — © e r f. , ©ie 
Jpilfsfa>tle. 3n: ©as Kinb unb bie 6tfmle. Seipgig 1913, 93erlag ber 
©ürrfa^en 93ua;^anbtung. — ^> e r f o r t , Dr. Karl, ©r. 'Slmerting, 93eitrag 
gur ©efä)icf)te ber öa^tDaa^finnigenfürforge in 93ö^men. Qux ftein feines 
100. ©eburtstages. 6eparatabbruct aus (Eos 1908. — £ i l b , £., ©eutfa> 
Ianbs ^ilfsfa)ulen. 3. f. b. öfterr. 93ol!sfa)ulmefen 1897-98 £eft 8 bis 11. 

— £ofatfer, Dr., ©ie ^ilfsfa^ute für 6d)tDatf)begabte in ©üffelborf, 
1895. — £offmann, ©ie frankfurter ^>ilfsfa;ulen. Organ b. Zaub= 
ftummenanftalten 1890, 164. — 25 3at)re *ißlauener ^ilfsfa^ule. 3» f* ^ e ^- 
6a)to. 1918, ip. 1=2. — Kern, ©egentoart unb 3uftmft ber ^Blöbfinnigen- 
bilbung. 3. f. Sßfndjiatrie 1855 93b. 12 £. 4. — K i e 1 1) o r n , £., Orga= 
nifation ber ipilfsfclmle. 93eria)t über ben 2., 3., 4., 5. 93erbanbstag b. ^ilfs- 
faulen ©eutfa^tanbs. — ©er f. , ©ie ^itfs!laffen für f$ma$befäf)igte Kin= 
ber in 93raunfa)toeig. 3. f. 93e^. 6a)to. u. (Ep. 1885 unb 3. f. Kinbf. 1897. 

— ©er f., ©ie 93ebeutung eines 93erbanbes ber £itfsfdmlen ©eutf(f)lanbs. 
53erid)t üb. b. 1. beutfdjen ^ilfsfd^uloerbanbstag. — K i r m § e , ©ie ©e- 
fd)id)te bes 6a)tDad3ftnnigentoefens. 3* f» 35c5. 6d)to. 1906, 5. — © e r f. , 



— 103 — 

2)as 6d)mad)finmgentDefen 5er herein, (Staaten oon 9Zorbamerita im legten 
3af)rge^nt, 3» f. 93ef). 6d)m. 1907 £. 4-5. — 2) e r f. , (Sin beutfdjer §üfs= 
f djuliel)rer oor 100 3<")ren. &üfsfd). 1909, 147. — 2) e r f. , 2)te erfte §ilfs= 
jdmle. £ilfsfd). 1906 §.5. — 2) er f., ©efd)id)te unb äftufeum bes 6d)toad)= 
finnigentoefens. #tlfsfd). 1907 £. 7. — 5) er f., 3ux (öefd)id)te 5er £ilfs= 
fdjule. £üfsfd). 23b. 3, 201, 242. — 5) er f., Reifes Betrachtungen über 
geiftesfd)toad)e Kinber. SBeitr. g. 5linbf. £. 97, ßangenfalga 1911, 33eger 
& 6öl)ne. — 2) e r f. , Sßeter 3orbans £enenf d)uoi. ß. f. Ätnöf. 255. 16 £. 8. 

— 2) er f., Dr. 6d)neÜ, ©rünber einer ^Inftalt für ftumpffinnige 5!inber. 

— 2) e r f. , 2)ie (Entmidiungsperioben 5er &üfsfd)uie. £ilfsfd). 1918 £. 9. 

— 5! o d) , Sßf)., (Sin 33efud& in 5er Brüffeler £ilfsfd)ute. 3. f. Slinbf. 1902. 

— 2 o e p e r , 3v (Eine 3nformationsreif e nad) £aarlem. £üfsfd). 335. 1 
$. 2. — Sombrofo, "p., 2öas gefd)ief)t für 5ie in 5er (Entmidiung gu= 
rüd gebliebenen Slinber in Italien? 3. f. Slinbf. 1896. — Planer, O., 
#Ufsfd)uIen für 6$toad)befctf)igte. Steins (En^u!!. #anbb. 5. ^ßä5ag. — 
90t e f) n e r t , 3 u **i 93oltsfd)ulentumrf für bas Slönigreid) 6ad)fen, #üfs= 
fdjule betreffend £ilfsfd). 335. 5 §>. 2. — 9Jtonro e, 2B. 6., 2>ie ffüt- 
Jorge für 5ie abnormen itinber in 5en herein. 6taaten oon Storbamerifa. 
3. f. 5Unbf. 1896. — äRüIier, 75 irriges Befte^en 5er £üfsfd)ulein= 
ricfytung für geiftig fd)toad)e Slinber in (Efyemniij. ipilfsfd). 335. 3, 258 — 
9t i § f 3) e , (£>., 2)ie Königl. 6äd)fifd)e ßanbesergiefyungsanftalt für fd)toad)= 
finnige Kinber. (SJ)emm&=9ntenborf 1907. — Dealer, 2)ie £iifsfd)ule 
gu ©otfya. 2)en!fd)rift §um 25 jährigen Befielen 5er 5lnftalt 1894 bis 1919. 

— Pfleger, Dr., 3^r ©efdjidjte bes 3biotenmefens in Sfterreid). 3» f» 
35ci). Sd)to. 1882-8S <p. 6. — Sß i p e r , £., 2)ie gürforge für 5ie fd)toad)-- 
finnigen Slinber. illinffjarbt, ßeipgig. 2)eutfd)e Sdmle 1897 £. 3. — 
^ I ü f d) ! e , £ilfsfd)ulen un5 $üfsftaffen für fdjnoad)begabte Htnber 3n: 
2)ie ftäbtifdjen 6d)ulbeputationen un5 ir)r ©efd)äftsrreis. §annooer 1908, 
iBerlag oon ^rior. — 9i a a & , 2)en!fd)rift über bas beutfd)e ipilfsfdjulmefen. 
1920. — 9tanfd)burg, %, (öegentoärtiger 6tan5 5er ipetlpäbagogtf 
in Ungarn. 3. f. 5linbf. 1904 nn5 (Eos 1905 J>. 1, 2Bien nn5 Seipgig, $ia> 
lers 3Öme. — Meinte, 9tebenflaffen für fduuadjbegabte Äinber in 93er= 
lin. 3« !♦ 6dmlgefunbf)eitspflege 1900, 1901. — Stieltet, 2)ie 93eftrebun= 
gen für 5ie Bitbung un5 (Ergiefyung fdjtoadjfinniger Slinber in 3talien. 
§. f. ^Ber). 6d)to. u. (£p. 1900 |>. 7 bis 10. — 6 e n g e I m a n n , 3^r Orien= 
tierung über 5ie bisherige Arbeit an 5en 35ioten. 3» f» ^^ ©c^m. 1889 
^>. 3=4. — 6 d) e n i , 9l v 3 U ^ ^ürforge für 5ie (&eiftesfd;maa;en in |>olIan5, 
^Belgien, ^ranfreia) nn5 Sujembnrg. 3- f» Äinbf. 1900. — 2) er f., 2)a» 
^>iIfsfa;uitDefen in (£ngian5. 3. f. Sttnbf. 1902. — 6 d) u b e r t , %, §ilfs- 
fdjulen für fd)toad)finnige ^inöer. 991üna). me5. 3Bod)enfd)r. 1894, 9lr. 42. 

— 6f)uttletoortJ), %>. (£., 2öie in (£nglan5 für geiftig minöertoertige 
^in5er geforgt mir5. 3; f» Äinbf. 1896. — otogner, £. (E., Beiträge 
gur ©efd)id)te 5er |>eiIpä5agogit 3» f* 33^. 6a;m. 1904 §. 2 bis 11, 1905 
J>. 2=3. — 2) e r f., ^Ites un5 9teues ans 5em ©ebiet 5er ipeüpä5agogit 
Seipjig 1868. — 6tndenberg, 2B., ©efellfd)aft jnm 6d)n^e anormaler 
Slinber in Trüffel. 3. f. Äinbf. 1901. — Säfener, Sß., 2)ie (Sntfte^ung 
bes (5e5antens, befonöere 6a)uten für fd)roaa5finnige ^in5er gn errid)= 
ten. 3. f. SBct). 6a;m. n. (£p. 1900 £. 5=6. — Sä^ner, Sß., nn5 
^ruggme^er, 2)ie $Rad)f)iIffd)nle in 2)resben= < 2ütftabt naa) i^rer (£nt= 
ftetjung unb itjrem je^t geltenben Se^rplan. 2)resben, Sßä^Ier. — Ufer, 
(£f)r., 2)er gegenmärtige 6tanb ber |)eileräief)ung in 3talien. 3* f» Äinbf. 
1901. — U r b a n , 2Rar,, 2)ie £ilfsfdmle in ßittau nad) il)rer Ctntmidlnng 
unb ^lusgeftaltung in ben erften gefjn 3al)ren il)res 33efte^ens, 1897 bis 1907. 
£üfsfdmle 3ittau. 2)rud non 3B. 33öf)tn & (So. — Söalfer, SB., 2)ie 
neueften Bestrebungen unb (Erfahrungen auf bem (öebiet ber (Ergie^ung bor 
6d)toad)en. 2)iffcrtation, 6olot^urn 1903, 3 c Pf e I* — ^ r - 3B e l) r I) a I) n , 
(Einridjtung ber £üfsfd)ule unb Unterrid)t in berfelben. 3n: 6cltcr, £mnö-- 



— 104 — 

bua) ber beutfdjen Sd)ull)t)giene, 5. Seil, ©resben 1914, Verlag oon Stein» 

!op t* "..^ e f 9 J ' ..^ eUpäbo 9°9 i ^ e 3ugenbfürforge in Tonern. Stbbrutf 
o. b. Sßabagog. flattern 1905, 2Jtünrf)en, ßeutner. — Hintermann, 
©ie frlfsfdmle in Bremen. 1901. Selbftoerlag, ©rutf oon Seemann-Vre» 
men. — ©er f., ©ie frlfsfdmlen ©eutfd)lanbs unb ber beutfdjen SaWi*. 
Veitr. 3. Ätnöf. 1898 fr 3. — © c r f., Vertat über ben Stonb bes frlfs« 
fcljulmefens. 1., 3 V 6. u. 8. Vericljt über bie beutfdjen frlfsfctmloerbanbs* 
tage. — 3 i e g I e r , äarl, fr Ifsfdntlen für Sdnnaajbef äljigte. 9teins (Engn! I. 
ipanbb. — ©er f., ©as Sd)tr>ad)finnigenbilbungs« unb ftürforgemefen ber 
^einproning. 9tf)einifcf)er £ef)reroerbanb 1912. — ©er 3Berbeaanq ber 
Seipgiger frlfsf^ule. frlfsfa> 1917, 2. 

2. ©tattftffdjes ufu>« 

Sluer, ©., unb ©uillaume, Dr., ©ie eibgenöffifa> Bähung ber 
fajtDadtfinmgen Slinber unb beren frauptergebniffe als (örunblage bes 
fä)roeiäerifa)en 9tettungsmerfes für bie unglütflidje 3ugenb. iBer^ b. 2. 
ftfjtöeia. äonf, f. b. 3oiotemoefen, $larau 1899. — 2tuer, ©., Veria^te über 
ben 6tanb ber 6orge für bie geiftesfd&madjen ^inber, erftattet auf ber 3. 
bis 8. fajtDeij. 5?onf. f. b. 3Motenmefen. — 93 a r t $ , Statiftifdjes äRaterial 
in ber fr Ifsf djule §u Erfurt. fr If sfa> 93b. 3 fr 7. — 33 ö 1 1 g e r , (Ergebniffe 
ber (Erhebungen über bie fäa)|ifd)en frlfsfajuleinriajtungen im 3uni 1913. 
3. f. Vel). Sdjm. 1914 fr 4. — $ r e n 3 e I , fr Ifsfdmlgefefce. ©efepcge 
Veftimmungen, beprblia> Verfügungen, (Erlaffe, Verorbnungen, Vefdjeibe 
ufm., betreffenb bas ©efamtgebiet ber Stf)toad)ftnmgem)erforgung in ©eutfa> 
lanb unb ben 9latf)barlänbern. Stolp i. ^om. 1911. — ©anguillet, 
©ie eibgenöffifa^e Statiftif über bie geiftig gurüdgebliebenen ^inber, mas 
leljrt fie unb mie ift fie weiter gu führen? 3. f. £inbf. 93b. 6, 235. — 
ße ©raub, Über bie ftf)toad)finmgen Sünber in ber 6dnneis. 3. f. 
fa^meis. 6tatift. 1904, Vem. — 51 a l e n b e r für Ijeilpäbagog. Sdntlen unb 
Stnftalten, 3al)rg. 1 Ms 10. — £läb e, (Entmurf gum Ausbau ber frlfs-- 
fdmle. ßeipgig 1900. — SR e I & e r , ©ie ftaatliaje Sc^maajfinmgenfürforge 
im ^önigreia) Sadtfen. ©resben 1904. — äRUlas, Seopolb, StatifttE 
ber öfterreid)tftf)en frlfsfdmlen unb 2tnftalten für fdjmadjfinnige 5linber. 
Veftanb 00m 1. 3anuar 1908. SBien 1908, Verlag Verein ftürforge für 
6d)toaä)f. u. (Bp. — ^Ritter, 3t v <5tanb ber ^ürforge für Sdntmajfinnige 
in ber Sd)toei§. Verl), b. 2. 6tf)tDei§. ^onf. f. b. 3oiotenmefen, 9tarau 
1899. — Stadler unb 951 ib b elb r f , ©ie fr Ifsf acuten Heftfalens. 
Verid)t bes Verbanbes ber frlfsfdmlen 2Beftfalens über bie (Entmidlung 
unb ben gegenwärtigen Stanb bes frlfsfdjulwefens ber Sproninj nebft 
orientierenden Stuffätfen, Verfügungen unb Slnf)ängen. ©ortmunb 1914, 
i^ommiffionsoerlag oon ©ebr. Senfing. — Statiftü, fdnoeijerifdje. frrausg. 
o. ftatift. Vureau bes eibg. ©epartements bes 3nnern, Vern 1898. ©ie 3&() r 
lung ber fd)toad)finmgen Kinber im fa^ulpflid^tigen iälter mit (Einfdjluft ber 
Jörperlid) gebred)lia^en unb fittlia) nerma^rloften, bura^gefü^rt im äftonat 
"Wlärg 1897 (beutfa) unb franjöfif(|). — 6tritter, ©ie §eiler§ie^ungs» 
unb ^Pflegeanftalten für fa^madjbefä^igte ^inber, 3oioten unb (Epileptiler 
in ©eutfd5lanb unb ben übrigen europäifa^en Staaten. Hamburg 1902. 
©in 9laa)trag erfa^ien 1904. — Hintermann, 91., ©ie frlfsfdmlen 
©eutfa)tanbs unb ber beutfa^en Sdjmeiä am Anfang bes 3af)res 1898. (Ein 
Veitrag jur Statifti! bes frlfsfdwlmefens. Veitr. j. ^inbf. 1898 fr 3. 
© e r f., fr tfsfdmlftatiftif. Ver. über ben 1., 3., 6. unb 8. Verb. b. fr ©. 
— 3 c n*ralblatt f* &. 9 e l* Unterrid^tsnermaltung in Sßreu^en. 3al)rg. 1894, 
1896, 1901, 1903, 1907: Überfitf)t ber norf)anbenen Sd)ulemrid)tungen für 
nid)t normalbegabte ^inber fdjulpfUdjtigen alters. — 3i c t i n g , Statift. 
Mitteilungen über bie Vranbenburg. frlfsfa^ulen. frlfsfd). Vb. 3, 282. 



— 105 — 

3, «Bertdjte, Settfdjdften, 

^Beiträge $ur Kinberforfdjttng. (Eine Sammlung zwanglos erjaget» 
nenber $lbl)anblungen. iperausg. o. $1 n t o n , Martina!, 3* £ r ü p e r 
unb (El)r. Ufer, Sangenfalza, |>. 93eoer & Söt)ne. — Beiträge gur Sd)toad)= 
fimtigenfürforge. 3äl)rlid) 4 £efte. £erausg. oon SBösbauer^SUHnas» 
6 d) i n e r. 2öien I, £einr. SdjeHbad). — 93ertd)te ber Konferenzen für bas 
3biotentoef en, 1. bis 8. (1874 bis 1910). (Erpltl. b. Siref tor 6 $ ro e n l , 
3bftein i. Saunus. — 93erid)te über bie 93erbanbstage ber £tlfsfd)ulen 
©eutfdjlanbs, 1. bis 8, (1898 bis 1911). £erausg. oon 9©el) r l) al) n = 
§ e n j e, (Erljältltd) bei $ftarf)olb, paUe a. 6. — 93erid)te über bie öfter» 
reid)ifd)en Konferenzen ber 6d)toa(|finnigenfürforge (1904, 1906, 1908, 1910, 
1912.) 3Bien t £erausg. o. herein ^ürf. f. Sd)to. it. Sp. — 53erid)te über 
bie fd)toeizerifd)en Konferenzen für bas 3öiotenmefen (1. bis 7.). (Erl)ältl. 
bei $lnftaltslel)rer K i r m 6 e , 3oftein. — 93erid)t über bie £ilfsfdutle ju 
Sfleifcen für bie Seit oon Oftern 1903 bis Oftern 1913. £ilfsfdmle gu 
äfteiften. — 93erid)t über bie Kriegstagung ber 93ertreteroerfammlung bes 
93erbanbes ber £ilfsfd)ulen ©eutfajlanbs am 11. $lpril 1917 ju ^Berlin. 
ipaHe a. 6., 2ftart)olb. — ^Briefe unb 93ilber aus $ltfterborf. 3u begießen oon 
ben $tlfterborfer $lnftalten bei Hamburg. — 203 c i g I, Kurs für £eilpäb* 
agogif unb ©dutlljugiene. Sonautoörtf) 1908. — 6d)ulge, ©ie ^Berufs- 
biibung bes £ilfsfd)ußel)rers. £aHe Q. 6. 1917. — £et)rmitteltoarte für 
J)eilpäbagogifd)e ©acuten unb 2lnftalten. 93ierteljaf)rsfd)rift, l)erausg. oon 
$ r e n z e l unb 6 d) to e n I. Leipzig, & ©♦ £*)♦ ©Keffer. — 3ettfd)rift 
für Kinberforfdmng mit befonberer 93erüdfid)tigung ber päbagogifd)en Sßatfjo» 
logie i. 93. m. 21 n t o n unb 9JI a r t i n a I. iperausg. oon £ r ü p e r unb 
Ufer. 3äf)rlid) 12 £efte. ßangenfalza, 93erjer & Söfyne. — 8 c ttf3)*ift 
für bie 93ef)cmblung 6djtoad)ftnniger. Organ bes Vereins für (Erziehung, 
Unterrid)t unb Pflege ©eiftesfdnoadjer. £erausg. o. (£> ü r 1 1 e r , 9tt e 1 1 « 
I e r , 6tritter, 6 d) ro e n f , 3Beniger. 3ö^rlia^ 12 £efte. £alle 
a. 6., S0tarf)olb. — 3cttfd^rtft; „Sie £ilfsfdjule". Organ bes SSerbanbes 
ber £ilfsfdntlen 3)eutfd)lanbs. 3äl)rlid) 12 £efte. £erausg. o. §enz^ 
ipalle a. 6., 9Jtarl)olb. — 3 e ^tfci)rtft für bie (Erforfdjung unb 93ef)anblung 
bes jugenbtidjen 6d)road)finns auf toiffenfdjaftlidjer ©runblage. #erausg. 
o. 93ogt unb Söerjganbt. 3äl)rlid) 6 £efte. 3ena, gtfd)er. — (Eos, 
3eitfd)rift für bie (Erkenntnis unb 53el)anblung jugenblia^er abnormer, 
iperausg, o. 2) r u f d) b a , Krenberger, 2R e 1 1 unb S dj l ö fc. 3äf)r= 
lief) 4 £efte. 2öien unb ßeipzig K. ©raefer & Co. — 3ftonatsfd)rift für bie 
gefamte 6prad)f)eilfunbe. |>erausg. o. Dr. © u £ m a n n. Berlin, ^ifdjer. 
(Erfd^eint nia)t me^r. — 3ßitfa)rift für päbagogifa)e ^Pfna^ologie unb egperi» 
menteße Sßäbagogü. ^>erausg. oon 6 a^ e i b n e r unb 6 1 e r n. Quelle 
& StRener, ßeipzig. — ^eilpäbagogifa^e 6a^ul= unb (Elternzeitung. 3cu)rlid) 
12 §cfte. 9Bien, $. Kirfa). — 3R o e l i , Sie ftürforge für ©eiftesfranfe unb 
geiftig abnorme nad) ben gefe^lia^en 93orfd)riften, TOnifterialerlaffen, be- 
5örbltO)en 93erorbnungen unb ber 9ied)tfpred)ung. §aüe 1917, SJiar^olb. 

3a^resberid)te oeröffentlid)en bie meiften 3biotenanftalten, mie z- ^ 
^llfterborf, 3bftein i. Satmus, 3TC.=(&labbad), Küdenmü^le b. Stettin, ßefdj- 
niö i. Oberfd)l v StRariaberg i. Württemberg, 6tetten i. S^emstal, Segens» 
betg i. b. 6d)toeiz u. a. Sie 3ubiläumsberi4)te, meldte bie 33erid)terftattung 
über einen längeren 3eitraum umfaffen, finb befonbers intereffant unb 
leljrretd). 

6d)Ue^Iid) bleibt nod) m erroäf)nen, ba% mit bem Ausbau ber ^tlfs- 
fd)ultoiffenfd)aft in Iefcter 3eit and) geeignete £e^r=, Sern-- unb 93er* 
an[d)aulid)ungsmittel gefa^affen rottrben. 3Bir befi^en jet^t fo- 
gar eigene ffibeln, fiefebüdjer, 6prad)l)efte, 9icd)enroerfe, ^etigions'büdjcr 
unb 6a)riften für Sefezroetfe. 

8 



— 106 — 

1. g i b e I n : 33 a r t f) o l b , ffibel für fd)road)bef(if)igte £inber. — 
Seffenid), SBorfibei. — SWurt'felb, ffibel für £Ufsfd)ulen. 
9HÖf$e, £Ufsfd)ulfibei in £ateinfd)rift. — «Rc^s unb 2Bitt, 2lrti£u-- 
lations» unb Sefefibel. — S d) i n e r , 9JU El a s , S r c m e l , 90tein £efe= 
bud), 2 Seile. — 6töroefanb, £efebud) ber kleinen. — 30 e J) l e , Sßefta-- 
loggifibeL 

2. £efebüd)er: $ u cfy s , S>eutfd)es £efebud) für £>ilfsfri)iilen. 
2 Seile. — 51 n a u f , £efebud) für £üfs= unb Saubftummenfdjuleu. 3 Seile. 

— £ e i p g i g e r Sefebud) für £ilfsfd)ulen. 2 Seile. — 9fl u r t f e I b , 
Sefebud) für ipüfsfdntlen. 3 Seile. — 6 d) u l § e , 3)eutfd)es ßefebud) für 
ipilfsfdjulen. 2 Seile. — 9^einifa>roeftfäIifd)es jpilfsfdjuüefebud), |>erausg. 
r»on ben ipilfsfdjulnerbänben 9tf)einlanbs unb SSeftfalens. 3n 2 Seilen unb 
je 3 ausgaben, für !ati) v parit. unb etmngel. ipilfsfdnxlen. ^Breslau 1915, 
Verlag non £irt. — 2ö a r l i d) , $lus ber SBelt bes SUnbes. (£in erftes £efe-- 
bud) für |>ilfsfd)ulen. 53raunfd)roeig 1921, Verlag non ^Ippelrjaüs' & &o. 

3. 6prctd)I)efte: ^nauf, 6prac^bud^, 2 £efte. — Sanften-- 
b e r g , 20prterbud) unb Übungsftoff. — SR u r t f ei b , Übungsftoff für ben 
9*ed)tfd)reibeunterrid)t in JpUfsf^uIen. gran!furt o. SR. 1920, Verlag von 
S>ieftertüeg. 

4. 3ftea)enl)efte: 93 r p f) m e r unb ^ ü f) I i n g , Übungsbud) beim 
9*ed)enunterrid)t. — ©annenberg, ©realer unb äfterteismann, 
9ted)enaufgaben für beutfd)e £ilfsfdjulen. 2. ipefte. Breslau, $. ipirt. — 
(Öiefe unb Soeper, 3ied)enbuci), 4 <pefte. — SJlurtfelö unb (£b = 
r e d) t , 9*ed)enbud), 4. ipefte. — S d) u ( i e unb 6 d) m i b t , 2Ber rechnet 
mit? Aufgaben für ben 9ied)enunterrid)t in iptlfsfdjulen unb nerroanbten 
^Inftotten nad) zeitgemäßen pfnd)oIogifd)en ©runbfä&en ftufenmäftig ge= 
orbnet. ipaße a. S v (£arl 9ftarf)plb. 

5. Sfteligionsbüdjer: SReper, 32 biblifdje ©efd)td)ten. — 
9JI ü n d) p ro , (£nangelifd)es 3fieligionsbüd)Iein. — 9JI u r t f e I b , 9*eligions= 
bud) für ipitfsfdutlen. — feuert, (Enangelifdjes 9teIigionsbud). — 
S ö b e r , SCRerfbud) gum enangelifd)en 9^eligionsunterrid)t. — 93 a r t -- 
f) o I b , Spruäjbücfylein gur bibl. ©efd)id)te. SD^CSIabbad) 1871. — 
Frings, 5?atf)ptifd)es 9ieltgipnsbüd)lein für ipüfsfdntlen. Ausgabe für 
Sefjrer unb Ausgabe für Sdjüler. ©üffelborf 1919, Verlag ppn Sdnnann. 

6. 53 ü d) e r für Sefegroede: 9ttarf)oIbs 93üd)erei, 2 93änbd)en. 

— Sugenbfreuben, 2 ^Bänbdjen, Herausgeber: Sprengen unb Seebaum. 



<?mü <2Bolff & 6ö£ne, Äalle (5.), SSpferptan 3. 



QÜßefen unb Einrichtung 



bcr 



^üMcfeule 



95on 



gratis ^renjel 



!pauptlef)rer unb Setter ber ftäbtifdjen §Ufsftf)uIe ju 6toIp t. ^ßom., 

Herausgeber bes §tlfsfd)ulfalenbers 



Stocitc oerooUftänbigtc Auflage 




ipafle q. 6. 1921 — (£arl 9WarI)oIb $erlagsbud)f)cmblung 

<8erlag bcr „AUf$fd)ule", Organ beß 93crbanbe$ bcr &Uftffcbuien ©eutfd&lanb*, 

bcr „3cltfcf)rift für bic <23ebanbiung ec&ttma^finnlger", Organ beS Q3crein$ für <Sr« 

jicbung, Unterricht unb Pflege ©cifteöfcf)n>acf)er, unb bcö „Joiiftffcbulfalenberö" 



3n^It3t>eraetd)tti& 



Seite 

1. SBefeit mtb (Sittrtdjtmtg bet §Uf$fdjttIe . , . . . . 5 

9teme. Hufgaben unb 3icle. 9tad)f)ilfeRlaffen. 2tbfd)lufehlaffen 
2RannI)eimer Stiftern. Charlottenburger Softem, görberhlaffen. 
Slnftaltsfdjule, £üfsftf)ule, SRormalfcfyule. Ginljjettefrfjule. ©egner 
ber £>ilfsfd)ule. Selbftänbigheit. ßiteratur. 

2. $UfsfdjüIet 21 

2lusroaf)l ber Scfyüler. 3ntelligen3prüfungen. 2ftetf)oben 3ur 3" s 
telligenäprüfung. 93egabtenfd)ulen. Fragebogen, ßinfdjulung. 
SBiberftanb ber (Eltern. 3 roan 9 sn:,e if c Ginfdmlung. ^erfonal- 
bogen. (Erläuterungen aum amtlidjen Sßerfonalbogen. S3erid)te. 
(Elternhaus, spjrjdjopattjifdje ftinber. ßiteratur. 

3. 6ö)uleinria^tungen 61 

Sdjulbauer. SRüchoerfetjung. ßlaffenbefetjung. klaffen unb 
Stufen. Sßarallelhlaffen. 3^traIifation. kleine ©emeinben. 
Konfeffion. Trennung ber ©efd)led)ter. 2)urd)füf)rung ber 
klaffen. Slustaufd) ber Sdjüler. Literatur. 

4. Se^tbetrieb 73 

ßefyrplan. Unterrid)tsgegenftänbe. Äongentration. 6tunben« 
plan. Raufen unb Serien. Hausaufgaben. Konfirmation. 
(Entlaffung. gortbilbungsftfmle. fiiteratur. 

5. 6djuII)aus unb 3lu0ftattuttg 93 

£ilfsftf)ulf)aus. Sagesanftalt. Sdjulausftattung. ßetjr* unb 
ßernmittel. ßetjrerbüdjerei. Sdjülerbüdjerei. SBüdjeroeraeidmis. 
ßiteratur. 

6. S)te Seljtftaf te bet #Ufsfc$uIe 101 

Sßrüfungsorbnung. Stanb unb 93efolbung. SJMnifterialerlaffe. 
ßiteratur. 

7. ©er Sltjt in bet §tlfsfdjule 114 

ÜHotroenbigfceit bes £ilfsfd)ular3tes. ©runbfäfce ber ärstlidjen 
2Ritroirkung in ber £>ilfsfd)ule. ßiteratur. 



9lbfürpttgett bei bett 2tterarurmtgabetu 

©te £tlfsftf)ule: £ilfsfd). — 3ettfd)rift für Me <Bef)tmb= 
Itmg Stf)tDad)fmmger: 3» f» 93el)* Sd)ro. — (£njT)!lopä= 
ötfc^es £cmbbud) ber ipeüpäbagogif: (Eng. ^>bbd^. — 3 c ü = 
fdjrtft für i)te (£rforfd)ung unb 5Bef)cmbIung bes jugenb= 
liefen 6d)tDad)fmns: 3- f« ^*f» iööl. 6d[)tr>. — 3ßitf(^rtft 
für Sltnberforftf)ung: 3* f« Äinbf. — ^Beiträge jur 5Un= 
berforfcfyung: SBeitr. $. JUnbf. 



!♦ 2Befett unb QintitytunQ bet $ilf$f$ule+ 

Plante. — 3)ie gefd)id)tlid)e (Enttrricflung ber £>ilfsfd)ule 

geigte uns, bafj ifyr Sftame rjerfdjiebene 2Banb hingen burd) gemacht 

|at 6 1 ö £ n e r fprad) juerft oon 6 d) u 1 e n für f d) trj a d) -- 

befähigte Ä i n b e r , nannte fie aber $ftad)f)ilfefd)ulen, 

©araus entftanb ber Sftame SRad)>^iIfefIaffe, fpäter §> i l f s = 

f laffe unb gulefet £ilf sf cfyule, t)telfad)i nod)i mit ber £>in= 

gufügung für fd)u>ad)begabte 5U n b e r , für f d) m a d) = 

finnige SU n ber, für f di) no ad) b ef äfyigt e SUnber 

ufto. 3n mannen Sänbern gibt es nod) an'bere 93egeid)nungen, 

roie g. 93. 6pegialflaffe, SRebenllaffe, 6 p e g i a l -- 

fd)ule uftrj. S)er 9lame £ilfsfd)uie fjat fid) eingebürgert 

unb bürfte Ijeutgutage in ber gangen 2Mt belannt fein. 3f)rem 

tarnen nad) toiÜ bie ipilfsfdjule £ilfe bringen, unb gttmr iljren 

6d)ülern, beren Familien, ben 33oIf5fd)ulen, bem 6taat unb 

djließlid) ber gefamten 9Jtenfd)f)eit — 3)ie 93ebeutung ber £üfs« 

d)ule für bas fd)toad)begabte ^inb toie für bie 9tormaIfd)uIe wirb 

moI)I allgemein getüürbigt, aber nid)t in berfelben $Beife tfyre 93e= 

beutung in fogialer unb üolfstoirtfd)aftlid)er 93egiel)ung. Unb 

bod) liegt hierin gerabe ifyr größter 2Bert 3)ie (Erfahrung fyat 

gegeigt, baß fd)toad)begabte ftinöer burd) ben 93efud) ber ipilfs* 

fdjule in fyöljerem ©rabe erroerbsfäfyig merben als bei iljrem iBerblet= 

ben in ber Sftormalfd)uIe. 6ie faflen ber fyalb bec $lrmenrjeru>altung 

weniger gur Saft unb bleiben burd) bie 6d)ulung ifyres 3nteüefts 

unb ifyres SBiflens nor C&efängnis unb ßafter bemafyrt. 

G d) m i b t , Setter ber £>üfsfd)ule in Söernigerobe, rjat neulid) in 
einem Vortrage oorgefdjlagen, bie 23e<5eid)nung £>üfsfd)ule in £ e i I - 
gartenfdjule umguänbern, inbem er fyeroorfyebt, bafo ber 9tome £>ilfs= 
fdjule unglüchlid) geroäblt ift unb barum immer roieber ^u uns fdjäbigenben 
^nUftoerftänbniffen feitens ber £>ffentltd)heit füfyrt. Die neufte 3 e i* f)at 
uns fcfjon bie ©artenarbeitsfcfjule befdjert, roarum alfo nod) eine 
(Bartenfdjule merjr? — 2)er Warne £>Mfefd)ule ift bod) jetjt fdjon fo ein= 
bürgert, bofe er fid) fcfjroer oerbrängen laffen rairb. Unb roenn man 
überall auf bem Sßoften fein mödjte, bann mürbe aud) bas Obium, bas 
ber £>ilfsfd)ule tatfäcrjücr) nod) Dielfad) anhaftet, oerfdjroinben. 3d) meine, 
bofe nad) meinen Cthlärungen ber Warne bod) nid)t fo unglüchlid) gemärjlt 
ift, fonbern feine begrünbete ^Berechtigung befitjt unb barum aud) 3utref* 
fenb erfdjeint. (93ergl. $r. Cefjrerstg. 1921, 113.) 



- 6 — 

Aufgaben unb 3 i e l e. — 2)ie §tlfsfd)ule gilt als eine 
elbftänbige, öffentliche 6d>ulanftalt jur (Et- 
: üllung ber gefefelidjen 6 d) u l p f l i d) t für f d) w a d) = 
>egabte ^inbe r. 1 ) 6ie wirb im allgemeinen besljalb aud) 
biefelben Aufgaben unb Qhh verfolgen wie bie ^oltsfcfyule, aller- 
bings mit 93erüdfid)tigung oon 33efonberl)eiten, bie burd) bie 
Eigenart bes fd)wad)begabten 6d)ülermaterials bebingt werben. 
6ie wirb im 6inne ber allgemeinen SSolfsfdjule ifjre Aufgabe 
barin fucfyen, bie geiftig fdjwadjen 6d)üler §u bürgerlid) 
brauchbaren 9ftenfd)en tjerangubilben, insbefonbere ifjr fcfywa-- 
d)es, mandnnal gän^lid) barnieberliegenbes 6elbftoertrauen 
ju tjeben, fie an Arbeit, 5Iei|, Orbnung, 6 i 1 1 f a m= 
leit ufw. §u gewönnen- unb fie nad) 90fä5glid)feit für bas 
praftifd)e£eben twrfrubereiten unb bamit tljre (Ertöerbs-- 
f ä l) i gleit in bie 3Bege gu leiten. 3)ie $olfsfd)ule oerfolgt 
aufcer biefen Aufgaben nod) bie, ifyre Sdjüler mit möglidjft weit= 
getjenben ^enntniffen t)erfd)iebener $lrt auspftatten, bei ifynen 
Sntereffe für allgemeine 3been p weden unb ^erftänbnis für alle 
jene 2r ra 9 en anpbatjnen, bie unfere $tit nad) ben aerfd)ieben-- 
ften Seiten I)in aufwirft. 2 ) 3)ie £ilfsfd)ule ift if)res minberwer- 
tigen 6d)ülermaterials wegen gezwungen, tjienwn faft gcmglid) 
abpfeljen unb in ber £auptfad)e nur rein ergietjlidjen 
(Eljarafter p wahren. (Eine (Sr§iel)ungsfd);ule für 
bas 2 eben will fie im wafjrfren 6inne bes Portes fein unb 
itjre Sdjüler burd) Unterweifung, (Srgietjung unb 3ud)t fo p leiten 
fudjen, baß fie brauchbare ©lieber ber menfd)lid)en ©efellfdjaft 
werben unb fid) nicfyt als unnützen 33allaft ifjrer Angehörigen 
ober ber ©emeinben burd) bas Seben p fd)leppen brauchen. (Eine 



x ) ©as ©runbfdjulgefet) üom 28. 2lprü 1920, roeldjes bie 
SBolfsfdmle in ben trier unterften ßal)rgängen als bie für alle hinter ge= 
meinfame (Srunbfdmle feftlegt, beftimntt in § 5, bafs auf ben Unterricht unb 
bie (£rgie^ung taubftummer, blinber, fd)toerl)öriger, fpradjleibenber, 
fd)road)finniger, franffyaft nerantagter, fittltd) gefäljrbeter ober 
oerfrüppelter ^inber foroie auf bie bem Unterricht unb ber (£rgief)ung biefer 
Äinber beftimmten ^nftalten unb 6d)ulen bie 3k>rfc£)riften bes ©efet^es 
feine 2lnroenDung finben. (Es muft bestyalb bei (£rla£} eines eigenen ipilfs* 
fdmlgefe&es angeftrebt roerben, bamit enblid) einmal bie gefe&lidje 93e* 
geidmung £/i l f s f d) u l e f eftgelegt roirb. (5te^c Sl o d) , 3)as £Ufsfd)uI- 
gefefc. |>ilfsfd). 1920 £. 11. 

2 ) 9t aa& fagt treffenb: ,,©ang allgemein ausgebrüdt, ift für bie gei- 
ftige 93übung ber £ilfsfd)üler §u forbern, ba% fte 

1. fcu)ig gemacht roerben, fid) münblid) unb fd)riftlid) üerftänblid) aus* 
§ubrüden; ba§ fie 

2. bei 93eftreitung i^rer täglid^en ^Bebürfniffe i^re Vorteile ju ernennen 
unb gu roaljren unb ftd) gegen ÜbertJorteilung %u fd)ü^en miffen; ba§ fte 

3. ben Sagesfragen unb 93itbungsgütern nid)t gang nerftänbnislos gegen- 
überfielen; unb ba% fie 

4. in einfachen roer!tätigen ^Berufen fid) nu^bringenb betätigen Jönnen." 



_ 7 — 

Teilung ber (Mfte6fd)toäd)ie burd) bie |rilfsfd)ule erfdjeint 
nad) unferen heutigen Erfahrungen ebenfo ausgefd)loffen, tote 
eine ©efunbung bes ötfymacfyfinns überhaupt. Sie 2ftinber= 
begabung fann burd) feine Ergiel)ungs= unb Unterri<i)tsmaJ3nat)-- 
men aufgehoben, fonbern nur in tfjren fcfyäbigenben $Birfungen 
für bie gefamte Entroidlung ber baoon betroffenen gemtlbert 
werben, ©esfyalb barf man aud) nur oon einer 9ft e 1 1 u n g ber 
6d)itöad)begabren für bie (SefeUfdjaft fpredjen unb bie Flamen 
^eilergieljung, £eilunterri d) t , £etlpäbagogtf 
bloß mit einer getoiffen 5Borfid)t unb Einfdjränfung gebraudjen. 1 ) 

SR a d) ^ 1 1 f eflaf f en. — 5)ie SBege, roeldje man gu ber 
Rettung geiftesfdjitoadjer Hinber einfd)lug, toaren red)t oerfd)ie-- 
bene unb Ratten lange Seit l)inburd) nur bie SBebeutung oon 
$ e r f u d) e n. ^lls $erfud)e biefer $lrt finb l)ier gunädjft bie 
Einridjtungen ber 9tad)l)ilfeflaffen gu nennen. 3)ie 
fd)road)begabten SUnber einer 6<fyule mürben gefammelt, gu einer 
klaffe ober Abteilung üereinigt unb t)on einem ßeljrer in befon= 
beren 6tuuben in ben ipauptfädjem unterrichtet, fonft aber im 



SBerbanbe ber £auptfd)ule belaf 



en. ©iefe Einrichtung getoann 



bie 33ebeutung einer 9tad)J)Uf e mit bem Stele ber 3wrüd- 
füljrung in bie 9formalfd)ule. 6ie erroies fid) aber mit ber 
Seit als ungeeignet, roeil bas Siel im allgemeinen nur fyödjft un= 
ooHfommen erreidjt mürbe. Ein äljnlidjer 2Beg gur unterrid)t= 
lidjen Sßerforgung Sd)toad)fmniger mürbe anfänglid) in Berlin 
burd) bie Einrichtung ber fogenannten 9tebenflaffen be= 
fdjritten. ©emeinbefdjüler, meldje infolge geiftiger ober förper= 
lidjer ipemmniffe an bem leljrplanmägigen Unterrichte mid)t mit 
Erfolg teilnehmen fonnten, fanben in ben 9iebenflaffen < 5Uuf= 
natjrne. 3n biefen rourben fyödjftens 12 S^inber Bereinigt, bie 
toödjentlid) 12 6tunben gefonberten iinterridjt erhielten, 
fonft aber nod) an einzelnen Stunben bes normalen Unterrichte, 
g. 93. an 3^i^)nen, Surnen unb Singen teilnehmen mußten. 2)od)> 
bie Erfahrung geigte aud) l)ier, bafj bas geftedte 3^1, bie 3 W= 
rüdfüljrung ber Sdjüler in ben normalen Unterricht, nur oon 
äugerft toenigen erreicht rourbe. ©esljalb entfdjloß man fid)' aud) 
in ^Berlin, l)auptfäd)ltd) oon ben Mißerfolgen ber SRebenflaffen 
gebrängt, biefe SSeranftaltungen aufzugeben unb gu ber Einrid)= 
tung oon felbftänbigen ipilfsfdjulen gu fd)reiten. 3n Sß r e u = 
gen l)at bie oberfte Unterrtd)tebel)örbe bie berliner Einrichtung 
ntd)t füc empfehlenswert erachtet, fonbern in einem Erlag oom 
2. 3anuar 1905 — U. III. A. SRr. 3204 — auebrüdlid) erflärt: 
„3)ie § 1 1 f s f d) u I e i ft feine 9t a d) t) i l f s f d) u l e , unb fic 



] ) SBcrgl. 93 6 r t c s , 93egriffsbeftimmung ber #eiIpäbagogif auf pft)- 
djologifcfyer ©runblage. Sangenfalga 1918. 



— 8 — 

verfolgt nid)t bas SBeftreben, bie ifyr anvertrauten SUnber nad) 
einiger Seit i n bie 93o l! sf djule aurüdgubringen. " 
Gin ßrlaß bes preußifcfyen Unterridjtsminifters oom 2» 2Rära 
1912 empfie^h neben ber Verringerung, ber Hlaffenbefefcung, 
Vereinfachung ber 6toffpläne unb (£inria>tung t>on ipilfsfdjul-- 
flaffen bie (Einführung eines befonberen ^acfytyilfeunterridjts. 
Siefer foll fid> in ber £auptfad)e auf S)eutfd) unb Sftedjnen be= 
fdjränfen unb oornetymltd) auf ber Unterftufe gut $lnwenbung 
gelangen» „(Es muß tunlicfyt uermieben werben, baß burd) bie 
9lad)l)ilfefnmben bie Unterridjtsäeit p ftarf über bie Sftormalgeit 
l)inaus verlängert wirb. 3umeift werben bie 5!laffenlel)rer bm 
&ad)l)ilfeunterrid)t gu erteilen fjaben, benen babei ifyre eingetjenbe 
Kenntnis ber Slinber unb ber iljnen anljaftenben unterrid)tltd)en 
Mängel auftauen fommi." 

*2l b f cfylußflaf | en. — Qu erwähnen finb l)ier aud) bie 
fogenannten "21 bf d)lu ß klaffen , bie in einigen 6täbten ein= 
gerietet würben, um foldjen ^inbern, bie oorausficfytlid) bie Dber-- 
ftufe einer fecfysftufigen Volfsfcljule nicfyt erreichen würben, in 
befonberen klaffen burd) einen ein= bis aweiiä^rigen $lbfd)luß-- 
unterricfyt eine abfcfylteßenbe 93 Übung §u oerfdjaffen. 
$lber aud) biefe $lrt ber (Srgieljung 6dj)wad)finniger erwies fi<fy 
als oöllig ungeeignet; benn es fonnte bei einem twrgerüdten 
Filter, nadjbem ein Sftnb jahrelang in ungeeigneter unterrid)t= 
lid)er Verforgung fiel) befunben Ijatte, nur wenig gutgemad)t wer= 
ben. 3n Sß r e u ß e n würben bie $lbfd)ilußflaffen burd) ben 
SRinifterialerlaß oom 27. Oftober 1892 — U. III. A. 9k. 1924 
— ausbrüdlid) verboten. 

3Rann Reimer 6t)ftem. — (Eine anbere $lrt von 2lb= 
fcfylußflaffen weift bas von Dr. 6i ding er, SWannfjeim, be= 
grünbete SJlannljeimer 6cl)ulf tjftem auf, welches in 
feinfinniger SBeife eine gwedmäßige (Gruppierung bes 6d)üler= 
materials gulägt unb oon Vorausfetjungen ausgebt, bie burdjaus 
einer natürlichen ©lieberung großer 6d)ulförper entfprecfyen. 

3)as Scannt) eimer 6cfyulf rjftem weift nad) ber 
Vilbungsfätjigfeit ber 6d)üler brei oerfdjiebene ^laffengüge auf: 

1. 3)as £aupHlaff enfqftem mit ad)t 6tufen für 
normalleiftungsfäljige, alfo wät)renb ifyrer Sdjiulgeit regel= 
mäßig fortfdjreitenbe 6d)üler; 

2. bas ^yörberflaffenf^ftem mit fieben ober fed)s, 
b%vo. fünf 6tufen für minberbegabte unb für bie aus 
äußeren Urfadjen unregelmäßig fortfdjreitenben 6d)üler 
unb 

3. bas §ilfs!laff enftjftem mit vier 6tufen für bie 
fd)wad)finnigen 6d)üler (£tlfsfd)üler). 



— 9 — 

3)ie klaffen 5 bis 8 = 5, bis 8. 6<fyuliaf)r bes £auptft)ftems 
finb fogenannte 6praä)flaffen, roeil in iljnen aucfy eine 
frembe 6praä)e (Srangöfifd)) P r 23el)anblung fommi 2)ie 
klaffen 6 bis 7 bes $örberft)ftems finb Slbfcfylußflaffen, 
in roeldjen toitfjttge Unterridfytsftoffe ber legten ödjuljafyre in einer 
bem geringen ©ilbungsftanbpunfte ber Scfyüler entfpredjenben 
9Betfe gur SBefyanblung gebradjt werben, ©iefe klaffen ftnb 
eigentlich feine befon'bere 9ftannf)eimer (Einrichtung, tnelmefyr gab 
es foldje, roie bereits bemerft, fcfyon früher an mannen Drten. 3)a= 
gegen finb bie 9$rberflaffen eine eigene (Einrichtung bes enöäl)n= 
ten 6d)iUlft)fteTns. ©er ^auptge'banle ber gangen (Einrichtung be= 
ftefjt barin, jebem 6dt)ul£inbe, bem beffer= roie bem fäjroadjbegabten, 
bie feiner (Eigenart entfpredjenbe $iusbilbung unb <5'6xbeiun§ an= 
gebeten ju Iaffen, 2)as 3ftannfyeimer 6ä)iulft)ftem geigt fdjematifdt) 
nadj bem Safyre 1912 etwa folgenbe Organifationr 

ISp = 6prad)&Iafieit ^ 

*» = ^oc^erdhmgsklaQen für 
t)öl>ere Schulen 



TT | W8) 






Cöüfsölaffe«« 



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X=*$äjstfa$Jea 



vi|^i|\Javi f w- i 

t *"^^^^tyr 2)ie fiänge ber We etn3elnen filaflen 

StS^« vf^ "cF vi ftnfen barftetfenb<m 6tri$e bebautet 



B«RflO.R 





tie ©ouer eines Unterricfytsja^res.- 

— ^ =■ (Euttoeifung ber 
regelmäßig oer» 
festen Sdjüler. 

53 (Einroetfung ber 

^Repetenten. 

Sf = Dbioienanfiait 



© = (Bnmnajium 
gitf = 9?ealgnnmajuira 
<*) = Oberrealfdjule 
St — Reform jdjuie 






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ßum weiteren Skrftänbnis bes SJcamujetmer Sdjulfnftems mögen 
folgenbe Angaben bienen. 3lad) Ablauf bes erften Schuljahres roerben 
biejenigen 6d)iUer, bie bas £er)rgtel ber Slufna&meflaffe nidjt erreicht Ijabcn, 



— 10 — 

olfo mtcf) nid)t oerfe&t merben tonnen, in einer 2ßieberf)olungs= ober ^örber* 
flaffe vereinigt, ©eifrig gang fd)maci)e Sajüler roerben entroeber ber unterften 
klaffe ber £tlfsfd)ute ober ber (Ergietjungsanftalt für Srfjroatfjfinnige (3bio= 
tenonftolt) übermiefen. 3n ber görberflaffe I roirb ber Unterridjtsftoff ber 
unterften Sftormatflaffe nod) einmal grünblio^ burcfygenommen. SBeim ^Beginn 
eines neuen Scfmljafyres roerben bie Scfjüler entmeber in bie 9cormaltIaffe 
bes gmeiten Schuljahres (einzelne, bie aus äußeren ©rünben gurüctgeblieben 
waren, unter Umftänben fogar in bie Sftormaltlaffe bes britten Schuljahres 
gu ben gleichaltrigen Schülern) beförbert, ober in eine £ilfsttaffe eingereiht, 
ober fie bleiben roeiter in einer folgenben $örber= ober 2Bieberl)olungstlaffe, 
xool)in auä) bie nid^toerfe^ten Schüler ber 9cormaltlaffe bes gmeiten Sd)ul= 
jaljres übergeführt roerben uff. ©amit alle Schüler einen innerhalb ber 
Schulpflicht einigermaßen abfajließenben Unterricht erhalten, merben oom 
fünften Sctmljatjre ab alle Schüler (fomol)l aus 9cormat= als audj aus 
görbertlaffen) gu 2lbfct)lußtlaffen Bereinigt, unb gmar fommen bie 
Schüler, bie nur nod) ein 3al)r bie Sctmle gu befugen Ijaben, in bie erfte 
9lbfd)lußtlaffe, alle anberen in bie gmeite $bfct)tußElaffe unb bann im näa> 
ften 3ct^re in bie erfte. ©ie £et)rpläne finb für biefe Örganifation befonbers 
gugefajnitten. 

(Eine ät)nUd)e (Einrichtung mar bas (Eljarlottenburger S d) u l -- 
f n ft e m , bas bort feit bem 3<*f)re 1906 Berfudjsmeife eingeführt mürbe. 
(Es beftanben bafelbft Bier Wirten oon ^laffenfnftemen: 1. bie 91 o r m a l = 
Haffen, 2. bie B - 5? I a f f e n, 3. bie A * ü I a ( f c n unb 4. bie £ i l f s - 
fl äffen für Sd)madjfinnige. ©ie 9lormal!laffen mit acf)t 6tufen ent= 
fpradjen ben 9Jtannt)eimer Jpäupttlaffen. ©ie ad)te klaffe umfaßte bas erfte 
Sajuljatjr uff. ©ie tüajttgften Sd)üler ber 9lormal!laffe 4 mürben in ben 
A=^laffen gufammengefaßt unb erhielten frembfpracf)lid)en Unterridjt in 
Bier auffteigenben klaffen mit j[e einjährigem 'ißenfum. ©iefe klaffen 
entsprachen ben Sprad)tlaffen bes 2ftannf)eimer Snftems. 6ie finb aber 
je^t auf SBeranlaffung bes Unterrict)tsminifters aufgehoben, unb aua) bie 
&=Stlaffen follten nur, roie es ber SJUnifter betonte, etnen SBerfurf) barfteEen. 
©ie B=SUaffen entfpradjen faft gang ben 9Jiann^eimer ftörbertlaffen. ©as 
Snftem begann mit bem gmeiten Scfmljaljre unb entf) elt fünf aufftetgenbe 
klaffen/ ©ie Scl)ülergaljl ber B=$laffen betrug 30. ©ie möcfjentlidje Stun= 
bengafyl mar in tfynen etmas niebriger als in ben 9lormattlaffen. ©en fcfymäay 
ften Schülern mürben außerbem möcljenttirf) brei bis Bier 9tacf)l)itfeftunben 
Born $taffenlet)rer erteilt, ©er Schulleiter fonnte bie baran teilnet)menben 
Schüler Bon einigen leftionsplanmäßigen Stunben Befreien. 

9ceu in bem Charlottenburger Snftem maren bie fogenannten ^Bor- 
Haffen, bie ©ruppen non 24 ^inbern Bereinigten unb nadb folgenben 
©efki)tspun!ten eingerichtet maren. Unter ben Schulanfängern beftnbet fid) 
eine gange 9lngal)l oon ^inbern, bie auf ärgtlicljes anraten ein falbes ober 
ein " ganges Scfyx oom Scljulbefuclje gurücfgefteHt merben. Sie finb teils 
Bon garter ©efunb^eit, teils in ber ©efamtentmitflung erljeblid) gurücf= 
geblieben. 3n urfäd^lic^em SufawtneKpttÖ un0 puftg nod) burd^ puslic^e 
95ernaa3läffigung ift ir)rc 5lnfdj)auungs=, ©en?= unb Sprac^Jraft fo gering 
entmitfelt, ba^ fie nicf)t mit (£rfotg an bem Unterricht ber ©runb!laffe 
teilnehmen !önnen. $lus biefen ^inbern mürben eben bie geeignetften für 
bie 95or!laffen ausgemalt unb bann bura^ eine gang inbioibueEe 33e= 
pnblung !örperlid) unb geiftig bis gur Schulreife gu förbern gefugt. 
3um3aJecEe ber tö**pecltd)en (£rgiepng mürbe Biet aefotelt unb geturnt unb 
eine auf bie leibliche (Erftarfung J)ingielenbe 55efa^äftigungs= unb Spflcgc= 
meife beobachtet, ©ie geiftige ^örberung erfolgte unter 3ugrunbelegung 
ber (Srgiel)ungs= unb Unterria^tsmeife ^ r ö b e l s. 

3n etmas anberer 9üd)tung bemegen fic^ bie 5°'r oer ^ a ff ßn f" r 
Sd)macl)begabte in ftrantfurt a. 9Jc. ©iefe klaffen nerfolgen ben 3roecf/ 
fc^mäc^ere Schüler unb Schülerinnen in lleinen Sonber!laffen non $66)= 



— 11 — 

ftens 30 Kinbem $u Bereinigen unb if)ren ^^tgEctten entfpreajenb §u 
unterrichten» Sttefe fogenannten görbertlaffen laufen neben ben $aupt= 
Haffen parallel Ijer, mit ber (Bmfdtjrcmrung ieboa), ba% bas görberttaffen* 
fnftem nur fiebenftufig tft. 2)te beiben oberften klaffen (1; unb 2.) finb 
als $lbfcl)luf3tlaffen gebadet, für bie ein £ef)rplan aufgeteilt toirb, ber bic 
midjtigften für bas 2ebm notmenbigen Kenntniffe oorfieljt. 2lus il)nen 
treten bie Kinber mit einer abgefd)ioffenen ^lusbilbung ins £eben, ftatt 
mie bisher xnelfad) aus ber britten unb eierten klaffe ber 93oltsfd()ule. 
S)ie v£tnfü()rung ber görber!laffen erfolgt ftufenmeife con ber unterften 
klaffe (7) f)er. ~ 3)ie ben Kinbern gebotenen SSorjüge finb oerminberte 
6d)ülergal)l, l)erabgefe&te £et)r§iele, befonbers geeignete ßefyrträfte unb be= 
fonbere £ef)rmetl)oben. 3)ie ilbertoeifung in bie ^örberllaffe erfolgt burd) 
einen $lusfd)u{3 ber ©djule. ®ie Ktnber ber 6dmlttnbergärten, fo toeit fie 
nict)t unmittelbar gur £ilfsfcl)ule tommen, toerben in ber Siegel ben $ör= 
bertlaffen gugetDiefen. 

2)as äftannfyeimer Sdplftjftem unterfäjeibet fid) alfo nicfyt un= 

uoefentiid) cum ber ipilfsfäjule. 5)iefe Jjat nur infomeit mit jenem 

etwas p tun, als bas 9ftannl)eimer 6d)uift)ftem bie (Einrichtung 

oon §ilfsfd)uillaffen plagt 2)as ^rilfsfaplmefen ift außerbem 

ein felbftänbiges 6t)ftem unb roeit älter als bie ^Jörberflaffen bes 

901annl)eimer öd)ulft)ftems. %üi Orte, bie prgeit roeber £>üfs= 

fäjulen nod) ^Jö r b er f laff en befttjen unb aus roirtfdjaftlidjen (E>rün= 

ben beibe 6d)ulft)fteme nid)t einrichten fönnen, empfiehlt fid) un= 

bebingt perft bie (Einrichtung einer §ilfsfcr>ule- 

2lls beaä)tensroerte unb roicfytigfte 93olfsfd)uleinrid)tungen 
Ijaben mir alfo folgenbe gu unterfdjeiben: 

1. bie ©runbfd)ule, 

2. bas 95lannf)eimer öajulfnftem, 

3. bas Charlottenburger 6d)ulfnftem, 

4. bie 35egabtenfd^ule unb 

5. bie ipilfsftfmle. 

93ei ben ipilfsfd)uleinria)tungen gibt es felbftänbige 
£ilf sf Ovulen, angeglieberte §ilfsfd)ulflaffen (9leben!laff en), 95 o r » 
Haffen naa; 93reslauer $lrt mit bem $\el, bie Ktnber ber Unterftufe ber 
£ilfsfcl)ulc gugufü^ren, SBorllaffen ober Slebenflaffen naa) ^Berliner $lrt, 
mit bem §mt&, bie 6d^üler bem 9k>rmalunterria)t guguroeifen, unb 93or= 
!laffen ober 6ammel!laffen für ftf)mer=ftf)road)finnige Kinber. 3n biefen 
Klaffen bleiben bie 6d)üler bauernb, bamit fie nid)t einer 2Jnftalt (3bioten= 
anftalt) gugefüj^rt roerben brausen. 

9lls 3mifd)englieb jroifrfjen 9tormalfd)ule unb £tlfsfdmle !om= 
men bie görberüaffen in 93etrad)t — bie fförberHaffen bes SÄannljeimer 
6a)ulfnftems, bie B=Klaffen bes Charlottenburger 6t)ftems unb bie ftranf-- 
furter $örber!laffen. 

$lnftaltsfd)-ule, £ i I f s f d) u I e , 9c o r m a l f d) u l e. — 
Sftun gibt es nod) eine ^Irt oon (Sdjuleinridjtungen, bie ber 33ilbung 
oon geiftesfdjroadjen ^tnbern bienen, bas finb bie mit ben 3bioten-- 
anftalten oerbunbenen ^nftaltsfdjulen. Über bas Skrfyält-- 
nis ber Normal--, §ilfs= unb $lnftaltsftf)ulen gueinanber ift foI= 
genbes p bemerfen. 

©as ©emeinfame aller brei 6d)ulanftalten beftel)t barin, ba$ 
fte elementare 33ilbungsftötten finb. Sie gliebern fid) in 
Unter-, Mittel-- unb Dberftufe, Ijaben faft gleite Unterria^ts= 



— 12 — 

bifeiplinen, befolgen ausfd)ließlid)i biefelben ©runbfäöe für (Er= 
gieljung unb 53ilbung unb fucijen annctfjernb gleite S^ele gu er~- 
ftreben. S)ie 3&¥ oer Unterridjtsftunben ift bei allen faft bie 
gleite; ebenfo roeifen aud) mandje innere (Einrichtungen eine ge= 
roiffe ©leidjtnäßigfeit auf. $in allen brei Unterrid)tsanftalten 
roirfen meift £et)rer mit (Etementarbilbung, 

Srofc biefer Übereinftimmungen befifet jebe (Ergieljungsanftalt 
iijre befonberen d) a r a £ t e r i ft i f d) e n 6 e i t e n , iljre b e = 
fonberen (Einrichtungen, iljre befonberen Auf- 
gaben unb iljre befonberen (Ergiefyungs- unb Un-- 
terridjtsmaßnatjmen, 6d)on äußerlich unterfdjeiben fid) 
9torma!= unb grilfsfdjule oon ber $lnftaltsfd)ule baburd), baß bie 
le&te ein 3nternat barfteHt, roätjrenb bie erften reine 6d)ulanftal= 
ten finb. 5)er größte Unterfcfyieb aber befielt fjinfidjtlid) bes 
6d)ülermaterials ber brei 93ilbungsftätten. (Es ftetjen 
fid) barin gegenüber ^rilfs 1 - unb ^nftattsfcfyule einerfeits unb 9tor= 
malfdjule anberfeits. 3)iefe befifet oollfinnige SÜnber, bie beiben 
erften bagegen fyaben geiftig fcfyroacfye 6d)üler. 3)ie 9Wmalfd)ule 
ift eine rein p ab a g g i f d) e Skranftaltung, £ilfs= unb $in= 
ftaltsfdjule bagegen finb | e i l p ä b a g g i f d) e 2tnftalten. (Sine 
Gnengregulterung pnfdjen ipilfs- unb 2inftaltsfd)ule bepglicfy bes 
6d)ülermaterials läßt fid) fdper angeben» ©od) nimmt man im 
allgemeinen an, baß bie ipilfsfd)ule im 5)urd)fd)nitt befferes 
6d)ülermaterial gugeroiefen erplt als bie ^nftaltsfcfyule. 

5)ie ältefte Einrichtung oon allen brei Scfyulanftalten ift 
bie Sftormalfcfyule, bann lommt bie $lnftalisfd)ule unb fdjließlid) 
bie §ilfsfd)ute. 3>ie £itfsfd)ule ift bem S^talter nacfy bie jüngfte 
2Mlbungsanftalt unb eigentlich aus ber Anftaltsfcfyule Ijeraus ent= 
ftanben. 3)ie meiften (Erfahrungen auf bem ©ebiete ber 
(Ergiefyung befifet naturgemäß bie 9tormalfd)ule, bie relatio roenig- 
ften bagegen bie £ilfsfd)ule. 3)ie ^nftaltsfdjule l)at ben ©runb gur 
§eilpäbagogif gelegt unb fo an il)rem Seile bie Anfänge 
eines neuen Steiges ber Sßäbagogif begrünbet. (Es erfd)eint felbft= 
oerftänblid), baß bie (Erfahrungen auf bem ©ebiete ber ipeilpäb= 
agogil bisher nod) p feinem $lbfd)luß geführt Ijaben, man be= 
finbet fid) t)ier oiel mel)r im 6tabium ber $erfud)e als in bem bes 
gefeftigten, richtig bemeffenen ^rbeitens. Merbings finb in ben 
legten Sauren fo Diele Erfahrungen gefammelt, baß man balb 
feftere ©runbfäfee für bie §eitergiel)ung roirb entwickln unb auf= 
fteüen fönnen. 

2>as oerfd)iebenartige Sdjülermaterial ber brei (Ergiet)ungs= 
anftalten bebingt aud), baß oerfd)iebene (Ergiet)ungs = unb 
Unterridjtsmaßnaljmen in itjnen gur ^ntoenbung ge- 
langen. 2)ie auf htm ©ebiete ber §eilpäbagogif ftetjenben frilfs-- 
unb 9lnftaltsfd)ulen finb 6onberfd)ulen, fie muffen fid) barum für 
(Er§iel)ung unb Unterricht aud) befonberer SRaßnaljmen bebienen, 



— 13 — 

bie jebocfy weniger oon ben allgemein gültigen ergiel)Itd)en unb 
unterricfytlidjen Regeln abweichen, als trielmefyr in ifyrer ftrengften 
unb ausgiebigften Befolgung ^lusbrucf finben werben. Sie Qmt= 
wicflung bes ©eiftes bei fd)wad)finnigen Kinbern t>oII$tel)t fid) nari) 
benfelben G>efe£en, wie fie bei ben normalen Wintern in (Erfd)ei= 
nung treten, ©esfyalb muß auefy bie 93itbung ber geiftig fcfywacfyen 
SUnber ben allgemeinen (£rgiel)ungs= unb Unterridjtsgrunbfätjen, 
allerdings mit entfpredjenben (£infd)riänfungen, Sftecfynung tragen. 
2)ie befonberen 9ftaßnat)men für $inftalts= unb 
£itfsfd)ulen fommen in ben ßeljrptänen biefer ^Inftalten 
gum $lusbruc£. (Sie beftetjen 

1. in ber großen Vefdjränfung bes ßefyrftoffs ber Volfsfcljule, 

2. in ber $lusfd)ieibung ber meiften abftraften Stoffe, 

3. in ber 2lufna|me foldjer Unterricfytsfädjer, wetdje auf bie 
geringe geiftige Veranlagung unb auf bie fonfttgen (Eigen= 
tümlidjleiten ber 6d)üler Mücffidjt nehmen. 

3u ben befonberen Unterrichtsfächern gehören s ilrtifulations= 
Unterricht, (Gartenbau, §anbfertigfeit unb £auswirtfd)aft, (Ereig= 
nisunterridjt, ßebensfunbe unb planmäßige 6d^ulfpajtergänge. 

©ie Vefonberljeiten bes Unterrichts in ben beiben t)eil= 
päbagogifcfyen $lnftalten geigen fidji in bem langfamen^ ^-" 
f d) x i 1 1 bes Unterrichts, in ber häufigeren unb n a d) = 
brücflidjeren V e r a n f d) a u l i cf) u n g , in ber öfteren 
Übung unb 3Bieberl)olung, in ber größeren 6amm = 
I u n g , in ber innigeren Vegiefjung besUnter = 
ridjtsftoffes gum ßeben ber 6 d) ü t e r unb in ber 
größeren Vertief fidjtigung bes ©runbfatjes ber 6onbe = 
rung ber 6d)iwierigfeiten unb bes © r u n b f a £ e s 
ber 6 e I b ft tätig I ei t. 

(Ebenfo wirb fiäj ein Unterfdjieb in begug auf bie g e f u n b = 
Ijettltcfyen 2ftaßnal)men im Unterridjt unb in ber (£?= 
gieljung ber Volfsfcfyule gegenüber ber £ilfs= unb ^inftaltsfd)ule 
geltenb madjen. (Es ift felbftüerftänblid), baß gerabe bie l)eiipäb= 
agogifdjen ^njtalten nad) allen (öefefcen ber iptjgiene eingerichtet 
fein muffen. ipngienifcfye ©eftcfytspunfte werben in bem gefamten 
Unterridjtsbetrieb eine befonbere Veadjtung finben. 3)a foUen 
ber 6tunbenplan, bie Unterrichtszeit, bie Unter ridjtsftunben, bie 
ßage ber Raufen unb Serien burdjweg Ijngienifdjen 5°^oerungen 
SRedjnung tragen. 5)ie meiften Ijeilpäbagogifdjen ^Inftalten finb 
btn $. r 5 1 e n geöffnet. 3l)re 90citwirftmg bei (Er§iet)ung unb Ve= 
Ijanblung geiftesfd)wad)er ^inber wirb fidjer manche l)tjgientfd)e 
(Einrichtungen zeitigen, bie aud) anberen 6d)ulanftalten gum Vor= 
teile gereichen bürften. 

(Es fommen aber nod) anbere Vorteile burefy bie l)eilpäö= 
agogifdjen SUnftalten ben 9cormalfd)ulen gugute. SMefe werben 
burd) Abgabe bes geiftig mtnberwertigen 6d)ülermaterials oon 



— 14 — 

ben brücfenben £emmniffen befreit, roelcfye iljnen jenes 6d)üler= 
material bereitet 6ie fönnen fi<fy besl)alb in ifjren ^Bewegungen 
freier entfalten unb brausen nidjt eroig ben luftigen SBallaft mit-- 
äitfdjleppen. 

©cfyließlid) fei nocfy auf bas Verhältnis ber §ilfs = 
fdjule gur 9inftaltsf cfyule tjingeroiefen. SBcibe (Er^ie-- 
Jjungsftätten finb fjeilpäbagogifcfye $lnftalten. 6ie gleiten fid) 
toot)l faft in allen Sßunften, nur ein Unterfct)ieb madjt fid) geltenb — 
bie ^Inftaltsfdjule ift 3nternat unb bie £ilfsfct)ule mit gang geringen 
$lusnat)men (Esternat. 5)ie 3nternate entbehren im allgemeinen 
ber 5amiliener5iel)ung unb fonbern bisweilen itjre S^glinge aud) 
gu fet)r oon ber 3Belt unb ifyrem Verfefyr ab. 6old)e Umftänbe er= 
weifen fid£> gerabe bei ber (Ergieljung ber ©eiftesfäjiroadjen als 
große 9cad)teile. 3)esl)alb finb bie £ilfsfd)ulen ben $lnftaltsfd)ulen 
nad) ber 6eite ber ^amiliener^ieljung unb bes gefellfcfyaftlicfyen 
unb weltlichen Verfefyrs überlegen. 

2Benn Volfs=, £ilfs= unb ^Inftaltsfcfyule aucfy itjre eigenen 
Sntereffenfreife befi^en, fo roirb es um bas 3Bot)l ber ifjnen an= 
üertrauten 3ugenb am beften flehen, wenn biefe (Ergietjungsfrätten 
in it)rer 3Birffamfeit ftcfy nidjt abfonbem ober einanber unbeachtet 
laffen, fonbern in lebhafter Ve^ietjung gueinanber bleiben unk 
innige gütjlung behalten. 

(Eintjeitsfcfyule, (frrunbfcfyule unb £ i l f s = 
f djule. — 5)ie (Einrichtung ber ©runbfcfyule, wie fie jeijt burd) 
bas ©runbfcfyulgefet; angeftrebt roirb, ift oon feinem (Einfluß auf 
bie Organisation ber ipilfsfdjule. 3)ie £ilfsfd)ule gilt eigentliä) 
als notroenbige 93egleitbeöingung für bie (örunbfdjule, benn bie 
§ilfsfd)üler finb oon oornfyerein oom gleiten ^ortfdjrttt mit 
ben ©runbfdjyülern ausgefdjloffen. 3l)r Verbleiben in ber ©runb= 
fdjule würbe ben ungehemmten ^lufftieg ber ^Begabten ftarf t)em-- 
men. ^lußerbem fteHt bie £ilfsfd)ule fd)on jefet eine (Eintjeitsfdjule 
bar, ba fie eine 6d)>ulanftalt für fd)wad)begabte Slinber aller 
Volfsfd)id)ten ift unb itjren 6d)ülern bie iljnen entfpredjenbe $Ius= 
bilbung ermöglichen will. 

3l)re Crtnorbnung in einen größeren neuzeitlichen 6dmIorganismus 
xotXI bos neben ftetyenöe (5d)tma oeranfd)oulid)en. 

©ie erften oier 3a^rgönge, klaffe 8 bis 5, Mlben bie ©runb = 
feinte. 3ft ein Slinb fdmlpflidjtig, ober nod) nidjt fd)ulfäl)ig, fo toirb 
es 5urücf gefteHt unb bem mit ber 6dmle oerbunbenen ödjullinber» 
cj o r t e n gugetoiefen. 3)ie Hinber, bie bem Unterricht in ber 9tormol= 
Hoffe nidjt ju folgen oermögen, bie bisherigen „6i£enbleiber", toerben 
6onber!Iaffen zugeführt, ©iefer 3ug umfofct fieben Stoffen (7 bis 1); 
er erplt nod) eigenem Spione feinen regulären ^Ibfdjlufc, ben bie 6itjen= 
blctbcr bisher nidjt empfingen. Sdjüler, bie oud) f)ier nid)t gu folgen 
Tiermögen, toerben ber £ilfsfd)ule, bie jo Iöngft befielt, übertoiefen. 5 ur 
fittttd) minbertoertige ^inber toerben befonbere ftürforgeHoffen 
errichtet. 



— 15 




G = ©runbfd)ule F 

H = £>aupt Klaffen h. Seh. 

Sp = Spradjhlaffen Ü 

S = Sonbernlaffen L 

Hi = £i!fshlaffen 



gortbilbungsfdjule, ©eroerbefcfyule ufro. 
ijötjere Gdjule 
übergangshlaffen 
fietjrerfeminar, £>anbelelerjranftalt 



3ft bie ©runbftfmle burd)laufen, fo tritt eine weitere ©lieberung 
ein, benn bie f o g i a l e (£inf)eitsfd)ule foH bod) in if)rem inneren $lus-- 
hau, ben rerfrf)iebenen Begabungen entfpred)enb, bifferenjiert fein, fie foH 
alfo teineswegs gu einer ©leid)ljeitsfdjule werben. — ®ie l)öf)eren 6d)üler 
nerlaffen I)ier bie Bottsfcfmte. ©ie übrigen treten in ben Oberbau, ber 
fid) in einen nier= unb in einen fünfftufigen SHaffengug gliebert. ©er 
erftere, ber ipaup 1 1 l af f en 51t g, foü bie 6d)üler, benen befonbers 
prafttfdjes ©enten unb Begabung fürs 2Ber!tätige eigen ift, umfaffen. 
§ier werben planmäßiger |>anbfertigtetts= unb erweiterter ^\d)cnuntex- 
rid)t, für bie 9Jtäbd)en <panbarbcits= unb ipausf)attungsunterrid)t betrieben. 
9Jad) Äßal)l tonnen bie Äinber, bie baju befähigt finb, am llnterrid)t in einer 
grembfpradje ober in ^urgfa^rift (unentgeltlich) teilnehmen. 

©ie Sttnber, bie Begabung unb Steigung für begrifflirfjes ©enten 
gegeigt tjaben, werben uon ber 6d)ule, unter Verantwortung ber £eljreruer-- 
fammlung, bem fünfftufigen Oberbau, ben 6 p r a d) 1 1 a f f e n , gugctcilt. 



— lö- 
stet merben eine frembe Sprache als Sßfüdjtfad), eine gmeite unb ^ur^ 
fdjrift als 2Bal)lfäd)er gelehrt, darüber foll aber aua; i)ier bie SBilbung 
bes kluges unb ber ipanb md)t oemaajläffigt merben. Sa biefer 3ug als 
fünf ftufiger Oberbau gebadet ift, fo 'merben biefe ^inber bie SBoltsjdmle 
9 3al)re laug befuajen. U*e|tet)t öaju aud) tetnetlet 23erpfüd)tung, fo erhofft 
man bod) oon ber (Einftdjt ber Altern, bafj fie f)ter bas 2öol)l iljrer 5linber 
über anbere Sftücffiajten ftellen. (£s ift an^une^men, bafy nur eine oerplt= 
ntsmäfcig Heine gal)l oon 6a)ülem biefem 6praa)!laffen§uge auf (örunb 
üjrer 33efäl)igung, bie attein entfajeibet, ungeteilt merben frmnen, fo bafc 
oieüeitf)t nur fedjs bis aa)t benachbarte ©acuten gemeinfam je eine Sorad)= 
Haffe für Knaben unb eine für äftäbdjen innerhalb iljrer ^laffenftufe 
bilben roerben, analoges gilt für bie 6onber£laffen. — $us bem 6tf)ema 
ergibt fid) nod), bafj nad) bem fiebenten Sdmljaljr ber Übertritt ins £el)= 
rerfeminar, bas fiebenftufig gebaut ift, erfolgt ftnnex erfiel)t ~ man, bafj 
aud) für einen foäteren Übergang befonbers begabter 6d)üler nad) ben 
f)ötjeren Gdmlen Sorge getragen rotro. (Stteuorganifation bes Seipjiger 
ä$ol!sfd)ulmefens). 

©egner ber ipilf sf cfyule. — Srot; ber erfreulichen 
(Entmidlung, melcfye bas ^ilf sf (Ijulro ef en gleid) tum Einfang an 
nqfym — fo beftanben in ©eutfcfylanb nod) einer Statiftit oon 
2Btntermann, ^Bremen, im 3afyre 1897, alfo gefyn Safyre nad) 
bem 33efd)luj3 ber beutfcfyen £ef)rert)erfammlung über bie (Einrtd)-- 
tung oon ipilfsfctyulen, bereits in 29 6täbten ipilfsfcfyulen mit 109 
klaffen unb 2486 Kinbern — fjat es aud) nicfyt an ©egnern ge= 
fefyit, bie fid) ben £ilfsfd)iulbeftrebungen üoreingenommen gegen= 
überftettten unb fie trielfacfy mit nichtigen ©rünben ju bekämpfen 
fucfyten. §äufig maren es (Eltern, bie bie £üfsfdjule nid)t für 
nötig gelten unb fid) weigerten, ifyre ^inber einer foldjen En- 
tölt pgufütjren in ber Meinung, baß biefen baburd) ein 9ftaM 
: ürs gange Seben angehängt toürbe. 3n anberen galten gingen 
bie 23eben£en unb (Eintöenbungen oon einzelnen Septem aus, 
worüber beifpielstoeife 6tabtfd)ulrat 5^uf)Igafc, S^iel, foIgen= 
bes feinerjeit $u berieten wußte. 

„©er SRagiftrat in ^iel f)atte alles aufgeboten, um eine §ilfsfd)ule 
ins 2ebm %u rufen. 2)er Sßlan jur (£rrid)tung einer folgen mar bis ins 
einjelnfte ausgearbeitet, ein 6dmlf)aus mar ebenfalls bereits oorlmnben. 
3d) fjatte im auftrage bes SJtagiftrats eine längere Snformattonsreife ge= 
mad)t, um oerfd)iebene iptlfsfd)uleinrid)tungen kennen gu lernen, unb mar 
ooll feegeifterung für bie 6acfje gurücEgefet)rt. 2lls id) aber meine 93or- 
fd)läge ben 6tabtoerorbneten barlegte, oermeigerten biefelben, beeinflußt 
uon £el)rem, befonbers älteren, il)re 3ufti™™ u ng*" 

9luf bie 2)auer oermodjten aEerbings bie Vieler 6tabtoer= 
orbneten bie (Einrichtung einer §ilfsfd)'ule nid)t p oerfytnbern. 
bereits im 3a!)re 1902 tourbe bort eine $üfsfd)ule gegrünbet, 
unb nid)t lange barauf !amen nod)i mehrere ^tHalflaffen in ent= 
legenen 6tabteilen Ijinsu. 

(5d)Xie§Iid> ift nod) ein ©egner aus bem Greife ber 6 d) u I - 
auffid)ts Beamten gu nennen, ^reisfd)u!infpe!tor Sßrof, 
Dr. 5ßttte in Sfjorn, ber im 3a^re 1901 eine Scfyrift unter 
bem^ttel erf feinen liefe: 33ol!sfd)ule unb §ilfsfd>ule. Über bie pr- 



— 17 — 

berung ber 6d)mad)en im SRarjtnen ber normalen $ol£sfd)ule unb 
bie meljrfad) bebenflicfye (Einridjtung oon ipilfsfcfyulen als 6d)ulen 
nur für fcfyroacfybegabte Kinber. (Eine fd)ulmänntfd)e (Srtoägung. 
SDiefe 6d)rift lägt burd)tr>eg erfennen, baß bem 33erfaffer bie 
(Eigenart ber f<fytüad)finnigen ^inber, foroie irjre befonbere 33e= 
rjanblungsroeife unbelannt roaren. ^lußerbem toirb in irjr ber 
|>ilfsfd)ulgeban£e mit antrjropotogifd)=materialiftifd)en, auf bem 
23oben ber (Egperimentalpfrjcrjologie ertoad)fenen (Erwägungen oer= 
quidt, bie gänglid) belanglos für bie §ilfsfd)ule erfahrnen, ©er 
ßroed ber 6d)rift, bie isMlfsfcrjulbemegung gu Ijemmen, rourbe 
{ebenfalls nicrjt erreicht, unö felbjt Srjocn mad)te 1912 ben 
$erfud), eine grilfsfdjultlaffe ins ßeben gu rufen, bie ftd) mit ber 
Seit gu einer felbftänbigen £>ilfsfd)ule entmitfelte. 

6 e l b ft ä n b i g I e i t. — SBenn rjier unb ba nod) 6timmen 
laut roerben unb ^ebenfen gegen bie ipilfsfcfyulen äußern, fo 
mag oielfad) bie mangelhafte (Einrichtung einiger be= 
fteljenöen gnlfsfdjuloeranftaltungen bie 6d)ulb baran tragen, (Es 
ift besljalb gu forbern: 

1. 3)ie £ilfsfd)ule muß eine öffentliche, felbftän = 
b i g e 6 d) u l e fein, bie nid)t anberen 6crjiulen unterge= 
orbnet ober angegliedert, fonbern nebengeorbnet 
i ft. 

2. 6ie muß eigene ßeitung Unb 93 e a u f f i d) t i = 
gung rjaben, unb il)r Vertreter fotl 6itj unb 
6 1 i m m e im 6d)uloorftanb errjalten. 

3. 6ie foll über eigene 2Birtfd}aftsmittel, über 
ein eigenes 6 d) u 1 1) a u s unb über eigene 2 e l) r = 
unb ßernmittel oerfügen. 

(Es finb besfyalb als nid)t ooHtoertige (Einrichtungen foge-- 

nannte Sßebenf laffen, ipilfsflaffen ufm., ab^umeifen, unö groar aus 

(örünben, bie Dr. ©emoor, Trüffel, in folgenben 6ä£en 

§um $lusbrud bringt: 

„1. 2>er Sd)ülerbeftanb einer einzelnen ©djule liefert nicfyt eine I)in= 
reidjenb grofje 3°l)l ßurücfgebliebener, um es möglich §u machen, in einer, 
gtoei ober brei 6pegial!laffen bie nötige $lngaf)l t)on oerfd)iebenen 6nftemen 
einzureichen, um alle anormalen ^inber je nad) ü)rer Rxantyeit ju 
beljanbeln. 

2. 3n einer 6dmle für Normale mufc bie Orbmmg toefentlid) gleiaV 
mäßig fein; ber gute (öang bes ilnterridjts verlangt es fo. (£s mirb alfo 
niemals möglid) fein, in ben 9?ebenflaffen bie nötige „Sd)ulatmofpF)äre" 
gu erlangen, bie für bie 93el)anblung geiftesftfjtoadjer Sdjüler nötig ift. 

3. 2)ie ßefyrer ber gtoei ober brei £ilfs£laffen fommen in einec 
gctoöl)nlid)en 6d)ule in eine oermirrenbe Sage. 6ie finb nid)t galjlrcid) 
genug, um neben ben regelmäßigen klaffen einen unabhängigen Organis= 
mus grünben ju tonnen. 6o merben fie bann leidjt mutlos. 

4. 5)ie ipilfsflaffen in ben getoöfjnlidjen 6rf)ulen merben notmen» 
bigermeife t>on ben £ef)rern unb "Beprben bis §u einem gemiffen ©rabc 



— 18 — 

firf) felbft überlaffen bleiben. 6ie werben balb mangelhaft unb mir= 
fungsios." 

3n 33rüffel roaren £üföftaffen fett triefen 3al)ren eingerichtet, 
aber fie Ratten nid)t ben entarteten 9tu£en, unb fo faf) fid) benn 
bie 6tabtt)ertöaltung oeranlagt, eine befonbere unb felbftänbige 
6dt)ule einzurichten, bie ben an fie geftellten $lnforberungen als= 
bann voU unb gang entfprad). 3)iefelben Erfahrungen finb faft 
an aßen Orten mit ber (Einrichtung t)on ^ilfsflaffen gemalt 
toorben. (Es toäre aber ber (Erlaß eines £ilfsfd)ulgefe&eö an$u= 
ftreben, töoburd) bie £ilf6fd)ule neben ben anberen 6d)ulen iijre 
gleichberechtigte $inerfennurig unb gefe£lid)e Regelung fanbe. 

gitetatim 

$11 1 f) e r r , 93., 6orge für ben oereingelten 6dnoaa)begabten unb 
6dpad)finmgen in fleinen ©emeinben. 93ert). b. 3. fdjroetä. ^onf. f. b. 
3biotemoefen 1901. — Ausbau, gutn, ber §üfsfd)ule. 3 e üf4)rift f. Kinberf. 
33b. 16, 232, 264. — 95 a i l , ©efefcltd> Regelung ber ftürforge für mitellofe, 
geiftesfranfe unb fd)road)finnige Sßerfonen. ©eutfdje ©emeinbejeitung 1905 
9lr. 16, 6. 93 bis 95. — 95 a r t e I s , Dr., über bie klaffen für 6d)toad)be= 
folgte. 3. f. 95eJ). 6a)ro. u. (Ep. 1887 £. 1-2. — 95 a rt f) o l b , ©ie Sbioten-- 
anftait unb bie £ilfsfd[mle, eine ©rengregulierung. $7 f. 95ef). 6d)tx>. u. (Ep. 
1901 £. 12. — 93artf d), ©ie £itfsfd)ule als CErgieijungsanftalt. £ilfsfd). 
93b. 2, 40. — 95 ö s b a u e r , £ans, ©ie Unterric|tsabteüung für fd)mad)= 
finnige fd)ulpflid)tige Slinber in 90Bien. 3 c ^fa3r. f. b. öfterr. 93olrsfrf)ultDefen 
1900 $. 4. — 95ranbi, Sie £iifsfdmle für fcr)mad)begabte ^inber. ©ie 
9Q3od)e 1903 £. 31. — 95 r uns, Olbenburg, ©in 3at)r in ber £ilfsfdmle. 
6elbftoerl. 1908. — 95üttner, ©., Über bas £iifsfd)ulroefen. ©efunb= 
fjeitstoarte 1906. — ©er f., Sfteformbeftrebungen unb £ilfsftfmle. 9^eue 
93af)nen 1908=09 £.6. — © ä r r , Über (Binridjtung non klaffen für Stf)maa> 
finnige. Nürnberg 1893 unb 3eitfc^r, f. 6dmlgefunbr)eitspfi. 1894. — 3)c-- 
I i t f $ , Umfdjau auf bem ©ebiet bes ipüfsfdjultoefens. ßeitf*!)*» f- ^inberf. 
1907. — 2» e r f., 95ebeutung ber £ilfsfa)ule. £ilfsfd(). 95b. 1 £. 4 — © e = 
m o o r , Dr. med., ©ie anormalen ^inber unb if)re ergtef)Iid)e 95ef)anb= 
lung in ipaus unb Sdmle. 2. 2lufl. ^Utenburg 1912, O. SBonbe. — © i e t = 
rill, Sf)., Sßrioatfdjulen für Sftinb erbegabte. SBürtt. 6rfmItöotf)enbI., 6tutt= 
gart 1906 9lr. 21=22. — Srefjler, 3 U * S^euorbnung bes 95erliner £üfs= 
fajulmefens. £ilfsfa> 95b. 5 §.5. — (Egenberger, ©ie fojiale unb pab= 
agogtfaje 95ebeutung ber ipilfsfdmte. ipüfsfd). 1919, 6. — (EfjridEe, 3 ur 
Organifation ber £>ilfsftfwlen. ipilfsfaj. 95b. 3, 119, 212. — (Einmeifung in 
bie £itfsfrf)ule. £ilfsfa> 93b. 4, 24. — CS 1 1 e s , 2R., (Einheitliche Siegelung 
ber $Ibminiftration ber <pilfsfd)ule in ben 'ißroüingialftäbten Ungarns, 
ipüfsfaj. 93b. 4, 189. — © e r f., Sie Organifation ber ^Inftalten unb 6rf)ulen 
für ©eiftesftfmmaje in Ungarn. 93er. b. 3. ^onf. f. b. 3biotenmefen. — 
3) e r f., 5)as |>ilfsfa)ulmefen in Ungarn. 3» f- ^ e ^» ®d)m. 1908 ^. 6 bis 8. — 
(E n b e r I i n , 3ur 2RannI)eimer 6rfmIreform. Seutfd^e 6a;ule 1905 p. 3=4. 
Seipjig, ^Iinf^arbt. — (E r n ft , 95., 3 ur Orientierung auf bem ©ebiet ber 
6a;maa3finnigenfürforge. Sßäbagog. feoa^e 1907 9ir. 6 bis 9. — CErgie= 
^ungsrat §u 95afet, 95eftimmungen, betr. bie oerfua^smeife ßrria)tung oon 
6pegial!taffen für fa)maa)begabte ^inber ber ^rioatfdjuien. 95afel 1887. 
— 5 i s I e r , $., Über ^>itfs!laff en für 6d)toad)bef(U)igte. 93er^. b. 1. fdjmeis. 
^onf. f. b. 3biotenmefen, ^üixä) 1899. — ©er f., 95is^erige (Erfahrungen 
betr. Organifation ber 6pegiaI!Iaffen für fd)toad)begabte 6d^üler. ^Ber^. b. 
2. fa)toeift. ^onf. f. b. Sbiotenmefen, ^larau 1899. — ftz'änltl, ©as 
9Jlann^eimer Sa)ulfnftem. ^3äb. 9Jtag. £. 458, Sangenfalga. — ^ r e n § e I , 



— 19 — 

$r., 33oltsfa)ule unb £ilfsfdmle. 3. f. SBe^, Stfjm. u. (Sp. 1902 £. 7. — 
2) c r f., ipilfsfdutle für 6c^tDQd^begabte. 2fteb.=päbagog. 2TConatsfd)r. f. b. 
gef. Spraajl)eilftmbe, 33erlin 1904. — S c r f., Sie £ilfsfa)ulen für 6d)mad)= 
begabte. 3. f. Kinbf. 33b. 9, 222 unb 3. f. 33el), Sd)m. u. (Sp. 1904 §. 5=6. 

— $ri(fe = Al)tbom, Sas 3ftannf)eimer ©ajulfnftem in <pamburgifd)er 
23eleudjtung. Hamburg 1910, SReifcner. — ^rieberici, Sie 6d)mer= 
er§iel)baren in 5er £ilfsfdmle. £tlfsftf). 33b. 2, 29. — $ u tf) s , A., begriff, 
Umfang unb Ausbreitung bes £ilfsfdmlmefens in Seutfajlanb. 3 e üf$** 
f. Krüppelfürf. 1910 33b. 2 £. 3. — © e r f., Sie Organifation bes berliner 
ipilfsfd[)ulmefens. Sie 6d)ulpf lege 1910 £. 19. — gufjrmann, Sas 
33erf)ältnis ber §ilfsfdmle gur SMfsfajule. 3» f* Kinbf. 33b. 4, 65 unb 3« 
f. 33el). 6a)tü. «♦ (Bp. 1899 £. 2. — © ö r t e , 2R., Sie ftürforge für geiftig 
gurütfgebliebene Kinber. (Sin Sfteifeberidjt. 33reslauer Statiftif 1900. — 
©rote, Hörnten bie Slinber gmangsmeife ber ipilfsfdmle gugemiefen mer- 
ben? 3. f. Äinbf. 33b. 8, 209 unb 33er. üb. b. 4. 93erb. b. $. 9., £annooer 
1903. — Serf., Sie £ilfsfd)ule auf ber SHeid)sfd[)ul£onfereng. £ilfsftf). 1920 
ip. 10. — ©rote u. £ I ä b e , 333as fyaben mir erreicht unb mas erftreben 
mir? Seipgig 1901, SL SRerferburger. — £abertanb,3-, 3£eldje bittet 
unb 333ege bieten fid) für bie pflidjtmäfcige Pflege ber 6d)ma<i)en bar? Sßäb. 
305arte 33b. 6, 20, Oftermietf. — £anfe, Sie 33ebeutung ber £ilfsfc()ule 
in päbagogifd)er 33egief)ung. 33er. üb. b. 3. 33er. b. £. S., 1901. — $ e II e r , 
Dr. £1)., ©runbrift ber ipeilpäbagogif. ßeipgig 1904, (Sngelmann. — §enj, 
303., ßeitfaben ber gefamten ipeilpäbagogii |>alle a. 6. 1909, 6d)röbel. — 
ipenge, A., Sie Organifation ber £ilfsfdmle. 3 e ^f^ r » f» ®*f» u. 93ß&« &♦ 
jugenbl. ©ajmadjf. 33b. 2. — S e r f., Sie £ilfsfcpler. 3n: Sas Kxnb unb 
bie 6dmle. Seipgig 1913, Surr. — S e r f., Sie §üfsfdjule im 3ri)rbud) 
ber ©efeHfa)aft ber £ef)rmittelgentrate in 3$ien. Öeipgig 1918, ipaafe. — 
ip i I b , £., Seutfajlanbs £ilfsfdmlen. 3^^fd^r. f. b. öfterr. 33ol£sfd)uI-- 
mefen 1897=98, ip. 8 bis 11. — ipilfsftfjuloerein gu Hamburg. Ausbau ber 
Hamburger £ilfsfd)ulen, Anregungen unb 333ünfd)e bes |>ilfsfd)ulüereins 
in Hamburg. 6eparatabbru& — ipitfsfdmlmefen im ©ro^ergogtum 
Reffen. 3* f» 93c§. 6d)m. u. (£p. 1907 ip. 6. — £ i n tj , O., 33erliner 6djul= 
reformen. 3« f* Kinbf. 33b. 2, 151. — 3acobi, 3 V 33erliner ftäbtifdje 
6dmle für fajmadjfinnige Kinber. AEg. beutfd)e £e§rergtg. 1906 Sftr. 33, 
ßeipgig. — K i e l f) o r n , ip., Über 6<fmlen für fd)mad)befäf)igte Kinber. 
6eparatabbrud a. b. ^ßäbagium 3<*l)*g. 8 ip. 6. — Serf., Aus ber Jpüfs» 
fcfmle gu 33raunfrf)meig. $Ufsfd&. 33b. 1, 88. — S e r f., Xlber $ilfs!laffen 
für ^aibibioten. 3. f. 33e|. 6a)m. u. (£p. 1883-84 £. 3-4. — Serf., (Ein 
3Bort, bie ^>itfs!laffen ober ^ilfsfa^ulen betr. 3* f» ^ e ^» 6d)m. u. (Bp. 1890 
ip. 3. — S e r f., Sie Organifation ber £üfsfa>Ie. 3. f. Hinbf. 33b. 4, 39 
unb 3. f. ^8el). 6a)m. u. (Sp. 1901 ^. 5--6 unb 33er. üb. b. 2. bis 4. 93erb. 
b. £, S. — k i n b , Dr., 3ft es münfdjensmert, bag größere 6täbte eigene 
klaffen für fd)maa)befäl)igte (imbezille) Hinber errieten? 3« f» ^ e 6* ©^w* 
u. (£p. 1880=81 ^). 3. — H i r m B e , (Bntmitf lung ber 6rf)mad)finnigenf ür= 
forge Seutfdjtanbs mit 33erütffidj)tigung ber übrigen Sänber. 3» f- ^ e ^ 
Srfjm. 33b. 33 £. 6 bis 8. — £ labe, Harl, (Bntmurf unb Ausbau ber 
£ilfsfa)ule gu |)alle unb ein ße^rplan für fie. Seipgig 1901, SRerferburger. 

— H 1 a m e r , Sie jurücf gebliebenen Slinber in ber 33ollsfd)ule. Sßäbagog. 
Abfjanblungen ^. 77, 33ielefelb, A. |>elmia). — Hlugmann, ©., 3®ie 
forgt Königsberg für bie 6<i)mad)finmgen ? ße^rergtg. für Oft- unb 3Beft= 
preisen 1910 9ir. 13. — K r e n b e r g e r , Dr. 6., Über £ilfsfd)ulen für 
fa)toad)befcü)igte Kinber. 6eparatabbru<J a. b. 9lieberöfterr. 6rf)ulätg v 
333ien 1890, ©elbftoerlag. — K r e u f e r , ip., 33ilber aus ber ünblicfyen |>cil-- 
päbagogtt ^aberborn 1907, 3- 6a^öning^. — Krömer, Sßeters, 
©obtfring, 9ioIfs, Hnfere 6orgen!tnber. Kiel 1907, <ftob. dorbce. 

— ßargiaber, Dr. Über Spegialtlaffen für fdmmdjbcgabte Kinbcr. 33er^. 
b. 1. frf)mei§. Konf. f. b. 3biotenmefen, Qüxid) 1889. — ß a g a r , Dr. (L, 



— 20 — 

3ur £ilfsftf)ulbetoegung. SQßiener meb. 333od)enfa)r. 1908 Vit. 44 unb 3ßitfd)r. 
f. 6d()ulgefunbl)eitspfl. 1909 £. 2. — Segel, (&eban!en über 9lusgeftaltung 
5er &ilfsfct)ulen. & f. 33el). 6cf)m. u. (Ep. 1905 £. 9-10. — Sefajfe, 
2öarum ift aud) in 6tettin bas feajsftufige £tlfsfcl)ulfnftem bem oierftufigen 
oorgugieljen? £ilfsfd). 33b. 3, 39. — Soeper, Über Organifation von 
£ilfsfrf)itlen. 3. f. Slinbf. 33b. 3, 167. — SR a e n n e I , Dr., Sie ©Ueberung 
ber 6rf)uljugenb nad) i^rer feelifdjen Veranlagung unb bas SRannljeimer 
6cfmlf#em. 3. f. Ätnöf. 33b- 10, 212. — 9Jt e i s , 2BeItf)e ©djuleinric&tun- 
gen maa)en es möglid), fomol)l ben leiftungsfät)igeren, als aud) ben fajtoädje- 
ren 6d)ülern geregt §u toerben? (Eo. 6dmlblatt 1907 3al)rg. 51 §. 10. 

— 90<t i 1 1 a s , Seopotb, Sie ipilfsfajule. 6eparatabbru<f a. b. 3ßüfä)r. f* 
b. öfterr. 33ol!sfd)ultoefen, 3Bien 1907, Semsft). — SR ü 1 1 e r , Surrf) roelaje 
33eranftaltuhgen ber 6dmle fann bie fdnoere (Erziehungsarbeit in ber £ilfs= 
frf)ule unterftü&t unb geförbert werben? (6d)ulfpa§., 6a;ulfeier.) 3» f* 
SScrj. 6a>. u. (£p. 1907 £. 2 bis 5. — ö f) 1 e r , Sic 6elbftänbigfeit ber 
£ilfsfd)ule. 3» f* 35ß^ 6d)tü. u. (Ep. 1905, £. 11. — O p p e r m a n n , (£., 
6d)ulorbmmg für bie £ilfsfd)ule für fd)mad)befä{)igte ^inber. Slinberfeljler, 
Sangenfalga 1906. — Serf., ttber bie $ürforge für bie geiftig 9Jlinber= 
toertigen im ipergogtum 33raunfd)toeig. 3* f* Ätnöf. 33b. 5, 227. — Orga= 
nifation ber Jpüfsfcf>ulen in Berlin. 3. f. Ätnöf. 33b. 16, 317. — Sß i p e r , 
£., (Bin 333ort, bie £ilfsflaffen ober ipilfsfdmlen betr. 3» f* ^3 ß ^ ©djto. u. 
(£p. 1890 £. 2 unb 4. — sßlüfdjJe, £üfsfdjulen unb §üfs!laffen für 
fd)tD ad)begabte 6a)ul!inber. 3n: Sie ftäötifaje ©dmlöeputation unb if)r 
©efajäftstreis. £annooer 1908, Sßrior. — 9t a a & , 303., Charlottenburger 
^ilfsfdmltoefen. £ilfsfa> 33b. 2, 160. — ©er f., %wx Organifation ber 
£ilfsfc|ulen. £ilfsfa). 33b. 2, 45. — 9Uöomsfn y £ilfsflaffen für 
fdnoaajbegabte Üinöer. Vortrag. Sßofen 1895. — 9t e i d) e 1 1 , (E., 3Boj)in 
örängt bie (Enttoidlung ber 6$mad)ftnmgenfd)ulen? 3- f* 2te§» 6a)to. u. 
(£p. 1888, £.2. — 5) e r f., SOtetn Eintrag auf ber 33raunfd)meiger Äonfereng, 
3» f* 33cl). 6d)to. u. (£p. 1891 §. 3=4. — Peiniger, Sie §örberung ber 
gurüdgebliebenen in ber VollEsfdmle. £angenfal§a 1919, 3. Veit}. — 
Sftouma=6ucre, Sie Vetoegung jugunften ber anormalen Äinöer in 
Velgien. (Eos 1909 ip. 4. — 6 a n ö t , Sie geplante 9leuorgantf ation ber 
Charlottenburger (Semeinöefdjulen mit 9iüdfid)t auf bie minberbegabten 
unb minberleiftungsfcu)igen Äinöer. 33er. üb. b. 6. Verb. b. §. S., 1907. 

— 6 d) a u c r , 3 ur ücfgebliebene 33erliner ©emeinöefdjüler. 3- f» Äinbf. 
33. 15, 238, 386. — 6d)eer, 5-, ^raftifdje 933inte %ux (Erria^tung oon 
£ilfsflaffen unb (£in§el!urfen für fa)toaa^befä^igte ^inber. ^in 9Sort an 
aEe Seljrer, 6apuloorftänbe unb ^Irmenpfleger. 9lorbl^aufen 1897. — 
6a)enl, 51., Sie fogiale 33ebeutung ber §ilfsfa)ule. (Eos 1907 §. 4. — 
S e r f., 3Bela^e 9iu^antoenbungen können für bie £ilfsfd)ulen aus meiner 
Steife naa) ben 33er. Staaten oon Storbamerifa gemalt merben? ^ilfsfa). 
33b. 4, 277. — Serf., Sie ^ürforge für bie ©eiftesfa^toaa^en in ben brei 
norbiftfjen Säubern. 3. f. Äinöf. 33b. 14, 274, 314, 338. — Seiner, 
©egentoärtiger 6tanb ber 6a)toad)finmgenfürforge in öfterreia). ^ilfsfa^. 
33b. 1, 61 unb 33er. üb. b. 3., 4. unb 5. Honf. b. edttoa^f.-^ürf. — Serf., 
Organifation ber £ilfsfa)ule. 33er. b. 2. öfterr. ^onf. b. Sd)toad)f.=gürf v 
3Ößien 1906. — 6 d) m i b t, Sie <peilgttrtenfd)ule für Stabt unb Sanb. Sßr. Setjrer» 
gtg. 1921, 113. — 6d)mi£, albert, 3toea* unb (Emrtrfjtung ber ^)ilfsf{J)ulen. 
Väbagog. SRagag., Sangenfalja. — 6 dj u l g e , Vorgänge über bie (Einridj-- 
tung ber ^ilfsfa^ule für 6a)toaa)finnige in ^alle a» ©. £ilfsfa). 33b. 1, 138. 

— 6 e i f a r t , 33erirf)t über bas gelnjä^rige 33efte§en ber ^ilfsfdjule %u 
^ritenburg. $üf sfd). 33b. 2, 242, 277. — 6 i cf i n g e r , Dr. 91., Sas Son- 
berflaffenfrjftem ber SRann^eimer Vol!sfd)ule. 3. f. Kinbf. 33b. 9, 224. — 
Serf., 2öela)e ftorberungen ergeben fia^ aus ber feelifdjen 33erfa)ieben= 
l)eit ber ^inber für bie 9trt il)rer (Gruppierung im Unterria)t ber 33ol!s- 
fdjule? 3. f. Ätnbf. 33b. 10, 281 u. 33er. b. 5. fduoets. Äonf. f. b. 3bioten- 



— 21 — 

mefen, 1905. — 3) e r f., 3)er Unterricl)tsbetrieb in großen 33olr 1 sfdjulförpern 
fei nid)t fdjematifcl) einheitlich, fonbern bifferengiert einheitlich. 9Jcannf)eim 
1904, 33ensf)eimer. — S) e r f., Organifation großer ^Bolföfdmltorper nad) 
ber natürlichen £eiftungsfäf)igfeit ber 5linber. üDtann^eim 1904, 33ens= 
Reimer. — 2) e r f., ©as 9Jtannl)eimer 6nftem in Hamburger ^Beleuchtung. 
2)afelbft 1910. — ötabelmann, Dr. med., 2)er 6tanb bes Unterrichts 
an ben 6dmlen für 6cl)tüacl)befcu)igte in ®eutfd)lanb. Referat. 3 e ^fci)r. 
f. päbagog. ^fna>, Sßatf). u. £ngiene 1907 <p. 4=5. — 6 1 e l § n e r , Dr. gr., 
2ßas roirb aus ben pfnajifcl) abnormen ^inbern ber unteren Stäube? 
3ugenbfürforge 1907 §♦ 10. — 2Balfer, Sie neueften 33eftrebungen unb 
Erfahrungen auf bem ©ebiete ber (Brgietjung ber 6d)madjen. 6olotl)urn 
1903. — 9B a 1 1 1) e r , $as englifdje $tlfsfd)ulu>efen. §üfsfdj. 53b. 3, 209. 
2BeI)rl)al)n, (Einrichtung ber £ilfsfc?)ute unb Unterricht in berfelben. %n: 
6elter, £anbbua) ber beutfc^en 6djulf)t)giene, 5. Seil. Bresben 1914, 6tein= 
topf. — 303 ei gl, ff., 33ilbungsanftalten bes ©taates, ber ^roning bgm. 
Greife unb ber Kommunen für Sd)mad)finnige im 2)eutfd)en SReid). 3 e ^ = 
fdjr, f. päbagog. ^ßfncl). ufm., 33erlin 1907. — 2) e r f., £>er gegenwärtige 
6tanb ber mobernen £eilpäbagogü. Sie d)riftl. ffrau, 6epi. 1909. — 
20 e i § , Sunt 5luf» üb Ausbau unferer ipilsfdmlen. iptlfsfd). 33b. 2, 259. 
— 3B e n i g e r , (Eine Anregung gum heften unferer ipilfsfdjulen. (3lnglte= 
berung t>on Slinbert)orten an bie |>ilfsfdwlen.) 3» f* ®c§. 6cf)tD. u. (£p. 1892 
$. 4. — 33* e £ e l , 3Beld)es £tlfsfd)ulft)ftem bürfte ben ©tettiner SBtti)ält= 
niffen entfpredjen? §üfsfdj. 33b. 2, 287 unb 33b. 3, 123. — 2Bet)g an bt, 
Dr. 2B., 6a)maa^finnigenfürforge in Sfterreid), ©eutfdjlanb, ßnglanb unb 
^rantreict). 33erf)bl. b. ©efeHfd). beutfd). Statur forfd) er u. $rgte, Seipgig 
1906. — 3 i ß 9 I e r / ^rioatergiefjung, ipilfsfctjulergieljung ober 2lnftalts= 
ergie^ung? £eilpäb. 6djul- u. (Elterngtg. 955. 3 £. 1, feien. — ©er f., 
$üfsfdjule ober 3biotenanftalt? $üf«fdj. 33b. 5, 12. 



2. äilfSfcple*. 

^lusmal)! ber 6d)iüler. — 3BeI<fye Sltnber gehören 

eigentlich) in bie ^rilfefäjule? — 2)as 6ä)ülermaterial ber §üfs= 

fdjule fommt meift aus ber $oI£sfd)itIe fyer, in melier bie Slinber 

getoöfynlidj eine fogenannte Sßrobegeit, in ber Siegel gmet 

Scrijre, erft burd)tnad)en muffen, bet)or fie, als für bie ipilfsfcfyule 

geeignet, in SBorfdjIag gebracht werben. 6d)üler, bie get-- 

ftig berartig g e f d) ro ä d) t finb, b a § fie, obwohl 

fie unterriä)tsfäf)ig e r f feinen, an bem Unter - 

richte ber 9RormaIfä)uIe n i d) t mit erfprieg-- 

lid)em Erfolge, n a m e n 1 1 1 ä) im 3ntereffe einer 

ür b a s 2 e b e n b u r d) a u s notmenbigen a b -- 

djließenben SUusbübung teilnehmen fönnen, 

gehören in bie ip i I f s f d> u l e. (Eine 6teHe Qits bem 

bereits erwähnten (Erlaß bee preußifcfyeen llnterridjtsminifters 

oom 2. 3an. 1905 — U. III. A. 3204 — mag fyiergu erläuternb 

angeführt roerben: 

„3n bie ^>ilfsfrf)ule gehören nic^t bie an fidt) normal beanlagten ^in-- 
ber, bie crgierjlicf) ocrnacfjläffigt ober infolge oon ^rän!licf)?eit ufto. gurüc!» 
geblieben finb, fonbern nur bie für ben 33ol!sfcf)ulunterric{)t als gmeifeüos 



— 22 — 

nicf)t f)inreid)cnb begabt ernannten ^inber. 2)ie ärgtlidjen (Erfahrungen 
fprecfyen bafür, ba$ bei biefen ^inbern regelmäßig eine tranffjafte «Störung 
oorliegt, auf beren Teilung nid)t immer gu rechnen ift." 

9caä) ben 33 e f d) I ü f f e n bes III. Ber banbst ag es 
ber ^>ilf5fd)xtlen 3) e u t f ä) l a n b s (Augsburg 1901, $iel= 
l)ornfd)'C Sljefen) finb abguroeifen: 

1. 5linber, meldte an 6ct)u>acf)finn f) ö l) e r e n ©rabes , fonüe an 
SBlöbfinn leiben. 

2. SB I i n b e unb t a u b ft u m m e ^inber, fotoie fdjroertjö'rige, 
menn beren 6dttoerf)örig£eit fo groß ift, baß fie an bem Unterrichte 
für prenbe ^inber nidjt teilnehmen lönnen. 

3. (Epiteptifd)e 51 i n b e r , menn bie Unfälle für bie Sctmle 
ftörenb auftreten. 

4. ©eiftig normale ^inber, bie toegen ungünftiger 6dmt* 
oerljältniffe, toegen mangelhaften 6ci)ulbefud)5 ober toegen &ranf= 
Ijeit in ber geiftigen (EntnricElung gurücfgeblieben ftnb. 

5. ^inber, meiere nur in einzelnen Unterrict)tsgegen = 
ft ä n b e n fctjtoad) finb. 

6. (Sit tli 6) oerfommene unb in ber (Erhellung o e r n a d) = 
l ä f f i g t e ^inber. 

^us aEebem get)t fyeroor, ba§ nietjt aUein bas Berfagen 
ben Bilbungseinflüffen ber Bolfsfäjule gegenüber, fonbem ber 
to i r f l i ä) e B e f u n b einer g e f d) tx) ä c^ t e n , t r a n t - 
t) a f t e n Veranlagung ber ausfcfylaggebenbe ' SCRagftab für 
bie Beurteilung 6d)xx)ad)finntger unb für it)re ^lustDarji für bie 
S>tlfsfdc)ule fein toirb. 5)ie £ilfsfä)ulprai;is l)at im Saufe ber Qtxi 
auf ©runb pfnd)iatrifd)er unb pfnciplogifcfjer ^orfd^ungert giemlid) 
genaue 9Jc e t % o b e n für bie g^ftfteßung ber geiftigen Befci)affen= 
ijeit con SUnbern, ifjrer Mängel unb (Eigenarten gewonnen, fo 
bafj es für bie (Entfcfyeibung §ur Überroeifung eines Jtinbes in bie 
£ilfsfä>ule nun eigentlich) feiner langen Sßrobegeit rnefjr bebarf. 
6d)'On naä) einjährigem Befucfy ber Bolfsfcfyule toirb in 
manchen 5'ä^en mit Beftimmtfyeit eine fiäjere Borausfage geftellt 
werben tonnen. Bei ber Sfteubegrünbung tum $üfsfä)ulen mag 
an einer gweijäfyrigen Sßrobegeit in ber Bolfsfäjule feftgetjalten 
werben, fonft aber wirb man naefy 90^öglid)leit ben $lufentt)alt 
fd)iroad)ifinntger Slinber in ber 9iormaIfct)uIe gu oerturgen fucfyen, 
um nicfyt nufelos toftbare %t\t üerftreidjen gu laffen. 

2)ie e r ft e (Ermittlung ber für bie £iifsfä)ule in ^rage 
lommenben Kinber gcfd)iet)t in ber Bolfsfdntle. £>ie einzelnen 
5ltaffenlet)rer überreichen ber 6d)uibel)örbe unter Beifügung ber 
gugefyörigen Sßerfonalbogen eine Sifte folcfyer ^inber, bie fie als 
geeignet für bie §ilfsfd)ule erachten, $luf ©runb biefes Materials 
erfolgt bann eine eingefyenbe Sßrüfung ber bezeichneten Kinber 
oor einer S^ommiffion unter 2Jcitwir£ung bes 6d)ulargtes (^fn- 
djiaters). 2>as (Ergebnis ber Sßrüfung wirb in ben 6ä)uHifren 
oermerft unb bann ein enifprecfjenber Borfcfylag gemadjt, ber bie 



— 23 — 

(Entfdjeibung ausftufpredjen f)at, ob bas Slinb ber iptlfsfcfyule &u 
überreifen ift ober niäjt. 1 ) 

3nteIUgengprüf ungen. — gut 3ntenigenäpritfun= 
gen befitjen roir eine giemltd) reidjljalttge Literatur, bie fictji jum 
großen Seil auü)\ mit ben ©eiftesftfytoacrjien befdjiäftigl 3fyre 
Kenntnis toirb bem £Ufsfd)uIleJ)rer ficfyer oon 9ht£en fein, bes* 
fyalb mögen bie toiäjtigften Sßrüf ungsmetljo b en an biefer 
6teHe (Ertoäfjnung finben. 

3)ie 3nteEigen5priifung taxin abhängig ober un ab = 
gängig oom 6ä)uItoiffen angefteflt werben. 9lbfyängig oom 
6d)uIroiffen ift bie ^riifungsmettjobe nad) bem 6crjiema oon Dr. 
$Berjgan bt, toeldjes folgenbe fünfte umfaßt: 

1. SBorfdjuIpflidjtige 3 ß i t. 

^Benennen oon ©egenftänben bes atttäglidjen ©ebraud)s. Eingabe über 
SBerroenbung berfelben. Kenntnis ber eigenen Körperteile. Kenntnis ber 
Haustiere, einiger düngen unb färben. Unterfcfyeibung oon rechts, Iints, 
fajön, Ijäßltdj« (Erklärung gang einfacher Vorgänge auf bilbüdjen ©ar« 
ftettungen. 

2. <5d)ul$eit* 7. bis 13. Sebensjabr. 

7. ßebensja^r: Qa^lmUexs oon 1 bis 10. Stbbieren. 6ilben Zefen. SBoIjn» 
Jaus befa^reiben. 

8. 2ebensjai)r: 1 bis 100. 3Rati unb Pfennig, 9fteter unb 3 e "timeter, 
Keines (Einmaleins. 6djulgimmer betreiben. 

9. Sebensjabr: 1 bis 1000. 6ämtltd)e ^Ölungen, $Ra§e unb ©eroid)te. 
©ioifion. Sefen, Sttftat. ^flaugen unb Siere er!ennen. Anfänge bes 
Kartengeidmens. (Einfache 93egriffserflärungen, g. 93. gluß ufto. 

10. Sebensjalp: 1 bis 1 000 000. 3)ie oier Spegies. 95rüa)e. 2RünöIid)es 
unb f<f)riftliä)es Sftedmen. SBiebergabe fleiner (Ergäblungen. (Einfadje 
grammatiftfje Übungsbeifpiele. £eimattunbe: £eimat, (Bintoo^nerga^l, 
©ebirge ufro. 

11. Sebensjabr: ©egimalred^nung. Ungleiche 93rütf)e. 3 c it*edS)nung. ©aten 
ber 2Beltgefd)id)te. ffätiigfeit gum Schreiben einfaajer Briefe. 

12. ßebensjabr: "jßrogentredjnung. 3i nsre( ^ nun 9* Kleine Sluffä&e. 2Mt* 
gefd)id)te in größerem Hmfange. SBeitergefyenbe ipeimatfunbe. Statur« 
Iefyre. 

13. ßebensjabr: Kapitalredjmmg. (Einfädle (Elemente bes 93erftd)erungs= 
roefens, ber ^b^f^/ ber ipogiene, ber Anatomie ufm. 

Unabbängig oom öctjultotffen, bjro. nur teüroeife abhängig, ift 
bie 93inet = Simon fdje Sßrüfungtmetfyobe, bie mit Seftferien arbeitet. 
9ßäf)eres barüber, foroie über einige anbere SJletboben folgt fpäter. 5)es 
roeiteren untertreibet man folgenbe Sßrüfungsmetboben: 

1. 9JtetI)oben jur Sßrüfung ber OTcrtfär)tgJcit 

CR e t e n t i o n). 

a) 3 i eben: 3ablenprobe. 1. 48:6 =? ober 7X15 =? ober 29+57 =? 

2. SSorfagen unb 9iacf)fpred)enlaffen oon: 4, 7, 8, 3, 9, 6; 8, 5, 9, 3, 7, 2. 

3. 2ßelrf)cs 9leä)enbeifpiel ift anfangs gegeben roorben? 

! ) 3)te ^ilfsfdjuloereinigung Oftpommern tyat für biefe 3roecfce 
einen fogenannten Slufnafymebogen entroorfen, ber ben ©runbftfjulen 3ur 
(Eintragung ber für bie £ilfsfd)ule in grage .hommenben Kinber über= 
reidjt roirb. 



— 24 — 

b)9*anfd)burg unb 3i e ^) e n: 3Jletf)obc bcr paartoetfe oerrmipften 
SBorte. Scdjs bgto. gef)n SBortpaare toerben in beftimmten 3ßiträumen 
toieber abgefragt. Sesgl. finb finnlofc Silben gu mieberf)olen. 

c) (£bbingt)aus: (£rlernungsmetl)obe. (Sieben bis gel)n finnlofe Silben 
toerben gmei= bis fünfgeljnmal burdjgelefen unb bann ans bem ©e= 
bäajtnis toieberf)olt. 

d) Sieger: gingeroerfud). 3eber Ringer ber £anb toirb mit einer 3 a H 
einem tarnen ober mit irgenbeinem 2öort begeidmet nnb bann bie 
Vegetäjnung abgefragt 

2. SERetfyoben g u r Prüfung ber ^lufmerffam^ett. 

a) Sl r a e p e l i n : 2lbbitionsmetl)obe. ^ortlaufenbe $lbbition ober Sub= 

traftion in Säulenreihen, g. 35. 12 + 7 — 19 + 7 = 26 + 7 = 33 ufu>. 
Ober 300 — 13 = 287 — 13 = 274 — 13 = 261 ufto. 

b) Vourbon: Vegeidmen getoiffer Vudjftaben. 3n einem finnlofen Sejt 
foll jebes a nnb n unterftridjen toerben. 

c) 3 i c % e n : 9ftetf)obe ber rüdläufigen $lffogiation. 9iüdn)ärtsauffagen 
ber 9ftonate, bes ^Uptjabets, einer geraben, einer ungeraben 3 a ^^nrei^e 
ufto. ©urd) Vorprüfung ift feftguftellen, ob bie 9leif)en begannt finb. 

d) 91 e i d) : Sortieroerfafjren. Untereinanbergemifd)te ©egenftänbe (VoIj= 
nen, (Erbfen, knöpfe, iftüngen) finb fo rafd) als möglid) gu orbnen. 

3. 3ftetf)oben g u r Prüfung ber 91 u f f a f f u n g. 

a) ipenneberger: Vilbermetljobe. Vorlegen oon Vilbem. abfragen, 
toas bas Vilb geigt. 

b) £eilbronner: (Ergängungsmetljobe. Figuren toerben ergänzt bgto. 
nad) iljrer Vebeutung erklärt, toenn fie aud) nur in Hmriffen gegeben 
finb. 

c) 3 i e § c n : 2htff affung Heiner (Ergänzungen. Stemtalergefdjid)te. 

d) 9tad)geid)enprobe. ©ine auffättige $igur foH nad) fttrger Vetrad)tung 
nadjgegeidmet toerben. 

4. 9Jtetljoben g u r Sßrüfung ber Slombinattons = 

f ä f) i g l e i t. 

a) (Ebbingfyaus: (Ergängungsmett)obe. (Ergangen fortgelaff ener Sil= 
ben ober feörter in einem gebrückten Ser,t. 

b) Völler: (Erklärung oon Snetboten nnb fabeln. Sßutjamoenbung nnb 
Hb erf Triften geben. 

c) % i n l\) : (Erklärung oon Spridjtoörtern. 

d) © a n t c r : (Erklärung oon 5Bt£en. 

e) $1 n t o n : (Erklärung oon Stnntoibrtgleiten. 

f) £enneberger: Definition gebräud)lid)er ftrembtoörter unb ab= 
ftrafter begriffe. 

g) $R a f f e l o n : Sapilben aus brei Wörtern. 

h) SR x e s : ©enfbegieljungen gtoifdjen Wortpaaren IjerfteHen. 2luf guge= 

rufene SBörter mit anberen anttoorten, beren 3nf)alt im Verhältnis oon 

Urfadje nnb SBirfung fteljt. 
i) Prüfung burd) Unterfd)iebsfragen, g. V. Unterfd)ieb gtoifdjen fd)en!en 

unb leiten ufto. 

(Erklärung oon Vilberbogen. 50tünd)ener Vilberbogen Sßedjoogel. 

Hrteilsfragen. SBieoiel be!omme id^ aus einem gttnfmarffdjein heraus, 

toenn id) 2,35 9JI. gu begaben f)abe? 

5. aUet^oben gur Prüfung bes moraJifd) cn 

Vefi^ftanbes. 

a) V i 1 1 i g e r : Verftänbnis für moralifa^e Vegrif f e. kennen oon Vei= 
fpielen für Sapfer!eit, $anfbar!eit, 9leib, Sreue, ^flia)t, 9Jlitleib, ©e- 
rec^tig!eit ufm. 92Bas ift bas ©egenteil oon 9ieib, ©eig ufto.? 



k .i 



— 25 — 

b) 3acobfot)n: Verftcmbnis für Verfehlungen, ftrafbare £anblungen, 
Verbreiten ufw. (Es wirb eine SReitje fold^er Selifte oorgelegt unb bann 
bie Aufgabe geftellt, biefelben nad) ber Sdjwere gu orbnen. 

c) (Es finb Unterfuajungen angufteHen über ben Sinn für Sauberfeit, Orb= 
nung unb über weitere moralifdje (Eigenfd)aften ufw. $lusfd)lag foHen 
nid)t ^tugerungen unb Lebensarten geben, fonbern ipanblungen unb Ve= 
tätigungen, bie man gu beobad)ten Gelegenheit finbet. 

6. <ißrüfungsmetl)oben für Sd)ulentlaffene. 

(Es kommen hierbei t)auptfäd)lid) fragen in Vetrad)t, bie fidj auf Ve= 
rufsfenntniffe begießen, ©aneben ift aud) bas Allgemetnwiffen gu prüfen, fo= 
fern es burd) (Erfahrung unb 3Beiterbilbung erworben werben fann. 93 i n e t 
Ijat aud) für (Erwad)fene Seftferien aufgeteilt, bie jebodj nod) nid)t (Ein* 
gang bei uns gefunben Ijaben. 

3u einigen tiefet Sftetfjoben ift folgenbes gu bemerfen. 

Sdjulargt Dr. V n e r 1 1) a l in 3Borms t)atte Kopfmeffungen an 
Sdjülern oorgenommen, um baraus oerfdn'ebene Sdjlüffe in begug auf 
intellektuelle Sperrungen gu gießen. Sräger worjlgeformter unb ebenmäßig 
gebilbeter Sdjäbel füllten befonbers intelligente Sd)üler abgeben* 6eine 
Ünterfudjungen iebod), bie pfnd)ologifd)e Momente faft ganglid) ausfd)alte= 
ten, finb burd) bie neueren SUletfyoben weit überholt. — 3ntereffant ift aud) bie 
Sßrüfungsmetljobe oon (Ebbtngljaus, bie t)auptfädj)lid) bie 5?ombina= 
tionsfäfjigfeit ber Kinber ins 2luge faßt unb barauf ir)r Verfahren auf= 
baut Siefes befteljt im wefentlid)en barin, ba§ fet)lenbe 6ilben in Seiten, 
bie ben Kinbern vorgelegt werben, non biefen ergänzt werben follen. 9tls 
Veifpiel mag In'er eine Segtprobe gum 9lbbrud lommen, bie für bie 
Prüfung tum Kinbern ber unteren klaffen beftimmt ift. 

9tadj langer 2Banb — — in bem fremben ßanbe füllte — — fo 

fd)wad), ba§ — — Or)n — nat)e war. Vis — Sobe — mattet f ins 

©ras nieber unb — balb ein, fefter als — mals in ßeben. 211s id) 

er , war ber Sag längft brocken; bie 6onnen — — fdjienen — 

gang unerträglid) ins , ba id) auf — 9lüden — . 

3weifeHos t)at bie (E b b i n g t) a u s fd)e 95tetr)obe ber 3utelligeng= 
Prüfung einen gang bebeutenben 2ßert, benn in ber ftärjigfeit bes SUnbes, 
bie fetjlenben Süden auszufüllen, gelangt ftdt)er eine inteHeftuelle Setftung 
gum Ausbrud. allein mit biefer Kombinationsprüfüng ift bie 3nteHigeng 
leineswegs erfd)öpft. Anwerbern fann biefe 9Jler)obe nur bei Kinbern gur $ln= 
wenbung gelangen, bie bereits im Vefi&e größerer Sefefertigfeiten unb oon 
Sdmlfenntniffen finb, best)alb barf fie gur geftftellung ber 3nteHigeng aud) 
nid)t allein als mafcgebenb t)erangegogen werben« 

#r)nlid)es gilt tum ber 9JI a f f elonfdjen SÖtetljobe, bie eine 9Jtittel= 
ftetlung einnimmt unb gmifd)en Kombination unb (Ergängung gu oermittelu 
fud)t. Sie beftet)t barin, ba$ gwei ober mehrere 2öörter, aus benen bie 
Kinber Säj^e bilben follen, fo gewählt werben, ba$ gwar mehrere Vegie* 
t)ungen gwifa^en il)nen möglid) finb, ba$ aber nur eine gang beftimmte 
Vegiet)ung bie befte Seiftung barftellt (£s werben g. V. bie beiben 9Börter 
gegeben: Ka£e — 6d)läge. (Ein gewöf)nlid)es Kinb fd)reibt: Sie Ka^e 
befommt Sdjläge. 5)as intelligente Kinb aber überlegt: Sie Ka&e be= 
fommt bod) nia^t immer Sd)läge; fie mufc oielmet)r, wenn es bagu !ommen 
foü, wor)l eine Veranlaffung gegeben |aben, alfo: 2)ie Katje befommt 
Sdjläge, wenn fie genafdjt t)at ©rötere Abweisungen unb llnterfdjicbc 
werben bie Seiftungen aufweifen, wenn mehrere SBörter nad) ben angc- 
beuteten ©efid)tspun!ten gufammengeftellt unb gur Beantwortung uorgclegt 
werben. (£s liegt auf ber ipanb, bag biefes Verfahren, je naa^ ber 91ns-- 
wat)l unb 3 a ^ oer gegebenen SBörter, teils blo§e (Srgängungen verlangt, 
teils reine Kombinationen erforbert, besljalb bebeutet biefe 2^ctr)obe aud) 



— 26 — 

feine unbedingte 3nteHigenäprüfung, benn fie erftredt fid) nebenbei aud) 
auf 6d)ulmiffen unb ^enntniffe ber 5^inber, mobei nod) eine grofje Qafyl 
von 9iebenfäd)lid)Eeiten, mie j. 93. tfjre augenblidlidje Sonne, tf)re Suf» 
merffamfeit unb if)r 3ntereffe an ber Arbeit, eine große 9iolle bei ber 
Söfung fpielen merben. 

2Ref)r $lnfprud) auf 3 Uüe:c üiffigfctt barf bie 9fletl)obe ber g e b a n t = 
liajen SBerbtnbung ober 3nbejief)ungfe|}ung mehrerer 
begriffe ergeben, bie non 9U e s in grönffurt a. 9Jt. angemanbt mürbe. 
6ein 93erfal)ren ift ein gmeifadjes. 93eim erften werben ben ^inbern 3öort= 
paare gegeben, §mifd)en meldjen fie eine ©enfbegiefjung J)erftellen follen, 
unb beim pleiten merben fie neranlaßt, auf ein ifynen zugerufenes 3Bort 
%n antmorten, beffen 3nl)alt ju bem erften im 3krf)ältnis non 2Birhmg 
gur Urfadje fte^t. 

1. 93erfaf>ren. 9Bortpaare: junger — Ol)nmad)t, SBemegung — 9JUtbig= 
fett, Hampf — 6ieg, $lud)t — Rettung, Arbeit — 93erbienft, Seid)t« 
finn — 9lot, Unfall — SBermirrung, (Eile • — SBergeßlidjfeit ufm. 

5)ie 6d)üler erhalten folgenbe 9lnmeifung: 

,,3d) merbe eua^ je&t eine 9teit)e non 3Börtern norlefen, non benen 
jebesmal gmei gufammengepren. 9tadj jebem SBortpaare mad)e idj eine 
ileine Sßaufe, in melier i§r überlegt, mie ber 6inn ber beiben SBörter gu= 
famment)ängt. ($ln brei bis nier Steifptelen mirb ber 3"f°wi^en^ang ber 
Söörter mehrerer 9Bortpaare flar gemalt.) ©leia^geitig beftrebt iljr eud), 
bie betreffenben 9Börter als jufammengeprig ju behalten, bamit iljr, menn 
id) gum 6d)luß eines biefer 3Börter nenne, euap entfinnen tonnt, meldjes 
SBort bagu gehörte. 5)ies 2Bort follt if)r bann jebesmal auf eurem 3^tel 
auffdjreiben ober einen (5trid) mad)en, menn es eud) nidjt einfällt." 

2. SBerfa^ren. SuQttufem SBörter: Sxxtum, triebe, Orbnung, Sdjlaf, 
(öefang, ^Ingeige, Gifer ufm. 

5)ie 5lnmeifung für bie ^inber lautet in biefem $aHe: 

,,3d) nenne eu% je&t eine 2lnjal)l £auptmörter, iljr foHt ju jebem ber= 
felben ein anberes ipauptmort fudjen, meines bie 2$irfung beffen be§eid)net, 
mas in bem erften ipauptmort genannt ift." 

3um befferen SBerftäubnis ber gu löfenben Aufgaben merben einige 
ipauptmörter genannt unb non ben 6d)ülem $lntmorten baju gefugt, ©iefe 
Sntmorten finb bann lurj mit bem #inmeis gu befpreajen, marum fie richtig 
ober falfd) gegeben mürben. 

$tud) biefe 9Jlctr)obc fe&t gu i^rer 2)urd)fül)rung eine gemiffe geiftige 
Steife noraus unb meift nerfdjiebene SKängel auf. 3)ie 3ntelligenäprü» 
fung geftaltet fid) nad) \i)t mel)r ober meniger einfeitig, fo ba% eine um« 
faffenbe Urteilsgeminnung ebenfalls ausgefa^loffen erfa^eint. 

33efriebtgenbe (Ergebntffc mürben mit biefen SJletljoben nit^t 
erhielt, unb fo fudjte bie ^o^f^^Ö embere 9Bege gu betreten unb 
lam hierbei auf ben glüdltd)en ©ebemfen, mehrere Sprüfungs= 
metljoben ober Sefts ^ufammengufteüen unb mit Seftferien 
gu arbeiten, bie ben ßeiftungsgrab in feiner 9Wgemeinf)eit treffen 
unb ntd)t nur eine 6pe§ianeiftung herausgreifen foHten. i>as 
6d)imierige hierbei aber mar, für jebes ßebensjaljr ber ^inbfjeit 
Serien gu finben, bie ben normalen Stiftungen biefee Filters ent= 
fpreäjen mußten — alfo gemtffexmaßen einen Seiftungsfanon für 
bas betreffenbe Filter gu geminnen. 5)ie ßiöfung biefer Aufgabe 
gelang bem frangöftfdjen Spfrjdjologen 53 in et, ber gemeinfam 
mit bem $lrgt Dr. 6 i m o n an einer großen ^Ingarjl oon Unter- 
fudjungen ^lormalfnfteme für bie oerjcrjiebenen ^llteröfrufen er= 



— 27 — 

mitteile unb für jebe $lltersftufe t>on 3 bis 13 3afyren ein ©gftem 
oon Sefts auffteHte. 2)ie Übertragung biefer 6taffeImett)obe auf 
beutfäje SBerfyältniffe gefäjal) burä> bie 93reelauer (Meierten: Sßro= 
f effor 6 1 e r n , 23 o b e r t a g unb (£ fy o £ e n. 

3)ie 93inet = 53obertagfd)en S e ft f e r i e n (1911) um-- 
faffen in ausführlicher SBiebergabe folgenbe ^rüfungsaufgaben: *) 

Dreijährige 5! t n b e r. 

9luf $lufforberung Sftunb, $tuge, 9tafe geigen. Familiennamen an* 
geben. 

3toei einzeilige 3 a ^ e n (groifdjen 2 unb 8) naa)fpred)en, 9latf)fpred)en 
eines 6a&es oon fea)s ©üben. 

Veim 33etraa)ten eines SBilbcs bie eingelnen bargeftellten ©egenftänbe 
benennen. 

Vierjährige H t n b e r. 

Vorgezeigte bekannte ©egenftänbe benennen. Das (Öeftf)led)t angeben: 
ob 3unge ober 9Jiäba)en. 

Drei 3 a ^ ß n toieberljolen (oon brei oerfd)iebenen, oljne 9tlji)tl)mus 
oorgefprodtjenen 3 a ?)Iengruppen toenigftens eine fehlerlos naajfpredjen). 

Von gmei untereinanber gegetdjneten ßinien oon 5 unb 6 cm angeben, 
meldte länger ift. 

fünfjährige Slinber. 

Sftaajfpreäjen geljnfitbiger 6ä&e 04$ Qel)e Ijeute gu meiner STCutter;" 
,,\d) mofjne in einem großen £aufe"). Von biefen groei 6ä&en foll menig- 
ftens einer forreft mieberljolt roerben. 

4 Pfennige abgäben. 

Definition fonlreter ©egenftänbe burd) 3^etfangaben. (Es [inb fol* 
genbe Vegriffe gu mahlen: 6tuf)t, ©abel, 3 on 9 e / ^ua^en, ^uppe, Drofdjfe, 
$ferb, Solbat, Pfennig, 9ftofe. 

9tad}geidmen eines Quabrats. 

Vier 3 a ^ e ^ nad)fpred)en. Das ^inb mufc imftanbe fein, bie o^ne 
9tf)t)tl)mus oorgefprod[)enen 3<ü)len fehlerfrei miebergugeben. Die oon 
Vobertag oorgefdjlagene 3ö^en!ombination oon brei= bis fiebenfteHigen 
3aI)Ien ift folgenbe: 

714 3681 54 942 250 841 9 640 518 

286 2964 93 718 095 827 5 928 037 

Setfjsjäljrige 5Unber. 

#ftf)etifd)er Vergleich). Drei ©efitf)tspaare, ie ein Ijäglidjes unb ein 
f)übfd()es, finb gu unterfajeiben. 

Drei auf -einmal gegebene Aufträge finb fehlerlos ausgufü^ren. 
3- V. 9?imm ben 6d)lüffel unb lege il)n auf biefen 6tul)l bort, bann madje 
bie 2ür auf, blofj aufmadjen roeiter nia)ts, gule&t nimm bas ^äftdjen oon 
ber Van! unb bringe es mir f)er. 

9tad)fpred)en 16ftlbiger 6ä&e: ,,3tf) b apc meinem Vruber gefagt, bafe 
er mia) befuajen foll," „roenn mir unfere Arbeit gemalt fjaben, bürfen 
mir fpielen." 

3ufammenfei}en eines 9^ea)tetfes aus gmei Dreietfen. (Bin 9}ed)tea* 
roirb in ber Diagonale in gmei Dreiede gerfdjnitten unb biefe roerben bem 
Hinbe gleia)geitig mit einem anberen gleidjgrofcen 9ierf)ted; oorgelegt. (Es 
foll bie Vorlage mit ben beiben Dreiecfen gufammenfetjen. 

*) ^P^of. 3 i e f) e n , $alle, mad)t in feiner fleinen, aber lel)rreirf)en 
6d)rift: SQBefcn ber Veanlagung unb ir)re metljobifdje (Erforfdjung, ßangcn* 
falga 1918, mehrere Vcben!en gegen bie V i n e t f <$) e 2ftetl)obc gclienb, 
morin er if)r ieborf) nur umoefentlid) ^bbruaj tut. 



— 28 — 

3Mlbbetrad)tung: 93efd)reibung. (Es toerben brei Silber quo bem 
2Ründ)ener Sttlberbogen: „2>er Sßedjoogel", oorgelegt. ©as Stinb mu§ im» 
ftanbe fein, auf bie $rage „toas ift ba los?" nid)t nur bie ^erfonen unb 
Singe aufgugäl)len, fonbem im Sufawroenljang gu befdjreiben. 

Siebenjährige $ t n b e r. 
Nadjfpreajen oon fünf 3iffßm. (6. vorige 3^lenrei()c.) 

Kenntnis ber 9Jiüngen oon 1 Pfennig bis 1 9ftart. Sic SJtüngen 
toerben oorgelegt, unb mit $tusnal)me ettoa bes 25 Sßfennigftüdes mufc bas 
5?inb bie düngen beftimmen tonnen. — $lbgeid)nen eines 9if)ombus. 

Süden in 3 e *tf)nungen erlernten. 2ln (Sefidjtsbarftellungen, an benen 
bie Sftafe, bgto. ein OI)r, ber SJlunb, unb bei einer 'Stau, ber bie Slrme 
fehlen, ift oon ben ^inbern bie Sude angugeben. 

Sftedjts unb tints unterfdjeiben. (3eige bas redjte Oljr, bas linte 
9luge ufto.) 

2ld)tjät)rige SHnber. 

33on 20 bis 1 rüdtoärts gälten, ot)ne $el)ter. 

33ergletd)en oon gtoei ©egenftänben aus bem ©ebäajtnis. (5)u Eennft 
einen Schmetterling, bu fyaft auä) fd)on eine fliege gef ef>en,, ift 
bas bas gleite? 2öarum nid)t? (£benfo £otg — ©las, ^nod)en — gleifd)). 

^Benennung ber oier £auptfarben (rot=grün=gelb=blau) auf einer 
garbentafet. 

Srei leidste 93erftanbesf ragen. (2Bas mu§ man madjen, toenn man 
ben 3 U 9 üerpafjt Ijat? 2Bas mufc man madjen, toenn man ettoas laput 
gemacht §at, bas einem nid)t gehört? 2Bas mufj man madjen, toenn man 
in bie Sdntle get)t, unb man merlt untertoegs, ba% es fd)on fpäter ift als 
gemöfjnlid) ?) 

Eingabe oon einem ^auptpunlt aus einer eben getefenen 3 e *tungs= 
notig (taut lefen taffen, oljne iftitteitung, ba$ bas ©elefene nadjljer toieber= 
gugeben ift.) (Eine „Seitungsnadjridjt": ,,^lm erften geiertage geigte ber 
Arbeiter 9Jtid)ael SBerner feinem gmeijäljrigen Sofyne, bzn er auf bem 
$lrm t)iett, ben (Et)riftbaum, toobei er in ber anberen ipanb bie Petroleum» 
lampe fjielt. $lts 2ßerner um ben 2Bei!jnad)tsbaum fyerum ging, ftolperte 
er unb fiel mit $inb unb Petroleumlampe t)in, toobei bie Sampe gerbrad). 
Sie tjerbeieilenben 5laa)barn töfd)ten gtoar ben fofort entftanbenen 93ranb, 
SBemer unb bas SUnb erlitten aber foldje 93ranbtounben, ba% fie nad) (Ein= 
lieferung in bas ilranlenljaus beibe ftarben." 

Neunjährige 51 i n b e r. 

Definition burd) Oberbegriffe, (gatr angegebene ^Begriffe mup ber 
Oberbegriff angegeben toerben, toas eoentueH prooogiert toerben tann, inbem 
man als SBeifpiel ein SBegriffspaar nennt. 3* 93» 9fofe unb 93eild)en, 
Pfennig unb Sater, 6otbat unb 3äger, Sßferb unb ipunb, £aus unb ^irdje, 
Sßuppe unb 33aH, ^ud)en unb Semmet, QariQe unb Jammer, Stufjl unb 
Sifd), ©abel unb Söffet.) 

80 Pfennige auf 1 $Rari herausgeben, 9luf bem Sifdj liegt bereit 
eine 6d)ultafet, ein 50=Sßfennig=6tüd, fünf 10= < $fennig=6tüde unb oier 
5-Sßfennig-6tüde. 3dj fage: ,,3d) !aufe bir biefe Safel ab für 20 Pfennige 
unb begaste fie gteid)." 3d) gebe ein 9Jlartftüd ^er; ber 6d)üler mu§ mit 
bem bereitliegenben ©etb ria^tig herausgeben. 

^Bilbbetraa^tung: (Brflärung mit |>itfe unterftü^enber 5 ra 9 ßn » (3ebes 
ber oorgegeigten Silber fyat eine beftimmte Sßointe. Siefe mu| ber Sdjüler 
auf biefer 6tufe auf eine prooogierte 5 ra 9 e ^" finben. 3Benn er g. 53. bei 
bem gegeigten 93ilbe aua) nid)t oon felbft gteia^ barauf tommt, ba$ ber 
^nabe, toeta^er fid) oerftedt Ijat, bas ^enfter eingeworfen §at, fo mu§ et 



— 29 — 

bies boti) finben auf bie 5 rQ 9 ß / „melä)er oon ben beiben 93uben Ijat nun 
eigentlid) bas ffenfter eingemorfen?") 

Angabe bes Sagesbatums. 

Orbnen t)on fünf ©emiajten mit 3, 6, 9, 12, 15 (Öramm in ber 
nötigen Reihenfolge, 

ße^niä^rige ftt n b e r. 

SOIit brei gegebenen 2Borten, g. 95. (Stabt — 5*uf3 — ®db, gm et 
Gä&e bilben. 

Kenntnis aller SDtüngen. 

Angabe oon feajs Erinnerungen aus einer 3 e itungsnotis. 

Rad)fpred)en 26 filbtger öä&e (g. 93. id) f)abe meinem 93ruber gefügt, 
menn er jjeimtommt, fo foll er gleid) mieber fortlaufen unb ben $lrgt t)olen.) 

Rad)fpred)en oon fea)s 3tff er ^ (ß* oorige 8a§Ienrei^e.) 

Elfjährige ^inber. 

3JUt brei gegebenen SBorten einen Sa& bilben. 

Definition abftrafter begriffe. (Reib — 9JUtleib — (Öered)tigfeit.) 

SBortburdjeinanber gu einem öa& orbnen. 3» 93- 

ein oerbeibigt mir Serien auf id) Ijabe ße^rer 

«perrn mutig ipunb gereift bas finb in meine oerbeffern gebeten 

guter feinen Sanb ben gu Arbeit meinen 

5lriti! abfurber 6ä&e: 3d) I)abe brei trüber, Sßaul, Ernft unb ia^. 
5lamt man fo fagen? — Reulid) fanb man in einem 2Balbe eine 2etd)e, 
bie in 18 Stüde gerteilt mar; manage Seute glauben, ba% ein 6etbftmorb 
oorliegt; ift bas möglia)? — (Öeftern oerunglüdte ein Rabfal)rer auf ber 
Straße, fo ba% er fofort tot mar. Solan braute ifjn in ein Sfranfentjaus, 
mo man jjofft, il)n balb mieber entlaffen gu können. 3ft bas möglid)? 
2$arum nia^t? — 93orf)in las idfj in einer 3 e ^ung oon einem Eifenbal)n= 
unglüd. Es mar fein ferneres. Es maren blofj 48 Sote. 2Bar bas 
rea)t gefagt? — 

3mölfiäl)rige 5! i n b e r. 

3Mlbbetrad)tung: Spontane Erlla'rung eines 93ilbes. 

3n einer SQUnute gu einem oorgefprod)enen 3Borte brei Reime finben. 

(Ergänzung oon Segtlüden. 3)te folgenbe ,,(öefd)tdjte" mirb ben Slin= 
bern oorgelefen mit ber Aufgabe, bas jemeils fel)lenbe 2Bort gu ergangen: 
„^Is meine Eltern oorigen Sftonat oerreift maren, mürbe mein 93ruber 
plötjlid) fel)r !ran?. 3d) fd)idte baljer fofort gum — unb lieft xi)n forgfältig 
pflegen. Rad) gmei Sagen lamen bie Eltern gurüd. $Us fie oon ber Er= 
trantung meines 93rubers l)örten, maren fie fetjr — ; als fie aber fafjen, 
ba$ ia) für feine Pflege geforgt fjattc, Ijaben fie fid) balb mieber — , unb 
Ijaben mid) besmegen — ♦ Es fteüte fid) übrigens heraus, ba$ mein Vorüber 
furg oorfycr eine größere SRenge unreifes £>bft gegeffen l)atte. 2)amit ^atte 
er fid) natürlid) — . Sie Eltern fagten gu xi)m: Sei in 3ufonft nid)t fo — . 
3d) fjoffe, er mirb ben Eltern — ♦ 

ftünf fernere 93erftanbesfragen: 2Bas mu§ man maa^en, menn man 
oon einem ^reunb (^reunbin) aus 93erfel)en gefrfjlagen morben ift? 2öas 
mu§ man marf)en, menn man etmas 2Birf)tiges unternimmt? ©en!e bir, 
es fragt bid) jemanb um beine Meinung über einen anberen SRenfa^en, 
ben bu nur menig !ennft; mas mürbeft bu bann fagen? 9Barum entfd)ulbigt 
man eine böfe Sat, bie im 3orn ausgeführt mirb, e^er, als eine böfc 2at, 
bie nitt)t im 3°™ ausgeführt mirb? 2Barum foll man einen 3Nenfd)cn 
meljr nad) feinen ^anblungen als naa) feinen 2Borten beurteilen? — 

3n ber $auptfad)e finb alfo für jebes SUIter ettoa fünf ^luf= 
gaben feftgefefet morben, für t)ier=, elf-- unb gtDÖIfjäfjrige ^inber 



— 30 — 

jebod) nur oier. £öft nun ein fiebenjäljriges ^inb bie Sefts ber 

fünf--, fed)s= unb fiebenidtjrigen S^inber, fo barf feine 3ntelligeng 

als normal begeidjnet toerben. bleibt bs bagegen mit feinen 3n-- 

telligengleiftungen um groei ober metjr 3al)resftufen hinter feinem 

Filter gurüd, fo gilt es als unternormal, umtjrenb ein Slinb als 

übernormal begabt angufefyen ift, toenn fein 3nteüigen§altei* 

feinem plwfifcfyen Filter um groei ober metjr 3al)re oorausgeeilt ift. 

33 i n e t fyat befanntlid) groei Seftferien aufgeteilt, eine im 3af)re 1908 
unb eine nerbefferte im 3al)re 1911. ^Billiger gefjt in feinem 93ud)e: 
Sie (£r!ennnng bes Sdjmadjfinns beim ^inbe, bes näheren barauf ein 
unb bringt aud) eine genaue Beitreibung beiber Serien. Sßrüft man nad) 
ber erften, bann Ijat man fict) bei ber 5 e MtelIung bes 3ntelUgengalters an 
folgenbes gu galten. $tls 3ntelligen§alter ift gunädjft basjenige 3af)r $u 
begetdmen, beffen fämtlidje Sefts rid)ttg gelöft merben, ein äftinus ift babei 
geftattet. 3ft bas ^inb aber imftanbe, tum ben folgenben Pieren Sefts 
nod) minbeftens fünf richtig gu Iöfen, bann ift bementfpred)enb bas 3ntelii= 
gengalter um ein 3al)r pö^er §u fd)ä&en. 3ft es imftanbe, nod) minbeftens 
gel)n ber ^ö^eren Sefts ridjtig gu töfen, bann ift bas 3nteHigengaIter um gmei 
3af)re p^er gu fdjäijen. 

Sßrüft man nad) ber im 3<rt)te 1911 aufgefteßten Seftferie, bann 
geftaltet fid) bie ^eftfteUung bes 3nteUigengaIters etmas genauer. 3Kan 
fteüt burd) bie Sßrüfung gunäd)ft feft, für roeldjes Safyz fämtlid)e Sefts 
gelöft roerben tonnen. Ergibt bie roeitere Prüfung noa) eine Söfung uon 
Sefts, bie für ein fjöfyeres Filter beftimmt finb, bann ift jebe toeitere Söfung 
e i n es Sefts um V* 3af)r bagu gu rennen (ba für jebes 3at)r fünf Sefts 
beftimmt finb). ipat g. 93. ein ad)tiäf)rtges 5Unb fämtlid)e für bas fed)fte 
_3af)r beftimmten Sefts richtig unb baju nod) §met ber für bas ftebente 3al)r, 
brei ber für bas ad)te 3^r, groei ber für bas neunte 3<ü)r unb einen ber 
für bas gefmte 3at)r beftimmten Sefts ridjtig gelöft, bann ergibt ftd) als 
3ntelUgengaIter 6 + 8 / 5 — 7 3 / 5 3cü;re. 

2ftit $ilfe ber 93inetfd)en 90tett)obe läßt fid) bemnad) oon 
irgendeinem i^inbe burd) eine Sßrüfung oon furger 5)auer gierrlid) 
fidjer angeben,, auf roeldjer ^Itersftufe feine 3ntettigeng im großen 
unb gangen ftel)t. $lud) ein 3nteHigengftillfianb fann burd) fie 
feftgeftellt toerben. (Es geigt fict) nämlid), bag geiftig minberroertige 
jRinber über bie Sefts einer beftimmten SUltersftufe aud) mit gu= 
netjmenbem SUXter nid)t meljr hinaus gu fommen o ermögen. SRa-- 
türlid) ift aud) bie 33 i n e t f d) e 3nteUigengprüfungsmetl)obe nid)t 
als eine ft^ere unb automatifd) toirfenbe ©eiftesprobe angufeljen, 
bie anberer Hilfsmittel nid)t bebürfe; aber als eins ber beften 
^rüfungsoerfaljren im 6nftem ber 3nbioibualitätsunterfud)ungen 
toirb fie, namentlid) mit Beobachtung pöbagogifcrjer unb ärgtlidjer 
(öefid)tspun!te, gmeifellos für unfere §wt&z eine l)ol)e 33ebeutung 
erlangen. SBenn bas ^tnb in bit §ilfsfd)ule eingetreten ift, fo 
empfiehlt es fid), eine erneute Prüfung oorguneljmen, fomoljl oon 
ärgtlid)er, als aud) oon päbagogifdjer 6eite. 6ie lägt fta^ bann 
Diel eingetjenber geftalten, als bu (Ermittlungsprüfung unb roirb 
fieser ein genaues 93ilb bes betreffenben Schülers abgeben. 

SdjIieSüd) meife td) nod) auf eine 3nteHigengprüfungsmet^obe burd^ 
5B i I b e r l)in, über meldje ^rof. Dr. 6 1 e r n , Hamburg, unlängft in ber 



— 31 — 

Verliner SUinifajen 2Boa)enfd)rift ausfüfyrlidj beriojtete. 2)ie gur Prüfung 
bcftimmten Silber ftcHen gang einfache Vorgänge bar, nur enthalten fie 
irgenbeinen 2Biberfprudj ober eine $lbfonberlid)feit, bie gur gongen Situation 
niajt pagt. 3» 93» fi^I)t mon auf einem Vilbe bie Sonne fdjetnen, toäljrenb 
auf ber Strafte eine ßaterne brennt ^nlia)e abfonberlia^e 9ftotioe finb 
auf allen Vilbern bargefteEt. afterftoürbtgerroeife toirb nun fefjr häufig ber 
Saajoerljalt niajt riajtig, ober nur fef)r langfam aufgefaßt, unb je nadj 
bem ©rabe ber Sa)neEtg!eit, mit bem ber 3 u fatnmenf)ang °oer bie 2Biber= 
fprüdje auf ben Silbern ernannt roerben, unb je nad) ber ©enauigEeit ber 
Seutung burd) ben Prüfling fann man ein Urteil über fein ffaffungsoer= 
mögen gemimten. Selbftoerftänblid) ift auf biefer SOlet^obe allein eine 
©entprüfung nid)t gu begründen, aber fie ift ein nidjt untoefentlid)es £ilfs= 
mittel gur SuteEigengprüfung unb oerbient aud) unfere Veadjtung. 

$ln biefer SteEe fei nod) ber Vegabtenfdjulen gebaut, bie bei 
ber 2luslefe i^rer Sd)üler fid) ebenfalls ber 3nteEigengprüfungsmetl)oben 
bebienen. 2)as Jpauptpringip berartiger Prüfungen ift nidjt ^enntniffe, 
fonbern ffäfytgfeiten gu prüfen* Sie pft)d)ologifc|en ^äfjigiEeitsprüfungen 
umfaffen Unterfudmngen über bie Slombinattonsfäfjigleit, über bas 5ton= 
gentrationsoermögen, bas ©ebädjtnis (befonbers für finnooEe unb faufal 
oerbunbene Stoffe), über Stlarfjeit, 9leifc unb 9Beite bes Vegriffsoermögens, 
über Urteilstraft unb pft)d)ifd)e (Einfühlung, fotoie über geftftellung ber 9ln= 
fd)auungsfäl)igfeit. $tus ben (Ergebniffen toirb bann ein ©efamtrangpla^ 
ber aEgemeinen $äl)igfetten bes Prüflings gebilbet. 

Sen fd)lagenbften Vetoeis, toie unumgängltd) notmenbig 3nteEigeng= 
Prüfungen finb, bot folgenbe £atfad)e. 2>a Oftern 1919 in Verlin bie $ln= 
melbungen für bie Vegabtenflaffen, toojl infolge ber augenblidlid) oor= 
liegenben unfidjeren unb fdjtoeren toirtfd)aftlid)en Verpltniffe, im ©egenfatj 
gu ben erften ^Inmelbungen nur gering toaren unb bie gur Verfügung fteljen= 
ben Sßlä^e nur gang unerfjeblid) überftiegen, entfdjlofj fid) bie ftäbtifdje 6<|ul= 
beputation biesmal alle gemelbeten Sd)üler aufzunehmen, obtooljl bie 
mit il)nen angefteEte 3uteEigengprüfung gum Seil nur red)t toenig be= 
friebigenbe 9f*efultate ergeben fyatte. 2Bäf)renb nun bei ben burd) 3nteEi= 
gengprüfung gefiebten klaffen burdjfdmtttlid) bie oberen oier fünftel, alfo 
80 o* £., ben fel)r erljeblidjen ^Inforberungen ber Vegabtenfdfmlen geroad)fen 
toaren, oerfagte bei biefen „Ungefiebten" ein bei roeitem größerer <ißrogent= 
fajj. 3n einer klaffe oermod)ten nad) bem Urteil bes 9te!tors unb ber 
^laffenle^rerin, bie aud) in ben „gefiebten" klaffen früher unterridjtet Ijatte 
unb fomit oergleidjenb urteilen tonnte, nia)t toeniger als 14 oon ben auf= 
genommenen 27 $inbem, b. I). alfo m e f) r als bie ipälfte, btn er= 
tjöl)ten ^Inforberungen nidjt gu genügen. 9tur toirHid) ipodjbefäljigte foEten 
besljalb aufgenommen toerben, bie anberen aber bem TOttelftanb unb bem 
ipanbtoer!, bie audj 3nteEigengen brausen, belaffen toerben. 

2>ie Stabt Verltn lägt au|erbem tedjnifd) unb tunftlerifd) befonbers 
Veranlagte in bem 3nftitut für inbuftrieEe ^ft)a;otea^ni! an ber Sea;nifa^en 
£od)fd)u!e Cl)arlottenburg (5Rofinenftrage 5) unb bem Shmftgetocrbemufeum 
ebenfaEs r)albiäf)rltcr) prüfen, fo ba$ fie mit i^rem großzügigen 9ieform= 
Programm, bas in bem 6tabtfdmlrat Dr. 9t e i m a n n unb bem <5tabt= 
oerorbnetenoorfte^er 3uftigrat (£ a f f e l feine geiftigen Väter Ijat, roir!lid^ 
aEe Wirten oon §od)befäl)igten gu erfaffen oermag. 

3öeiteren ^uffdjtufe bieten bie Schriften 9Hoebe, Sßior!otos!i 
unb 2B o l f f , 2)ie ^Berliner Vegabtenfa^ulen, if)re Organifation unb bie 
ejperimenteEen 2Ret^oben ber 6ö)üleraustoa^l. Sangenfalga 1918, Verlag 
oon <p. Veoer & 6öl)ne. — ^nroeifungen für bie pfoa^ologifd)e Slustoabl ber 
jugenblidjen Vegabten oom fieipgiger ßefjreroercin. ßeipgig 1919, Verlag 
oon S)ürr. — © i e f e , ^ft)d)oted)nifd)e (Eignungsprüfungen an (Erroadjfencn. 
ßangenfalga 1921, SBenbt & ^lautoeE. 



— 32 — 

Fragebogen. — Fragebogen, (Munbfyeitöfdjeine, SBe= 
riäjtsbogen, Sßerfonalbogen ftnb faft an allen 6d)itlen im ©ebrauä). 
Für unfere Qvozäe eignen fid) befonbers folgenbe: 2)er 93rüffeler 
Fragebogen, ber Franf furter unb ber ber 6tabt §aHe. 

1. ©djema bes 93r8ffeler ^^öcbogens» 

£>ilfsfd)ule. 

©rünbe, ttmntm bas $inb unterfud)t roerben foll : 

1. Hinlängliche ober anormale ofndjifdje gntnricfttung ; Sd)roäa> 

ber Slufmerkfamneit 

.2. 93eftänbiges unb offenttunbiges fd)ted)tes betragen 

3. Drei Satjie SRüchftanb in ber Scfyulbilbung . . . . 

4. ßrnftlidje Sprachfehler 

Srfjrif tftüdte, bie bem Formular beigelegt roerben muffen: 

1. S3erid)t über bie bisherige Scfyullaufbatjn bes Kinbes. 
3. 95erid)t über bie ©rünbe, bie ben 53orfd)Iag 3ur Slufnafjme bes 
Kinbes in bie £>ilfsfcl)ule oeranlafjten. 

2)iefer 23erid)t enthält fo eingeljenb roie möglid) bie antworten auf 
folgenbe fragen: 

a) Sinb bie (Eltern gefunb? 

SBeldje fittlidje 23efd)affenf)eit fjaben fie? 

Sinb fie Xrinher? 

b) 3ft bas ^inb Kranit geroefen ? . . 

£>at es roetdje Mängel in ber Tätigkeit ber Sinne (©efidjt, 

©eljör, ©efüt)l, 2RusheIfinn) merken laffen ? 

3n roeldjem gadje (©egenftanbe) I)ot bas Kinb bie meiften 

gortfdjritte gemacht? 

3ft es aufmernfam? . . . 

3ft es träge? . . . . 

3ft es ungezogen? • 

3ft feine Ungeöogentjeit beftänbig ober pertob ifd)? 

Stiegt es? 

3ft es oerlogen? . . r . . . 

3ft es aufbraufenb? • 

c) 2öela>r intellektuellen ober ergief)lid)en SBefyanblung ift bas 

Kinb unterworfen roorben? 

2* Sdjema bes gsanffurte* 5f*<*gebogens. 

Oftern 19 . . 

rooljnfjaft 

geboren ben , Sd)üler . . . ber 

. . J™ klaffe .... Sdjuljaljr. 

(Slievti: Seruf 

£>äuslitf)e 93ert)ältniffe (eo. bei roem in Pflege) ? 

3al)l ber Slborte ber Sftutter: ^inbergaljl 



©ebutt: Ob efyetid) ober unetjelid) 



<£tbltdje SBelaftmtg, (Krankheiten ber (Eltern): 

©eifteshrannf)eit — Sungenleiben — £runltfud)t — Serbredjen — 
Selbftmorb — 2ues? 



— 33 — 

©efdjtoifiet: Ob fctyroad)befäl)igt, blöbftnnig, epileptifd) ufro, 



5*üljete ^ranl^ßitcn: 3nsbef. Krämpfe — 2äl)mungen — 93eitstan3 — 
(Englifdje ßranhljeit — 93lafenfct)roäd)e — Ofjnmadjten ufro 

©tmtesaebredjeit : Stielen — blinb — taub — gelähmt — Sprachfehler ufro. 

©eelifäje <SfrjettJd)af ten : fiügenfjaft — biebifd) — fdjeu — unruhig — 
jäfoornig — unoerträglid) — ftumpf — roeinerlid) ufro 



UxtexU ber Seljm über gletfe, $ortfd)ritte, SSegriffsbilbung ßaljlenbegriffe), 
2efen, Schreiben ufro 

Oft bas &inb in einem früheren %afyict für bie ^tlfsfdjule ange* 
melbet roorben? 



6ottfttge 93emetf äugen : 



Der 3iehtor: 2)er Sd)ular3t: 

3, ^lufita^mebogett bes IjaHtJdjen ^ilfsfdjule. 

£auptbud)nummer . . ♦ 
3ur 5lufnal)me in bie fyiefige ftabt £ilfsfdjule roirb oorgefdjlagen 

oerftorb. 
geb. am .... als . . eljelidjes $inb be . . n0( j ) febenb 

in Pflege bei , rooljnljaft 

getauft geimpft ... . c • v r 

nid>t getauft ntcftt geimpft f ett .tn ber Sd>ule, 

bisi)!r .... 3atjr in ber 5lnfangsRlaffe unb . . . . in ber oorle&ten 

93oIrs 
klaffe; 3ur3eit .... Safyr f n ^ er .... klaffe ber ^.^^ fdjule in 

ber tum ^laffenleljrer ....... 

Bemerkungen bes suftänbigen Schulleiters: 

Urteile bes fieiters unb bes Staates ber £>ilfsfdmie: 

Verfügung bes Stabtfdmlrates über bie enbgültige Slufnafyme an ben 
£>ilfsfcl)ulleiter unb ben 3uftänbigen Schulleiter: 

Bemerkung: 25ie nad)ftel)enben fragen 1—3 finb auf (Brunb 
oon £>ausbefud)en gu beantworten, grage 4 unb 5 ift innerhalb eines 
Safjres in breimaligen 3roifd)enräumen fyinteretnanber 3U erlebigen. Sie 
Slntroorten finb nad) jeöem Schlußtermine ber Beobachtung bem 3uftän= 
bigen Schulleiter 3ur Nachprüfung oorsulegen. £>ie Stufnaljme in bie 
£>ilfsfd)ule erfolgt nur an ber £>anb Mefes, mit ber Verfügung bes 
Stabtfdjulrates oerfefyenen 2lufnal)mebogens. 

©efidjtspunhte, nad) meieren bie Beobachtungen 

fid) 3U ridjten fjaben: 

1. 2öas ift über bie (Eltern in (Erfahrung gebracht raorben? (Cebenslage, 
roie hümmern fie fid) um bas ^inb? — £>ausbefud)e — ) 

2. 2öas berichten bie (Eltern über bas ßinb? (ßranhfjeiten, Unfälle *- 
£>ausbefud)e — ) 

3. SBeldje körperlichen Mängel, tnsbefonbere an ben Sinnesorganen unb 
bei ben SRushelberoegungen, madjen fid) bemerkbar? 

3 



34 — 



Beobachtungen 

m 


bis 3ur 

legten SBodje 

oor ben 

Sommer* 

ferien 


H 

3 5 

• 

tH 


E§ 

tH 


4. 3ft °iß getftige Gntraichlung im allgemeinen 
un3ulänglid) geroefen? 

a) Sprachfertigkeit unb Spracrjgebredjen : 

b) Beteiligung unb O^tereffe am Unterrichte, 
Scfjraädje ober Störung ber 2lufmerhfam= 
keit? Sdjroäcfje bes ©ebäcrjtniffes : 

c) Sluffallenbe gute ober fdjlecrjte Charakter* 
eigenfdjaften, roie rauhen bie 3 u tf)*mittel 
auf bas ßinb? 








5. 2)er Stanb ber Scrjulbilbung ; 

3n roeldjen gäcfjern befonbers rüdtftänbig? 
SGßeldje 3iele int &ecfjnen, 2efen unb Schreiben 
erreidjt? 









(Es liegt auf ber öanb, ba§ bie genaue ^Beantwortung fola^er 
Fragebogen ein giemlid) ooHfränbiges unb beutliäjes 93ilb bes 
betreffenben 6ä)ulfinbes bieten wirb. 3)a in erfter ßinte Sßäb-- 
agogen 'bie Beantwortungen geben foEen, fo ift bei ben meiften 
ber pfnd)otogifa>-päbagogifd)e ©efiäjtspunft in ben Borbergrunb ge-- 
fteEt. ^atürüä) foE baburä) bie fä)ulärgtlid)e 9Jlitrotr!ung nicfyt 
ausgefäjaltet werben, welä)e ja bann bei ber weiteren Prüfung 
unb (Ermittlung aud) noE unb gang gur (Mtung fommen fann. 

2>ie Regierung in 9ft i n b e n I)at unter bem 18. $luguft 1913 oerfügt, 
ba§ aud; in ben 6dm!en auf bem £ a n b e unb in fleinen 6 1 ä b t e n , 
roo ein befonberer ipilfsfd)ulunterrid)t nod) nid)t eingeführt ift, für bie 
fd)roaa)begabten £tinber im 3ntereffe ü)res gortfommens Sßerfonalbogen 
geführt roerben, roeldje über bie torperlidje unb getftige 93erfaffung bei ber 
aufnähme in ber 6dmle geftfteEungen enthalten unb über bie roeitere gei= 
füge Sntroidlung in ben einzelnen 6dmljcü)ren, foroie über ärgtlidje 93eob= 
ad)tungen berieten foUen. 

3n ^Berlin beftanb früher ein eigenartiges 3krfaf)ren für bie 
^lustoat)! unb Überroeifung ber 6d)üler für bie §ilfsfd)ule; bie 
^Beftimmungen barüber lauteten: 

,,©emeinbefd)ul!inber, bie bei regelmäßigem 6djulbefud) ein 3al)r lang 
bie unterfte klaffe ber 9?ormalfd)ule of)ne (Erfolg befud)t |aben unb nad) 
Ablauf biefes 3cd)res in ber unteren Abteilung biefer klaffe roürben gu= 
rüdbleiben muffen, können in eine mit einer ©emeinbefdmle organifd) 
nerbunbene SSorflaffe für ben Unterricht fd)roaa)befäf)igter S^inber auf= 
genommen roerben. 5)er 93orfIaffe fönnen aud) fold)e ^inber oor Ablauf 
eines 3al)res überroiefen roerben, roeldje ftd) nid)t geeignet für ben Unter* 
ridjt in ber 9?ormalfd)ute erroeifen. 

Siejenigen ^inber, bie nad) einjährigem 33efud) ber 93or?laffe b^ 
Steife für bie letzte klaffe ber 9ZormaIfd)uIe erreicht ober bod) fo!d)e gort* 
fdjritte gemadjt rjaben, ba% ir)re görberung in ber 9?ormalfd)ule roafjr- 
fdjeinlid) ift, !ef)ren in biefe jurücf. 



— 35 — 

Sie nad) einjährigem SBcfud) ber 93orflaffe nid)t ober nur toenig ge= 
förberten Slinber toerben genau geprüft, ob fie in bie ipilfsfdmle überge= 
fütjrt toerben muffen, ober ob int ^aüt längerer 5Srant1)ett toäljrenb bes 
33cfud)es ber SBorilaffc ein nochmaliger 93erfud) in biefer fia) empfiehlt. 
Sänger als jtoei 3al)re oerbletbt fein Kinb in ber 93or!laffe. ^inber, meldte 
^toeifeUos fd)toad)finnig finb, können ofyne toeiteres ber ipilfsfd)ule für 
jclnoadjbegabte (öemeinbefdMlfinber übertoiefen toerben. ^usgefprodjen 
ibiotifd)e ^inber follen möglid)ft fofort ber 3biotenanftalt übergeben 
toerben." 

§ £ n l*> f ff tanff urt o. 3JI, bemerf t l)ier§u f ef)r tref f enb : 
„9ftan toitt es alfo tro& ber Überott unb oud) in ^Berlin bei ber 
(Binridfytung ber 9iebenfl offen eingetretenen Sö^tgerfolge nod) 
einmol oerfucfyen, ob nidfyt ein groger Seil ber ipüfsfäjüler normal= 
fd)ulfäi)ig gemalt unb in bie SRormoIfcfyuie prüdoerfe^t toerben 
fonn." l ) 

(Eine eigenartige (Einrichtung für fd)toer=fd)toad)fimixge ^inber beftftt 
SBerlin feit 1917 in ben fogenannten SammelHaffen. ©ie Sammel* 
flaffe fteüt eine ipilfsfdmlilaffe bar, oereinigt" in fid) aber nur fd)mer=fd)tüad)= 
finnige Kinber, bie bas ^ul ber Unterftufe ber ipilfsfdmle nid)t erreichen unb 
bereu (Eltern fiel) §ur Unterbringung in einer 9tnftalt nid)t entfdjließen T6n= 
nen. $ln einer ipilfsfdmle fotl nur eine Sammelflaffe befreien. 6ie ift ber 
ipilfsfdjuUeitung mit unterteilt, nimmt aber gu bem Sdmltorper ber ipilfs= 
fdmle eine felbftänbige Stellung ein. Sie Übertoeifung eines ^inbes in bie 
Sammeltlaffe erfolgt in ber Siegel nad) einem ergebnislofen gtoeijäljrigen 
SBcfud) ber ipilfsfdmlunterftufe unb auf (Örunb eines befonberen päbagogi= 
fcfjen unb pft)d)tatrtfd)cn ©utadjtens. 3n jebem $alle ift oor ber Übermei= 
jung ben (Eltern bie ßtoedmäßigfeit ber Unterbringung bes ^inbes in eine 
2lnftalt flar §u machen. 9flad) ber Übertoeifung finb bie (Eltern anhalten, 
it)r SUnb regelmäßig in ben ber Sammelftaffe angefdjloffenen £ort §u 
fd)iden. Sie bereits aus ber Sdmlpflidjt entlaffenen unb gurgeit im (Eltern= 
Ijaufe toeilenben, nod) nicfjt oiergefmiäfjrtgen ^inber können auf 2Bunfd) 
ber (Eltern in bie Sammelflaffe nad) Slftaßgabe ber oorfjanbenen Sßlätje 
aufgenommen toerben* 93eoor künftig ein Itinb feiner großen geiftigen 
Sd)toäd)e toegen oon ber Sd)ulpflid)t oöEig entbunben ift, ift es, falls fid) 
bie (Eltern nid)t §ur "ülufnafjme in eine 2lnftalt oerfteljen, einer Sammel- 
flaffe gu einem legten Unterrid)tsoerfud) gu übertoeifen. 93om 93efud) ber 
Sammelflaffe unb bamit aud) ber Schule überhaupt ausgefdjloffen toerben 
nur bie oöllig bilbungsunfäf)igen ober bauernb pflegebebürftigen Slinber, 
für bie bann unter Umftänben auf ©runb bes ^ürforgccräterjungögefefecö 
2lnftaltsgtoang ertoirft toerben müßte, Sie Sammelflaffe foll Ijödjftens 
15 ^inber umfaffen. Sie ift eine einflaffige Sd)ule. Sa bie fd)toer=fd)tüad)= 
finnigen Slinber niemals fo toeit §u förbern finb, ba% fie bie im 5)eutfd)en 
unb im SHedjnen erreichbaren ^äl)igieiten in ben Sienft i^rer ^3erfon gu 
fteüen oermögen, fo toirb auf biefe $äd)er in ber Sammelflaffe nid)t mel)r 
bas |>auptgetoid)t gelegt üfteben ber $flege bes (öemütes toirb bie (Ent= 
toidlung unb $lusbilbung ber ?örperlid)en ©efd)ic!lic^!eit als bas £aupt= 
giel bes ergiefjlidjen Unterrichts angefeljen unb ber Brperlidjen ^Betäti-- 
gung bes ^inbes ber breitefte %tum gugetoiefen. 2)ie ipälfte ber tägltd)en 
Unterrichtszeit mirb auf £anbarbeitsunterrid)t oertoenbet unb im übrigen 
bem Surnen unb Spielen ein angemeffener 9iaum gemätjrt. — beultet) Ijabeu 
nod) mehrere Stäbte Sammeltlaffen eingerichtet. 



1 ) 3 ur ^Beurteilung biefes 93erfud)es finbet fid) bas nähere in bem 
Kapitel Siüdoerfe^ung. 



— 36 — 

(£ i n f d) u I u n g. — Sftit ber Üben»eifung ber 6d)üler an 
bie £>ilfsfd)ule ermad)ft bem £eiter berfelben eine fd^xoterige ^uf-- 
gabe. (St fyat bann eine genaue Prüfung t)orgunef)men, 
um bie Neulinge gwedmäßig in eine iljrer getftigen (Bntundlung 
unb ifjren Kenntniffen unb gertigteiten entfpred)enbe klaffe ein= 
gureitjen. (&eu)öf)nlid) werben fie ber unterften klaffe gugefüfyrt 
werben muffen, 2Benn jebod) manche 6d)üler über befonbere 
Henntniffe in einzelnen gädjern oerfügen, ift it)re Überführung 
wäfyrenb einzelner 6tunben in eine fyö^ere Klaffe aorgufeljen, in 
wetdjer fie unbefdjabet ifjrer fonfiigen 93ilbung weiter geförbert 
toerben fönnen. (Bin ^iustaufcfy einzelner 6d)üler wafjrenb 
einzelner Unter ridjtsftunben ift nid)t nur erwünfdjt, fonbern aud) 
erforbertid). 3)at)er muß ber 6tunbenptan für bie öerfiijiebenen 
Klaffen gu berfelben Qüt gleite 6tunben anfe^en. 

3>er SJUnifterialertafj twm 2. San, 1905 — U. III. A. 3k. 3204 
— gibt Ijiergu beachtenswerte 5Binle. 

„befonbere Slufmertfamfeit mirb mit SKedjt ber Verteilung ber Hinber 
auf bie einzelnen klaffen ber mel)rtlaffigen |rilfsfdmlen gugeroanbt, roeil 
hierbei t>öllig anbere ©runbfä^e gu gelten rjaben, als bei 6d)üleroerfe£ungen 
in anberen ^d)ulen. ®enn l)ier fjanbelt es fid) nid)i barum, gur Ctcreidjung 
eines (£nbgieles ber 5Inftalt möglidjft alle Sünber burd) alle klaffen §u 
bringen, fonbern barum, jebes Rmb in bie für feine SSeanlagung paffenbften 
klaffen gelangen gu taffen. Siefe JUnber finb roeber für alle ßetjrgegenftänbe 
in gleichem (Brabe minberbegabt, nod) fdjreiten fie auf ben oerfdjieüenen 
(öebieten gleichmäßig nebeneinanber fort (£in $inb fann im SHedmen eine 
ßeitlang leibliche ^ortfa^ritte maa)en, roäljrenb es im 2)eutfd)en fielen bleibt; 
bei einem anberen fann bas Umge!et)rte eintreten. Sas eine &\nb lernt 
oerljältnismäfjig gut geidjnen, ein anberes ift für bie 3eid) e *uunft ungu= 
gänglict). (£s gehört ba^er aud) §u ben 93 efonb erretten ber £ilfsfdmle, ba$ 
ein Seil ber ^inber über bas ßiel ber unterften klaffen überhaupt nid)t 
l)inaus!ommt, ein Seit bis gum (£nbe ber ödbulpflidjtjeit in ber §roeiten 
klaffe fi^enbleibt uff v unb nur ein kleiner Seil bie oberfte klaffe einer 
mcljrtlaffigen ipilfsfdmte erlebigt Sie (Erfahrung geigt ferner, bafj ein 
^inb in mehreren ßetjrgegenftänben für bie näajftfolgenbe klaffe reif fein 
fann, rocüjrenb es in bem einen ober anberen §ad)e gang gurüdgeblieben 
ift unb infolgebeffen mit ber Sftafjgabe in bie anbere klaffe oerfe^t roerben 
mu§, bafj es in oerfd)iebenen 6tunben in feiner bisherigen klaffe toeiter= 
arbeitet 2>at)er f)at bie (£inrid)tung ber ilberorbnung mehrerer klaffen 
liier t)auptfäd)ti(i) ben $we&, bie einzelnen SUnber je nad) bem (örabe iljrer 
§cu)igfeiten roeitergubringen, unb nadj 9Köglid)feit bie ^inber gleidjer 
Srbeitsfäljtgfeit gu Bereinigen, ^ernguf) alten ift bas 33eftreben, bas £ern= 
giel ber 6d)ule burd) (£inrid)tung oieler klaffen möglid)ft f)od) ju treiben." 

2B i b e r ft a n b ber (Eltern. — 3n ben meiften Drten, in 
benen §ilfsfd)ulen beftefyen, toirb bie (EinroiHigung ber (Eltern gur 
(Einf^utung ber Kinber l)äufig nid)t einmal nad)gefud)t, bie $n= 
gelegen^ eit regelt fid) oljne weiteres mit ber Umfd)ulung. (Ein-- 
gelne (Eltern jebo(^ fetjen 3Biberftanb entgegen unb fud^en mit 
allerlei $lttsflüd)ten il)re Kinber ber Umfdjulung gu entgiel)en. 
SBenn in foldjen 5 a] tl^n 9^üdfprad)en nid)ts frud)ten, bann fann 
bie gtoangsroeife Überroeifung ber Kinber auf ©runb 



— 37 — 

oon SRiniftertalcrlaffen unb gerid)tlid)en (Entfdjeibungen in bie 
9Bege geleitet toerben, aud) gegen ben 2BiEen ber (Eltern. 

3 to a n g s roe i f e (E i n f cfy u l u n g. — 2) a s p r e u § i f tf) e 
$ürforgeeraiel)ungsgefeö oom 2. 3uli 1900 gibt 
SJttttel unb SBege an, tooburdjj eine ätoangstüeife Überführung 
oon geiftesfctymadjen Wintern in 3biotenanftalten ober §tlf6fd)u= 
len erreicht werben fann. § 1, 6at$ 3 befagt, baß 5ürforgeergie= 
l)ung — alfo aud) folgerid)fcig befonbere (Ergteljung in grilfsfdjulen 
unb 3biotenanftalten — toegen Ungulänglid)leit ber erjteljli^en 
(Einurirfung ber Altern ober fonftigen (Ergieljer ober ber 6d)|ule 
eintreten tonn, ©od) bte (Erfahrung Ijat gegeigt, ba$ in ber 
Sßragis begüglid) ber ^usfütjrung bes ö>efe£es nad) biefer 6eite 
t)in toenig ober garnidfyts gefd)iet)t. 

S)as bürgerlidje (&efe&bud)> oom 18. SUuguft 1896 bietet eben= 
falls §anbf)aben §ur gtoangstoeifen (Einfcfyulung geiftesfcfytöadjer 
Ivinber in ^ilfefdjulen. § 1666 lautet: 

„Söirb bas geifttge ober leibliche 28ot)l bes Sltnbes baburd) 
gefätjrbet, ba£ ber $ater bas 9ted)i ber 6orge für bte Sßerfon bes 
lünbes mifjbraudjt, bas Slinb oernacfyläffigt ober fid) eines efyrlofen 
ober unfittlidjen SSertjaltens fdjulbig mad)t, fo l)at bas SBortnunb 1 -- 
fd)aftsgerid)t bie $ur ^Ibtoenbung ber ©efafyr erforberlidjen SKaß-- 
regeln $u treffen. S)as ^oimtnbfdjjaftsgeridjit fann insbefonbere 
anorbnen, baß bas ^inb jum Qvoedt ber (Ergietjung in einer ge= 
eigneten Samilie ober in einer (Ergiefjungsanftalt ober einer 
93efferungsanftalt untergebracht toirb." — $iud) ber § 1838 fommt 
I)ier in $Betrad)t, toeldjer folgenbes befagt: „3)as $ormunbfd)afts= 
geriet fann anorbnen, baß ber 9Mnbel gum 3roecfe ber (Ergietjung 
in einer geeigneten 5 :am ^ e °& er ta einer (Erjie^ungsanftalt ober 
einer Söefferungsanftalt untergebracht trrirb. ©tefyt bem $ater ober 
ber äftutter bie 6orge für bie Sßerfon bes Sftünbels ftu, fo ift eine 
foldje $inorbnung nur unter ben 33orausfefeungen bes § 1666 gu= 
löffig/' 

3n 33raunfd)toeig, ^Utenburg, 23aben, 6ad)ifen=2öeimar unb 
im 5 re iftaat Sad)fen beftefyen feit längerer 3^t gefe£lid)e 
93eftimmungen gu einer gtoangstoeifen Überroeifung oon 
S^inbern in bie §ilfsfd)ule. 3)as fäd)fifd)e $olfsfdjulgefe£ oom 
26. 9Ipril 1873 befagt in § 4 ^ibfafe 5: „^erroaljrlofte, nid)t ooH- 
ftnnige, fd)toad)V- unb blöbfinnige £ünber finb in tjiergu beftimm= 
ten öffentlichen unb Sßrioatanftatten unterzubringen, fofern nid>t 
burd) bie ba^u 93erpflid)teten anbertoeitig für ifyre (Ergiefyung l)in= 
reidjenb geforgt ift/' $l)nlid) lautet aud) ber § 58 bes ©efefees 
Dom 24. 3uni 1874 in 6ad)[en--$Beimar über bas <Bolfsfd)ültoefen: 
„3ft ein ^:inb toegen geiftiger 6d)toäd)e oom 93efud) ber iBolfsfcfyule 
auf längere 3^t ober überhaupt ausgefdjloffen, fo ift für anber= 



— 38 — 

■ 

roettigen Unterridjt in geeignetem S°tte unb in geeigneter 9Beife 
6orge gu tragen." 

$tber aud) ofyne gefefelid)e Seftimmungen fd)iufen in Sßreußen 
oerfdjiebene 6tabtgemeinben unter 3uftimmung ber betreffenben 
Regierungen £ilfsfd)ulftatuten, nad) roeId)en bie Über= 
füfyrung ber Slinber in bie £ilfsfcfyule otme weiteres erfolgen fann. 
$luf ©runb bes SJUnifterialerlaffes oom 16. 3uni 1894 
— U. III. A. 1030 — roirb bie £ilfsfd)ule ifyrer red)tlid>en öteüung 
nad) ben Solfsfcfjulen gleid)i eradjtet. 6ie gefyört bemnad) gum 
Organismus ber Solfsfctyule; ifjre Genehmigung, Sertoaitung 
unb 93eauffiajtigung erfolgt burd) biefelben Organe, roeldjen aud) 
bie Solfsfdjulen unterteilt finb. 3)te £ilfsfd)ule muß alfo audy 
bas Red)t befifeen, Slinber, für toeldje fie eingerichtet ift, gum 
93 e f u cfy e g to fi n g e n g u fönnen. 3)iefe $luffaffung finb et 
burdj bie folgenben (S e r i cty 1 s e n t f d) e i b u n g e n in fyöd)fter 
3nftang ausbrüdlidjie Sefrötigung. ^lm 20. 6eptember 1904 ent- 
fd)ieb ber VIII. 6 e n a t bes Oberoertoaltungsge = 
rid)ts, baß bie §ilfsfd)ule als öffentliche Solfsfdjule im 6inne 
bes befteljenben Red)ts angufefyen unb bie Ortsfd)utbet)>örbe an bie 
elterliche Weigerung bei ber Überführung eines ^inbes in bie 
ipilfsfdjiute nidjt gebunben, trielmerjr befugt fei, ben regelmäßigen 
Sefud) ber |rilfsfd)ule burd). bie berfelben gugetoiefenen ^inber 
gtoangsroeife burcfygufetjen. 3n gleichem 6inne fyat in letzter 3n- 
ftang ber I. 6 1 r a f f e n a t b e s Sta m m e r g e r i d) t s in ^Berlin 
am 25. 3cmuar 1906 auf bie Silage eines Saters, ber mit ber 
3Bei§erung, fein oon ber 6tabtfd)ulber)örbe ber £ilfsfd)ute über= 
roiefenes Än'b in tiefe gu fcfyicf en, oon Regierung unb äftinifterium 
abgeroiefen roar, burd)l eine ausführliche Segrünbung entfdjieben. 
(£s getjt baraus tjeroor, baß Slinber gum 93efud)e ber ipilfsfdjule 
gegroungen roetben fönnen. 

3n Säuern ift burcfy SJHnifterialerlaß oom 30. Sftärg 
1906 oerfügt roorben, baß bie Sd)ulpflid)t an unb für fid) aud) 
für bie bilbungsunfäfyigen unb bilbungsbefd)ränften Slinber beftetjt, 
bie (Ergiel)ungsbered)ägten aber bie §lufnat)me foldjer Slinber in 
bie allgemeine Solfsfdjule nid)t beanfprudjen fönnen, baß biefe 
Slinber jebod) ba, roo §ilfsfd)ulen unb §ilfsflaffen itjrer Slon-- 
feffion beftetjen, in biefe gu oertoeifen finb. 

Rad) allebem gibt es in 2)eutfd)lanb eine gange $lngal)l ge= 
fettfidjer Seftimmungen unb bet)örblid)er Serfügungen, bie §anb= 
l)aben genugfam bieten, um 6d)ulgtoang für bie £ilfsfcfyule roirf= 
fam burcfygufetjen. ©od) roäre es am beften, roenn burd) ein 
6d)utgefe£ ber 6d)ulgtoang für alle anormalen Slinber aus= 
gefprocfyen unb angeorbnet roürbe, toie foldjes g. S. in Preußen 
burd) ein ©efefe über bie Sefdjulung taubftummer unb blinber 
Slinber gefd)el)en ift. ©efefe oom 7. ^luguft 1911. §offentIid>, 



— 39 — 

toirb nun halb ein eigenes £ilfsf<i)ulgefet}, bas auf Qkunb bes 
(Srunbfdjulgefe^es 31t erteilen möglid) fein bürfte, aud) 3Banbei 
in biefer 33e$iel)ung fdjaffen. 

5ür bie Überroeifung i b i t i f d) e r Kinber in 3 b i t e n = 
an ft alten gelten bie $3eftimmungen ber SRooeEe 00m 11. 3uli 
1891. 2>te Überroeifung erfolgt auf ©runb eines ärgtlidjen 
Fragebogens, in roeldjem namentlid)! bie Anftaltsp f leg e = 
bebürftigfeit befonbers bemerft roerben muft, roeil fonft ber 
ßanbarmenoerbanb bie Aufnahme oerroeigert. 

Sßerfonalbogen. — 6d)on balb nad) 1 ber (frrünbung 
ber erften £ilfsfd)ulen fing man an, 'ißerfonalbogen, Sßerfonalrjefte, 
3nbiüibualitätenbilber, 6d)ülerd)araiterifti!en, anzulegen, in ber 
(Erkenntnis, baft eine gebeirjlidje Arbeit in ber £ilfsfd)ule nur auf 
Ghunb einer genauen Kenntnis jebes einzelnen 6d)ülers geleiftet 
roerben fann. ©leid) mit ben erften Auf§eid)nungen mad)te fid> 
aud) bas 23ebürfnis geltenb, fortlaufenbe ^ieberfdjriften über ben 
roeiteren (Entroidlungsgang ber §ilfsfd)üler oorpfeljen. 3)urd)! 
biefe Aufzeichnungen foliten aud)i bie in ber £ilfsfd)ule erhielten 
$ortfd)ritte nadjgetoiefen roerben. 93ei 2el)rerroed)fel boten fie ber 
neuen 2el)r!raft roertooHe Antjaltspunfte unb erfparten ijjr bie 
müljfame unb geitraubenbe Arbeit ber (Erforfdjung ber Kinbes= 
natur unb ber baraus für bie 6d>utarbeit gu befolgenden 9Jta{3= 
nahmen. 33ei Ausfünften jeber Art lieferten fie guoerläffiges 
SJlaterial, ansbefonbere für bie fpätere ^Beurteilung ber §ilfsfd)ul= 
§öglinge im beruflichen £eben, im £eeresbienft, in 9^ed)tsfällen 
ufro. 3)ie meiften £ilfsfd)ulen Ratten bie Anlage foldjer ßiften 
nad) gegebenen 23eifpielen oorgeferjen. Amtlid) geboten rourben 
fie erft burd) bie (E r l a f f e ber preufnfcfyen 3R i n i ft e r 
bes Unterrichts, bes Krieges unb bes 3nnem 
00m 3al)re 1906, nad) benen bie Jpüfsftfyulen attjärjrlicrji bie 3^ u 9f = 
niffe bgro. Sßerfonalnotigen über bie gur (Entlaffung fommenben 
Knaben ben S^iloorfitjenben ber Ausf)ebungsfommiffionen ein= 
reid)en foliten, bamit bei ber SJhtfterung für ben f>eeresbienft 
barauf &ü(ffid)t genommen roerben fonnte. (Ein (Erlag bes preu= 
gifdjen 3ufrigminifters 00m 11. 9coo. 1910 roeift bie ©erid)tsbe= 
fyörben an, in ^etilen ^ er 93 eur teilung ftrafbarer £anblungen oon 
£ilfsfd)ülern beren Sßerfonalaften §ur (Einfid)tnarjme oon ben 
§ilfsfd)ulen anpforbern. ©leidje Antoeifungen l)aben bie 9Jci= 
nifter anberer ^unbesfraaten erlaffen, fo baf$ bie Angelegenheit 
nunmehr für 3)eutfd)Ianb giemlid) e i n l) e i 1 1 i d) geregelt ift 3)a= 
burd) toirb bie ^cotroenbigfeit oon ^erfonalbogen, irjre Anlage 
unb Fügung nunmehr allenthalben anerfannt unb ausgefprodjen. 

2)ie ißerfonalbogen roaren l)infid)tlid) il)rer $ r m unb A n - 
r b n u n g , fotoie in bejug auf Ausfüt)rlid)feit bes iljnen gu= 
grunbe liegenden 6d)emas fefyr oerfd)iebcn geftaltet. 3)arum er-- 



— 40 — 

fyob ftd) mit ber 3^t ber SBunfd); nad) einem e i n f) e i 1 l i <fy an- 
gelegten ^erfonalbogen. 9luf bem VI. Verbanbstage gut (£l)ar= 
lottenburg 1907 tarn biefe 5 ra 9 e 8 ur 93el)anblung, unb man 
einigte ftd) gut ^innafyme eines 6d)emas nad) bem (Entwürfe bes 
Jpaupttefyrers iporrtj, ©üffelborf. 5)iefer Sßerfonalbogen, burd) 
ben Vorftanb bes ipilfsfdjulüerbanbes erljeblid) umgestaltet, ift 
nun mit einigen unroef entließen Veränberungen laut einer preu= 
frifdyen ^Rinifterialöerfügung t»om 4. 1. 13 — U. III. A. 1880, 
U. III. B. 1 — ben preußifdjen £ilfsfd)ulen pr (Einführung emp= 
fohlen morben, fo baß für Sßreußen alle anberen 93ogen beifeite 
gefteHt ftnb. 3)urd) Vereinbarung mit ben anberen 33unbesftaaten 
Surfte ber preußifdje Sßerfonalbogen aud)i in ben augerpreuftifdjen 
£ilfsfd)iulen pr (Einfüljrung gelangt fein. 3d) laffe nun bas 
SRufter bes preujHfdjen ^erfonalbogens (empfohlen oom beutfdjen 
ipilfsfdplnerbanbe) nebft ber bap gehörigen Anleitung von 
!>orri£, ©üffelborf, Dr. ßüderatt), 33onn, unb Sßrofeffor 



Dr. Sdjmibt, 93onn, folgen, ©er SBogen roei 
: ormat auf unb umfaßt 8 Seiten, ber ßefer muß 
ür bie (Eintragungen fyinpbenfen. 



t (5an§bogen= 
td) ben 9iaum 



©er amtliche ^krjonalbogen. 

[Seite 1.] SRebft Anleitung. 

9>r. bes £auptbud)es ..... 

£ilfsfd)ule in 

mit .... auffteigenben klaffen. 

^ßetfottaibogett« 

b . . . £üfsfd)üler 

geboren am ....... in . , .... ^onfeffion, 

Sohn 
Softer b , Stanb , . . . . ßonfeffion, 

aufgenommen in bie £>üfsfd)ule am 19 . . 

I. Stor ber &üfsfdjuIäeU, 

(Unter 9JUttr»irRung bes Sd)ular3tes aufäuftellen.) 

a) £äuslid)e unb roirtfdjaftlidje 93erl)ältniffe ber ©Item: Sßoljnung, 

Familienleben, Orbnung unb l)äuslid)e 3ud)t, (Einkommen unb 
Sorge bes 93aters für bie gamilie, I)ausf)äiterifdi)er Sinn ber 
üftutter unb ä^nlidjes. 

b) (Erblidje SSelaftung burd) ©eiftesftörung, 9teroenhranRl)eit, Sgpljilis, 

Xuberhulofe, irunhfudjt, 95erbrea>n ber (Eltern (Voreltern), 23Iuts= 
oerroanbtfcfyaft ber eitern, unetjelidje ober ooreljelidje ©eburt. 

c) 3 Ö ^I unb TOer ber ©efdnoifter, ifjre körperlichen unb geiftigen 

SRegelroibrigReiten. 

d) Verlauf ber ©eburt; (Ernährung unb Pflege in ben erften Cebensjaljren. 

[Seite 2.) 

e) 93eginn unb ©erlauf 

bes 3<umens. 
bes ©etjenlernens. 
ber SpracfyenttoicRlung. 



— 41 — 

f) (Eigentümlichkeiten bei ber SBefriebigung ber leiblichen 93ebürfniffe, 

beim Spiel ober im 93erket>r mit anbeten Kinbern. 

g) Krankheiten unb ©ebredjen. 
h) Unfälle. 

i) SBefudjte Schulen, Sd)uljaf)re mit genauer 3eitangabe. 

k) ©utac^ten bes bisherigen Stfjularstes unb bes früheren Sehers, b3to. 

£>imr>eis auf ©efunbljeits* unb Slufnafymebogen. 
1) Kriminalität, gericl)tiicl)e 93eftrafungen. 

[Seite 3.] II. SSäljrenb ber §UfsSdjttIaett, 

1. Unterfud)ung unb Prüfung bei ber 2lufnaf)me am ... . 

unb im 1. Vierteljahr nacfytjer. 

A. Unterfudjung burd) ben £>ilfsfd)ular3t. 

a) allgemeine Körperbefdjaffenljeit unb äufeere (Erfdjetnung; Sprache. 

b) Scpbelmajj unb Kopfbilbung. 

c) Sinnesroerk3euge. 

Stuge. 

Of)r. 

9^unbf)öl)le unb 3äl)ne. 

Ulafe unb Staaten. 

ttufeere £>aut. 

d) entartungsseidjen unb Entnricklungsabroeicfjungen, JRefte früherer 

Krankheiten. 

e) ©eiftige unb körperliche Krankfyeitserfdjeinungen. 

B. Prüfung burcf) ben £>ilfsfd)ullel)rer. 

a) Slufmerkfamkeit unb 3"tereffe. 

b) 2lnfa)auungs= unb 93orfteilungsoermögen. 

c) ©ebädjtnis, Urteilsoermögen. 

[Seite 4.] 

d) Sprache. 

e) Scljulkenntniffe unb Wertigkeiten: 

Steinen. 

ßefen. 

Schreiben. 

C. ©efül)ls= unb SBillenstätigkeit. 

(3unäd)ft oom £ilfsfd)ullel)rer aus3ufüllen.) 

D. Äußerung bes £>ilfsfa)ular3tes 3U B unb C. 

2. (Entroicklung in ber £>ilfsfcl)ule. 
A. gortlaufenbe ^Beobachtungen; angeroanbte Mittel unb iljr Erfolg. 



Saturn 



ftorberlidüe unk i eiftige Gnttoitnung, GrafeJmng unb SiusbUbmtg 



1. £>ilfsfd)uljaf)r Klaffe, .... Abteilung. 

Der £>ilfsfd)ular3t 2) . £>ilfsfd)ullet)rer . . . 

[Seite 5] 



Saturn ftorDerlidjje unt> geiftige Gnttaidfhmg, Grjicfjimg unt) WusbüDung 

2. £>ilfsfd)uljat)r Klaffe, .... Abteilung. 

Der £>ilfsfd)ular3t . D . £>ilfsfd)ullef)rer . . . 



3. £>ilfsfd)uljaf)r Klaffe, .... Abteilung. 

Der $ilfsfd)ular3t D . £ilfsfd)ullef)rer . . . 



-- 42 



Datum 



ffor*>erlfdje im* geiftige ©ntiöirflung, erjtefjung und 9lu«bilbuug 



4. $tlfsfd)ulial)r klaffe, .... Abteilung. 

$er $»ilf6fd)ular3t D , £Ufsfdju Hehrer . . . 

[Seite 6.] 



Datum 



ÄörDerltdje unb geiftige Gnttoirfhmg, fcraie&uug unö Wusbilöung 



5. £Ufsfd)uIjaf)r klaffe, .... Abteilung. 

2)er £>Ufsftf)uIar3t 2) . £ilfsfd)ullef)rer . . . 



6. £>ilfsftf)uljaf)r klaffe, .... Abteilung. 

2)er £>Ufsftf)ular3t 3) . £ilfsfd)ullef)ret . . . 



7.u.8.£ilfsfd)uljaf)r klaffe, . . . .Abteilung. 

2)er £>tlfsfdf)utar3t ...... 2) . tfnlfsfdjullefyrer . . . . 



[Seite 7.] 

B. Söfyreeaeugniffe. 


töüt i 


5ie Spulen, bie S^ugniffe führen 


.) 




Sdjuljafyr . . . 


19 / 


19 / 


19 / 


19 / 


19 / 


19 / 


19 / 


19 / 


Sdjufoer* 1 entf^ulb. 
fäumniffe J unentf#. 


































^Betragen 


















Slufmerfcfamheit 




















SIeife 


















JReligiort .... 




















Slnfdjautmg . . 




















Sprache .... 


















Sefen 




















JRed)tfd)reiben 


















Scfyönfcfjreiben 


















Sluffafe . . . 


















SRedjnert .... 




















Crbhurtbe . . . 




















©efd)id)te . . 


















9?aturhunbe 


















3eid)nen .... 


















ipanbfertigheit 




















öanbarbett . . 


















©efcmg . . . 


















Humen . . . 
























===== 















— 43 — 

3. Gntlaffung aus ber £ilfsfd)ule. 

a) infolge Überroeifung nad) .... am . 19 . 2e£te SBotjnung . . . 

b) infolge beenbigter Sd)ulpflid)t am ... 19 . Setzte Söobnung . . . 

c) (Entlaffungs3eugnis nebft ben Angaben für bie ^ilitärberjörbe : 

1. Körpers unb ©eiftesguftanb (burd) ben £ilfsfd)ular3t feftauftetlen). 

2. Urteil über ©ebäd)tnis, Sfterhfärjigheit, Gelbftänbigheit im Denken 

unb £>anbeln, (Brab ber (Erroerbsfät)igheit, Orientterungs« 
fätjigheit in ber Umroelt. 

[Seite 8.] 

3. fieiftungen in ber Schule: 

^Religion. 

JRedjnen. 

fiefen. 

2RünbIid)er unb fdjriftlidjer (Bebanhenausbrucn. 

Charakter. 

III. $la% bet £UfsfdjuIaeit. 

a) ß-ortbilbungefdjule. 

b) fiebensberuf. 

c) Sittliches Verhalten. 

d) 2RiIitärpfItct)t. 

Slnmernung: Der Sßerfonalbogen barf niemals bem ilinbe ober 
einem feiner 2Jnget)örigen in bie £>anb gegeben roerben. Von 
feinem ^nljalt barf nur ftreng amtüd) (Bebraucl) gemacht roerben. 

(Srläitterimgen sum ^erfonalfcogett füt $Uf$fdjuletu 

I. «Bor ber §ilfsfdjuläeit- 

a) £ ä u s U d) e unb roirtfojaftlidje V e r l) ä 1 1 n i f f e ber 
eitern: 2B o I) n u n g , Familienleben, Orbnung unb 
f)äuslid)e Qutyt, (Einkommen, ©orge bes Katers für 
bie Familie, Ij aus I) öl t er if d) er (Sinn ber SJlutter 

unbäljntidjes. 

Da bie f)äuslid)en unb roirtfd)aftlid)en 35crr)ältniffc ber (Eltern auf 
bie förperlidje unb geiftige Veranlagung einen großen (Einfluß ausüben unb 
otelfad) an einer fd)led)ten geiftigen (Entroidlung mit fctjulb fein fönnen, 
fo foll ber §ilfsfdmllel)rer burd) perfönlidje 33efud)e ober juoerläffige 2lus= 
fünfte mit Saft unb 3artgefül)l §u erfahren fud)en, roie bie 2BoI)nung bes 
£inbes befdjaffen ift, oor allem, roie oiele Sftäume bie ^amilie berooljnt, 
roie oiele Veroofjner barin leben, roie groft bie einzelnen 3^^ e ^ f" 10 / t°ie 
es um £uft unb £td)t, fotoie um bas 6d)laflager ber einzelnen 5 am ^i en= 
glieber beftellt ift. 3n ber Söofjnung fpielt fid) bas tägliche £eben ber 
§amiüe ab. 2öo ein georbnetes Familienleben unb bamit eine ernfte I)äus= 
lidje 3 u cf)t t)errfd)t, ba ift ber 6d)luJ3 gerechtfertigt, bafc bie (Eltern fid) bis 
jet^t mit ber (Erjie^ung bes S^inbes redete 9ftüf)e gegeben f)aben unb ebenfo 
für bie ^olgegeit ber 5°r 0mm 9 ifyres £tinbes burd) bie ipilfsfd)ulc bas 
nötige 3ntereffe entgegenbringen roerben. £eiber fiet)t es aber in oielen 
Familien anbers aus. £äufig finb bie (Enoerbsoert)ältniffe ber (Eltern 
unferer £üfsfd)ülcr redjt traurig. Sas (Einfommen ift gering; es reid)t 
faum für bie Vefriebigung ber allernotroenbigften £ebensbebürfniffe aus. 
(Eine anbauernbe ftranffyeit ober ber Sob bes Vaters jiuingt manchmal 
bie 9)hittet ^u Ijarter Arbeit aufterljalb bes Kaufes, fo bafc bie ^inber fiel) 
felbft überlaffcn bleiben. Oft genug gebraucht aber and) ber 9)tann einen 
großen Seil bes oerbienten (Selbes für fid) 31t Zabat unb 5ll?ol)ol unb 
läfjt bie ^yamiltc barben, ober aber bie ftrau W(t [^ p^ m jt 5 cm oon ifjrcni 
Spanne oerbienten £of)ne nid)t etn^urid)ten unb oerftejjt überhaupt nid)t 311 



— 44 — 

tDirtfdjaftcn. 3n beiben fällen leibet bie gefunbljeitsmä&tge (Erjtefyimg 
bes Kinbes; es tritt Unterernährung ein mit all il)ren folgen, f bafc bas 
arme $inb an Körper unb ©eift oertummert. $)a%u gefelTen fid) bann oft 
nod) (E>leitf)gültigteit unb 3ntereffelofiglett, Sftangel an 6d)am unb (£f)r* 
gefüfyl, Unorbnung unb Unreinlid)teit. 3)as Kinb mäd)ft in 6taub unb 
6d)mu& auf, feine Körperpflege unb Reibung mxrb oernad)läffigt, allerlei 
Ijäfclidje ipauttrantf)eiten treten auf, ja oft genug toirb es obenbrein rof) 
beljanbelt. Alles bas übt eine fd)äblid)e äBirftmg auf feine gange (Entmid= 
Iung aus, (örunb genug, bafür ju forgen, ba$ ber Sßerfonalbogen eine ein» 
getjenbe, lebenbtge 6a)ilberung bes „9fliiieu", in bem bas Kinb aufgemaajfen 
ift, enthält 

b) (Erblidje Belüftung bura) ©eiftesftörung, 

9ier&enfranEl)eit, Sues, Suberfuiofe, Srunffuajt, 

SBerbreajen ber (Eltern (Voreltern). 

6oHen J)ier mirtlid) brauchbare Anhaltspunkte gewonnen merben, fo 
mu§ ber gragefteller, fei es nun ber £ilfsfd)ularät, ober fei es ber £tlfsfd)ul= 
leerer, neben bem redeten Satte auä) bie $äf)igfeit befi&en, ftdj ber Aus= 
bruds= unb ©entmeife ber Seute, r»on benen er Ausfunft wünfajt, an§u= 
paffen. Sie Art, mie biefe Austaft erteilt u)irb, gibt oft gute Anwalts» 
punfte jur ^Beurteilung bes äßefens unb ber (El)arattereigenfd)aften ber 
(Eltern unb geftattet 9tüdfd)lüffe auf bie (Erstehung bes Kinbes. 3ebenfaHs 
foEte ein Urteil über ben allgemeinen (Einbruch, melden nad) biefer 9füd)tung 
\)in ber Stater unb bie äftutter — benn möglid)ft finb beibe auszufragen 
— machen, mit aufge§eid)net werben. Sie grageftellung foH ermitteln, ob 
in ber $amilie bes Katers ober ber ättutter befonbere Krankheiten oor= 
gekommen finb. Snsbefonbere frage man nad) 6d)minbfud)t, fernerer ipaut= 
trant^eit (2ues), Sfternenleiben, oomefjmlid) (EpUepfie, eigentümlichen (Elja-- 
rafteren (fog. Originalen), ob jemanb aus ber Familie in eine 3rrenanftali 
mufjte ober burd) ©elbftmorb enbete, ob ber eine ober anbere ftärfer 
truntfüd)tig fei ufto. Srunffud)t unb befonbers gerid)tlid)e 35eftrafung, fo» 
wie beren (örünbe — Eigentums», 9*ot)eits=, 6ittlid)feitsoergef)en — ber 
(Eltern unb Voreltern werben pufig r>erfd)wiegen. 3)a toirb es notwenbig, 
an anderer 6teße (Erftmbigungen einzugießen, fo g. 93. beim Armenpfleger, 
bei ber "ißottget, beim ©eiftlidjen u. a. 9lid)t gu oerfäumen ift bie $eft= 
fteHung, ob etwa 93lutst>erwanbtfd)aft gwifdjen ben (Eltern befielt ober Sor» 
eitern beftanb. Vluä) ben ©rab ber ©dplbilbung unb bes ©dmlerfolges 
bei ben (Eltern fud)e man, foweit bies möglich ift, gu ermitteln. 

c) 3 <* l) l öer © e f d) w i ft e r , 
i J) r e Jörperlidjen unb geiftigen Abnormitäten. 

Sie mistige $rage bebarf feiner befonberen (Erläuterung; nur möge 
hierbei nid)t uergeffen werben, grofje Altersunterfdjiebe gwifdjen ©efd)wi= 
ftern aufgugeidmen. 

d) Verlauf ber ©eburt; 
(Ernährung unb Pflege in ben erften Sebensjaljren. 

Sie STCutter foH l)ier Aus!unft geben über i^ren 3 u f* a nb wäljrenb 
ber Sd)wangerfd)aft, ob befonbere feelifdje ober törperlia^e (Sinflüffe in biefer 
3eit auf fie eingemir!t Ijaben, ob bie ©eburt natürlio) oerlief, ob fie lange 
bauette, ob fie tunftlid)e |>ilfe, %. 33. bas Anlegen ber 3 a ^9 ß / erforberte, 
ob bas Kinb oolle neun Monate ausgetragen mar ober oerfrü^t jur 9Belt 
lam, ob etvoa auä) bei ber ©eburt ber ©efdjtoifter fia) fa;merere ßufälle 
ereigneten, unb ob einmal ober toieberfjolt ftefylQebuxten ror!amen. ©i^ttg 
ift ferner bie geftftellung, ob bas Kinb an ber ^Bruft ober fünftlid) ernährt 
mürbe, ob il)m fdjon in ben erften £ebensjal)ren Alfofjol ober anbere Mittel 
gum 6d)lafen gegeben mürben, ob bie gange (Ernährung unb Pflege gu 
münfdjen übrig lie§. 



— 45 — 

e) beginn unb Verlauf bes 3 a ^ncns, bes ©eljenlernens, 

ber Spracfyentmidlung, 

Sie genaue 93eantmortung biefer grage burd) bie äftutter ift gur 
^Beurteilung etmaiger (Sntmidlungsfjemmungen beim Hinber oon grunb* 
legenber ^Bebeutung. (sin meiteres (Eingeben hierauf erübrigt fid). 

f) (Eigentümlidjfett bei ber 33efriebigung ber leiblichen 
9ßebürfniffe, beim Spiel unb 93 e r £ e l) r mit anbcren 

H i n b e r n. 

£ier fud)e man gu ermitteln, in meinem Filter bas SUnb lernte, feine 
iBebürfniffe felbft gu befriebigen, ober ob in fpäterem Filter bie 9ieinlid)feit 
gu münfdjen übrig lieg, fo bog SBettnäffen mäfyrenb bes Sdjlafes ober gar 
unmillturlidjes Urinieren aud\ tagsüber nod) längere 3eit beftanb, (Ebenfo 
ift es midjtig gu toiffen, tote ftarE bas (Defüfjl für Steinigung bes Körpers 
entmidelt mar, mann bas Hinb oon felbft unb ausreidjenb fid) frül) morgens 
gemafdjen l)at, ober ob es bagu immer mieber ermahnt unb getrieben merben 
nutzte. 2)abei ift aHerbings in 33etrad)t gu gießen, üuoiemeit bie Butter 
felbft if)rem Hinbe ein fd)led)tes 93eifpiel oon UnretnlicPeit unb 33ermal)r= 
lofung bietet, finmx ift gu erfragen, mann unb mie bas Hinb fid) felbft 
fyat angießen gelernt, ob es beim (Bffen unb SrinEen manierlid) ober bei all 
biefen iBemegungen unbeholfen mar, 

2>ie geiftige unb fittlia)e 93efäl)igung offenbart fid) fdjon redjt frül) 
im tHnblid)en Spiele, für ficg allein, mit Spielfad)en ober gemeinfam mit 
anoeren Hinbern, 5)as geiftig gefunbe Htnb oerfügt fctpn im erften 2ebens= 
jal)re über bie Hoorbination bes ^afferts unb ©reifens, ferner fdjon im 
oorfa)ulpflid)tigen Filter über bie ^cujigfeiten, fid) beim Spiel auszubeuten 
unb im Spiele bie SHufion gu Ijaben, als menn es bie 2Birllid§!eit märe, 
Sas fdpad)geiftige Hinb erlangt biefe ftäfjigfeiten entmeber gar nid)t ober 
oiel fpäter unb bann aua) nur mangelhaft, (Es Ijat oft nidjt einmal ben 
Srieb, nad)guat)men, mas if)tn im 6piel gegeigt mirb; fein Spiel ift nidjis- 
fagenb, unbeholfen, regellos, gerftörenb, es erftredt fidj gubem meift nur 
auf eine unb biefelbe med)anifd)e Sätig!eit, meil ii)m eben bie Hombina= 
tionsgabe fel)lt, 2)af)er ift oon ^Belang, gu miffen, ob bas Slinb beim Spiele 
unb überhaupt im 2kr!el)r mit ben ^lltersgenoffen I)eroorfted)enbe (Eigen* 
tümlid)feiten geigte, ob es gänfifd), unoerträglid), jäfygornig, gemalttätig unb 
graufam ober umgefel)rt fdjeu, ftumpf, auffällig linüfd) unb plump mar, 
ob fein 2Befen im allgemeinen Spiel gleichgültig unb l)inbämmernb ober 
aufgeregt, unnatürlich ausgelaffen, unüberlegt l)anbelnb mar, ob es über= 
Ijaupt mit anberen Hinbern gu fpielen oerftanb unb auf ©runb ber bemug= 
ten Selbfttäufdmng 5lusbauer im gemeinfamen Spiel befafj ober ftets etmas 
Sfteues fpielen mollte, ob es gefd)led)tlidje Regungen beim Spiel geigte, unb 
ob es burd) fein eigentümliches 93enef)men ben Spielgenoffen ^nlafj gu 
allerljanb Redereien bot, 

g) Hran£I)eiten unb ©ebredjen, h) Unfälle, 

5)ie eingaben über frühere (Erkrankungen ober erlittene Unfälle bes 
Hinbes fud)e man möglid)ft genau nad) 3^it, mie nad) Umfang unb ^Irt ber 
(Er!ranfung ober bes UnfaUs gu ermitteln, ba nid)t feiten gerabe fjter ber 
Urfprung ber geiftigen SOiinbermertigfeit gu fud)en ift. 93on Hran!^eiten 
fommen insbefonbere in 93etrad)t: Krämpfe, £ät)tnungen, 9iad)itis, $eüs= 
tang, 93lafenfd)mäd)e, ferner 'Slugentran^eiten, Of)renflu§, 9Jcittelo^rcnt= 
günöung unb (Brfdjeinungen oon $irnerEran!ungen nad) fernerem Sd)arlnri) 
unb anberen 3nfeEtionstranfl)eiten, abenoibe 2Bud)erungen im 9?afcnrac§en- 
raum unb anbere. 93on Unfällen finb oor allem foldje mistig, toeldje ge- 
eignet maren, eine (Erfdjütterung bes (Se^irns ^eroorgurufen ober fonfttoic 
bas Sieroenfnftem in SJcitleibenfd^aft gu gießen, mie Hopfocrle^ungen (Stein- 
murf, Sturg), befonbers menn fie 53emugtlofig!eit im ©efolge Ijattcn. 



— 46 — 

i) 33 e f u d£) t e S d) u l e n , 
S d) u l j a l) r e mit genauer SeitaxiQabt. 

9JUt 5er Aufnahme bes SUnbes in Me öffentliche BolEsfdmle beginnt 
für feine Beurteilung ein neuer Abfdjnitt. Aus ber Sauer feines Aufenthalts 
in einzelnen klaffen ber Schule läßt fict) ein weiterer unb fixerer Sd)luf$ 
auf ben (örab unb bie Art feiner geiftigen äftinbermertigteit gießen» Sarum 
ift es nötig, ba$ l)ier bas ©atum oerbud)t mirb, an meinem bas Slinb in 
bie Bolfefclntle aufgenommen mürbe, ob es ein ober mehrere äftale megen 
torperlidjer Sdjmädje gurüdgeftellt morben ift, mieoiel Sdmliafyre es jurüd= 
gelegt unb mie lange es gebraust f)at, um bas $ul bes erften Sdjuljaljres, 
bas bes gmetten ufm. ju erreichen, ober mie lange es in ber erften, gmeiten 
ufm. Abteilung gugebradjt I)at, ot)ne bas Qxtl gu erreichen, 28o anftatt ber 
Sdmljatjre bie klaffen unb Abteilungen angegeben merben, muß aus ben 
Aufzeichnungen erfid)tlid) fein, mie Diele auffteigenbe klaffen bie bc\ud)te 
Sdmle t)atte. 

k) ©utaajten bes bisherigen Sdjulargtes unb 
früheren £ e l) r e r s bzw. £ i n m e i s auf bie ©efunbfjeits-- 

unb Aufnaljmebogen. 
SBenn in ber Boltsfdmle ein ©efunbljeitsbogen für jeben Schüler 
angelegt unb fortlaufenb geführt mirb, fo lege man biefen Bogen etnfad) 
in ben Sßerfonalbogen unb oermeife unter k barauf, ebenfo ben Bogen, ber 
bie Angaben bes früheren Se^rers für bie Aufnahme in bie £ilfsfd)ule ent= 
ijält (itbermeifungsbogen). Sinb aber biefe Formulare nid)t oorljanben, fo 
ift fomot)l bas ©utadjten bes bisherigen Sdmlargtes, als aud) bas bes 
früheren ßeljrers über bas $inb unter biefer Ableitung einzutragen. 

II. SöeUjreirt ber ^ilfsf^ulseit. 

Unter fudjung unb Prüfung bei ber Aufnahme am ... 

unb im erften Vierteljahr nad)t)er. 

Bei bem (Eintritt bes 5linbes in bie £ilfsfcl)ule follen ipilfsfdjularäi 
unb §ilfsfd)uEe^rer fid) ein möglid)ft genaues Biib oon feinem torperlidjen 
unb geiftigen 3uftanbe §u oerfdjaffen fuajen burd) eigene eingeljenbe Unter* 
fudjung unb Prüfung unter 3uf)ilfenal)me ber früheren Angaben. Bor 
allem foll an biefer Stelle bas abnorme, bie (Entmidlung bes Hinbes 
ipemmenbe unb Störenbe in Körper unb ©eift, Ijeroorgeljoben merben. 2)a 
bies nid)t alles am Sage ber Aufnahme unb aud) nod) nid)t in ben erften 
Sagen nadjljer erforfd)t merben !ann, fo !ann bas erfte Biertelja^r ba%u 
nermenbet merben, naa) bm unten angebeuteten fünften in freier ®ar= 
ftellung eine flare ©iagnofe bes förperlidjen Unb geiftigen Stanbpunftes 
niebergulegen, bamit auf ©runb biefer Aufzeichnungen nunmehr bie anor= 
male 3nbioibualität bes £ilfsfd)üters in Erziehung unb Unterricht burdj 
geeignete SJtaftnafymen beljanbelt merbe. ©ie (Erläuterungen für bie fünfte 
II A, B unb C finb besfjalb fo ausführlich geftaltet morben, meil fie audj 
bie 9ftct)tungslinien angeben follen für bie fpätere Beurteilung bes £ilfs= 
fdjülers mäfjrenb feines Aufenthaltes in ber ipttfsfdmle. 

A. ^örperjuftanb. (Born ipilfsfctjutargte auszufüllen.) 

Sie körperliche Unterfudmng eines £ilfsfd)ülers ift in mancher Be= 
Ziehung anbers z u geftalten als bie eines Bolfsfdjülers. Sie ift aud) 
mefentlidj fcfymieriger — bas gilt namentlich für bie Unterfudmng ber 
Sinnesorgane — überall ba, mo eigene Angaben bes §u Unterfudjenben 
erforberlid) merben. ftofylxexty £ilfsfd)üler antmorten bei ber erften Hn= 
terfud)ung auf bie an fie gerichteten fragen überhaupt mcr)t ober bie Ant= 
morten geugen oon einem fo geringen Berftänbnis, ba% feine Sdjlüffe baraus 
gebogen merben tonnen, ipier mirb es erft burdj eine längere Stauer ber 
|)ilfsfd)ulgeit unb £ilfsfdmlerzief)ung möglich, junerläffigere Angaben z u 
erhalten. 



_ 47 — 

a) allgemeine Slörperbefd)affenl)eit unb 
äußere (Brfd)einung. 

©iefer ^untt bebarf Jetner (Erläuterung; bie obengenannten Sd)toie= 
rtgletten fpielen bei ber ^Beurteilung ber ollgemeinen Körperbefdjaffenfjeit 
unb äußeren (Erfdjeinung leine Stolle, 

b) Sd) ä b e l m a § e unb Slopfbilbung. 

95on ben Sdjäbelma&en l)at im roefentlid)en nur bie Jeftftellung bes 
größten Sdjäbelumfanges — tjortgontal um Stirn unb toeitefte Ausbua)* 
tung bes £interl)auptes nad) hinten gemeffen — einen 2Bert für bie 9Se= 
urteilung bes Sduoadjfimts. ^Beträgt ber Sd)äbelumfang 48 cm ober 
roentger, fo ift $ftitrocepl)alte oorf)anben unb bie 93ilbungsfcu)igfett ftets 
ftorl befdjränft. 

©ie anberen Sdjäbelmape — größte ßänge unb breite unb bereu 
93erl)ältnis gueinanber, ber Kinn= unb ipinterljauptburdmteffer u. a, l)aben 
nur antt)ropologtfa)es 3utereffe unb finb für bie ^Beurteilung bes |>iifs= 
fd)ülers oljne irgenbroeldjen Gelang* 

Zubers ift es mit ber 93efd)retbung ber Slopf= unb Sd)äbelform. ipier 
gibt es gaf)Ireid)e $lbtoeid)ungen oon ber Spornt unb befonbere (Eigentum* 
lid)!eiten — abnorm niebrige unb flie^enbe 6tirn, ftarfe ^Ifummetrien im 
93au bes Sd)äbels, foroie insbefonbere bie mannigfadjen ftotmvzxänbtxunQm 
infolge oon 9tod)itis unb geitmeilig in früher Sugenb beftanbenem §t)bro= 
cepfjalus — meldte bie ooHe $tufmedfamieit bes unterfud)enben $lrgtes 
erforbern unb bafjer aud) im Sßerfonalbogen befonbers auf§u§eid)nen finb. 
5)as ^eft^alten bemerlensmerter Q^woercinberungen bes Kopfes unb bes 
Sd)äbels burd) bie Sßl)otograpI)ie, meldte bauernb bem ^erfonalbogen bei= 
guiegen ift, itonn nur empfohlen roerben. 

c) Sinnesorgane. 

$lm meiften mad)t fid) ber Mangel an 3nteUigeng fühlbar bei ber 
Hnterfudmng ber Sinnesorgane. SJtan roirb fid) l)ter l)äufig bamit be= 
gnügen muffen, oerminberte 2eiftungsfcü)igEeit nad) biefer ober jener 9fta> 
tung feftguftellen, ol)ne ben ©rab ber gamftionsftörung genau beftimmen 
gu tonnen. 

1. 5luge. 

So ift bie Prüfung bes (öefidjtsfinnes aufcerorbentlid) erfahrner:, 
toenigftens bei ben neuaufgenommenen ipilfsfdjülern unb aud) nod) in ben 
erften £ilfsfdmlial)ren, burd) ben Mangel bes fixeren 33Bieberer!ennens 
oon 93ud)ftaben unb 3iff e ^ n » ^ u $ bei ben für Analphabeten Ijergeftellten 
Sel)tafeln, roo anzugeben ober mit Saunten unb Setgefinger §u jeigen ift, 
ob fid) ein 3Bin£el nad) oben ober unten, nad) red)ts ober linfs öffnet, ober 
roie bie ßin^en eines E=förmigen Qe\ü)m5 ftefjen, fd)eitert bie genauere 
Prüfung an ber ^BerftänbnislofigEeit ber Kinber. Am eljeften laffen ftd) 
nod) roenigftens oberfläd)lia)e (Brgebniffe baburd) erzielen, ba$ man an bie 
Safel Heine Sßunfte (3 bis 4), an einer anberen Stelle eine (öruppe oon 
tletnen Kreuzen, Greifen, Sternen u. bergl. anmalt unb bei 9tormaIfta> 
ttgen bie ©renken feftftellt, roo biefe 3eid)en nod) gut erkennbar fein mußten. 
So gelingt es junädjft roenigftens ftärlere ©rabe oon Sd)toad)ftd)tigtett 
ober oon Kurgftd)tigleit feftjuftellen, fo ba$ im Unterridjt barauf ent-- 
fprcdjcnbe 9\üo!fid)t — S|3la^ oorne, nalje ber Sdmltafel ufro. — genommen 
roerben tann. (Genauere Seljprüfungen laffen ftd) bann auf ein fpäteres 
Sd)uljal)r berfdneben. 

2Bid)ttg ift bei ipilfsfdjülern bie Prüfung bes ^arbenfinncs, 
nid)t als ob ipilfsf<f)üler in größerer SSerbältmsgal)! farbenblinb feien als 
oollfinnige SBoltsfdjüler. 3m (Gegenteil roirb man bei ber 93ornal)mc oon 
groben mit 2ßoÜfäben ober ^apterftreifen in ben oerfdjiebencn Abfd)at= 
tterungen, 51t benen bas paffenbe (öegenftüd gu fudjen ift, bas 5 ac bcmtntcr-- 



— 48 — 

fdjeibungsoermögen meift giemlid) gut entmidelt finben, bagegen fehlen 
ben £üfsfdmlünbern oft für bie einfad)ften ^arbentöne, für blau, grün 
unb gelb bie unterfajeibenben 5 a rf> e nbeäeid)nungen. Sftur ein 93rud)teil ber 
neuaufgenommenen £ilfsfd)üler fennt bie Segeidmung „braun" ober „grau"; 
ba$ einer oon ifynen „rofa" ober „lila" lennt, ift eine gang feltene $Ius= 
natjme* ipat alfo bie Prüfung bes garbenfinnes u)enig 28ert §ur (Ermittlung 
oon $arbenblinbf)eit, toeil fold)e bei £tlfsfd)ülem niajt häufiger oorgurom= 
meri fdjeint als aud) bei SBotfsfdjülern, fo ift bie (Ermittlung bes 93efi|es an 
garbenbegeidmungen um fo mej)r eine mistige 9lrt ber Snteltigenj* 
Prüfung unb als foldje l)od)bebeutfam. Sei biefen Prüfungen toirb man 
bie äußeren (ErlranEungen bes kluges ernennen unb betoerten. 

2. OI)r, 

Sie geftftellung ettoaiger Sdperr)örigfeit ift für bie ^Beurteilung 
eines £ilfsfd)ülers oon außerorbentlidjer 2Bid)tigfeit Wuti) t)ier toirb man 
fid) gunäd)ft mit ber einfad)ften $lrt ber Sßrüfung begnügen muffen, inbem 
man feftftellt, in melier (Entfernung — abtoedjfelnb auf htm red)ten ober 
lin!en £>l)r — fflüftcrftimmc oerftanben toirb* 90tan lä^t am beften bie 
5lmber einzelne 3iff e *K mit ^lüfterftimme, aus ber (Entfernung oon 6 m 
oorgefprod)en, nad)fpred)en, 2Birb bie gtüfterfttmme nid)t oerftanben, fo 
oerringere man bie (Entfernung. ®ie Ser^ältnisgaljl ber 6d)toerl;örigen ift 
bei £ilfsfd)ülern ftets toeit größer als bei oollfinnigen 6$ülem; insbefon» 
bere l)äufig ift oerminberte ^örfcüjigfeit bei ^inbern mit 6prad)fel)lem 
2>er Sftadnoeis oor^anbener (SdnoerfyörigJeit bebingt nid)t nur, bajj ber 
£ilfsfd)uilel)rer auf bas ©eljörletben Sftüdftdjt nimmt 0)3la& in einer ber 
oorberften 93än!e ufto.), fonbern forbert aua) bagu auf, ber Urfadje bes ©e= 
prleibens nad)§ugel)en unb bas Rxnb baraufljin genauer §u unterfud)en. 

3. 3ftunbl)öl)le unb S^ne. 
4. 9ftacl)en unb Sftafe. 
ipier ift für ^ilfsfdjulfinber gang befonbers im 9tuge gu behalten, 
intoiemeit (Erfranftmgen unb Anomalien ber 2ftunbl)öl)le mit ben 3°1) ncn / 
ber 9tad)en= unb 9flafenl)öl)te im 3 u f a mmen^ang fte|en mit ©praajfe^lern 
ober mit 6d)toerf)örigieit. £at man bod) abenoibe Wucherungen ber Sdjletm* 
fjaut ber 9lafenra$enl)öJ)le unb babuxä) oeranlafcte 6$toerl)örigl;eit in ur- 
fäd)lid)e 93egiel)ung gebraut §ur geiftigen Sftinbertoertig^eit. 

5. duftere $aut 

über bie fd)ulär§tlid)e Unterfudmng ber äußeren ipaut ift befonberes 
nidjt %u bemerken, nur fei barauf aufmer^fam gemadjt, ba$ nid|t feiten 
Überempfinblid)!eit ber 6innes= unb (öefidjtsneroen unb übermäßig ge= 
fteigertes 6d)merggefüf)l (iptjperäftljefie unb £t)peralgefie) feft§ufteüen fein 
toirb, 

d) Slran!l)eitserfd)einungen. 

9Son ben oielgeftaltigen 5lran!t)eitserfd)einungen feien für bm unter= 
fudjenben $lr$t megen i^res 3ufamment)anges mit ber geiftigen Sötinber* 
toertigMt befonbers Ijeroorgefyoben alle Anomalien auf bem ©ebiete bes 
9leroenft)ftems (SRcflege, ©enftbilität, Sftotilität), fotoie bie tfberrefte oon 
früherer 9tad)itis, $lud) letztere ift bei ben £ilfsfd)ülem pufiger als bei 
ben Sftormaloolfsfdjülerm Snfolgebeffen finbet man bei ipilfsfdjülem eine 
entfpredjenb größere 3 a ^I ü0 " ^inbern mit 6djmäd)e ber 5Rüdenmus!eln, 
3lf^mmetrie bes SftumpffEeletts, Serbiegung ber 9ßirbelfäule ufto. 3n 
managen Rollen btefer 5lrt ift zeitiges Singreifen nottoenbig, um 95er= 
!rüppelung ju oer^üten. 

t e) (Entartungs^ei^en unb (EnttoidElungsanomalten. 

©ie fogenannten (Entartungs§eid;en kommen häufig auaj bei normalen 
oollfinnigen ^inbern oor unb bürfen in i^rer Sebeutung nid)t überfa^ä^t 



— 49 — 

merben, es fei beim, ba§ fie gekauft bei bemfelben Kinbe oorljanben finö. 
3mmerf)in ift ifjre ^ufgeiajnung, befonbers bie ber (£ntartungsgeid)en an 
Sdjäbei unb ©e(id)t oon 3ntereffe. 

9Bid)tiger finb in il)rer Segiefyung gutn Sdnoadjfinn bie (Enttoidlungs= 
anomalien, namentlich bann, toenn es fid) um bie ©efamtentmid lung bes 
Körpers tjanbelt 3al)lreid)e (Erhebungen an oerfd)iebenen Orten unb in 
oerfd)iebenen ßönbern Ijaben uns gelehrt, bafj bie burd)fdmittlid)e (£nt= 
toidlung ber Kinber je nad) ben 93erfct)iebent)eiten ber ^Haffe, je nad)bem 
es fid) um eine (Srofjftabt ober eine äftittelftabt l)anbelt ufm., bei meitem 
nid)t überall bie gleiche ift 3n Stäbten mit geregeltem fd)ulärgtlid)en Sienft, 
mo aud) in allen Scimltlaffen regelmäßig unb ftets gu gleichem 3^itP un ^ 
2fteffungen unb Söägungen oller SdjulEinber ftattfinben, ift es oon großem 
2Bert, bie bura)fa)nittliü)e (Enttoidlung ber Knaben unb 2ftäbd)en im Sdml= 
alter oon 8 bis 14 Sauren giffernmaßty genau feftguftellen unb in einer 
Kuroe aufgugeidjnem Wlan fyat baburc§ ein fixeres 93ergleid)smtttel gur 
ipanb, um ben Umfang oon ^lbtoeid)ungen in ber (Enttoidlung richtig ein- 
gufcljägen. 

Hemmungen in ber körperlichen (Bnttoidlung, (o ba% ein Kinb in 
begug fotooljl auf bie Körperlänge, als aud) in begug auf bas Körpergemidjt 
ertjeblid) gurüdbleibt hinter ben entfprecfyenben äRaß- unb ©etöid)tsäiffern 
ber gleichaltrigen Kinber bes Ortes, finb bei £ilfsfd)ülern fefjr l)äufig. (Es 
beftetjt bann in gleicher 2Beife ein gurüdbleiben mie in ber förperlia^en, 
fo aua) in ber geiftigen (Entmtdlung, ein 93erf)arren gemiffermaßen auf 
einer früheren Kinbljeitsftufe. 

(Es barf aber nia)t überfein toerben, ba§ aud) bas (Segenteil oortommt, 
b. I). ein überftarfes £ängentoad)stum, mie aud) eine abnorme gunaljme bes 
Körpergetoidjts. Soldjes überftarfe (ober liefen-) 2Bad)stum, bas fotool)l 
bas Knoapengerüft, mie aua; bie äRusfulatur, gutoeilen nur le&tere betrifft, 
ift gmeifeüos eine franQafte ober bod) abnorme (Erfdjeinung, mas fid) aixd) 
barin tunbgtbt, bafj bei folgen übergroßen ober überfdjtoeren Kinbern 
nid)t feiten geiftige TOnbertoertig^eit beftejjt. 9lud) gur richtigen SBertung 
foldjer $älle ift bie Fertigung einer Kuroe ber normalen, b. f). burd)fd)nitt= 
liefen hängen- unb (Setoidjtsgunaljme, für ben betreffenben Ort nottoenbig. 

B. © e i ft e s i u ft a n b. (93om £ilfsf d)ußel)rer auszufüllen.) 
a) 5lufmer!fam!eit unb 3ntereffe. 

^ufmerffamEeit unb 3ntereffe finb bie ©runbbebingungen aller ©eiftes- 
bilbung; Hemmungen ber ^lufmerffamfeit, toie fie bei allen neu aufgc- 
nommenen £ilfsfd)ülem oorlommen, erfdnoeren fie. 2)al)er muffen biefe 
bei ber 3ntelligen§prüfung nad) ber 2lufnaf)me fo genau toie möglid) be= 
ftimmt toerben. (Es ift bemnad) feftguftellen, ob ber £ilfsfd)üler fülle fitzen 
unb fid) beljerrfdjen !ann, um aufmer!fam gu fein, ob er bie Organe ber 
f)öl)eren 6inne — 5luge unb Ol)r — auf ®inge unb 9ßerte gu richten oer^ 
mag, ob er leidjt, fdjmer ober gar nid)t gur 'SlufmertfamEeit gu bemegen 
ift; toie fein (5efid)tsausbrud babei ift, ob bie Sfteige ftar! ober fdjtoaa) fein 
muffen, ^b er längere 3ßit aufmerken !ann, ober ob er leid)t ermübet, db= 
fd)toeift, träumerifd), §erfal)ren, gerftreut ift, ob er immer gleichmäßig ober 
unbeftänbig aufmerlt ober ob irgenbein 3ntereffe feine Slufmcrffamfeit 
fördert, ob ein Unterridjtsfad) if)n mel)r intereffiert als anbere, toie er fid) 
beim Sarbieten oon neuen Stoffen oerf)ält, ob er im Spiele aufmerffam 
ift, ober ob er aud) fogar babei Unluft unb Unfähigkeit gum $lufmerfen geigt. 

Krantf)eiten ber Sinnesorgane, 9Jius!elunru^e unb anbere !örperlid)e 
©ebred)en aller 2lrt, 33emußtfeinsftörungen, felbft Heines Unbehagen, 2öit- 
terungseinflüffe, l)äuslid)e Sßerljältniffe u. a. Ijemmen oiclfad) bie 9lufmcr!-- 
fam!cit bes ^>ilfsfd)ülers, bes^alb muffen ettoa oorfjanbene jettioeilige fo- 
toie bauernbe, burd) Kranfl)eitscmpfinbungen u. bgl. l)eroorgerufenc Stö- 
rungen gleichfalls 5lufnal)me finben. 



— 50 — 

b) 2lnfd)auungs = unb SSorfteHungsoermögen. 

5)ie ^Prüfung bes 2lnfd)auungsoermögens erftrecft ficf) an erfter Stelle 
auf Me Seiftungen betreffs 5er $luffaffung 5er einzelnen 6inne, einzeln unb 
im 93ergleid) jueinanber burd) Unterfd)etben oon ©egenftänben in natura, 
forde auf bem (£ingel= unb ©ruppenbilbe, oon formen, färben (oergl. A c 1), 
Stoffen, Sönen, 3a^lengröfeen, t>on Tätigkeiten unb (£igenfd)aften burd) 
einen ober mehrere Sinne, befonbers aufy, roo es gef)t, burd) ben ©erud)s=, 
©efd)mads=, %aut= ober äftusfelfinn, $lud) fud)e man gu erfahren, toie ber 
£ilfsfd)üler fid) bei neu bargebotenen 2lnfd)auungen oerl)ält, ob er jte 
überhaupt nid)t ober nur unflar, unbeftimmt, lüdenfjaft ober gar faljci) 
auffaßt, burdt) meiere Sinne er gut ober fa^tea^t aufnimmt, nad) toeldjet 
6eite I)ht feine 2luffaffungsgabe minbertoertig ift 

93e§üglid) feines SBorftellungsoermögens folt ermittelt roerben, ob er 
SBorfteEungen oon feiner eigenen ^ßerfon, oon anberen Sßerfonen unb Singen 
feiner näheren unb roeiteren Umgebung befi^t, ob er Orts=, %laum= unb 3ett= 
oorfteEungen t)at, roie fein SBorfteEungsablauf oonftatten gel)t, auf toeld)e 
9Beife ftd) bei iljm bie SBorfteEungen am leid)teften toieber toeden laffen, 
ob fid) bie neu eintretenben SBorfteEungen gar nid)t, mit großer Söcül)e unb 
nur, toie es bei flehten ^inbern ber gaU ift, mit ben alten oerbinben, unb 
ob er an S^angsoorfteEungen leibet 

c) Urteilst) er mögen, ©ebädjtnis. 

©as logifdje ©enfen, bas ftd) im Silben oon ^Begriffen, Urteilen 
unb Sd)lüffen geigt, ftel)t bei bem aufgenommenen ipilfsfdjüler auf fe^r 
tiefer Stufe, toenn überhaupt bei iljm oon einem folgen bie Sftebe fein fann. 
Um feine Sd)toäd)en nad) biefer 9tidjtung l)ht einigermaßen genauer fennen 
gu lernen, ift feftjufteEen, ob bas 5linb nur SBortbegriffe befi&t ober ob es 
mit ber Sad)e bas richtige 2Bort unb mit bem 3Bort ben richtigen ^Begriff 
oerfnüpft, ob es 93efel)le mit leisten ^Begriffen ausführt, ob es fragen nad) 
(Gattung, ^rt unb Unterfd)tebe beanttoortet, ob es gleite, ä^nlidje, oer= 
fd)iebene 9Jcerfmale an gtoei ©egenftänben auf§ugäl)len oermag, ob es bie 
toefentlidjen ätöerfmale eines ©htges unb einen ©egenftanb nadj einer 93e= 
fd)reifrung ernennt, ob es leiste abftrafte ^Begriffe, toie ge^orfam, fleißig, 
mef)r, toeniger u. a. fennt 

93et ber Sßrüfung ber Urteilsfraft toirb man unterfudjen, ob ber £ilfs= 
fauler überhaupt feine 9lufmerffamfett auf feine inneren ©eiftesoorgehtge 
rieten unb überlegen fann, ob er felbftänbig gu arbeiten oermag, ob er -in 
feinem befürchteten SBorfteEungsfreife logifd) rid)tig urteilt ober ob er 
überhaupt eine fd)road)e Urteilskraft I)at, bie falfd), fd)ief, unfirfjer, oer= 
langfamt arbeitet, ober bei getoiffen falfdjen Urteilen franfljaft oerljarrt, 
ob er Urteile bloß nadjgeplappert unb gebädjtnismäßtg hergeleiert t)at, ober 
ob er aud) neue gu bilben oermag. 

©as Sdjlußoermögen mit feinen mawtigfadjen Sdjtoädjen offenbart 
fid), toenn ein fold)es oorfjanben ift, burdj fixaQtn nad) Objeftsbegieljungen, 
Urfad)e unb 3Birfung, Qvotd unb 2Bert ber Singe, ferner burd) bie 9lrt 
unb 3Beife, toie l leine, leid)te (Erklungen oerftanben unb bie ^Pointen 
fjerausgefunben, toie bie ipauptfad)en, bie 93etoeggrünbe ber ^anbelnben 
^erfonen, bie folgen i^rer |>anblungstoeife unb ber 3 u f°^^ c tt|ang einer 
bilblia)en ©arfteEung erfaßt unb babei bie gelernten ^Begriffe unb Urteile 
oermenbet roerben. ©ute ®ienfte bei biefer Prüfung ber $lffoäiationsfäf)ig= 
feit leiften aud^ ßegefpiele, ber ©emoorfa^e 93erfua^ ber optifdjen SJlusfel- 
täufc^ung, fotoie ^Iffogiationsoerfua^e mit leisten 9^eijtoörtern. 

®ie (Ermittelungen über bie ^Ijantafie, bie ^umetft ganj barnieber= 
liegtober franf^aft gefteigert ift, erftreefen fiel) auf i^re ©giftenj überhaupt, 
auf i^re (£igenfa)aften unb 2lusmüd)fe, befonbers auä) barauf, ob eine 
p^antaftifa)e 2ügefua)t oor^anben ift, unb auf roeld)e 2>inge fie in franf= 
^after Steife gerietet ift ©as Spiel aEein, mit Spielfaa^en unb mit anberen 



— 51 — 

ilinbern (ngl. I f)> bas $erl)alten bes Schülers beim (Brgä^Icn t»on $ftärd)en, 
gelegentliche 6d)ilberungen non ©elbftertebtem, fotoie ftar!e Neigung gum 
Sräumen geben and) manche ^ingergeige für bie (Erkennung bes abnormen 
^fjantaftelebens. 

Sie Anomalien bes (5eba'd)tniffes werben !unb bei (Erforfdjung ber 
%A nnb SBeife, mie fid) ber £ilfsfd)üter früherer (Ereigniffe unb Vorgänge 
erinnert, ob er eine 'Sßerfon ober einen ©egenftanb, ben er oor längerer 
3eit gefeljen f)at, mieberertennt, ob er nergeftlid) ift, ob er fid) befinnen 
lann; toie ferner feine SD^er!fö^ig!eit für neu bargebotene 6toffe: Silber, 
33ud)ftaben, ©elbmüngen, 3 a ^ e ^rei^en unb 9ieit)en gufammenf)anglofer 
SBörter, für Sä&e unb tljren 3^alt, für Heine öprüdje, für Sieber of)ne 
unb mit StRetobie befdjaffen ift, ob bas medjamfdje ©ebäd)tms übertotegt, 
nad) melier 9üd)tung (formen, Säulen u, a*) fein (&ebäd)tnis einfeitig t)er= 
nortritt ober auffallenb fdnoad) ift, toie er 33eftellungen ausführt ufto. 

d) S p r a d) e. 

Sie Prüfung ber Sprache ift oon befonberer 9Bid)ttg£eit für bie toei= 
tere $lusbilbung, fomoljl toas Sie Sprad)auffaffung, als aud) mas bie 6prad)= 
fertig!eit betrifft 2)esf)alb mu| unterfudjt toerben, ob bas £ilfsfdmlftnb 
iaute, 6ilben, SBörter, Sä&e auffaßt unb naajfpredjen tann, ober ob es 
ftumm ober prftumm ift, meiere Saute — 93erfd)luf3=, 9^eibe=, 9ZafaHautc 
— bes erften, gmeiten unb britten 5lrti!ulationsgebietes unb meldte Saut= 
folgen es gar nid)t ober falfdf) bilbet unb aus meinem (örunbe, ber allerbings 
fid) oft fdjon aus ben Angaben bes ipilfsfduilarstes unter II Ac ergibt, ob 
es tonlofe 6pred)betoegungen nad)al)men fann, toeldje ©efd)idltd)£eit über* 
Ijaupt feine Spredmrushtlatur befijjt, ob es genannte (Segenftänbe geigen, 
gehörte 33efef)le ausführen lann, ob es feine ©ebanfen grammatifdj ober 
in meldjer 5orm agrammatifä) ausbrüdt, ob feine 6prad)e oerlangfamt, 
gefdjtoä&ig, leife, edjolalifa; ift, ob es poltert ober ftottert unb in toeld)er 
SBeife. 

e) 6d)ul!enntniffe unb Wertigkeiten, 

©ie Prüfung ber Sdjutfenntmffe unb gertig!eiten gibt allein !ein 
treffenbes 53ilb oon bem abnormen geiftigen 6tanbpunlt bes £ilfsfd)ülers, 
aber fic ift bennod) nötig, um es §u oerooUftänbigen. Sie beginnt am gtoed* 
mäfcigften mit fdmnerigen fragen aus ben oerfd)iebenen fiäcfynn unb geljt, 
roenn biefe nid)t beantwortet werben tonnen, ftufenmäfcig §u immer leid)teren 
bis gu ben atlerleid)teften hinunter. 9caa) biefem (örunbfa&e prüfe man 

1; im 9ied;nen 

gunädjft an Aufgaben o f) n e j e b e 93eranfd)aulidmng, bann an benfelben 
Aufgaben oljne bire!te $lnfd)auung, aber mit ^Benennung ber ge= 
gebenen 3<rf)len (5 9Hiffe, 8 #pfel) unb gule&t an benfelben Aufgaben m i t 
birefter ^eranfcfyaulidmng, unb §mar guerft im 3<rf)lentmfe oon 100 bis 20, 
$lbbition, 6ubtra!tion, Einmaleins, 3tt>eifaj3, barauf im 3 a ^ cn ^ re Ue uon 
20 bis 10, basfelbe bann im 3 a ^en!reife oon 10 bis 5, ^bbition, 6ubtra!= 
tion, $luffaffung ber ftafyUn, bann im 3 a ^entmfe oon 5 bis 2, ^Ibbition, 
6ubtra!tion, ^uffaffung ber 3 a *)Ien, gule^t ^luffaffung ber .. 33iel^eit unb 
(Einheit. 

2. 3m ßefen 

mirb, inbem man aud) immer oon ber größeren SdmMerigfeit ausgebt, nacb-- 
einanber feftgeftetlt, toeldje großen, roeldje kleinen ©rudbud^ftaben, meldte 
großen, meldte fleinen 6a)reibbua^ftaben bas ^inb nid)t fofort !ennt, ob 
es eine größere ^tngal)l oon ben gelernten Sauten ober nur uicr, brei, gtoci 
Saute, ober gar !eine gufammenfaffen !ann, unb gmar toieberum guerft oon 
ber Safel unb bann nad) bem (öeljör, ob es gelefene Wörter unb 6äi^d)eu 
oerfte^t 

4* 



— 52 — 

3. 3m Sojreiben 

muß 5er $tlfsfdmltel)rer, gleid)faEs oom Sdnoeren gum Seilten fd)reitenb, 
unterfuojen, ob es kleine Sätje, SBörter mit ^nbei^ ober nur mit pt)one= 
tifd)er Sd)reibroeife, groeilautige SBerbinbungen, eingelne Saute — totale 
unö 5lonfonanten, — nad) 2>i!tat [abreiben fann, roeldje 93ud)ftaben ber 
großen, 5er kleinen Sajreibfdpft es n i d) t nad)gubilben oermag, roie es 
5ie anberen nad)bilbet (Sdjriftprobe), ob es mit 5er rechten o5er linken 
Jpanb Spiegelfdjrift fd)reibt, ob es beim Schreiben gittert, un5 ob es roegen 
Säfymung o5er unooEtommener 2Mlbung 5er rechten ipanb mit 5er Unten 
fdjreiben muß, 

d ©efül)ls = un5 SBillenstätigfeit 

2>as Gefühlsleben. 5es £ilfsfd)ülers äußert fid) oft in anormaler 
3Beije, nid)t feiten fteljt es auf gang nie5riger Stufe. SSegüglid) feiner 
©emütsoerfaffung im allgemeinen ift oor allen Singen feftgufteUen, ob feine 
gange Stimmung apatl)ifd), gemütsftumpf, oerftimmt, traurig, mißmutig 
o5er eretl)ifd), empfinblid), reigbar, fdjnell roeajfelnb, launifdj, Uanfytft 
fyeitex ift, roie fie fid) burd) 5en pl)t)fiognomifd)en $lusbrud ober fonftige 
förperlicfye 93egleiterfd)einungen Eenngeidjnet, ferner in begug auf 5ie oer= 
fd)iebenen Wirten feiner ©efüljle, roeldje (Einbrüche Sdjmergen, (Bffen unb 
Srinfen, finnlid)e ©enüffe an5erer 2trt Ijeroorrufen, ob er Unluft am Sernen, 
©leidjgültigEeit gegen eine rid)tige ^Introort o5er eine gelungene Arbeit 
an 5en Sag legt, ob er neugierig, oorroi&ig, l)eud)lerifd) o5er oerlogen ift, 
ob er $reube an ^Blumen, an fdjönen Silbern, am (feefang, an Orbnung 
un5 9kinlid)£eit l)at, ob er ©efül)l für 9ied)t unb Unred)t, (Et)r= unb Sd)am= 
gefügt befi&t, ob er gur ^Ibfonberung neigt, fd)eu, gurüdljaltenb, furdjtfam, 
of)ne Selbftoertrauen ober egoiftifd), red)tt)aberifd), unoerträglid), angebe* 
rifd), neibifd), fdjabenfrol), iäljgornig, rol), gerftörungsfüdjtig unb tierquäle* 
rifd), ob 2öutausbrüd)e bei it)m oorfommen, ob er burd) 93orfteEungen 
„ feine Gefühle gurüdgul) alten oermag, toeldjen (Einfluß Stimmung unb 
©efüf)le auf ben SSorftellungsablauf fjabem 

SnteEeftueEe äftinberroertigfeit unb ein fd)toad)er ober abnormer 2BiEe 
finb faft immer miteinanber oerbunben, unb ba ber le&te fid) am beut= 
Itdtjften in ben £anblungen ausprägt, fo fud)e man gu erfahren, toie ber 
ipilfsfdjüler fid) überhaupt gum ipanbeln fteEt, ob er nur gegroungen gum 
arbeiten gu beroegen ift, ob SBorfteEungen il)n bagu antreiben, ob er fofort 
ober nur nad) längerem 3 '9crn an eine aufgegebene Arbeit geljt, ob er 
langfam, Saftig, gag^aft, o^ne 9lusbauer arbeitet, ob er bei ber Arbeit 
fd)neE erfd)lafft, ob fein arbeiten meajanifd) ober mit Überlegung gefd)ieljt, 
ob er bei ber Arbeit fein 3*^ im $luge behält, roie bas (Bnbe einer Arbeit 
im 93ergleia) gum Einfang ausfäEt, ferner ob er bei feinem Sun unb Soffen 
bie ^ä^tgEett geigt, nad) moralifdjem iBeroußtfein gu l)anbeln, in melier 
5BegieI)ung feine moralifdje 2Biberftanbsfäl)ig!eit gu feiner inteEeftueEen 
Sd)toäd)e ftel)t, roie fein ganges (5ebaf)ren ift, befonbers roenn er fidj un* 
beamtet roeiß im Spiel, auf bem Sdjulroege, aEein ober mit anberen gu= 
fammen, ob er ben (Einroir Jungen bes (Ergief)ers gar nid)t ober nur ferner 
gugängltdj ift, ob er fid) tljnen gegenüber ungeljorfam oerfjält aus llnoer= 
ftanb, 9Sergeßüd)?eit, Eran!l)aftem (EigenroiEen ober 35ösroiEig!eit, ob er 
ben ^Befe^l fd)neE ober langfam, rid)tig ausführt, ob er ungufrieben unb 
mürrifa^ ift, roenn er etroas tun foE, ob er fid) überhaupt geroöljnen läßt, 
roeldjen Einfluß 93erfü^rer auf fein £anbeln ^aben, in roeldjer 2öeife fein 
^örperguftanb unb fein (Gefühlsleben auf bas 9BoEen eintoir!en, ob er 
Steigung ober §ang gum Sräumen, Stellen, ^Betteln, Sagabunbieren ^at r 
ob anbere abnorme 9Ud)tungen im 9BoEen, roie fegueEe triebe, ^anblungs= 
ftörungen, ^»altungsanomalien, ©rimaffen, SOtttberoegungen, plö^lia^e impul= 
fioe 3(ffclt» unb BroaKÖ^öttöhwößn oorfjanben finb, ob er als moralifd) 
fa^road)finnig gu begeidjnen ift. 



— 53 — 

III. enitoitfhmg in bes ^ilfsfdjule. 

A. gortlaufenbe ^Beobachtungen; 
angeroanbte Mittel unb t ^ r (Erfolg. 

3n biefe 9iubrifen ift im Saufe bes ödmljaljres, unb §toar iebesmal 
mit genauer Datumsangabe alles einzutragen, toas bie einzelnen in 93e= 
trad)t tommenben gaftoren — §ilfsfd)ularzt unb ipilfsfdmlleljrer — an 
bem ^inbe roar)rnel)men unb oon feinen 93erl)ältniffen erfahren. $ortlau= 
fenb finb neben ben förperlidjen 23efunben, meiere bie SBeränberungen im 
28ad)stum unb Slörpcrgeroid)t, fold)e in ettoa oort)anbenen Frontseiten 
unb neu aufgetretenen Sir anleiten, eo. aud) beren Stjerapie barftellen, 
(Einflüffe unb SBorfäEe körperlicher, t)äusltd)er unb anberer $lrt feftgulegen, 
bie fjemmenb ober förbernb auf (Seift, ©emüt unb SöiHen eingeroirft tjaben, 
auffällige 93eränberungen im 2Befen bes Finbes, Sispofitionsfdjroantungen, 
ferner bie in (Erziehung unb Unterricht angetoanbten eigenartigen Mittel, 
foroie beren (Erfolg. 

$lm 6d)luffe jebes 6dmlj>af)res mug auf alle $älle aufgezeichnet 
roerben, ob unb inroieroeit ber ipilfsfdjüler gegen bas SBorjatjr gefördert 
toorben ift, unb gu biefem ßwede f e w jeweiliger 6tanbpun!t forool)t in 
£örperlid)er £infid)t burd) ben 3tr§t, rote betreffs feiner geiftigen $äf)tgfeiten 
im allgemeinen, als aud) bezüglich feiner ödjulfenntniffe unb Wertigkeiten 
im befonberen (ogl. Hnterfudjung unb ^Prüfung bei ber 2lufnar)me A, B, C) 
burd) ben £ilfsfd)ullel)rer, unb gtoar in freier Sarftellung, gekennzeichnet 
werben. 

B. 3al)reszeugniffe. 

2öo in einer £ilfsfd)ule 3^ugnis^efte mit einfachen 3 en furen für bie 
£ilfsfd)üler eingeführt finb, ba roerben aua; le&te unter 33erüdftajtigung 
bes oben niebergelegten 33ofunbes eingetragen. 

C. (Entlaffung aus ber £ i l f s f d) u l e. 

a) 3nfolge Xlberroeifung. 

93 e i Überweifung eines iptlfsfdjülers in eine 
anbere 6 d) u l e ober Snftalt roirb ber ^erfonalbogen 
bem ilberweifungsfdjeine beigefügt, aber niemals 
bem Hinbe ober einem feiner Angehörigen in bie 
ipanb gegeben. 

b) infolge beenbeter 6 d) u l p f l i d) t. 

58enn aua) aus ben $lufzeidmungen in ben einzelnen «pilfsfdjuljafjren 
bie Jörperlidje, geiftige unb fittüdje 33cfcr)affen^eit bes £ilfsfd)ülers unb 
aus benen bes legten ipilfsfdmlialjres fein Störper= unb ©eifteszuftanb bd 
feiner ©dmlentlaffung ertannt roerben fann, fo ift es bod) mit 9tttdfid)t 
auf bie 2JUlitärpflid)t eines Knaben unb bie oielen anberen $älie, in benen 
nad) ber (Entlaffung eines ipilfsfdjülers burd) eine 33ef)örbe oon ber £ilfs= 
fdjule ein ßeugnis über if)n eingeforbert roirb, empfehlenswert, feine Mx= 
per= unb ©eiftesoerfaffung bei ber gefeilteren (Entlaffung aus ber Gd)ul= 
pflidjt nad) ben unter C angegebenen 6tid)worten in tnapper, aber treffen* 
ber 5 orm / bie ein Hares 93ilb oon feiner 3nbioibualität enttoirft, aufzu= 
Zeichnen. 93on befonberer 2öid)tigfeit finb t)ier bie Angaben, ob ber ent« 
laffene ipilfsfd)üler eine ausgefprodjenc Anlage zu einem befttmmten ^Berufe 
r)at, ob er ooll, teilmeife ober garniert erwerbsfähig erfd)eint, unb ob er 
tnminelle Neigungen fjat. 5Bünfd)cnsmert ift es, toenn r)ier oom ^trgte 
bie biesbezüglidjc 3)tagnofe eingefügt roirb. 

IV. SKadj ber £üfsfdmlzeit 

A. g o r t b i l b u n g s f d) u l e. B. £ e b e n s b c r u f. C. 6 1 1 1 1 i dj c s 

«Bertolten. D. 2R i l i t ä r p f l i d) t. 

Siefc fünfte roerben ftd) nidjt immer fo genau nnb ausfüljrUd) be» 



— 54 — 

tyanbeln laffen roie bie früheren; es mufj aber bas 33eftreben eines jeben 
ipilfsfajulergteljers fein, ben ipilfsfd)üler aud) naa) ber ipilfsfrfjutgeit mög-- 
litf)ft im $luge gu behalten unb bas, roas er über iljn erfährt, aua) forg= 
faltig einzutragen, norneljmlid), um beffen (£r)ara£teriftif ju nernollftchu 
bigen unb il)m, roenn nötig, §u Reifen, aber aua) mit bem Sftebengroetf, 
um feftjulegen, roeldjen 9tu&en ü)m bie ^ilfsfdjulergiefjung unb ber pilfs- 
fdmlunterrid)t gebraut fjaben. 3n leidster unb gunerläffiger 2öeife roirb 
fid) bies in (öemeinben beroer^fteEigen laffen, in benen befonbere Jortbil« 
bungsfdutlen unb gürforgenereine für ftfmlentlaffene £tlfsfd)üler eine 
fegensreid)e Sätigfeit entfalten. 

6a)lu§bemer!ungen. 

1. 2)er ^ßerfonalbogen ift ein amtlidjes Sdjriftftütf, oon beffen 3nl)alt 
nur ftreng amtlid) ©ebrautf) gemalt roerben barf. 

2. ®ie ^erfonalbogen einer ipilfsfdmlftaffe finb in einem billigen 
6dmellliefter eingeheftet im 5llaffenfatl)eber, bie ber entlaffenen £tlfsfd)üler 
bei bm ötfmlaften in ebenfoldjen 6a)neU^eftern aufzubewahren, bie lefc* 
teren in ber 3Beife, ba§ man bie Spornen alpljabetifa) orbnet unb für \ebm 
93ud)ftaben bes ^llpfjabets einen befonberen 6tfmelll)efter anlegt. 

3. ©ie forgfältige ftüf)rung bes Sßerfonalbogens ift im Sntereffe bes 
Kinbes befonbers geboten. 

3n ber Seipgiger £>ilfsfd)ule unb in einigen (Srgiel)ungs= 
anftalten beginnt unb fdjliefjt man btn ^erfonalbogen mit einer 
pfyotograp!)ifd)en $lufnal)me bes entfpredjenben Sd)ülers, 
geroöljnlid)! in je groei 3)arfreEungen, SSottbilb unb Seitenanfidjt. 
3)iefe 93ilber follen bem 3fl>ede bienen, nid)t nur bie antl)ropo= 
logifdje, urfprünglidje 3Sefd)reibung, rote fie in ben 93ogen nieber= 
gelegt ift, gu ergangen, fonbern aud) bie ©efidjtsgüge feftguljalten, 
fo bafj in ber beim fpäteren Austritte bes 5linbes in gleicher 
2Beife aufgunefymenben Sßt)otograpl)ie bie pl)t)fiognomifd)en Unter= 
fd)iebe feftgefteHt werben lönnen, bn burd) (Ergieljung, unb Unter= 
ricfyt fyeroorgerufen finb. 

93 e r i d) t e. — 3)a ber ^erfonalbogen ben 6d)üler bie gange 

6d)ulgeit fyinburd) begleitet, fo gibt er eigentlid)i eine f d) r i f t = 

X i dy e Darlegung über feinen SBerbegang nad) ber 

torperlidjen, intellektuellen unb moralifdjen Seite l)in unb fann 

besfyalb, roie bereite betont tourbe, für ettoaige 93erid)te ober 

geroünfdjite ^lusfünfte gute ©tenfte leiften. — 2Bem roerben mir 

nun 93erid)t über ben £ilfsfd)üler gu erftatten Ijaben? 3ebenfalls 

bem (Elternl)aufe. 3u biefem Stoede bürfte es ftd) empfehlen, nad) 

folgenbem 6d)ema gu oerfatjren. 3)ie Mitteilungen fönnen fpöter 

gum ©egenftanb fyäuslid)er 9ttidfprad)en benufet roerben. 

ipilfsftfmle gu ........ 

£albiäl)rlitf)e Mitteilungen an bie ©Item über il)r Kinb * 

6d)üler . . ber . . klaffe, erftattet non bem Sllaffenlefjrer . . . . 

1. betragen unb ftleift ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ 

2. ^ortf^ritte . . . 

3. 6onftige ^Bemerkungen ........♦..♦..♦.♦♦- 

4. 2Bünfd)e ber Sa^ule begüglia^ ber puslid)en ßinroir!ungen 

5. SBermer! bes (Bltenujaufes über bie Kenntnisnahme ber Mitteilungen . 

6. Mitteilungen ber (Eltern an bie 6dntle 



— 55 — 

6oId)ie Mitteilungen fönnen aud) in gorm oon l) a I b = 
j ä l) r l i d) e n 3eugniffen etftattet werben, natürlid) nid)t 
mit ben üblidjen 3enfuren, fonbern in gorm oon allgemein oer= 
ftänblidjen Umfcfyreibungen bgto. mit oerföljnlidjen, aufmuntern= 
ben "JBermerfen, um ntd)t StRißoerftänbniffe Ijeroorgurufen ober 
oerlefcenbe ^Berftöfte §u begeben. 1 ) 

$in biefcr Stelle mögen aud) bie amtlidjen 93erid)te (Ertoäl)= 
nung finben, bie in gegebenen gätten an bie äftilitärbeprben, ©e= 
rid)te, gürforgeoereine, Seljrftellen ufto. p erftatten finb. ©enaue 
£intoeife borüber finben ftd) an ben entfpredjenben 6teHen im 
Sejte. 

(E 1 1 e r n l) a u s. — 2öenn irgenbtoo eine innige 2Bed)f el= 
begieljung gtoifdjen 6d)ttle unb ipaus geboten erfdjeint, fo toirb 
bies bei ber §ilfsfd)ule nötig fein. Dljne gegenfeitige 93e#ugnal)me 
bürfte oielfad) bie (Eintoirfung ber £ilfsfd)ule auf bas Kinb in 
grage geftellt toerben. 2>ie $lnbal)nung unb bauernbe Unterl)al= 
tung toeitgeljenber 33egiel)ungen ber £ilfsfd)ule gum (Elternljaufe 
bgto. bie gegenfeitige Unterftüfeung bei bem fd)toiertgen SBerfe ber 
Rettung fd)toad)begabter Kinber muß unbebingt verlangt werben. 

<ißft)d)opatl)ifd)e 51 i n b e r. — Sieben ben §tlfsfd)ütern 
gibt es nod) eine (Gruppe oon ilinbern, bie gtoar feine ausgeprägte 
©eiftesfdjtoädje unb aud) feine ©eiftesfr anleiten auftoeifen, bei 
benen aber bod) mehrere franffyafte feelifdje (Erfd) einungen oor= 
liegen. (Es Ijanbelt fid> um jene S^inber, bie auf bem (Gebiete 
bes ©efitljls* unb Tillen sieb ens 9tegeltoibrigfeiten er= 
fennen laffen, tooburd) fie gefellfd)aftsfeinblid)e Neigungen befun'= 
ben. 9ftan merft iljnen namentlich grofje 2Btllensfd)toäd)e 
an, pufigen 6timmungstoed)fel, leiste (Erregbar -- 
feit unb ftarfe, unbeljerrfcfyte $lffefte, bei benen faft jebe 
Überlegung ausgefdjaltet ift. 6old)e S^inber geraten in ber Siegel, 
roenn nid)t red)t§eittg entfpredjenbe ergieljerifdje üülaßnaljmen ge= 
troffen toerben, auf eine fdjiefe 33al)n unb fallen meift ausnal)ms= 
los ber $ertoal)rlofung, bem $erbred)en, bem ßanbftreidjertum, 
ber Sproftttution ober bem 3rrfinn in bie $lrme. ^ftjdjiater unb 
^äbagogen toiffen toofjl, tote fie in gemeinfamem 2Birfen ein oon 
ber 9Ratur fo unglücflid) oeranlagtes Slinb gu pflegen, gu ergießen 
unb gtt beffern Ijaben. Unb aud) in neuerer 3eit I)at fid) bie (Er= 
fenntnis ^Baljn gebrochen, baß foldjen S^inbern burd) befonbere, 
ifyrer (Eigenart entfpredjenbe unb angepaßte (Ergiel)ungs= unb 93il-- 
bungsmaftnafjmen geholfen toerben fann. $ftan fyat für fie 6pe= 
gialanftalten ins ßeben gerufen; bas finb bie (Er § i el) un gs = 
|etme für pft)d)opatt)ifd)e SU n ber. 33al)nbred)enb 
in biefer 93egiel)ung ift ber SMreftor bes 3ugenbfanatoriums auf 



*) Über 3 cu Qniffe ufa« bietet tDcttcjefyenöc ^uffdf)Iüffc ber 9luf[ai} t>on 
£ u r £ e , 3 eu 9 n iff c in Dcr $ilfsfd)ule. $üfsfd). 1914 $. 10. 



— 56 — 

ber 6opf)ienfyöf)e bei 3ena, 3- S r ü p e r , vorgegangen, ber burd) 
ein 2Ber! mxb burd) 6d)rift unb 3Bort aufflärenö unb praftifd) 
)etättgenb für bas ^ettungsroerl an ben pft)d)opatI)ifd)cn Win- 
tern geroirft fyat. 1 ) 

Shtrcfy fadjctrgtlidjje Unterfucfyung wirb feftgefteüt, ob unb was 
für eine pf^djopat^ifdje Konftitution oorüegt. hierauf werben 
ärgtlic^e Skrorbnungen unb pfr>d)iatrifd)c 9ftaj3nal)men oorgefetjen 
unb ein befonberer (Ergiefyungsplan aufgefteÜt. 3nnerf)alb bes 
(kgiet)ungsl)eims werben einzelne (öruppen gebübet, bie feelifd) 
gleicfygeartete Slinber gufammenfaffen fotten. SDurcfy unausgefefete 
^Beobachtung unb Aufficfyt wirb gegenfeitiger fcfyäblicfyer 93eein= 
fluffung oorgebeugt. ^eben bem (Ergieljungsplan fommt aud) ein 
befonberer ^Befd)äftigungs , = unb Arbeitsplan §ur Anwenbung, ber 
pfnd)iatrifd>en ©efidjtspunften in weitgehender SBeife Sftedjnung 
trägt. 2)ie Aufnahme foH möglid)ft frü^eitig, fdjon mit bem 
acfyten ßebensiaijre, erfolgen, ©er Aufenthalt wirb fid) auf 
mehrere 3al)re erflred en muffen. 2)ie Leitung fjat in ben |>änben 
eines fpegiefl oorgebilbeten ^äbagogen §u liegen, bem ein Sßfr>d)ia- 
ter als fttönbiger Berater gut 6eite fielen muß. 

3n S)eutfd)Ianb befielen an einzelnen 3tren=, 93Iinben=, 

Saubftummen=, 3bioten=, HrüppeD= unb (BrgieJmngsanftalten (Er= 

giefyungs= unb Unterridjtsabteilungen für pfnd)opatt)ifd)e Slinber. 

(Eine ©tattftif barüber bietet ber ipilfsfdjulfalenber. 3)od) 

fyaben fid) tiefe SRagna^men nur als Sfotbeijelf erliefen, ber bas 

SBebürfwis nadj (Errid)tung oon befonberen (£rgiel)ungs = 

Reimen f ü t p f t) d) o p a t f) i f d) 1 e H i n b e r als begrünbet 

erfdjeinen läßt. 6eitens ber beutfdjen Qtntxate füt 3ugenbfür= 

orge würbe im April 1913 bas erfte felbftänbige §eiler§ief)ungs= 

)eim für pfncfyopatfyifcfye Knaben gu Semplin in ber SCftarf et* 

ricfytet. (£ine äimlicfye (Einrichtung weift bie Arbeitslefjrfolonie 

unb 35eobad)tungsanftaIt 6teinmüf)Ie bei S^a^fatt a - ^ au f- 

S)iefc Anftalt roill feelifd)! letdjt abnorme, aud) fdjwer ergiefjbare 

Knaben im fd)ul= unb fortbiibungsfd)uIpfIid)tigen Alter bafyin 

bringen, baß fie ben Anforberungen eines ^Berufslebens geregt 

werben können, ober falls bies burcfy bie abnorme feelifd)e $er= 

faffung unmöglich ift, auf ©runb einer forgfältigen ^Beobachtung 

2Sorfd)Iäge für bie weitere Unterbringung geben. 

(Ein beutfdjer herein jur g ü r f r g e für jugenblidje ^3 f t) = 
d)opatI)en mürbe im 2lnfrf)Iuf3 an bie Sagung für $ft)0)opatl)enfürforge 
im Oftober 1918 gegrünbet. (Er trritt ber (Erforfd)ung ber pft)d)opatf)iftf)en 
JRonftttutionen bienen unb bie pra!tifd)e ftürforgearbett in 2)eutfd)kmb an= 
regen, ausbauen unb gufammenfaffen. ®ie ©efdjäftsfteHe beftnbet fidj in 
Berlin, ^ftonbijouplat} 3. ©iefem herein ift es jebenfaüs aud) gu oerbanfen, 
ba§ ber preufcifäje Sftinifter für 93ol?smof)lfaI)rt in einem befonberen (Erlaft 
com 2. 6eptember 1920 — 2R. II. 1704 — fid) biefer 6adje angenommen 



L ) 93ergl. bie 93ertdjte ber genannten ülnftalt. 



— 57 — 

tyctt. Siefer (Erlag ift oon fo großer 3öid)tigfeit, bag mir ihn mörtlid) gum 
Abbrud bringen, 

„Sie außerorbentlidje ipa'ufung feelifd)er (Ertranhmgen mad)t eine 
umfaffenbere gürforge für bie an iljnen leibenben Fronten erforberlid). 

Sie fdnoeren (Erlebniffe rocujrenb 5er Slriegsgeit unb bie d)ronifd;e 
Unterernährung führten fyäufig gerate bei geiftig t)od)entmidetten, roeil 
befonbers empfinbiid)en 3nbioibuen gu Störungen bes feetifdjen (&leiü> 
gemid)tes. 

60 tonnte unter ben roäfyrenb 5er ^riegsgeit gegebenen ungeroöfynliä, 
ftraffen Befd)räntungen 5er perfönlicfyen ffxeifyeit un5 5er 5ann naa^ öer 
Sfteoolution eintretenben £oderung fojiater (Empfinbungen un5 Banbe ein 
3mtefpalt bei trantfjaft oeranlagten 2ftenfcf)en entfielen, inbem fid) 5ie 
mäf)renb langer 3<d)*e gehemmte 3nitiatioe unter il)rem mäd)tigften 3m = 
puls, 5er Xlngufrtebenljeit, gum 6d)aben 5er Allgemeinheit freimachte. 

Sie ftar£e Affefterregbarfeit un5 5ie Überzeugung 5er ^Pfrjdjopatljen 
oon 5er SBatjrtmftigfeit i^rer Auffaffung, 5ie felbft bann nod) oort)anben 
ift, menn ber geiftig ©efunbe ftarfe Übertreibungen unb (Entftellungen 
eines Satbeftanbes feftfteilt, oerfd)afften biefen Traufen einen überragenben 
Hinflug auf bie Sftaffe bes Bolfes, einen (Einfluß, ber um fo bebrot)lid)er 
ift, als bie außerorbentlid) fläglia^e mirtfdmftlid)e Sage unb bie politifdje 
3erfaf)renf)eit meiter Greife bie allgemeine Hngufriebenfjeit erf)öf)te unb 
fo für fuggeftioe Beeinfluffung eine ungemöl)nlid)e (Empfänglid)£eit fajuf. 
(Es ift eine, mie bei früheren Bolfebemegungen fo aud) je&t, mieber feft= 
geftellte Beobachtung, ba$ gerabe bie jugenblic^en Sßft)d)opatt)en im Bor5er= 
grunbe polttifd) extremer 9tid)tungen fielen. Sie 6efal)r, bie barin für 
bas gange Bolf liegt, ift bisher nid)t überall genügenb gemürbigt morben. 

(Es füljrt l)äuftg gu Mißerfolgen, menn ber Berfud) gemacht mirb, 
pfrjdjopatfyifd) RxanU gmangsmeife ber ärgtlia^en Bef)anblung äu§ufüf)ren. 
©erabe biefe ^ranfen t)aben feine 5lrantl) eitseinfi d)t. (5ie füllen fid) rooljt 
neroös, fudjen aber meber felbft nod) auf Beranlaffung if)rer Angehörigen 
ben 3*renar§t auf, folange fie bie Befürchtung f)aben, ba% man fie für 
geiftig !ran! galten tonnte, Siefe Befürchtung aber befteljt faft immer ober 
fie mirb erzeugt burd) bie bauernben ^onflilte, bie berartige tränte mit 
fojial ooUtoertigen 3nbioibuen t)aben. £ier f)ört ber Slranfe immer toieber, 
ba% er oerrüdt fei, mäljrenb er fid) felbft nur für neroös t)ält. 

Siefer Hmftanb nun bietet eine SJtöglidjEeit ber Beljanblung unb 
gürforge. Ser Ironie ift ungufrieben unb baljer t)itfsbebürfig. (Er mürbe 
eine Beratungstelle für „Sfteroöfe ober feelifd) Traufe" auffudjen, fofern 
er nid)t in ober fyinter il)r bie 3rrenanftalt mittert. Aud) aus biefem 
©runbe erfd)eint bie (Errichtung oon Beratungs= unb ^ürforgeftetten, bie 
räumlid) oon 3crenanftalten ftreng gu trennen finb, gtoectmäfjig, außer 
benjenigen fd)on oor bem Kriege oielfac^ erörterten ©rünben für bie 
6d)affung berartiger ftürforgeftellen [ m 3 n tereffe ber nid)t anftaltsbebürf-- 
tigcn ©eiftes!ran!en, bie fd)on gu beaa^tensmerten Berfud^en auf biefem 
©ebiete geführt l)aben. 

3d) bitte ba^er um Äußerung barüber, ob unb eo. mie fid) ffürforqe-- 
fteüen.für „Okroöfe unb feelifd) üranfe" im Anfa^luß an bie 5lreismoi)l» 
faljrtsämter einrichten ließen. Ss müßte, toenn möglid), eine ßufammen-- 
arbeit oon bereits tätigen gürf or 9 c D ßc maten, £ef)rern unb ^rjtcn, oor allen 
Singen ber £ilfsfd)ule fomie fonftigen fadjoerftänbigcn ^erfonen erhielt 
merben. 3d) bitte ferner gu ermägen, ob biefe ffürforge» unb Bcratungs-- 
ftellcn ausgebest merben !önnten auf fdjmer ergicljbare ^inber. Sics 
mürbe oorbeugenb mirten !önncn, bas ^ortfdjreiten oon pfi)d)opatI)ifaVn 
Suftänben oerljinbern unb midjtiges SDIaterial für ^amtlicnforfdjung, Ber- 
erbungslel)rc, (fugenic unb 9iaffenf)t)Qiene ergeben tonnen. 

9?ad) Anhörung ber ^reis» unö 6d;ulärgte unb fonft etwa oorljan-- 
bener 6ad)oerftänbiger ober intereffierter Greife bitte id), innerhalb adn 



— 58 — 

2Bod)en ju berichten, ob unb tüie bie Sajaffung oon gürforge= unb 93e= 
ratungsftellcn am beften burdjgefül)rt tocrben tann. ©afc pfad)opatl)tfd) 
Strange ber SBeljanblung unb Teilung gugänglid) finb, töerm fie fadjgemä'ft 
burajgefüljrt voixb, lehren nid)t nur bie feit langem mit gutem (Erfolge 
tätigen prioaten feinte für ^ft)d)opatf)en, roie fie oon bemittelten (Eltern 
für if)re entarteten ober pfr>d)opatl)ifd) oeranlagten Kinber in $lnfprud) 
genommen unb befudjt rourben, es beftätigen bies aucl) bie guten (Erfaf)= 
rangen ber „3ugenb|)tlfe", bes erften 3nftituts, bas oon einem Sßrooin- 
gialoerein für unbemittelte pft)d)opatt)ifd)e Kinber in ipalle a. 6. gefajaffen 
mürbe, unb bas fdjon je^t einen großen ßwfprua) unb günftige 9iefultate 
gu oerjeidjnen I)at." 

33epglid) oerfdjiebener (Einzelheiten btefes ©ebtets, nament= 

itdj aud) l)infid)tlid^i ber Drganifatton ber £eüer§ief)ung5J)eime 

uertöeife iä) auf folgenbe 6d)rtften: 

SBinsmanger, Über ben moralifajen Sdnoadjfinn. ^Berlin 1905. 
— Sannemann, Sßfd)t)d)iatrie unb £ogiene in ben (Ergieljungsanftalten. 
Hamburg 1907. — ^ermann, £eilersief)ungsf)äufer als (Ergänzung ber 
Äettungspufer unb 3n:enanftalten. £angenfaiäa 1907. — St l u g e , Über 
bas 5Befen unb bie 95et)anbtung ber geiftig abnormen ^ürforgegöglinge« 
^Berlin 1905. — 6tabelmann, Sdmten für neroenJranfe Stinber. 93er= 
lin 1903. — §\tl)in, ©ie (Erkennung ber pfod)opatf)ifd)en Stonftitution. 
^Berlin 1916. — 5) e r f., £eiler§iel)ungsf)eime für pfod)opatl)ifd)e Stinber. 
3eitfd)r. f. Sd)utgefunbl)eitspfl. 1914. — ©eutfd)e 3 c ntrale für 
Sugenbfürforge. 93erid)t 1913=14 6. 74: ©as £eiler§tef)ungsl)eim 
für pfnd)opatl)ifd)e Knaben in Semplin. — © e u t f d) e %n\t alten für 
Sd)to ad)f innige, (Ep il ep tif d) e unb p f t) djop atf) i f d) e 3u = 
g e n b l i d) e , 6. 77: 9lrbeitslet)rMonie unb 93eobad)tungsanftalt Stein= 
müt)le. £aEe a. 6* 1912, (Earl 90tol)olb 93erlagsbud)f)anblung. — ©rea- 
ler, Sßfndjopatljenfürforge. ipilfsfd). 1919 £.3. — $lnton, 33ebeutung 
ber Sßfndjopatfjen im öffentlichen Seben unb öffentliche ^ürforge für ^>\n= 
d)opatl)en. 2angenfal§a, 35ener & Söl)ne. — 33 ö 1 1 d) e r , ^Berufsberatung 
für pfndjopatfjifdje 3ugenbUd)e. ßangenfalga, SBener & Söljne. — © i e t = 
r i d) , SBeobad)tungsl)eime für jugenblidje- ^fnd)opatl)en. Sangenfalja, 
SBener & Söfjne. — ©regor, Über bie Stotroenbigfett einer pfod)opatl)o= 
logifdjen 9lusbilbung oon ße^rern unb (Erlief) ern. 3ettftf)** f» V&b. vW 
Ökologie unb egp. Sßäb. 1920 |>. 1=2. — £ o r r i i , Sßfndjopatljologifdje (Er- 
lernungen in ber £ilfsfd)ule. £ilfsfd). 1921 £. 5 bis 7. — 3 o 1 1 n , ©te 
Urfad)en unb ärjtlidje SBeljanblung ber pfna^opat^ifdpen Stonftitutionen. 
ßangenfalga, SBeoer & Söl)ne. — Knautie, ©ie ergieljlidje 33e^)anblung 
ber pfud)opatI)ifd)en Konftitutionen. Sangenfalja, SBeoer & Söf)ne. — 
Gramer, $fna)opatI)ifd)e Veranlagung unb (Straffällig? eit im 3ugenb= 
alter. £angenfal§a, 33ener & 6öl)ne. — £ e n e n , Sdmt$auffid)t über pft)= 
d)opatI)ifd)e Kinber. ßangenfatga, 33ener & 6ö^ne. — 951 o e l i , Über bie 
SBebeutung ber ^3fnd)opat^enfürforge. Sangenfalga, Veoer & 6ö^ne. — 
Stier, (Erkennung unb 35e^anblung ber Sßft)d)opatl)ie bei Kinbern unb 
3ugenblia)en. Sangenfalja, 33eaer & 6ö^ne. 

Stterotut. 

31 n ton, Über bie 3*<*gen ber franfljaften moralifa^en ^Ibartung. 
3. f. Stinbf. 55b. 17 ^>. 9. — © e r f., 3ur Ve^anblung unb (Ergie^ung ber 
gurücEgebliebenen unb entarteten Stinber. Sangenfalga 1918. — 93art = 
|olb, G., ©ie 3biotenanftalten unb bie ^ilfsfrfjulen, eine ©renäregulie= 
rung. 3. f. SBet). Sclno. u. (Ep. 1901, ©egember, unb 33er. üb. b. 10. 5tonf. 
f. b. 3biotentoefen. — Werfer, 3u ben 2Retl)oben ber 3nteEigengprüfung. 
Klinil f. pfodj. u. nero. Kranl^. 1910 35b. 5. £aHe a. 6., 2Jlarl)olb. — 
SB i n e t unb Simon, 2Ritteilungen über bie neuen 3KetI)oben ber ©ia= 



- 59 — 

gnofe bes Kretinismus, 6a)toaa)finns unb mangelhafter (Buttoicflung. (£os 
1904 £. 1« — 33insroanger, Über pfi)cf)opatl)ologifcl)e Konftitution unb 
(Erjieljung. 3ena 1911. — 33obertag, 0., 33incts arbeiten über bie 
intellektuelle (Entroitflung bes ötfmlfinbes. 3 ß ttftf) r « f* angero. ^ft)df). u. 
pfndjol. Sammelforfdmng 1909 §. 3. ßeipgig, 33artl). — 5) e r f., Über 3n= 
telligengprüfungen. 3eüf$?» f. angem. Sßftjcf). u. pfna)ol. 6ammelforfdmng. 
ßßipäiö/ 33artt). — 33 r a l) n , $lnroeifung für bie pfncf)ologtfa;e 9lusroal)l 
ber jugenblicljen ^Begabten. Seipgig 1919, 2)ürrfd)e 33ucfjf)anbl. — 33ütt = 
n e r , linterfucfmng über Kopfumfang unb SuteHigenj bei 93olfefdjuI' unb 
£ilfsfa)ultmbem. 3. f. 33ef). 6d)m. 1910, 26. — <£§ o £ en, Sie 33ebeutung 
ber 3nteUigengprüfungsmetf)obe t)on 33inet unb 6imon für bie £itfsfcfmle. 
$ilfsftf). 33b. 5 §. 6. — 5) e r f., (Einführung in bie Kenntnis ber geiftigen 
6$tDäd[)eäuftcmbe ber £ilfsfcl)üter. £alle 1921, 9Jiarf)olb. — 3) e c r o l n , 
£)., 3nteÜigen§meffung ht\ normalen unb abnormen Kinbern. 2. Konf. f. 
er,p. <Pft)a> in 3£ürgburg. Seipgig 1907. — 3) oft, m/ Slbriß ber ^ft)a>= 
logie, SJ3fna)iatrie unb geriajtliäjen Sßfndjiatrie, nebft einer ausführlichen 
3ufammenfteEung ber gebräuc§lic§ften 5Retf)oben ber 3ntelligenä= u. Kennt- 
nisprüfung. ßeip^tg 1908, 33ogel. — (E b b i n g § a u s , £>., 9fletI)obe &ur 
Prüfung geiftiger $äf)igfeiten unb il)re ^Inroenbung bei Ödmlünbem. 2eip= 
gig unb Hamburg 1897, 2. 33oß. — (Enbertin, 3R., 3ur $ftannf)eimer 
6dmlreform. 2>eutfa)e 6df)ule 1905 £. 3=4. 2eip§ig, Klintf)arbt. — 
(Bngelfperger, Dr., unb 3 i e 9 * c r / ® r v Beiträge gur Kenntnis 
ber pf)t)fifcl)en unb pfpcfjifajen Statur bes fedjsjäljrigen in bie 6ctmle ein- 
tretenben Kinbes. 3 e ^f^ r » f» e EP* ^ a0 ' I 905 ®». 1 £. 2. — grengel, 
^r v S)as ßebens- unb Sßerfonalbutf) im SHenft ber Sßäbagogif unb 6d)ul- 
fj-ngiene. 6eparatabbrudt, Hamburg 1900. — ^ u d) s , 31., 2)ie 9lnalt)fe 
patljologifdjer Naturen als eine Hauptaufgabe b. päbagogifajen Sßatljologie. 
(öüterslof), Bertelsmann. — (5 b b a r b , £. §., Sßft)d)ifS)c llnterfudjungen 
in einem 3nftitut für 6c§roacl)finnige. (Eos 1907 £.4. — 2) e r f., 2)ie llnter- 
fucf)ung bes 3utelle!ts fc|roaa5finniger Kinber. (Eos 1909 £.6. — © l b = 
ftein, 90^er?fäl)ig!eit, ©ebäcljtnis unb 9lffo§iation nadj Unterfuc^ungen 
6a)toaa)finniger. 3eitfcl)r. f. Sßfnd). 33b. 41 £. 1-2. — ©rote, 3Bela)e 
Kinber gehören in bie ipilfsfdmle, unö toas ift bei ber 2lufnaljme berfelben 
ju beachten. 33er. üb. b. 1. 33erb. b. £. ©. 1898. — Jammer, Dr. 35$., 
Über grunblegenbe 6a^roierig!eiten bei Slbgrengung bes 33egriffs 6ct)roaa)= 
jtnn unb bei ber er§ief)erifd)en 33ef)anblung fog. 6a^roaa)finniger. 3ugenb= 
fürforge §. 8. — £ a m p e , Dr. 3 V Über ben Sdjmacfjfinn nebft feinen 
33e§iel)ungen §ur ^Pfrjd^ologie ber ^lusfage. 33raunfa)toeig 1907, 33teroeg 
& 6o^n. — geller, Über 5pft)a)ologie unb Sßfncl)opatf)ologie bes Kinbes. 
3Kien 1911. — ipermann, Dr. med., ©runblagen für bas 33erftänbnis 
Jrant^after Seelenjuftänbe beim Kinbe. 33eitr. j. Kinbf. 1910 £. 67. £an= 
genfalga, 33et)er & 6ö^ne. — ^ e t) e r , Dr., 33eiträge jur ßöfung ber 3bio= 
tenfrage. 33erlin 1861, Hirfc§malb. — § e u e r, 3nteHigen^prüfung ber 
£ilfsf<f)ultmber. ^ilfsfo). 1914, 8 — £orri£, §., ®as 6d)ema bes $. 
$rof. Dr. 6ommer gur Hnterfud)ung oon 3bioten unb 3tnbe5illen ufro. 
^ilfsfcf). 33b. 1, 101. — 3 a s p e r s , Dr. K., ©ie SRetl)oben ber 3nteUigenä= 
prüfung unb ber 33egriff ber ®emeng. 3ßitfd)r. f. b. gef. Sfteurol. u. ^f^Ä- 
1910 33b. 1 §. 6. — 3nteHigengproblem unb 6a)ule. 33er. üb. b. 2. ©er- 
l)anblungstag bes 1. Kongr. f. 3ugenbbilbung u. 3ugenbhtnbe, ©resben 
0!t. 1911. arbeiten bes 33unbes für 6d)ulreform. Setpjig 1911, Seubner. 
— Kannegießer, (£., 2öie roirb bie ^ilfsfrfjule ber 3nbiuibualität gei- 
ftig fd)roaa)er Kinber gerecht? 3. f. SBer). 6<W u. (Ep. 1902 ö. 1 bis 4. — 
3) er f., 5)ie 33ebeutung ber SBinet=Simonfa)en ^lltersftaffelung ber Sefts 
für bie ^ilfsfdjule. £ilfsftf). 1920, 2. — K i e l \) r n , £., (Ein 3Bort, bie 
^ilfsJlaffcn ober §ilfsfd)ulcn betreffenb. 3. f. 33el). 6(|tD. u. (Ep. 1890, 
5lpril u. Oft. — K u r & e , 3nteUigenjprüfung. 3. f. 33ef). 6dno. ©5. 32 
£. 4. — £ i e b m a n n , Dr. %., 2)ie Unterfuc|ung unb 33elmnblung getftig 



— ÖO — 

gurücfgebliebener Sxinber. 33erlin, 33. 33., 1898. — £ o b f i e n , 3ft a r r, , 
llnterfuojung über bas ©ebäcf)tnis bei S$macl)befäf)tgten. ^interferier 
3af)rg. 8. — © e r f., Über bie SÜusfage unb SBtrElicfjEeit bei imbezillen, oer- 
glichen mit normal begabten Scfmlfinbem. 33eitr. g. ^fnrf). b. 2lusf. 
^b. 2 £. 4. — 2 o b e , feeld)e (Erfahrung Ijat man mit ber 3ntelligenäprü- 
fungsmettjobe 33inets befonbers bei Hnterfudmngen an Srfjmadjfinnigen ge- 
macht. 3* f* 93?*)- Scfjto. 1914 £. 8. — £ o e to t) , ^Beobachtungen unb Unter- 
fua^ungen an ben 5linbem ber £ilfsfcl)ulflaffen in 9Jieiningen. 2)iffertation 
1909, 6. 25. — £ücferatl), ©er §ilfsfd)üler. ipilfsfcf). 53b. 3, 225. — 
9Reumann, 2)er gegenwärtige 6tanb ber 9ftetl)obif ber SnteUigengprü» 
fungen. 3 e itfd)r. f. er,perim. s ^äb. 1910 £.11. — 9JU dj a e I 2lustoaf)l oon 
6d)ülern für bie £ilfsfd)ule. 3. f. Äinbf. 33b. 8, 268. — 2« i U a s , SBetdje 
Sdjultinber finb ben oon ber ©emeinbe 2Bien errichteten £ilfsfd)ulen gugu- 
toeifen? £eilpäb. 6d)ul= u. (Eltemgtg. 33b. 4 9tr. 7=8. — 9ft aller, Über 
Snteüigengprüfungen, ein Beitrag gur 2)iagnofti£ bes Sd)toad)finns. 2)iffer- 
iation, Berlin 1897. — 331 ü 1 1 er, $. 2B V Über ben 6d)toad)finn. 33er. üb. 
b. 3. 93erb. b. £. 2)., 1901. — Wl u r t f e I b , ©runbfä&e unb 9Bege gur gcft» 
fteKung geiftiger 2)efefte bei ödjultmbem. £ilfsfd). ißb. 5 £. 2. — 2) e r f., 
SJcaterial gur Prüfung oon Sd)ulfinbern, um geiftige 2)efefte feftgufteüen. 
£ilfsfd). <Bb. 5 $. 3. — Sß i p e r , §., ein 3Bort, bie $üf sflaff en ober £ilfs= 
fdmten betreffenb. 3. f. 33el). Sd&m. u. (Ep. 3uni 1890. — 2) e r f., 2)ie $ür= 
forge für bie fd)toad)finmgen 5Unber. 2>eutfct)e Sdmle 1897, 3. £eipgig, 
^tinl^arbt. — Sftanfdjburg, 33ergleid)enbe Unterfudjungen an normalen 
u. fdnoactjbefä^igten ödjulfinbern» 3» f* Hinbf. 33b. 11 £.5. — 9* e i d) e 1 1, 
(E., 2Öeld)e Hinber gehören in bie |>tlfsflaffen unb meiere in bie 3bioten= 
anftalten. 3- f* ^ e *)* §d)to. u. (£p. 1889 £. 5. — 6 a n c t i s , 6. be, Snpen 
u. ©rabe mangelhaft geiftiger (Enttoicflung. (Eos 1905 §.2. — 6 d) m i b t , 
3ur ^fndjologie ber £eiftungsreit)en non Sinet unb 6imon. £ilfsfd). 
1920, 1 — 6ommer, Dr., Sßfnd)opatI)ologifd)e Unterfudmngsmetljoben. 
33erlin 1899. — 2) er f., (Ein Schema gur Unterfud)ung oon 3bioten unb 
3mbegiHen für 3bioten= unb (Eptleptiferanftalten, £ilfsfd)itlen, 3mangs= 
ergieljungsanftalten unb oertoanbte (Einrichtungen, ^linif f. pfnd}. u. nero. 
äranö). 1907 33b. 3 £. 1. &aHe a. 6., 9)iarf)oib. — 6 1 e r n , Sie pfna)o- 
Iogifd)en 9fletl)oben ber 3nteEigengprüfung. £ilfsfd). 33b. 5 §. 4. — 2) e r f., 
Sie 2Retf)obe ber $Iuslefe befähigter 33olfsfd)üler in Hamburg. 3 eit f^ f* 
V'db, ^fna). u. e^perim. Sßäb. 1908 £. 3-4. — 2) er f., ©ie pfnc^ologifcl)en 
3Jlet^oben ber 3nteEigengprüfung unb bereu $lmoenbung bei 6ct)ul!inbern. 
(Siteraturangaben bis 1912.) Seipgig 1912. — 6 1 i e r , Sas |)ilfsfct)ul!inb 
in feiner pfmijifcfym (Eigenart. |)ilfsfcl). 1919, 7. — Stransft), Dr., 
3Bien, 3nteHigensprüfung. 32ßien. meb. 3Sod)enfc^r. 1909 9tr. 5 bis 7. — 
6trof)mar)er, Siagnofti! bes 6d)macl)ftnns. (Eng. |>bbc^. |>alle a. 6., 
9^arljoIo- — £1) i emif d), ^prof. Dr., 2RetI)oben ber SateHigengprüfung 
bei Kinbern, fpegieH bei fd)toacl)finnigen. 33erl)bl. b. 26. 33erf. b. ©ef. f. 
^inberl)eil!., Salzburg 1909. — 33 i lli g er, 2)ie (Er!ennung bes Sdur-ad)-- 
ftnns beim ^inbe. Seipgig 1913. — 33 o g t unb 3© e t) g a n b t , £anbbud) 
ber (Erforfdjung unb ^ürforge bes jugenb ticken 6d)rDad)finns. 3ena 1911. 

— Sftoebe, $iorfomsIi,3Q3olff, 2>te berliner 33egabtenf c^ule, i^re 
Organifation unb bie experimentellen 2netl)oben ber 6a)ülerausma^I. San- 
genfalga 1918, 33ener. — 3Barburg, Dr. med., ©as ^arbenerfennungs-- 
oermögen als 3ntelligengprüfung bei ^inbern. 3. f. ^inbf. 33b. 15, 338. 

— SB ei gl, 3ntelligenäprüfungen oon §ilfsfcl)ülem. 3- f- Äinbf. 33b. 18 
£. 8-9. — 3©enganbt, Dr., $frjtt>logifd)e Hnterfud^ungen fc^toacl)Finniger 
^inber. 33er. üb .b. 2. ^ongr. f. ejperim. Sßfr>cf)oL in SBürgburg. Seipgtg 
1907. — 2) e r f., Unterfudjungsfaften für fd)toac!)finnige £inber. Charlotten- 
bürg, 3. SJlüüer, 33erl. f. 6d)ull)r)g., 6panbauer Str. 10 a. — 3B i m m e r , 
Dr. 21., Über ^Iffogiationsunterfudjungen, bef. fd)toacl)ftnniger ^inber. 9J>o= 
natsfd)r. f. ^fndi). u. 5Reurol. 1902, 2. — 3 i e l) e n , Dr. S§., (Er!ennung bes 



— 61 — 

angeborenen 6d)toad)finns. 3 e it?d)t. f- 6d)ulgefunbl)eitspfl., Hamburg 1907. 

— © e r f., ßrfennung bes Sdjroadjfinns im Kinbesalter. Berlin, (5. Karger. 

— 5) c r f., ©ie ^ringipien unb 3ttetl)oben ber 3ntelligenäprüfung. 3. 9lufl. 
Berlin 1911, 6. Karger. — © e r"f., Über bas SBefen ber Beanlagung unb 
iljre metfyobifdje (Brforfdjung. £angenfalga 1918. 

$IItenburg, O., Sie Kunft bes pft)d)ologifd)en Beobad)tens. Berlin 
1898, 9\e.utl)er & 9ietd)arb. — Bergan, ©er neue ^erfonalbogen. £ilfs= 
fd). 33b. 6 $. 7. — Büttner, 3e&tger 6tanb ber §rage eines ^erfonal- 
bogens für bie Jpilfsfdjulen. 3« f. Bei). 6d)to. 1910, 97. — © e l i t f d) , 
(örunblinien §ur pfnd)oiogifd)en ©iagnofe in ber ipilfsfdmle. Säd)f. 6dml= 
gtg. 1904. — ffren&el, gr., ©as <perfonalf)eft im ©ienft ber 6d)road)= 
finnigenbilbung. 3» f* ^ e 6» ©dp. u. (£p. 1902 £. 9-10. — gudjs, $L, 
6d)toad)finnige Kinber, il)re fittlidje unb inteEeÜuelie Rettung, (Mterslolj 
1904. — ip e n g e , $L, (einige Bemerkungen gur $rage bes einfjeitlidjen 
^erfonalbogenfa)emas. |)ilfsfd). Bb. 2, 274. — % o r r i r, , £., ©er Sßer= 
fonalbogen in ber ipilfsfajule. 53er. üb. b. 4. Berb. b. £. 9., 1907. — 
Kannegießer, (£., Überfid)t über bie bei $lbfaffung ber (X^aralteriftüen 
fd;road)[inniger 6d)üler gu beobadjtenben SDlerfmale. 3 e itfa)r. f. 6d)ulge= 
funbfjeitspfi., Hamburg 1898. — Kielljorn, £., ©er ^ßerfonalbogen in 
ber £ilfsfd)ule. £ilfsfd). 33b. 3 §. 1. — K I ä b e , Kart, Anleitung gur s ^tb= 
faffung oon Sd)ülerd)ara!terifti!en. Seipgig 1901, äRerferburger. — K ö l = 
I i n g , (£., (EI)arafterbilber fdjroadjfinniger Kinber. 3 c ttfd)r. f* pöö. ^ft)d). 
ufto., Berlin 1905. — Kühner, %., ©as Sebensbud). Kinberfefjler 1897. 

— 9Jt a e n n e l , Born ipilfsfdjulroefen. ßeipgig 1905, Seubner. — 
dJl ä t f d) ! e , 2ö., Sie Bebeutung, (Einridjtung unb güfjrung üon Sdjüler- 
d)ara!terifti!en OPerfonalbogen), Breslau 1907, Spriebatftf). — Martina!, 
SBefen unb Aufgabe einer 6d)ülerfunbe. Ber. üb. b. Kongr. f. Kinberf. u. 
3ugenbfürf. £angenfalga 1907, Bener. — 3JI a r t i n i , ©er Sßerfonalbogen. 
£iifsfd). Bb. 2, 315. — 91 ö II , Vlcui) melden ©efid)tspun!ten finb £tlfs= 
fd)üler §u beobadjten unb im Sßerfonalbogen gu d)ara£terifieren ? £ilfsfd). 
Bb. 6 £. 8-9. — 9U d) t e r , K., ttberfidjt ber bei ber ^tbfaffung tum &i)axat= 
teriftüen ber Kinber einer 6d)roaa)finnigenfa)uIe gu beadjtenben äftertmale. 3» 
f. Bei). 6d)tc. 1894 £. 5=6. — 6 d) r e f f unb Steinhaus, ©as fd)roaa> 
finnige Kinb in ber normalen Botfsfdmle. 2. ^ufl. Arnsberg i. 2B. 1914. 

— 6 d) ro a r § , (£mil, ©er Sd)ülerperfonalbogen. Berlin 1904. — Z r ü = 
per, 3v ^3erfonaIienbua^. Sangenfalga 1905, Bener. — © e r f., 6d^ema 
gur ^eftfteüung bes Ieiblid)en unb feelifd)en 3wftonbes eines Kinbes. 
Kinberfe^ler 1897 £. 5--6. — U l r i § , ©er 6a)roaa)finn bei Kinbern, feine 
anatomen ©runblagen, feine Urfadjen, feine Beratung. Ber. üb. b. 4. 
fdjmeig. Konf. f. b. Sbiotenmefen, 1903, 31. 



3* 6^uleintic^tunsem 

6 d) u I b a u e r. — (Es tourbe bereits barauf fyingetDtefert, 
baß bie §ilfsfc^üler getoöljnlid) erft eine ätüeijäfyrige Sprobegeit in 
ber 93oIfsfd)uIe burd)mad^en muffen, beoor fie ber Jptlfsfdjule 
überroiefen roerben. 33et biefem 33erfal)ren lommen als 6d)ul= 
bouer für bie §ilfsfd)ule nur fed)s 3oI)re in 33etrad)t. 3)as ift 
aber eine 3^it, bie feinesroegs als ausreid)enb für bie 2lusbit 
bung ber §ilfsfd)üler erachtet roerben fann. 5)ie 6d)itlbauer für 
bie Srilfsfdjule müßte ebenfalls ad)t 3af)re umf äffen, alfo bicfelbc 
ßeitbauer, roie fie für bie 9tormaIfd)ule gur ^Inroenbung fommt. 
SDtc ipilfsfd)üler roürben bann erft mit bem oollenbeten 16. £e= 



— 62 — 

bensjaljre gur Entlaffung kommen. 3)ie £ilfsfd)ule bürfte aud) 
otjne weiteres bas 9kd)t befifeen, ifyre 6d)üler bis gu biefem 3eit= 
punfte äurüdguberjalten, wenn fie mit 93egug auf bas ^lügemeine 
£anbred>t, Seil II, Site! 12, § 46, geltenb machen woEte, ba$ iljre 
6d)üler nid)t früher bie erforberlidje geiftige unb fittlidje Steife 
gut (fntlaffung erlangen, ©od) gur $ermeibung oon unliebfamen 
Erörterungen unb 6treitigfeiten wäre es beffer, bie 6d)ulbauer 
für bie £ilfsfd)ule (aud) für bie 5°^bilbung5fd)ule) im 2Bege 
gefefclidjer 93 eft immun gen genau §u begrenzen. Es 
müßte alfo eine acfytjäfyrige 6d)ulbauer für bie £ilfsfd)ule gefol- 
tert werben, beginn berfelben mit bem ooEenbeten aalten unb 
Enbe mit bem ooEenbeten fed)gel)nten £ebensjal)re. 93ei befferer 
^usbübung ber 3nteEigen3prüfimgsmett)oben wirb es möglid) 
fein, ben beginn ber £ilfsfd)ulgeit auf ein früheres Filter, oiel- 
Ieid)t fogar auf bas fiebente b%vo. aud) fdjon auf bas fed)fte £ebens= 
\afyt feftgufetjen, oorausgefefet, ba% bie förperlicrje Entwidlung 
aud) entfpretfyenb t>orgefd)ritten ift. 3n Englanb umfaßt bie 
6d)ulpftid)t für geiftesfc()wad)e Hinber bie 3^t oom ad)ten bis 
3um ooEenbeten fed)gel)nten 2ebensjat)re. 6ie ift burd) ein (£>e-- 
fe£ in biefer 3Beife oorgefeljen; in ber Sßragis iebod) foE fie nid)i 
fo ftreng burd)gefüt)rt werben. 

3ur 33egrünbung unferer "Jorberungen ift folgenbes angufül)-- 
ren. ©eiftesfd)wad)e 3Befen bleiben länger als ooEfinnige 9ften= 
fd)en im S^ftanbe bes ^inbes, barum bebürfen jene aud) einer 
längeren ^usbilbungsgeit als biefe. ^lußerbem werben 6d)wad)= 
finnige fid) geiftig unb fittlid) niemals aud) nur annäfyernb fo 
ftarf wie normale 9Jienfd)en erweifen; aus biefem ©runbe muffen 
Ergietjung, Unterridjt unb Überwachung aud) in einem fpäteren 
Filter als bei ^oEfinnigen obwalten. ©efatjrooE für faft jeben 
2ftenfd)en finb bie 3at)re ber Sßubertätsentwidlung, insbefonbere 
aber für ben 6d)wad)finnigen. ©iefer Umftanb oerlangt es, ba§ 
bie geiftesfd)wad)en 3ugenblid)en wäljrenb biefer 3^t nod) unter 
bem 6d)u£e ber Ergieljung verbleiben, bamit fie nid)t ben (5e= 
fahren ber $erfül)rung unb bes fittlidfyen ^erberbens anljeimfaEen 
unb bann gewörjnlid) erliegen. 

S^üdoerfefeung. — 3)ie £>ilfsfd)ule geigt in il)rer Ent- 
widlung beutlidji brei Entwidlungsftufen — $erfud)sanftalt, 
9tad)t)ilfeinftitut unb felbftänbige 6d)uleinrid)tung. 3)ie erften 
§ilfsfd)uleinrid)tungen waren in ber Sftegel einzelne % e r f u d) s = 
Haffen, in welchen mit ge>iftesfd)road)en ^inbern nad) bem 
SBeifpiele ber 3biotenanftaIten 93iIbungsoerfud)e angefteEt rout-- 
ben. SRacfybem mehrere geglüdte $erfud)e ben ^Beweis erbradjt 
Ratten, ba§ foldje SÖlaßnarjmen im 3ntereffe ber geiftesfdhroad)en 
^inber geboten roaren, fdjritt man gut $ermet)rung ber klaffen 
unb gliederte fie $unäd)ft ben befteljenben EIementarunterri(^tsan= 
ftalten an. SJlan ging babei oon ber (Brroägung aus, ba$ bie 



— 63 — 

^inber bei fortgefcfyrittener (Entwidlung btn allgemeinen 6d)uien 
gur weiteten Ausbilbung §u überweifen wären. (Es würbe barum 
nad) einer längeren ober ruberen Seit mit einer SUngatyl con 
Wintern ber £ef)rftoff ber unterften 9cormalflaffe burcfygearbeitet, 
unb bann fanb bie 93erfet}ung in bie 9Rormalfd)ule ftatt. 3)ie 
6d)ulHaffen für geiftig fcrjwacrje ^inber erhielten baburd) bie 93e= 
beutung oon Waü) t) i l f e f l a f f e n unb [teilten eigentlich) nickte 
©anges unb nichts falbes bar. 2Bät)renb bei einigen, meift beffer 
beaniagten S^inber bie ^Berfefeung balb möglid) würbe, fam fie 
bei ben minberbegabten erft oiel fpäter, guweilen aud) garniä)t in 
^rage, roeil man mit ben legten nid)t einmal bas 3*^ ber Unter= 
ftufe §u überwältigen imftanbe mar. 

Sine eigenartige 93 e f) a n b l u n g erfufjr bie ipilfs-- 
fcfyulbewegung §u Berlin, $luf Anregung maßgebenber ^erfön* 
lid)feiten faßte man tjier ben Sßlan, als Stftittelglieb gwiferjen ben 
3biotenanftaiten unb ben 9cormalfd)ulen Sftebentlaffen gum 3mecfe 
einer üorübergef)enben 9cad)l)ilfe mit bem (Enbgiel einer $erfet;ung 
in bie 9Rormalfd)ule ober einer Überweifung in bie $lnftalt ein= 
gurid)ten. öämtlicfye SRebenflaffen rourben besfyalb ben 93oIfs= 
fdjulen angegliedert. SHe betreffenben Slinber erhielten in man= 
d)en gädjern Unterricht in ber 9tormalfd)ule; in ben ipauptfäd)ern 
rourben fie gmölf Stunben wöd)entlid)! befonbers unterrichtet. 
3)ie 6d)üler foHten baburd)i für ben gefamten Unterricht in ber 
9cormalfd)ule befähigt werben, ©od) fcfyon nad) furger 3eit fteilte 
fid) bie Ungulänglid)! eit biefer (Einrichtung heraus, benn 
nur äußerft wenige Slinber fonnten bex iBoIfsfdjuIe überroiefen 
roerben, unb felbft bie überwiefenen entwidelten fiel) tjter nid)t fo, 
roie man es erwartet rjatte. 

3)ie SHüdoerfeijung Ijat fid) faft überall als unoorteilljaft er= 
wiefen. 3)ie Slinber oermodjten bem fdjnelleren Unterridjtsäeitmatf 
bes $olfsfd)utunterrid)ts nid)t gu folgen, fie blieben oon neuem 
gurücf unb oerfümmerten ütelfac^ geiftig unb leiblid). 2Bieberf)oIt 
mißglücfte 93erfud)e führten fd)Iießlid) gu ber Überzeugung, ba% 
l)ier bte 93olfsfd)uIe nichts nützen tonne, fonbern ba% nur f e l b -- 
ft ä n b i g e <pilfsfd)ulen mit eigens angepaßten Unterrid)tsmaß= 
nafjmen wirffam §u Ijelfen imftanbe wären. 

6o erwuchs aus ber Sßrarjs unb (Erfahrung aflmäf)Iid) bie 
über§eugenbe (Erkenntnis, baß nur auf bem 2Bege bauernber 
Abtrennung oon ber $olfsfd)ule unb burd) 93 e g r ü n -■ 
bung felbft an biger 6d)ulanft alten ben geiftig fd)wa-- 
d)en ^inbern gebient würbe. 5)iefe Anficht errang nad) unb nad) 
bie fr>errfd)aft auf bem ©cbiete ber §ilfsfd)itlbewegung unb be= 
f)auptet fie auch jetjt nod). 

$iel gur 'Jörberung biefer Angelegenheit trugen bie (E r - 
gebniffe ber (Erforfcfyungen bei, weld)e man be ( ^üglid) bes 
Sßef e^s ber ©eiftesfd) wäd)e mit ber &\t gewonnen Ijatte. 2lls 



— 64 — 

bie unumftbßlidje 2£al)rl)eit, bag bie ©eiftesfd)wäd)e nid)t geseilt 
werben tonne, allgemeine $inerfennung fanb, war aud) bie 9tot= 
wenbigfeit unb 5)afeinsbered)tigung felbftänbiger £ilfsfd)ulein-- 
rtdjtungen wiffenfdjaftlid) erwiefen. 9[Ran farj ein, baß butd) 
einen geeigneten Unterridtjt ber SBeftanb an intellektueller Kraft 
wof)l ausgeübt unb ein im befdjeibenen ©rabe erfprieglidjes 
Seelenleben geführt werben !ann, aber man gewann aud) bie 
Überzeugung, ba§ geiftesfd)wad)e Kinber niemals in bem ^aljmen 
ber allgemeinen Sßolfsfdjule gorberung erfahren werben. (Es 
lönnen für fie mithin nur felbftänbige 6d)uleinrid)tungen in 95e= 
trad)t fommen, aEe anberen 9Jtofmaf)men, alfo aud) eine Über-- 
roeifung in bie Volfsfdjute bei geförderter (Entwicklung, erweifen 
fid) als nuglofe 93emüf)ungen unb finb barum gu oerwerfen. 

Klaffenbefefeung. — 5)er Volfsfd)ulunterrid)t ift 
burdjweg Ktaffenunterrid)t. £>as 6d)ülermaterial ber 
|>itfsfd)ute aber erweift fid) 1 in ber Siegel fo oerfd)iebenartig in 
feiner Veranlagung, baß ein Klaffenunterrid)t anfänglid) unmög-- 
lid) erfdjeint. 3n einer frifd) gebilbeten Unterflaffe ber Silfs-- 
fd)itle befinbet fid) gewöfjnlidi) ein ©emenge t)on fd)wad)en $kga-- 
bungen. 3eber 6d)üler ift meift abweidjenb twn bem anberen 
geartet unb veranlagt. 2lud) finb bie ©rabe ber ©eiftesfd)wäd)e 
fo t>erfd)iebenartig, ba% nur wenige gemeinfame Angriffspunkte 
für ben beginn ber unterrid)tlid)en (Einwirfungen geboten wer= 
ben. (Es wirb besfjalb nid)ts anberes übrig bleiben, als gunäd)fr 
nur (Eingelunterrid)i ober kleinen ©ruppenunterricfyt gu 
erteilen, 2Bäl)renb ber 2et)rer fid) mit einem Sdjüler ober einer 
6d)ülergruppe abmüht, um eine Jertigfeit, ein Können ober ein 
üöiffen gu erzielen, muffen bie anberen Kinber gwecfmäßig be= 
fd)äftigt werben. 9ftand)e Sdjüler nehmen bzn 2e|rer ausfdjtieft-- 
lid) für fid) allein in Anfprud), fei es gur (Erfaffung einer 6ad)e 
ober gur ^Bewältigung einer Übung. §>iefe (Eigentümlidjleit bes 
erften Unterrichts bewirft, ba§ innerhalb einer 6d)utftunbe nur 
eine fefyr befdjränfte S^t für bie ^Betätigung bes (Sangen ber 
Klaffe übrig bleibt. S)as geiftesfd)wad)e Kinb aber oertangt oiel 
^Betätigung, wenn es oorwärts fommen foE. 2)arum ift bie 
6d)ülergat)t für bie unteren Stufen ber §ilfsfd)ule, bamit aud) 
jebes Kinb gu einer erfprieftlidjen ^Betätigung fommt, nur anwerft 
gering gu bemeffen. 6inb fpäter bie ©runbbebingungen für 
einen gebeitjlidyen ©ruppenunterridjt gefdjaffen, fo fann auf ben 
folgenben 6tufen ber 6d)üterbeftanb etwas erl)öl)t werben, ©od) 
aud) bann barf bie 3c# föne 9™ße f e * n / °^ nn * m wefenilidjen 
l)at ber |>ilfsfd)uttel)rer mit ben oort)er begeidjneten 6d)wierig= 
feiten ftets gu redmen. (Ein ftreng inbioibueller Unterricht wirb 
immer bie widjtigfte bibaftifdje 5 oroerun 9 für bie £ilfsfd)ule 
bleiben, weil fonft eingelne Kinber nie auf iljre 9kd)nung fommen. 

(fine anbere (Eigentümlicbfeit bes £ilfsf<fyulunterrid)ts be= 



— 65 — 

ftetjt barin, baß häufige unb mürjeoolle Übungen oor= 
genommen roerben muffen, bie nur bei einer geringen 6d)ülerjal)l 
mit (Erfolg burd) geführt roerben rönnen. 3n ber l>ilfsfd)ule muß 
ber ßerjrer oorroiegenb alles allein erarbeiten, ba fommt nid)ts 
oon felbfr. $lus tiefem (örunbe roerben nid)t nur tjäufige Übun= 
gen, fonbern aud) 2Biebert)olungen am ^la^e fein, beren Erfolg 
nid)t jum minbeften oon einer geringen 6d)üleräal)l abhängig fein 
roirb. 

Nebenbei ift ber £rilfsfd)ullel)rer aud) nur ein Sftenfd) 1 , ber 
nicfyts Unmögliches ju leiften oermag. 9hm läßt es fi<fy aber mit 
einer geringen 6d)üler3al)l entfdjieben leichter arbeiten unb beffer 
oormärts fommen als mit einer größeren. 2>esrjaib märe bie 
^ergünfttgung einer fd)toad)befej}ten Klaffe aud) im 3ntereffe bes 
2el)rers geboten, ba er orjnerjin nod) manche anbere Obliegen^ 
Reiten im $ilfsfd>ulbienfre ju erfüllen r)at, bie feine Seit unb 
Sftürje genugfam erforbern. 

2)ie Jpilfsfdjute foll oorroiegenb einen er jiefyltd) en a\)a= 
ralter roaljren. 3>amit fie tiefer ^orberung gehörig ^ed^nung 
tragen fonn, erfdjeint eine mä ß i g e bgm. geringe 33efefeung aller 
Klaffen nid)t nur erroünfd)t, fonbern aud) erforberlid). S)ie (Er= 
xttjrung r)at oielfad)i gegeigt, baß überall ba f too ber 6d)ülerbe= 
tanb ber Klaffe bie Qdfyl 20 üb er fd) ritt, bie (Erfolge nidjt auf 
gleicher §örje mit ben (Ergebniffen ftanben, toie fie in gering 
befe^ten Klaffen bei benfelben Unterridfytsbebingungen erhielt 
mürben. (Es fpredjen alfo für eine geringe 6d)ülergal)I in ber 
£ilfsfd)ule u n t e r r i cfy 1 1 i d) e , e r $ i e t) l i d) e unb Rumäne 
förünbe, benen eigentlid) nur finanzielle (Erwägungen ent-- 
gegengetjalten roerben fönnen. 2Benn ber preußifdje Unterrid)ts= 
minifter in feinem (Erlaffe oom 16. 3uni 1894 bie 6d)ülerjal)l 
einer grilfsfdjulflaffe bis auf 25 fteigen laffen roiE, fo fprid)t 
baraus nur bie 9tücffid)tnal)me auf bie oielfad) ungünftigen $er= 
t)ältmffe einzelner ©emeinben. $lud)i mürbe ber (Erlaß §u einer 
Seit oeröffentlidjt, als man nod) nid)t maßgebenbe (Erfahrungen 
in biefer 33egier)ung gefammelt Ijatte. (Es gibt jetjt bereits mehrere 
6täbte, roeldje eine erljeblid) geringere Klaffenbefefeung oerlan'= 
gen, als fie ber ermähnte (Erlaß oorfierjt. 

2)er Skrbanbstag beutfcrjer §ilfsfd)ulen r)at fid> für eine 33e= 
fefeung oon 20 6d)ülern für bie Klaffe ausgefprodjen. Dr. ® ö r t e, 
^Breslau, oerlangt, baß bie 3aJ)l 12 bis 15 nid)t überfd)ritten 
merben bürfe, unb ^rof. Dr. ^xt^zn, fpalle, gel)t fogar auf bie 
3atjl 8 bis 10 rjerab. fiüx $orflaffen mag biefe 3<*fjl gelten; für 
bie Unterflaffen bürfen 15 6d)üler in 33etrad)t fommen, unb für 
bie 9Jattel= unb Dberflaffen fönnte bie Klaffenbefetjung bis auf 
20 errjötjt roerben. darüber rjinausgugetjen, märe unter feinen 
Umftänben ratfam. 2)ie 23eftimmungen über bas berliner öilfs-- 
fd)ulroefen 00m ©egember 1911 fetjen folgenbe 9iormalfrequen^ 



— 66 — 

feft: Unter ftufc 18, SWittelftufe 20, Oberftufe 22 unb Klaffen für 
6d)wert)i)rige 12 hinter. 33ei einer folgen 23emeffung ber 
<5d)üler3aI)I bürften nidjt nur Unterricht unb (Ergietjung nidjt gu 
furg f'ommen, fonbern es würben aud) ben Kommunen nid)t 
all^u unerf d)w in gl id)e finanzielle Opfer auferlegt 
werben. 

3n ber Sß r a j i s ift eine geringe Kiaffenbefe^ung fdjon triel-- 
fad) üblid); fo betrug 3. SB. bie burcfyfcrjnittlidje Klaffenbefe^ung 
ber Königsberger £ilfsfd)ulen am 1. Oftober 1913 nur 17 bie 
18 Kinber auf bie Klaffe. 

Klaffen u n b 6 1 u f e n. — 2)ie befteljenben |rilfsfd)ulen 
fyaben mit einigen Ausnahmen in ber Siegel mit einer Klaffe 
begonnen. SOfät pnetjmenber 6d)ülergaf)l unb je nad) 23ereit= 
wtlligfeit ber ©emeinben rourben weitere Klaffen l)tn§ugefügt. 
3n ber £auptfad)e wirb fiel) 1 bie Organifation ber £ilfsfd)ule nad) 
bm jeweilig in 93etrad)t fommenben örtlichen 93 e r l) ä 1 1 = 
niff en ridjten muffen. $olfreid)e Orte fönnen reid) gegHeberte 
£ilfsfd)ulen fdjaffen, wäfyrenb (Semeinben mit geringer ^olfs^aljl 
nur Sdjülermaterial für einflaffige ipilfsfcfyulen befitjen werben. 
(Erfahrungsgemäß finbet fid) in Orten oon 10 000 (Einwohnern 
an eine hinlänglich genügenbe 6d)ülerja^l für einflaffige §ilfs= 
faulen, Sctjmibt, SBernigerobe, meint fogar, bafc auf 3000 
(Einwohner eine £ilfsfd)ulflaffe mit 15 6d)ülern ftd) ergeben 
würbe. 

3>ie einflaffige Jpüfsfdjiule roirb aber ftets nur einen 
SRotbeljelf bebeuten, ba fid) in itjr mit ber &\t meiftens mehrere 
aufeinander folgenbe Abteilungen mit aflmätjlid) anfteigenben 
ßetyrgielen ausbilben, bie es unmöglid) madjen, baß ein 2el)rer 
bzn nun an iljn tjerantretenben 5 oroerun 9 en °*) ne ©djuben für 
fid) unb für bie Scrjüler geredjt roerben fann. 3)er große Unter* 
fdjieb, welcher bei ben Sdjülern ber etnflaffigen §ilfsfd)ule be- 
fielt, eigentlid) tonnte man l)ier fagen, bafj ein jeber Scrjüler eine 
Abteilung für ftd) bilbet, erfdjwert bie Aufgabe bes Seljrers gan§ 
bebeutenb. 2Bät)renb einige Kinber bereits eine geroiffe ftertigfeit 
erlangt rjaben, muß er fid) mit anberen (5d)ülern bei bemfelben 
Unterridjtsgegenftanbe nod) roie in ben erften Sagen abmühen. 
Seine Arbeitsfraft wirb baburd) ungeheuer gerfplittert, unb bie 
Seit, meiere er ber einzelnen Abteilung gu toibmen oermag, !ann 
in ber Siegel nur fur^ bemeffen fein, fo baß gewörjnlid) tro£ reb-- 
lidjen 93emül)ens fein rechter ^Jortfc^iDitt gu ermöglichen fein roirb. 
(Es wären bal)er fo balb roie möglid) 3 ro e i Klaffen einzurichten, 
roooon bie untere l)öd)ftens pei Abteilungen (Anfänger unb 
etroas ©eförberte) erhalten bürfte, unb bie obere ebenfaüs §wei 
Abteilungen umfaffen würbe. 3n ber Unterflaffe oerbleiben bie 
6d)üler gwei 3al)re, in ber Oberflaffe trier 3ol)te; ein bis §wei 
3at)re werben für ben 93efud) ber SBolfsfdjule gerechnet, fo ba§ 



— 67 — 

oie gefamte 6djul§eiit banad) ad)t oolle 3al)re umfaffen roürbe. 
Auf biefe 2Beife roürbe bie groeiflaffige £ilfsfd)ule oier 6tufen 
erhalten, bie allenfalls ausreid)en bürften. 

2ftan fyat fid) in bei* etnflaffigen |>ilfsfd)ule baburd) gu fyelfen 
gefudjt, baß man nur alle groei 3al)re neue 6d)üler aufnahm. 
3fyret fölieberung nad) roirb bie eint'taffige £ilfsfd)ule brei Ab-- 
teilungen ober 6tufen aufroeifen, biie jebod)| l)auptfäd)tid) nur im 
Sftedjnen bgto, audj im 2>eutfd)en in 23etrad)t fommen. 3roecE= 
mäßiger roirb fid) bie b r e i ! I a f f i g e £ilfsfd)ule erroeifen. 3ebe 
klaffe roürbe einer Unterridjtsftufe entfpredjen, allerbings mit 
^roei Abteilungen, fo baß bie gan#e 6d)ule fedjsfrufige ©lieberung 
befäße. 2Benn ju biefer (ölieberung nod) eine fog. SBorftufe 
als 6ammelfteEe für geiftig tiefftetjenbe S^inber, bie erft unter= 
rid)tsfät)ig gemacht roerben follen, rjingurüme, bann gäbe bas eine 
Drganifation, bie ungefähr ber fiebenftufigen ©liieberung unferer 
93olfsfd)ulen entfprecrjen unb eine §iemlid) roeitgeljenbe 3nbioi= 
bualifierung geftatten roürbe. 

5)a fd)road)finndge i^inber in jebem 3at)re p einem beftimm= 
ten 3*el itjrer (£ntroidlung gebraut roerben lönnen, fo ift nad) 
9ftöglid)f eit für j e b e s § i l f s f d) u l \ a f) r eine klaffe an^u= 
fefeen, roie es aud) bie 3)auer ber £>ilfsfd)ul3eit naturgemäß oer= 
langt. 3ebe anbere Drganifation roäre unnatürlich unb täte ber 
natürlid)en (rntroidlung S^ang an* S)ie fedjs auffteigenben Ma[= 
fen umfaffen bann brei 6tufen, Unter--, 90föittel= unb Oberflufe 
mit je groei 3ar)rgängen, jebe klaffe ptte alfo irjren eigenen 
3at)rgang ober it)r eigenes 6d)uljal)r. SBet größeren Jpüfsfd)atll= 
förpern können Sßarallelflaffen eingerichtet roerben. ®iie 
$orftufe (6ammelflaffe) roirb aud)' bei einer fedjsflaffigen §ilfs= 
(d)ule befielen bürfen. 3Benn bie Sltnber aus il)r fid) ntd)t in ben 
£älfsfd)ulorgantsmus einreiben laffen, bann ftnb fie ber 3bioten= 
anftalt p überroeifen. 93ei bem $orrjanbenfein oon "ißaralle^ 
flaffen barf bie ©lieberung nid)t ettoa in ber 3Beife erfolgen, baß 
eine ^arallelflaffe bas beffere unb bie anbere bas fd)led)tere 
<5d)ülermaterial verteilt erhielte, unb baburd) ein 1 to e i 1 ü g i -- 
ges 6t)ftem eingeridjtet roürbe. SHefe Art ber 6onberung bes 
6d)ülermaterials ift in größeren Saubftummenanfralten üblid); 
il)re Sßarallelflaffen ftnb mit 35e§ug auf bie 5ät)igEeiten ber 6d)ü= 
ler eingerichtet $ielfad) befielt in ber Drganifation fogar ein 
breigügiges 6i)ftem. 5m bie £>ilfsfd)ule liegt ein berartiges 53e= 
bürfnis nid)t oor, ba ja burd) bie Ausfd)eibung aus ber SRormal-- 
fdjule unb burd) bie Überroeifung bes fd)Ied)teften 6d)ülermate= 
rials an bie 3biotenanftalten eine toeitgel)enbe ^Differenzierung 
ftattgefunben t)at (£in groeigügiges §ilfsfd)ulfi)ftem roürbe 
im übrigen eine äfjnlidje (£inri(^tung aufroeifen, rote fte bie 
§aupt-- unb 5°r° er ^ a ff en für Normale bes 9Jlannl)cimer 6d)til- 
ftjftems barftellen. 3^ tocit barf eben bie 6onberung im 3"tcrcffe 



— 68 — 

beö 6d)uIorganismus nid)t burd)gefül)rt roerben, fonft föme man 
p lauter fleinen 6onbergruppen unb bamit pm (Eingelunter= 
rid)t, ber roorjl erroünfd)t, aber unmöglid) burdjfüljrbar roäre. 33et 
ber jefeigen ©Iieberung unferer mefrüaffigen £ilfsfd)ulen liegt 
bie ö>efaf)r einer falfdjen (Einglieberung ber 6d)üler toot)l aud) 
nid)t meljjr cor. 

(Einen beachtenswerten 93orfd)Iag für bie Einrichtung oon 
SßaraMflaffen, namentlich) für größere §ilfsfd)ulen, mad)t Dr. 
2ö e rj r 1) a f) n. (Er empfiehlt p ber 6., 5. unb 4. klaffe ber fed)s= 
ftufigen §tlfsfd)ulc Sßarailelflaffen einzurichten, aber bie 3., 2. 
unb 1. klaffe einfad) p belaffen. 2)ie 3. klaffe nimmt bann bie 
oerfe^ungsfälngen 6d)üler ber beiben 4. klaffen auf. 3)iefe (Ein- 
richtung roürbe oerf)inbern, baß bie oberen klaffen fdjroad) befetjt 
blieben. SBoIlte man ben Sdjüler beftanb ber oberen klaffen aus 
ber 9tormalfd)ule ergänzen, fo roürbe bae §ilfsfd)ule ben (Efyaraf= 
ter einer 9ßacfjrjilfefd)ule erhalten. 

3n größeren Orten müßten bie 6d)üler, roenn nur eine Silfs-- 
fdjule befränbe, roeite 6d)uIroege prüdlegen. 3)esf)alb fjat 
man rjier in ben oerfdjiefrenen 6tabtteilen £ilfsfd)ulen errichtet, 
um bie 6d)uIroege nad) 2ftöglid)feit p oerturgen unb bie (Ein= 
fd)uiungsbegirfe p oerfleinern, befonbers aud) im 3tttereffe einer 
überfidjtlidjen 3)urd)fürjrung ber $ilfsfd)ul= roie ber gefamten 
6d)uIorganifation. 6o befielen in Hamburg 12 felbftänbige £ilfs= 
fdjulen, in ^Breslau 11 ufro. Rubere Orte, %. 53. £eip§ig, galten 
an ber 3entraIifatton ber ipilfsfdjulflaff en feft, b. rj. f ämt= 
Iid)e klaffen finb in einem central gelegenen ©ebäube mit §of 
unb ©arten p einem felbftänbigen, großen 6d)uIorganismus oer= 
einigt. 3)iefe Organifation foH Vorteile bieten, bie im roefent-- 
lidjen barin befreien, 

„1. ba§ bann in einer klaffe immer nur eine Abteilung unterrichtet 
§u roerben braucht, roäfjrenb bie oerftreuten Stoffen einflaffige 
6dmten mit otelen Abteilungen barfteßen; 

2. baft bie ftäljigfetten ber Rinber bis §ur äußerften äRögliajfeit 
ausgebübet roerben tonnen, roäfyrenb es in ben oerftreuten klaffen 
an 3eit unb Straft gebricht, biefes 3iel ä" erreichen; 

3. ba^ bie (£rgief)ung burd) bas Suf ™™^.^ 11 ©Ietdjaltrtger unb 
©leidjartiger erfolgreicher roirfen fann, roäfyrenb fie in jerftreuten 
klaffen oft geftört unb gerfpltttert urirb burd) bie gleichzeitige 
53ef)anblung aller 9Uters= unb (Bntroicflungsftufen; 

4. ba^ bie Unterrichtsarbeit an ben ^tnbern burd) bas 3ufammen= 
unb 3netnanberarbetten ber £ef)rfräfte eine einheitlichere roirb 
unb bie beften unb turgeften 9ftetf)oben fdmetler oerbreitet roerben." 

Übergroße 6d)ulft)fteme, gan§ gleid) roeldjer 6d)uIorganifa= 
tion, fud)t man nad) SOlöglidjfeit einpfdjrönfen, um ben (Hjaraf-- 
ter oon Sdjulfafernen nid)t auflommen p laffen. SHefer 
limftanb roäre t)auptfäd)lid) bei ber (Einrichtung oon §ilfsfd)ulen 
p erroögen. STnbers liegt bie 6ad)e bei ber 3 e n t r a li f i e = 
rungfämtIid)er$Ufsfd)uIen einer großen 6tabt 



— 69 ~ 

in ber 5°^ m einer einheitlichen C&eftaltung bes ö r t -- 
I i d) e n £ilfsfd)uitoefens, toofüt g u d) s , Berlin, foi= 
genbe päbagogifd)e unb fo§ialfiirforgenifd)e ©efid)tspun£te bei= 
bringt: 

„1. Snnerfjalb einer 6tabt ift in 9iü<Jfid)t auf bie l)äufig oortommen-- 
£>en Umfajulungen eine mögltdjft gleichmäßige Organifation fämtltdfjer 
Jpilfsfdfmlen notmenbig. 

2. Sie gUialflaffen muffen fid) bauernb ben benachbarten £ilfsfd)ulen 
organifd) angliebern. 

3. 3n ber 93efe&ung ber einzelnen klaffen bürfen nid)t längere 3 ß ^ 
©ifferengen befielen bleiben, bie buraj Slusgleid) mit benachbarten ipilfs« 
fdmlen ausgugleidjen roären. 

4. 93egüglid) bes Hnterrid)tsüerfal)rens bürfen bie §tlfsfcf)ulen ntdjt 
ifoüert unb fremb einanber gegenüber fielen, fonbern muffen burd) eine 
geroiffe ©leidjartigfeit, bie bie ^Bewegungsfreiheit bes einzelnen ^ßäbagogen 
feinesroegs gu befcf)ränfen brauet, miteinanber in ftütjlung treten unb 
bleiben. 

5. S)as umgufajulenbe £ilfsfd)ulfinb foEte aud^ roäljrenb ber Hm« 
fdjjulung nictjt ber gmforge entroten unb möglidpft fd)nell an bie (Stelle 
fommen, wo es fia) fofort roieber in ben Unterridjtsbetrieb unb bie (£r= 
gief)ung einfügen Jann. 

6. $ür e ™ e 9^§e 6tobt ift es nötig, bafj eine 3 e ntralfteHe fiä) für» 
forgerifd) um alle £ilfsfd£)ulfinber gleichmäßig lümmert, bie gefamten $ür» 
forgebeftrebungen ber Schule, (öemeinbe unb ber prinaten 9Bol)ltätig£eit 
überfdjaut unb füljrt unb aud) über bie 6d£julgett hinaus bas Seben bes ein* 
feinen ^inbes fürforgerifd) nerfolgt — mäljrenb ber £el)rgeit, ber erften er* 
merblia^en Sätigfeit, ber $ortbilbungsfcl)ulgeit, ber ©efteÜung gum 9Jiilitär 
unb bei etroaigen SBorlabungen nor ©eridpt. 9htr eine auf biefe 3i e ^ 9 e * 
richtete 3 cn tralifierung roirb imftanbe fein, bie mannigfaltigen (Eingelbe« 
ftrebungen gugunften ber 6cfyroad)finnigen gufammenguf) alten unb gu ber (Sei« 
tung unb 3öir!ung gu bringen, bie im 3ntereffe ber 5tinber gu roünfdfjen ift. 

7. Siefe 3entrale f)at fiel) gu einer päbagogtfct)en ^luslunftsftelle für 
alle aus ber 93et)öl!erung an bie 6dmlbel)örbe gerichteten l)eilpäbagogifdfj)en 
fragen auszubauen/' 

SUeine ©emeinben. — $on 3Bid)tigf eit erfdjeint Jjier 
nod) bie Srage nad) ber unterridjtlidjen SBerforgung fcfyroadjbe-- 
gabter ^inber in fleinen ©emeinben. 5)er 7. ^erbanbstag ber 
|>ilfsfd)ulen 2)eutfd)Ianbs (SUleiningen 1909) fyat fid) mit biefer 
Srage eingerjenb befdjäfttgt unb folgenbe $orfd)Iäge gemad>t: 

„1. ©emeinben in ber 9cäl)e oon 6täbten mit ipilfsfdmlen tonnen 
ü)re ftinber gegen ein entfpredjenbes (Entgelt in bie bort befteljenben §ilfs= 
faulen fd)icfen. 

2. Orte in birfjt beoölferten £anbftri(f)en tonnen fid) gur ©rünbunö 
einer gemeinfomen ^ilfsfdjule gufammenfd)lie§en. 

3. ©emeinben mit toenig bidjter iBeoölterung merben in i^ren 6d)ulen 
9^arf)f)ilfeunterrid)t erteilen muffen, bamit roenigftens etroas für i^re 
6d)toad)begobten gefö^el)en !ann. 

4. 2So feine iü)nlia)cn 33eranftaltungen gur unterrid)tlid)en 3krforgung, 
€a)U)arf)begabter getroffen roerben !önncn, ba finb ipilfsfdjitlen für ein« 
gelne größere ^Begirfe (in ^reu^en etroa 9\egierungsbegir!e) eingurid^ten." 

©egen bie $iusfüf)rungsmö gltd) feit biefer ^Borfd)läge fann 
eine gange 9ieil)e Don 23ebenfen geltenb gemacht roerben. allein 
einzelne anfange finb bereits glüdlid) in bie 5Bege geleitet mor^ 
ben, rote 3. 33. im ^erjogtum 2Reiningen, in Sljüringen unb in ben 



— 70 — 

Mfjeinlanben (Sireisfyilföfcfyulen), unb es fteljt gu erroarten, baß 
anberroiärts äfynlicfye 6d)iritte unternommen werben. 1 ) 

K o n f e f f i o n. — 93ei ber Organifationsfrage muß aud) ein 
ipinroets auf ben l o n f e f f i o n e II e n d f) a r a 1 t e r ber £tlfs= 
fcfyule erfolgen. ^Infängltd) maren bie ^ilfsfdjulen faft burdjroeg 
6imultanftf)ulen, b. fy. 6tf)üler üerfcfyiebener 33elenntniffe befug- 
ten bte §ilfsfä)ule frteblid^ nebeneinanber. 93or einigen 3af)ten 
ift jebocfy begüglid) bes fonfefftoneüen (Efyarafters ber |rilfsfd)ulen 
eine Snberung eingetreten, bie nicfyt im 3ntereffe ifyrer gebeil)= 
licfyen (Bntroicftung liegt unb befonbers in fywlpäbagogifcfyen Grei- 
fen unliebfam empfunben roirb. 3)ie 93eftimmung barüber lautet: 
„3ft für eine Slonfeffion eine £>ilfsftf)ul'e errietet, fo muß aud) 
für bie anbete eine folcfye eingerichtet roerben, roenn bauernb mefyr 
als 25 Slinber oorfyanben finft" (23eftimmung aus bem 6d)ulgefefe 
für Olbenburg com 4. Oftober 1910). 3n 23ead)tung biefer ge= 
fe&licfyen 33eftimmung gel)t man nun in anberen 3$unbesftaaien 
ebenfo oor, unb fo gibt es Orte, bie lebiglid) in Befolgung biefer 
SBorfdjrift groei Scfyulen, eine ec-angelifcfye unb eine fatfolifdje, 
roenn aud) nur einllaffig, einzurichten gepmngen finb, roie &. 33. 
Ghimmersbad), Ofterfelb, 6iegen ufro. 93om päbagogifdjen 6tanb= 
punfte aus roäre natürlich eine ^toeülaffige 6imult anfaule ben 
je&t beftefyenben einflaffigen Irilfsfcrjulen üorgugieljen. 2)aß tiefe 
SBeftimmung trielfacrji gum 6cfyaben für bie (Entroicflung bes §tilf#= 
fäjulroefens einzelner Orte gereichen roirb, liegt auf ber §anb. 

O. Söillmann fagt treffenb: „3)ie ipeiloäbagogi! ift ein inter* 
nationales 2Ber! geroorben, ein ©ebiet bes SBettftreites ber Nationen nnb 
Staaten. 6ie ift aber aud) ein inter!onfefftonelles Söerf, unb 
bas ift bei ber leiber fo oielfad) eingetretenen (£ntfrembung ber ^onfeffionen 
nod) freubiger gu begrüßen, ©aß ^ier ber ©laubensftreit fd)toeigt, ^at barin 
feinen ©runb, ba$ auf biefem Gebiete allein bie Siebe fpricjt. 6ie f)at 
bie €rmften aus i^ren bunflen 2ßin!eln ^eroorgegogen, fie bat iljnen lidjte, 
große Käufer gebaut unb fie burdnoaltet biefe mit Sonnenfd)ein. ©ie Siebe, 
fagt bas 9tpoftelroort, ift gebulbig, gütig, fie nerträgt alles, fie glaubt alles, 
fie Ijofft alles, bie Siebe f)öret nimmer auf." 

Trennung ber © e f er) I e cf) t e r. — Über bie Trennung 
ber ©efcfylecrjter ift §u bewerfen, ba^ eine folcfye für bie §ilfsfd)ule 
gang außer Srage kommen fann. 3)te meiften £ilfsfä)ulen befifeen 



*) Scbm'ibt, Sßemigerobe, mad)t Ijierau nod) folgenbe 93orfd)läge. 
Unabhängig tum bzn befteljenben Scbuloerbänben roären befonbere tnlfs* 
fdjuloerbänbe 3U grünben. 2)iefe Ijätten ifyre ©renöen roeiter gu ftechen 
als bie fonftigen Gd)uloerbänbe< Sie müfeten alle Dörfer erfaffen, bie 
iljre f(^n)ad)finnigen ^inber mit ^ilfe irgenbroeldjer 93cruel)rsmittel einem 
günftigen Zentrum 3ufd)icnen könnten. So könnte aud) kleineren QtabU 
gemeinben bie einrid^tung einer meljtklaffigen ^ilfsfdjule ermöglicht 
werben, ba er meint, bah ^tlfsfdjuloerbänbe oon 5000 Gcinroobnern fid) 
f(^on eine 3roei klaffige ^ilfsfd)ule leiften könnten. — 2)as finb rooljl gut* 
gemeinte 33orfd)läge — aber bie 23otfd)aft bör id) mokl, allein mir feljlt 
ber ©laube! 



— 71 — 

oud) burdjweg gemifcfyte klaffen. 2)as weiblidie ©efd)led)t 
fteilt aüerbings im allgemeinen einen geringeren Sßrogentfat} ber 
6d)üler§al)l als bas männlidje. S)ie Sorteile ber gemeinfamen 
(Erdung ber ©efdjledijter finb namentlidfy für bie £ilfsfd)ule, bie 
ja eine reine (Ergieljungsfdjjule fein foH, red)t bebeutenb. 5)te $er= 
einigung ber <3>efd)led)ter entfpridjt bem 23au unb bem 2öefen ber 
Familie unb ber ©efeßfdjaft. 6ie ift billig unb geredet, toctl fie 
bem einen ü>efd)led)t biefelbe $tusbilbung gewährt wie bem anbe- 
ren. (die wirft oorteilfyaft auf bie (Entwidmung von (öeift, SJloral 
unb ©ewoljnljeit unb beeinflußt bas 6d)ulleben unb bm Unter* 
rid)t in günftiger 3Beife. SftatürMd) wirb ber gute gegenfeitige 
Einfluß nur bann ooH unb gang gut ©eltung fommen, wenn bie 
orgfältigfte $luffid)t ausgeübt wirb. S)urd)i 6id)felbftüberlaffen= 
ein ber Ämter fönnen allerbmgs ©inge großgezogen werben, bie 
jene Vorteile gänglid) oernidjten, fo baß bann bie gemeinsame 
(Ergieljung ber (&efd)Ied)ter fdjleunigft aufgehoben werben muß. 
93ei fyöljer organifierten §iilfsfd)ulen ließe fid) allerbmgs eine 
Trennung nad) ©efd)led)tern gleid) oon Anfang an burd)fül)ren, 
weil ba genügendes 6d)ülermaterial gur 93efefeung ber einzelnen 
klaffen auü) nad) getrennten ©efd)led)tern oorfyanben wäre. 

2)urd)fül)rung ber klaffen. — 3)ie Frage ber Fort= 
b%vo. 5)urd)fül)rung ber klaffen in £ilfsfd)ulen ift im allgemeinen 
nod) wenig erörtert worben. 3nt 3ntereffe einer einheitlichen (Er= 
gieljung allerbmgs wäre es erwünfdjt, oon ein unb b e r f e l b e n 
ßeljrlraft eine klaffe burd) a 1 1 e 6 d) u l j a l) r e bis gur (Ent-- 
laffung burdjfüljren gu laffen. SRatürlidj wir'b biefem ©runbfatj 
bde Sftatur unb (Eigenart ber Sefyrfraft nid)t feiten ein ipemmnis 
entgegenfe&en. 2)enn nid)t jeber Seljrer eignet ftcJ>> nad)i längerer 
3eit wieber mit ber förunbflaffe gu beginnen, unb nid)t jebe 
ßeljrerin befitjt bie Fäfyigfeat, eine Oberftufe mit größeren Knaben 
energifdj gu leiten. (Ein allgemein gültiger förunbfafe läßt fid) für 
biefe S^ede eigentM) gar nidjt aufftellen. 3)ie £auptfad)e wirb 
[ein, wenn nad) Maßgabe ber oorfyanbenen $erl)ältniffe ein 
öfterer 2 e I) r e r w e d) f e l o e r m i e b e n wirb. 2)a ber 
ir>ilfsfd)üler oor feiner $lufnal)me in bie §ilfsfd)ule gewöljnlid) 
fdjon burd) bie £anb eines ober gweier ßeljrer gegangen ift, fo 
wäre es wünfdjenswert, wenn er nunmehr feinem größeren 2el)rer= 
wed)fel unterworfen würbe, oor allen 3>ingen aber nid)t auf ber= 
f elben Unterridjtsftufe. ^ln ber 3)urd)fül)rung ber 5U a f « 
' e n auf ben einzelnen 6 1 u f e n muß unbebingt feftge* 
>alten werben. Wtbtn ber Fortführung ber klaffen fann aud) bas 
Fad)Iel)rerft)ftem in einzelnen Fädjern — turnen, Seide- 
nen, <r>anbfertigfeit, 6ingen — gur "illnwenbung gelangen. 2öenn 
bafür geforgt wirb, baß ber ipauptteiil ber 33ilbungsarbeit in einer 
ipanb liegt, fo wirb es nid)t oom 9Rad)teil fein, wenn bie 6d)ülcr 
au(^ in einzelnen Stunben unter ber ergieljlidjen (Einwirfung an-- 



— 72 — 

betet SetjrMfte freien. 9htr mug bann eine Fortführung biefer 
pdjer butdji meutere 3af)re bgm. butd)i fämttitfje 6tufen ootge- 
fefyen xo erben» 

^ustauftf) 1 ber eruier. — 2tn biefer 6teHe fei nod) 
einmal auf hm ^ustaufdji eingelner ©drillet in einigen Unterrid)ts-- 
fädjern {jingemiefen. 3)ie 6<pler mandjer klaffen meifen oft eine 
Ungleitfytnäßigfeit in ber Begabung auf, fo baß bie 6d)ulein- 
ridjtung nidjt gleichgültig baran üorübergetyen fann. StReift ift 
fyier ber Hnterfdjsteb nur auf gmei (Gebieten fraß fjeroortre* 
tenb, nämlid)i in rein logiftfyem S)enfen unb in tedjnifcfyen gertig-- 
üeiten. 2)esi)alb toirb an biefen ^ä^ern ein ^ustaufd) einzelner 
<5d)üler ftattfinben muffen, mit ber SBebingung, ba§ namentlid) bie 
6tunben für 9te<f)nen unb §anbbetätigungen gu gleicher 3eit für 
Me gange 6ä)ufe erteilt werben. (Eine roeitere Sftütffttfjtnafyme auf 
bie 93efät)igung bgm. 9Ud)tbefäf)igung ber 6d)üler für nod> anbere 
$ä<fyer mürbe gu roeit führen unb eine $iuflöfung bes gangen 
©djnlorganismus bebingen. 3n fragen ber 33 e r f e £ u n g mirb 
man besfyalb aud) nid)t aton auf bie Seiftungen im ©eutfdjen 
unb Sfteäjnen fefyen, fonbern t)or aöem auf ben Stanb ber 'Slßge-- 
meinbilbung, insbefonbere aber auf bie ^Irt unb 2Beife ber ge 1 -- 
banflitfyen ©arfteEung unb ^usbrucfsfctfjigfeit unb auf bas ge= 
famte perlönlidje unb geiftige 6i<fygeben unb ^erfyalten bes be= 
treffenben 6d)ülers im Stfyufleben ber klaffe, 

Stteratur* 

9$ a f e b o vo , 9Bas fann in unterridptlicljer unb ergtefyüdjer 93ejief)ung, 
gefdjefyen, um bem fdjmadjbegabten Sünb in Heineren ©emeinben gu Reifen? 
93er. üb. b. 7. SBerb. b. £. ©., 1909. £afle a. 6., SRar^oIb. — 93 ö 1 1 g e r , 
9t., 3 e ntraIifation ber ipüfsflaffen für 6<$mad)bef(ü)igte. 9HIg. beutfdje 
Se^rerätg 1904 SRr. 42-43, ßeipgig, unb 93er. üb. b. 11. £onf. f. b. 3bioten» 
u. ^tlfsfd^uItDcfen, Stettin 1904. — 93 ü 1 1 n e r , ©., 93om inneren Ausbau 
bes £ilfsfd)ulmefens. ©efunbljeitsmarte b. 6dmle 1908 £♦ 9. — ©er f., 
jptlfsfdmlen für bas ßanb. 3eitfd;r. f. 6dmlgefunbl)ettspfl. 1908 £. 9. — 
2) e r f., ©ie fdmmdjbegabten iltnber auf bem Sanbe. ©er ^inberargt 1908 
§.4. — 93 u f o) , 3B., ©er $lustaufd) non 6djülem gtmfdjen ben klaffen ber 
£ilfsfdmle. 3. f. 93el). Sd)m. 1903. — © e r f., ffortbilbungsf djultlaffen für 
bie aus ber £ilfsfdmle entlaffenen Knaben. £üfsfd). 1905, 4. — © e I i t f a) , 
3um 9luf= unb Ausbau unferes ^ilfsfd^ulmefens. 3» f* Äinbf. 93b. 14, 90. 

— ©er f., klaffen-, 5lbteilungs=, (£inseZ=, ^ad^unterrid^t. Slrtilel im 6nj. 
^bbd). 6. 908. — &ald), Über bie 93ered)tigung befonberer Stoffen bgm. 
deuten für bie leidjteften 5 ormen bes ödnxmtfjfinns. 3» f« ^ ß ^ 6<^tD. u. 
(gp. 1880-81 ^. 6. — ^ r e n g e 1 , 6(^ulpflic|t. 9Irt. im €n§. ^bbd^. 6. 1403. 

— ©er f., Stiidfoerfefcung. (Bbenba 6. 1344. — ©er f., ^requenj ber 
klaffen in ben 6d^ulen für geiftig 6dntmdje. (£benba 6. 574. — ©er f., 
©emeinf ome (Er jie^ung ber ©ef<f)Ied)ter. (Ebenba 6. 503. — ©abriet, 
Dr. £., ©ie f$mad)finnigen ^inber in ben ßanbfd^ulen. |>eilp. Sd)ul- u. 
(Slternjtg. 1910 £. 4. — ©engnagel, 9Qßas fann in üeineren ©emeinben 
gefd)ef)en, um ben fd^mad^begabten ^inbern in unterrid)tlid)er 93egie^ung §u 
Seifen. £üfsfä). 93b. 1, 109. — ©rote, können bie ^inber gmangsmeife 
ber £üfsfä)ute gugemiefen merben? 3. f. &inbf. 93b. 8, 209 unb 93er. üb. 



— 73 — 

b. 4. 9Serb. b. fr ©., frmnooer 1903» — © ü n b e l , Dr. %., 3ur Organifa* 
tion ber frlfsfajule. 3* j« ®tf)» 6dju>. u. (Ep. 1904 |. 1 u. 3, — §am = 
f e l b t , (L, $ürforge für 6dj)toacl)begabte. Späb. Reform 1904 9tr. 48, 
Hamburg, — geller, Dr. £f) v (Bin frangöfifcfjes fr Ifsfdutlgefejj. 3» f* 
Kinbf. 93b. 14, 193, — frlfsfc|ulgefe&, ©as neue franjöfifdje. frlfsfd). 
53b. 4, 46. — Morris, SBorin fjat bie Abneigung einzelner (Eltern gegen 
bie frlfsfdjule i^ren ©runb, unb tüte ift fie gu befettigen? 3* f» Äinbf. 
93b. 5, 168. — Kaufmann, Dr., Sie gefetjlidje Regelung ber (Ergietjung 
unb bes Unterrichts bilbungsfcüjiger anormaler ^ütber ufto. 93erjj. b. 6. 
fajtoeig. Honf. f. b. SMotentoefen, 1907, — ^ i r m § e , (Einige ©ebanfen, 
betr. bie giirforge für b^e 6dutmcf)begabten in kleinen ©emeinben. frlfsfdj. 
1908 93b. 1, 114. — <Raa§, ©ein 6orgenttnb. §atte 1921, 9JtarI)olb. — 
© e r f., ©en!fd)rift über bas beutfdje frlfsfctjultoefen. — 6 cf) e n f , 9l v 
©ie neunllaffige frlfsf cfntle. 3. f. Ätnbf. 1907 93b. 12 fr 7. — 3) e r f., 9ßas 
!ann in Heineren ©emeinben gefeiten, um ben fd)toacf)begabten Äinöem in 
unterrid)tltct)er (Ergiel)ung gu Reifen? 6djlef. 6cf)ulgtg. 1907 Sftr. 14. — 
Sd)töaf)n, Sp., ©er ausraufet) oon 6d)ülem gmifdjen ben nerfa^iebenen 
Äloffcn ber frlfsfdjule. 3. f. 93ef). 6dno. u. (Ep. 2lug. 1903 unb 3cm. 1904. 

— © e r f., ©er $lustaufct) t>on 6d)ülern §urifct)en ben klaffen ber frlfs= 
fdjule. 3. f. 93eJ). 6cf)tD. 1903 fr 9-10. — 9© e J) r I) a l) n , (Einrichtung ber 
frlfsfrfmlen. 3n: ^t)bcr) b. beutfd). ©djulfrog. 93b. 4, ©resben 1914, 6tein= 
fopf. — 933 e i g l , $., ©eifrig minbermertige ^inber auf beut ßanbe unb 
in f leinen Stäbten. ©onaumörtl) 1908, $luer. — 9ßettig, ©ie 9lus= 
meajflung uon Gctjülem in ber frlfsfcfmle. 3» f» 53e§. 6d)tD. 1903 fr 11=12. 

— © e r f., 993as !ann in Heineren ©emeinben gefd)el)en, um ben fdnt>ad)= 
begabten ^inbern in unterricf)tltdjer 93egie§ung §u Reifen, fr Ifsfd). 93b. 1, 14. — 
3 1 e g I e r , 9lustaufd) ber Schüler, (Eng. fr)ba). ipaHe a. 6., 3ftarl)oIb. 

— © e r f., Fortführung ber klaffen. (Ebenba 6. 566. 



4* Se$?f>ei?ie]f>+ 

£ e l) r p l a n. — (Es liegt auf ber £anb, bafc in jeber £rilfs= 
fdjule nad) einem geeigneten, einfyeitlid) angelegten £ef)rplan ge= 
arbeitet werben muß, unb groar mit groger Sorgfalt unb mit pein= 
lieber ^Beobachtung aller bisher auf bem ©ebiete bes 6d)iwad)-- 
ftnnigenbübungswefens gewonnenen bibaftifdyen unb mettjobifdjen 
(Erfahrungen. 3Bie ber ßefjrplan für bie $o!fsfd)uIe nid)t oon 
t)orni)erein feftgeftettt mar, fonbern fid) allmäfylid) aus ben 93 c = 
b ü r f n i f f e n ber 6d)itle unb aus ben $lnfd)auungen unb 
(Erfahrungen ber 3^it über (Ergieljung unb Unterricht ^eraus= 
bilbete, fo wirb aud) ber Sefjrplan ber §üfsfd)ule einen äljnlidjen 
(Entwicklungsgang burd)Iaufen muffen, bis aÜmäljlid) genügenbe 
(Ergebniffe unb fidjere |>anbt)aben für feine Einlage unb ^ufftet-- 
Iung gewonnen fein werben. 3)esf)alb ift man g. 93. in SJUindjen 
erft nad) einer ^rajis oon gefyn 3al)ren an bie Bearbeitung eines 
§ilfsfd)ufle!)rplanes herangegangen, ©aß bie 6d)affung eines 
|>tlfsfd)ulle^rplanes aber feine leitete Arbeit fein wirb, bürfte 
otjne weiteres eimleud)ten. 3)ie 6d)wierigfeit ber ßefjrplanfrage 
betont aud) ber bereits meljrfad) erwähnte (Erlaß bes preufttfd)cn 
Hnterrid)tsminifters oom 2. 3anuar 1905, inbem er treffenb l)er= 



— 74 — 

oorrjebt: „93on allen Seiten toirb anerkannt, baß für ben 2ei)rplan 
i>er gulfsfcfyule, ifjre Rlaffengliieberung unb für bie SeJjrgiele ber 
einzelnen Klaffen aEgemein gültige SBorfcfyriften nicfyt gegeben 
roerben tonnen, ba% oielmefyr babei ben befonberen Serpitniffen 
ber 6d)ule in jebem einzelnen galle Sfteäjnung p tragen fei." — 
„(Es ift nid)i p oerrounbem, roenn fo oielfaä)! auf bie großen 
6 dt) ro t e r i g £ e i t e n fyingeroiefen roirb, roelc^e ber 9iuffteHung 
eines guten Serjrplans entgegenftefyen, unb boct) fann rjier auf 
einen folgen am roenigften oergi^tet roerben." 2Bie bereite be= 
merlt, roirb jebe £ilfsfc()ule genötigt fein, fidt) irjren eigenen ßerjr-- 
plan p befcfyaffen, ber natura bem inbioibuellen (Efyarafter ber 
betreffenben Scfyule Sftecfynung tragen muß. 

9IIs Sft i dt) t f cfy n u r für bie $luffreHung bes 2et)rplans roer-- 
ben folgeube ©efidtjtspunfte p beachten fein: 

1. ber (Enttoicf lungsgang ber £ranft)aft gefd) £>äd)ten 
Rinbesfeele, 

2. unt erriet lief) e unb e r 5 1 e ^ H d) 1 e -äRaßnaty« 
m e n, bie ber (Eigenart biefes (EntroidTungsganges geregt 
roerben, 

3. eine 6toffausroaI)I unb 6toffanorbnung, bie 
im (Einflang mit ben beiben oorigen gorberungen ftefyen 
unb eine roeitgerjenbe Rongentration ermöglichen, 

4. eine weife 93eaä)tung ber pr aftif cfyen 23ebürf = 
niffe bes fpäteren ßebens unb bas $\zl eines geroiffen 
91 bf dtjluff es ber SBilbung. 

(Es roirb alfo bas Gdfyülermateüial ber frilfsfcfyule mit feinen 
jeweiligen ^Beranlagungsgraben, bie ber £e|rer natürlich genau 
lennen muß, als maßgebenb für bie Serjrplanarbeit in ben $or= 
bergrunb p fteüen fein. ®ic geiftige Veranlagung ber Sdjüler 
ift aber in ben o erfetji ebenen 3al)rgängen, roie es bie (Erfahrung 
lefyrt, redt)t oerfdtjiebenartig. ©esrjalb barf ber ßerjrplan bie 2er/r= 
giiele im allgemeinen roorjl oorgeidjnen, aber nidfyt ettoa mit ber 
ausbrüd; lidtjen %oxbtiunq, baß fie aud) jedesmal er = 
r e i dt) t roerben muffen. 3)as toürbe bie inbioibualifierenbe 
SBerjanblung ber Rtnber unterbinben unb bie 93eroegungsfreil)eit 
unb 3ßeiterentroicflung ber £ilfsfdt)ulpßbagogif ftören. 3)aß ber 
£et)rplan $Rinbeft= ober ir>ödt)ft#iele oorferjett foH, barf nid)t als be= 
fonbere gorberung erhoben roerben. 3)ie ijpauptfacrje roirb fein, 
baß er eine 91 u s ro a t) l geeigneter 6toffe bietet, roooon 
ber ßerjrer nadt) eigenem (Ermeffen mit SBerüdfidtjtigung ber jeroei= 
ligen 93ebürfniffe feiner Klaffe ausrollen barf. 2)urdt) biefe 9lus= 
roarjl roirb 93exoegungsfreiI)eit ermöglicht unb eine fortgefefete 
(Entroicflungsmöglicfjfett geroärjrleiftet, beren gerabe ber §eilunter= 
rtd)t prgeit nod) am meiften bebarf, benn er ift nodt) immer etroas 
glüffiges unb SBerbenbes unb nod) Mn ^Ibgefc^Ioffenes. 5)arum 
bebarf ber £el)rplan aud) nod)i immer ber 5)urdt)fidt)t unb $eriänbe= 



— 75 — 

rung, toenn er auf ber §öf)e ber jeweilig erreichten metfyobifdjen 
unb pfgdjologifdjen (Menntniffe fteijen foll. (£ine genaue 2>ar= 
legung ber Seljrplanibeen für ipilfsfdjulen auf ©runblage bes 
heutigen Stanbes ber pfr;d)oIog)ifd)en gorfdjungen würbe gu weit 
führen, (£s finb aud) bereits oerfdjiebene Sejjrpläne mit beach- 
tenswerten (Erläuterungen oorfjanben, beren eingeljenbe Kenntnis 
nur empfohlen werben lann. 

Unterridjtsgegenftänbe* — 93egüglid) ber Unter-- 
ridjtsgegenftänbe ift folgendes fjeroorgufjeben. 5)ie frilfsfdjule 
gehört i^ree eigenartigen Sdjülermaterials wegen gu ben foge= 
nannten Sonber = ober 6p egiatf djulen, 3)a fie fonft 
aber 93olfsfd)uld)arafter waljrt, fo wirb fie fid) au<fy bie Pflege 
aller berjenigen Unterridjtsgegenftänbe angelegen fein taffen, 
weldje bie Sefjrpläne ber Sßolfsf^ule aufweifen. (Es wirb fidt) bei 
iljr aud) weniger um bie iperangietjung anberer ober um bie 33e= 
oorgugung eingelner Seljrgegenftänbe als oielmetjr um ergiel)Iid)e 
Sonbermaßnaljmen im Unterridjtsbetriebe fyanbeln. SMefer (Br= 
fenntnis tragen aud) bie £ef)rpläne ber meiften ipilfsfdjulen 9^ed)= 
nung. 2)ie Ijeute meift übliche ^orm ber £ilfsfct)ule ift bie b r e i = 
ftufige öilfsfdjule mit SBorftufe (Vorfdjule). ©iefe 
Orgamfation foß aud) für bie Auswahl ber Unterrid)tsgegen= 
ftänbe maßgebenb fein. 

3)ie $orfd)ule bient ^auptfädjlid) als Sammelftelle für 
geiftig am tiefften ftefjenbe Sdjüler. ©ic wirb oorwiegenb Slinber= 
gartendjarafter befitjen. Eigentliche Unterridjtsgegenftänbe fin= 
btn nur in iijren Anfängen Sßflege, wäl)renb im 9Jcittelpun£t aller 
^Raftnatjmen 6piele unb ^Befestigungen bes S^inbergartens 
ftefyen. 2)ie 93orfd)itle nimmt bes weiteren in itjren Arbeitsplan 
folgenbe Übungen auf: 

1. Übungen gur (Entwidlung ber Sinnestätigfett unb $luf-- 
faffungsfäfyigfeiit, 

2. Übungen gur (Entwicklung ber ^lufmerlfamt'eit unb 9Jcerf-- 
följigfeit, 

3. Übungen gur (Entwidlung ber 33craegungsfäf)tgfetten unb 

4. Übungen gur (Entwidlung bes ö>ebäd)tniffes unb ber 
6prad)fal)igfeiit. 

3)agu fommen nod) £ e f e = unb 6d)reibübungen, 
Vorübungen für bas 9^ e d) n e n unb einfad)e r e I i g i ö f c 
Belehrungen fjingu. 5)emnad) umfaßt bie Vorftufe — natür-- 
Itd) als (öefamtunterrtdjt — folgenbe Unterrichtsfächer: Spiele, 
$röbelfd)e Befdjäftigungen, Übungen gur pl)t)ft-- 
fdjen unb pfr)d)tfd)en (Entwidlung ber S^inber unb <B o r ü b u n-- 
gen für bie (£Iementarfäd)er. ©ie Sd)üler follen in ber SBot- 
fd)ule unterrtd)tsfäl)ig gemacht roerben. (Ein befonberer £cI)tffoff 
fommt l)ier nod) nid)t in 5r a 9e* Mm aü ^r Cinfeitigfetten oor- 
gubeugen unb Unflarljeiten gu begegnen, finb im £el)rplan aus= 



— 76 — 

getoäfylte Übungsgruppen unb abgegrenzte (Enbgiele begüglid) ber 
einzelnen Übungen unb ßefyrfädjer anzugeben» 

3)ie Unter ftufe geigt fcfyon in iljrem gangen betriebe meljr 
6 d) u l = als Slinbergartendjarafter. 3m 9JUtteIpunft bes ©efamt= 
unterrichte ftet)t l)ier ber 6acfy= unb Sprachunterricht, 
roeldjer bie Übungen im Anfcfyauen, Sprechen, Sefen, Schreiben 
unb S)arfteHen (§eict)nen, gormen, 9JcobeHieren) umfaßt, S)ie 
Spiele unb g r ö b e l fcfyen SBefcfyäftigungen t>er 93orfd)ule merben 
fortgefe^t unb gnmnafrifdje Übungen, turnen, ©efang unb leidste 
ipanbarbeiten gepflegt. 2)as 9led)nen unb bie reltgiöfen 93elel)= 
rungen erfahren nunmehr eine fdjulgemäfre, natürlich gang elemen= 
tare SBefyanblung. 5)as SRectjnen ift üortmegenb Sadjrecfynen, unb 
bie religiiöfen ^Belehrungen leinten fid)i an ©efinnungsfroffe bes 
Sad)= unb Sprachunterrichts an. 5)er gefamte Unterricht foß 
fyauptfädjlid) an Vorgänge bes täglidjen ßebens unb an eigene 
(Erlebniffe unb (Erfahrungen ber Sd)üler anfnüpfen. gernerliegen= 
bes roirb erft bann oermittelt, toenn bas (Mwet ber (Erfahrungen 
nadj allen 9ftid)tungen l)in burd)manbert ift. 3)er Sprad)unter= 
rid)t auf biefer 6tufe tjat befonbere 9lücfftd)t auf Spradj) gebrecfyen 
gu nehmen, bie trielfad) als 93egleiterfd)einung bes Scfyroadjfinns 
auftreten. Arfcifulationsunterridjt. 

5)ie Unterftufe Ijat bemnaa) — ebenfalls als (frefamtunter-- 
ricfyt — folgenbe Unterridjtsgegenftänbe gu pflegen: 6 ad)-- unb 
Sprachunterricht (Anfdjauen, 2 efen, Schreiben, 
Artikulation), Religion, 9i e d) n e n , @efang,Sur = 
nen, gröbelfdje arbeiten, 6piele unb leichte 
$ a n b arbeiten. 

Auf ber SJUttelftufe nimmt ber S a d) -- unb 6 p r a d) = 
unterricfyt aud) nocfy eine l)ert)orragenbe Stellung ein. Aus 
ifym entwickeln fid) allmäpd); biie r ealiftif d) en gädjer, 
toelcfye natürlich ben (Stjarafter bes Ijeimatfunblicfyen Anfd)auungs= 
unterricfyts magren muffen. 3u fetner Unterftüfeung unb ^Be- 
lebung follen planmäßige Scfyulfpagiergänge oorgefeljen merben. 
SDie reUgiöfen ^Belehrungen nehmen bie 93el)anblung biblifdjer ©e- 
fd)id)ten auf unb fucfyen als 9Jcemorierftoffe einige leichte Slated)is= 
musftiicfe, Sprüdjie, Sieberftropljen unb ©ebete gum ^Berftänbnis 
gu bringen. 3>as S^ed^nen be^anbelt gang einfache, im täglichen 
5Ber!el)r oorfommenbe 9ted)enfälle, toobei llares Skrfttmbnis unb 
unbebingte Sidjerfyeit nad) allen Seiten l)in gu erftreben finb. 3m 
Sprachunterricht beginnt bite Anfertigung ber erften fdjrift- 
lid)en Arbeiten. Auf ©enauigfeit in ber ©arftellung ber 
ber ©ebanfen, SUtrge im Ausbrucf unb Sauberfeit in ber Ausfüh- 
rung ift befonbers gu ad)ten. ©efang, Surnen unb £anbarbeiten 
verfolgen meljr Imgienifcfye 3toede. 6ie muffen aber aud) fo 
betjanbelt werben, baß fie neben ber 93ilbung unb Regelung bes 
^etoegungstriebes unb 3BiHenlebens aud) äft^etifd)e unb gemüt- 



— 77 — 

erfrifdjenbe 2öirfungen auf bie 6d)üler aueüben, $luf biefer 
6tufe tritt aud) ber f n ftematif d) e 3eitf)enunterrid)t auf. 
3Bäl)renb geid)nerifd)e 2)arftellungen bereits auf ber Unterftufe 
gepflegt werben, lommen nunmehr genauere unb in regelmäßig 
gern 2fortfd)ritt betriebene Übungen gur 93ef)anblung. 3)iefe be= 
rüct'fi^tigen Objefte bes 6ad)unterrid)ts unb roerben als bie $lus-- 
brudsroeife bes in biefem Unterrichte Wahrgenommenen unb gum 
SBerfrtinbwis (öebrad)ten befyanbelt. 3Jttt bem 3^ct) nen 9^t ipanb 
in §anb bas ©arftellen, 5°wnen unb SftobeEieren. Sie 33etäti= 
gungen barin finb immer mannigfaltiger unb roeitgeljenber gu 
geftalten. 

5)ie 93el)anbtung aller Unterridjtsgegenftänbe muß auf biiefer 
6tufe fo erfolgen, bafc bie 6d)üler Einleitung gur 6 e l b ft t ä 1 1 g = 
feit unb gu einer groedmäßiegn ßebensfüljrung erhalten, 
bamit fie einft nü£lid)e unb roürbiige ©lieber ber menfd)lid)en ©e- 
feHfd)aft roerben. 2)arum foH bie 9lusroat)l ber 6toffe oorroiegenb 
Sachen berüdficfytigen, burd) bie bas ^Berfränbnis für eine foldje 
ßebensfüljrung angebahnt roirb. 

$luf ber SCRittelftufe roerben alfo folgenbe Unterr t id)tsgegen= 
ftänbe gur 3>el)anblung gelangen: Religion, 3) e u t f d) , 
^edjnen, Jpeimatfunfre, 9Ratur!unbe, Od e f d) i d) t e , 
6d)reiben,3^iö)tten,(5efang, turnen unb § a n b -- 
arbeiten. 

9luf ber Dberftufe fommen neue Unterrid)tsgegenftänbe 
nid)t meljr l)ingu; bie bisherigen Sädjjer roerben roeitergefürjrt unb 
gu einem gegriffen $lbfd)luffe gebraut, bamit bie 6d)üler eine 
abfdjließenbe 93ilbung erhalten. S)ie Unterrid)tsftunben für em= 
gelne SMfgiplinen finben %$ e r m e I) r u n g , ber Unterridjjtsbetrieb 
nähert fid) immer merjr bem ber $olfsfci)ule; ber ^ongen-- 
t r a t i o n unb ben 3 n t e r e f f e n bes 3 u fammenlebens ber 
menfd)lid)en (&efeHfd)aften foH roeitgerjenbe 9kd)nung getragen 
unb aud) ber 6elbftbetätigung unb 6 e l b f t ä n b i g f e i t 
ber 6d)üler größte Elufmerffamfeit unb 6orgfalt geroibmet 
roerben. 

23efonbere Pflege ift auf biefer 6tufe bem (E r e i g n i s = 
unterrid)t angebeiljen gu laffen, ber bemerf ensroerte Erfah- 
rungen unb (Erlebniffe ber 6d)üler, foroie örtlid)e ober oaterlän-- 
bi[d)e unb auslänbifdje (Ereigniffe im 3lnfd)luffe an bie realiftifd)en 
ffädjer gur 33el)anblung bringt, ^urge (Erörterungen über 
f o g i a l e (Einrichtungen, Rumäne 33eftrebungen, 
SRedt)tspfIcge, ©efunbl)eitslel)re, $erfef)rs-- 
roefen, 53erroaltungsangeIegenrjeiten, ^Bürger- 
! u n b e ufro. finb, foroeit beren 33erftänbnis ben S^inbern oermit- 
telt roerben fann, gum (öegenfranbe ber 93efpred)ung unb 33el)anb-- 
lung gu machen. (Geeignete 6toffe aus biefen ©ebteten finben 
Skrtoenbung für bie fd)riftlid)en Übungen unb arbeiten ber 



— 78 — 

6d)iller. Um bie 3bglinge bes wetteren mit bem öffentlichen 
Seben unb feinen mannigfaltigen (£rf Meinungen befannt $u 
machen, werben gewerbliche unb inbuftrielle 91 n = 
lagen, öffentliche <5ß l ä fe e unb © e b ä u b e , einzelne 
Sirbeitsftätten, Valjnljöfe, ipäfen, Selb, 2Balb 
ufw. aufgefucfyt, um geeignete ^Infnüpfungspunfte gu praftifdjen 
Belehrungen §u gewinnen. Sebensfunbe. 3>er materielle 
unb formale Qmä bes Unterrichts tritt, entgegengefe^t bem $3e= 
ftreben ber Sßormaljcfyule, gegen (Enbe ber ^ilfefdjulgeit mefyr gu-- 
rücf, wctyrenb praftifcfye Vebürfniffe unb bie (£rziel)ung zur grögt-- 
möglicfyen Selbftönbigfeit unb bürgerlichen Vraudjbarfeit weit= 
gefyenbe Verücfficfytigung erfahren. 2)er grilfsfcfyulbilbung oberfter 
<öruubfat} wirb barum ftets feigen: Sl: t ä> t für bie 6 et) ule, 
fonbern fürbas Seben! 

2)ie Verteilung ber Unterricfytsgegenftänbe 
auf bie einzelnen Stufen geftaltet fid) mit 33erütffitf)tigung ber 
6tunben§al)l etwa folgenbermajsen: 



fieljrQegertftänbe 



Gtunbensafyl ber 



9Sor= 
fdjule 



Unter* 
ftufe 



mttzb 
ftufe 



Ober* 
ftufe 



Religion ........ 

<Deutfd) 

6ad)- unb 6prad)unterrtd)t 

6d)reiben 

ifted)nen ........ 

£eimatfunbe ((Erbfttnbe) 

5latur!unbe 

<5efd)id)te 

ßebenslunbe 

Seidjnen , . 

6ingen 

turnen 

fpanbarbeit 

<5piele unb ^Jröbelfd^c 93e= 
fd)äftigungen 







2—3 






6 






2 




-4-* 


4-5 


•«-• 


•«-» 




J-» 


{^» 


1 


J-> 


*-* 




o 


o 


1 


-I-» 


-J-» 


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C 


1 


3 


?* 


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-4-» 




s 


s 


^~ ^" 


O 


Ö 


2 




L^» 






1—2 
2 

2, 


18 


18—20 


24—27 | 



3 
6 

2 
5 
1 
1 
1 
1 
2 
2 
2 
2 



28 



Konzentration. — $llle Unterriä)tsgegenftänbe muffen 
im §ilfsfd)ulunterrid)t in inniger ÜBedjf elb egtel) un g 
ftetjen unb fo oiel wie möglid) ben ©runbfafe ber Konzentra-- 
t i o n watjren. 2Bo es gilt. 6ä)waä)es zu Mftigen, Vereinzeltes 
unb Serftreutes §u fammeln, fttytenbzs tjerbeizubringen, oor 



— 79 — 

©iffo^tattön ^u fd)üijen ufro., ba ift eine ftetige Konzentration 
unbebingt erforberlid). 'illußerbem trägt bie Konzentration aud) 
ber Enttoidlung eines einheitlichen 93eroußtfeins unb 
ber Entfaltung einer einheitlichen Efyaralteranlage 
9ied)nung — unb biefe Momente erfdjeinen gerabe im §ilfsfd)ul= 
unterrid)t oon größter 33ebeutung. 2)iefen leitenben ipauptgeban-- 
fen f)at ber betrieb aEer Unterricrjtsgegenftänbe 9ied)nung $u 
tragen. Kein %aü) barf ausfd)ließlid) einem öelbft^roec! bienen, 
fonbern es tjat fid) mit feinen 6toffen ber (öefamtrjeit ber unter-- 
rictjtlidjen Einroirtungen in roed)felfeitig förbernber 93e§iel)ung 
einzufügen. 2)iefe gorberung fterjt ntd)t im ©egenfa^ zu einer 
anberen, nämlid) ju ber ber^lufeinanberfolgeberllnterridjtsftoffe 
in fongentrifdjen Greifen. 3)ie erfte ift bie leitenbe 
gorberung, bie §roeite bagegen bie untergeordnete; beibe 5 oroe "" 
rungen roiberfpred)en fid) aud) nidjt. <5d)liegltcc) ift aud): fjier nod) 
einmal zu bemerfen, baß bie ^lnfid)ten einiger 9Jtetf)0 biter, ben 
6d)roerpunft bes Unterridjts auf einzelne Unterrid)tsgegenfrünbe 
Zu legen, roie g. 53. auf £anbarbeit ober auf ben f)eimatfunblid)en 
Unterricht, nid)t ridjtig finb, fonbern bas 3BefentIid)e unb $Btd)= 
tigfte bes £eilunterrid)ts oerfennen. 5)iefer muß atte Unterrid)ts= 
btfziplinen möglid)ft gleichmäßig in ^Infprud) nehmen, um jene 
norrjin ermähnte (Sefamtroirftmg gu erzielen. Er barf alfo nid)t 
bloß bie $Utsbilbung einiger gärjigleiten ins $luge faffen unb bar= 
über bas ©efamtgiel — bie allgemein=menfd)lid)e unb praftifdje 
93ilbung — außer ad)t laffen. ^lUe Unterricfytsbifziplinen finb 
fd)ließlid) bod) nur Mittel p biefem S^ede, gang gleid), roe!d)e 
Vorteile fie aud) fonft nod), namentlich in materieller £infid)t, ge-- 
roätjren mögen. 

6tunbenplan. — 93eim Stundenplan roerben folgenbe 
fragen zu beantroorten fein: 

1. 2Bann foll ber Unterricht am 2Rorgen beginnen? 

2. 5Bie lange foll jebe Unterridjtsftunbe bauern? 

3. 3n roeldjer Reihenfolge follen bie Unterrid)tsgegenftänbe auftreten? 

4. 2tfic fyoö) ift bie Qafyl ber täglichen unb toödjentlidjen Unterridjts- 
ftunben ju bemeffen? 

5. 3ft geteilte ober ungeteilte Unterridjtsgcit für bie §ilfsfd)ulc au 
toäfjlen? 

©er §>ilfsfd)u(itnterrid)t fann am SJcorgen roegen bee minber- 
roertigen 6d)ülermaterials ftets ettoas fpäter als ber Unterricht in 
ben 9ftormalfd)ulen beginnen, $lud) fommen, tuenn in größeren 
Drten nur eine £>ilfsfd)ule befreit, fel)r ausgebeizte 6d)uhoegc 
für einzelne ftinber in 93ctrad)t, barum ift aud) aus biefem ©runbe 
eine etwas oorgerürftc 3^tt für btn Unterrid)tsanfang am bor- 
gen 31t ruäfylen. 

Unterfuctjiingcn über btn Eintritt n (Entlüftung 
innerhalb einer Untcrrid)tsftunbe rjaben ergeben, ba^] bereits nad) 
einer t)alben 6tunbe gleid)mäßiger Sättgfeit fid) Ermübungs 



— 80 — . 

erfdjieinungen bemerkbar matten, roeldje gegen (Enbe ber 6tunbe 
einen fteinen ßuroad)s erfahren. (Es |at fid) babei aud) Ijeraus-- 
gefteHt, baß ältere 6d)üler weniger ermüben als jüngere unb 
geiftig fdjiroädjere meljr als fog. ©urjfyfdjnittsfdjüler. 2)iefe 3Ö3al)r= 
neljmungen beuten an, baß bie üblidje Unterrid)tseinl)eit von 
einer 6tunbe nidjt nur für normale, fonbern aud) für geiftig 
fcfymadfye Hinber gu lang ift. 9ftan roirb besfyalb ber einzelnen 2ef= 
tion in ber Jpiifsftfyule eine bürgere 3) a u e r geben muffen als 
eine 6tunbe. 2>od)i möchte id) ifyr feine Ijatbftünbige 5)auer, roie 
trielfadj oorgefcrjlagen roorben ift, gugefteljen. (Es medjfeln in ber 
ipilfsfcfyule roäljrenb einer Seftion gemöfynlid) fo mannigfad)e 
äftaßnaljmen ab, baß eine (Ermübung ber ©efamtfyeit nicfyt fo leidet 
fyerbeigefütjrt roirb. $iußerbem galten immer einzelne 6d)üler bm 
glatten Unter ridjtso erlauf fo auf, ba§ oft nur roin^ige (Ergebntffe 
gu erreidjen fein merben, bie bei einer tjalbftünbigen Seftion nod) 
geringer ausfallen mürben, 3)a$u läßt fid) ber Unter ridjtso erlauf 
bei ber geringen Gdjülergal)! ber ipilfsfdjulflaffen fo a b ro e d) f = 
lungsüoll gefralten, baß eine übermäßige 3nanfprud)nal)me 
ber 6d)üler rntd)it eintritt. (Ebenfo med)feln innerhalb jeber Unter= 
rid)tseint)eit immer ^Irbeiten, bie eine größere 9lnftrengung er= 
forbern, mit foldjen, bie nur eine geringe Slraftentfaltung be= 
anfprudjen. $llle biefe Umftänbe fpredjen für eine längere als 
fyalbftünbigc 5)auer ber einzelnen Sektionen. 

(Es bürften im allgemeinen für bie 2) au er einer Un = 
t er ridjtseinl) eit in ber £ilfsfd)ule folgenbe (örunbfä^e 93e= 
ad)tung finben. Sa in ben ©runbflaffen bie Hinber oiel fdjneller 
ermüben als in ben oberen, märe eine Unterridjtsbauer oon 40 
Minuten für bie einzelnen Seftionen als fyöd)ft§uläffige 3^t emp= 
fefylenstoert. ©tefe ^efdjränfung ift aud) bestjalb notmenbig, ba= 
mit bie Kinber ben Übergang oon ber trielfad)! oortjer genoffenen 
greifyeit unb Smutje p bem S^cinge in ber 6d)ule nid)t als einen 
allp fdjroffen empfinben. 3n ben Mittel-- unb Dberflaffen ift bie 
2)auer ber Unter ridjtseinrjeit t)on 40 auf 50 Minuten gu bemeffen, 
toeil fid) l)ier eine größere 9(ftannigfaltigfeit ber geiftigen Sätig-- 
feiten erreidjien läßt, ^tuf biefen 6tufen ift aud) ein größerer 
3öed)fel in ben Dbjelten bes Unterrichts innerhalb bes einzelnen 
©egenftanbes möglid), rooburd) eine (Ermübung fo leidjt nid)t gu= 
ftanbe fommen fann. 2Benn bann nod) ausreidjenbe Sßaufen 
ijinaufommen, bie genügenbe (Erholung gemäßen, fo fann eine 
(Ermübung, bgro. 9tnftrengung ber 6d)üler gar nid)t Sßlafe greifen. 
3)urd) eine foldje 33emeffung ber Unterridjtseinfjeiten laffen fid) 
bie nötigen Raufen ebenfalls oljne fiel ^Bered)nung geroinnen. 
3>er gefamte Unterrid)tsbetrieb roäre auf tiefe 9Beife mit ben 
«Jotberungen einer oernünftigen Unterridjtsrjrjgiene in (Einftang 

gebradjt. 

SBepglid) ber Reihenfolge ber Unterrid)tsgegenftänbe 



— 81 — 

in ber Jpilfsfdjule fönncn wir ben $orfd)Iägen 3ft q e n n e 1 5 
äufrimmen, meldjer folgenbe ©runbfäfee auffteftt: 

1. 2ftan lege bie Stnnben am Sage fo, tüte fte bie pft)tf)ifdje (Energie 
ber Sdjüler für geboten erfahrnen läßt. 

2. 3)ie erften ftrüfyfhmben bürfen nid)t immer bie f)öd)ften ^nforbe* 
rungen an bte Schüler fteflen. 

3. ipat eine Stunbe eine Seite ber finblidjen ^fndje befonbers on= 
geregt, fo I)at bie folgenbe bie bisher etroa latent gebliebene anbere 
6eite ju roedfen. 

©ie pfnd)ifd)e (Energie ber 6d)üler wirb gum ^Beginn bes 
Unterridjts am ftärfften fein, bestjalb ftnb gunädjft miffenfd)aft= 
Iid)e ftäfyex gur 93erjanblung gu bringen, boctj aber nid)t, rote es 
ber gweite 6a£ ausbrüdt, foldje, i>ie bie r>öd)ften 9lnforberungen 
an bte 6d)üler [teilen, benn fonft würben bie Kinber infolge ber 
großen 3nanfprud)nal)me itjrer (Energie §u fetjr ermüben, um fid) 
nodj toeiter frifd) am Unterrid)te beteiligen gu fönnen. 'üftan 
müßte alfo mit einem mittelfdjweren ©egenftanb beginnen, tjier= 
auf einen ferneren folgen laffen unb bann abftufenb mit einem 
leidjten fd)Iießen. ©es weiteren finb bie 6d)ulftunben fo angu= 
ordnen, ba§ btird) bie ^Ubwedjflung ber Unterridjtsgegenftänbe 
aud) ein planmäßiger 5B e d) f e I in ben Säfcigf eiten ber 
6tf)üler unb in ben ^terbttrd) bebingten Körperhaltungen t)orge= 
fefyen wirb. ^iu\ 6tunben geifriger Arbeit muffen 6tunben gur 
Übung non ^ertigMten folgen. Übungen jebod), bie eine ange'= 
ftrengte 33efd)äfttgung berfelben Drgane erforbern, ftnb nid)t auf 
groet nadjetnanber folgenbe 6tunben &u legen, diejenigen ^ä^er, 
bie angeftrengtes 6etjen erforbern, werben auf bie tjeflften £ages= 
ftunben angefeilt. 3)ie Unterrid)tsfrunben finb für Me einzelnen 
Unterrid)tsgegenfränbe möglid)ft ebenmäßig auf bte beiben 2Bo= 
d)enrjälften §u verteilen. S)em Setjrer muß jebod) geftattet fein, 
nad) feinem (Ermeffen unb feinen (Erfahrungen b'ie 6tunbenfoIge 
für feine Klaffe eigenmächtig abguänbern. (Es wirb 
bisweilen twrfommen, ba^ bie Kinber fid) gu gemiffen 3^ ten 
für manche unterrid)tlid)e (Einwirfungen als ungeeignet ertoeifen, 
bann wirb eine Snberung ber 6tunbenfolge am ^latje fein; es 
bliebe 51t erwägen, ob in fällen, in welchen man bas (Empfinben 
bes ß^önges fjat, es nierjt beffer wäre, 6d)ulfpa^iergänge im 
unterrid)tlid)en 3ntereffe gu unternehmen. 3ebenfalls wirb ein 
Spaziergang mefjr Stuften fd)affen unb tjngicnifd) wichtiger fein 
als 3 w a n g s u n t e r r i d) t. 

3n Preußen tft feitens bes Unterrtd)tsminifterium$ bie 
3at)l ber wöd)entlid)en Unterrtdjts ftunben für 
bie ^Bolfsfcrjule unb il)re einzelnen 6tufen genau beftimmt, fie 
beträgt für bte Unterfrufe 20 bis 22, für bie 9JWteIfritfe 28 bis 30 
unb für bie Dberfrufe 30 bis 32. SMefc 6tunben^al)l erfdicint 
für bte £)ilfsfd)ttle in allen il)ren teilen ^u f)od) gegriffen, fomotjl 
im 3ntereffe ber 6d)üler, als aud) in bem ber ßctjrer. W\v er 



— 82 — 

ad)ten für bie Unterftufe täglid) 3, alfo roödjentlid) 18 otunben, 
als burdjaus entfpred)enbe 6tunbenzal)l. gut bie äRittelftufe 
fönnte bie 6tunbengaI)I bis auf 24 unb für bie Dberftufe bis auf 
30 erl)öf)t toerben. 3)a bie §ilfsfd)ule minbermertiges 6d)üler-- 
material befi^t unb il)re klaffen nur eine geringe £d)üler§af)l auf-- 
roeifen, fo toirb Die t>orgefd)lagene 6tunbenzaf)l in jeber 33e#ief)ung 
genügen unb bie 6d)üler toeber belaften, nod) iljnen guoiel Qrei-- 
Reiten getoäljren. 33ei einer foldjen Vemeffung ber tobd) entließen 
6tunbenzal)l liege fid) aud) burd)toeg ungeteilter Unterridjt burd)-- 
füljren — ein Vorteil, ber burdjaus beachtenswert erfrijetnt. ©ie 
roöd)entlid)e 6tunben§al)l ber £ e l) r e r follte l)öd)-- 
ftens 24 betragen, roeil bie aufreibenbe £ilfsfd)ultätigfeit fonft 
Ieid)t 6d)äbigungen in ber <3>efunbl)ett ber 2et)riräfte herbeiführen 
tonnte. 93et ber norljtn bezeichneten 6tunbengal)l / 18 + 24 + 30 
= 72 toöd) entließe 6tunben, fömen in einer breiflaffigen öilfs-- 
fd)ule bei brei 2et)rern auf jebe ßeljrlraft 24 6tunben toödjentlid), 
bie als bas l)öd)ft zuläffige äftajj für bie ßeljrfraft gelten füllten. 

gür ungeteilte Unterrichtszeit, bei roeldjer bie 
täglidje 6tunbenfolge bereits am Vormittage abfdjliefjt, fo baß 
ber Nachmittagsunterricht gönglid) oermieben toirb, treten bie 
6d)ull)t)gienifer zurzeit mit gangem Nad)brude ein. S)te ©rünbe, 
toeld)e fie bafür anführen, oerbienen namentlich) in £>ilfsfd)ulfreifen 
93ead)tung. Vei Vefeitigung bes Nachmittagsunterrichts erfparen 
bie ^inber 3^t unb ^raft, inbem fte nur groeimal ben Sdjultoeg 
gurüd§ulegen Ijaben, toöljrenb btes fonft triermal gefd)el)en müBte. 
ÜBer bie §ilfsfd)üler auf bem Sdjultoege beabadjtet l)at, toirb 
itjnen fidjerlid) nid)t triermal biefe ßeiftung zumuten. Vei geteilter 
Unterrichtszeit muffen bie 6d)üler im 6ommer in ber Ijeißeften 
Sageszeit roieber zur 6d)ule gelten unb im hinter ben Seimtoeg 
Zuroeilen erft in ber Dämmerung antreten. Sro£ ber 9Jftttags= 
paufe ift bie (Ermübung beim beginn bes Nachmittagsunterrichts 
nod) nid)t ganz gehoben, fo ba£ felbft bei einer breiftünbigen 3Rit= 
tagspaufe nod) (Ermübungserfdjeimmgen fid) bemerfbar madjen. 
6d)lie§lid) ift nod) z u ermähnen, baft bei ungeteilter Unterridjts-- 
Zeit bie tjellften Sagesftunben ausgenufet roerben fönnen, toäljrenb 
beim Nachmittagsunterricht in ben hirzen SBintertagen bie ftrf) frül) 
einftellenbe ©unfelljeit ftörenb toirfen mödjte. 

SBenn es alfo irgenb möglid) ift, roirb bie £>ilfsfd)ule aus 
ben angeführten (örünben ungeteilte Unterrichtszeit einführen unb 
f amtliche 6d)ttlftunben an ben Vormittagen erlebigen, 2ln jebem 
berfelben finb jebod) nur f)öd)ftens fünf 6tunben ^uläffxg, unb 
unter tiefen follte minbeftens eine tedjmfdje fein (Surrten, 6piel, 
6ingen, 6d)reiben, Seidmen, §anbarbeiten), toeil fünf roiffen- 
fd)aftlid)e 6tunben für bie fd)toad)begabten Hinber eine Unmb> 
Itdjfeit bebeuten. 

Veim «Jortfall bes Nachmittagsunterrichts l)aben bie £inber 



— 83 — 

ausreidjenbe 3cit gur Anfertigung ber 6d)ularbeiten, gur (Erholung 
burd) $ul)e unb gur gelegentlid)en Silfe, bte fie irjren (Eltern 
letften tonnen. 3n eingelnen fällen aßerbings roürbe es fid) aus 
cr$ieI)Ud)en (örünben empfehlen, bie 6d)üler aud) am 9c a d) = 
mtttage in ber 6 d) u l e g u oerfammeln unb rjier gu 
befd)äftigen, bamit fie, namentlid) bann, roenn fie fid) felbft über-- 
laffen bleiben, nidjt bem SJUifriggang unb ßafter ober ber 53er-- 
fürjrung unb Ausbeutung burd) geroiffenlofe $ftenfd)en anrjeim= 
faffen. 5)ie 6täbte Berlin, Breslau unb ßeipgig rjaben mit folgen 
(Einrichtungen redfyt gute (Erfahrungen gemalt. §orte für §ilfs-- 
fd)üler. 

6d)liej3lid) mag nod) ein äftuftet eines 6tunbenplans für 
eine breiftufige §ilfsfd)itle mit $orfrufe folgen. 1 ) 6iel)e 6. 84. 

Raufen, g e r i e n. — 5wr bte Sßaufen im Unterricht unb 
6d)ulferien in ber £>ilfsfd)ule fommen folgenbe ©efidjtspunfte in 
33etrad)t. 

1. 9cad) ödjlufj ber erften Unterridjtsftunbe finbet eine 
Sßaufe oon 10 Minuten ftatt (8,50 bis 9,00 90cin.), nad) ber g ro e i = 
t e n eine foldje oon 20 Minuten (9,50 bis 10,10 9tfUn.), nad) ber 
b r i 1 1 e n eine oon 10 Minuten (11 bis 11,10 9Jlin.) unb nad) ber 

i e r t e n eine oon 15 90cinuten( 12 bis 12,15 SJcin.). 

2. 38ärjrenb ber Raufen rjaben alle Schüler bie Sltaffenräume 
gu o e r 1 a f f e n unb fici> in georbneten Sftedrjen auf ^n Gcfyulrjof 
gu begeben. 9cur in befonberen (Eingelfällen bürfen S^inber mit 
(Erlaubnis bes Setjrers in ber 6d)ul!laffe oerbleiben. 3)ie klaffen 
finb roäfjrenb ber greigedt gu lüften. 33ei ungünftiger 2Bitte= 
rung rjaben bie ßefjrftcifte bafür gu forgen, baß bie 6d)üler fid) 
alsbalb roieber in itjre klaffen begeben, too fie bann geeignet be= 
auffidjtigt roerben. 

3. Auf bem 6crjulrjofe folten bie 6d)üler fidfy in g ro a n g s -- 

1 o f e r , aber georbneter SBetfe beroegen, 6pielgroang ift gu oer-- 
meiben. 3)ie Auffielt fürjrt eine SerjrEraft, roeldje aud) itjr Augen-- 
merf auf bas Austreten ber 6d)üler gu richten fjat. 5)ie 6d)üler 
bürfen ol)ne (Erlaubnis bes bie Auffielt fül)renben ßerjrers ben 
6d)ulpla£ nicfjt oerlaffen. 

4. fturg oor (Enbe ber Raufen treten bie 6d)üler auf ein ge-- 
gebenes 3eid)en in georbnetem 3uge <* n uno begeben fid) in 
bie ftlaffengimmer. 

3)ie größte ^ßaufe l)at, roie alle ödjulrjrjgienifer übereinftim- 
mcnb empfehlen, nad) ben beiben erften Unterrid)tsftunben ftatt- 
gufinben; roärjrenb berfelben roerben bie 6d)üler aud) il)r giurite* 

*) SBenn f)ier nod) bie 93egetd)nung ber einzelnen llntcrrid)tsa.ea.en- 
ftänbe aud) für ben ©efamtuntcrridjt bcr *&or* unb llntcrftufe flu finben ift, 
fo f>at bies feinen ©runb barin, bafa ein SJIustaufd) ber 6d)üler ber oer* 
fdjiebenen klaffen im ^htge behalten loorben ift. 3)ic 'Bc^eidjnung foll mir 
bas 2Iustaufd)üerfaf)ren erleichtern. 

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— 84 — 





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— 85 — 

grürjftüd' einnehmen. 3)ie nädjftgrößte ^ßaufe foll, toenn bei un= 
geteilter Unterrichtszeit fünf 6tunben aufeinander folgen, nad) 
ber tnerten 6tunbe mit 15 Minuten eintreten. 

(Eine foldje 93emeffung ber Raufen liegt nid)t nur im 3nter= 
effe ber §ilfsfd)üler, fonbern erfdjeint aud) angefid)ts ber aufrei= 
benben Sätigf eit ber § i l f s f d) u i I e f) r e r für biefe geboten. 
3)as ftete 6äd)beroegen in enggegogenen (örengen, bie ftänbige 
$lufmerf'famfeitsanfpannung, roeIdt)e ber 6<fyroad)finnigenunter= 
rid)t oerlangt, bas eroige Einerlei bei geroiffen Übungen, bas an= 
bauernbe 6innen unb Senlen nad) ben beften Mitteln unb 2Begen 
pr 3krftänbigung erzeugen förperlidje unb geiftige (Ermübung 
unb macrjen neroös unb abgefpannt. SBenn es aud) möglid) ift, 
bie natürliche (Ermübung burd) (Energie gu überroinben, fo bleibt 
trotjbem immer etroas prücf, rooburd) bas gefamte ^eroenfnftem 
aümarjlid) überreizt unb bann arg gefcfyäbigt roerben fann. S)a 
nü^en feine mettjobifcrjen fünfte unb leine 'Sibroecrjflungen, um 
bae (Ermübungsroirfungen gu bannen, fonbern nur abfolute SRulje, 
bie burd) maßoolle Raufen herbeigeführt roirb — biefe allein oer-- 
mögen bas geftörte ©leid)geroid)t roieber rjer§uftellen» 

©rößere 9Utt)epaufen bieten bie % e r i e n , bie namenr= 
lid) für bie grilfsfcfyule gerabep ein bringendes SSebürfnis finb. 
9tad) ben oorfjer entroidelten ^Borausfefeungen erfdjeint jebe roei= 
tere 93egrünbung überflüffig. 2Bir verlangen für bie §rilfsfd)ule 
minbeftens biefelben Serien, roie fie ben anberen 6d)ulen geroärjrt 
roerben. 3>ie gerienbauer ift je£t in Sßreufjen einheitlich geregelt 
unb beträgt insgefamt 80 Sage. 

6d)lief3lid) muß aud) nod) ber ipit;eferien (Erroärjnung ge- 
fd)el)en. G>eiftesfd}road)e lünber leiben, roie es bie (Erfahrung gur 
C&enüge erroiefen, Diel frärfer unter 3BitterungseinfIüffen als nor= 
male. 33ei ^älte erftarren fie balb, unb bei £t£e erfdjlaffen fie 
unb finb bann aus tt)rer 6d)laffrjeit faum aufzurütteln. 5)arum 
bleibt es gu erroägen, ob nid)t fdjon bei einer geringeren £empera= 
tur als 25° C Unterridjtsausfefeung erfolgen barf. 3ebenfalls 
roären fold)e SRaßnafjmen com rjn gienif d)en 6tanbpuntte burd)-- 
aus gu befürroorten. (Ebenfo müßte Unterrid)tsausfall bei großer 
Mite eintreten, foroie bei anberen ungünftigen SBitterungsoer-- 
rjältniffen. (Seiftesfd)road)e Slinber rjaben unter fo!d)en (Einflüffen 
mel)r §u leiben als ootlfinnige, gumal fie nod) oft fo einfältig finb, 
bafj fie fid) bagegen nid)t genügenb gu fd)ütjen oermögen. 

Hausaufgaben. — 3)ie Meinungen ber Jp'iIfsfd)itUeI)rer 
über bie Hausaufgaben gerjen fel)r auseinanber. (Einige JJadjleute 
oerroerfen [amtliche Ijäuslidjc Aufgaben, anbere bagegen emp- 
fehlen fie unb roollen unter feinen llmftänben barauf ucr#id)tcn. 
SRad) unferen (Erfahrungen möchten roir bie l)äuslid)en Aufgaben 
aud) nid)t miffen, unb groar aus oerfd)icbcnen ©rüuben. 3)te 
6d)üler rjaben ja bereits in ber 33olfsfd)ulc foldjc Aufgaben an-- 



— 86 — 

fertigen muffen« 2Benn nun bie Altern feljen, baß if)te Kinber 
in ber Hüfsfd)ule nidjts gu arbeiten aufbefommen, bann taugt 
>in iljren klugen bie £ilfsfd)ule nidjts; bie Kinber lernen nid)ts, 
fie bekommen feine Aufgaben ufro. 'Jinbernfafls aber erhalten bie 
Altern burd) bie Hausarbeit am beften einen ßinblid in bie gort* 
fdptte ifyrer Kinber. 6ie feljen aud), baß irjre 6orgenfinber alT= 
mäljlid) vorwärts fommen, unb bas ©efül)l ber Verbitterung unb 
bes Mißtrauens gegen bie 6d)ule legt fid) unb madjjt bem ber 35e= 
rurjigung unb vielleicht rootji gar bem ber ©anfbarfeit Sßlafc. 9lus 
biefen ©rünben finb fd)on geitig fleine fd)riftlid)ie arbeiten als 
Hausaufgaben gu [teilen, bie in entfpred)enber Steigerung roäl)= 
renb ber ganzen 6d)ulaeit beibehalten werben. 

2)es weiteren erbliden roir in ber ßöfung von fyäuslid)en 
arbeiten ein toidjtiges Moment, um bxt Kinber an Sßflic±>terfiil= 
lung, Arbeit unb Drbnung gu gewönnen, uxvb forbern tägltdje 
Hausaufgaben, roenn fie aud) nodjrfo geringe Stiftungen barfiellen, 
auf allen Stufen ber $ilfsfd)ule. 9latürlid) muffen bie Hausauf-- 
gaben genügenb vorbereitet werben unb fleine ^enfen umfaffen, 
bamit bie 6d)üler fie aus eigener Kraft §u löfen vermögen. 
3Benn bie Kinber bann §u Haufe etwas feibftänbig erarbeiten, 
fo ftärft bas it)r 0elbftv ertrauen, gibt itjnen 9Jhtt, Ijebt bas ©e= 
füt)I bes Könnens unb fpornt §u weiteren Betätigungen an. 

3Bas foll nun $u puslidjen arbeiten aufgegeben roerben? 
3)ie Aufgaben roerben fid) nad> bem Stanbpunfte ber 6d)üler 
richten muffen, wie .$♦ 93. Übungen im Sdjreiben, malenben 3^id)-- 
nen, illbfdjreiben, 'Sluffdjreiben — 9^ed)enauf gaben, ßefeübungen, 
9ftemorieren ufto. ©runbfafe muß bleiben: 9Benig, aber 
gut! (Eine Sftadjpriifung ber l)äuslid)en arbeiten barf niemals 
unterbleiben; roenn angängig, finb neben 93erbefferungsl)inweifen 
aud) einige aufmunternbe ^nerfennungen §u geben. 60 roerben 
wofjlgeortmete unb ^roedmiäßig geftellte Hausaufgaben aud) in ber 
Hilfsfdjule möglid)' fein unb ber ©eiftes-- unb SBillensbilbung nn= 
ferer 6d)üler gute 2>ienfte leiften. 

Konfirmation. — $lls maßgebenbe ©runbfäfee für bie 
Konfirmation ber Hi*fsfd)ulfinber bürfen folgenbe Vorfdjläge 
gelten, bie ber Seiter ber SBraunfdjweiger Hilfsfdjule, Hauptleljrer 
K i e 1 1) r n , in feiner (Schrift: 3)er Konfirmanbenunterridjt in 
ber Hilfsfdjule, ßangenfalga 1905, ausfitljrlid) bargelegt l)at. 

„1. ©te £tlfsfrfml!inber bebürfen eines befonberen 5tonfirmanben= 
unterridjts. 

2. 2>er Unterridjt merbe bem £üfsfd)uHeitet b%w. einem £üfsf<fml-- 
lefjrer übertragen, menn niä)t ein ©eiftlidjer, ber mit ber 9Ketfjobi? unb 
^äbagogif bes Sä)maä)ftnmgenunterrid)ts nertraut tft, fiä) baju bereit er-- 
llärt. 

3. ©ie guftönbigen ftrd)Itd)en Organe fjaben ben Unterricht §u über- 
malen unb am 6d)luffe über bie gulaffung §ur Konfirmation gu ent= 
fdjeiben." 



— 87 — 

Sterbet tft nod) gu forbern, ba$ bie Konfirmation gemeinfam 
mit anbeten Honfirmanben gu gefdjiefyen \)<xbt, bamit bie £ilfs= 
fdjüler ber Öffentlid)feit gegenüber feine Surücffe&ung erfahren. 

äljnlid) ift in einer großen Keilje oon 6täbten ber Stonftr= 
manbenunterrid)t an £ilfsfd)ulen geregelt, toenn aucfy bie (Ertei= 
lung biefes Unterrichts burd) £alfsfd)iuIlef)rMfte nod) Diel gu 
wenig ftattfinbet. ^Beachtenswerte 23eftimmungen über bm Kon= 
firmanbenunterridjt SJUnberbegabter l)at bas ^onftftorium ber 
Sßrotring 93ranbenburg to 3afyre 1913 erlaffen, bie im erften Seil 
wörtlid) gebraut worben ftnb* 

(B n 1 1 a f f u n g. — 3)ie (Entlaffung ber |>ilfsfd)üler erfolgt 
in ber Kegel mit ber ^BoEenbung bes 14. ßebensjaljres. 3)od) 
bürfen aucfy ältere 6d)üler in ber 6d)ule oerbleiben, wenn bies 
auf anraten bes £el)rers gefd)iiel)t ober ein biesbepglidjer 2Bunfd) 
feitens ber Altern oorliegt 5Bei ber (Entlaffung ift ein ©efamt-- 
urteil über bie gan^e (Entwidmung ber 6d)üler, über itjre (Erwerbs* 
fäljigfeit, mitit'ärifdje $auglid)leit, Suredjnungsfäfyigfeit, auffällige 
(Eljaraftereigenfdjaften, (Etbesfäljigleit ufw. in ben Sßerfonal= 
bogen $it oermerfen. 3)ie ^ufgeidjnungen finb gemeinfam oom 
ßeljrerfoHegium unb 6d)tolarzte p entwerfen, einzutragen unb 
gu unterfdjraben. 3eber 6d)üler erljält bei feiner (Entlaffung 
ein $lbgangs = ober (Entlaffungsgeugnis, bas natür= 
lid) nur allgemein gehalten fein wirb tyw. aber aud) 93emerfungen 
über 23efonberl)eiten im 6inne bes oorljin erwähnten (£efamtur= 
teils enthalten barf. (Es ift ben 6d)ülern bü ^lufbewatjrung ber 
(Entlaffungsgeugniffe bringenb anzuempfehlen, ba fie als wichtige 
Urfunben gelten unb in mannen S'äÄen unbebingt nötig fein 
roerben. 93ielfad)i toirb oor ber (Entlaffung eine üftüdfpracfye mit 
btn (Eltern ber 6d)üler angebracht erfdjeinen, bei welcfyer bann 
aud) bie , 5 ra 9 e e ^ n ^ r etwaigen 93erufswal)l ufw. (Erörterung fin= 
bm bürfte- 

3n ^Berlin lägt man 9JI e r l b l ä 1 1 c r an bie (Bitern ober Pfleger 
ber aus ber 6djule gur (Entlaffung fommenben ^tnber verteilen, roorin 
praftifcfje 2Binfe für bie roeitere (£r§ief)ung unb bie 2Baf)l bes ^Berufes ober 
für bie 9Jrt ber 93efd)äftigung geboten roerben. Sie 9tterfblätter f)aben für 
Knaben unb 2Räbd)en gefonberten Segt. 

ftortbilbungsfcfyule. — 3)te (Erziehungsarbeit an ben 
6d)wad)begabten barf mit ber 6d)ulentlaffung nid)t auffyören, 
fonbern fie muß eine ergängenbe bgro. abfcfylieftenbe ^Jortfefeung 
burd) einen entfpred)enben ^ortbiIbungefd)uIuntcr = 
r i d) t erfahren. 5)afür fommen gurgeit zwei 9Jlaf3nal)men in 23e- 
trad)t — bie ehemaligen ir>ilfsfd)üler befucfyen entroeber bie allgc-- 
meine örtliche 5 0r tbilbungsfd)ule ober fie werben 
einer 5 or ^^ un 9 5 T , ä) u ^ für 6d)mad)begabte überliefen, bie in 
biefem ^aUt einen felbftänbigen 6d)ulorgant6muG neben 
ben anberen 5 or ^i^ un 9 6 fd)uleinrid)tungen barftelleu mufj. (£nt-- 
fd)ieben roirb biefe lefete (£inrid)tung ben ^orgug oor ber erften 



— 88 — 

oerbienen. Seiber läßt fie ftd> aber nid)t an allen Orten bur<*)= 
atljren, weil ifyre Organifation aiemftcty foftfpielig ift, unb weil 
■xä) pufig genügenbes 6d)ülermaterial für eine gange 6d)ule nid)t 
oorfinbet. 3m allgemeinen jebod) bürfte aucfy ber 93efud> ber all- 
gemeinen Sortbilbungsfcrjule genügen, wenn tiefe neben ben be= 
ftefyenben, organifd) aufeinanber folgenben klaffen aucfy foge- 
nonntc SBorflaffen für geiftig prücfgebltebene Söglinge mit ge- 
ringer 6d)üler^al)l, geringen ße^rgtelen unb befonbers elemen- 
tarem Unterricfytsbetrieb, trielleidjt nacfy bem dufter ber oberen 
^ilfsfcfyutflaffen, oorfeljen würbe, ©ie Verwaltung biefer klaffe 
wäre £ilfsfd)«tlel)rem p übertragen; babei mürben ehemalige 
£ilfsfd)üler am beften iljre Sftecfynung finben. 

©ie 6<fyulpflid)t für bie ^ortbilbungsfdjule müßte fid)i aud) 
bei ben £ilfsfd)itl§öglingen auf bas 15., 16. unb 17. ßebensjaljr 
erftreden unb ließe fid) am beften burdji (Einfügung erläuternber 
SBeftimmungen in bas beftefyenbe Ortsftatut regeln. 

9tatürlidj ift bie gortbilbungsfcfyulpflicfyt aud) auf bie 3ftäb= 
d)ien auspbeljnen, rote bies aud) bie 9teid)isoerfaffung oerlangt. 
SDfic (Einfcfyutung ließe fid) in ber allgemein üblichen Söeife ooH-- 
gietjen, oielleiäjt unter SJUtwtrfung bes guftänbigen ipilfsfdjul- 
leiters. 9lls 6tunbengat)l würben minbeftens fedjs 6tunben 
wöcfyentlicfy §u forbern fein, ©er Unterridjt bürfte am beften in 
ben 91benbftunben oon 5 bis 8 Ufjr ftattfinben. ©er Sßerfonal 1 -- 
bogen müßte ben Sbgling aud)i burefy bie S°rtbilbungsf<fyule & e= 
gleiten, bann aber ber £ilfsfd)ule nad) 6d)Iuß ber ^ortbilbungs- 
fdjiulgeit mit entfpred)ienben SBermerfen §ur weiteren $iufbewal)rung 
gurüdgegeben werben. $lls Unterridjtslofale Mmen bie ipilfs- 
fcrjiulgimmer in 93etrad)t. 2lls ßefyrfräfte würben fid), wie bereits 
erwähnt, £ilfsfd)ullet)rer unb £ilfsfcrjunel)rerinnen am beften eig- 
nen, bie ja bas notwendige SSerftänbnts für bie SBeletjrung unb (Er- 
gtefyung 6d>wad)ibegabter befifeen. 

©ie gortbitbungsfcfyule für Schwachbegabte, nicfyt nur bie 
felbftänbige, fonbern aud) bie (Einrichtung ber Vorflaffen, müßte 
fid) entfprecfyenb ben brei 6d)iutpflid)tjaf)ren, in brei 3at)resfurfe 
gtiebern. 

1. 3af)r. Unter- b%w. 2öieb erljo lungsfurf us. 
3Bieberl)olung ber in ber £itfsfd)ute erlangten Slenntniffe unb 
$luffrifd>ung ber erworbenen fterfcigfeiten b%vo. $lusgleid) etwaiger 
Süden in bem bisher erworbenen 2Biffen unb können. 

2. 3al)r. 3Rittel= b%w. (Erw eiterungsf urf us. 
©ie Setjrftoffe ber £ilfsfd)ule werben oertieft, ergänzt unb er- 
w eitert. 

3. 3al)r. Ober- b%vo. 9Ibf d)lußf ur f us. ©ie fort- 
fdjreitenbe 93el)anblung bes £ilfsfd)ulpenfums wirb gu einem ge= 
wiffen ^bfd)luffe geführt, bgw. mit 93erüdfid)tigung einiger beruf- 



— 89 — 

iidjen unb praftifcfyen 2Raf$naI)men — bei Knaben (Einführung 
in bas 3krftänbnis bes gewählten Berufes, bei 9Mbd)en |>aus= 
fyaltungsunterriäjt ufro. 

^lls Unterricfytsgegenftänbe lommen in 93etracfyt 
für Knaben: 3)eutfd), 9ted);nen, 3^i^nen unb §anbarbeit, für 
SWäbcfyen: ©eutfcfy, Steinen, £anbarbeit unb £ausurirtfd)afi 3n 
ben 2)ienft bes Unterrichts tonnen gemeinfame 33eftct)tigungen 
gewerblicher ober inbuftrieller anlogen, gemeinfame Ausflüge, 
SBanberfafyrten, groanglofe 3 u f^mmenfünfte, bie Seranftaltungen 
t)on Vorträgen unb fonftigen Unterfyaltungsgeiegenfyeiten ufto. 
treten, 

C5d)Iie§Iid)i mögen nod)! gur weiteren 33 e I e I) r u n g in 

ber beregten ffrage bie ßeitfäije eines Vortrages bes ^ortbiI= 

imngsfcfyulbirettors 5 u d) s , Berlin, folgen, ber auf biefem ©e= 

biete bie größte (Erfahrung befi^en bürfte. 

„1. Sie felbftänbige gortbilbungsfdmle für 6d)macl)begabte ift eine 
nottoenbige (£rgängung ber ipilfsfdjule. 

2. 2)as Sd)ülermaterial ber 5°*tbilbungsfd)ule für (5d)mad)begabte 
fe&t fid) aus ben ehemaligen £ilfsfd)ülem unb folgen pfnd)opatl)i= 
fdjen Naturen gufammen, bie in ben beftefyenbert 5°*tbilbungs= 
fdjulen für Formate eine geeignete 93eljanblung unb Qtfrberung 
nio^t erfahren können, 

3. gür bie ehemaligen ipilfsfdjulgöglinge ift ber obligatortfd)e SBefud) 
5er Jortbilbungsfdmle für Sd)toad)begabte bis gum ooEenbeten 
17, ßebensjaljre anguftreben* 

4. Sie gortbilbungsfdmle für 6d)ttmdjbegabte fe&t fid) fotoof)! bie er= 
gtef)lid)e 93eeinfluffung, als aud) bie 2tusbilbung für bie ftorberun* 
gen bes praftifd)en £ebens gum ßroed. 

5. § ur (£rreid)ung biefes Sieles ift eine niebrige illaffenfrequeng, 
eine genaue ^Differenzierung bes Sd)ülermaterials, eine gmed- 
entfpredjenbe $lusmal)l ber Sefjrftoffe unb eine ftreng inbtoibua-- 
lifierenbe 2el)rmetl)obe unb (£rgiel)ung geboten, 

6. 3u ber ^ortbilbungsfdmle für 6d)toad)beanlagte erfolgt — im 
©egenfat} gur £ilfsfdmle — eine räumliche ober geitlid)e Trennung 
ber ©efdjled)ter. 

7. Sie obltgatorifdjen Unterrichtsfächer finb Seutfd), Sefen, gefeü-- 
fd)aftshmblid)e 93efpredmngen, Sdjreiben, SRedjnen unb ipanbarbeit. 
gair 2Räbd)en ift bie (£rtoetterung biefer $äd)er burd) ipaustoirt- 
fdjaft, für bie Jünglinge burd) 3ei<*)nen, gu empfehlen; jebod) ift 
ber SBefud) biefer legtgenannten gäd)er falultatio. 

8. 2üs £ef)r!räfte ber Jortbilbungsfdmle für 6d)toad)beanlagte fom* 
men in erfter £inie £ilfsfd)ullef)rer unb #ilfsfd)ullel)rerinnen in 
93etrad)t. 

9. Sie gortbübungsfd)uIe l)at bas oon ber £ilfsfd)itle begonnene 
3Ber! ber Beobachtung, Beratung unb ftürforge an ben 6d)tDaa> 
beanlagten fortgufetjen." 

Sttetatur, 

Seljrplattfdjrtfteit unb Seljrplane. 

55 o o b ft e i n , Dr. O., Sie £ilfsfd)itle für fdjtoad)befäf)igtc ßinbcr in 
Glberfelb. (Elberfelb 1901, ffriebridjs. — (Entmurf eines Stoff- unb £cf)r- 
plans für bie auffteigenben SRebentlaffen ber Berliner ©emetnbefdutle, 1906. 



— 90 — 

— (E 1 1 c ö , 2K V ßc^rpton für ftaatlioje ^xlfsfdEjuIen in Ungarn. (Eos 1907 
<p. 2. — © I ü rf, 3um £ilfsfdmllef)rptan. £ilfsfd). «5. 6 £. 5--6. — K i e I - 
f) o r n , £ v (Ergief)ung unb Unterricht fd)mad)befcu)igter Kinber. £ilfsfa)ul= 
leljrptan. £alle a. 6. 1909, 9Jlar^)olb. — Kretifdjmar, (Entmurf eines 
©toffplans für bie uiertlajfige £ilfsfdmle gu Üeipgig^lagmit}. £ilfsfd). 
93b. 2, 98, 133. — ße^rplan für bie £üfsfdmle für fd)mad)befät)igte Sa > l= 
Jinber gu 93raunfd)toeig. 3. f. 93ef). 6d)m. u. (Ep. 1881-82; 1887 £. 1 bis 3. 

— £et)rplan für bie £üfsfdmle in ^Bremen. 93remen 1901. — 93 b ft e i n , 
Dr. D., (Einrichtung unb Sefjrplan ber oierflaffigen Sdmlen für fd)tcad)= 
begabte Kinber gu (Elberfelb. — £el)rplan für bie feapsftufige Hamburger 
"pilfsfdwle. ^amburg-^ubbrefe 1911. — £et)rplan für bie fed)sflafftgen 
frilfsfdmlen gu Königsberg i. Sßr.. Königsberg i. Spr., föräfe & Unger. — 
£ef)rplan ber ipilfsfdmle für Scfymad)befäf)igte in £eipgig. £eipgig 1903, 
ipeffe & Beder. — Seljrplan für Sie ipilfsfdmlen ©rofj= s -Berlins. ^Berlin, £. 
Oetjmigfes 93erlag. — 931 a e n n e 1 , 5B., 93om £ilfsfd)ulmefen. Seipgig 
1902. — SJcurtf Ib, ©runblagen unb Stoffe für £ilfsfc§ullef)rplcme. 
^ranffurt a. SÖt. 1914, 93torit} ©ieftermeg. — $ r r i r, , 9$egmeifer burd) 
ben ßer)rftoff ber £ilfsfd)ule. ^Breslau 1914. — S d) m i b t , (Sefid)tspnnfte 
für eine Reform bes ipitfsfdmlleijrplans. ipilfsfd). 1915, 2=3. — 9t i & f d) e , 
Sie Königl. 6äd)f. Sanbesergieljungsanftalt. (Et)emni§ 1907. — Söffet, 
Richtlinien für bie 6toffausmal)l im Unterrrid)t fänt>ad)jinniger Kinber. 
3. f. Kinbf. 93b. 16, 289 unb 23eitr. g. SUnbf. £. 87. £angenfalga, 93ener. — 
30 e i ft , Se^rpläne für ben Unterricht in ber £itfsfdmte neoft metl)OL)ifd)en 
$lnmeifungen. 93eitr. g. Kinbf. ip. 82. Sangenfalga, 93ener. 

(Srgteijuug unb Unterricht im allgemeinen. 

51 u e r , (L, Sorget für bie fd)mad)finnigen Kinber. 3ürid), Oreli 
^ü|Ii. — Sorn, 9teroöfe unb fdjmadjbeanlagte Kinber. ^raftifdje 9tot= 
fd)lä'ge unb neue 3Rittel gur 93efeitigung geiftiger unb torperüajer ^efjler 
ber Kinber. Seipgig 1905. — © e I i t f d) , ©as fdjto adtjbegabte 5Unb im 
§aufe unb in ber Sdjule. 93er. üb. b. 4. 93erb. b. <p. 2)., £annooer 1903. — 
©emi§, Beiträge gur ipilfsfdjulfrage. 3naug.=©tffert. ^teiburg 1905. 

— 2) r e 1 1 e r , Ungegogenfjeiten geiftig fd)toad)er Kinber. ipilfsfd). 93b. 3, 
141. — (Etdjijolg, (Einige ©runbgüge in ber (Ergietjung ber ©eiftes= 
fd)toad)en. 3- f* Kinbf. 93b. 10, 175. — g i e b i g , Dr. med., Über 93orforge 
unb ^ürforge für °i ß intellektuell fdmmaje unb fittlidf) gefätjrbete 3ugenb. 
3. f. Kinbf. s ^b. 11, 321, 353; Berichtigung bagu 93b. 12, 235; unb 93eitr. g. 
Kinöf. ^>. 22. Sangenfalga, Sener. — % u dj s , Rettung fc§maa;finniger Kin= 
ber burd) 6d)ule unb ©efellfc^aft. ^Berlin 1905, Kinb ergarten. — © l a f e r , 
(£., (Brgiefjung unb Unterridjt ber (5d)mad)begabten. Vortrag. 2)Zeb.=päb. 
SRonatsfa^r. f. 6prad)f)eiH. 1894 9Zr. 11. — (5 r 1) m a n n , S X, Einiges 
über 6d)maa)finnige. 3- f- ^ e ^ Sc^m. u. (Ep. 1899 ^. 4=5. — 2) e r f., 
(Ernftes unb Weiteres aus meinen (Erinnerungen im 93erfef)r mit Sd)tr>ad)= 
finnigen. 3üric^ 1901, 2ReIufine. — © ü n b e l , Dr. <&., ©ie Klaffifigierung 
ber 3bioten. Seipgig 1896. — 5) e r f., Über Sd)uma)finnigenergiet)ung. 
2eipgiger Sagebl. 17. u. 18. Ott 1897. — _£errmann, O. ©., ©as 
fd)mad)e Kinb. (Ein 93eitrag gur ^eilpäbagogil für Se^rer unb (Eltern, 
©eiftlidje unb ^trgte. Sßreisfd)rift. ^Hanensburg 1898. — § e n m , Dr. 931, 
©ie Betjanblung ber 6d)mad)finnigen in ber 93oI£sfdmle. Seipgig 1903. 
95hinberlid). — § i n t$ , ©., 9tebenunterrid^t für geiftig minbermertige Kin= 
ber. 3. f. Kinbf. Bb. 2, 188. — £ I c g a b e f , 3. 2B., 9Sorfd)Iäge über <Er= 
gie^ung unb Unterricht fc^mad)befä^igter Kinber. 9Sien 1876, fortleben. 

— £oratI), eiternabenb ber Solinger |)ilfsfd)ule. £ilfsfd). Bb. 1, 137. 

— iporrij, §., ©as unterrid^tlic^e 9Q3ir!en ber £ilfsfdmle. 3. f. Be^. 
6duo. 1905. — ©erf., ©as ergief)lid)e 9Kir!en ber |)ilfsfc^ule. 93fr. 
üb. b. 2. 9Serb. b. £. ©. — © e r f., 9Sorin fjat bie Abneigung eingelner 
(Eltern gegen bie £ilfsfdmle i^ren ©runb, unb mie ift fie gu befettigen? 



— 91 — 

3. f. Kinbf. 93b. 5, 168. — 3 a n I e , Über gürforge für geiftig nid)t normale 
Ktnber. 3. f. Ktnbf. 93b. 2, 122. — Kannegießer, Über bie (Entroid- 
Iung öer garbenfenntnis unferer Kinber. 3» f« 93^* Sdnr». 1906. — 
K a r t f) , Über abnorme (Erfd)einungen bei öer geiftigen (Entroidlung bes 
Kinbes. Osnabrüd 1903. — K ö II e , Wie finb (£r§iel)ung unb Unterridjt 
in ben £ilfs!laffen für 6d)road)begabte unb in ben 6pegial£Iaffen für 
6d)road)finnige ju geftalten, bamit biefe Kinber für ben 33roterroerb be- 
fähigt werben. 3. f. Kinbf. 93b. 6, 236 unb 93erl). b. 3. fdnoeig. Konf. f. b. 
3biotenroefen, 1901. — Fölling, (E., ^erfönli^ettsbilbung gtoeier 
fd)road)finniger Kinber. 3 e ^f^ f* P ao » ^ßfo^)« ufu>., Berlin 1906. — 
K r a n a t f d) , Dr. 3ofef, 3 ur Pflege unb (Ergiefjung jugenblidjer 3bioten 
unb Sdjpaa^finniger. £aße a. 6. 1903, Söcarf)olb. — K ü I) n e r , £eilpäb= 
agogif, irjre 93egrünbung unb Aufgaben. 3umbfd)au über bie neuefte £ite- 
ratur. granff. 6rf)ul§tg. 1907 9cr. 4. — K u n fc e , Sie 93el)anblung fd)toad)- 
finniger unb fdnoad)begabter Sdjulftnber. 6amml. päb. Vorträge, fjerausg. 
o. 9Herjer=9Jtar?au, 93b. 9 £. 4. 93ielefelb 1896, £elmid> — Kurs, 21., 
Sas fc|mad)finmge Kinb. Anleitung für ben erften Unterricht fd)road)be- 
fäljigter unb fd)road)finniger Kinber. Wiener=9kuftabt, Wien u. ßeipgtg 
1891, 21. %olt, — Sänge, Dr. 3v Sie Sdnoadjen in ber Sdmle. Bresben 
1901. — 2 aquer, Dr. med. ßeopolb, Sie £ilfsfdmle für fd)road)befäl)tgte 
Kinber, il)re ärjtlid)e unb fogiale 93ebeutung. Wiesbaben 1901, 3- 5- 
Bergmann. — 2) e r f., Über fdjmadjfinnige 6d)ulEinber. ipaHe a. 6. 1902. 

— 5) e r f., Sie ärätiidje unb er§tel)licr)e 93el)anblung oon 6d)toad)finnigen 
in 6d^ulen unb ^tnftalten. Klinif f. pfnd). u. nero. KranEI). £alle a. 6. 
1906. — £ e I) m , Über ßernroeifen unb £erngeiten bei fd)road)finnigen unb 
frf)merfcl)maa)[innigen Kinbem. 3» f* Kinbf. 93b. 18 £. 1, 2, 3=4. — 2 i e y e , 
Gilbert, Über bie fd)road)finnigen 6d)üler unb ir)re 93el)anblung. 93erlin 
1905, gr. 3^effen. — ßlonb, Dr., Sie (Er§iel)ung lörperlid) unb geiftig 
gebred)lid)er Kinber. ipilfsfd). 1906, 2 u. 3. — £oeper, Über ben Unter* 
riajt für fdjroaajbegabte Kinber. 3. f. Kxnbf. 93b. 2, 97. — 9Jlö 1 1 er , Un- 
terricht ber 3bioten, 3mbe§illen unb (5d)road)begabten. $lllg. 3^tfa)r. f. 
^fnd). u. pfnd).=gerid)tl. 9Jceb., 93erlin 1906. — 3Ueberf)aufen, <L, 
3n ber £ilfstlaffe für 6d)roaa)finnige. <5ßäb. $rofamen. Wittenberg 1904. 

— 9H & f d) e , (öuftao, Sie terjiel;ung fd)road)finmger Kinber jur Selbft- 
tätigteit. ^äb. 6tubien 1908 3al)rg. 29 £. 2. — ö l) I ro e i n , K., 9Jleine 
Erfahrungen unb $lnfid)ten über bas 933efen ber 93ier= unb 6d)road)finnigen 
unb bereu 93el)anblung. 9Seimar 1885. — Sp l ^ , S^erefe, ®ie Pflege unb 
(£r§iel)ung gurüdgebliebener fa)road)finniger unb ibiotifd)er Kinber. Svoti 
Lieferungen, ßeipgig 1880 u. 1882. — ^olfter, m, ^ortbiibung gei- 
ftig 2Rinberroertiger. ^äb. 9ief. 1907 9Jr. 42. — 9i a i m a n n , Dr. (£., Sie 
93ei)anblung unb Unterbringung ber geiftig SWinberroertigen. 3af)rb. t. 
^frjd). u. 9teuroI. 93b. 28, 9ßien. — 3^appeunb^anfen, Über Pflege, 
(£rgiel)ung unb Unterricht fa)roaa)finniger (ibiotifa>r) Kinber. Kiel 1904, 
ßipftus & Sifdjer. — 9\ e i d) e 1 1 , (£., 2>ie Kräftigung bes WiQens bei bil-- 
bungefäljigen tbiottfd)cn Kinbern. 3. f. 93el). 6c§m. u. C£p. 1880--81 ^. 4. 

— 9i e i n t c , 90ßilf)., Unterroeifung unb (£rjiel)ung fcf)road)jinmger (fd)mad)= 
befähigter) Kinber. ^Berlin 1899, Oefjmigte. — 9ieu!auf, Vl v abnorme 
Kinber unb iljre pflege. Sßäb. äRagag. §. 29. £angenfaiga 1902, 33ei)er. 

— 9i ö n t g e n , $ v 3ur |>eilpäbagogif. (Ergie^ung unb Unterridjt ber 
fd)road)begabten Kinber ber y3oI!sfd)uIe. Katljol. 3eitfd)r. f. (£rg. u. Untcrr. 
Süffeiborf, £. edjroann. — 6 d) e n f , ©eroinnung baucrnbcr Unterrichts» 
crgcbiüffe für geiftig gurüdgebliebene Kinber. 3. f. Kinbf. 33b. 10, 86. — 
S d) l j$ , 93etrad)tungen über Pflege unb Er^ieljung abnormer Kinbcr. Sic 
(öefunbl). i. Wort u. 93ilb 1908 <p. 2. — 6 d) n a b c l , Wettor, Was Imt ber Leh- 
rer 511 tun, um bie fdjmadjbegabten unb gurücEgcbliebenen Ktnber im Unter- 
rid)t möglidjft 51t förbern? 5 rQ ntfurt a. 3R., Sieftermcg. — 6 d) r e i b c r , 
5ür bas Woi)i ber Summen in unferen öffentlichen 6dntlcn. 3- f« Äinbf. 



— 92 — 

53b. 5, 185, — Sdjroenf, Sie 3ud)tmittel in unferen Slnftalten. 1899, 
Verlag ber 3bfteiner Slnftalten. — 6 e i f a r t , Slinberftubien in 5er £ilfs= 
fdjule. 3- f. Äinöf. 1906 £. 10. — 6 f) u 1 1 1 e ro o r t J) , ©. <L, Sic Pflege 
bes geiftig fd)road)en Slinbes gum Unterfcfytebe oom fdjmadjfinnigen SÜnbe. 
Sas öfterr. 6anitätsro. 1891. — ©tabelmann, Dr. £., 6d)toad)bean= 
logte ^inber, ir)rc görberung u. 53el)anbtung. 9Jcünd)en 1904, Otto ©melin. 

— 6 t ei nie, 20., 5Q3eld)e befonberen SJiafjnajjmen finb gu treffen, nm ben 
Unterridjt fe^r f$ma$befäf)igter ^inber §u förbern? 53lätter f. b. 6d)ul= 
pragis, &eil. 5. preufj. ßeljrergtg., 6panbau 1906. — Stelling, |>einrtd), 
Sie ffürforge für bie fd)toad)begabten Slinber in ber 53olföfd)ule unb ber 
Saubftummenanftalten. 53orhtm u. (Emben 1900, ipannel. — Stephan, 
SBeldje Mittel nnb 3ßege bieten fidt) für bie pflidjtmäfeige Pflege ber 
6d)toad)en bor* Sßäb. 2Barte 53b. 6 $. 19, Ofterroied. — Storno, Seicht 
abnorme £inber. 9111g. 3eitfd)r. f. Sßfodj. 33b. 62. — U f f e n J) e i m e r , %., 
SKebigimfdje ^fndjologie mit 53egug auf 53eijanblung unb (Ergieljung ber 
angeblid) 6d)toad)finmgen. SEftonatsfdjr. f. Slinb erteil!., 9Bien 1906. — 
Uffenfjeimer unb 6 1 ä l) I i n , SBarum lommen bie ^inber in ber 
6dmle nid)t oorroärts? $Ründ)en 1907, ©melin. — 3Bitte, Dr., 53olts= 
fdwle unb £ilfsfd)ule. Sfjorn 1901. — 3 i c g I e r , £., Unf ere fd)toad)en 
^inber. $td)t Briefe aus ber (£rgiel)ungs= unb Unterrichtsarbeit an geiftig 
3urüdgebliebenen für 53äter unb S&lütter. 3oftein 1903, Verlag ber (Er* 
gietjungsanftalt. 

Unterricht unb Unterrtdjtsmetljoben. 

53 u r b e 1 1 , Sie metfjobifdje 6eite ber 53el)anblung geiftesfd)toaa)er 
^inber. 3. f. Ätnöf. 53b. 10, 29. — © r u n b i g , Sie 53ebeutung bes 53tlbes 
im Unterricht ber Sd)road)en. ßangenfalga 1918, 53ener. — © ü r 1 1 e r , 
Sriebgemäfter (Erlebnisunterrid)t, ein ^Beitrag §ur ^ßrajis ber ipeilpäbagogif 
unb ber $lrbeitsfdmle. ipaHe a. 6. 1921, äftarljolb. — Hennings, SR., 
Unfere &ilfsfdmle auf bem 3Bege gur 2lrbeitsfd)ule. £ilfsfd). 53b. 3, 253. 

— S e r f., 6d)affenbes Semen in ber £ilfsfdmle. 3» f» Äinbf. 53b. 15, 213. 

— iperberid), 3. 2Jt., 9Jietl)obif bes 6d)toad)finnigenunterrid)ts. Sonau- 
roörtl), 1910, ^uer. — S e r f., Sie 53egriffsentnridlung beim Unterricht 
f^madjfinniger 5Unber. ^benba 1898. — £ilfd)er, Sas 90cärd)en als 
©runblage bes ©efamtunterrid)ts in ber £ilfsfd)ule, #eilpäb. 6cpul= u. 
(Sltemgtg. 53b. 4 9ir. 4. — $ r r i r, , £., ©ebanfen über bas unterrid)tlid)e 
SBirlen Der £ilfsfd)ule. 3. f. 53el). 6d)to. u. (Ep. 3an. u. $ebr. 1905. — 
Serf., Ratgeber beim erften 6pred)= unb ßefeunterridjt auf pljonetifdjer 
©runblage. Süffeiborf 1919, ß. Sd)toann. — Serf., ^lnfc^aulia)er 9ied)en-- 
unterric^t in ber ^ilfsfd^ule. £aHe a. 6. 1919, SRar^olb. — Serf., Ser 
6anbtifd) in ber £ilfsfdmle. (£benba 1919. — Serf., 53egriffsbilbung unb 
©ebanlenausbrud in ber ^ilfsfd)ule. (Ebenba 1921. — aRaner, 90Beltt)e 
53efonberl)eiten ergeben fic^ für ben 6ad)unterrid)t in ber ioilfsfc^ule. 53er. 
üb. b. 4. 53erb. b. £. S., 1903. — ^iel^orn, £., Ser Hnterridjt ber 
^>ilfsfd)ule. (Ebenba. — ^renberger, Dr., 3ur ©efü)ic^te unb 9fletl)obe 
bes Unterridjts bei Sd)toad)finnigen. ^Ber. b. 2. öfterr. £onf. b. 6d)roaa^f.= 
^ürf., 533ien 1906. — 2 e p e r , 5., Über ben Unterricht für fd)toad)begabtc 
^inber. 3. f. Ätnbf. 1897. — 9JI i b b e l b r f , Sie Heimat als ©runblage 
bes |)ilfsfd)ulunterrid)ts. $ilf»f *• 53b. 4, 324. — 9* i % f d) e , Sie (Erdung 
fc^mad)finniger ^inber gur Selbfttätigleit. 3. f. 53e^. Sdjro. u. (£p. 1907 
§. 11 unb 53er. üb. b. 12. Äonf. f. b. 3Motenroefen. — Otto, 5tatl)., Sie 
begriffliche 9Retljobe im ^Infdjlufc an 6pagiergänge. 53er. üb. b. 7. 53erb. 
b. ip. S., 1909. — Quenfel, 5Biffenfa5aftlid)e ©runblagen ber ^>ilfs-- 
f dhularbeit. 3. f. 53ef). 6d)ro. 53b. 32 £. 3. — 3i i d) t e r , (L, Über ben Hnter- 
ridjt fd)toad)finniger ^inber. 3- f. ®e§. Sdno. u. (£p. 1893 ^. 2-3. — 91 i e - 
mann, Sie 6elbfttätigleit ber SUnber beim Hnterridjt abnormer ^inber. 
3. f. 53e^. 6d)to. u. (Ep. 1901 ^. 11. — 6 § enl, ^l., ©eminnung bauern- 
ber Unterridjtsergebniffe für geiftig gurüdgebliebene ^inber. 53er. üb. b. 



— 93 — 

11. £onf. f. b. 3bioten= u. $ilfsfd)ulmefen unb 3. f. 33ef). Sd)m. u. C£p. 1904 
£. 7. — Sd)mibt, ©runbfä£lid)es aus ber £ilfsfd)uitobafttt £ilfs= 
f d). 1916, 10. — 6 e i f a r t , $Ius ber ^rajis ber £ilfsfd)ule. (Et). Sdjulbl. 
1907 9?r. 6=7. — Ufer, ©arftellenber Unterrid)t bei 6d)mad)befäf)igten. 3» 
f. ^inbf. 53b. 7, 89. — 2B e i g i , ftr., Sie ^Bermenbung non Silbern im £ilfs= 
fd)ulunterrid)t. Sefjrmittelmarte f. fjeilpäb. ödmlen u. $lnft. 2)eg. 1909. 

— Sieglet/ 5L, ®ie ^inber tonnen guüiel. 3* f» ^ e ^ 6d)tt). u. (Ep. 
1898 £. 1 bis 3. — 3) e r f., 3um ergiefyenben Unterrid)t bei 6d)tDadjfinnigen. 
(£benba 1899 £. 7=8. — 2) e r f., ®ie uridjtigften d)ara!teriftifd)en (örunbfä&e 
bes Unterrid)ts bei Sd)toad)finnigen. (Bbenba 1900 ip. 3 bis 5. — 2) er f., 
Über bie Beteiligung ber 6d)üler am Unterrid)t. (Ebenba 1907 §. 2=3. — 
5) e r f., Untertreibet fid) bas Unterrtdjtsnerfafjren in einer 6d)toad)begab= 
tenfdmle prinzipiell non bem in ber Sftormalfdutle? 3. f. (£rf. jgbl. 6d)to. 
1911 33b. 4. 

gortbtlöumjsfdiule. 

<L p r i a n , 2Banberfal)rt nadj 6minemünbe. 3n: 2)er erfte 33or= 
unb gortbtlbungsturfus für &ilfsfd)ullel)rer in Berlin, 6. 15. ^Berlin 1910. 

— $ u d) s , £ilfsfd)ulfragen. £atle a. 6. 1912. — 3) e r f., ©ie berliner 
spfliajtfortbilbungsfdmlen für fdjmadjbegabte 3ünglinge unb 9Jtftbd&en. 
$ilfsfd). 53b. 6 £. 3. — 33 u f dj , gortbilbungsfduxlflaffen für bie aus $tlfs= 
fdutlen entlaffenen Knaben, &ilfsfd). 1905, p. 4. — (Etyrig, 2>ie ^ott- 
bilbungsüaffe ber £ilfsfdmle für 6$mad)befäl)igte in Seipgig. 3» l ^ e *J* 
6d)tD. 1907 <p. 7. — £ e 1 1 m a n n , Sie gortbilbungsfdnxle für 6dpaa> 
begabte. 3* f« ®e*j« §<*)ro. 1907 £.3. — 6 dj e n 1 , Sie ^ürforge für bie aus 
ber £ilfsfdmle entlaffenen 5?inber. 33ielefelb, £elmia> — 3) er f., ^Irtüel 
über ^ortbilbungsfdmte im (Eng. $bhd). 6. 558 ff. — 2B e & e l , Sie Sdnt>aa> 
begabten in ber gortbilbungsfdjule. £ilfsfd). 33b. 5 £. 9. 



5. QtyulfyauS unb 2itt3fiaifuttg* 

£tlfsfd)ulr)aus. — 3)ie 6elbftänbtgfett ber £ilfsfd)ule 
ift toieberfyolt betont toorben. 3)ap getjört natürlid) auefy tl>re 
Unterbringung in einem eigenen ipeim, alfo in einem befonberen 
£üfsfd)ulf)aus. üücefyrere 6täbte befifeen bereits mufter= 
gültige £>ilfsfd)ull)äufer, roie g. 93. ^Jranffurt a. 9Jc., Königsberg 
i. ^ßr., ßetpgig, Hamburg, Breslau unb (£l)arIottenburg. 5)ie 
^orberung nad) einem eigenen §üfsfd)ulf)aufe erfdjeint burdjaus 
berechtigt, benn innere 6elbftänbigfeit oerlangt aud) äußere Un= 
abf)ängigfeit, befonbers im 3ntereffe einer ungeftörten, felbftänbig 
eintjergefyeuben ergierjlidjen unb unterrid)tlid)en 93el)anblung ber 
6d)üler. 5)as §ilfsfd)ull)aus müßte möglidjft üoüfommen aus= 
geftattet fein unb aud) bie nötigen ^cebeuräume befi^en. C^tn 
6ptelpla$ mit Surntjalle unb ein 6d)ulgarten mären erforberltd), 
ebenfo bürften bie SBerfftätten für ben §anbarbeitsunterrid)t nid)t 
fehlen unb aud) nid)t bie 93abeeinrid)tungen, ße^rmittelgimmer, 
33ibIiotI)e!sgimmer ufto. 3)ie Klaffengimmer foüen nid)t gu flein 
fein, fie muffen gut belichtet unb mit ben beften ^eipngs-- unb 
$entiIaiionst)orrid)tungen uerfeljen roerben. 

Sagesanftalt. — Vettere 9Borfel)rungen müßten getrof- 
fen roerben, roenn bas $ilfsfd)ull)aus aua^ als Sagesanftalt 
bienen follte. 93ei biefer (Einrichtung roerben Kinber, toeldje toette 



— 94 — 

6d)ulu)ege gurütflegen muffen, ober oud)i anbere, beren Altern es 
roünfdjien, über Mittag unb ben gangen 9fto<fymittag it? ber ^Inftait 
besaiten, beauffidjtigt unb gefpeift. S)as 9flittageffen erhalten 
unbemittelte 6dt)üler auf Soften ber 6tabt, mätjrenb beffer ge= 
ftettte Altern es für ifyre ^inber gang ober teilroeife begaben 
fönnen. SRad)i bem (Effen werben bie Kinber in Gruppen ange-- 
meffen beauflagt unb gtöecfmäfrig beftfyäftigt unb bann gur 
9taa}t bem (£lternl)aufe gurüdgegeben, 2)urdt) biefe Einrichtung 
unrb ärmeren 5linbern md)t nur Gelegenheit gu einer aroerfmäfji-- 
gen (Srnäfyrung, 93efd)äftigung unb (öetoöljnung an Orbnung unb 
6auberfett geboten, fonbern audt)i bie Gefahr befeitigt, baj3 
6d)!toad)finnige aufrerfyalb ber 6ct)ulaeit auf ber Straße oerfom- 
men unb oerberben. 3n neuerer ßeit mad)t fid)i auet) bie ©rün= 
bung üon Porten für f<fymad)fmnige S^inber reä)t erfreulich be- 
merkbar. 2>er (Eräiefyungs'-- unb Sürforgeoerein für geiftig gurüd-- 
gebföebene Kinber in ^Berlin unterhält bereits mehrere, toorin bie 
Kinber entfprecfyenbe 93eauffid)tigung, ©peifung unb gtoecfmäfjige 
33efct)iäftigung tagsüber finben. Rubere 6täbte tooEen in biefer 
93egiet)ung bem ^Beifpiele Berlins folgen unb ebenfalls neben ben 
gewöhnlichen Slinberljorten auefy foldtje für §ilfsfä)üler ein- 
richten. 

6d)iulausftattung. — Qhtte SUusftattungsfatfjen, 33U- 
berfdjmucf unb 6auber!eit machen bie 6d)ulr<äume Ijeimifä), unb 
gemütlid), fo ba% fidj bie Scfyüler in it)nen u>ot)l unb gehoben 
füllen, liefern Umftanb ift befonbers bei ber ^lusftattung ber 
6d)iul§immer ber §ilfsfct)ulen &ed)nung gu tragen. $on ben 
allgemein gebräuäjlicfyen 6ad)en für öcfyulausftattungen tooßen 
roir t)ier abfefjen unb nur einzelne 33efonberl)eiten in $orfd)lag 
bringen. 

1. Statt bes Sßultes eignet fid) für bie unteren klaffen beffer ein 
£ e f) r e r t i f d) , ber fo grof fein mufj, bo§ fämtlid)e 6d)üler um il)n 
l)erum Sßla^ finben unb nom Seljrer bequem überfein merben tonnen. 

2. 9ftobelliertifd). 9tad) ben eingaben non Sdmlbireftor (£. 
^ i 1 1 . 6olib gearbeitet, ^>öf)e 70 cm, ©röfje ber Sifdjplatte 50 : 60 cm, 
©röfje bes Sanbfaftens 54 : 70 cm, Siefe besfelben 6 cm, Sanbfaften aus= 
geginft. 9flit einfdn'ebbarem SJtoterialienfaften, ent^altenb SJtarfierungs-- 
geidjen, ^erlenfd)jiike, ©ips, färben, Sßinfel, 9flobeHierl)ol§, £olgfd)ei= 
ben ufm. 

2Bie in jebes 6d)üläimmer 2Banbtafel unb treibe gehören, fo aud) 
ein 6anb!aften unb Sanb für plaftifd)e Sfiföen. 2lus feucfjtem 6anbe, 
ber infolge ber Skrbinbung unb ^Ibpfion balb l)art mirb, laffen fid) 
allerlei (öegenftänbe unb nad) ber ^arte allerlei ©ebiete mobeEieren, mo= 
burd) Slartennerftänbnis unb ^artenauffaffung erft ermöglicht merben. 
©eograpljie, |>eimat!unbe, 9laturgefd)ic^te ufm. oerlangen nad) bem mo= 
bernen ^Irbeitspringip unbebingt Sftobelliertätigfeit, fonft mad)t fid) ber 
3krbalismus breit. 3JlobeUier^olg, Sßerlenfetten (§um 9Jlarfieren ber ^lüffe) 
^ol^fdjeiben (Stäbte), ©ips, (Srbfarben ufm. ermöglichen in Jur^er 3^it bie 
^erfteÜung fd)öner unb inftruüioer (Sebilbe. 

3. 6a>ulbänfe. ©ine fel)r brauchbare 35eftu^lung für l)eilpäbago= 
gifc^e 6d)ulen liefert bie 33erolina=6d)ulban!. ®iefelbe ift einfi^ig, gmei- 



— 95 — 

füjjig mit oerftellbarer ßefyne unb oerfteHbaren ffügen. 3nt übrigen eni= 
jprict)t fie ollen {jngienifdjen unb mobernen ^nforberungen, bie man in 
unferer 3 e ü ai1 e ™ e ©dmlbanf gu ftellen berechtigt ift §ur weiteren 93e= 
fd)affung für gute 6i&e unb Arbeitsgelegenheiten toirb bas einftellbare 
6 d) u l p u 1 1 für £üfsfdmlen empfohlen. 93ei 93emt§ung bes einfteiibaren, 
einzigen Sßultes unb ber bagu paffenben 6tül)le roirb es mögltd), bem 
Sdjüler eine feinen Hörperoert)ältniffen genau entfpredjenbe 6i^= unb 
6d)reibgelegenf)eit gu geben. 

Siefe (5ad)en finö oon ber 6dmlmöbelfabrif % 3. 9Jtüller in (Ef)ar= 
Iottenburg gu begießen. 

4v Serbanbfaften mit ben nötigen 3krbanbftoffen unb 
$lrgeneien. Qux erften £ilfeleiftung bei Unglücksfällen. — 2)er haften ift 
für unfere ödmlen befonbers mistig, benn es ift ja genugfam begannt, 
öaft unfere 6d)üler fid) mel)r ftoften unb nerle&en als normale, 3)esf)alb 
ift es gut, toenn man 2$erbanbfad)en unb fonftige Hilfsmittel aHegeit bei 
ber £anb l)at. 

5. (Eine ^rojeftionslaterne gur 93orfüf)rung oon £ia;tbilbern. 
Sie 2lusmaf)t ift nad) ben ßefjrmittelfatalogen gu treffen; bie greife 
fdjumnfen gmifajen 200 bis 500 2R. 

6. Söanbbilber, $B a n b f r i e f e , 2Banbfprüd)e. 2>ie 93er= 
leger Seubner, £etpgig; 93oigttänber, ßeipgig; Seemann, ßeipgig; 9Jlerfelb 
u. Sonner, ßeipgig; (5d)id u. (Eo., ßeipgig; Beutel, Stuttgart; ^unftmart= 
oerlag, 9ftünd)en ufto. fenben gur $lusmat)l bereittoilltgft if)re 'jßreisoergetdj* 
niffe. 2»ie 3 a ^ u nb $lrt ber Silber ift fel)r groß, es laffen fid) bes^alb 
leine beftimmten 93orfd)läge machen; l)ier mag ©efdmiad unb 93ebürfnis 
entfdjeiben. 

7. 2Bed)felraI)men „<ßerfeft" für SBanbbilber. 9tr. I. $affen& 
gu <Bilbgröfje 88:66 cm «Rr. IL Sßaffenb gu 5Bilbgrö§e 105:75 cm. 
„^erfeft" ermöglicht mittels feiner Spannoorridjtung, bie burd) geberbrud 
gehalten mirb, Silber of)ne grofje äJlülie med)felmeife, gefdjmadooH einge= 
rafymt, ben ^inbern oor klugen gu führen. (Er lann aud) gur (Einrahmung 
t)on 5lnfd)auungsbilbern oermanbt merben. 2Bed)felraf)men für Spoft= 
f arten nad) £ e n d. gair 2 X 18 Sßoftlarten, um $lnfid)tsf arten aus allen 
(öebteten unterrid)tlid) gu oermerten, gugleid) ein 3Banbfd)mud für bie 
Sdmle. 

Sie 6ad)en finb oon (Earl 9War!)oIb ^Berlagsbudj^anblung, §aUe a. 6. 
gu begießen. 

£efyr = unb Sern mittel, — 93egüglid) ber ßefyrmittel 
mögen fyier nur bie trndjtigften Qnunbfäjje gegeben werben; bas 
$lusfül)rlid)e borüber nebft £iteraturnad)tt)eis ftnbet fid) an ben 
entfpredjenben 6tellen bei ber 93el)anblung ber einzelnen Unter-- 
rid)tsgegenftänbe. gür bit £ilfsfd)ule muffen retd)Iid)e, natür= 
üd)e unb fünftlidje §ilf6--, 2el)r= unb ßernmittel verlangt werben, 
weil ber Unterricht ausfdjliegltd) ^ n f d) a u u n g 5= , 33 e o b a d)! -- 
t u n g 5 = unb ^rfat)rungsunterrid)t fein foll unb gu 
biefem Qvw&z tneler Hilfsmittel bebarf. 

allgemeine 5 0r ^ erun 9^ n begüglid) ber f)eilpäbagogifd)en Un= 
terridjtsmittel: 

1. S)ie £e^)t-- unb Hilfsmittel muffen möglid)ft einfad) geftaltet 
unb Ieid)t gu I)anbl)aben fein. 

2. 6ie muffen ber SUuffaffungstraft ber Slinber entfpred)en 
unb bie gu bet)anbelnben ©egenftänbe unb (Stoffe mög-- 
lic^ft gefonbert barbieten. 



— 96 - 

3. 6ie muffen Gelegenheit bieten, ba§ bie ^inber fid) nidjt 
bloß aufneljmenb (rcjcptio) — burd) $Infd)auen unb 93e= 
fdjreiben — fonbern audj Ijert-orbringenb (probuftio), alfo 
burd) SQlit^erfteUen, SRitanfaffen unb Sufammenftellen 
ober 3ufammenfe^en, beteiligen fönnen. 

4. (Sie muffen fid), foroeit roie möglid), bem unmittelbaren 
praftifdjen ©ebraud) im ßeben anfdjliefren unb eine foldje 
$eranfd)aulid)ung gemctyrleiften. 

5. 9We Geräte unb Hilfsmittel muffen fo befdjaffen fein, bafe 
fie roeber in ^rjgienifdjer nodji in öftl)etifd)er £infid)t gu 
93ebenfen Einlaß geben. 

6. Gegenftänbe, roeldje unter Eeitung bes Sefjrers, aber unter 
9JÜtmirfung ber 5linber fyergefteüt roerben fönnen, oet-- 
bienen ben $orpg t)or gefauften 6ad)en. 

7. 2lIIe ßetjrmittel muffen gur unoerpglid^en, roieb erholten 
Vorführung in jebem ße^immer bereit ftefjen, bamit 
il)re erforberlidfye Verroenbung unb bie Vermittlung un- 
mittelbarer $lnfd)auungen keinerlei Verzögerung erfahre. 

§inftd)tlid> ber 21 nf d) auun gsbilb er finb folgenbe 
gorberungen p ftetten: 

1. S)as 91nfd)auungsbilb muß ber iBirflidjIeit unb bem linb-- 
lidjen Naturell entfpredjen. 

2. (Es foH fünftlerifdj gehalten fein, flare perfpeftbifdje 28ir= 
fung fyaben unb beutltdje Umriffe aufroeifen. 

3. (Es foÖ reid)belebte §anblungen barfteHen, nidjts Über-- 
fdjitocmglidjes, Sßfjantaftifdjes unb grauenhaftes bringen. 
6timmungsbilber fotnmen erft in groeiter ßinie in 
Vetradjt. 

4. 3)as $lnfd)auungsbilb foH fyeimatlidj fein unb t»on ber 
engeren unb weiteren ipeimat in £aus, §of, ©arten, fitlb, 
3Biefe, 2Mb, 3)orf unb 6tabt ergäben. 

5. (Es muß genügende Gröfce beftfeen unb frei oon Über= 
labungen fein. 

Über 9teuerftf)einungen auf bem (Sebiete bes Sef)rmitteIroefens orien= 
tieren gunerläffig unfere beiben ^adjäeitfdjriften: „Sie ipilfsfdmle" unb bie 
„ßeitfdjrtft für bie 93el)anblung 6cfyroad)finniger", bie beibe im Vertage 
uon (E. 93carf)otb in <palle a. 6. erfdjeinen. 3n ben Sauren 1909 unb 
1910 erfdjien aud) eine Spegial§eitfd)rift für Ijeilpäbagogifdje £ef)rmittel 
unter bem Sttel: Sefyrmtttelroarte für I)eilpäbagogifd)e 6dmlen unb 3In» 
ftolten, bie aber nad) gmeijctfjrigem SBeftefjen aus Mangel an Hnterftü^ungen 
einging. 1 ) 

$ls Sammelftette für 2e^r= unb Sernmittel, f)auptfäd)Iid() für £ite= 

*) (Eine frjftemattfd)e Überfielt mit 93efd)reibung, Preisangabe unb 93e= 
urteilung ber roid)tigften ^>tlfs=, 2ef)r= unb ßernmittel bes ipeüunterridfjts 
bietet mein $lrtifet: 2e^r= unb ßernmittel (einfd)lieftlid) 3ugenbliteratur) 
für f)eiIpäbagogifd)e 6dmlen unb aufteilten, in bem IL ipeft bes £anb= 
bucfyes ber (Erforfdmng unb ftürforge bes jugenblia^en Sd)road)finns, I)eraus= 
gegeben non ben Sßrofefforen Dr. iß o g t unb Dr. 20 e n g a n b t. 3ena 1912, 



— 97 — 

• 

ratur, ift bas 9)t u f e u m für Sdjroadjfinnigenbilbungsroe« 
f e n in 3bftein a. Saunus gu nennen. ^ufcerbem befielt in ipannoner bas 
2) e u t f d) e 9Jt u f a u m für bös $ilfsfd)ulroefen unter ber 
ßettung unb 5Iuffid)t bes Skrbanbes ber £ilfsfdmlen 3)eutfd)lanbs. Sie 
Sammlungen umfaffen: 

1. 2lrd)tt), 

2. 3entralbibliotI)e£, 

3. 2el)r= unb ßernmittel unb 

4. Sattlerarbeiten, 3eid)nungen ufro. 

33 ü d) e r e i. — ©djliejglid) ift nod) gu erwähnen, baß jebe 
£ilfsfd)ule aud) eine eigene 2el)rer= unb ©djülerbibliottjef befifeen 
mu^ ©ie 2 e f) r e r b i b I i o 1 1) e f foH bie meiften grunblegen= 
ben 6d)riften itnferes ©ebietee, e<xnfd)ließlid) ber gad)geitfd)riften, 
anfdjaffen, bamit bie Sefjrfräfte ficfy je'bergeit über (Strömungen 
unb ^Bewegungen auf bem ©ebiete bee £ilföfd)ulwefens unb ber 
ipeilpäbagogif belehren fimnen. 

£iteratttrnad)weife befinben fid) am Sd)luffe jebes wid)tige= 
reu Abfdjnittes, bie Auswahl fann banadji mit 2eid)tigfeit ge- 
troffen werben. Über Sfteuerf Meinungen unterrichten gu= 
oerläffig unfere ^adjgeatfcfyrifien. 5>ie befte ßiteraturüberftcfyt 
gibt, auger bem bibliograpfjifdjen 33ergeid)ni5 bes $anbbud)e ber 
6d)wad}finnigenfürforge r>on 93ösbauer, SORiflas, 6d)iner, 
ber Artif ei „3>te £ilfsfd)ule" t)on £> e n g e , ^ranffurt a - ^" 
in bem II. §eft bes bereits erwähnten £anbbud)s ber (Erforfdjung 
unb ^ürforge bes jugenblicfyen 6d)wad)finns. 3ena 1912, Verlag 

von 5ifä) er - 

SBertnoH finb aua^ bie ßtteraturangaben in bem 93ud)e oon S d) u I g e : 
2>ie 93erufsbilbung bes £ilfsfrf)ullel)rers, ipaHe a. S., 1917. ®ie Siteratur* 
naajroeife biefes 33ud)es begießen fid) eigentlid) auf jebes Kapitel meines 
ipanbbuajes. Hm toieberl)olte ipinroeife auf bas S d) u l g e fd)e 93ud) gu 
nermeiben, möajte td) bemerken, bag bie Sdjrift nur im erften Seile Cirroälj^ 
nung gefunben f)at, obroofjl fie eigentlia) bei jebem Kapitel mitangefüf)rt 
roerben müftte. 

5ür bie 6d)üIerbibIiotf)ef ber ipilfsfdjule wirb es 
fd)wer fallen, eine Auswal)! geeigneter 6d)riften gu treffen, weil 
roir nod) gu geringe (Erfahrungen in biefer Angelegenheit befifeen. 
23is je£t liegen aud) nur wenige 6d)riften oor, bie fpegiell für 
unfere Qwtät oerfaßt finb. ÜBir ermähnen folgenbe: 

1. 9ftarf)olbs 93 ü d) e r e i jur Anregung unb ftfoberung für un- 
fere 3ugenb herausgegeben non S d) u l g e unb Äampe. £alle a. S., 93er= 
lag oon 2Karl)oIb. 1. 53b.: <Robinfon. 2. 93b.: Cxin &orb noE 5tirfd)en. 

2. 3ugcnbfreuben. 93üd)er für ipilfsfdmlfinber gefammelt unb 
herausgegeben oon ßorengen unb S e e b a u m. ßeipgig, SBerlag t>on 
DürcÜetpjig. 1. 53b.: Äinbcrleben. 2. 53b.: duftige ßeute. v 

Auf ber $ertrctert)erfammlung bee 3Berbanbe6 ber ipüfs-- 
fd)u(en ©eutfdjlanbs am 11. April 1917 gu Berlin f)ielt SRcftor 
Qu ante, 9D^ünfter, einen Vortrag über bie SBebeutung 
ber 3ugenbfd)riften für £ilfsfd)ulen. (Er ging in 
ber §auptfad)e oon 5 0r ^ erun 9^ n öwö, bie bie 3ugcnbfd)dften-- 



— 98 — 

warte oertritt, unb roollte fie mit einigen $ibänberungen unb be- 
fonberen $orfd)lägen aud) für bie §ilfsfd)ulen angetoanbt toiffen. 
6ein SBergei^niö empfehlenswerter 3ugenbfä)riften für ipüfs-- 
fcfyulen weift folgenbe 93ü<fyer auf: 

I. 3RitteIftuf e. 

1» Spetfter, Otto, ^a&enbud). ©ebiä)te tum ©uftao %alU. £am= 
bürg, 3ansfen. — 2. © e r f., SBogelbucJ). STCit ©ebidjten oon ©uftao ^alEe. 
(Ebenba, — 3. ^onetolo, ^3quI, Slinber unb Siere. Sd)attenbüber. 9JUt 
Werfen t)on 9fr>enarius. 90Rüntf)en, ©ottmar). — 4. © e r f., Sdjattenbilber. 
3Rit Werfen oon 9loenarius. (Ebenba. — 5, 2BoIgaft, £einr., Sajöne alte 
Hinberreime. äRündjen, Verlag ber 3ugenbblätter. — 6. £en = Spetfter, 
'Slusgemäfylte fabeln. Hamburg, 3cmsfen. 

II. Oberftufe (t e i I m e i f e für Sdjulenttaffene). 

a) 2ftärd)en. 

I. 93rüberdjen unb Scfytoefterdjen. ©in Silberbud) t)on Dtto 
6pe<fter. Hamburg, 3<ntsfen. — 2. ©rimms 3Rär(|en. I. SlustocujL 
9ftärd)en gum Sachen. 3. IL $lusmal)l. äRärdjen §um Staunen. £erausge= 
geben t»on ipeinriti) SBotgaft. Sütündjen, SSerlag ber 3ugenbblätter. — 
4* 93 r üb er ©rimm, ffünfgig $Unber= unb £ausmärd)en. Sülit 12 Sil- 
bern üon ßubmtg 9ütf)ter. Seipjig, Üfteclam. — 5. 93on ipänfel unb 
© r e t e l u. a. $li n b e r n. Sdjaffftein, 33laue Sänbdjen. 9Rr. 26. — 
6. 33 o n ©ornrösd)en u, o. ^önigsUnbcm. Stf)affftein, ^Bleute 
9Bänbd)en. 9lt. 16 — 7. 2R u t f d) i u. a. Stf)erämärd)en. Stfjaff ftein 
SBlaue 93änbd)en. 9lr. 6. — 8. Sß o c c t , ffran^, ßuftige Stftärlein unb 
9teime. Sdjaf f ftein, 93Iaue 93änbd)en. 9ßr. 57. — 9. Steinljetmer, 
Sophie, 93on Sonne, Stegen, Stfmee unb 2Btnb u. a. guten ftreunben. 93er= 
lag ber „Jpilfe". — 10. Sie f., SBettermölEdjen. $lusmaf)I aus bem t>orI)er= 
ge|enben. Verlag ber „iptlfe". 

b) Silber aus bem ^inberleben unb 
gefd)loffene (Erzählungen. 

II. ^ r a p a n , 3lfe, Hamburger Silber für ^inber. Hamburg, 2Rei^= 
ner. — 12. Sd&arrelmann, ipeinrid), „93emi". ©in Heiner 3unge. 
(9llte Ausgabe.) Hamburg, 3ansfen. — 13. ©er f., ,/33erni". 2lus feiner 
erften edmlgeit. Jpamburg, 3ansfen. — 14. ßorengen, (Ernft, ^inber-- 
Ieben. ßeipjig, ©ürr. — 15. ©ansberg, $., Unfere 3ungs. Seipjig, 
Seubner. — 16. Hennings, 9ttd)arb, S^lein £eini, ein ©roMtabtjunge. 
6a)affftein, Slaue Saubren. 9ir. 21. — 17. 9t o b i n f o n. Gearbeitet non 
Otto ^ampe. §aüe a. 6., 9Jtarf)olb. — 18. Sd)mibt, (Ef)riftopf) oon, 
100 tage (Erzählungen. 9toensburg, Stfiaier. — 19. £ e b e l , 3- % f 3lus* 
gemäf)lte (Erklungen bes 9tt)einif<l)en £ausfreunbes. Stuttgart, Union. 
— 20. Sd)arrelmann, £einrid), 5tus £eimat unb SUnbf)eit unb glücf-- 
Iia)er 3eit. Hamburg, 3ansfen. — 21. 3) er f., §eute unb oor 3eiten. 
Hamburg, 3ctnsfen. 

c) 6age — (Stamaril. 

22. ^id, 2BiI^eIm, ©ie fdjönften Sagen aus ^einlanb unb 3Beft= 
falen. (S^artottenburg, Sd)iHerbua)t)anbIung. — 23. So r engen-- S e e-- 
bäum, ßuftige ßeute. ©efdjiä)ten aus bem Seben (Eutenfpiegels unb 
2JHmd)f)aufens. 2eip§ig, ©ürr. 

d) ©ebia)te. 
24. 3m Sonnenfd)ein. mnberlieber beutfa>r ©id)ter. Sa^aff-- 
ftein, Slaue SBänbd)en. 9lr. 11» 



— 99 — 

e) Siergefd)idf)ten. 

25. 93 o n £ ü f) n d) e n uni) £ ä I) n d) e n u. a. S i e r e n. 6d)aff= 
ftein, <BIaue <Bänbd)en. 9lr. 2. — 26. Sß u f f i 9Jt a u u. q. 2 i c r g c f d) i d) -- 
ten. 6d)affftein, 93laue 93änbd)en. 9tr. 12. 

f) © e f tf) i d) 1 1 i d) e (Erhärtungen. 

27. So r engen, (Ernft, 2Bas ber Heine £eini Söitl nom SBelttricg 
fat) unb fjörte. £eipgig, ©ürr. 

3)as nad)foIgenbe 3ugenbfd)tif tenüergeidjnis, 

oon ber ^lueftellung auf ber 3cif)rest)erfammlung ber Bereinigung 

gut görberung bes fäcfyftfcfjen ipüfsfd)iulu>efens in beißen im 6ep= 

tember 1909 gufammengefteEt, oerbient aud) eine getoiffe 93e= 

aä)tung. 

(£ a s p a r i , ßuftiges Hleintmberbud). £al)n. — © e r f., 5linber= 
Jjumor für 2luge unb Otjr. £af)n. — 51 a p p ft e i n , ©ute Gerannte ans 
bem Sierreidje. §d)ol§. — R r e i b o I f , 6d)toö^cf)en für Slinber. 6d)aff= 
ftein. — O l f e r s , (Etmas non ben 3BurgeIftnbern. 6d)reiber. — 3B o l = 
g a ft , 6d^öne alte ^inberreime. 93ud)t>erl. b. 3ugenbbl. — 6 p i e I f d) a d) = 
t e I. Sötoe. — 93 e s ! o m , ipänsdjen im 93laubeerenmalb. £öroe, kleine 
$Iusg. — 93 u f d) , 6d)nafen unb 6d)nurren. III. 93raun & 6dmeiber. — 
SBötttd)cr = 9 : Iinäcr / 2öie bie Siere ©olbaten toerben mollten. Bütten 
£oening. — R r e i b o I f , 9Biefengmerge. 6d)affftein. — Sd)mibtf)am = 
mer, SRotfäppdjen. 6d)oIg. — © e r f., Stftudi, eine munberlid)e SBeltreife. 
6d)oIg. — S d) o I j , £änfel nnb ©retel. (5d)ol$. — 6 d) u I g , ©er ^rutjel* 
topf. 5t. Sangen. — S r o j a n , ©urd) $elb unb 2BaIb unb £aus unb 
£of. Hamburg, 93orm. 3» $♦ Sfttdjter. — $1 n b e r f e n , $lusgem. 9ftärd)en. 
3Uuftr. o. 2. 9ttd)ter. Seipjig, $lbel & 9Jtüfler. 3&uftr. n. 6pecfter. — 
5Iuenariu£, ©er geftiefelte fetter. 3ttuftr. r>. 6pedter. (Eallman. — 
© e u t f d) e s 9Kärd)enbud). 3ttuftr. n. ^nitjau. Seubner. — © i e £5 , 
©omrösd)en. 6d)oIg. — © e r I a d) s 3ugenbbüd)er. ©erladj & 2öieb= 
Iing. — © r i m m , $ünf§ig 5linber= unb £ausmärd)en. 3tfuftr. t>. 2. 
9Ud)ter. 9ieclom. — £en = Spedter, 2lusgero. fabeln. 3cmsfen. — 
3ungbrunnen, Stftärd)en unb (Ergäi)Iungen. ^ifd^er & ftremfe. — 
3 ü 1 1 n e r , 6dmeetoittd)en. 6d)oIg, — R r e t b I f . ©ie fd^lafenben 
Zäunte. 6d)affftein. — © e r f., 93Iumenmärd)en. 6d)affftein. — © e r f., 
6ommerr>öget. 6d)affftein. — k u n § , ffrau £otte. Sd)oIg. — 2 e f l e r 
unb U r b a n , SRarienfinb. 6d)oIg. — Sieb ermann, ©er ^rofa^!önig. 
6rf)oIg. — 2R i n 1 e r , 2lfrf)enputtel. Sdjolg. — 6 d3 1 1 , ^inbergefang u. £ei= 
matüang. 6a^olg. — 6d)mebter, ipans im ©lücf. öa^otg. — 6petfter, 
33rübera^en unb 6d)meftera^en. 3onsfen. — 2B e b e r , Sfteue SRära^en. 
6a)affftein. 

5)er ^BoIIftänbigfeit falber führen roir nod)< töeitere 6 a m m = 
lungen oon 3u gen b f Triften an, roeil bie 6d)dften 
baraus too^lfeil finb unb jurgeit ben gefamten 33üd)ermarft bec 
3ugenbleftüre bel)errfd)en. 

1. ©eutfa)e 3ugenbbüa)eret. herausgegeben t>on ben ner« 
einigten beutfd)en Sßrüfungsausfdjüffen für 3ugenbfa^riften. Verlag non 
iptüger in ^Berlin. (Es liegen ettoa 40 Hummern nor. ©ie ipefte bringen 
(frgäfjlungen, 9ieifefd)ilberungen, ßebensbefa^reibungen ufm. 

2. OTeifter bes 2fiärd)ens. herausgegeben non ber freien 
SeljrerDereinigung für ^unftpflege in Berlin. Verlag non 5lbel & Füller 
in Seipgig. 

3. ©as beutfdjeSWärcrjen. ^Härcfjenferien mit Silbern. Verlag 
üon 6d}ol§ in SDiaing. iBis^er 15 53änba^en. ©iefe 6ammhmg fann oljnc 
meiteres J^inbetn in bie ipanö gegeben merben; bie 6prad^c unb ©ar-- 



— 100 — 

ftellung finb einfad), unb bas Berftänbnis mirb burd) betgegebene Abbil- 
dungen gefördert 

4. Äünftletifc&e Bolfsbilberbüajer. SReiftens 9Jtärd)en= 
büd)er. Verlag mie oorljer. — Sd)toad)finnige Kinber toerben an ben 
Bilberbüdjern ifjre f)eHe $reube Ijaben. 

5. © r ü n e B ä n b d) e n. herausgegeben oon ip e n n i g f e n. Ver- 
lag oon Scftaffftein in ilöln. — Sie „(Örünen Bänbd)en" enthalten Quellen 
gur ©efdjidpte unb ©eograpf)ie, $riegstagebüd)er, 9ieifebefd)reibungen, Be= 
richte berühmter (Entbeder unb äl)nlid)es. 

6. Blaue B ä n b d) e n. herausgegeben oon garten u. £ e n = 
n i n g e r. Verlag toie oorljer. Sie „Miauen Bänbdjen" enthalten lite= 
rarifa^e Stoffe: ßieber, 2Rärd)en, Sagen, (£rgäl)lungen, Biographien. Sie 
roenben fid) an grofj unb Hein, bie 9teim= unb ^ärd)enbüd)er an bie 
steinen, bie Sagen unb kleinen (Sefd)id)ten an bas mittlere iUnbesalter, 
unb bie größeren (Erzählungen an ältere unb aud) an (Erxoadjfene. 3n 
erfter Sinie finb aber aud) bie „Blauen" als iptlfsmittel gur ^laffenlertüre 
gebadjt, im (öegenfaij gu ben „©rünen" tonnen fie für alle 6tufen 
etmas bieten. 

7. 9^ a t n g e r B o H s = unb 3ugenbbüd)er. Sammlung 
oon Originattoerlen gettgenöffifdjer beutfdjer Autoren. 9JUt Bilbern oon 
erften Mnftlern. Berlag oon Sdjolg in 2Raing. Bis ie&t erfd)ienen etma 
20 Bänbe. 

8. ßol)meners oatertänbtfdje B ü d) e r e i. £iftorifd)e (Er* 
gäf)lungen befonbers aus ber Sfteugeit. 9ieid) iEuftriert. Berlag oon 2>iet= 
rid) in $ftaing. 

9. ßebensbüdjer ber 3ug enb. herausgegeben oon Süfei. 
Berlag oon 2öeftermann in Braunfd)toeig. 9fteid) iHuftriert. 

10. diene beutfd)e 3ugenbbüd)erei. 3m Auftrage ber 
gentralfteüe für 3ugenbfürforge herausgegeben oon B e 1 f) g e. Berlag 
oon Bel& in Sangenfalga. (Es liegen etma gef)n Bänbe oor. 3ttuftrtert. 
— 2>ie Sammlung eignet fid) tyauptfäd)lid) für Bolfsbibliotl)eEen unb ift 
nur geiftig fortgefdjrittenen 3öglingen in bie ipanb gu geben. 

11. Ullftein = 3ugenbbüd)er. Berlag oon HEftein in Berlin. 
SHeid) iüuftriert. 

12. 3 u g e n b f d) r i f t e n aus bem Berlag oon 2 o e to e in Stutt= 
gart. 9ieid) illuftrtert. 

13. Gdjneibers Oiugenbbüdjer. Berlag oon grauß Sdjneiber 
in Berlin SW 11. Die Sammlung enthält Schriften für bas Alter oon 
6—15 3<*l)ren, ift reidj^altig illuftriert unb oon ben SuQettbfcfyriften* 
*Prüfungsausfd)üffen empfohlen. 3)er Berlag oertreibt and) einen Äinber= 
abreifenalenber, ber ftd) befonbers für unfere 3 rae * 2 eignet. 

2Mid)er, bie oerfettete SBerljältniffe, oertoidelte 

§anblungen, fernftefjenbe gefeflfd)aftliä)e Suftänbe, unbe = 

lanntc Gelten ufto. befjanbeln, finb für unfere Qmzdt t»oII= 

fränbig unbrauchbar, (Ebenfo toenig oertoenbbar finb foId)e, bie 

gu berben ober gu feinen £umor bieten, ober im ©ialeft gefd)rie= 

btn finb. $ür foldfye 6ad)en fyaben 6d)road)finnige getoöfjniiä) 

nietyt bas minbefte berftänbnis. (Es bleiben tfjnen aud} fo!d)e 

Schriften unt)erftänblid), bie ^Birfungen oon gef^tc^tlidjen (Er= 

eigniffen ober I)iftorif(f)en 5:atfad)en faylbern, ber urfäd)lid)e Qn= 

fammenljang oon (Ereignis unb ^olge ift ifjnen p I)od). ©benfo 

geljen über ifjren §ori§ont i)inaus 6d)riften mit oielen fiaty* 

ausbrüden, mit oielen geograp!)if(^en unb naturfunblidjen 

6d)ilberungen unb faft fämtlicfye 5ad)literatur. ^us bem gleiten 



— 101 — 

©runbe fommen aud) äße roiffenfd)aftlid)en 2Ber£e für 

fie außer 93etradjt, besgleidjen (£rbauungs-- unb Sßrebtgtbiid)cr. 

6d)ließlid) nutjen iljnen aud) foldje 6d)riften nicfyts, bie große 

^nforberungen an bie (Etnbilbungsfraft ftellen. 6d)ilberungen, 

bte ifyrem ^Infdvuuungsfreife fern liegen, üermögen eben it)r 

3ntereffe nid)t ju erregen unb barmt aud) ifyre 'jßrjantafie nid)t 

§u befruchten. 

Um unfere 6d)üler in bas SBerftciubnis ber Sagesliteratur 

einzuführen, bliebe bk Verausgabe einer 6 d) ü l e r 3 e i t u n g 

in (Erwägung 31t #iel)en. ^atürlid) müßte biefelbe t)on feinen 

anberen als oon päbago gif d)i=pft)d^oIo giften G>efid)tspunften aus 

geleitet merben. 

3n 2Bien erfdjetnt bereits eine folctje unter bem Stiel: „ 9JI e i n e 
e r ft e 3 e i t u n g " , einzige, fpegiell bem SBoltsfdmlalter angepaßte ^inber= 
Leitung, 6te bietet forgfälttg ausgerollten, teils Weiteren, teils ernften 
Sefeftoff mit f)übfä)en SBübern, Aufgaben aus bem £anbferttgfettsunter= 
rid)t, ©ptele, Sftätfel ufm. 

Stteratttr* 

^renjel , ßel)r= unb ßemmittel einfd)lteßlidj 3uoenbltteratur für 
l)eüpäbagogtfdje 6d)ulen unb 9lnftalten. 2. |>eft bes Jpcmbbud)s ber (£r= 
forfrfmng unb gürforge bes jugenbltdjen Gd)töatf)füuts t>on ^ßrof. Dr. SBogt 
unb Dr. SBerjganbt. 3ena 1912. — % l) t e ß e n , (Geeignete Seftüre für 
unfere 6d)roatf)finmgen. 3» f» ®ej)» ®^tu. 1908 ip. 8. — © n e r I i d) , s 33e= 
rtd)t über bte 6it?ung ber ßef)rmttteIfommtffion auf bem SBerbanbstage gu 
93onn. 9. 93erbanbsberia)t 6. 202. — SBtHid), Über ßet)r= unb ßern- 
mittel im (£ingeiunterridj)t. £ilfsftf). 1916 £. 12. — Quante, 2)te 33cbeu= 
tung ber 3ugenbfd)rtft für bie £ilfsfd)ule unb it)re SBerroertung in berfelben. 
#Ufsfd). 1917 £. 5. — gronemann, 3ugenbf Triften für £tlfsfd)üler. 
©runbfö^Itd)es. £ilfsfct). 1919 £. 3. 



6* ©ie Ztytftaft* i>e* SilfSfdjttle* 

(Es bürfte orjne weiteres einleuchten, baß ber Seljrberuf an 
§ilfsfd)ulen große Aufgaben an bie Sßcrfönltdj-feit 
bes (£r§iel)ers ftellt. 3>ie Arbeit an geiftig fd)road)en S\inbern ift 
ermübenb, entneroenb unb geroöl)nlid)i in Ijoljem ©rabe ent-- 
mutigenb. 2Benn fdjon im aligemeinen oon bem ßefyrberufe 
gefagt roirb, baß er neroös mad)e, fo trifft biefes in nod) t)öl)erem 
SWaße auf ben 93eruf bes £>ilfsfd)ullel)rers gu. $üs bas allen 
£el)rberufen gemeinfame fdjäbigenbe geiftige Moment ift roorjl bte 
ftänbige unb anbauernbe (frebulbergunngung, roeld)e unter 3urücf= 
bämmung bes eigenen Temperaments unb Naturells gefd)el)en 
muß, anguferjen. 5)er Seljrer l)at bei ber Ausübung feiner 93erttfs-- 
tättgfeit fortroäfyrenb mit fid) gu fömpfen unb muß bei bem immer 
roieber unb roieber nötig roerbenben $erbeffern bie aufftcigcnbe 
Ungebulb mit $ernunftsgrünben unb mit Überlegung unter- 
bieten. 5)aß bcrartige Momente im ßerjrberuf bei geiftig 



— 102 — 

6d)!tt>ad)>en nod) gafjlreidjier auftreten unb barum um fo fd)äbigen- 
ber toirfen toerben, liegt außer allem 3fl>eifel. 

3)as geiftig minbertoertige Sdjülermaterial ber §ilfsfd)ulen 
befielt aus lauter 6onbertoefen in feelifd>er unb häufig aud) in 
förperlia)er Regierung. $aft fämtlidje ßebensoorgänge äußern 
fidf bei itjnen in metjr ober weniger anormalen (Erfdjeinungsfor- 
men. 3e nad) bem ©rab unb ber $lrt ber © eiftesf tfytoädje fommt 
bei bem einzelnen Slinbe ber (Einfluß ber $lußenroelt in befonberer 
^orm pm ^usbrutf, unb gtoar in einer ber inbioibuetlen Einlage 
entfpredjenben 2lrt unb Söeife. „3)ie (£rgiet)ung unb 23ilbung 
fo!d)er SBefen fyat mit ben oerfdjiebenen (Srfcfyeinungsformen gu 
redjnen unb fann gtoecftnäßig nur unter fteter 93erü(ffitf)tigung ber 
inbitribuellen 93efonbert)eiten ber oorftegenben fräUt in feirlfam= 
feit treten. 3)er (Ergiefyer muß barum alle Regungen förperlidjer, 
geiftiger unb gemütlicher ^Irt genau beobachten, ifjre Regierungen 
gu ben 9teigtoirfungen erforfcfyen un'b it)re gegenfeitigen $erfnüp= 
fungen ergrünben unb oerftetjen lernen, $ius bem (Ergebnis, 
bas alfo aus rein tnbioibuefl=pfnct)ologifd)en (Erwägungen heraus 
gewonnen wirb, finb bann bie befonberen ergiet)liä)en unb unter= 
ricfytlicfyen ©runbfätje abzuleiten." 

Oberlehrer © ü r 1 1 e r , (Eljemnitg^ltenborf, befdjreibt in einer 2lb= 
Ijanblung in ber 3* f« ^tf)* Sdno. 1921 £. 3 bie (Eigenart ber Seljrtätigfeit 
an getftesfdnoad)en SUnbern fejjr treffenb in folgender $Beife. 

„3)er große S^garten" oon Otto (£rnft entplt eine intereffcmte 
(Stelle, too ber 2)ttf)ter er§äf)It: ,,3d) überrafd)te einmal einen oortreffliajen 
ÜDtann unb berühmten ©elefjrten babei, toie er ben Tannenbaum für bie 
6einen pulste unb babei fortmcujrenb Ijodenb unb Enieenb um ben 93aum 
Ijerumrutfajte. „2Barum madjen 6ie benn bas?" rief id) erftaunt. — „3a", 
fagte er, „man muß bebenden, ba% bie kleinen ben Tannenbaum oon unten 
jeljen, man muß iljn aus ber Sßerfpefttoe ber Sltnber fdmtüdEen." 

„3Bie ber ©elet)rte oor 2Beif)nad)ten nur bas eine 9Jlal, fo muß im 
(Seifte ber Sefyrer oon ©eiftesfönoadjen tagaus, tagetn iat)r§ef)ntelang mit 
befonberer Siebe unb Sorgfalt „forttoäfjrenb Ijodenb unb Meenb" um feinen 
ßcrjrftoff „fyerumrutfdjen", it)n „oon unten fefjen" unb aus ber SßerfpeÜioe 
bes !inbtid)en 6d)toad)ftnns bearbeiten." 

2Bas toirb nun oon einem <pilfsfct)ullet)rer gu oerlangen fein? 
Sftatürtict) eine grünblicfye wiffenfä)aftlid)e unb p r a ? t i - 
f d) e $ o r b i l b u n g für feinen 33eruf, barmt er befähigt werbe, 
bas 3Befen feiner 6ct)üler gu ernennen unb biefe (Erfenntnis in 
bie Sßrar,is ber 93et)anblung umgufetjen. 2)oä) abgefetjen baoon, 
muß er oor allem eine ausgefprocfyene Neigung gu bem ^Berufe 
eines (Ergietjers ber geiftig ^Irmften befitjen. 3ft biefe befonbere 
Neigung nid)t oortjanben, bann werben 2et)rer unb 6ä)üler un= 
glücflid) unb ungufrieben werben unb alle ^Inftrengungen um= 
fonft fein. 

3)ie Seljrer an ben §ilfsfct)ulen roaren früljer in ber Flegel 
5ßolfsfd)uHei)rer, bie fid^i meift ot)ne befonbere Vorarbeiten unb 
ol)ne befonbere $Utsbilbung für biefen 33eruf melbeten, lebiglid), 



— 103 — 

besfyalb, toeil fie an ber £nlfsfd)ule eine befonbere ©efyaltsgulage 
erhielten. S)ie 2Bal)I ber £el)rfräfte muß mit einer gegriffen 33or- 
fid)t gefd)el)en, benn bie Neigung gu bem eigenartigen Berufe 
allein genügt nid)t, es muß oielmeljr aud) eine ausgefprodjene 33e= 
gabung bafür oorljanben fein. 2)er §ilfsfd)ullel)rer barf nid)t 
einfad) ßeljrer fein, ber feine 6eminarbilbung : für ausreidjenb er= 
adjtet, um ben Slinbern bas einzutrichtern, roas ifym fein 2el)r= 
plan üorfdfyreibt. (£r muß oielmeljr im beften unb toaljrften 6inne 
bee Portes Seljrer unb (Ergieljer fein, kleben geflärter CEtnfid)t 
foll er ein roarmes, fjer&Iidfes 3ntereffe, ein ruf)t = 
g e e 3B e f e n unb g r o (3 e © e b u l b , eine reidje (£ r f a l) = 
r u n g , einen f d} a r f e n 93 1 i <f unb ein m i l b e 6 , aber babei 
bod) energifäfyes auftreten befttjen. StRtt foldjen (£tgenfd)af= 
ten ausgerüftet, bürfte er tool)l in ber Sage fein, feine fdjiroierige 
Aufgabe an ber §ilfsfd)ule §u lofen. (Es fei aber nod) bemerft, 
baß bie gu ipilfsfd)ullel)rern begeidjneten £el)rer oorl)er nid)t allgu 
lange an einer geroöl)nlid)en 6d),ule tätig fein foKen, benn fonft 
geronnen fie fid) h xl M r an e * ne gleichmäßige 33el)anblung ber 
iRinber unb an eine unbedingte SHfgiplin, bie beibe im Unter'= 
rid)t ber 6d)toad)begabten ntd)t angebracht erfd)einen. (Ein älte= 
rer ßeljrer fann von feinen ©eroofjnfyeiten nicfyt fo leicfyt laffen, 
rote ein jüngerer. 5)er Umlernungsprogeß, ber beim (Eintritt in 
ben £ilfsfd)ulbienft auf alle %'äUv erfolgen muß, roirb einem 
jüngeren ßeljrer nicfyt fo fd)roierig fallen, tote einem (Er$iel)er in 
oorgerücEtem ^Iter. Sftatürltd) müßte ben ^rilfsfcfyulleljrfr'äften ber 
S^üdtritt in btn $olfsfd)ulbienft jebergeit geftattet fein. 

2>te SRottoenbigfett einer befonbere rt $ o r = 
b i l b u n g ber Seljrer für 6d)toad)begabte ift roieberljolt, ine= 
befonbere in fad)männifd)en Greifen, ausgefprocrjen toorben. 2)er 
5. ^erbanbstag beutfdjer £ilföfd)ulen fyat fid) auf feiner $er= 
fammlung gu Bremen im 3al)re 1905 eingefyenb mit ber 5 ra 9e °e* 
SUusbilbung ber ^ilfefdjulleljrer befd)äftigt unb nad) reiflicher 23e= 
ratung folgenbe Öeitfätje angenommen: 

„1. Sie befonbere Aufgabe, roe!tf)e bie (Erjieljung 6d)mad)fimttger an 
ben £el)rer fteüt, erforbert aud) eine fpejieüe Sßorbilbung für biefes 
(öebiet ber päbagogifdjen Sätigfeit. 
2. 3um 3^ede ber 9Sor= unb $tusbilbung ber £üfsf<JmUef)rer emp= 
fiefjlt es fid), bafa non feiten bes Staates Slurfe etngeridjtet toer= 
ben, in benen bie ßefyrer ttjcorctifct) unb praftiftf) mit bem £üfs= 
fdmlroefen begannt gemalt merben." 

(Es roirb alfo oon bem ipilfsfd)ullel)rer eine grünblidje roiffen-- 

fd)aftlid)e unb praftifcfye S ac Prt° un 9 geforbert roerben muffen. 

Ob biefe oiel!eid)t am beften auf einem 6eminar für §ilf5fd)ul- 

leljrer gefd)el)en unb burdjgefüfjrt roerben fönnte, mag bal)ingeftellt 

bleiben. 1 ) S)ie roiffenfd)aftIid)e ^usbilbung muß fid) gu= 

4 ) 33gl. ben ^uffatj non ^ ö n i g , 5)ie 9iotmenbig!eit eines 6eminars 
für ^eilergie^ung unb Sngcnbpflege. 3« f« ^inbf. 1919, 7/8. 



— 104 — 

närf)ft auf eine allgemeine, grünblidje ptibagogifd)e 3)urd)bilbung 
erftreden unb auf bie Aneignung meitgeijenber pft)d)ologifd)er 
Henntniffe. 2)ie ersten öctymierigfeiten ber Unterrichts-- unb 
(Ergietjungearbeit an geiftig ©cfymadjien erforbern mit Sftaturnottoen-- 
bigleit ein tiefes Stubium ber Sßfgdjologte, ja gerabegu ein 
$lufgef)en in biefer 2Biffenfd)aft. SDabet muffen aber aud) bie gjroetg- 
toiffenfcfyaften ber Sßfgdjologie, namentlid) bie SUnberpft)d)o-- 
l o g i e , bie ^fgdjopatfyologie unb bie Sßftjdjagogif, 
gehörige 33erü(ffid)tigung finben/ (So ift ferner nottoenbig, baft 
ber §'üfsfd)uHeI)rer fid) fyinreicfyenbe ^enntniffe auf bem (öebiete 
ber 6 p r a <fy t) e i 1 1 u n b e ertoirbt, um bie 6prad)fef)Ier, 6prad)= 
ftörungen unb ©pradjimanbiungen mannigfad}fter 4irt ; an roeldjen 
geiftig fcfytoadje SÜnber fo pufig leiben, mirffam begeben gu fön= 
nen. 6cfymacfyfinnige Mnber finb aud); melfad) mit förperlicfyen 
(öebrecfyen, 9JlipiIbungen unb Slranftjeiten behaftet, bie bisweilen 
feelifcfye Störungen Ijeroorrufen, mie anberfeits biefe Mängel 
aud) förperKdje ^egelmibrigleiten im Gefolge fjaben. ©esfjalb 
finb oon bem £ilfsfcfyuttet)rer ^enntniffe ber elementarften m e b i = 
l i n i f d) e n ^Begriffe unb (Erfahrungen in ber ^ranfenbe* 
fyanblung §u oerlangen. ©djlieftlid) muß ber £ilfsfd)ullet)rer bie 
Literatur unb ©efd)id)te bes 6d)wad)fmmgenbilbungs-- 
tx>efens kennen — - ein 3Biffensgebiet, bas gur§eit an Umfang unb 
9^eid)if)altigfeit fdjon gan§ bebeutenb zugenommen Ijjat. 

2)ie pra!tifd)ie $lusbilbung bes §iifsfd)uflef)rers muß 
barauf gerietet fein, baft er bie SQletljobif ber einzelnen Unter= 
ricfytsgegenftänbe bes £ilfsfcfyulunterrid)tes gehörig fennen lernt 
unb (Megenfjeit fucfyt, jtdfy praftifcfy §u betätigen. 

(Er muft barum rectyt Diel in ben einzelnen klaffen ber 
ipilfsfcfyule bem Unterrichte beitoofynen. hierbei toirb es für ifjn 
gtoecfmiäfjig fein, wenn er guerft auf ber Dberftufe, bann auf ber 
9JlitteI= unb guiefet auf ber Unterftufe ben Unterricht fennen lernt, 
ßeltionen fyäit ober fonftige 33efd)äftigung finbet. ^iufterbem muft 
ifjm audji Gelegenheit gegeben werben, anbere £iifsfd)ulen fennen 
§u lernen, bamit fein Geficfytsfreis burcfy ben 33efud) anberer 9ln- 
ftalten erweitert werbe unb er oor (Einf ei ti gleit bewahrt bleibe, 
©aft eine praftifctye $lusbilbung für ben §ilfsfd)uHel)rerberuf 
burdjaus notwendig ift, merfen am beften biejenigen Öefjrer, weld)e 
aus bem ^BoHsfdjulbienft in ben £ttfsfd)ulbienft treten. Sie emp-- 
finben es anfänglid)i leiber nur p gut, baß il)r Unterricht met)r 
ober weniger bod)i nur ein taften'bes (Experimentieren ift, welches 
weber fie rectyt befriebigt, nodji bie SUnb-er oorwärts bringt. 

$iud) in anberen Staaten ift man gu ber (Erfenntnis gelangt, 
ba{3 bie gemi)!)nlid)e ^usbilbung ber $oIfefd)uHel)rer für ben 35e-- 
ruf eines Sefyrers ber 6c^rDac^finnigen nic^t ausreicht. 6o mug= 
ten in U n g a r n foldje 2e!)rer, toeldje ^nfteEung an ber 2anbes= 



— 105 — 

ibiotenanftalt finben wollten, einen einjährigen ^usbtlbungs-- 
furfus an ber 3entralanftatt in SBu-bapeft burd)mad)en. 9Bät)renb 
biefer Seit tourben fie tfjeoretifä) unb praftifd). mit bem 6d)toad)= 
finnigenbilbungsmefen befannt gemacht. $im 6ä)luffe bes 3al)tes 
fanb eine Prüfung ftatt, beren 'üblegung jur Aufteilung als 
3biotenIel)rer berechtigte. — 6eit einigen 3af)ren tourben in Un= 
garn £ct)rf räfte für f ö m 1 1 i d) e fyeilpäbagogtfcfye £ef)räroeige be= 
fonbers ausgebildet. 5)ie £et)r£urfe fyiergu bauerten gtoei 3aljre, 
wovon bas erfte 3al)r metjr für bie tf)eoretifä)e, bas gtöeite mefyr 
für bie prattifdje $lusbitbung in ^Infprud^ genommen roar. Sftad) 
bem erften, tote audj nadj bem gtoeiten 3at)te f^nb eine Prüfung 
ftatt. 91ad) $iblegung ber gtoeiten Prüfung erhielten bie £et)rer 
if)r eintjeitlid) gültiges Sttplom für ben Unterricht abnormer 
mnber. 1 ) 

3n ber ©ctymeig befielen feit 1899 33ilbungs!urfe für 
£el)rer unb £et)rerinnen an öpegialflaffen unb ^inftalten für 
6ä)road)finnige. 2)as Unterricfytsprogramm biefer 3kranftaltun= 
gen umfaßt folgenbes: 

a) Anatomie unb Sßfjnfiologie bes 9terüenft)ftems, ipimpatfyologie mit 
befonberer 93erücffia)tigung ber 3biotie (mit SlranfenüorfteUungen 
unb Semonftrattonen üon Präparaten); 

b) £autpf)t)fioIogte, Sßfjonetif ufu>. 

c) SBefen 6er Spraa;gebred)en, ^urfe jur Teilung bes Stammeins unb 
6tottems; 

d) metl)obtfd)e 93efpred)ungen unb ßef)rpIant!)eorie; 

e) ßeben unb (Brgte^ung anormaler ilinber, Slmberfel)ler; 
i) ipanbarbettsunterriajt, 5Unbergartenbeftf)äfttgungen; 

g) prafttftfje Übungen in ben nerfa)iebenen klaffen ber 6d)madjfinni= 

genftfmle; 
h) Stteratur unb ©efd)itf)te bes 6d)tDadjftnnigenbilbungstöe[ens. 

3n Preußen befaffen ficfy einzelne $lnftalten mit ber § e r -- 
anbilbung von £ e f) r f r <ä f t e n für ben (Ergiefjerberuf oon 
geiftig Sä)>mad)en, fo %. 93. bie 3biotenanftaIt 2Bittenau bei Berlin. 
2>er (Srgiefyungsinfpeftor biefer SUnftalt fjat gur 9iusbilbung fold)er 
ßeljrer toieberf)olt 5htrfe abgehalten, bie aucfy in ßufunft groeimal 
jäfjrlid), im grüfjjaljr unb £erbft, ftattfinben fotlen. Änmelbun= 
gen gur Seilnafjme baran finb an ben benannten gu richten. 3n 
gleicher 3Beife bereitet bie 3biotenanftalt gu Slücfenmül)le bei 
6tettin £>üfsfd)ullet)rer cor. (Ein großer Seil ber £ilfsfä)ullel)rer 
ift in ber 33el)anblung oon 6 p r a d) g e b r e dj e n unb 
6prad)ftbrungen ausgebildet, i^urfe gur Ausbilbung in 
biefem 3weige ber §eilpäbagogi£ finben in ^Berlin ftatt. SDie amt-- 
lidjen fturfe f)ält ber ©ireftor ber ftaatlidjen Saubftummenanftalt 
gu Berlin, Q frentfyiner Straße, ab. 2 ) 

*) 3n 2ßien befielt ein 6eminar für ^eilpäbagogtfdjc ßeljrberufe mit 
äroeijäfyrigem Äurfus. 

2 ) 3n 3ürirf) untrbe neulitf) ein £ef)rinftitut gur £eranbilbung von 
Seitern für 6totterflaffen unb üou £ef)rem für 5tbfe^untcrrid)t bei Qd)wex-- 
fjörigen unb Grtaubten eröffnet. 



— 106 — 

33iele gnlfsfdjulleljrer fyaben ipanbfertigfeitsfurfe 
befudjt unb fid) baburd) tie 93efäl)igung gut (Erteilung tes 2öerf= 
unterricfyts erroorben. £antfertigfeitsfurfe finben an bem Semi- 
nar für ^nabenrjanbarbeiten gu ßeipgig ftatt. 2lnmelbungen ba= 
$u fint an ten ©ireftor ber $iusbiltungsanftalt §u richten. 

3ur $1 u 5 -- unb g o r t b i I b u n g oon ipüfsf d)ullet)rern 
rourben oerfdjie'tene facfymännifcrje Slurfe p 93onn oeranftaltet, 
bie alljärjrlid) roieterljolt toerten, unb groar §u Dftern jetes 3al)res. 
(Ein Kurfus ift immer ein (Einfütjrungsfurfuö, ber antere ein 
gortbilbungsfurfuö. anfragen roegen Seitnafyme an ten Surfen 
finb an ^rilfsfdjulreftor Seffenid)! in 93onn &u richten, ©as $ir= 
beitsprogramm tiefer Slurfe umfaßt: 

1. Sß r a f t i f d) e Vorführungen unb Übungen (£ilfsfd)ulprar,is, 
Sprad)l)eiiturfus unb Übungen in galt= unb gröbelarbeiten, fo= 
mie SWobeHieren) unb 

2. t^eoretifdje Vorträge (§um Seil mit ©emonftrationen) 
über 6d)utgefunb§eitslel)re, Snotomie unb Sßrjrjftologic bes Heroen- 
fnftems, formen bes 6d)toacl)finns, ©äbagogifdje Sßatfjologie, 
Sprad)ftörungen, Sefjrplcm unb Örganifation ber £üfsfdmle, ©p-- 
nafti! für ipilfsftfmlen, gairforge für bie entlaffenen 30'gfrnge, Site» 
ratur unb 2el)r= unb Semmittel für bie ipilfsfcfyule. 

©ie preußifdje Unterrtdjiteoerroaltung Ijatte auf Anregung tes 
Serbanbes ©eutfcfyer §ilfsfd)ulen aud) an anberen Drten §ilfs= 
f^utteI)rer=5öttbUtungsfurfe eingerichtet bpx beten (Einrichtung 
ootgeferjen. 6o oeranftaltete oor tem Kriege tie Regierung gu 
©üffeitorf allicttyriid)! einen treitoöd)igen fyeilpätagogifdjen Kurfus 
für £ilfsfctyuu'ei)ret in ©üffeltotf. ©er erfte Kutfus fant im 
Oftober 1909 ftatt. ©iefe Slurfe roaren niä)t nur für eigentliche 
^ilföfdjulleljrer, fontern auefy für ßetjrer unt für ßetjrerinnen aus 
fleinen Drten beftimmt, roelcfye feine £itfsfd)ule befifeen unt fie 
in abfefybarer Qnt aud) faum befitjen roerten. ©ie ©emeinten 
fonnten geeignete 2et)rperfonen tortrjin $ur $lusbil'bung fenten. 
©iefe Sefjret übernahmen alstann.tie Unterroeifung ber geiftig 
äutücfgebliebenen hinter in befonteren ©ruppen unt in befon- 
teren 6tunten, trieileidjit auefy gegen eine befontere Vergütung, 
©urefy eine foldje (Einrichtung rourten tie Kommunen in ten 
6tant gefegt, oijne befontere ödjule unt otjne große finanzielle 
33elaftung ifyren fd)toad)begabten Wintern tie nötigfte $lusbilbung 
guteit roerten §u laffen, tamit foldje 2öefen nidjt gänglid) oer- 
blbbeten, fonbern nod) §u üerpitnismäßig nü^lidjen 9JUtgliebern 
ber ©emeinbe unb bes Staates Ijerangebilbet rourben. ©ie £ei= 
tung ber Slurfe tjatte 9f*eftor £ o r r i i oon ber ©üffelborfer £ilfs= 
fc^ule übernommen. SCRtt il)m teilten fid) in ben Unterricht ein 
^frjdjiater, ein ^iiföfdjulargt, foroie mehrere £el)rfräfte ber ©üffel- 
borfer ^ilfsfäjule, in roeic^er aud). bie praftifdjen Übungen oer= 
anftaltet rourben. ^tjutierje ^urfe rourben in Berlin unb aud) 



— 107 — 

in ^Breslau ine fiebert gerufen, 3n ^Breslau foflett fie gu einer 
ftänbigen (Einridjtung geworben fein, ebenfo in (£I)arlottenburg. 

3m 3af)re 1906 rourbe an ber Untoerfität ^u (frieden ein 
roiffenfdjaftlicfyer &urfus abgehalten, ber bas (bebtet ber 6d)toad)-- 
finnigener^ielumg unb =bilbung ebenfalls in feinen Arbeitsplan 
aufgenommen Ijatte. ^lud) auf ben ^erienfurfen einiger 
Unioerfttäten gelangten einzelne Seilgebiete bes 6d)iroad)finnigen= 
bilbungstoefens gur 93el)anblung. 5)ie ^Borlefungen barüber 
fyatten in ber Siegel ^acr/männer oon autoritatioer 93ebeutung 
übernommen, 

(Eine Nachprüfung für £ i l f s f d) u 1 1 e I) r e r ift in 
Sßreußen mit bem 1. Dltober 1914 in Straft getreten, (9Jlinifte= 
rialerlaß com 1, Oftober 1913. 1 ) 

Sßrüfmtgsor&nung für Sekret unb Seherinnen an §ilfsfä)ulen. 

§ 1, 2>ie 93efcU)igung gur Aufteilung als 2el)rer (Seherin) an £ilfs- 
fdjulen roirb burd) Ablegung ber Prüfung für £ilfsfd)ullel)rer (Seherinnen) 
erroorben. 

§ 2. 3u biefer Prüfung werben gugelaffen: (Seiftlidje, anfteüungs* 
fähige 5lanbibaten ber Geologie unb ^ilologie, 53oI!sfdmlleI)rer, melaje 
bte Sßrüfung für enbgültige Aufteilung beftanbeu fjaben, unb Seherinnen, 
bte minbeftens brei §al)re in roirflidjem ^laffenunterriajt noü befd)äftigt 
geroefen finb unb fid) in ber 'ißrar.is bewährt fyahen. 

§ 3. ^ür bie Abhaltung ber Sßrüfung werben nadj 93ebürfnis in ben 
einzelnen ^rotringen 5lommiffionen gebtlbet. 3ebe ^ommtffion beftefjt 

1. aus einem Sßrotnnätalfdjulrat ober einem 9ftegierungs= unb 6djul^ 
rat als SBorfi&enben, 

2. aus einem itreisfdjulinfpeftor, 

3. aus einem £ilfsfdjulletter, 

4. aus einem ^ilfsfdjrtlle^rer (einer ipilfsfdjulleljrerin), 

5. aus einem $fnd)iater. 

§ 4. 2>ie Slönigtid)en Sßrot>inäial=Sd)ulfoIlegten fefcen iäfjrlid) bte 
^rüfungsgeiten an. (5ie werben in bem 3entralblatt ber Unterrid)ts= 
nerwaltung neröffentlidjt. 

§ 5. Sie 9Jlelbung jur Prüfung ift brei Monate nor bem feftgefettfen 
3eitpun!t bei bem juftänbigen ^rotringial^dmlfollegium einzureichen. 
Siefes entfd)eibet über bie 3ufoffung %ux Sßrüfung. 

Sie nid)t im 6dmlbtenft fteljenben ^Bewerber melben fid) unmittelbar, 
bte übrigen retten if)re Reibung burd) bte norgefettfe ©ienftbeprbe ein, 
wobei ber Streisfd)ulrnfpeftor fid) über Sütjrung unb befonbere (Eignung 
bes ^Bewerbers für ben Unterridjt an 6dntlen für fdjwad)ftnnige ^tnber 
aussprechen Ijat. ©er ^Reibung finb beizufügen: 

1. (Ein t)on bem ^Bewerber angefertigter Lebenslauf, auf beffen Titel- 
blatt ber oollftänbige Spante, ber ©eburtsort, bas Alter, bas 9teli= 
gionsbefenntnis unb bas augenblickliche Amtsoerf)ältnis bes 93e= 
roerbers anzugeben ftnb. 

2. Sie ßeugniffe über bie bisher empfangene Ausbilbung, fomie über 
bie bisher abgelegten Prüfungen in beglaubigter Abfd)rift. 

3. 9tod)weis barüber, ba% ber ^Bewerber minbeftens ein Safyz lang 



*) 3n 6ad)fen ift ebenfalls eine ffad)lel)rerprüfung für ße^rcr an 
Anftalten für 6d)wad)finntge eingeführt; ^rüfungsorbnung com 27. 
Sttai 1919. 



— 108 — 

an einer 6d)ute für frfnoadjfinnige hinter oollen SUaffenunterrtdjt 
erteilt ober an Surfen für £ilfsfcl)ullef)rer ober an ben Übungen 
eines l)eilpäbagogifd)en (Seminars teilgenommen Ijat 

4. 91ad)xoeis über Ausbilbung in minbeftens einem ber an ipilfs-- 
fajulen gur Benoenbung lommenben B^Qe öer £anbfertigteit 
ober in öer ©artenarbeit 

5. (Bin (öefunbfjeitszeugnis, bas f)öd)ftens brei äRonate oor ber dJleU 
bung oon einem gur $üf)rung eines ©ienftfiegels berechtigten 
Arzte ausgefteüt ift 

©ie nicljt im 6d)ulbienft fteljenben Betoerber tjaben aufjerbem ein 
amtliches ^ü^ungszeugnis einzureichen, 

Betoerber, bie an einer aufjerpreuftifajen £ilfsftfmle tätig finb, Ijaben 
ifyre 9Jielbung burd) Vermittlung iljrer oorgefe&ten Bef)örbe bei bem unter= 
Zeichneten 3Rinifter einzureichen. 

§ 6. ©ie Prüfung ift t\m tljeoretifcfye — fct)riftlicl)e unb münblidje — 
unb eine »raftifcfye. 

§ 7. gür bie fc^riftliclje Prüfung fteßt ber Borfi&enbe ber Sßrfr 
fungstommiffion . ztoei Aufgaben aus bem ©ebtete bes iptlfsfdjultoefens, 
bereu eine ber 9KetI)obif ber einzelnen Unterrichtsfächer ber £itfsfd)ule gu 
entnehmen ift 

©er Bewerber l)at biefe Aufgaben an gmei aufeinanber folgenben 
Vormittagen unter Auffielt anzufertigen. ©ie Arbeitszeit beträgt je oier 
6tunben. 

©er Borft^enbe toeift bie Arbeiten ben einzelnen SJlitgliebern ber 
^ommiffion zur Beurteilung zu. ©ie Arbeiten bleiben bei ben Aften ber 
Sßrüfungsfommiffion. 

2Benn bie Arbeiten nad) bem Urteil ber 2Rel)rI)eit ber Äomtntffton 
für ungenügenb befunben toerben, ift ber Borfi&enbe berechtigt, ben Be= 
roerber oon ber münb liefen Prüfung auszufliegen unb bie Prüfung für 
niajt beftanben zu erklären. 

§ 8. ©te münblidje Prüfung erftreeft fiel) auf alle ©ebiete ber (£r= 
gie^ung unb bes Unterrichts ber 6d)road)fimtigen unter Bezugnahme auf 
bie allgemeine (Erziel)ungs= unb Unterriä)tslel)re. 

©ie Betoerber l)aben insbefonbere nad)zutoeifen bie Befanntfd)aft: 

1. mit ber Sßfrjcrjologie unb bereu Sweigtoiffenfcljaften, ber ^ßfucl)o= 
pat^ologie, ber 5linberpft)d)ologie, mit bem 9Bef entließen über ben 
Bau unb bie Situationen ber Sinnesorgane, bes gefunben unb 
!ran!en ©ef)irns unb Sfteroenfnftems, mit ber Sßfnajo^fjnfiologte 
ber 6pracl)fun!tion, ben toicfytigften 6prad)ftörungen unb ben 
SÜtetljoben ifjrer Betjanblung unb Teilung. 

2. mit ber SJtetfyobi! aller Unterria^tsgegenftänbe, ber (Einrichtung 
unb bm £el)r= unb Semmitteln ber £tlfsfd)ule, 

3. mit ber ©efd[)id)te unb ber ßiteratur ber ^ilfsfa^ule, fotoeit fie 
für i^re (£nttoi<flung oon Bebeutung ift, 

4. mit ben fragen ber gürforge für 6<f)toacl)finmge. 

§ 9. ©ie praitifd)e Prüfung beftef)t in ber Ablegung zweier £el)r-- 
proben, oon benen eine in bem Unterrid)tsgebiete ber Unterftufe einer 
ipitfsfcfyule liegen muft. 

§ 10. Über bie (£rgebniffe ber Prüfung in ben einzelnen ©egen= 
ftänben toirb eine fajriftlidje Berf)anblung geführt 

©ie ßeiftungen toerben mit „gut", „fef)r gut", „genügenb", „nid)t 
genügenb" beurteilt 

9laa) bem ©efamtergebnis ber Sßrüfung ift zu entfdjeiben, ob bem 
Betoerber bie Befähigung als £ilfsfd)utlel)rer zu erteilen fei. 

Bei nid)t genügenben Seiftungen in beiben 2eI)rproben ober in ber 
S0letl)obi£ bes ^ilfsfdjulunterridjts ift bie Befähigung zu oerfagen. 

©ie (Einzelurteile toerben in ein ©efamturteil („fef)r gut", „gut", 



— 109 — 

„genügenb", „nidjt genügend") gufammengefafjt, bas bem Sekret nad) 
Sdjlufc ber 93erf)anblung münblid) mitzuteilen ift. 

§>ie $er§anblungsfd)rift ift burd) ben 93orft£enben unb bie SOtitglieber 
ber 5lommiffion gu untergeidmen unb git ben Prüfungsakten ju nehmen. 
§at ber SBeroerber bie Prüfung nttfjt beftanben, fo ift ifym bies ebenfalls 
31t eröffnen. 

§ 11« 9tuf ©runb ber beftonbenen Prüfung erhält ber ^Bewerber 
(bie ^Bewerberin) ein 3eugnis in folgenber Raffung: 

. . . ., geboren ben .... %u ♦♦.♦.. 

.... SSefenntniffes (Religion), Jjat fid) in ber 3eit ü ont ♦ . . . 

bis ber Prüfung für Sefjrer (Seherinnen) an ipüfsfdmlcn 

mit .... (Erfolg unterzogen unb roirb fyierburd) auf ©runb biefer 
Prüfung für befähigt erflärt, als £ef)rer (£el)rerin) an £ilfsfdmlen ange- 
fteHt gu roerben. 

Sie &miglid)e SßrüfungsEommiffion. 
(Siegel) (Unterfdjriften) 

5)ie 3 eu 9«iffe finb burd) bas Siegel ber IßrüfungsEommiffion unb 
burd) bie Ünterfajrtft üjrer 9ftitglieber %u ooHsieljen. 

§ 12. 2)ie $rüfung barf nur einmal — früf)eftens nad) Ablauf eines 
3al)res — toieberljolt roerben. 3 U c ^ ner nochmaligen 3öieber§olung (britten 
Prüfung) bebarf es ber (Genehmigung bes $ftinifters ber geiftlid)en unb 
llnterri3)tsangelegenl)eiten. 

§ 13. 93or (Eintritt in tu Prüfung ift auger ber Stempelgebül)r 
oon 3 9fl. eine Prüfungsgebühr oon 20 2ft. ju entrichten. 

§ 14. 2>iefe ^ßrüfungsorbnung tritt mit bem 1. Öftober 1914 in ^raft. 

Berlin, ben 1. Oftober 1913. 

2)ec 9Kinifter ber geifrltdjen unb Unterridjtsattgelegenljeitett. 1 ) 

^llm 1. SRoöembcr 1913 würbe gu (Bffen an ber 9htf)r ein 
fyeilpäbagogifcfyes 6 e m i n a r ins ßeben gerufen, toorin 
100 Sefyrer $Iusbtfimng für bas ©ebtet ber £>eiIpäbagogi£ er= 
gelten. SHefe (Einrichtung tourbe ebenfalls besfjalb getroffen, um 
bie <&mfüf)rung ber Nachprüfung totrffam üorgubereiten. $iud) 
in Stettin fanb gu biefem Qvoz&z ein Ijeilpäbagogtfdjer 6eminar-- 
furftts oon gtoeimonatlicfyer ©auer ftatt. 

S)ie meiften 6täbte geroäljrten ben <pi!fsfd)uIM)rern eine be-- 
fonbere (5 ei) a 1 1 6 3 ula g e, bie enttoeber roiberruflicfy ober 
rui)egel)altsbered)tigt roar. 3)ie Belage tuar an ben einzelnen 
Drten oerf Rieben betneffen, fie fcfytoanfte für bie £ef)rer §roifd)en 
100 bis 600 SR. unb für bie Seherinnen guüfdjen 100 bis 300 2R. 
^Berlin gafylte 300 9ft. forooljl für bie männliche, als aud) für bie 
roeibüdje £el)rfraft. 3)iefe ^mtsplage rourbe nad) einer fünf-- 
jätyrtgen SMenftgeit an ber £ilfsfd)ule penfionsfaI)ig. 9hm ift bie 
SBefolbung ber £üfsfd)ullef)rMfte burtf) bas $oIfsfd)ulIet)rer= 
2)ienftemfommensgefe£ 00m 17. ©egembcr 1920 geregelt. 3)te 



*) Über ben (Erlag bes oreufcifdjen Unterridjtsminiftcrs 00m 17. 3«". 
1918 — U III C 9cr. 16 — ift bas mid)tigfte bereits im erften Seil 
gefagt roorben. 



— 110 — 

üollbefdjäftigten Sejfjrftäfte an befonberen $eranftaltungen ber 
$ol£sfd)ulen für förperlid) ober geiftig nid)t normal oeranlagte 
Äinber fommen na<fy ©ruppe 8 mit ber Aufrüdungsmögiidjfeit 
nad) ©ruppe 9, unb bie lebenslänglid) angeftellten ßeiter ber oor- 
fyin bezeichneten 6d)uleinrid)tungen mit oier ober meljr aufftei= 
genben klaffen werben nad) ©ruppe 9 befolbet. ßeiber laffen 
aud)i bie Ausfüfjrungsbeftimmungen nicfyt mit beftimmter 3)eut= 
lidjfeit bie Aufrücfungsmöglicfyfeiten ernennen. 3af)rgang 1921 
ber §ilfsfd)ule bringt in feinen erften §eften mehrere Artifel gur 
93efolbungsfrage ber £ilfsfd)ullel)rer nad) bem 93efotbungsgefe£ 
nom 17. Segember 1920. Aus ben Ausführungen get)t tjeroor, 
baft bie £ilfsfd)ullel)rer im allgemeinen nad) biefem ©efefe fd)led)t 
abgefcfynitten unb eine gang bebeutenbe ßurüdfe&ung ben %aub= 
frummen= unb 93Iinbenlel)rern gegenüber erfahren t)aben, ebenfo 
aud) ben9JlitteIfd)iuIIel)rern gegenüber, (Ein ^Bergleid) ber ^rüfungs-- 
orbnungen für biefe ße^rerfategorien mit ber Sßrüfungsorbnung 
für £>ilfsfcfyullef)rer lägt olme weiteres eine weitgefyenbe ©leid)-- 
artigfeit ber Anforberungen ernennen — warum alfo bie geijalt-- 
Iid)e 3urüdfe£ung ber ipilfsfd)uHet)rMfte? 2Bir muffen besfyalb 
mit attem 9ßacfybrud unfere berechtigten •Jorberungen um gel)alt= 
licfye ©leid)ftellung mit ben bezeichneten £ef)rern an maftgebenben 
Stellen ergeben, weil fonft bie größte ©efaijr für eine gebeil)lid)e 
^ortentwidlung bes gefamten §>tlfsfd)ulwefens oorliegt. (Siefye 
3)enffcfyrift über bas beutfdje ipilfsfd)ulwefen.) 

Als fonftige Annel)mlid)feiten, bie bte£ilfsfd)ullel)rernod) 
genießen, ftnb bie geringe SBefefeung ber ^rilfsfcfyulflaffen (pdyftens 
20 6d)üler für bie klaffe) unb bie geringere ötunbengal)!, welche jte 
im $erl)ältnis gu ben $olf sj djulleljrern gu erteilen l)aben, §u nennen. 
(£s wirb gewi| niemanb barüber neibifd) fein, wenn bie ipilfs= 
fd)uHe^rer mit einigen Stunben entlüftet werben, ba iljre Sättg= 
feit im ganzen bocfy triel anftrengenber unb aufregenber fid) ge= 
ftaltet, als bie ber $ölfsfd)ullel)rer. Aufrerbem erwacfyfen ben 
£ilfsfd)uHel)rern nod) nebenbei mancherlei $erpflid)tungen, wo= 
burd) iljre Arbeit aud) über bie 6(fyul§eit tjinaus in Anfprud) ge- 
nommen wirb. (Es fei nur an bie fo l)äufig nötig werbenben 
iftüdfpracfyen mit bem (Elternfyaufe erinnert unb an bie 6d)ritte, 
welcfye im Sntereffe ber fcfyulentlaffenen Söglinge unternommen 
xoerben muffen. Überhaupt roirb bas ^ert)ältnis bes §ilfsfd)ul-- 
letjrers gu ben 5 om ^^ en feiner Scfyüler ein oiel innigeres fein 
muffen, als es fid) fonft gwifcfyen 6d)ule unb §aus ausbiibet. 
(Ebenfo roirb ber £ilfsfd)uilet)rer feinen 6d)ülern nid>t nur oor-- 
übergeljenb (Ergiefyer fein, fonbern oielmeljr bauernb ein oäter= 
lidjer ^xmnb, Reifer unb Berater toerben unb bleiben. 

(Sine weitere Anne!)mlid)feit für bie ßeljrer ber §ilfsfd)ule 
bietet bas ruhige un'b g 1 e i d) mä § i g e A r b e i t e n. (£s barf 
im §ilfsf(^iulunterrid)te nid)ts übertjaftet ober fprungljaft betrieben 



— iil — 

werben, fonbern es mufc fid) alles in natitrlidjer unb langfamer 
Jolge ootlgiel)en. 2)abei können unb follen bie Setter auf fämt= 
ltc±)e inbioibuelien (Eigenarten ber 6d)üler achten unb auf il)re aud) 
nod) fo geringen feelifdjen Regungen. ©ag besljalb ber £eilunter= 
rid)t triele intereffante Momente unb anregenbe 3been bieten 
roirb, liegt auf ber %>anb. 3>er £>ilfsfd)ullel)rer lernt roie feiten 
ein (Er^ieljer ben 2Berbegang eines 9ftenfd)en rool)l am beften 
fennen. 

ßolmt es fid), £el)rer ber geiftig Sd)toad)en §u roerben? — 
(Eigentlid) roäre eine foldje Sxage nunmehr überflüffig. 2)od) gibt 
es gurgeit nod) triele Sßabagogen, bie fie ofyne roeiteres mit einem 
entjdjiebenen 9tein beantroorten roürben. 3n irjren klugen ift bie 
Unterrid)tsarbeit an ben 6d)<road)ifinnigen ein $elb für ben ßerjrer, 
auf bem er ficfy fein Seben lang nur abr ädern fann, ofjne etroas 
$u erreidfyen, 3a, es lommt fogar t>or, baft in mandjer $o!fs= 
fdjule bie geiftig fdjroadjen 6d)üler oerladjt unb oerrjöljnt roerben, 
bisroeilen unter ber ^nbroljung: „$Benn es mit bir nid)t beffer 
roirb, bann fdjiden mir bid) in bie ipilfsfd)ule, roo bie 2>ummen 
Ijingerjören!" 6oId)e Säuberungen finb lieblos, unb folcfye 93e= 
roertungen ber Irilfsfdfyularbeit entfpr edjen nid)t nur nid)t ben 
roaljren Satfacfyen, fonbern fie fterjen aud) mit ben ©runbibeen 
bes (Eljrifientums unb mit bm fokalen unb Rumänen 23eftrebun= 
gen unferer Qüt in fdjroffftem 2Biberfprud)ie. 

2Benn auf bem Gebiete ber ipilfsfdjulroirffamfeit aud) feine 

Sorbeeren $u ernten fein unb bie (Erfolge meift nur fümmerlid) 

unb befdjeiben ausfallen unb roenig bie 23ead)tung ber großen 

ÜBelt finben roerben, fo üerlofjnt es fid) bennod), £erjrer ber geiftia 

6d)»road)en gu roerben, benn bie Arbeit gefd)iel)t im tarnen beffen, 

ber fid) ber Firmen, 2Rül)feIigen unb SBelabenen erbarmenb an= 

narjtn unb fein £eprjata aud)i ben 6tummen unb Sauben gurief. 

5)er fd>önfte £ol)n eines frilfsfcfyuHerjrers aber roirb barin befreien, 

baft er eine geroiffe 93efriebigung unb Genugtuung empfinben barf, 

roenn es itjm gelingt, Slinber, bie an ber Grenze bes geiftigen 

Sobes fielen, gum geiftigen £eben gu ertoeden unb ber geiftigen 

^infternis §u entreißen. 

„3)er Unterricht an ben begabten bringt bem Sefyrer (Eljre, an bem 
9JtttteIfrf)Iage fein 93rot, an ben 6d)road)en aber — ben ipimmel." 2)as ift 
fefyr ibeal ausgebrüht unb roill eigentlich anbeuten, bafj bie Sorge für bie 
ftrmften ein Strahl ber ©öttlid)!eit ift, bie ben 9Jcenfd)en abeli % 

(Es roar bisher nur oon $ilfsfd)ullel)rern bie SRebe, nun gibt 
es aber aud) £ilfsfd)ullel)rerinnen, beren Qal)l fogar in 
einigen £änbern, roie 5. 23. in (Englanb unb ber 6d)toei$, bie 3^1)1 
ber £el)rer bei roeitem überfteigt. 5)ie frrilfsfdjule fann bie meib-- 
Iid)e £el)rfraft nid)t gut entbehren, unb gerabe im SHenfte ber 
geiftig 6d)toad)en l)at fid) bie roeiblidje SBirffamfeit frud)tbrin= 
genb erroiefen. (Es liegt im allgemeinen in ber 9Ratur bes 2Beibes, 



— 112 — 

ja, es ift ii)m mcift fogar ein bringenbes 93cbürfnt6, ßiebe unb 
Pflege ben 3urüdgefefeten unb 93ebürfttgen gu ertoeifen unb 
6amariterbienfte $u üben, 2>agu roirb burd) £erangiel)ung oon 
meiblidjen 2eI)rMften für ben £üfsfd)ulbtenft Ginfeitigfeit unb 
6d>äbigung ber einen £älfte ber 6d)üler gugunften ber anberen 
nad} 9ftöglid)leit oermieben, benn bie meiften £ilfsfd)ulen fjulbigen 
bem Sßrin^ip ber gemeinfamen (£rgi_el)ung ber ©efd)Ied)ter. 2>ie 
gemeinfame ßrgieljung ber ©efd)led)ter (^oebufation) oerbient 
namentlid) für bie §üfsfd)ule, bie in ber §auptfad)e bod) nur eine 
reine (Ergieljungsanftalt fein unb bie gamilie als ifjr SBorbtlb 
anfeilen null, bie oolifte 93ead)tung. Sftatürlid) finb ben £ilfs= 
fdjuHefjrerinnen auü) befonbere $ergünftigungen, ätjnlid) mie jte 
ben $i!fsfd)MlIe!)rern guteil werben, in nod) Ijötjerem StRage gu 
getxmfjren, bamit if)r im allgemeinen fd)toäd)erer Organismus bei 
ber fd)toierigen £üfsfd)ularbeit feinen 6d)aben erleibe. 

3um 6d)luffe muj* fyier nod) (Ertoäfynung eines (Erlaffes 
bes preuftifdfyen Unterridjtsminifters com 7. 3uli 1921 — U III. 
E 2265 — gefdjefjen, ber in geroiffem 6inne einen 9tüdfd)ritt in 
ber £iIfsfd)ulbetoegung bebeutet unb eine 6d)äbigung bes §ilfs= 
fdjullefyrerftanbes fyerbeigufüfyren geeignet erfajeint. 

3)er (Erlaft lautet: 

„Wad) bem Wortlaut bes § 1 2lbf. 1 ©ruppe 2 bes 93ol?sfa)ullel)rer. 
Sienfteinfommensgefeges com 17„ ©egember 1920 genügt bie oolle 93e* 
fd)äftigung eines ßefyrers (ßef)rerin) an einer £UfsfdE)ule für bie (Einreibung 
in ©ruppe 2. (Selbftoerftänblici) mufj es ftcf) um eine öauemöe, nid)t nur 
um eine ausfjilfstoeife bjtD. uorübergefyenbe, S3efd)äftigung Ijanbeln. 

3ft einem ßeljrer (ßel)rerin) Bie 53efd)äftigung an einer £üfsfd)ule 
mit ber Sftafcgabe übertragen, ba§ er (fte) t>or bauernber Übernahme an 
bie £ilfsfd)ule bie ipilfsfdjulleljrerprüfung abzulegen fyahe, fo !ann er (fte) 
bie (Einreibung in bie ©ruppe 2 erft nad) Slblegung ber fraglidjen Prü- 
fung beanfprud)en. 

Sine enbgültige „'sUnfteHung" als §ilfsftf)ullel)rer (§ilfsftf)ulleljrerin) 
fann überhaupt nid)t erfolgen, ha aud) bie |>Ufsfd)ullel)rer (ipilfsfdjul« 
Ie^rerinnen) Sßolfsfdjulleljrer (93ol?sfd)ullel)rertnnen) finb unb nur als 
foldje „angefteHt" roerben tonnen, ^Befonbere 53erufungsur!unben als 
£ilfsfdjullel)rer ufto. finb nia)t ausguftenen." 

2)iefer (Erlaf3 toirb gtoeifellos oon nad)teiligen (Eintoir= 
hingen auf bie preufcifdje Jrilfsfdjulbetoegung fein, namentlid) 
infofern, als er eigentlid) bie §ilfsfd)ulief)rerprüfung unnötig 
erfdjeinen läßt, (Es genügt für bie S^unft nur bauernbe 93e* 
fdjäftigung an ber §ilfsfd)ule, um in ©ruppe 2 im 6inne bes 
93. 3). (5. com 17. ©egember 1920 eingereiht gu merben. 3)es 
weiteren madjt er bie enbgültige Aufteilung ber §ilfsfd)ullel)rer 
tHuforifd), ba befonbere SBerufungsurfunben für biefe ßeljrer 
nid)t me|r ausgufteflen ftnb. S)as $♦ 3). Qx fennt aber Iebens= 
länglia^ angeftellte ßeiter an iBolfsfdiulen für förperlid) ober 
geiftig nid)t normal oeranlagte S^inber. ©iefe ßeiter l)aben 
aber bod) eine befonbere 33erufungsurfunbe bei ifjrer AnfteEung 



— 113 — 

erhalten, ebenfo aud) meines ÜBiffens nad) bie bisher an eine 
§ilfsfd)ule berufenen ßefyrfräfte. WxU nun ber obige (Erläfc 
ben alten beroäijrten 9lnfteflungsmobus aufgeben, bann unrb 
es in ber 53efe&ung ber §ilfsfd)ullel)rerftellen red)t beroeglid) 
äugefyen, ba man ftdf) jeber^eit gewärtigen fann, an eine anbere 
6d)ule oerfe^t gu werben. (Es roirb baburd) für ben gangen 
§üfsfd)ullei)rerftanb eine Unftdtjerljeit gefdjaffen, roie fte für bie 
©quer nid)t befielen barf. ©esfyalb roäre ber (Erlag eines 
§iffsfd)ulgefet$es fd)Ieunigft anguftreben, um au bieje Unftdjer* 
Reiten unb S^eibeutigfeiten gu befeitigen. — 3n gleichem 6inne 
ift aud) ber folgenbe (Erlaß gehalten. 

2RtmfteriaIerIaß nom 13. Sluguft 192L — U III A 1484, U III E, 
U III C. — „Sa bie £ilfsfd)ule eine befonbere 93eranftattung ber 93olts- 
fdjule ift, finb bie an ifyr befd)äftigten 2et)ter nad) u>ie t>or 9$ol£sfd)ul= 
leerer. (Es ftnb bat)er befonbere 93eftaHungsur!unben für fte nid)t onau= 
fertigen, (Es toirb ifynen lebiglid) eine Mitteilung ju machen fein, bog fie 
im §>inblicf auf ir)rc 9ßefd)äftigung an ber <pilfsfd)ule in 93efolbungs* 
gruppe 2 aufgerüdt finb. S3et ber gleidjen ©elegentjeit ift bie 9teufeft= 
fe&ung bes 93efolbungsbienftalters mitzuteilen ufm." 

Stteratur* 

93ufd), Sie 93orbiIbung bes £er)rers an ber £ilfsfdmle. 3» f> ^ e ^ 
6d)to. u. (Ep. $iox>. 1904. — S e r f., Sie 2lusbilbung ber £ilfsfct)uilef)rer. 
93er. üb. b. 5. 93erb- b. §. S v Bremen 1905, unb 3. f. ätnbf. 33b. 10, 221 
unb 3» f» 33cÖ* ©dju>. u. (Ep. 1905 £. 9=10. — 93 ü 1 1 n e r , (5 V ipetlpäbagogi- 
fdt)es 6eminar. 3 c üfd) r « f* 6d)ulgefunbt)eitspfl* 1908 9Zr. 1. — grenzet, 
Ser iptlfsfdmlletjrer. (3Begmeifer §ur Vorbereitung auf bie Sefjrerprüfun- 
gen.) Oftertotecf 1909. — 2) er f., ©er !>ilfsfcr)ullet)rer. 9Beftpreu§. Sd;ul= 
gtg. 1913 9lr. 10. — grieberici, £od)fa)uIe unb ^ilfsfdmlleljrer. ipilfs- 
fdt). 33b. 6, 181. — §uct)s, Ser erfte berliner 93or= unb gortbilbungs- 
furfus für ipilfsfdmflerjrer. 93erün, ©erbes & ipöbel. — 5) e r f., ipilfsfdjul- 
fragen unb arbeiten aus bem brüten berliner ffortbilbungshtrfus für 
|rilfsfd)ullef)rer. $aUe a. 6., 3Rart)olb. — © r a f , £., 3a»eiter fdjmeigeri- 
fa)er 93itbungs!urfus für £et)r£räfte an ßpegialllaffen unb ^tnftatten für 
fd)tüaa)finnige ßinber. 6ct)xr>ei§. 3cttfd^r. f. ©emeinnütjigfeit, $üxiä) 1904. 
— £ e n 3 e , 2u, ^urfus in ber mebijinifdjen Sßfndjologie mit 93e§ug auf 
ben angeborenen 6d)toad)füm. £üfsfd). 33b. 5. — S e r f., ^urfus für ipilfs- 
fdmilefjrer in 93onn. 3. f. Ätnbf. 93b. 10, 275. — £ e r § o g , Sie 6teIIung 
ber £er)rträfte an ben öpegialflaffen. 93er. üb. b. 4. fd)toei§. Slonf. f. b. 
3biotentoefen unb 3. f. 93er). Sd)to. u. (Ep. 9too. 1903 unb 3. f. Ätnbf. 93b. 8, 
230, 93b. 9, 143. — £ o r r i 5 , £., 2BeId)e Slnforberungen ftellt bie £ilfsfd)ule 
an ben £ef)rerV 3. f. 93er). 6ct)m. u. (£?. 1892 |). 2-3. — 2) e r f., Über £et)rer 
an £ilfsfdmlen. 3. f. Äinbf. 93b. 5, 173. — 3) e r f., 2Bie toerben 6emi- 
nariften unb £et)rer angeleitet §ur Arbeit an ben 6a)ioacr)en? 3. f. 93et). 
ed)ro. u. (Ep. 1902 $. 6-7. — © e r f ., Sie ^lusbilbung bes ^ilfsfd)itnet)rers. 
£alle a. 6. 1912. — 3 a u et) , 5L, £ot)nt es fid), Setjrer unb (Ergiet)er ber 
6a)toad)en 5U fein? 9fteb.=päb. anonatsfct)r. f. b. gef. 6pracr)t)eilf. Oft. 
1909. — Äölle, ^v ® cr 93ilbungs!urfus für £et)rer unb Sel)rerinnen an 
6pegtaltlaffen für 6a}ioact)befät)igte in 3ürict). 3, f. 93et). 6d)tü. u. (Ep. 
1899 Jp. 10-11. — Hurfus gur ^eranbilbung oon £er)rträften an Spe^ial-- 
Üaffcn für erf)toad)begabtc. 3. f. Äinbf. 93b. 4, 100 unb 3. f. 33er). 6d)to. 
u. dp, 1905 £. 5. — 2 ö t) r e n - 93 e I b e r t , 93om 93onner £ilfsfdntlhtrfu5. 
9®iffcnfd). u. 6d)ule 1910, 30. — 2R a e n n e l , Dr. 93., 93om Snlfsfdjuluiefen. 

8 



— 114 — 

fieipgtg 1905, Seubner. — Sß u l g e r , %,, 2)er £Ufsfcf)ullef)rer. 33er. üb. b. 
2. öftere, ^onf. b. 6c|)tt)ad)finnigenfürf., 2Bien 1906. — 2) e r f., Slusbilbung 
unö Stellung bes £ilfsfd)ullef)rers. 55er. üb. b. 5. öfterr. Äonf. b. Scf)tDaa> 
finnigenfürf. — 90Utteilungen über ben ^urfus gur £eranbilbung non 2et)r= 
Iröften an 6pegiaitiaffen für 6a)mad)begabte in 3ürid)» 3- f« ®c§. 6d)to. u. 
<£p. 9Jtär& u. Nor-. 1899, 3cm. 1904, äTcai 1905. — 9ianftt)burg, Sie 
einheitliche $lusbilbung ber ßefjrlräfte für fämtlicfye f)eilpäbagogifd)e £el)r» 
Btceige. 3» f« Äinbf. 53b. 9, 264. — 6 et) e n i , Über Lehrerinnen an engli» 
iifa)en §ilfsfcf)ulen. 3. f. Kinbf. 53b. 7, 277 — 6 0) u l 3 e , (£in Kurfus b. mebi- 
^inifd)en ^fndjologie mit 53egug auf 53el)anbtung unb Unterricht bes ange= 
borenen 6a)roact)finns für #rgte unb Sßäbagogen. 3« f- ^inbf. 33b. 10, *276. 

— 2) e r f., 2)ie 53erufsbilbung bes <pilfsfa)ullef)rers. ipalle a. 6. 1917, 
6d)roebeI. — 6 m m e r , £., 2)er ^ortbilbungsfurfus für £ilfsf<f)uHel)rer 
in 53onn nom 5. bis 26. äRai 1906. £üfsfd). 53b. 5. — 2 ä fc n e r , 53or-- 
unb ^ortbitbung ber Nac^ilfefd)ullet)rer. 3- f» 93 ßl Ü)- <5tf)ro. u. (Ep. 2)e§. 1903. 

— £ r ü p e r , Sörpfelb unb bie 2el)rer ber 6dnt)acf)en. 3* f» ^inbf. 53b. 2, 
124. — 533el)rl)al)n, Dr., Slusbitbung ber Jpilfsfcf)ullef)rer. 3n: 6etter, 
£anbbud) ber beutfd)en ©d&uttjtjgiene 53b. 4. Bresben 1914. — 5S e m m e r , 
3noeiter ^ortbilbungs^urfus für bas ipilfsfctutltoefen in 53onn. ipilfsfd). 
53b. 6. — 2) e r f., Siebter £ilfsfcf)ulturfus in 53onn. &ilfsfcf). 53b. 2, 298. 



2)ref3ler, 53efoibung unb 'jßftiäjtftunbenäafjl ber £ilfsfd)ullel)rer in 
Sßreußen. 6tat. 53eilage 3. ^ßäb. 3*9* 1910 9fa. 10. — (Bggenberger, 
3ur §rage ber finanziellen unb allgemeinen Stellung ber |>ilfsfdjullef)rer. 
Jpilfsfdj. 53b. 4 $. 12. — ©rote, 533as ift oorftanbsfeitig in 6ad)en bes 
53efolbungsgefe&es gefdjeljen? &ilfsfd). 53b. 1, 140. — £enje, %., §\it 
Neuregelung ber 53efolbung. £ilfsfct). 53b. 1, 301. — 2) e r f., 53efolbung ber 
Jße^rer unb ßeiter tum #itfsfdj. (£ng. £bbcf). &aHe a. 6., 3Jiarl)olb. — 
Kannegießer, 2)ie 53ebeutung bes preußifajen £et)rerbefolbungsge* 
f efees f. b. £ilfsf cfjulen. £ilf sf d). 53b. 4, 135. — Ä e 1 1 1 , Xlnf er 53efolbungsgiel. 
£ilfsfd). 1920 £. 3. — £ l e n I e , 2)ie 53efolbungsfrage ber £ilfsfcfmllef)r= 
!räfte. £ilfsf a> 1920 £. 10. — 6 d) u l j e , 3ur 53efolbung ber preußifd)en 
£ilfsfd)ullet)rer, £ilfsfcl). 53b. 2, 217. — 2ß e i ß , $ortbilbungsfcl)ullel)rer 
unb £ilfsfdmllel)rer. £ilfsfd). 53b. 2, 185. — 3ieting, Sßflid)tftunben* 
ga§l ber £itfsfcf)uEeJ)rer. 53er. üb. b. 8. 53erb. b. £. 2)., 1911. §alle a. 6., 
9ftarf)olb. — $\ttxnQ* < 2)Tt%ltx , Überfielt über ben gegenmätigen 
<5tanb ber 53efolbung ber £ilfsfcf)uEel)rer in Preußen, £ilfsfrf). $b. 3, 327. 



7* ©et 2i*gi in bet S)ilf$fäuU. 

Sieben bem (£r§te^er tötrb ber ^rgt unftreitig große Aufgaben 
in ber §tlfsfd)ule §u erfüllen Ijaben. 5)te preußifd)e Sßrüfunge-- 
orbnung für §tlfsfc^ullel)rfräfte verlangt bie 2ftirtrrirfung eines 
^tes — eines Sßfgdjiaters — bei ber Sßrüfung. 5)ie f^ulärgt- 
Hc^en Aufgaben in ber £iifsfd)ule toerben fid> in ber £auptfacl)e 
mit ber allgemeinen fcf)uiär§tltd)en Sätigfeit beefen, aber in begug 
auf ^Irt unb £äuftgf et t ber £eiftungen noä) gan§ erl)eblia^ 
tueitergeijen. ©as 6d)ülermaterial ber |>ilfsfc^ule ift eigenartig 
unb geigt ftrf) in geiftiger unb pufig aud) in förperlia^er $tnftd)t 
ftar! oon ber ^Rorm abroeidjenb, fo baß auf ärgtlid)e SJlittxrirftmg 
bei bem fdjmierigen (£r§ie^ungsu)er!e ber $ilfsfd)ule nic^t oer= 
^idjtet toerben fann. 3ebe §ilfsfcf)ule mtrb besijalb 



— 115 — 

einen $lrgt nottoenbig gebrauten. SIBie foll nun ber 
$lr$t in ber £ilfsfd)ule tätig fein? S)ie grage einer 33egren$ung 
ber ärjtlidjen unb p ab ago giften Sätigleit in ber §>ilfsfd)ule er= 
fdjeint im allgemeinen gegenftanbslos. ^ber baburd), baf$ ber 
£efyrer mit bem ^Irjt unb biefer mit jenem gemeinfam arbeitet, 
lann SRüöIid)eö unb (Erfpriegltdjes gefdjaffen werben. 

5)ie $1 r 1 1 f r a g e für bie £ilfsfd)ule tourbe auf bem 7. $er= 
banbstage p S^einingen 1909 in erfreulicher SBeife beantwortet. 
3ftan l)at fid> bort eingeljenb mit ifyr befdjäftigt unb nad) grünb= 
liäjer 23efpred)ung folgenbe £eitfä&e angenommen: 

I. 3ebe £ilfsfd)ule brauet einen $lrgt, ber bie für biefes 9lmt er* 

forberücfye ^Borbilbung auf bem ©ebiete ber Spftjd^tatric befttjt. 
IL Sie Söttgleit bes ^ilfsfdjjulargtes erftretft fidj auf beratendes 2Uit» 
mirlen bei ber $luf nannte unb (Sntlaffung ber ^inber, JfeftfteHung 
ber Iranl^aften 6törungen unb (Ermittlung ber Urfadjen ber 2Rtn= 
berbegabung. 

III. 2Benn irgenb angängig, foXI ber Irilfsfdntlarjt auä) bie ^tnber ber 
ipilfsfdjjule befyanbeln. 

IV. Sie päbagogiftfje 6eite bes &üfsfd)ultDefens ift nidjt 6ad)e be* 
ödjmlargtes. 

2Bertt>oße Richtlinien unb ging er geige für bie 
ärgtlidje Sätigleit bei ber 'JUufnafyme unb ßmtlaffung ber §ilfs= 
d>üler bietet ber neue amtliche Sßerfonalbogen in feinen (£rläu= 
;erungen/) ©arin finb aud); bie tüidjtigften Q)efid)tspunlte für 
eine fortlaufende ärjtlid^e Unterfudjung unb Übertoadjung 
angegeben. 5)er ipiifefdjulargt roirb aber nid)t nur bie lörper= 
Itcfyen Mängel unb (Sebred)en ber ^inber, forote bie $lrt itjrer 
geiftigen 6törung feftfteflen, fonbern er mufj aud} mithelfen, biefe 
Übel $u milbern bgro. $u begeben. 2)esl)alb ift $u verlangen, ba§ 
ber ^ilfsfdjular^t aud) felbft bie 6d)üler fortlaufend im $iuge 
behält unb fie in Kranit) eitefäüen befyanbelt. 3>ie fyäufigen (£r= 
Iranlungen bei £ilfsfd)ülern legen bem Sdfyulargte bie Sßflidjt 
auf, bes öfteren bie ^inber einer grünblidjen Unterfudjjung gu 
unterbieten unb befonbere ^Inorbnungen gu treffen. (£r roirb bie 
Sefyrer unb (Eltern mit entfpredjenben ^Intoeifungen oerfefyen, um 
bas lörperlidje 2Bof)I ber £ilfsfd)üler gu förbem 3nsbefonbere 
roirb er barauf Ijimoirlen, baß ettoa beftefjenbe 2öof)Ifaf)rtsein-- 
ridjtungen in erfter ßinie biefen ärmften Wintern jugute lom= 
men. Unentbefyrüd) ift feine 9Jlittoirlung bei ber 6dt)ulentlaffung. 
hierbei lann er feinen ausfdjlaggebenben (Einfluß auf bie 93erufs= 
toaI)I ausüben unb bie ^inber oor 6d)äbigungen burd) Ergreifen 
einer 93erufstätigteit betoaljren, roeldjer ifjre ^örperoeranlagung 
nid)t getoadjfen ift. 



*) (Eine befonbere ©tenftamoetfung für §tlfsfa)ulärate befteljt jujeit 
moJ)l noa) nid)t; toertüotte 9üa)tUnien für biefe 3roecfe bietet Die 6d)rifh 
^oeld)au, Anleitung für bie fdmläratUdje Sätigfeit. ßamburg 1908. 



— 116 — 

ferner urirb bie äratlicfye 2Rittmrfung gum Seil aud) auf bem Ge- 
biete bei Unterricfytsfyrjgiene, namentlid) pr 2öfung ber 
Überbürbungsfrage, in $lnfprud) gu nehmen fein, (£s 
toirb fid) hierbei um bie 5#fefeung ber täglichen unb toöd)entiid)en 
6tunbengaf)l Jjanbeln, foroie um bie 23egrengung ber Unterrid)ts= 
geit 5)aneben roirb ifym aud) bie Sßfli^t obliegen, bie gefamten 
Einrichtungen bes 6d)ulf)aufes fortbauernb p übermadjen unb 
auf $lbftellung ettoaiger SJlängel an majggebenben (Stellen gu brin= 
gen. 2)od) foE ber 5lrgt nid)t felbft unterrichten unb ergießen; bie 
päbagogifdjie 6eite bes §ilfsfd)uIroefens mu§ trielmefyr Sad)e bes 
^iifsfcfyulleljrers bleiben, ©er §ilfsfd}ulargt unb ber £üfsfd)ul= 
lefyrer merben fid) enblid) auf bem (Gebiete ber % ü r f o r g e 
jugenblidjer 6d)road)ifinnigen außerhalb ber £ilfsfd)ulmauern 
mieberfinben, wo fie in gemeinfamer Arbeit üielen 6egen ftiften 
fönnen, namentlid), menn fie fid) in toarml) erdiger Siebe um bas 
2Bof)I ifyrer 6d)ut;bef offenen tummern unb einanber mit $ld)tung 
unb Vertrauen begegnen. 

Süeratur, 

91 b a m unb £eubufd)er, «Jkof. Dr., Ser «#rgt in ber £üfsfdmle. 
£angenfal§a 1909. — «Bergan, D., Stellung bes Arztes an ber £üfs= 
fdmle, bie Stellung bes ßefyrers ödjmadjfinmger in früherer 3 e ^- 3» f« 
«J3el). 6d)to. u. <Sp. Ott. 1903. — daf f ei, $., «Bas Iel)rt bie Unterfudjung 
ber geiftig minbermerttgen SdmlrHnber im neunten berliner 6dmltrets? 
«Berlin 1901, D. (Xoblenfe. — S e m o o r , 3., SBeldje «JSebeutung Jjaben bie 
Säufc^ungen ber «IRustelempfinbungen für bie Siagnofe auf 3biotismus? 
5linberfel)ler 1899. — 3) e r f., Sie pftjd)oiogifd)e ©runblage einer ange= 
meffenen torperlidjen (Brgie^ung abnormer ^inber. 3* f* Äinbf. 1900. — 
S i II n e r , Dr., (Ergebmffe ärstlidjer Unterfudjungen fdjmadjfinmger ^tn= 
ber unb iljre «Bebeutung für bie ßetjrer. 3» f» &£$- &ü)uo. 1896. — S o 1 1 , 
Dr. 3lr§tlid)e Unterfudjungen aus ber ipüfsfdmle für fcfymadjfinmge SUnber 
gu £arlsruf)e. ^arlsru^e 1902, Wad Iot. — 5 e f e r , S., über bie Auf- 
gaben eines 6d)ularätes an ber |>üfsfd)ule für 6c§roadjbef(ü)tgte. «Baner. 
ärgtl. ^orrefponbengbl. 1905. — gren^el, $., Sßäbagogifaje «Ulttmirfung 
bei ber ärgtltdjen Unterfudjung fd)toad)begabter Slinber. 6eparatabbrud. 
Hamburg 1901. — 2) e r f., «JlotmenbtgEett unb 2ötr?fam!eit bes «ilrgtes in 
ber £ilfsfd)ule. 3eitfd)t. f. Sdmlgefunbfjeitspfl., Hamburg 1904. — 5) e r f., 
3ft bie «ßfndjopatfjologte aud) ein (öegenftanb ber Sßäbagogit? «Dtonatsfdjr. 
f. foa. 9Keb. ^Bb. 1. 3ena 1904, ©. ^if^er. — © ö r l e , ©., Sie ftürforge 
für geifttg gurüdgebtiebene Hinber. (Ein «Heifeberid)t. 3n ber «Breslauer 
6tatiftii Breslau 1900. — 2 aquer, £., Über bie ärgtltd)e 53ebeutung 
ber £ilfsfd)ulen für fd)mad)befäl)tgte ^tnber. ^tnberfe^Ier 1900. — © e r f., 
Sie är§tltd)e ^eftfteÜung ber nerfd)tebenen formen bes 6d)mad)ftnns in 
ben erften Sdmliafjren. 9Jlünd)en 1901, ©jjifc & Schauer. — ®erf., Sie 
|>ilfsfd)ule für fd)mad)befäl)tgte Slinber, i^re ärstUdje unb fokale 93ebeu= 
tung. 3Biesbaben 1901, «Bergmann. — ©er f., Über fd)tt>ad)finmge 6d)ul= 
fanber. ^aUe a. 6. 1902, 9KarI)oIb. — S e r f., Sie ärätltdje unb ergteljHdje 
«Be^anbtung non 6d)tDad)finnigen in Sdmlen unb Anftalten unb t^re mettere 
«Berforgung. ^lini! f. pfnd). u. nero. ^ranfl). 35b. 1 £eft 3. ^alle a. 6. 
1906, 2TCarI)oIb. — 2 i e b m a n n , Sie Unterfudmng unb 93ef)anblung geiftig 
gurüdEgeblxebener ^tnber. «Berlin 1898, «Berliner «Berlagsanftatt. -Sorot), 
6., «Beobachtungen unb Unterfud^ungen an ben ^inbern ber |>ilfsfd)ul!laffe 



— 117 — 

in attetmngen, ©iffert. £eip§ig 1909, god. — ßotf), 3)tc Stellung bes 
^tr^tes bei ber Überführung 5er 5!inber aus ber 53olfsfd)uIe in bte ipilfs- 
fd)ule. Settfc^r. f. Sdjulgefunbljeitspfl. 1906, — 9ft o r r , ©., Unterfudjung 
ber 3ögünge ber Hamburger £ilfsfdmle im 3<tfj*gcmg 1903. $lrd). f. fo$. 
2Reb. u. f>pg. SR. 5. 53b. 1 $. 4. ßeipgig 1905, 53ogel. — 9R e l & e r , Dr., 
©er 5lr§t in ber Sd^roadjfinnigenfürforge. 3fllg. 3» f» ^fgdjiat. u. pfnd).= 
gerid)tl. 9Jteb., Berlin 1905. — Sdjäfer, 53erid)t über bie fdjulär§tlid)e 
Sötigfett in ber £ilfsfdmle gu ^ßanlqro. £ilfsfd). 33b. 4, 220. — 6 d) l e = 
f i n g e r , Dr. (£ugen, 53orgefd)id)ten ber är^tlt^en 53efunöe bei fd)road)= 
begabten Sdjulfinbern. Stuttgart 1907, (£nle. — Sd)tnibt, 2tus beut 
fa)ulär§tlid)en 53erid)t über bie 53onner £ilfsfd)ule 1910=11. ipilfsfd). 53b. 4, 
271. — 5) e r f., ©er Sdjulargt an ber £ilfsfd)ule. 3u: Seiter, £anbbud) ber 
beutfdjen Sdmtt)t)giene 53b. 4. ©resben 1914, Steinfopf. — Stabel = 
mann, Sd)road)beanlagte ^inber, itjre $örberung unb 53el)anblung. 3Rün*. 
djen 1904, ©melin. — % r ü p e r , Über bas 3ufammenrotr!en non 2Rebi§in 
unb SßäbagogiJ bei ber giirforge abnormer Slinber. SlinberfeI)Ier 3crfjtg. 7. 

— 9B a n t e , Sßfndjiatrie unb ^päbagogü. 3Biesbaben 1905, ^Bergmann. 

— 5© a n n e r , Hnterfudjungen in ipüfsfdjulen für Sdjroadjfinnige in 2ftün= 
d)en. 53erf)anbl. b. beutfd). otolog. (öefetifd)., 3ena 1904. — SBarburg, 
Sd)ular§t unb £ilfsfd)ule. 3entralbl. f. aUg. ©efunbfjeitspft. 1907 9lr. 7-8. 

— 2Benganbt, 3)te 53el)anblung ibiotifaper unb imbe^iEer ^inber in 
är^tlidjer unb päbagogifd)r 53e§ief)ung. 2öürgburg, Stuber. — 3BuIff, 
Stellung unb Aufgabe bes 2tr§tes in ber §üfsfdjule. 53er. üb. b. 1. 53erb. 
b. £. ©., 1898. — ^ ü r f t unb Pfeifer, SdmWjrjgienifdjes Safdjenbud). 
Hamburg 1907, ß. ^Bofc. 



€mil rDolff & 5**>ne, Qaüt (S.), Opferplan. 



®ie 



^ilföf^ulergic^ung, 5>ilf$fd)uluttferrtd)t 
unb irnlföfdjulfiirforge 



Son 



granj ^renjel 



§attptlef)rer unb fietter öer ftäötiftfjen £üfsf<f)ule ju Stolp t. $om v 

iperattsgebet bes #ilfsfd)ulfalenbers 



ßroeite oetüollftänbtgte Auflage 




£aHe a. 6. 1922 — (£arl SO^arljoIb <BerIagsbud)f)anbIung 

93er(ag ber „£ilföftf)ale a , Organ beö <8erbanbeö ber AUföfcf)ulen ©eutfchjanbä, 

bcr w 3eitfd)rift für bic <23ebanMung Scbtt-acüflnniger", Oigan beö QSerelnä für (fr- 

jtebung, Unterlief)« unb Pflege @etfteöfcf)tt>ac&er, unb be$ „AWöfcbulfaienberä* 



§ni>alt$i>tvüti<$)tii3. 



6eite 

1. Stte Hüfsfdjulpä&agogtf ♦ ,■♦..■*■....''.'•♦ 5 

9totroenbig!eit. ©runblagen. 93efonberI)eiten unb gorberungen. 
©runbfä^e. Sftittel ber Hilfsfdjutpäbagogtt 

2. Sie fcefondere Hüfsfdraletäieljuttg ♦ . 16 

ungemeines. Regeln. Aufgabe unb 3^* Mittel ber (£rjie= 
J)ung. Sdjroterigieiten. ^orberungen. ßiteratur. 

3. S)er Htffsfdjuhmterridjt 24 

Aufgaben. Aufbau- Slnorbmmg ber ßegrgegenftänbe. Unter= 
ricfytsgegenftänbe. ßeljrplan. Unterricrjtsgrunbfci^e. Verteilung 
ber Unterridjtsgegenftänbe auf bie einzelnen Stufen. Stunben= 

4. Sie einzelnen Uttterodjtsgegenftatt&e. 

SBorbereitungsunterridjt . . . . ♦ . . . * . 31 
93or!laffe. ßefyrmittel. Literatur. Slinbergartenunterridjt. 
Sprachunterricht. 

$tnfd)auungsunterrid)t. . . . . . 38 

Aufgabe. Stufen, (Srunbfä&e. Stoffgruppen. Übungen, 
ßefyrmittel. Literatur. 

HeimaHunblid)er Unterricht . . . . . . . . 44 

Hetmatfunbtidje 33efpredmngen. 9caturfunblidje 93efpredjungen. 
©efd)icf)tli(^e 33efpred)ungen. ßebensfrmblid)e 33efpred;ungen. 
Sßäbagogifdje 9Jca§na^men. ßiteratur. 

©er geograpf)iftf)e Unterricht . . . . . . . . 45 

Aufgabe. Stoff. Hilfsmittel, $tnorbnung unb Darbietung. 
Skrjeidmis ber SBeranfcfjaulidnmgsmittel. : ßiteratur. 

Ser naturfunblidje Unterricht . 49 

Aufgabe. Stoff. 93el)anblung. Hilfsmittel, ßiteratur. 

2) e r ©efd)id)tsunterrid)t. . . 53 

Aufgabe. Stoff. 33el)anblung. Hilfsmittel* ßiteratur. 

ßebensfunbe . . ..............55 

Aufgabe. Stoffgruppen. Hilfsmittel, ßiteratur. 

9*ed)enunterrid)t 56 

Aufgabe. SKngnafjmen. Stoffausroaf)!. SQcet^obifd)e Hinroeife. 
Aufbau bes 9*ed)enftoffes. ßet)rplan. fformenleljre. 3krtmip= 
fung bes 9icd)nens mit anberen ßel)rgegcnftänben. Hilfsmittel, 
ßiteratur. 

2) er 9teligionsunterrid)t 66 

Aufgabe. Stufen. Stoff. Hilfsmittel unb ßiteratur. 



— 4 — 

Seite 

3) er 3eid)ßnunterrtdjt . ♦ . * 70 

Aufgabe. Vorübungen. 6nftematif<J)es ftnfyntn. 2Ketl)obe. 
Hilfsmittel, ßiteratur. 

©erdoefangunterridjt 72 

Aufgabe. Übungen. 3Retl)obe. 6toff. Hilfsmittel, ßiteratur. 

SBertunterridjt. . . . « 75 

Aufgabe. ßinfeEultur. 2öert. 6eiten bes 2Berftmterrid)ts. 
6toff. ßel)rplan. 

©artenbau 77 

2Bert unb Aufgabe, ßiteratur unb Hilfsmittel für Söerfunter* 
ricfyt unb ©artenbau. 

Surnunterrtd)t. . . . . . . 80 

33ebeutung unb Aufgabe. Übungsftoff. (Surl)t)il)miftf)es Surnen. 
6piel. Hilfsmittel, ßiteratur. 

Unterrid)t in ber SJtutterfpradje 82 

©ebiet unb 33ebeutung. Sprachpflege. ßefeunterriä)t. gibel. 
Hilfsfdmllefebudj). Sprad)unterria)t (©rammatiE). 9teä)tfd)rei* 
bung. 2tuffai}unterrid)t. Sd)reibunterrid)t. Spoettfd^e 6tütfe. 
ßef)r= unb ßernmittel. ßiteratur. 

5. Hilfsfdjulfütforge 108 

9flotmenbig!eit. ^ürforge für Sri)ulpflidjtige. ^ürforge natf) ber 
Sdntlentlaffung. ^ürforgenereine. 3teligiöfe ^ürforge. $ür= 
forge ber ©emeinben unb bes 6taates. ©efet}lid)e 93eftim= 
mungen. Sdm£gefet}. ßiteratur. 



^blutjungen Bei ben ßtteraturangabeit. 

SHe H^fsfdöule: $ilf*fd&. — geitjd&rtft für bie <Bel)anblung S$mafy 
finniger: 3* f. ^ e ^- Sdjra. — (Engnflopäbifajes Qanbhuti) ber §e\lpäbaQoq\l: 
(Eng. %>bh8). — S^itfc^rtft für bie (Erforfdmng unb SBeljanblung bes jugenb* 
liefen 6d)mad)ftnns: 3« f..<£tf. IQÖI* Stf)tD. — Seitfdfjrift für 5ltnberforfdmng: 
3. f. £inbf. — «Beiträge jur Slinberforftfmng: 93eitr. %. Äinbf. 



!♦ ©ie #iif§fd$ta$>äbag0Qif im aUgeweinetit 

9lotroenbigfeit b e r f e l b e n. S)ie töef djidjte bes ipilfs= 
fdjiultoefens geigte uns, baß befonbere Unterrid)tsanftalten für bie 
23efd)ulung fd)toad)finniger Slinber aümäljlid) als ein bringendes 
SBebürfnis empfunben unb eingerichtet würben. 6ie lieg aber aud) 
ernennen, bafj befonbere (Ergieljungs-- unb Unterrid)tsmaf3nal)men 
in biefen Ovulen pr Antoenbung gelangen mußten, roenn (Er= 
folge erhielt roerben follten. 3)as 6ud)en nad) leitenben ©efid)ts-- 
punlten für bie ipilfsfd)ularbeit unb bas SSeftreben, für -tiefe 
Arbeit eigene Seitfafee oon grunblegenber 23ebeutung ju geroinnen, 
lam in allen Seitabfdjnitten beutlid) gum Ausbrud. (Einer Siille 
oon Anfidjten, Anregungen, $orfd)lägen unb (Erfahrungen be= 
gegneten roir, bie alle flar barauf Ijinbeuteten, baß aud) für bie 
frilfsfdjule bie 3^t gekommen fei, bie gewonnenen (Srgebniffe §u 
einer befonberen ipilfsfd)ulpäbagogif gu oereinigen unb fte in einer 
ft)ftematifd)en Sufammenfteliung toiebergugeben. (Es l)at aud) be= 
reits an $erfud)en biefer Art nid)t gefehlt, bod) geljen bie oor= 
liegenben iBeröffentlidjungen oielfad) oon ©efid)tspuntten aus, bie 
nicrjt ausfdjiiefclid) unferem Qvotd entfpredjen, fonbern anbere ©e= 
biete ftreifen. 3u nennen finb l)ier folgenbe 3Berfe: 

1. 95 o o b ft e i n , 2)te (Erziehungsarbeit ber Sdjutle an S^umcfjbegabten. 
«erlin 1908. 

2. 93ösbauer, 3R i El a s , 6 cl) i n e r , Jpcmbbudjj ber 6djjtüad)ftnmgen* 
fürforge. 2. Slufl. SBien 1909. 

3. ip e r b e r i a) , 2Jietf)obif bes 6<^tDa$ftnnigenunterrtcl)ts. ©onautDÖrtfy. 
1910. 

4. 35 r u n s unb ff i m m e n , $ilfsf<f)ulhmbe. Olbenburg 1912. 

5. ff u d) s , Sdntmdjfinmge 5!inber ufto. SBerfua) einer $ilfsfcf)ulpäbagogtf. 
2. Slufl. (öüterslof) 1912. 

6. geller, ©runbrift ber £eilpäbagogif. 2. 9lufl. ßetpjig 1912. 

2)ie befre ©arfteHung bietet bas ffudjsfdje 23ud), bas fel)r 
eingel)enb unferen ©egenftanb erörtert unb aud) ^idjtlinien für 
eine fadjgemäge Ausgeftaltung ber $ilfsfd)ulpäbagogi! liefert. 
Augerbem finben fid) in oerfd)iebenen Auffäfeen ber ^yad6)fci)riftcn 
Anbeutungen bgro. Ausführungen biefes (öegenfranbes. 

3m allgemeinen oollgierjt fid) bie geiftige (Entroidlung bes 
fd)toad)ftnnigen ^inbes nad) benfelben 6efe£en, roie fie bei ber 
(Enttoidlung bes normalen S^inbes in (Erfdjetnung treten, ©er 



— 6 — 

Unterfdjieb befielt nur barin, baß bas gefd)toäd)te ©eljim bes 
#ilfsfct)ülers unregelmäßig unb träge arbeitet unb nicfyt nur bie 
(Enttoidlung ber fyöfyeren geiftigen Sätigfeiten faft gängtid) in 
ffragc ftetlt, fonbern aud) eine §emmung, Unterbrechung b%w. 3er= 
ftörung ber nieberen 6eelent)orgänge bewirft. 2)ie £ilfsfd)ul= 
päbagogif muß tiefe 9Mngel berücffid)tigen, bie (Eigenart ber 
Störungen geiftigen ©efdjefyens erforfcfyen unb banad) itjre Stte 1 -- 
tfjoiben geftalten- Snfofern roirb man berechtigt fein, oon einer 
befonberen §eiler§iel)ung unb einem befonberen £eilunterrid)t bei 
biefer $irt oon ^inbern §u fpredjen, unb bamit bürfte aud) bie 
9cotroenbigfeit einer befonberen £iifsfd)iUlp ab ago gif fyinlänglid) be= 
grünbet erfdjeinen. 

3m einzelnen ift folgenbes §u bemerfen. 2)ie ^Inftdjt, bafc es 
feiner befonberen §ilfsfd)ulpä(bagogif bebürfe, toeil bie 2ef)rperfön= 
licfyfeit ftd) aud) auf bem (Gebiete ber §eiler§ie^ung p Reifen roiffen 
unb brauchbare 9[ftett)oben fcfyaffen toerbe, fann |ier nid)t otjne 
weiteres Suftintmung finben. 2)ie ßeljrperfönlidjleit roirb tuet 
metjr audj in ber ipilfsfdjule erft roacfyfen unb ro erben muffen; fie 
fommt feinestoegs als ettoas ^Bollenbetes fyinein. 3B.er fid) aber 
um ben burd) ^orfdjung unb (Erfahrung gezeichneten 3Beg nid)t 
fümmert, fann leidet bas Qhl oerfefylen ober es nur mit ^raft= 
unb 3eüDerhtft <* u f Umwegen erretten, ©esljalb ift eine §ufam= 
menfaffenbe ©arfteEung ber §ilfsfd)ulpäbagogif auf ©runb bes 
bisher (Erreichten, befonbers für ben Neuling, burdjaus notwenbig. 
(Er braucht fid) bann nid)t erft burd) bie Unmenge ber gerftreuten 
$etöffentlid)ungen ufw. mütjeooll burd^uarbeiten. 

3)ie trielfadj erhobene 93et)auptung, baß bie geiftige (Entwidlung 
bes fcfywad)ifinnigen Sünbes fid); nad) benfelben (Befe&en wie bie bes 
normalen öoEgiefye, unb baß es batjer nur einer 9Jcett)obe bebürfe, 
bie bem 3)ur d)f cfynittsm aß bes gewötjnlicfyen Sdjülermate-- 
rials geredjt roerbe, um 6d)wad)finnige roirlfam §u förbern, er= 
fcfyeint unptreffenb unb entbehrt einer genauen Kenntnis bes 
2Befens fcfywadjfinniger &tnber. 3)ie 6d)wad)finnigen fommen 
bei einer äftettjoibe, bie für ben ©urd)ifd)nitt beregnet ift, nid)t oor= 
wärts. (Es fehlen ifynen Ijiergu aÖe ©runbbebingungen, insbe= 
fonbere ein ergiebiges $Luffaffungs=, < üpper§eptions= unb ^ombi= 
nationsoermögen. $tud) ber beliebte Hinweis, ba% im 6d)wa<fy= 
finnigenunterridjte bie felbftlofe Eingabe bes ßetjrers unb bie 
liebevolle 93el)anblung ber 6d)üler bie £auptfad)e fein werben, unb 
baß besljatb eine beftimmte Raffung ber §ilfsfd)utmetl)obe über= 
flüffig erfd)ieine, trifft nicfyt gu. $llle Eingabe unb aUe ßiebe roer- 
ben im Unterrichte nidjt oiel nüfeen, wenn nid)t planmäßige, bem 
SBefen ber fcfytüücfyfinnigen ^inber angepaßte ^usbilbungsmaß-- 
naljmen gur ^nroenbung gelangen. (Es roürbe besljalb eine fol= 
genfd)toere 3Semad)läffigung bebeuten, auf bie ^Inroenbung er= 
probier 90ßett)oben ju üergidjten unb oon Eingabe unb Siebe bes 



— 7 — 

(Erjieljers ausfdjliepd) (Erfolge für bie geiftige (Entwicklung biefer 
Slinber erwarten p wollen- 2)ie §ilfsfd)lulpäbagogi£ wirb bei 
il)rer Ausübung wol)l ein gewiffes 9JlaJ3 t)on £iebe, Eingabe unb 
and) £eiterfeit forbern, cor allem aber eine beftimmte Raffung 
iljrer (&runbfä£e unb 9Jtetl)oben oorfefjen muffen« 

2)ie 33ebenfen enblid), ba$ bie £ilfsfd)ulfinber trielfad) unter = 
fd)ä£t unb für befdjränfter gehalten würben, als fie es in3Bir!= 
lid)f eit wären, ebenfo bie Meinung, fie ftänben mit Dielen fcfywacfyen 
6d)ülern ber Volfsfcfyule auf berfelben 6tufe geiftiger Verfaffung 
unb fönnten bei weniger 6toff unb freuublidjer, beharrlicher unb 
gebulbiger 93et)anblung fdjon mitkommen, berufen gleichfalls auf 
falfdjen $orausfe£ungen, 3>ie burdjfcfynittlicfye Seiftungsfä^igi-- 
!eit bes fdjiwactyfinnigen Kinbes ift in jeber 93e$iel)ung bebeutenb 
geringer als bie bzs oollfinnigen unb bleibt es aud) ftets felbft bei 
einer nod) fo üorgüglidjen (Er3iet)ungs= unb Unterrid)tsmetf)0'be. 
6d)wad)finn ift eben nid)t gu feilen, fonbern fann nur in feinen 
Solgeerfcfyeinungen gemilbert werben, 2Ber aber eine etwa er= 
hielte 93efferung anberen Urnftänben gufdjreibt — insbefonbere 
in ber Veranlagung ber $ilfsfd)üler t)on oornljerein als oor= 
tjanben anfielt — unb gu ben oorfyin erwähnten $lnfid)ten gelangt, 
entbehrt jeber eingeljenben Kenntnis ber SBefensart fctywad)finni= 
ger Slinber* 

3)es weiteren erfdjetnen biefe ^in'ber nidjt für 9lft a f f e n e r = 
l i e l) u n g geeignet, weil fie fid)i in ber Sftenge leicfyt üertieren unb 
aud) fonft nid)t oiel aus beut Umgange mit normalen 6d)ülero 
gewinnen, fonbern im ©egenteil oon biefen üielfad)! Derfyötjnt unb 
äurücfgefrofjen werben, 2)urd) bie §ilfsfd)ule aber unb iljre für 
bie (Ergieljung unb geiftige (Entwidmung 6d)wad)finniger gebote= 
nen günftigen ^Bedingungen tonnen fie annäfjernb p bemfelben 
Siele geführt werben wie ooHfinnige Stinber — $ur ^Betätigung 
in ber menfdjlicfyen ©efeltfdjiaft. (Es liegt alfo auf ber £anb, baf 
bie £ilfsfd)ulpäbagogi£ bod) im großen unb gangen in il)ren 
ÜBegen anbere Richtungen als bie ^Bol!sfd)ulpäbagogi! wirb exn= 
fd)lagen muffen; benn biefe fyat, wie bie (Erfahrung es beutlid) 
gelehrt, in ber 93ef)aublung fd)wad)lfinniger S^inber faft gänglid) 
oerfagi 

$luf (örunb oorftefjenber 5lusfül)rungen gewinnen wir fol= 
genbe (Ergebniffe: 

1. ffür bie §ilfsfd)ule erfdjeint bie Rotwenbigfeit einer be= 
fonberen gilfsfdjulpäbagogif burdjaus berechtigt 

2. 2)ie £ilfsfd)uIpäbagogif ift pfr)d)ologifd) burd)i bie 3Befens- 
art ber fd)wad)finnigen Kinber begrünbet unb praftifd) 
burd) bie (Erfahrungen bei il)rer Ausübung erwiefen. 

3. 3)ie ©ef(f)id)te unb Sßrajis ber §ilfsfd)ule Ijaben bie wtd)= 
tigften Richtlinien für iljren Aufbau ge^eic^net. 



— 8 — 

4. 3)ie §ilfsfd)ulpäbagogif bilbet einen felbftänbigen 3weig 
ber allgemeinen ^äbagogtf unb erfd)eint gut Ergänzung 
ber SBolfsfdfyulpäbagogif burdjaus notwendig. 

©tun b lagen ber §ilfsfd)ulpäbagogit\ 2Bie 
in ber ungemeinen ^äbagogi! bie Erfaljrungstatfacfyen bie grunb- 
legenben ©eficfytspunfte abgaben, nad) benen fie aufgebaut würbe, 
fo werben fold)e au<fy bei ber ©arfteEung ber £ilfsfd)ulpäbagogi£ 
maßgebenb fein muffen, 9tun befifet aber bie £ilfsfd)ule nod) nid)t 
fyinlänglid) ausreid)enb abgefdjloffene Erfahrungen, ba fie erft eine 
üerpltnismäßig junge 6d),uietnrid)iung barftelit unb mandjes bei 
ii)x nod) im 2öad)fen unb SBerben begriffen ift. £ro£bem aber 
liegen bei it)r bie ^Berpltniffe fdjon berart, baß eine tl)eore = 
1 1 f d) e unb praftif d)e 2)arfiellung ber öilfsfd)ulpäbagogif in 
großen Umriffen möglief) erfd)eint. 3)ie Literatur, weld)e 
bas 9Befen bes f<fywad)finnigen Slinbes gum ©egenftanbe ber Er= 
örterung Ijat, ift gurgeit bereits außerordentlich reidjljaltig unb 
umfaffenb, fo baß eine tljeoretifcfye Sarfteßung ber |>ilfsfd)ulpäb-- 
agogif fitfy wol)l geben läßt. SUber aud) an Erfafyrungstat* 
fadjen befifeen wir bereits eine bead)tenswerte 9Jlenge, fo baß 
aus itjnen praftifdje g^Ig^ungen f** &ie ipilfsfdjulpäbagogif in 
mand)er ipinfid)t gebogen werben können, Sftatürlid)! werben bie 
Erfat)rungstatfad)en einer pft)d)ologifd)en 9tad)prüfung bebürfen; 
benn nid)t alles, wasficfypäbagogifd) als pra£tifd)i erwief en t)at, läßt 
ftd) burd) pfnd)ologifd)e ©rünbe redjtfertigen. 9htr baburd) aber, 
baß bie Erfahrungen richtige pfndjologifdje SBertung finben, 
beren Ergebniffe bann einwanbfrei feftftetjen, fann bie |>ilfsfd)ul= 
päbagogi! an 93obenftänbigfeit gewinnen unb il)re 2)afeinsbe= 
red)tigung erhärten. 3)te ipilfsfdjulpäbagogif wirb alfo bie 
SBefensart bes fd)wad)finnigen Stinbes in ben 90tittelpunft [teilen, 
baoon allgemeingültige päbagogifdje 9JlaßnaI)men ableiten unb 
unter 93erüdfid)tigung ber gewonnenen praftiftfyen Erfahrungen 
©runbfäfee für it)r SBerfafyren bis ins einzelne gu ermitteln fud)en. 
Erfahrungen aus anberen ©ebieten, insbefonbere aus ber Saub= 
ftummenbilbung, ber Sürforgeergieljung unb aud) aus ber allge= 
meinen $olfsfd)ulpäbagogif muß fie fid) ebenfalls gunufee madjen 
unb entfpredjenb oerwerten. 1 ) 3I)rem 2Befen nad)i gehört fie in 
bas große (öebiet ber £eilpäbagogtt\ wenn man biefen 
Sammelnamen gelten laffen will, unb nimmt bort folgenbe 6tel-- 
lung ein: 

1. Saubftummenbilbungswefen (Sd)iwerfyörigfeit), 

*) ©elitfdj, flauen, fagt in feinem Sluffafc: <£tn 2Beg jur (Erfor* 
fdjung bes tmbitajen 6d)mact)finns, S!inb unb 3ugenb £eft 1, redjt treffenb: 
„®te §eiIpäbagogtf fte^t gut allgemeinen Sßäbagogtf in bemfelben 2kr= 
^ältnts tote bie gefamte ipeilfunbe jur £t)gtene, tote bie Sßftjajiatrte jur 
^fnapologte. Sie ift jur (Ergänzung unb Berichtigung ber BoUsfc^ulpäb- 
ogogi! berufen/' 



— 9 — 

2. 93linbenbilbungswefen (©djwadtft^tigfeit, Saubblinbrjeit), 

3. <5d)wad)finnigenbilbungswefen, ipilfsfdjulwefen, 
3biotenanftaltsfd)ulen, 

4. gürforgeergiefjungswefen (pf^d^opat^tfd^e 9)ftnberwertig= 
fetten), 

5. Krüppelbilbungswefen, 

6. (^tleptiferfürforgewefen (©eiftesfranfenfiirforge)* 
Vefonbertjeiten unb gorberungen ber £ilfs = 

f d) u I p ä b a g o g i f. %a\t allen fdjwadjfinnigen Kinbern haftet 
allgemein eine gewiffe sEftinberwertigfeit unb 6d)töä^e an, fowol)l 
in g e i ft i g e r als audfy üielfad) in förperlidjer Vegieljung. 
©aritm erfdjeint es als tDtdjtigfte Aufgabe ber £ilfsfd)ulpäbagogi!, 
bie fd)wad)en Gräfte bes Kinbes allfeitig ftü&enb unb fyelfenb in 
langfamer, lücfenlofer $lrt unb 3Beife gu entwickeln unb gu för= 
bern. 2)ie torperlidje 6d)wäd)e in Verbinbung mit ber geringen 
(Seiftesenergie tjat balbige (Ermübbarfeit im (befolge, fo baß bie 
Seiftungsfärjigfeit ber Kinber großen 6d)wanfungen unterworfen 
ift. (Es finb barum günftige Vebingungen insbefonbere für eine 
gwecfrnäßige Körperpflege ber £ilfsfd)üler gu fdjaffen» ©iefen 
©eftdjtspunften entfprecrjenb, werben bie äußeren (Einrid)tun= 
gen ber £ilfsfd)ule gu treffen fein: ©efunbe 6d)ulräume, richtige 
öitjgelegentjeiten unb 6d)ulutenfilien, 6d)ulbäber, 5rüftü(f ufw. 

©es weiteren iftberUnterridjtsbetrieb mit ben ^01= 
berungen einer oernünftigen 6d)ul= unb Unterricfytsrjrjgiene in 
(Einflang gu bringen: Swecfmäßige 6tunbenoerteilung, befonbere 
Unterricrjtsmetrjoben, entfpreerjenber 2Bed)fel gwifdjen 6piel unb 
Arbeit, ausgiebige Sßaufen, Unterridjt im ^xtkn, 6d)ulwanbe= 
rungen ufw. (Es liegt auf ber ipanb, ba§ gerabe bie fd)wad)finni= 
gen Kinber infolge l)t)gienifä)er Mängel am erjeften an 2eib unb 
6eele 6crjaben erleiben werben, 

3)ie geiftige 6d)wäd)e ber §ilfsfd)üler geigt fid) in 2ftän- 
geln iljrer gefamten Veranlagung, befonbers in einem oerlang= 
famten ^uffaffungsoermögen, in einer geringen Kombinations-- 
unb Überlegungsfärjigfeit, in einem faft gänglidjen ^ei)hn ber 
6elbftbetätigung unb ber inneren feelifdjen $lnreige, in einem 
rafdjen Verfdjwinben ber (Einbrücfe unb in einem oberflächlichen 
Verarbeiten berfelben. 3)araus ergeben fid) folgenbe Sorberungen: 

1. ©ie oerminberten geiftigen Kräfte bes fdjwadjftnnigen 
Kinbes muffen überall unb allfeitig wirffame Unterftüfeung 
finben. 

2. 2)as oerlangfamte $luffaffungst) ermögen ift burd) entfpre-- 
djenb Iangfam fortfd)reitenbe Sftaßnarjmen gu entwickln. 

3. 2>em Mangel an Kombinations= unb Überlegungsfärjtg- 
feit follen änfdjaulidjfeit unb elementare Raffung ber be-- 
abfid)tigten (Einwirkungen ipilfe bieten. 

4. 5)ie rjerabgefefeten feelifdjen ^nreige muffen burd) oer- 



— 10 — 

mehrte 3nanfprud)nal)me ter 6elbfrtätigfeit entfpredjente 

antriebe erhalten. 

5. 2)em rafdjen $ er fcfytü inten unt bem oberflächlichen $er= 

arbeiten ber (Eintrüde gegenüber muß eine gemiffe 95oten'= 

ftäntigfeit ber (Eintoirfungen beobachtet roerben. 9Rur 

fortgefe^te $Intoenbung unb tauernte Beobachtung all 

tiefer gorterungen werben praftifdje (Ergebniffe zeitigen. 

2)ie mangelhafte ©efamtoeranlagung ber §ilföfd)üler muß 

bauernbe Unterftütjungen unb ipilfen nad) ber 6eite tes $ o r = 

ft e 1 1 u n g 5 --, (5 c f ü § I s = unb SBillensIebens finten. 3)ie 

6inne£tätigfeiten erfcfyeinen oielfacty gehemmt unb bie 2BaI)rnef)-- 

mungsoorgänge befyintert. (Es befteljt eine große Unbeftäntig= 

feit in ber ^lufmerffamfeit. S)as ©etädjtnis ift untreu unb bie 

9[fterffäl)igfeit fcfytoad). 2)as Unterfcfyeitungso ermögen äußert 

fid) mangelhaft. Urteilsfäl)ig|eit unb Überlegung fehlen faft 

gänglid). 3)ie fprad)Iid)e ^lusbrudsfäljigfeit ertoeift fidt) befcfyränfi 

infolge $lrmut an ^orftellungen unb Gegriffen. S)ie Sßljantafie 

ift p>ar oielfad) giemlid) rege, geitigt aber falfdje Silber, weil bie 

geringe Überlegungöfäljigfeit trieles oortäufdjt. 3na allgemeinen 

tarf man t)on tiefen Wintern mit üftedjt behaupten: „9JUt feljenben 

klugen fefyen fie nichts, mit Ijörenten Ofyren fyören fie nid)ts!" 3)ie 

5hmft tes (Ergieljers toirt tarum iljre 6eelen öffnen muffen unb 

nad) allen Sftidjtungen I)in fyelfent unt ftütjent mit folgerichtigen 

(Eintoirfungen einfetten. 

Sie 6innesfunftionen fint burd) reicfylicfye unt ge= 
fcfyidt ausgewählte Übungen anpregen unt 31t entwideln. 3)ann 
werten fid)i aud) tie 2BaI)rneI)mungspro§effe fixerer unt unbe-- 
Ijinterter oollftieljen. ©urefy maßooKe (Einwirfungen auf tie 6tim= 
mungsfcfywanlungen roint tie Unbeftänbigfeit in ter $lufmerffam= 
feit geregelt unt tamit aud)i eine beffere 9JierffäI)igfeit erhielt, 
©urefj Pflege tes 3ntereffes unt burd)l fyäuftges Südwärts greifen 
auf frühere (Errungenfcfyaften laffen ftd£) beffere (&etäd)tnisleiftun= 
gen erzielen. (Es tarf aber nid)t oielerlei gur Aneignung geboten 
werten; tenn fonft werten mit tem neuen 6toffe tie alten $or= 
teüungen oerwifcfyt. 3)as 9^eue foE gunäcfyft genügent I)eroor= 
ted)ent unt in Heiner ©abe fyerangebracfyt toerten. 6tets ift auf 
:lares CErf äffen unt richtiges $erftet)en nad) allen 6eiten I)in $u 
adjten; tann finten aud) Überlegung unt Urteilsbilbung gwecf= 
mäßige Unterftü^ung. £>ie Ungenauigfeit unt UnooIIftäntigfeit 
in ter $lufnal)mefäl)igfeit verlangen ftäntige Kontrolle unt Berich- 
tigung, ©rößere Befprecfyungen unt (Erflärungen *) erfdjeinen 



x ) (Ein namhafter £eüpäbagoge urteilt ridjtig: ,,9taä) Regeln unb (Er= 
flärungen lernen £ilfsfa;üler niä)t richtig fajreiben unb fpredjen, 9tatur= 
gefe^e nie in if)rer Stefe nerfte^en, Qefdjtc^tlttfje ßufmmnenljänge, Urfad^en 
unb 9Str!ungen nie begreifen, begriffe wie S^re, SRefyt, Sugenb u\w. ntd^t 
noll erfaffen. 5)arum fyaben fie in allem fo gor fein Urteil." 



— 11 — 

nid)t angebracht, toetl bie ©runbbebingungen für il)r SBerftänbnis 
: el)len. $ln einfachen 93eifpielen aus ber (£rfal)rung ift bie Über= 
egung gu üben. 3)ie ^Jä^igfeit bafür erroeift fid) feljr befdjrüni 
unb fann nur burd) einfache unb Ijanbgreiflicfye SBeifptele alimäljlid) 
erfd)Ioffen roerben. S)ie fpradjltdje 'üiusbrudsfäljigfeit wirb burd) 
einen 6ad)= unb 6prad)unterrid)t, ber fidt) an bie ^öirflidjfeit un= 
mittelbar anfdjließt, geförbert. ©er Sad)itnterrid)t I)at bie 6praä) 
ftoffe in anfd)aulid)er 3Beife mit 9Serüdfid)tigung oon (£rlebniffen 
bargubieten. 3)iefe grünben fid) bann auf ^nfcfyauung unb geben 
eine fid)ere ©runblage für fprad)lid)e 93egeid)nungen ab. 2>urd) 
$lusfd)eiben allen finnlofen Gebens, bas ber 6ad)unterlage ent= 
beljrt, roerben bie falfdjen Silber ber ^Ijantafte unterbrüdt, fo 
bafc bie ^Ijantafietätigfeit nid)t ine Uferlofe fd)ießen fann. $lus 
eigener Kraft, burd) Umgang unb (£rfaf)rung roirb nid)t oiel er- 
worben; es muß oielmefyr bas meifte auf bem 2Bege eines ge-- 
regelten Unterrichts unb abficfytlicfyer (£inroir hingen erarbeitet 
to erben. 

$lud) bas © e f ü I) I s = unb SBillensleben ber fd)toad)= 
finnigen Slinber weift nid)t unerhebliche Mängel auf. Unfere 
6d)üler folgen Ijauptfädjlid) itjren nieberen trieben unb 9kigun= 
gen unb geigen nid)t feiten gänglicfye Stumpfheit begüglid) bes 
Gefühlslebens. 6elbft bie $lnl)änglid)feit ben (Altern gegenüber 
fel)lt iljnen oft. SKefe SJlänget bes ©efül)ls= unb 2Biltenslebens 
weifen bem $anbel unb SBanbet ber 6d)wad)finnigen falfc^e 2öege. 
©esfyalb läßt es fid) begreifen, ba$ bei itjnen bie unerfreulichen 
(£rfd)einungen in ben (Defüf)Is= unb SBillensäußerungen gutage 
treten. 2)a muß bas aufmunternbe unb Ijelfcnbe 23eifpiel unb 
2Bort bes (£rgiel)ers oorbeugen, Ijeben unb führen. 2)urd) be-- 
fonbere Unterrid)ts= unb (Ergieljungsweifen finb aEtnäl)lid)i i n = 
telleftuelle ©efüljlstöne gu weden, bie §anblungen 
gu oerebeln unb bie 9£iiiensantriebe in bie rid)tigen 33al)nen gu 
lenf'en. 33ei großer Eingabe, 2kbe unb unermüblidjier ©ebulb 
gelingt es aud), (Entartungserfdjeinungen gu btyebtn, oor 
allem aber bas faft gängltd) barnieberliegenbe 6elbftt*ertrauen 51t 
weden unb erfreuliche (Eljaraftereigenfcfyaften gu bilben. hierbei 
wirb bie 6 d) u I § u d) t bie füfyrenbe S^oXIe übernehmen unb iljrc 
2ftaßnal)men fo einrichten, ba^ nad) unb nad) eine fittlicfye (£rftar- 
fung eintritt, bie bem §anbeln unb ^Bollen richtige 2Bege geigt, 
©ebulb, 9^ul)e unb 33el)arrlid)feit allein führen in ber §ilfsfd)ul-- 
pöbagogif gu einem guten (£nbe, bas um fo ftd)erer gu erreichen 
fein wirb, je gleidjmäßiger unb folgerichtiger bie beabftd)tigten 
(£inwtrfungen burcfygefüfjrt roerben. 

3)as oerlangfamte ^luffaffungsoer mögen unb bie 
oergögertc ©efamtentwidlung oerlangen ein entfpredjenbcs Un- 
terrtd)tsgeitmaß, bas roeit fyinter bem normalen gurürfbleibcn 
muß. ©iefes 3eitmaß läßt fid) nid)t willfurlid) befd)leunigen, 



— 12 — 

toeil fcfyroad)finnige Slinber fonft gang oerfagen, fo ba{3 ein gün- 
ftiger tentroidlungsgang überhaupt in grage geftettt roirb. tfur 
bura) langfam fortfcrjreitenbe unb innig ineinanber greifenbe 
2Raßnal)inen roirb es möglid) fein, bie fd)ioad)finnigen Sftnber gu 
förbern unb bas beabfid)tigte 3iel gu erreidjen. SHefe gorberun- 
gen muffen als leitenbe ©runbfä&e in je'ber Unterndjtsftunbe unb 
bei allen (käiefyungsmafcnafymen entfpre^enbe Beactytung finben. 

Sem Mangel an Kombinations = unb Ü b e r -- 
legungsfätjigEeit foE ^nfcfyaulid)! eit unb elementare 
gajfung bes gefamten Unterrichts abhelfen. 2>ie ^nfd)aulid)feit 
roirb fict) oielfaa) bis gur £anb greif licfyfeit fteigern unb barum 
meifi oon bem ©runboorgang ber (£rtenntnis, einer mbglicijji 
oielfeitigen finnlicfyen 2Bal)met)mung, alfo aud) oon bem (Erlebnis, 
ausgeben muffen, hieben ber materiellen ^nfcfyaulicrjfeit, 
bie ftets bie ^auptroEe im Scrjtoacrjfinnigenunterricrjt fpielen muß, 
erfcfjeint aucfy bie intellektuelle %nfcfyaulid)f eit geboten. 
SHefe roirb neben einer elementaren Unterrid)tsmett)obe fyaupt= 
fadjlid) burcfy eine einfache unb anfd)aulid)e fpracf)lid)e $lusbruds= 
roeife erreicht. 5)ie S>enf ro eif e bes fcrjroad)finnigen Sxinbes be= 
roegt fid) gunäd)ft nicfyt in Begriffen, fonbern in $infd)auungen, 
Bitbern, |>anblungen, 6genen unb (Situationen nad) $lrt fino= 
graprjifcfyer Vorführungen unb nähert fid) erft aEmät)lid) ber 
2)enfart bes ooEfinnigen 9Jlenfd)en. 6eine 6eetenint)alte finb §u= 
näcfjft rein fonfreter Sftatur. ©esfyalb muß ber Unterricht aud) 
eine fola>e fprad)lid)e ^usbruclsroeife mahlen, fiel) barin beroegen 
unb bie abftraften unb begrifflichen Bezeichnungen, ^usbrücfe 
unb SBenbungen nacfy 9Jlögtid)feit anfänglich gu oermeiben fudjen. 
Beim (E r g ä t) l e n ift auf fonfreten Aufbau ber ©ebanlen gu 
achten unb ^Infdjaulia^feit burd) ^nroenbung oon entfprecfyenben 
Hilfsmitteln unb mit Unterftüfeung oon SJcimif, $lftion, ©ebärben 
ufto. gu roaf)ren. ©tc erften r e l i g i ö f e n Belehrungen gefcrjeljen 
bestjalb am befren in ber Betjanblung anfd)aulid)er (Erfat)rungs= 
tatfadjen auf (örunb gegebener (Brlebniffe unb rjanbgreiflid)er 
$äEe. 5>ie r ealiftif cfyen ©egenftänbe werben nacfy 3nrjatt 
unb ^orm a * 5 ^nfcrjauungsunterricTjt berjanbelt. 2)as 9led) = 
nen gerjt oon rein fonlreten Beifpielen aus unb rjält baran fo 
lange feft, bis fid) ber (Seift oon ber Beranfdjoulidjung gu trennen 
oermag. 3u oermeiben finb aEe Regeln, bie ofyne (Erfcpegung 
bes Berftänbniffes nur gebäcfytnismägig gegeben roerben, ebenfo 
aEe folcfye Belehrungen, Ermahnungen, Befehle ufro. Beran-- 
fd)iaulid)ung in breiter, braftifd)er ^orm roirb fid) ftets am gmec!-- 
mäßigften erroeifen. 

5)ie elementare Raffung bes Unterrichts roirb geroaljrt 
burd^ eine fonfrete 9Biffensoermittlung, burd) einen lüdenlofen 
^ortfdjritt btQ Unterrichtes unb burd) Schulung eines !on!reten 
©enlens, Urteilens unb 6d)lief3ens. 



— 13 — 

©ie tonfrete 2Bif f enso ermtttlung btbmtti 
burd)aus feine (Einförmigfeit unb (Einfeitigfeit, tote es fo oieI= 
fad) behauptet toirb. Unfer ©pegialunterridvt bietet troij feiner 
burd) bie ^Inpaffung an bie (öeiftesbefdjaffenljeit unferer 6d)üler 
bebingten %5efd)ränfung feljr tooljl bie SOlbglidjfeit gu einer geifi= 
erfüllten $iuffaffung unb ©urd)fül)rung. Sie antrete 2Biffens= 
oermittlung ift gur geiftigen (Erfcfyließung allerbings ein elemen- 
tarer 3Beg, ber aber oiele 3 u 9än<F un & Sore offen lägt unb btn 
©ctft nad) oerfdjiebenen Sfttcfytungen t)in anzuregen oermag, natür= 
lid) in elementarfier 2Beife. 9tfur bei 95eobad)tung einer anfd)au= 
liefen 2öiffensoermitttung gelangen bie Sünber fpäter gum 8^= 
fammenfe^en ber 9ßorftetlungen unb ^Begriffe unb 31t Sfteil)enbil= 
bungen. Dljne Übung bis gur ooUftänbigen $3et)errfd)ung ber 
elementaren ©enfungstoeife aber erfdjeint biefe 3(ftöglid)feit bei 
iljnen faft gänglid) ausgefd)loffen, es toürben ja fonft fämtiicfye 
©runbftoffe fehlen, bie gu einer gebeil)lid)en Entfaltung ber 
©eifteso ermögen aber unbeöingt erforberlid)! finb. 

©er lüdentofe gortfd)ritt bes Unterrichts §at befonbers 
barauf gu adjten, ba§ es bem ^inbe möglid) fein mug, ben 3n= 
Ijalt feiner ©ebanfentoelt in iljrem Aufbau unb iljrem SBerbegang 
nad) bm §auptteilen gu überbliesen unb olme frembe §ilfe fid) 
bauernb barin gurectjtgufinben. (Es mug alfo in bem beljanbeiten 
6toffe oollftänbig gu £aufe fein, ©es|alb finb bie Unterrid)ts= 
ftoffe in enger 33egiel)ung gueinanber bargubieten, infyaltlid) gu 
oerfnüpfen unb miteinander gu oerfetten, fo bag ein ©lieb un= 
unterbrochen an bas anbete gefügt toirb. ©ie (Ergielung einl)eit= 
lidjer SBetougtfeinsinljatte fyat bie größte 93ebeutung in ber §ilfs= 
fcfjulpäbagogif. 

33ei ber 6d)utung bes fonfreten © e n t e n s muß (Einljeit-- 
licfyes, ©leicfyartiges, feemeinfames unb Skrtoanbtes bes foul- 
ten $orftellungsbefit$es berart gur $Berbid)tung eines Begriffes 
geführt toerben, baß ein einfaches ©enfen in elementarer 9Beife 
fid) oljne toeiteres oo%iel)t. $ln oielen fonfreten, am beften aus 
ber (Erfahrung genommenen SBeifpielen toirb ein foldjes ©enfen 
gu üben fein. 3n gleicher 2Beife fann logifdjes Urteilen an-- 
gebaljnt toerben, Ijauptfädjlid) burd) bie 93eanttoortung oon 
„2Barum unb 2Beil" ber einfadjften 2krl)ältniffe unb felbftoer-- 
ftänblidjften ©inge. 6d)toieriger toirb fid6> bie (Einführung in 
bas Iogifdje 6 d) liegen ermöglichen. $lber aud) fyier fann an 
ber £anb l)anbgreiflid)er 93eifpiele bie 2öed)felbegiel)ung oon 
©runb unb 5<>lge, Urfadje unb ^Birfung, $eranlaffung unb (Er-- 
fdjetnung, allmöljlid) gum 33erftänbnis gebracht toerben, toenn 
man fid) gunädjft nur auf anfdjaulidje gälle ber eigenen (Erfah- 
rung ber 6d)üler begießt ©ie gtoingenbe ßogi! ber (Erfahrung 



geigt ftd) 
fam unb 



päter aud) bei fdjtoadjfinnigen ^inbern allmäljlid) uur!-- 
ül)rt auf bie richtigen 2Bege. 



— 14 — 

3)ie oerminberten feeiifcfyen Anrede laffen ftcty burd) eine er-- 
fyöfjte 3nanfprud)nal)me ber öelbftbetätigung l)eben, bie 
nad) allen leiten l)tn beamtet werben muß, 2)ie er§tef)lid)en unb 
unterricfytlicfyen (Einwirfungen finb hierbei fo auszuwählen unb 
angutoenben, baß fie bie Kinber nacfytjaltig anregen, ityre Auf-- 
merffamfeit unb ifjr Unterfcfyeibungsüermbgen weden, il)r Q>e-- 
famtoerljalten beeinfluffen, ifjre triebe regeln, iljrem c 43etäti= 
gungsbrange bie richtigen SBaljnen weifen, oor allem aber il)c 
6elbfto ertrauen fyeben unb ftärfen. ©esfyalb wirb ein triebge= 
mäßer (Erlebnisunterridjt, wie it)n ©ü rtler in fetner intet* 
effanten 6d)rift barlegt, am ^latje fein. 9^atilrlid) ift \zbes SCRe= 
cfyanifieren gu Dermeiben; bie SHnber finb trielmeljr mit Ausnut= 
§ung ifyrer fid) äußernben gätjigfeiten gu einer nad) eigener Über- 
legung unb §anblung mbglictyft feibftänbigen ßeiftung gu führen. 
2)est)olb muffen anfänglich einfache, aber reidjfyaltige unb oiel= 
fettige Übungen ausgewählt unb fpäter auä) umfangreichere Auf-- 
faffungen als 93eifpiele geboten werben, kleben ber Übung foll 
oft praftifcfye Anwenbung ber (Ergiebniffe auf geeigneten 
Arbeitsgebieten ftattfinben unb oertiefenbe $Bieberl)olung. 3)urd> 
33eeinfluffung, Leitung unb ©ewö^nung ber ^inber lann im 
Sntereffe ber 3Bedung unb Siegelung ifjres 23etätigungstriebes 
unb ifyrer öelbfttätigfeit fetjr oiel erreicht werben. 

Aus allebem get)t b entließ fyertwr, ba§ nur bauernbe 
^Beobachtung unb Anwenbung ber t)ort)in entwidelten 5orberun= 
gen geficfyerte (Ergebniffe zeitigen werben, ©esfyalb erfdyeinen 
folgerichtige 5)urd)füt)rung, eine gewiffe 6tänbigfeit unb obEige 
Eingabe als ipauptforberungen bei bem (Er jieljungs werfe fd)waa)= 
finniger Kinber bringenb geboten. (Ebenfo wichtig ift es, baß in 
ber gefamten ipilfsfcfyularbeit giemlid) ftar! aufgetragen wirb, ba= 
mit (Einbrüde ergielt werben unb bie erhielten fyaften bleiben. 

9DUt 33e§ug auf bie Art ber Mängel unb Vermögen bes 
fd)wad)finnigen S^inbes gewinnen wir folgeube G> r u n b f ä-fc e für 
bie £ilfsfd)ulpäbagogif: 

1. SBerüdfidjtige bie Snbioibualität in weitgefyenber unb aus- 
giebiger SBeäiefyung. 

2. 6d)affe (Einrichtungen unb 90laßnat)men, bie imftanbe 
finb, ber (Eigenart ber 6d)üler ooll unb gan^ gered)t gu 
werben. 

3. 6orge für eine ruhige unb gleichmäßige 33el)anblung ber 
^inber wäljrenb ber gefamten Ausbilbungsgeit. 

4. ©eftalte bie Unterrichts-- unb (Ergiel)ungs weife berart, ba^ 
bie Ausbilbung ber 6d)wad)begabten allfeitig unb burd)-- 
gr eif enb gewät)rleiftet bleibt. 

5. 6telle eine innige ^Berbinbung gwifdjen Unterricht unb 
(Er§iel)ung f)er, fo baß bie (Entwidlung eines einfyeitlidjen 



— 15 — 

SBerDufjtfeins unb einer einfjeitlidjen (Sfjctraftercmlage ge= 
fidfyert wirb. 
6. 6iel) aud) für bas fpätere Filter S0faj3nd)men oor, bie f)in= 
reiäjenb geeignet erf feinen/ 93elel)rung, (Ergietjung, gü!)-- 
rung unb gürforge gu geroäfyren. 

^>ilfsfd)ul= unb ^olföfrfjulpäbagogif iaffen tüofyl Unterfd)iebe L ) 
ernennen, bie jebod) intern SBefen naä) eigentiiä) nur abgeftufter 
$Irt finb unb burdj gucfye 2 ) fyauptfäcfyiiel)! in folgenben 6öfeen 
§um ^Utsbruc! gebraut to erben: 

1. „2)ie £üfsfd)uIpäbagogi£ fordert forgfältigere 3nbit>ibualifierung 
auf (örunb einer genauen Kenntnis bes (Elternljaufes, 5er torperltdjen unb 
geiftigen 93efd)affenl)ett unb ber bisherigen (£ntmi<flung jebes einzelnen 
Kinbes; 

2. unausgefe&te ilnterftü&ung ber fyerabgefeijten fubieftinen (£ntuud= 
lungsfraft bes Kinbes bei aßen (Entttndlungsljemmungen, fo bog jebe bem 
^inbe mögliche Seiftung juftanbe tommt; 

3. elementarfte Raffung bes gefamten Unterridjts burdj materielle unb 
ibeeHe $infd)aulid)tett, ilnappljeit, SücfenloftgEett, allmäl)üd)e Steigerung 
ber Sdunierigfoiten unb t>orfid)tige $lnba§mmg einfad)ften logifajen 
©enfens; 

4. iperabfe|3ung ber linterrid)ts= unb (grgie^ungsgiele auf bie (£rftre= 
bung eines einfaajen $Berftel)ens unb pra£tifd)en &eljerrfd)ens ber unmittel= 
baren fonfreten Ummelt; 

5. erf)eblid)e Skrminberung ber Unterridjtsftoffe in allen $äd)era; 

6. ft)ftemattfd)e $lusbilbung ber felbftänbtgen unb ber prattifdjen s £e= 
tätigung; 

7. eine unausgefe&t tongentrierenbe unb bie Selbftbifjiplin fteigembe, 
bod) nid)t überanftrengenbe $lrt bes Unterrichts unb ber ©rgieljung; 

8. intenfbere Übung burd) 2Biebertyolung, $lnmenbung unb 93errnüp= 
fung mit bem praiftifdjen Seben, um bie befdjränften Vübungsftoffe unb 
=merte §um roirfltdjen Eigentum roerben gu Iaffen; 

9. einen ber r>er§ögerten (Bingelleiftung unb (öefamtenttDicflung ent= 
fpredjenb roefentlid) oerlangfamten gortfdjritt im Unterricht unb in ber 
(Er§ief)ung; 

10. engeres £anbin!janbarbeiten aller (£rgieI)ungsfa!toren %ui (Brgie= 
lung einer forgfältigeren Pflege unb gürforge, einer umfaffenberen ®r§tc- 
Ijung unb gleichmäßigeren ©eroöljmmg; 

11. ausgebe^ntere unb intenfinere gortbilbung, (Er^ieljung, gailjrung 
unb ftürforge aud) über bas fdjulpflidjtige Filter hinaus." 

äRittel ber §ilf sf d) ulp äbago gif. Sils Mittel 
ber $iIfefd)uIpäbagogi! kommen in 93etrac^t: 

1. (£ine 3tDedentfpred)enbe (Einrichtung ber $Üfsfd)uIe, 

*) &nautl)e, SUeinmeusborf bei ßetpjig, füfjrt in feinem Sluffafc: 
Sie Späbagogif im Jpeüeraie&ungs&eim, 3. f. 5t £eft 11/12 3af)rg. 1919, 
fel)r richtig aus: „®ie ^eilergieljung ftimmt nielfad) überein mit ben all- 
gemeinen päbagogifdjen ©runbfä^en. 6ie meiert non i^nen jebod) infofern 
ab, als fie einerfeits eine mefjr pflegliche <8el)anblung öfters berücJfidjttgt, 
anbererfeits eine erl)eblid)e Steigerung unb Vertiefung aufmeift unb inög-- 
lid)ft alle ©ebiete bes feelifdjen ßebens gur 5«ad)reife ju bringen fud)t. 
Sie bemegt fid) nur fd)einbar in ©egenfäfcen, r-erbinbet üjelme^r 9{ücffid)t 
mit £onfcqueng, 3^a"9 wnb 9Jiilbe." 

2 ) 5ud)s, Sc^tDac^finnige ^inber ufro. S. 305. 



— 16 — 

2. eine geeignete ipilfsfctjulergietjung, 

3. befonbers ausgebildete SeljrMfte, 

4. ein befonbers ausgebauter £iifsfä)ulunterricl)t, 

5. bie ipilfsfcfyulfürforge. 

ßu ben fünften 1 unb 3 ift bas 2öid)tigfte bereits im fetten Seil bes 
£anbbua>: 3Befen unb (£tnrtd)tung ber ^Ufsfdjule, gejagt roorben. (£s 
foUen uns barum nur noa) bie fünfte: £üfsf<i)uieraiel)ung, «pilfsfdwlunter- 
rtd)t unb £ilfsfdmlfürforge, befd)äftigen. 



2+ ©te ftefottbere ^ilfif^ule^ie^ung^ 

3>as fäjtoacfyfmnige Stinb ift ebenfo ein 9Jknfd), tote es alle 
anbeten SÖtenfctyenfinber finb, mit Einlagen, Neigungen, Stieben, 
keimen für bas (&uU unb Bbfe unb mit einer unfter blicken (5eele 
ausgeftattet. 9catürlid) finbet fiel) bei it)tn oieles nur in rubimen-- 
tärer SBeife oor. 5)al)er toirb auä) feine (Ergieljung anbere SBege 
einfctjlagen unb anbere ütflafjnafymen oorfefyen muffen als bie fonft 
üblichen. 

Boßfinnige Slinber §u ergießen, ift Aufgabe bes getoöljnlicfyen, 
normalen (ErgieljungstDerfes. gür bie (Srgieljung fdjtoacfyftnuiger 
Hinber Jebod) fefylt faft jebe Slorm. $lu|erbem befi^en roir, ab= 
gefeljen oon einigen tleinen Beiträgen, noefy feine 6ct>rift, bie 
biefen ßkgenftanb in abgerunbeter 3Beife beljanbeiL 1 ) 2Benn 
alfo auf bem ©ebiete ber 6d)töad)finnigeneräiel)ung im allge= 
meinen ütfcifjgriffe unb Berf et)rtt)eiten oortommen, fo barf uns bas 
nicfyt weiter umnbernefymen. (Es toäre barum Sßflici)t ber §ilfs= 
fäjule, bem (Elternhaus für bie (Ergiefyung iljres fcfyxoacfyfinnigen 
Kinbes fcfyon im oorfcfyulpf listigen Filter Belehrungen gu bieten 
unb Bater unb Stfiutter auf bie ^cadjteile fyinguroeifen, bie bie 
ungenügenbe Befyanblung tiefer armen Kinber im (befolge Ijaben 
fann, Seiber toirb bas oielfad) nur ein frommer 2Bunfd) bleiben, 
roeil in ben meiften Rollen foldje (Eltern!) auf er ber frilfsfdjule 
nicbjt §ur Kenntnis fommen. 2 ) 

Regeln für bie (Erjiefyung fcfytoaä)finniger 
SUnber im (Elterntjaufe, $lls §auptregel bleibt §u 
beachten, baß bie (Eltern aud) bem fd)toact)finnigen Slinbe gegen-- 

*) Dr. geller f)at in feinem ©runbrifc ber £eilpäbagogtE ber I)eil= 
pa'bagogtfdjen Grgie^ung ein ganges Kapitel geroibmet; aber feine $lus= 
füfjrungen bieten für ben ße^rer nur einzelne 9Ua)tlinien unb nerlieren fia) 
fonft in Allgemeinheiten, bie neben managen braud)baren (öebanfot nia)t 
oiel für bie Sßrajis abroerfen. 

2 ) %üx btefe 3roetfe eignet fttf) gang r-orjüglid) bie Heine Sajrift r-on 
bem £auptlel)rer* ber 3. £tlfsfa)ule gu <£f)arlottenburg, 2Bitf)elm 9* a a fc : 
©ein Sorgenünb, fein SBefen unb feine Rettung. £aüe a. 6., Carl 9Jlar= 
l)olb 33erlagsbud)l)anblung. 



— 17 — 

über genau ben s £orfd)riften folgen muffen, bie für eine gute 
Ckrgieljung ber Kinber überhaupt in grage fommen, 60 früf) rote 
mbglid) müßten fie är^tlidje Beratung in $infpruä) nehmen unb 
etum befonbers erteilten ^Inorbnungen für bie t)i)gienifd)e unb 
fbrperlidje Pflege unbebingt nad)fommen. 5)es weiteren ift fol= 
genbes $u beachten: 

1. S)as (Elternhaus muß bem fdnoadjfinnigen Jvinbe in jeber $3egief)ung 
ein nadjatjmenstoertes Vorbilb bieten, um! beim 6d)tDCtd)fümigen äunädjft 
nur bus ^3eifpiel toirlt. 

2. 2)ie fd)mac()finnigen Sünber finb fo frül) tote möglid) an unbebingies 
©el)ord)en 311 getoöjjnen; benn ot)ne (öetjorfam leine 3 u ^t unb ot)ne ötefe 
leine ^rgietjung. 

3. ^tebe §ur Orbnung, Sittfamleit, SBoljlanftänbigleit unb Sauberleit 
ift it)nen zeitig anäuergiet)en, bomit fie if)re Vebürfniffe felbft beliebigen, 
fid) rein Valien unb fiel) anftänbig benehmen lernen» 

4. 2lcl)tung oor bem (Eigentum anberer unb ein getoiffes 93eranttoort= 
lid)leitsgefül)l foU in itjnen balb gemeclt merben, bamit fie „äJiein unb Sein" 
unterfd)eiben unb and) allmäljlid) empfinben lernen, ba$ fie Sjßflid^tert unb 
9iüdftct)ten anberen gegenüber §u üben fyaben. 

5. ©dnoadjfinnige ^inber finb im £aufe toeber anberen Slinbern unb 
^erfonen oorgugiefjen nod) äurüdgufteüen unb nidjt sunt ©egenftanbe bes 
93ebauerns, ber 93ernad)läffigung ober gar bes Spottes ju machen. 

6. $lud) fd)toad)finmge ^inber muffen früfjseitig gu irgenbeiner 95e= 
tätigung angehalten toerben; benn Untätigkeit ift bei ifjnen gleid)bebeutenb 
mit geiftigem Verfall. 

7. ©trafen nnb ^Belohnungen finb mit Vebadjt unb groger Vorfielt 
angumenben, toeil bei fa^madjfinnigen ^inbern bas Verftänbnis für ötefe 
Saaten nod) %n gering enttoietett ift unb fomit trielfad) ber baburd) beab= 
fid)tigte g^ed oerfef)lt merben lamu 

8» 3Benn bie 93erl)ältniffe es geftatten, foU fiel) bie ganje Umgebung 
bes fa)toad)finmgen ^inbes nad) biefen 93orfd)riften richten, namentlid) aber 
barauf aalten, ba$ es oor fd)led)ten Veifpielen, Verführungen unb fonftigem 
9Jli§braud| betoafyrt bleibe» 1 ) 

Aufgabe unb 3*^ oer (£r^iel)ung werben in ber §ilfs= 
fdjule im öffentlichen biefelben fein wie in ber ^ormalfcfyule. 



*) Weitere 9totfd)läge bietet bie 6d)rift oon S0t e l tj e r , ßettfaben 
ber 6d)tDad)finnigen= unb Vlöbenpflege. £alle a. ö., (laxl $Rarf)olb 93er= 
lagsbud)l)anblung. — 33ead)tenstoerte Regeln für bie f)äuslicl)e (Er§iel)ung 
fd)tDad)fmmger Sinber gibt and) Sftaatp in feiner empfehlenswerten 
6d)rift: Sein Sorgenlinb, fein 2Befen unb feine Rettung,. ipaHe a. 6., 
(Earl 9ftarf)olb 93erlagsbud)l)anblung. 3d) laffe bie 6ä&e of)ne (£rläute= 
rungen fjier folgen: 

1. 9täf)re ben (Seift beines Slinbesl 

2. (Ermübe nid)t feinen (Seift! 

3. Pflege fein ©emütl 

4. 6tärte feinen Tillen! 

5. 6orge für "Betätigung! 

6. Sorge für Pflege unb (£rl)olung beines ilinbes! 

7. 5>üte betn Stinb oor fd)led)tem Umang! 

8. 6ei bit il)m felbft mit 3ßort unb £at bas befte Vorbilb! 

9. ipaltc auf pünltlidjen unb regelmäßigen ©d^ulbefud)! 

10. Üntcrftü^e unb förbere aüc Veftrebungen gum heften beines 
&inbes! 



— 18 — 

Aus bem 3xiftanbe ber geiftigen 6d)toäd)e follen bie 6d)toad)ftn= 
nigen burd) abfidjtlidje (Eintoir hingen gu menfd)lid)er $erooll-- 
fommnung gefügt toerben. ©ie finb an ©entfernt, Aufmerf-- 
famfeit, gleifc, Drbnung, <föof)lanffcänbtgfeit unb 6ittfamfeit §u 
gemöljnen unb $ur SRä3)ftenIiebe r §eimats= unb $aterlanbsliebe, 
gur S)emut unb ©ottesfurdjt gu ergießen unb allmäpd) in einem 
befdjeibenen Umfange gum felbftänbigen Collen, Sun unb 3)enfen 
p bringen» 2)ie (Erziehungsarbeit in ber £ilfsfd)ule roirb fid) 
aber oiel fdjmieriger geftalten als in ber ißolfsfdjule, roetl bas 
(Ergieljungsobjeft — bas fd)toad)ftnnige Ähtb — Mängel in feiner 
ißeranlagung aufmeift, bie ber (Ergieljung triel SBiberftanb ent= 
gegenfe^en, unb meil besljalb uns tym gegenüber nur unfidjere 
unb befdjjränfte (Eräiefyungsmittel pr Verfügung flehen, 9Md)t 
alles, mas in ber Sftormalfdjule für bie Qvot&v ber (Er$iel)ung an= 
gebraut erfdjeint, toirb in ber $tlfsfd)ule non (Erfolg fein, 
©er §ilfsfd)üler reagiert $. 93. pnädjft nid)t auf all bie feinen 
Anregungen, mie fie burd) 93lic£, Jpantoeis, ©ebärbe ufto. bem nor= 
malen Slinbe gegenüber fid) mirffam erroeifen. 93ei unfern S^iri= 
bern muffen bie Anreise triel finnenfäliiger unb gröber ausfallen, 
roenn fie SBettmfjtfeinsinfyalte auslöfen follen. Aus biefem ©runbe 
tann anfy bas 8^1 ber |rilfsfd)uler3iel)ung niemals fo l)od) ge- 
ftedt toerben, rote es fid)' bie $olfsfd)uler#i ! el)ung ftettt. 3Bir toer= 
ben im Gegenteil uns. mit befdjeibenen (Erfolgen begnügen unb 
§uf rieben fein muffen, toenn unfere ©d)üler eine gemiffe innere 
^eftigfeit erretten unb nid)t bauernb am ©ängelbanbe geführt 
$u werben brauchen. 3tn übrigen l>eigt fdjmadjfinnige Slinber er= 
ftietjen, eine S^iefenarbett auf fid) nehmen. 

Über bie ©(fyurierigfeiten ber (Erftietjung fd)road)finniger Slin-- 
ber finb fid) alle ijpeilpäbagogen einig. 5>ie £'auptfd)tDierigfeit be= 
ftetjt barin, bie 9Jletf)obe ber (Ergietjung jebem einzelnen ^aEe an= 
ppaffen. ©araus ergibt fid) bie g^rberung, bag jeber (Ergieljer 
als unertäfjlidje 3$orbebingung bie gäljigfeit §ur fad)lid)en 93eob-- 
adytung unb Beurteilung ber inbitriibuellen 9teaftionsu)eife feiner 
6d)üler erlangt fyaben muß. 3Bem btefe ftäljigfeit oerfagt bleibt, 
ber wirb immer gu neuen metljobifdjen fünften greifen unb toeit-- 
ab com 3iele gelangen, ©esfyalb ift eine genaue Kenntnis ber 
^inberpfndjologae, t)or allem aber ber Sßfr)d)opatl)ologie unb iljrer 
©rengmiffenfd)üften erforberltd), toenn man fid} in ben SMenft 
ber §eiler§iel)ung fteUt. Anwerbern mu§ man Gelegenheit fudjen, 
fd)toad)finnige S^nber längere 8^t fyinburd) unter toedjfelnben 
93cbingungen beobad)ten unb fennen §u lernen. 

<Dte Mittel ber (Ergieljung. 3n ber (Ergie^ung 
fpridjt man oon pofttioen unb negativen (Er^ieljungs-- 
mitteln. (Erftere finb anregenbe ober förbernbe, b. \ fold)e, bie 
bie natürlidien Anlagen unb Gräfte ber ^inber unterftüfeen unb 
entu>i(Mn; bie tefeteren bagegen finb Ijemmenbe ober ableitenbe, 



— 19 — 

b. f). foldje, Die ben böfen Neigungen unb trieben fowie btn Übeln 
^ngewoljnfjeiten entgegentreten unb fie in anbete 93al)nen leiten 
wollen. StRit 3>egug auf tiefe Hilfsmittel werben für bie §ilfs= 
fdjule folgenbe (Erziehungsmittel in 23etrad)t fommen: 2>as 93ei= 
fpiel, bie 2krf)ütung, bie ©ewöfjnung, bie $3elet)rung, bie (Er= 
maljnung, bie Tarnung, bie 33elol)nung, bie 6trafe unb bie 
unterrid)tlid)e (Einwirfung. 

^luf ben Ijofyen 2Bert bes SBeifptels ift bereits wieberljolt 
fytngewiefen worben. 2>as fd)wad)finnige Sl'inb ift wegen feiner 
geringen geifiigen (Erkenntnis weniger mit ^Borten, als trielmetjr 
burd) bas 93eifpiel ju leiten. ©iefes wirb bei unferen 6d)ütern 
aud) um fo nadjfyaltiger wirfen, als es in fyeroorragenber 2Beife 
geeignet erfcfyeint, iljren 9ßad) afjmungstrieb anzuregen unb it)m 
reichhaltige ^Jlaljrung ppfütjren. S)at)er gewinnt bas 93eifpiel 
in ber £eiler#tet)ung bit SBebeutung eines (Erfriet)ungsmittels erften 
©rabes. 

2)as fd)wad)finnige Kinb ftnbet infolge feiner triebe unb 
Neigungen, infolge mangelhafter 33eeinfluffung oon außen unb in= 
folge Müßiggangs ^Beranlaffung, oom 2öege bes ©uten abgu= 
meinen. 5)a|er muß bie fdjüfeenbe ipanb bes (Ergieljers eingreifen 
unb über ifym walten. 93efonbers finb es p>ei Mittel, bie für 
biefen Qvotd mit Erfolg angewenbet werben fönnen: (Geeignete 
9$eauffid)tigung unb 93efd)äfttgung. 3m erften ffaUt wirb ber 
Sd)üler bem böfen SBeifpiele entzogen unb im ^weiten sor $ftüßig= 
gang, bem Einfang aller ßafter, bewahrt. 

Sie meiften fd)wad)finnigen SUnber werben uns mit allerlei 
Übeln $lngewof)nt)eiten unb fittlidjen Mängeln 
^ugefüljrt. 'Sin Stelle bief er geljler unb Mängel foll bas ©ute 
treten. 2>as wirb nur auf bem 3Bege allmäl)lid)er ©ewöfynung $u 
erreidjen fein. 23ei ber ßkwötjnung fpielt ber O&etjorfam eine große 
dioüe, ber in erfter ßinie aus bem 3roange erwädjft. 3wnäd)ft 
gelangt ber pljrjfifdje 3n)ang meljr gur ^Inwenbung, ba er finnen= 
fälliger unb barum bei fdjwadjfinnigen Slinbern um fo nadjfyaltiger 
wirft; fpöter fann bann aud), wznn ein gewiffer ©rab intellel= 
tueller (Einfid>t erhielt ift, ber geiftige 3n)ang §ur ^Inwenbung 
fommen. 3>as fittlidje ^Berljalten unb Sun, erft burd) 3n)ang be= 
ftimmt, geljt infolge ©ewöljnung in ^leifd) unb 23lut über, wo= 
burd) ©enfen, Sohlen, ^Bollen unb §anbeln fyeilfam beeinflußt 
unb ©ewöljnung §ur Neigung umgewanbelt werben. 

5)ie (Erfahrung leljrt, ba$, fo lange bas S^inb nod)i auf nie= 
briger 6tufe ber geiftigen (Entwidmung ftel)t, SBeifpiele unb *2ln= 
fdjauungen mächtiger auf basfelbe einwirken, als 23elet)rung, (Er- 
mahnung ober SBarnung. Unb bod) werben aud) biefe (Erzie- 
hungsmittel, ^ur redeten 3^t angewenbet, oon Ijeilfamem (Ein= 
fluffe werben. 3)te ^Belel)rung wenbet fid) oor^errfd)enb an 
ben 5Berftanb; fie muß besljalb, bem fdjwad^en ©eifte bes §ilfs= 

2* 



— 20 — 

fdjülers entfpredjenb, in einfacher unb tontreter Raffung geboten 
unb moglid)ft an gemalte Erfahrungen unb Erlebniife ange= 
fcljloffen werben- £>te Ermahnung fud)t auf O^efüi)! unb 
%iüen einzuwirken; fie weift auf bie Beweggründe gur Sßflid)t= 
erfültung I)in. $lud)i fie wirb fid) recfyt anfd)aulid)er Mittel be= 
bienen muffen, benn fonft bleibt fie unoerftanben. 2)ie 3Öar = 
nung madjt auf bie üblen folgen einer Spanblung aufmerffam; 
fie muj3 im $lnfd)iuj3 an tonfrete gäiie erfolgen, Die oft in Er- 
innerung gu bringen finb, bamit allmätjlid) bas rechte Berfianbnis 
bes 6d)ülers bafür erfd)Ioffen roirb. 

^lls weitere Eräierjungsmittei, beren fid) bie |>ilfsfd)u{e be-- 
btenen roirb, finb Belohnung unb 6 1 r a f e gu nennen, 5)ie 
Belohnung weift fotgenbe 6tufen auf: ^inerlennung, £ob unb 
eigentliche Beiotmung. 2>as fdfywadjfinnige Kinb oerltert leict 
bie Sreube an ber Arbeit, bas Vertrauen gu feinem können unb 
bie $iusbauer in feinem 6treben. Es bebarf besrjalb ber $luf-- 
munterung, bes 3ufprud)s unb ber $lner£ennung in weit t)örjerem 
SJla|e als bas ooEfinnige Kinb. 91id)t feiten werben bei fortge= 
fdjrittener geiftiger Entwidlung fd)on geringe äftittel genügen, 
um aud) ben ödfywadjfinnigen p freubiger Betätigung anzuregen, 
3. B. ein freunblidjer Blid, ein guftimmenbes Slopfniden, eine 
©ebärbe, ein wot)IwoEenbes Berühren ber 6d)utter ufw. 6oId)e 
6ad)en oermögen bisweilen 3Bunber §u wirfen. 3)as £ob foll 
nur fparfam angewenbet roerben, weil es inbireft einen Sab et 
ber nictjt (Gelobten einfdjliefjt. 90^an wirb besfyalb aud) nur in 
fotdjen 5 G ß en £° ö fp^nben, wenn üinber buxd) wirftid)es Be 1 -- 
mürjen es fid) reblid) oerbient rj ab en. Um ben Etjrtrieb $u be= 
leben, gibt man einzelnen 6d)ülern fleine Ehrenämter, §. B. bas 
Berteilen ber |>efte, bas 9Rad)fet)en ber Spiäfee, bas £>erbeifd)offen 
ber 2et)rmi ! ttet ufw. Belohnungen im eigentlichen 6inne fön= 
neu für bie §ilfsfd)ute ebenfalls nur in geringem Umfange in 
Betratet fommen, rjauptfäd)lid) in ber "Jorm ^ ne6 $Iufmunte-- 
rungsmittets. Bei paffenben Gelegenheiten lann man ein Bilb, 
eine ^lnfid)tsfarte, einen ©rtffei, eine 5 eoer / ein § e f r ober Büa> 
lein ufw. fpenben, aber niemals in ber 3Beife, bajs bie Belohnung 
als eine $lrt oon Entfdyäbigung ober Entlohnung aufgefaßt wer- 
ben bar f. 

3)ie 6trafe wirft bei unferen Slinbem/ bie meift nod) 
auf ber 6tufe ber 6innlid)feit ftefyen, weit intenfioer als bie Be= 
IoI)ung. 5)ie 6trafe oerurfad)t 6d)tner§, ber oon fd)wad)finnigen 
^inbern ftärfer als irgenbein öuftgefürjl empfunben wirb. Bei ber 
6trafe unterfdjeiben wir ebenfalls oerfd)iebene 6tufen,bte eine ge= 
wtffe 6teigfrung ernennen laffen. 3Me ungufriebene 90^iene bes 2er)-- 
rers brüdt bereits eine 3uted)tweifung aus. ©er tabeinbe ©eftd)ts-- 
ausbrud lann burd)i ben bro^enb erhobenen Ringer oerftärft wer- 
ben. 2)ie folgenbe 6tufe bilbet ber Säbel ober bie 6trafe mit 



— 21 — 

Porten, Über bie 2Birffamfeit unb 'JUnwenbung btefer ©traf= 
mittel fattn man oerfdjieöener ^nfidjt fein, ©o tuet ftetjt aber fe|t, 
bajj fie ftd) auü) an jd)wad)jtnnigen Hinbern bei gunefymenber gei= 
ftiger Ü;rfenntnis fyeüfam erteilen. Weitere Straten oer Strafe 
finD (kljrenjtrafen, greetljeitsftrafen unb fiörperlicfye ©trafen, t)on 
welchen bie letzteren bie fjärteften finb. 

2)ie meijten ©trafen finb &f)renftrafen, ba fie eine 93efd)ä= 
mung bes 23eftraften barftellen* $3efonbere (£l>renftrafen befielen 
in ber ümtgieljung eines (£t)renamtes, in ber S^erteüung eines 
öffentlichen Säbels, in ber Suweifung eines befonberen Sßlaßes ufw. 

greifjeitsftrafen befielen in ber Surücfbefyaltung ber ©djüler 
nad) beendeter Unterrichtszeit, in ber ^lusfü^lie^ung t)on einem 
gemeinfamen ©djulfpagiergange, in bem ©titlfi&enlaffen auf bem 
$la§e, wenn anbere Hinber fpielen ufw. 

2>ie I ö r p e r l i d) e 3 ü d) t i g u n g ift bie fjärtefte 5orm 
ber ©träfe unb wirft bei fd)wad)finnigen Hinbern überaus emp= 
finblid). (Es muft besfyalb unfer 23eftreben barauf gerichtet fein, 
fie gang entbetjrtid) §u machen. 93eü folgenben SUnläffen werben 
härtere ©trafen angebracht erfdjeinen: 

1. bei Ungetjorfam, wenn er fid) als Srotj ober 5Biberfpenftig- 
feit geigt, 

2. bei Verlogenheit, wenn fie ftd) als frecfye 2üge ober fcfyam= 
lofes Seugnen offenbart, 

3. bei rofjen §>anblungen jeber SUrt* 

^Is förunbfafe muß fjierbei gelten: ©ei bei ©trafen niemals 
fyart unb rid)te bid) in jebem gatie nad) ber 3nbtoibualität bes 
öd)ülers! 

C5d)ltegltd) bleibt als beftes unb bebeutungsoollftes (Ergie-- 
fjungsmittel ber Unt erriet gu nennen, ber in ber fpilfsfdjule 
ja ausfd)Iie{3Üd) ergietjenber Unterricht fein foll unb eine l)armont= 
fd)e $iusbitbung fämtlicfyer geiftiger SMfte bes ©cfyülers anftreben 
mu|. 5)er Unterricht wenbet fxd) oorwiegenb an bie ^Berftanbes-- 
fräfte bes ©cfyülers. (Es wirb aber erft bann oon einem ergiel)en= 
ben Unterricht bie S^ebe fein fönnen, wenn bas fcfywad) finnige Hinb 
etwas oerfränbiger geworben unb gu einer möglid)ft ergiebigen 
SKitbetäiigung am ©djulleben unb Unterridjt gelangt ift — alfo 
in ber ©efamtentwidlung gortfcfyritte gemad)t fyat. 2)od)i barf 
bie $erftanbesbilbung niemals ben gefamten Unterridjt bel)err= 
fd)en, weil baburd) eine einfeitige ^iusbilbung erhielt würbe. 2Bir 
muffen otelmeljr, wie fd)on bemerft, eine fyarmonifcfye ^lusbilbung 
aller gctftigen Vermögen erftrebcn, benn nur eine fold)e allein 
oermag bem ©d)üler bas red)te ©leid)gewid)t in feinem (Empftn-- 
ben, 2>enfen, Collen unb Zun gu uerleifyen. 3)a aber bie ©eelcn-- 
f'räfte innig iminanbir oretfen, fo wirb bie ^lusbilbung einer 
©cite bes feeiftes nid)t ofyne SRul^cn für bie (öefamtentinidlung 
bleiben. 3lm befielt wirb es fein, wenn £yilfs[d)ulunterria)t unb 



— 22 — 

ipUfsfd^tlerjiefyung in engfrer SBerbinbung miteinanber gefyanb* 
fyabt ro erben. 

2)as fdjroadfyfinnige ^imb befifet nur fdjroatye 2Billens£räfte. 
(Es mufj besIjaXb ber Unterridjt nad) tiefer Seite fyin fyelfenb ein- 
greifen. 3>as $ o r b i l b bes ßetjrers, ber ja ben meiften (Einfluß 
auf bie Sdjüler ausübt, roirb fid)i als toirffamftes Mittel für biefen 
ßroed erroeifen. StRtt gunet)menber (Erfenntnis können naa> 
aljmensroerte 33eifpiele anberer Sßerfbnlid) fetten geboten toerben, 
toeidjie burdj if)r Streben unb ^Bollen fid) ausgezeichnet t)aben 
unb fomit nadjiatjmensroerte ^Borbilber bieten, AudJ ber Sd)toad)= 
finnige oermag ftcfy an einem ^Borbilbe aufgurid)ten, um baran 
eine Stüfee für feine ^anblungen gu gewinnen. 2)ie (Erfcfyliegung 
von ükunbfa&en unb Regeln für getoiffe ^Mensbetätigungen fyat 
groar nid)t große 23ebeutung für bas Seben ber £>ilfsfd)üler, 
immerhin aber roerben einige ^Belehrungen anfd)iaulid)er SUrt mit 
£nnro£is auf fonfrete ffättc gute 2)tenfte für bie SBillensbilbung 
leiften. 

3n begug auf bie (Entroidlung bes ©emütes roirb ber 
(Ergiefyer einen fctyroeren 6tanb fyaben, ba ber Sdjitoadjfinnige in 
biefer SBegieljiung unzweifelhaft ärmer oeranlagt ift als ber $oll= 
finnige. 33efonbers fehlen bem Sd)wad)ifinmgen bie feineren (Se- 
mütsregungen unb bie altruiftifdjen (&efüfyle faft ga'nglid) unb 
finb aud) fefyr fd)toer $u roecfen. SBerftanb unb 28itte ergänzen 
unb unterftü&en fid) groar gegenf eisig; aber bas (5-emüt ertjält 
oon beiben nur befdjeibene Anregungen, (Es roirb barum mit 
9*ed)it betont, ba% ber Sd}mad)ifinnigen:unterrict)t befonbers bie 
Oemütsbilbung fid) angelegen fein laffen muffe, Qtof* alle Un= 
terridjtsgegenftänbe enthalten Stoffe, roeldje geeignet erfdjeinen, 
auf bas ©emüt ber Sdjüler eingutoirfen, im befonberen gilt bies 
oon bem religiöfen, bem gefd)id)tlid)en, lebensfunblidjen unb na= 
tur!unblid)ien Unterricht. Aber au<fy bie ted)nifd)en 5äd)er 
bieten oielfad) ©elegenrjeit bas ©emütsleben ber Sd)üler günfriq 
gu beeinfluffen unb §u förbern. (Es foE jebod) feinesroegs bamit 
gefugt fein, baß ber Unterricht bie gemütsbilbenben Momente 
ftets unb ausfdjliepid) p betonen r/ätte, bas würbe entfdjieben 
gu weit führen unb bem Unterricht bie 6d)lid)tl)eit, SUarfyeit unb 
91atürlid)leit rauben. 2Benn ber £el)rer aber bie religiöfen 33e-- 
lerjrungen mit ^larljeit, Söärme unb SBürbe erteilt, in ©efd)id)te, 
©eograprjie unb Sftaturfunbe treue Sd)ilberungen mit anfcfyau-- 
lidjer ßebenbigfeit bietet, im 6d)reib= unb 3^^^^^^^^^$t auf 
Sorgfalt unb Sauberfeit rjält unb im ©efangunterridjt fd)ön unb 
giemütooH fingen läßt, fo tut er mel)r für bie ©emütsbilbung als 
burd) lange ^Belehrungen, Auseinanberfe^ungen unb burdj gu 
häufige §eroorl)ebungen gemütbilbenber Momente. 

Sßerfönli^feits-- unb dljar aft erbilbung roirb 
au<fy bie Hauptaufgabe ber §ilfsfct)ulpäbagogi! fein, unb biefem 



— 23 — 

c^oßen 3'iete fyaben alle beteiligten gaftoren gleichmäßig $fted)< 
nung $u tragen — ber (Srjieljer, ber Unterriäjit unb bie 6d)ul= 
5ud)t unb 6d)ulorbnung. 

$Us befonbers mutige Forderungen für bie gefamte 
(£rgiel)ung öcfytoadfyfinniger finb jufammenfaffenb folgenbe $u 
nennen: 

1. ©ine oernünftige Körperpflege unb 'puslicfye (£rgiel)ung, 
bamit ber Stempel bes 6d)road)finns in (frang, Haltung unb (öe= 
bärben möglidjift oettx)ifd)t roerbe; 

2. eine äroecfmäjsige ^Inroenbung forgfam erwogener (Ergie= 
fyungsmittel, um bie anormalen 'Jlufterungen aEmätjlici), in nor= 
male 23at)nen $u brängen; 

3. eine gle'idjmäßige ^luebilbung aller 6eelenfräfte, um 
Setbftänbigfeit unb ©elbftftucfyt im guljlen, 2>enfen, 2Botten unb 
ipanbeln gu erreidjen; 

4. pufige ©elegentjeit gur ^Beobachtung guter SBorbitber unb 
gur Übung unb ^Inroenbung ber empfangenen Anregungen unb 
^Belehrungen, fo baß ber Sögimg ficfy fpäter im roirtfdjaftlidjen 
unb fokalen 2e^n auf eigene güfce h u [teilen oermag. 

3um Sd[)luffe wxü id\ nocl) 93egug netymen auf ßangermanns 
Schrift: ©er (Ergieljungsftaat nad) Stein^iajtefdjen ©runbfä&en in einer 
§ilfsfd)ule burdjgefüfirt, 93erlin=3ßl)lenborf 1914. ©iefe Schrift ift in man» 
d)er SBegieljung red)t leljrreicfy. £♦ tarn mit einem Filter üon 54 3al)ren 
an eine ftilialabteüung (gmei klaffen) ber 93armener ^ilfsfd^ule unb f)at 
bafelbft r»on 1902 bis 1906, alfo etma trier 3al)re, als Seljrer unb (Srstejjer 
gemirft. (Er burfte J)ter bie klaffen nad) Stein^idjtefcfyen ©runbfätjen — 
Setbftuermaltung im meiteften Sinne bes 2Bortes — vermalten, mobet 
xi)m als ^eimatfa)oHe ein eigener ©arten gur Verfügung ftanb. ©iefer 
bilbete bie (SiunDlage unb bm Mittelpunkt feiner ergiet)lid)en äRagnaljmen unb 
fpielte als „Heimat'' bie Hauptrolle in bem (Ergteijungsftaat. &s (Erjie- 
i)ungsgrunbfä|$e finb fe^r ibeal gehalten unb erftreben eigentlich bie 33er« 
mirftidmng meitgeljenber fogialer QwU. „Stuf freiem ©runbe ein freies 
SBoIt" „©ein Scfyabe ift unfer, beine Sajulb ift unfere Sdfjulb." ,,3d[) 
bin bu." „2Bo ein ©lieb leibet, ba leiben alle ©lieber mit, mo fid) ein 
©lieb freut, ba freuen fid) alle ©lieber mit/' „Sidj felbft betampfen, ift 
ber fdnoerfte ^ampf, fiel) felbft befiegen, ift ber größte ötep" ufto. ©ies 
maren bie ipauptgrunbfä&e, meldte in bem (Erjiefyungsftaat befolgt mürben. 
3ntereffant unb lefyrreid) maren aud) bie Sftaftnafjmen, toeldje bei ber ©urd)= 
füljrung biefer ©runbfä&e gur 9lnmenbung tarnen. Sie laffen t)iel pft)d)o* 
logifdjes SBerftänbnis unb eble ©efinnung ertennen unb finb r«on ber 3bee 
ber 93etoal)rung, 3krf)ütung unb (Erftarhmg gur Sßerfönlidjteit getragen. 

©as (£rgie^ungspringip Jommt in folgenben Säijen gum 9lusbrutf: 
„yiifyt Stoffanf)äufung — fonbern ^raftenturictlung, nia^t 9öiffen — fonbern 
können, nid^t S^OttQ — fonbern freies, freubiges 9BoHen, nidfjt ^on!urrenj 
— fonbern (Ergänzung, nid^t 3folierung — fonbern organifd)e (Bingliebe* 
rung, nia)t Semen ju ^rüfungsjtoe d£en — fonbern (Erleben gum 3^^^ ocs 
£ebens." 

„©iefes alles ift inbeffen nid()t möglia^ burd) bloßes Sieben über bie 
Sadje unb 9lusmenbiglernen aus 93üd[)ern, mie es in unferen Sdjulen 
meiftens gefa)ie^t, fonbern einzig unb allein burd^ Übung jeber ^unüion 
in ber if)r eigenen Sphäre, unb ^mar auf ©runb eines oorljer entftanbenen, 
jebem Stinbe Ilar jum ^Beroufetfein ge!ommenen unb oon if)m empfunbenen 



— 24 — 

5Bebürfniffes, bamit ü)m ber 3med ftd)tbar unb 5er 2öiile in il)m ausgelöft 
unb gerietet merbe." „Sie Eürgefte gorm jeber natürlichen (£rgieoung 
lautet: Sat — Kraft — 6inn — äüort." 

6o let)rreid; aud) bte gange (5ct)rift tft, fo §at [ie bodj etmas oon 
9le!lamemaa)erei an fia). Sie s itfefensart bes fd)toaa)finnigen Kinbes wirb 
bei ben Ausführungen nid)t genügenb berüdfidjtigt, unb öie turge 2ätig= 
Jeit bes SBerfaffers auf bem ©ebiete ber 6$mad)finnigenbilbung — er 
bürfte faum ben Ümtroidlungsgang fcfymadjfinniger Ktnber fennen gelernt 
l)aben — lägt öen 93erfud) öes &rgiei)ungsftaates nid)t als gefiederte (£r-- 
rungenfd)aft für öie £tlfsfd)ule nadjatjmensmert erf feinen, obwohl fonft 
tnele gefunbe (StbanUn unb Anregungen geboten roerben. Sarum: „prüfet 
alles, aber bas 93efte beljaltetl" 

ßiteraturnaajtoeis. 

33 o o b ft e i n , Sie (Erziehungsarbeit ber 6dmle an Sd)mad)begabten. 
Berlin 1908, — 93 ur dl) ax b t, Sie $el)ler ber Kinber. Karlsruhe 1898. 

— 2) e m o o r , Sie anormalen Kinber unb ü)re ergief)lid)e 93ei)anblung in 
§aus unb 6d)ule. Altenburg 1912. — ©idjljolg, (Einige ©runbgüge in 
ber (£rgiel)ung ber ©eiftesfefnoadjen. 3* !♦ Kinbf. ; i3b. 10, 175. — 
Jpant^e, Sie SBebeutung ber ipilfsfdjule in päbagogifdjer 93egief)ung. 95e» 
ricf)t über ben 3. SBerbanbstag b. Q. S. 1901. — geller, ©runbrift ber 
&eilpäbagogii ßetpgig 1912. Kapitel: Sie t)eilpäbagogifd)e (Ergiel)ung. — 
§orrig, Sas ergiel)lid)e SBirEen ber #ilfsfcl)ule. 93er. über ben 2. Serb. 
b. ip. S. 1899. — Sangermann, Ser (£rgiel)ungsftaat nad) ötein^idjte* 
fd)en.©runbfä^en in einer iptlfsfdntle burdjgefüljrt. 93erlin=3^Ienborf 1914. 

— K r u f e , Sie ©tfgiplin in ber ipilfsfdmle. ^er. über ben 8. 93erb. b. |>. 
S. 1911 6. 63. — Sp f i ft e r , Sie 93et)anblung f d)toer ergiet)barer unb ah= 
normer Kinber. ^3ecn 1920, (£. ^tfctyer. — SKaag, Sein toorgenünb, fein 
äBefen unb feine Rettung. £aüe 1921, äftarl)olb — Etappe unb £anf en, Über 
Pflege, (£rgiel)ung unb Unterricht fctjtoad)finniger Kinber. Kiel 1904. — 
SHeinfe, Unterroeifung unb (Ergieljung fd)tüad)finniger Kinber. Berlin 
1899. — 6 d) ro e n ! , Sie Suchtmittel in unf eren Anftalten. Verlag ber 3b-- 
fteiner Anftalt, 1899. — 6 o 1 1 i e r , Ser 3biot un b 3tnbegtüe. Hamburg 
1891. — 2B e t g l , 2Bas bie (Bitern oon ber (£rgiet)ung geiftig fdnnad)er Kin= 
ber roiffen follen. Sonaumörtt) 1909. — SBenganbt, Sie 93el)anblung 
ibiotifdjer unb imbegtller Kinber in ärgtlid)er unb päbagogifdjer 93egiel)img. 
SBürgburg 1901. — 3 i e g l e r , Unf ere f d)toad)en Kinber. Ac^t ^Briefe aus 
ber (£r§ief)ungsarbeit an geiftig 3^üc!gebliebenen für 9Säter unb äRütter. 
3bftein 1903. — 9lifefd)e, Anftaltlid)e (grgie^ung ber 6$toad)finnigen. 
föng. %toü). 6. 485 ff. — & r e n g e l , ©emeinfame (£rgiel)ung ber ©efü;led)- 
ter in ben £ilfsfdmlen. (£ng. ^>bbc^. 6. 503 ff. — S e li tf d), (Brgie^ungs-- 
grunbfäfee. ©ng. %bhti). S. 507 ff. — S e r f., (Ergiefjungsmittel bei geiftig 
6d)tDad)en. €ng. fybbd). (5. 512 ff. — Ser f., (örunörifc ber |>eilpäb= 
agogü. Kapitel (Ergte^ung unb Unterricht. Seipgig 1912. — 6 <$) r e f f unb 
Steinhaus, Sas fd3road)finnige Kinb in ber normalen ^olfsfdmle, 
Arnsberg i. 3öeftf. 1914. 



3. ©et $>üf§^uhmUtnti)t. 

Aufgabe bes $tlf öf^iulunt er rtd) -ts. (Entfprc- 
d)cnb bem Siele ber ^Ifsf<fyuIp<tt>agogif, fyxt ber $Ufsf^uIuntcr- 
rid)t ben Sroetf, bie griffige (Enttrricflung bes 3öglings burd) Über- 
mittlung oon 2eI)rftoffen aus betn SRatur- unb 9Renfd)enlebcn fo 
gu beeinfluffen, ba% er ein fittttdjer unb für bas prä!tifd|c fiebert 



— 25 — 

nad) 9Jlaj3gabe feiner Gräfte brauchbarer 9Jlenfcfy werbe, ©er 
Unterricht muß fidt) alfo bte fittltcfc)e, intellektuelle unb gum Seil 
auet) bie erweroiteije &usbÜDung bes £üfs|a)üiers angelegen fein 
laffen. 

3m Sinne ber ^lrbeitsfd)ule wül bie ip'ilfsfcfyule alle 33e= 
ftrebungen umfaffen, bit barauf gerietet finb, iljre 6d)üler plan-- 
mäßig §u möglid)ft feibfttätigem Schaffen unb gur freubigen ^rin= 
gäbe an bie Aufgaben ber (öemeinfcfyaft fyeranpbilben. Sie 
erblicEt ifyct (Ergiel)ungs= unb 33ilbungs aufgaben einer feits barin, 
büfc fie bie Sehenswerte ber Sittlicpeit, Cöefd^idjte unb Sprache 
als (brunblage bes 2öertgefüi)ls unb bes Werturteils oon iljren 
Sd)ülern in befcfyeibenem Umfange erfaffen unb in iljnen wirfen 
läßt, anbererfeits barin, ba$ fie burd) bas 33ilbungsgut ber 9tatur= 
weit tfyre Sdjüler gum Wirflicfyfeitsfinn, gum SBerftcmbnis ber 
Umwelt unb gum fcfyaffenben Arbeits willen fyinguleiten fiel) be= 
mül)t. 3J)?e ßetjrweife fud)t fie barguftellen als freitätiges Su= 
cfyen nad} ber Wafyrfyeit unb als ©ewb'tjnung gur Arbeit, ferner 
als S\raftbilbung gum S^eefe ber Selbftbetatigung unb fd)liej3= 
lid) als 2Bedung unb Stärfung ber $lrbeitsgeftnnung burcl) ge= 
meinfd)afttid)e Arbeit ber Scfyüler untereinanber unb ber Scljüler 
mit bem Sefyrer. 

Aufbau bes § i l f s f cfy u t u n t e r r i d) t s. ©er (Ent-- 
widlungsgang bes fcfywacfyfinnigen Kinbes ift im wefentlicfyen ber= 
felbe wie ber bes ooHfinnigen. (Er ooEgiefyt fid) aber in verlang* 
f amter 3Beife unb ift an eine engere (Entwidlungs grenze gebunben. 
©ie Seilerf Meinungen bes (Entwicklungsganges weifen unoerfenn= 
bar b r e i Stufen auf, bie bas fdjwadjfinnige ^inb wäljrenb ber 
Sdjulgeit gu burd)laufen Ijat- ©ie Stufen finb ungefähr folgenbe: 
©ie Stufe ber Sinnlid)£eit (elementares (Erlernten), bie (Elemen= 
tarftufe (anfcfyaulicfyes ©enfen) unb bie Stufe ber geiftigen SBer* 
arbeitung (einfaches, abftraftes ©enfen). gür jebe biefer (Ent-- 
widlungsftufen ift ein ©ebanfengang fyergufteEen, um weldjen fid) 
bie ßefjrftoffe bgw. ßefyrgegenftcmbe gruppieren muffen, ©er $i u f = 
bau bes Unterridjts wirb alfo jene (Entwidlungsftufen berüd= 
fidjtigen, ben jeweilig oorfyanbenen geiftigen Stanbpunft ber 
Sd)üler als gegebenes gunbament in 33etrad)t gießen unb fid) 
nad) Umfang unb Sdjwierigfeit bem feelifcfyen 2Bad)fen anpaffen, 
©araus folgt, baft bie (Einwirf ungen nad) ben ©efefeen ber leib-- 
Iid)en unb geiftigen (Entwicklung mit ber Übung ber finnlicfyen 
3Bal)rnel)mung beginnen unb bann aHmäfylid) fortfcfyreitenb gum 
elementaren ©enfen unb einfachen geiftigen Verarbeiten ber 
Stoffe führen werben, ©runblage bes gefamten £ilfsfd)ulunter-- 
rid)ts mu| ein auf einheitlicher Sacfyanfcfyauung fid) grünbenber 
Sprad)unterid)t (ä>efamtunterrid)t) fein, ber in feiner eintjett-- 
licfyen Einlage bie ausgiebigfte Quelle für alle anberen Unter-- 
rtcfytsgegenftcinbe abgeben folt. $lus biefem Sad)-- unb Sprad)-- 



— 26 — 

Unterricht (G)efamtunterrid)t) werben fid> bann in jtufenmeifem 
gortfdjritte bk anbern ßetyrgegenftänbe bes £>ilfsfd)ulunter= 
ridjts entwickln, bie in natürlicher Steife aus ifym l)erauswad)fen 
unb in inniger 93egiel)ung ftueinanber bleiben muffen. 

$ils Richtlinien für ben ©efamtuntetrtcfyt gelten nad) 
ben amtlichen SBefiimmungen folgenbe: „gür bm ^Infangsunter-- 
rid)t ift eine ftrenge 6d)eibung ber £el)rfäd)er nad) befiimmten 
6tunben nidjt t)orgufd)reiben, ftatt ifyrer trielmefyr einen ©efamt-- 
unterricfyt gugulaffen, in bem bie oerfdjiebenen Unterrichts gegen= 
ftänbe zwanglos wecfyfeln. 3m SJcittelpunft biefes Q>efamtunter= 
ricfyts ftefyt ber 'fjeimatfunblicfye ^nfcfyauungsunterridjt, in ben 
fid) grunblegenbe Übungen im Sprechen unb ßefen, im malenben 
Seidpen, Schreiben, üftedjnen unb 6ingen eingtiebern. ^lud) bie 
erften Unterredungen unb Belehrungen über Sfteligiöfes unb 6itt= 
liebes können p ifim in 33e§iel)ung gefegt werben" ufw. 2)er 
Stundenplan fiefyt für bas erfte Sctjutjafyr 18 Stunben Q>efamt= 
Unterricht oor. 2Bir in ber $ilfsfd)ule pflegen biefen (&efamtun= 
terricfyt wot)l fcfycm feit Dielen Sauren unb betjnen tfyn aud) auf 
bas zweite £ilfsfd)uljat)r aus. 3m Sßring'ip allerbings tjaben mir 
©efamtunterridjt buret) bie gan^e §ilf5fd)ulgeit fyinburd). 

•Anordnung ber ßefyr gegenftänb e. 9Jtit Begug 
auf bie oorfyin bezeichneten (£ntwidlung#ftufen gewinnen mir für 
bie $lnorbnung ber Sefyrgegenftänbe bes £iifsfct)ulunterrid)ts 
folgenben Sßlan: 

1. 6innesübungen (Borbereitungsunterricfyt). 

2. ^nfdjaulicfyer unb beobadjtenber 6act)unterrid)t ($lnfd)au= 
ungsunterricfyt, ipeimatfunbe, 9caturlunbe, Sebensfunbe). 

3. Überlegenber 6ad)unterrid)t (Redjnen, ©efcfyicfyte, 9teli= 
gion). 

4. ©arfteHenber ^otmunterricljt (formen, 9Jtolen, 3^^)^^ n ^ 
§anbarbeiten, 6piel, Surnen, ©efang). 

5. Überlegenber S * mun t e rrid)t (©prod)*, 2efe= unb Schreib- 
Unterricht, 9Utffd)reibübungen unb Slluffäfee). 

U n t e r r i d) t s g e g e n ft ä n b e ber § i l f s f d) u l e. 911s 
Unterrid)tsgegenftänbe fommen bemnad) für bie £ilfsfd)ute fol= 
genbe in 33etrad)t: ^nfcfyauungsunterricfyt, £eimat£unbe, 9catur= 
funbe, ©efcfyidjte, Sebensfunbe, Rechnen, Religion, ß^nen, Süh- 
nen unb Spiel, §anbarbeiten, (Singen, Spradjunterridjt, Schreiben. 

^catürlict) werben einzelne Untemdjtsgegenftänbe, wie §. 33. 
ber ^nfcfyauungsunterridjt, ber Arbeits--, Sunt- unb Sprach- 
unterricht, wegen itjrer SBidjtigfeit einen größeren Raum im 
£ilfsfd)ulunterrid)te einnehmen, wätjrenb anbere 2et)r gegenftänb e, 
wie g. 33. ber Unterricht in Raturfunbe, ©eograpfyie unb ®e-- 
fd)id)te eine Befdjränfung auf bas Rotwenbigfte erfahren bürfen. 
Erfahrungsgemäß bleiben alle biejenigen Stoffe, weldje nietet in 



~ 27 — 

unmittelbare 93egiel)ung gum Sebcn ber 6d)üler gebracht werben 
fönnen, für fie ein toter, unüerftonbener 93aEaft, ber balb abge= 
toorfen wirb unb in ber ^erfenfung bes 95erouf3tfeins üerfd)iroinbet» 

Se^rplan ber ipilfsfcfyule. 5)er Seljrplan mu§ bie 
©lieberung ber 2et)rgebiete in einzelne Sefyrgegenftcmbe unb bie 
$lnorbnung unb Verteilung ber ßeljrftoffe auf bie einzelnen ße'I)r= 
ftufen unb klaffen unb für bie tjerfdjiebenen 3etten angeben, 
ferner bie ßefyrgiele ber ^rilfsfcfyule unb iljrer klaffen, forote bie 
6tunbengat)I für jeben einzelnen Unterriäjtögegenftanb. ^lußer= 
bem foll er pf i) d)o lo gif d)i=p äbago g;if d) begrünbete Sefjrgänge bieten, 
bie ftets auf ber ipölje ber gefiederten 5örf(^!ung6= unb (Srfettntnis* 
ergebniffe flehen muffen, unb fcfylieftlid) fyat er aufy bie roidjtigften 
Unterriä)t5grunbfät;e §u bringen, 

Eigenartige Anregungen unb ©ebanlen fyat neulid) £>üf5= 

fdjjuilefjrer 2B a g n e r , Qranffurt a. 2R* begügli^ bes § i I f s = 

fcfyulletjrplane entroidelt 3>iefe finb fo originell, bog id) 

fie f)ier furg folgen laffe: 

„Sie meiften £ilfsfd)ullel)rpläne enthalten gu oiel Stoff. SBenn fie 
attd) nur eine Stoff a u s vo a I) I bieten rooHen, fo liegt bod) bie ©efaljr 
nal)e, bog unerfahrene £ilfsfd)ullel)rer fiel) gu fef)r an ben Spian galten. 
5)arum finb Minimal lef)rptäne t)on 2Btdjtigf eit, bie in gebrängter 
Kürge oon pfjerer SBarte aus ben ©efamtftoff überbliesen laffen. 2)ie 
$lusroal)l unb SBegrengung bes Stoffes mirb beftimmt burd) ben 2Biber= 
ftreit groeier fiel) in Scljadj Jjaltenber ^altoren: bie gorberungen bes 
ßebens unter ben einfachen 3>erf)ältniffen, bie geigen, toelaje Kenntniffe, 
Wertigkeiten, <£igenfct)aften für bas £itfsfd)ulftnb roünfdjensmert finb, unb 
bie Kräfte bes ipilfsfdjülers, meiere beftimmen, mas oon bem 3Bünfdjens= 
roerten erreichbar ift. Um feftguftellen, melcl)es bie SJUnbeftforberungen 
ber einfacf)ften £ebensoerl)ältniffe finb, ift es nötig, biefe gorberungen 
oon l)oI)er SBarte aus gu überbliesen. 2)ie einf adjjften Sebensoerljältniffe 
fajliefcen in fiel) bie 93efrtebtgung ber 33ebürfniffe bes einzelnen 9Jcenfcfjen 
naa) Nahrung, Kleibung, SBo^nung, ©efunbfjeit unb ©enug; bes äften* 
fa)en als ©efellfdmftsmefen naet) Sdrni}, £ilfe, Orbnung, ^BerSeljr, (Srgie* 
f)ung unb 93efriebigung ber 93ebürfniffe, bie ermact)fen aus bem 93erl)ältnis 
gur Natur, gu ben 9Jlitmenfdjen, gu ©ott. Stefe Sufammenfaffung aüge* 
meinfter 2lrt fann man oerbiet)ten gu folgenben Stoffeinljeiten: t für alle 
Stufen: unfer Körper, unfere Nahrung, Kleibung, 2Bo^nung, Sdjule, 
ber £eimatsort, oon guten unb böfen S0tenfef)en, 93eobael)ten in ber Natur, 
bie Kird)e unb cfjriftlicfye ftefte. II. für $Kittel= unb Oberftufe: bie Heimat 
unb Umgebung; mo bie ©inge ^erEommen; mte es früher mar. III. für 
bie Oberftufe (au§er I unb II): ber Staat, bie ^Irbeiteroerf orgung, ber 
2Beltoer!eI)r, oon Hnglüdt unb 5lran£Ijeiten. 

©ie Stoffein^eiten fd)lie^en eine 9ietf)e oon (Eingelftoffen ein, bie 
fjerausguftellen finb, 3. 53. „Stoffein^eit 9taf)rung". Gingelftoffe: 
a) Nahrungsmittel: 1. $rot, Kartoffeln, ©emüfe, ^ülfenfrücfjte, 
Obft, öl. 2. SOZilcr) («utter, Käfe), (Eier, ftletfcf), ^ett. 3. Küa)en?räuter, 
(öemürge. 4. Kaffee, See, Ka!ao, geifttge ©eträn!e. b) (Erzeuger unb 
£ e r ft e 1 1 e r ber Nahrungsmittel: «auer, Füller, «ääer, OTefe» 
ger r 90Zenf^en in fernen Sänbern. c) (£§= unb Kodjgerätc: Setter, 
Saffe, Sdjüffel, ßöffel, ©abel, Keffer, £erb, Kochgeräte. — Mad) heraus» 
ftellung ber (Eingelftoffe ift feftjufteUen, mas oon ben einzelnen Stoffen 
auf ben üerfa)ieoenen Stufen gu be^anbeln ift, roobei bas d^ara!teriftifa^e 



— 28 — 

ber etngelnen Altersftufen gu berüdficfyttgen ift. Unterftufe: Sinnlidje 
2Baf)rnei)mung, Spiel. — äftittelftufe: oetunarbeiten, Suj'etyen bei ber %x= 
beit Ürmaa)|ener. — Oberftufe: Ücb enserfaijrung, ftärtere Denttrayt, oirettc 
Sebensnorbereitung. $5 e i f p i e l : 2) a s 33 r o t. Unterftufc: Utas am 
?bxot roaljrguneljmen ift, $5rotformen aus &on. SDttttelftufe: ii>ir maajeu 
Seig. — £teim S -Bäder. Oberftufe: äßer Jt>ilft mit, ba% roir jeben Sag £>rot 
effen können, 

Sie (£ingeltf)emen werben ben t>erfd)iebenen Stufen angepaßt ber)an= 
bell. Auf ber ä)cittel= unb befonbers auf bei: Oberftufe roerben bem Stoff 
geograpt)i)d)e, gefd)id)tlid)e, Eulturtunblia)e unb naturtunblid)e 33elei)run= 
gen angefctjioffen. Siefer ©efamtftoff tjeiftt „Sebenstimbe" unb ift im $ln= 
fd)auungsunterrid)t burd) bie gange Sctmlgeit äftitteipunft unb Äusgangs-- 
punft für alle fftifyex. Sie ^afytx, bie mit bem Anjajauungsunterridjt in 
93erbinbung fielen, roerben unterfä)ieben in u n entbehrliche gäd)er: Spre= 
djen, 28ertunterrid)t, Spiet, ^Religion; in faft unentbehrliche gädjer: (öar-- 
tenarbeit, i^nabentjanbfertigkit, äftäbdjenfjanbarbeit, ipausroirtfdjaft, unb 
in roünfdjensroerte $äd)er: £efen, Schreiben, 9ied)nen, Singen, Surnen. 
(£s gibt genug 9Jlenfc§en, bie nictjt lefen, fd)reiben, redjnen tonnen unb bod) 
roirifd)aftlid) unb fogial brauchbare 9Jlenfd)en finb." 

2B. gei)t nom 2Jienfd)enleben unb oon feinen (Srfdjeinungen aus unb ftetit 
bas Slinb mit feinen ^Bebürfniffen ins 33erl)ältnis gu benfelben, unb groar 
unter 93erüdfid)tigung ber jeroeitigen (Bntroidlungsftufe. Saraus leitet er 
bann bie eingelnen Stoffeüujeiten für bie brei Ünterridjtsftufen ab, SHe 
Xlnterf Reibung ber ^äd)er in unentbehrliche, faft unentbehrliche unb roün= 
fdjensroerte .ift rool)l nid)t red)t glüdlic^ geroäf)lt, ebenfo tl)re (£ingruppie= 
rung unter biefe 33egeidmungen. Sftan tann barüber oerfdjiebener 9Jtei= 
nung fein. 3mmerf)in aber nerbienen feine Anregungen eine geroiffe 93e= 
adjtung, ba fie ber 3bee bes ©efamtunterridjts unb ber Arbeitsfdjule in 
^roedmä§iger 3Beife Sftedjnung tragen. Aufcerbem lann man fid) aus biefen 
knappen Darlegungen aud) nod) fein abgefajloffenes Urteil bilben; man 
roirb erft roeitere 33eröffentlid)ungen abroarten muffen, um Stellung bagu 
nehmen gu können. 

Unterrid)tsgrunbfäfee bes § i l f s f d) u l u n t e r = 
r i d) t s. 

1. 2)er Unterricht fyat nichts öorausgufet^en; er muj3 trielmerjr 
aufbauenb mit ben (Elementen beginnen, bas Sriebleben berücf-- 
ficfytigen, fid) an alle 6inne toenben unb fie gur möglid)ft ergie-- 
bigen Betätigung gu entfalten fud)en. 3Birb ber $ilfsfd)üler 
im ^Borbereitungsunterrid)t gu biefer Sätigfeit gebracht, bann foll 
er auf bem 2Bege bes 6elbfrtuns unb Selbftfimbens §u elemen-- 
taren ^nfc^auungen geführt roerben. 

2. 3)er Unterridjt t)at in ber §aupifaci)e für !lare ^nfc^au-- 
ungen gu forgen; benn nur biefe allein fiebern eine gebeil)ltd)e 
geiftige (Bntroidlung. (Es ift barum bie ^Infc^auung nad> allen 
finnfälligen Momenten l)tn ausgubel)nen unb Dielfad) bis gur 
§anbgreifltd)!eit gu fteigern. 3)esl)alb roirb bie ^nfdjauung 
aud) tSiel erleben unb r*iel geftalten laffen. 

3. S)ie unterrid)tlid)e Darbietung foll in möglidjft fletnen 
(öaben erfolgen, angemeffen langfam fortfdjreiten, oorroiegenb 
lonfrete Raffung magren, oielfeitige Übung, pufige ^Inroen- 
bung unb oertiefenbe 2Bieberl)olung öorfe^en unter fteter 
^Bedunq bes Sntereffes. 



— 29 — 

4. 2>ie unterrid)tlid)e Verbinbung ber ßetjrgegenft'änbe fyat 
ä-uiecte Erreichung eines einfyeitlicfyen ©ebonfenfreifes unb 33e= 
umfjtfeins meitgetyenbe Verknüpfung, Ungleichung, Vergtoeigung 
unb ^bedjfelbegietjung $u umljren. 

5. ©er (&runbja$$ ber 6elbftbetätigung unb ^inmeubung bes 
(Gelernten auf bas prattifetye Seben (oll bauernbe Veadjtung fin- 
ben, 2)as 9Uit$lid)leit6prinäip barf im £ilfsfd)ulunterrid)te roeit- 
geljenbe Verüdfid)tigung finben. Jrifcfye Arbeit, fröljlidjes Sun. 

6. 5)ie $lrt-,- ber Umfang unb bie Siefe ber Unterrid)tsftoffe 
werben burd) bie jeweilige Veranlagung ber 6d)üter beftimmt, 
müfj'en aber aud) entfprectyenbe 9iüd6fid)t auf fid)i geigenbe Veran-- 
lagungsfd)manfungen unb auf bie praftifdjen Vebürfniffe ber 
Kinber nehmen, 

7. 3)er Unterricht mirb enbtid) mit allen Mitteln beftrebt fein, 
Erleichterungen bes $lrbeitö= unb Sernoorganges Ijerbeigufüijren 
— iperftellung von £ilfsaffo§iationen (^ei^enbilbungen, ange-- 
mejfenes Serngeitmag, Verüdfidjtigung ber t)erfd)iebenen < 2luf= 
faffungstnpen, anfd>aulid)e Vergegenmärtigung ber 2age= unb 
Ve$ie l l)ungsoerl)ältniffe, llare £eroorl)ebung ber Elemente, §eran= 
gieljung oon geeigneten £>ilfs= unb Veranfd)aulid)ungömitteln 
ufm.) — unb für eine gmedmä^ige 5)urd>bilbung 6orge §u tragen. 
Säglid) e Übungen. S)ie Einrichtung unb güfyrung üon Unter= 
rid)tsnieberfd)riften trrirb trielfad) gute Sienfte leiften. 1 ) 

Verteilung ber Unterrtdjtsgegenftänbe auf 
bie einzelnen 6tufen ber ipilf ef d) ule. $llö nor= 
male ©lieberung ber £ilfsfd)ule ift bie fedjeftufige 6d)ule (gege-- 
benenfalls mit einer Vorftufe) anpfefyen. 2)ie beiben erften 3af)r= 
gange bilben bie iinterftufe = klaffe 6 unb 5, bie beiben folgen= 
bzn bit 9Jcittelftufe = klaffe 4 unb 3 unb bie beiben legten bie 
Dberftufe = Klaffe 2 unb 1. 

Es finben fid) faft in jeber ipilfsfcfyule einige 6d)üler, bie aus 
ber unterften Klaffe nie Ijerausfommen. 6ie lernen triellcidjt in 
jebem 3al)r etmas fyingu, aber nennenswerte gortfd) ritte mv= 
mögen fie infolge iljree geiftigen Siefftunbes nidjt gu machen. E 
fdjeint fo, als ob bie übliche |>ilfsfd)ulmetl)0'be für fie nod) gu l)od) 
märe. Um jebod) foldje Kinber unb aud) bie Sd)merfd)mad)ftnmgen 
in ber unterften Klaffe nid)t oerfommen §u laffen, I)at man an 



5 



1 ) j$uv Erleichterung bes 2luffaffungs= unb £ernr>organgs ift gu be= 
merten, ba$ %> r r t 5 , Süffeiborf, einem 33eranfc^aulicl)ungsprtn§ip ber 
ö r 1 1 i cf) e n Trennung in ber SarfteUung unb ber j e i 1 1 i d) e n Srcn= 
nung beim Gprcdjen bas 2Bort rebet. (£r rotll bies Sßringip namentlicf) 
im 9icrf)ennntcrric^t burcfygefüfyrt roiffen. 3nt ©runbe aber bautet [eine 
gorberung roeiter nicfjts, als bie 93erüc£ftcf)ttgung einer überftcfjtlicljen 
Gruppierung bes Stoffes unb eines cmgemeffenen 3 e i tma ft cs 3 U * ^ cc= 
fnüpfung non 5Bort unb 6ad)e. SßcrgL feine ^Ibljcmblung: 2)te Trennung 
nad) 3 c it un0 9iaum, ßin Skranfrfjaultdmngsprinätp für bie ötlfsfd)!!!^ 
3. f. Ctrf. jgbl. 6d)m. 53b. 4 3al)rg. 1910. 



30 



Dielen Orten ben SBerfutfy gemacht, fie in geringer 3lnjaf)l in be-- 
fonberen klaffen p Dereinigen (SammeltTaffen), 1 ) unb fie nad) 
befonberer 9JtetI)obe p befyanbeln. $on einem 6d)ulunterrid)f 
im eigentlichen öinne bes Portes toirb fyier ntd)t reä)t bie 9iebe 
fein, Seibenfalls tritt bie Aneignung Don öcfyultoiffen prürf 
pgunften ber Entfaltung ber fd)toad)en Gräfte nad)i bem ©runb-- 
fafe ber öelbftbetätigung, 3m übrigen foll burd) oorbeugenbe 
Übermadjung unb ßeitung ben Slinbem bie 9Jlöglid)leit §u einem 
geroiffen fogialen Sufommenleben, insbefonbere $u einem £inein-- 
leben in fpätere Sebensoerpltniffe geboten werben. $Us £efyt> 
gegenftänbe, natürlich) im 6inne bes @efamtunterrid)ts, lommen 
fyauptfääjlid) folgenbe in 33etraä)t: < 2lnfd)auungs= unb 6prad)unter= 
rid)t, ^Irtifulatton, SSetöegungsübungen, 6piel, Surnen, oerfdjie-- 
bene 6innesübungen, ^töbelarbetten in reifer $lustöal)l unb bei 
günftigen Sßert)ältniffen ettoas ßefen, ödjreiben, 9kd)nen unb reit- 
giöfe Belehrungen. 2 ) 

2)ie Serteilung ber Unterrichts gegenftänbe auf bie einzelnen 
6tufen mit ^erMfiä)tigung ber 6tunben§al)l ergibt etma folgenbe 
Überfielt: 



Unterrtdjtegegenftänbe 




Ober* 
ftufe 

klaffe 

2 I 1 



Religion .......... 

6ad)= bgro. $lnfd)auungsunterrttf)t 

<Deutfd) 

(öefang 

3eid)nen ....... 

6d)retben 

$ted)nen ........... 

$eimat!unbe . 

Sftaturfunbe 

<&efd)id)te 

ßebensfunbe 

turnen unb 6piele. 

ipanbarbeiten 





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2 


3 


L3 


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2 


2 



6 
2 
2 
2 
5 
2 
1 

-4 

i 

1 

2 
2 



$lnsal)l ber Söodjenftunben: | 18 1 18 1 20 1 24 1 27 1 28 1 29 



*) ©iefe finb mit ben fogencmnten 93orfIaffen,' rote fie fpäter betrieben 
roerben follert, nicf)t gu t>ertoeä)feIn. 

2 ) $iaci§ bemerkt bet^u folgenbes: „9hm gibt es noef) 93ebauerns-- 
tüerte, bie auf ber tiefften 93ilbungsftufe fielen unb felbft in ber §ilfsfcf)ule 
in ber unterften klaffe pngen bleiben mürben. Sie bebürfen eigentlich ber 
^Inftottspflege; aber bie beüagensmerten (Eltern mögen t»on ibrem ffleifcl) 



— 31 — 

4* ©ie einzelnen Hniem$t£gegettftanfec* 

a) 5)er ^ofBerettungsuttterri^t frer 9Sorflaffe* 

2)ie 93or£laffe toirb getoiff ermaßen als eine SUrt $erfud)s= 
flaffe gu betrauten fein, ba in tl)r I)aupt(äd)Itd) entfäjieben to erben 
foll, ob geiftig tiefftefyenbe ^inber nocfy fotoett gebracht werben 
fönnen, baß fie fyilfsfcfyulfäljig toerben. 3fyter weiteren Aufgabe 
entfprecfyenb, follen Me 6d)üler fiäfy anmätjlid) bem 6d)ulleben 
unb ben unterridjtlidfyen ÖHntoirfungen anpaffen lernen unb gur 
^Betätigung an ber Schularbeit geführt werben. 3>er Unterriä)t 
toirb beftrebt fein, alle oorrjambenen Einlagen im S^inbe — unb 
feien fie nod) fo bürftig — nad) 9JtögIid)tot gu enttoicfeln, if)m 
geübtere Sinne $u geben, eine ausreicfyenbe £errfd)aft über feine 
©lieber §u oerfcfyaffen unb einen fixeren, toenn aud) fleinen 
6d)a& oon ^Borftellungen gu oermitteln. 33efonbere 'iUufmerffam^ 
feit ift ber fprad)lid)en Bilbung §u fdjenfen, ba fid) fei)r Ijäufig 
Spradjmängel üerfcfytebener $lrt, Spracrjtofigfeit ufto. bei ben 
SUnbern ber ^Borflaffe finben. hierbei muß ber £et)rer mit Hm= 
ficfyt unb Sorgfalt oorgefjen, ba es bei ber großen Spracfyarmut 
tiefer Kinber oor aEem gilt, einen fixeren Sprachbau erft gu 
begrünben. 5)a muß er Steinten auf Steindjen fefeen unb inein-- 
anber fügen, erft fet)r lange unb müfjfam für bas (£rbgefd)oß 
ber fonfreten unb bann allmät)Iid) für bie weiteren Stocfwerfe 
ber nottoenbigften abftraften ^Begriffe. %vli bie ^orflaffen be= 
ftet)t eine große ^ngaljl begeidjnenber Hilfsmittel, beren ber 
ßerjrer fidf) oielfad) mit Vorteil toirb bebienen fönnen. (Ebenfo 
befifeen toir eine reidjljaltige Siteratur biefes ©egenftanbes ein= 
fd)tießlid) befonberer Einleitungen für ben $Borbereitungsunter= 

rid)t. 

Über bie 2>afeinsbered)tigung ber SBorflaffen mag man nerfdjiebener 
Meinung fein. 3ebenfafls gibt es aber Orte, bie if)re (£inrid)tung als 
93ebürfnis anerkennen. 2Bir befitjen eine SBorflaffe fett längerer 3eit* ®ie 
§at fid) bisher feljr gut bemäljrt. 2Bemt mir fie nidjt eingeridjtet ptten, 
bann märe eine gange $tngaljl non Familien gelungen, i|re geiftig tief* 
fteljenben ^inber ber 3biotenanftaIt sugufüfyren. 3efet behalten biefe gami* 
Iien if)re Hinber ju £aufe, unb bie SBorüaffe fud)t fie nad) 9ftöglid)!eit 
31t förbern unb für ben meiteren ipiifsfdmlunterrid)t geeignet §u mad)en. 

1. SBorbereitungsunterridjt. 

fformenbretter. 9?ad) £>ir. 9toU unb 2)tr. 6d)toent 93orftufe: ein 
93rett mit brei geometrifdjen Figuren (Quabrat, Sreicd, SBiered). 1. 93rett: 
9 geomctrifd)e Figuren. 2. SBrett: 16 gtowen uerfd)iebener ©egenftänbe. 
3. <Brett: 15 ft^naen oerfd)iebener ©egenftänbe. 4. iBrett: kolorierte ^or« 
men oerfd)tebener ©egenftänbe nebft einer Tabelle mit entfpredjenb angeorb= 
neten Silbern. — 3" begießen oon 2)ir. 6d)toen!, 3bftetn. 



unb ^3lut nidjt Iaffcn. 9lutf) if)nen ift man f)od)l)ergig entgegengekommen 
burd) CEinria)tung ber 6 a m m e l U a f f e n. 3u benfelben merben fie 
planmäßig an ^öo^lanftänbigfeit, ^>öflid)!eit, Orbnung, 6aubcr!eit unb für 
bas |>aus nupringenbe 33cfd)äftigung gcmöl)nt. /y 



— 32 — 

formen* unb garbentifd) oon jp. Sßipex: in Berlin=2Bitienau. — gor* 
mentafel oon ^iper. — 8** & ß 3* *>♦ berliner &ef)rmittelüetlag, Berlin 6^ib. 48, 
grieöridjftrafce 6. 

garbenbretter. 9to$ Sir. SRofl unb Sir. Sajment 1. SBrctt: Srei 
garben (fajtoarg, toeig / rot). 2. Brett: Sßaartoetfe frf)marg, toeifc, rot 
3. Brett: s 4iaartDeife blau, grün, gelb. 4. Brett: ^aartoeife fedjs oerfa)iebene 
färben. — 5. Brett: 12 oerfa)iebene färben, f)ell= unb buntelrot, blau ufm. 
6. Brett: 12 gmeifarbige Sedel. — 3u beg. o. Sir. 6d)menf, Sbftein. 

Sbftetner garbenbedtel. 9ir. 1 oieredig, Sftr. 2 runb. — gu beg. o. 
Sir. (5a)ment, Sbftein. 

gormen= unb garbentafeln mit (Eintegefiguren oon Söl. Weniger. 
1. goimentafel: (örofjer Kreis, Heiner Kreis, £albtreis, Öool. 2. gormen= 
tafel: kleines Biereif, großes Biered, langes Biered, Biered auf ber öeite 
fteijenb, redjtminfliges Sreied, fpiijes Sreied. 3. gormentafel: Sifd), Stut)l, 
Ban£, Sentftein, ipausgiebct, treppe. 4. gormentafel: Krone, (Eifernes 
Kreug, 6tern, gaf)ne, großes Kreug. 5. gormentafel: Berfd)iebene 6täb= 
ajen, 6d)iange, Blumentopf, ^feilfpi^e, 6d)iffsrumpf. (5. fformentafel: 
£erg, (£>lode, Qudexfyut, ßuftbailon, (Eid)enbiatt, (Ei, Birne, Gipfel. Sie 
garbenbretter, brei an ber Qafyl, finb beiberfettig gefärbt, unb -gmar: 
fdparg unb meifj, rot unb blau, gelb unb grün, Qu l e ber ^ormentafel ge- 
boren Die oorl)in aufgeführten (Einlegefiguren in oterfadjer s 4ngal)l: 1. l)oig-- 
farben, 2. fdjmarg unb meifj, 3. rot unb blau, 4. gelb unb grün. — Qu beg. 
o. £>auptlet)rer Weniger, Sdjmelm i. 2ö. 

^arbentafel oon Sftagnus. (Eine ^arbentafel gur met!)obifd)en (Ergie^ 
f)ung bes garbenjinns nebft 72 $arbenfäftd)en unb einem eriäuternben 
Segte. $lufgegogen auf ftarfer Sßappe unb gufammenlegbar, 87 : 44 cm — 
Qu beg. o. Berlag Kern, Breslau 1901. 

garbenfptel oon Sfteftor Sengftod in Königsberg i. Sßr. Sas 6ptel 
beftet)t aus einem haften mit 10 Safein unb je 12 (Einlegefiguren äljnlia) 
ben (Einlegefiguren oon 3Beniger, nur ift aües ftabiler gehalten. — 3 U beg. 
o. föraefe & Unger in Königsberg i. ^ßr. 

3ur (Entmidtung bes garben= unb gormenfinns !önnen aud) farbige 
Kugelfpiele, äRofaiffpiele, Segefpiele ufm. Bermenbung finben. — Qu Sages= 
preifen in guiedmäftiger $lusxoaf)t gu beg. o. Koef)ler, ßeipgig. 

Sbfteiner Unterfdjeibungsfaften. 1. 6dmbfad): £eid)t unterfdjeibbare 
(öegenftänbe, mie 6dmt)e, (Eier, Bteifolbaten ufto. 2. 6dmbfad): Weniger 
leidet ^u unterfdjeibenbe ©egenftänbe, mie Bleiftift, ©riffet, $eberi)alter ufto. 

3. 6dmbfad): ©egenftänbe gum Unterfa)eiben oon formen unb färben. 

4. 6d)ubfaa): ©egenftänbe gum Hnterfdjeiben oon (Eigenfdjaften (fpife, ftumpf, 
leia;t, fdnoer ufm.) 5. 6a5ubfaa): ©egenftänbe gum linterfa;eiben oon ©e= 
prs=, (£erud)s= unb ©efd3madstoal)rnel)mungen (pfeife, Klinget, Pfeffer, 
(Effig, 6al§, Qu&tx ufm.). — Qu beg. o. Sir. Sd)toen!, 3bftein i. S. 

Bieles, toas mir für ben erften Unterria)t gebrauten, mu§ in feinem 
Hrfprung auf Sireftor 91 a 1 1 , StRari ab erg, gurücf geführt toerben, fo g. B. 
bie befannten unb oielfaa) gebrausten ^arben= unö ^ormenbretter. &enn 
biefe auä) gurgeit bie mannigfaa^fte ^lusgeftaltung erfahren Ijaben, bie 3bee 
ftammt eben oon 9ft a 1 1 , äftariaberg, unb ift feine ureigne 6a)öpfung. 

Hnterfua)ungs!aften für fa)macl)finnige Kinber oon S|3rof. Dr. 3Bet)^ 
ganbt. 1. Qux Prüfung optifa^er (Einbrütfe einfache Objekte ber Umgebung, 
toie Söffet, Saffe, Körba)en. Bei Keffer unb ©abet !ommt noa) bagu ber 
§aftor ber ®efä^rtia)!eit unb bie baburd) bebingte Borfitt)t in ber £anb= 
^abung feitens ber Prüflinge. 2. Optifd^e ^inbrüäe, oerbunben mit taltilem 
9leig: Bürfte, naffes 6a)mämma)en ufm. 3. 9laa)bilbung oon Objelten bec 
Umgebung, gunäd()ft in natürlicher ©röfee: Attrappen oon Gipfel unb Birne, 
2Burft, fünfttidje SRäufe unb Böget. 4. 9^aa)bilbung oon Objelten in oer- 
üeinertem $fta§ftabe: 6tut)t, Sßferb, ^u^n, 6otbaten ufm. 5. 9?aa)bilbung 
oon Objekten ber Umgebung in oer!leinertem SRa^ftabe ol)ne ben ^a!tor 



— 33 — 

ber ftarbe: Siere, Sdnffd)en u\w. 6. 9*ad)bUbung oon Obielten ber Um* 
gebung in oertleinertem 9Jta'6ftabe unter $ergiä)t auf plaftifd)e fform: 
glaajes SJtobeil eines ^ferbes, Lammes ufro. 7. Objekte 5er Umgebung 
gum ipantieren: Sdjiofc mit Sdjlüffel ufro. 8. ättobeile aus ber Umgebung 
gum hantieren: ^uppe gum ^ustleiben ufro. 9. Objette mit atuitifajen 
Zeigen: pfeifen, fajreicnöer grofä), Spielbofe, Klingel ufto. 10, OOieue 
gur Prüfung ber (Sefd)id;lia)tett: SBäUe, Kreifel u|m. 11. Obiefte mit 
atufttfdjem irteig gur Prüfung ber (öefd)idlid)Eeit unb 9tad)al)mungsfäl)tg= 
reit: Kinbertlaoier. 12. ^ebtjaftere Sinnesreize tonnen burd) SRaocl^tictjc, 
aufbli&enöes £id)t ufro. feftgefteUt roerben. 18. 33emeglia)e übjette: üau* 
fenbe iöiaus, beroeglidjer Käfer, rotlenbe Figuren, flatternber Sd)metter* 
ling ufro. 14. 3ur Prüfung affettioer Erregbarkeit, bient ein ilberrafapungs* 
fäjtcrjen mit fyerausfpringenber 2 m langer ©anlange, eine beroeglid) er* 
fdjeinenbe, roiberroörtige Spinne, bann bunte (ölasfugeln, bie nor ben 
klugen bes Kinbes gu gerbreajen finb. 15. Prüfung auf (öemiajtstäufdmng 
(fog. £>emoorfa)es fytjänomen): 3roei gletajfdnoere, oerfüjieben große (öegen* 
ftanbe (f)ier groet bunte 39 l ^^ er ) roerben oon Normalen infolge ber &ffo* 
giation ber Korrelation groifdjen (£>eroid)t unb ©röße falfct) gefd)ätjt, in* 
bem bas kleinere für fernerer gehalten toirb, roäfjrenb Kinber unter fedjs 
3at)ren foroie Sd)road)befäf)igte unter 15 Sauren unb Sd)road)ftnnige jeöen 
Filters biefer Säufajung nidjt unterliegen, fonbern fie begeidmen geroöfjn* 
lid) bas kleinere (öeroidjt als leidjter ober aud) beibe ais gleid) ferner. 
16. 3ur Prüfung ber §ät)igteit gum alltäglidjen ©ebraud) ber £änbe bienen 
bie ättobelle gum 3utnöpfen unb gum Sd)uljefd)nüren. 17. 3ur Prüfung ber 
(öefdntflid)fett bes kluges unb ber ipänbe bienen einfadje Spiel* unb $au* 
taften. 18. 3ur Prüfung ber geidmerifd)en unb plaftifd)en $äf)ig!eiten 
finb ^lafttlinmobeliiertaften unb SBuniftifte beftimmt. 19. Qux Prüfung 
bes optifdjen Ertennens bienen fajiießiid) Silber mannigfadjer $lrt, unb 
groar: farbige Silber einfad)er unb fompligierter $lrt, fd)toargroeife Silber 
unb Silhouetten. — 3 U &eg. t). 3. äRüiler, (E^arlottenburg, Spanbauer 
Straße 10 a. 

$öbagogifd)er Kauflaben, ©iefes Hilfsmittel fyat bie ©eftalt eines 
lleinen Kauflaöens unb bient gleid)geitig aud) als Stofffammlung. SBas 
in ben Sdjulen geroöljnlid) nur in mefjr ober minber guten Slbbilbungen 
oor^anben ift, nämlid) bie Sarftellung ber oerfd)iebenen Materialien, 2ftüng= 
forten, ber Maße unb ©eroid)te, bas ift §icr in 2Bir!Iid)Eeit fef)en, bas 
betummt ber Sdjüler in bie ipanb, bamit muß er operieren, (£r roirb an* 
geleitet, eine beftimmte Summe (Selbes gu gäljlen, eine if)tn oorgefdjriebene 
$lngaf)l oon (5eroid)tsmengen gufammenguftellen, oerfd)iebene Materialien, 
rote fie in ber £ausf)altung nötig finb: Kaffee, 3ufc, Salg, 3Jlel)l, itteis 
ufro. in SBirüia^teit nad^ einem oorgefagten Quantum gu mögen. SWffiQ 3 
fetten in Üitern unb Seillitern abgumeffen, enblid) oerfdjiebene Stoffe: £ein= 
manb, Sud), 33anb ufm. in 9ftetern unb 3 c ntimetern angugeben. 5)as gibt 
bann eine rtdjttge 33egriffsentmidiung, um fo meljr, ba mehrere Sinne gu» 
gleid) fta) an bie 'üluffaffung ber ©egenftänbe beteiliegen. 3ft bies im ein* 
gelnen bis gur ^ertigfeit geübt, fo beginnt bas Kaufen unb SBertoufen, bie 
feefttmmung bes 2ßertes abgemeffener unb abgewogener SJiengen in Cöclb, 
bas (Selbmedjfein unb bas herausgeben, mie es bas täglidje 2eben oer* 
langt. — 3 U De ^ *>♦ 2)i r - ^erberia^ in ©emünben a. 9Ji. 

3m 33orbereitungsunterrid)t finb aud) 2)laterialien gum Sortieren, 
Ferienreisen, Stäbd)eniegen, ^ledjten, galten, 53auen, 5 ormen / 9JioöeIIiercn 
ufro. erforberlid). 1 ) — 9Rad) ben 33ergeid)niffen oon Koe^ler ober SBolrfmar 
in ßeipgtg ausgumä^Ien. 

*) 3)te ^ormenbretter, 5 orm ßntafeln, ^arbentafeln, ber Unterfdjet-- 
bungsfaften ufro. bienen gur SBectung unb (Sntmidlung bes formen- unb 
ftarbenfinnes, bes Unterfdjeibungsoermögens unb bes 93etätigungstriebes. 

3 



— 34 — 

ßiteraturnadjtoeis. 

93 ort I)o 15, Ser erftc oorbereitenbe Unterricht für 6duoaa> unb 
Vlöbfinnige. 4. 9lufl. Breslau 1895, Verlag oon ft. £irt. — V a r t f cf) , 
9Jceine Vorftufe. $üf»fd&. 1920, 9, — G^ofcen, Sie intellektuelle <£nt» 
toicflung beim Sdjtoadjfinn. Seutfd)e £ilfsftfmlen in 2öort unb Vilb, 
6. 277 ff. £aEe a. 6. 1914, 9Rarl)olb. — © ü r 1 1 e r , SriebgemäBer Gr- 
lebnisunterrid)t (£in Beitrag §ur ^ro^is 5er £eilpäbagogtf unb ber v 2lr-- 
bettsfdwle. £alle a. 6. 1921, 9Jtorljott>. — £ a u f $ i l b , Sie (SnttoicHung 
bes formen* unb garbenfinns in ber £ilfsfcl)ule. £ilfsfcf). 1921, 8. — 
^renberger, Sas Unterrichtsziel bei 6dju>ad)ftnmgen unb ber Unter-- 
ridfjtsftoff in ber Vorfdjule. Gos 1906, 3. — SR i & f d) e , ^ragis ber Vor-- 
fd)ule. Sfctifel im (Eng. §bbc^. £alle a. 6. 1911, SRarfjolb. — <£ a n f e , 
Sie Vorflaffen ber £ilfsfdmle. £ilfsfd). 1910, 5. — 6d)mibt, 6onber= 
aufgaben ber VorHaffen. £ilfsfd). 1917, 1. — Sd)totnge, 'Breslauer 
Vorftaffen. Seutfdje £ilfsfd)ulen in 393ort unb Vilb, 6. 279-ff. £aEe a. 6. 
1911, 9Jtarl)olb. — Statiner, 6dmlen für f$mad)befäl)igte ^inber. £eip-- 
§tg unb £etbelberg 1864, Vertag oon hinter. — 2Bef)le, Vorübungen 
pm 6d)reib=£efe=Unterridjt für fd)toad)finmge ^tnber. Vraunfd)toeig 1897, 
Vertag oon 2öolIermann. 

Slufjerbem finb nod) einige Schriften 'ju nennen, in benen fid) ebenfalls 
ipimoeife auf ben Vorbereitungsunterridjt befinben. 

Vruns unb Timmen, §tlfsfd)ulhmbe. Olbenburg 1912, Verlag 
oon ©dmlge, £ofbud)f)anbtung. — Jrenjel, #anbbudj bes $ilfsfdjul- 
miffens. §atfe ct. 6. 1918, Sftarljolb. — geller, ©runbrifc ber ipeitpäb-- 
agogii Setpjig 1912. — ip e r b e r i d) , SftetljobiE bes 6d)mad)finnigenunter-- 
rid)ts. Sonautoörtlj 1910, Verlag oon 2tuer. — § o r r i 5 , SBegmeifer burdj 
ben Se^rftoff ber ipilfsfdjule. Vreslau 1914, Verlag oon $. §***• — 2R u r t = 
felb, ©runblagen unb Stoffe für £tlfsfd)ullef)rpläne. Frankfurt a. 93t 
1914, Verlag oon Sieftertoeg. — %laa§, Sein 6orgen£inb. £aHe a. S. 
1921, 2ftarl)olb. — Sd)ul§e, Sie Verufsbilbung bes £ilfsfd)ullel)rers. 
ipalle a. 6. 1917, Verlag oon Gdjroebel. — S e g u t n , Sie Jbiotie unb iljre 
Vetjanblung nadj pljgfiologifdjer SJtetljobe. Seutfd)e Ausgabe oon Slren-- 
berger. SBien 1912, Verlag oon ©raefer & (£ie. 

2. ^inbergarienbefdjäftigungen. 

Sie J!inbergartenbefd)äftigungen greifen gum Seil nod) in ben Vor-- 
bereitungsunterridjt hinein, gum Seil aber treten fie als felbftänbiges 
Unterrichtsfach auf. Sie oerfd)iebenen ßroeige ber SUnbergartenbefa)äfti= 
gungen eignen fid) fel)r gut für ben Vorbereitungsunterrtdjt, es mögen bes= 
fjalb aud) bereu Hilfsmittel (Ermahnung finben. 

1. Sarge, gledjtapparat. Ser Apparat eignet jtd) §ur Veranfdmu= 
üd)ung bes gröbetfdjen gebunbenen gledjtens. 3eber einzelne Streifen 
eines beliebigen SJhtfters läfct ftd) 00m 2ef)rer ober einem ^tnbe oor ben 
klugen ber gangen klaffe feljr leitt)t eingießen, fo ba% toettgel)enbe Veran-- 
fc^aulia^ung geboten mirb. 

Sarge, Faltblatt" ^ln bemfelben laffen fief) in oerfd)iebenartigfter 
3Beife bte oerfa^iebenen Sätigfeiten bes ^altunterridjtes oeranfd)aulia)en. 

Sarge, 9Bebeoorria)tung. Surc^ biefen Apparat fönnen Webereien in 
Vreite oon 40 cm unb in jeber beliebigen Sänge angefertigt toerben. Sie 
Anleitung bietet bie nötigen Fingerzeige gur ^anb^abung bes Apparates. — 
3u beg. o. b. £anbarbeitslef)rerin fixau Sarge in SKagbeburg. 

^tett)tapparat oon 3rrgang, ^ilfsfcljutleljrer in S?attotoi& i. Oberfdjl. 

^röbel^ilfe oon £ilfsfd)ullel)rer SRener in 3Banbsbei Sie ftröbet- 
^ilfe ertoetft fia^ gtoedmä^tg §ur Xlnterftügung bes 3Rofai!unterria;ts unb 
gur Vilbung bes färben-- unb ftormenfinns. Sie Veranfa^aulicl)ung, 
namentlich bas (£ntftel)en ber Figuren, erfolgt an ber £anb bes Apparates 
fel)r beutlicl). — 3u beg. t>. ^ilfsfdmlle^rer ^ener in 2öanbsbei 



— 35 — 

v£oüa, SUebebilber aus Buntpapier. (£in Beitrag gur pflege ber 
tfunft im £eben bes Kinbes. Bon &ed)t, &auptiel)rer ber £>iifsfa)uie in 
v 4>forgfyeim. 4 Wappen mit ie 10 buntfarbigen Safein. — 3u beg. o. Beriag 
oon (öuftao 2Beife in Stuttgart. 

Üvodjs $ormbogen. 5 Serien gu je 10 oerfdjiebenen Bogen. — 3 U 
beg. o. Beriag ber Sugenbblätter, <L Schnell in iitündjen. 

Seubners Slünftler=9Jtobellierbogen. (Ztvoa 50 äRobeHe, bie oerfd)ie= 
-benften Sctjunerigfeitsgrabe berüdfidjtigenb. 

©iefe, glecfytmufter für Scfmle unb $aus. #eft 1 bis 4. — 3u beg. 
x>. Sftettor ©iefe in Stftagbeburg. 

Seimige, £egeftäba;en unb ßegebogen. — 3" &e§. *>. £auptlof)rer 
Sdjulge in $ü<fenmül)le bei Stettin. 

Soennecfen, ffröbelgabe 27 mit Begletttoort oon Seffenid). — 3u üe S» 
r>. g. Soennecten in Bonn. 

Siteraturnaajtoeis. 

B a r 1 1) unb 9c i e be r l e n , 2)es $tinbes erftes Befdjäftigungsbud). 
Bielefelb 1914, Bertag oon Belagen & 5Uafing. — B ö 1 1 n e r unb B ö f) I, 
gröl)lid)er Unterricht, ßeipgig 1910, Beriag oon Branbftetter. — £ipp 
unb S d) m i b t , Unfere kleinen. Strasburg i. elf. 1898, Beriag ber Ber= 
lagsanftalt ber Strafcburger ©ruderet. — Stöfylex, Sßrar,is bes SUnber» 
gartens. 4. 3lufl. Weimar 1907, Beriag oon Böl)laus 9caa)folger. — 
Schreibers Anleitung gum 5 0rmc ^ i n Son uno ^ßlaftiltna. Srei 
ftufenmeife fortfa)reitenbe <pefte. (Balingen 1912, Beriag oon Schreiber. — 
B o r u) e r t , 5)as Stäbajenlegen. ipalle a. 6. 1912, Beriag oon Sleferftein. 

3. Sprea)unterrid)t. 

Slrtifalationsfpiegel oon Süffenljop. 2)er oorfprec^enbe £el)rer unb 
bas nad)fprecl)enbc ^inb flauen bei ben $lrti!ulationsübungen gugleicl) in 
Den 6piegel hinein. 2)aburc|) toirb bas ^inb in ben 6tanb gefegt, bie 
Sätig!eit feiner Spredjxoer^geuge mit ber bes £ei)rers in CBinflang gu 
Jbringen. (£s lernt babei bie Spred)betoegungen nad) bem Borbilbe bes 
2el)rers ober aud) eines S^inbes, bas gut fprid)t, richtig ausführen. 3 U 
beg. o. Saubftummenlel)rer £üffenl)op in 6tabe. — 2)iefen Spiegel tann 
man fid) burd) 3ufammenftellen oon gtoei Spiegeln, bie man burd) Sdjar* 
niere oerbinbet, felbft f)erfteHen. 

Sxoflen!, 9ceue 2lnfd)auungstafeln gur ßautbilbung. — 3" &eg. *>. 
£ef)rer Collen! in ©eringstoalbe i. Sa. 5)ie Bilber finb im Querfdjnttt ge* 
galten unb geben in beutlidjen 3ügen bie OrganfteHungen ber Sautbilbung 
überfiajtlid) an. 

9toufd), ßauttafeln gum ©ebraud) beim beutfdjen unb frembfpradj* 
liefen Unterricht nad) pl)onetifd)en (örunbfä&en ufto., 20 Safein. 3)ie äJhmb= 
offner, 9 Safein. — 2)erfelbe, ßauttafeln für ben Sprachunterricht, kleine 
«panbausgabe, entljaltenb 26 £aut?arten. Harburg 1911, Beriag oon 9ft. 
(£ltoert in Harburg. — ©erfelbe, £autpoft?arten. 5 harten in Umfcf)lag mit 
Begleittoort. ©erfelbe Beriag. 

SHein, ^lnfd)auungstafel gur Sautle^re. 

Sefjmenfied;, 11 Bunttafeln für richtige Slusfpradje im £efen, Sprechen 
unb Singen. 3 U ÜC S« ü « ^ö^ler ober Boltfmar in Seipgig. 

ßeffenief), $Infcf)auungsbilb für ben ^Irtüulationsunterria^t. 3 e ^ n= 
farbenbrud ©röfee 92 : 120 cm. 2fuf ßeinmanb mit ßeiften. Beriag oon 
Soennecfen, Bonn. 

^el)s unb 9Bitt, 32 boppelfeitige Sauteinprägungstafeln. Beriag oon 
Seubner, Seipgig. 

ßiteraturnadjmeis. 

1. Spegiell für bie §xx)t&t ber Jpeilpäbagogit 

Bis!ups!g, S)er ^rtüutationsunterricljt in ber £ilfsfcl)ule. ^ofence 



— 36 — 

£ef)rerätg. 1909, 49. — Ve r g m a n n , Beiträge gur Unterfuduing ber fpraa> 
iiäjen untmictiung bes Hinbes. 8. f. päu. tyjncg. u. er,p. tyäö. 1919, £. 5 bis 8. 

— Garrie, 6onbertlaffen für )pract)trante bctmltmber. itangenjalaa 1916, 
Verlag Vener & öoime. — © er f., ötaüftifct)e Hebungen über |prad)ge= 
brerijlidje Kmöer in Den Hamburger Voitsjctuuen. 3. f. pai). s 4>jt)a). u. egp.. 
Späb. 1919 £. 1=2. — Os 1 1 m a 9 r , tön $ai)r öpractjemmicf lung eines £ufs-- 
fdjülers. 3. f. er,p. Sßäb. 1910, 1. — gif d) er, öpra$pfncgologi|cne Unter* 
fud)ungsmeti)oben im ©ienft t»on (£räiet)ung unb Umerridjt. 3. f. päö. 
Spfnd). u. er,p. Sjjäb. 1919 §. 9 bis 11. — § r e n § e l , ©er Slrtituiations-- 
unterrid)t bei geiftesjctjrüaajen Hinbern. 3- f- ^^- 6d)to. 1899. — 2) er f., 
©er Spradmnterrictjt jpract)iofer (öeiftesfüjmacfyer. 3- h ^sf). t>d)to. 18d7. 

— © e r f., Veröffentlichungen über (5prad;e, öpradjftörungen unb 6praa> 
unterrid)t bei geiftesfct)mact)en Hinbem. SUconaisfdjr. f. b. gef. GpracnijciU 
funbe, Berlin 1907. — 5) e r f.; Sie fpradjlidje Vilbung fed)ma<i)jinmger. 
4. Seil bes §anbbud)s bes £ilfsfdmlmiffens. !$a.Ue a. 6. 19-0, vjtartjolb. 

— g u et) s , Oöe[id)tspunlte gur fpradjiidjen Vetjanblung 6d)toact)finniger. 
3. f. Vel). 6dno. 1907, 11. — S e r f., ©ie (5pred)tätigteit im ©ienfte ber vrr= 
giefjung unb ©efunbljeitspflege. Seip^ig 1914, Veriag non Hobler. — 3L 
(ö u £ m a n n , ©ie ©efunbljeitspftege ber 6prad)e. Breslau 1895, Verlag 
oon g. §tet. — 2) e r f., 3ttr Unterfudjung ber Sprache fd)mad)finniger Hin* 
ber. ß« f* ®tf- IQÖI- Sd)to. 1906, 1. — p r r i r, , Vom vlrtitutationsunter* 
rict)t in ber ipilfsfdmle. 3- f- ^ e *)» öctnn. 1906, 1. — © e r f., Vkgmeifer 
burd) ben £ef)rftoff ber <pilfsfd)uie. Vreslau 1914, Verlag oon £irt. — 
5) e r f., Ratgeber beim erften bpred)= unb i}efeunterrtd)t. ©üffelborf 1919, 
Verlag oon Sdjmann. — Hölle, ©er Spredmnterrid)t bei geiftig gurüd= 
gebliebenen Hinbern. Qütiö) 1896, Verlag oon 2Jcülier. — £ e g e l , ©ie 
6prad)e unb il)re 6törungen mit befonberer Verücffidjiigung ber 6prad)= 
ftörungen geiftig 3urütfgebliebener. ^otsbam 1905, Verlag oon 6tein. — 
£el)m, 6tofffammlung gum Spred)unterrid)t auf ber Vor= b$m. Unter« 
ftufe ber £ilfsfdmle. 2angenfal§a 1914, Vener. — Siebmann, Vor* 
lefungen über Sprad)ftörungen. 7 £efte. Verlin, CXobleni*. — 5) e r f., 
6prad)ftörungen geiftig gurüctgebliebener Hinber. Verlin 1902, Verlag oon 
SReut^er & 9fceid)arb. — 2 e p e r , Über ben $lrtifulaiionsunterrid)t 3- f* 
Hinbf. Vb. 2, 108. — 9c i cf e l , 3ur £i)giene bes $lrtifuIationsunterrid)ts in 
ber £ilfsfdmle. £ilfsfd). Vb. 6, 6. — © e r f., ©er 9lrtitulationsunterrid)t in 
ber ipilfsfdjule. §ilfsfd). 1914, 2. — © e r f., ©ie menfd)lid)e Stimme, if)re 
(gntmicflung beim Hinbe, ir)re ©ebredjen unb beren Teilung. £eip§ig 1919, 
Verlag oon Seubner. — © e r f., ©as 6praa)^eilmefen in ben Verliner 
Voltsfclmten. ^ilfsfc^. 1921, 3. — Sßipcr, ©er Heine Spradmteifter. 
Verlin, Verlag oon Harl Siegismunb. — ©er f., ©ie Teilung oon 6prarf)= 
gebrechen bei fcE)tDücl)finnigen refp. ibiotifa^en Hinbern. 2Jlonatsfa^r # f. b. 
gef. 6praa^^eili 1892. — © e r f., ©ie Spracl)gebred)en bei ibiotifcfjen Hin-- 
bern" unb i^re Teilung. 3- f« ^^ 6d^to. 1893, 5. — © e r f., 3Bie !önnen mir 
bie fpradjlofen fdjroac^finnigen Hinber gutn Sprechen bringen? 3« f- ^ e b- 
Sd^m. 1 898, 7--8. — 9*einfelber, ©er ^Irtilulationsunterric^t in ber 
^ilfsfcbule. Vprlin 1905, Verlag oon Oe^)mig!e. — iRot^e, Sonber* 
elementarflaffe für fprad)!ran!e Hinber. 2Ttünd)en 1913, Verlag oon 6en= 
bolb. — 9tufd)le, ©ie öpracb.gebrec^en ber 3ögltnge in einer ^ilfsfc^ul- 
grunb!laffe. 2lus ber 6a^ule — für bie Gdmle 1907, 4. — 6 d) it b e d , ©ie 
ßautentmidlung in ber (Elementarflaffe ber Volfsfcfjule. 2Rüna^en, Verlag 
oon CX. ©erber. — Straferfafjn, ©er erfte Sprec^unterria^t (Qlrtünla-- 
tionsunterridjt) bei ©eiftesfa^macfjen. Sangenfalja, Vener. — ©er f., ©er 
erfte Spredmnterrid)t in ber £ilfsfdmle. Ver. über ben 2. Verb. b. £. ©. 
ipalle, 9Jcar$olb. — Weniger, 9cid)t geiftig, fonbern nur fprad^tictj *u= 
rütfgebliebene Hinber. ©era 1894, Verlag oon Vaua^. — ©er f., ©ie 
6pracf)ftörungen bei geiftig gurücfgebliebenen Hinbern unb iljre met^obifebe 
Ve^anblung. 3. f. VeJ). 6a)m. 1890, 1-2. — 2Bin(f l er , ©ie Vel)anblung 



— 37 — 

oon Sprad)gebred)en in ber &üfsfdmle. 9Wonatsfd)r. f. b. gef. Sprad$eiit\ 
1905. 

2. © r ö fj e r e 9B e r E e über Spradjftörungen. 

^röfdjels, £ef)rbudj ber Sprach ei Ihmbe für Str^te, Späbagogen 
unb Stubterenbe. £eip§ig unb äßien 191i>, Verlag oon ©eutide. — © u g = 
mann, Spradji)eur.unöe. Sioriefungen über oie Störungen ber Sprache 
mit befonberer 33erüdfid)tigung ber Stjerapie. ^Berlin 1912, Verlag oon 
iyifajers meb. 93ud)t)anoiung. — Äu|maul, ©ie Störungen ber Sprache, 
üeipgig 1910, Verlag oon #ogeI. 

3. Siteratur über bie S p r a d) e bes SH n b e s. 

Piment, Sie (sntroidlung oon ©enfen unb Sprechen beim Kinbe. 
£eip^ig 1899, Verlag oon SBunberlid). — ©er f., gortfdjritte ber Kinber» 
feeientunbe. £eipgig 1906, Verlag r»on £ngelmann. — 2) er f., Spraa)ge= 
jd)id}te bes Kinbes in natürlichen Sprad)ftu|en bargeftetfi. Bamberg 1921. 
— Räumer unb © r o e f d) e r , 2km ber Kinbesfeele. £eipgig 19uö, 
Verlag oon 93oigtlänber. — (£ompaure, ©ie ümtroidlung ber 5\inbes= 
feete. $Utenburg 1900, Verlag oon 93onbe. — g r ö f d) e l s , üinberfpractje 
unb 9ipi)a]ie. Berlin 1918. — © u g m a n n , ©es Kinöes Sprache unb 
Sprachfehler, fieipgig 1894, Verlag oon 3. SBeber. — £ 1 n b n e r , $lus 
bem iuaiurgarten öer i^inberfpractje. ©ie erften oier £ebensjal)re. £eipgig 
1898, Verlag oon ©rieben. — 2Raas, ©ie Sprache bes Ktnbes unb trjre 
Störungen, ^ürgburg 1909, Verlag oon Kabi^fd). — 9Jleumann, ©ie 
(Entftefyung ber erften 3Bortbebeutungen beim Kinbe. Setpgig 1902, Verlag 
oon angeimann. — Oltufdjerosto, ©ie (Sntroidlung ber Sprache beim 
Kinbe unb bas 93erl)äitnts berfelben gu fetner Sntelligeng. Berlin 1896, 
33erlag oon gifdjers meb. $3ud)f)anblung. — Sß r e o e r , ©ie Seele bes $i\n* 
bes. 8. $lufl. £eipgig 1912, Verlag oon ©rieben. — Sfteumutf), ©ie 
logifaje SBcfct)affcnfjeit ber Imblidjen Spradjanfänge. £eip§ig 1919. — 
^gesnitsef, Qux ^rage ber pfod)ifd)en (Entmidlung ber .ftinberfpradje. 
Breslau 1899, Verlag oon ^tber^ol^. — 6 d) ä b e l , ©as Spredjenternen 
unferer Kinber. £eip§ig 1905, Verlag oon Sranbftetter. — S d) a r r , ©ie 
Pflege ber 9Jhttterfprad)e in £aus unb Sd)ule. 3Jlagbeburg 1907. — Si = 
forsfu, ©ie Seele bes Slinbes nebft turpem ©runbri§ ber toeiteren pfo= 
d)ifd)en (Boolution. £eip$ig 1902, Verlag oon 33artf). — Stern, ©ie 
&tnberfprad)e. £eipjig 1907, Verlag oon 33artl). 

4. Literatur §ur £ e f) r e oom Stottern. 

©ie b i b a 1 1 i f d) e 3ftetf)obe. 91. ©ufemann, ©as Stottern unb 
feine grünbüdje ^Befestigung. Berlin 1910, Verlag oon Staube. — §. 
© u tj m a n n , ©as Stottern. (Eine 9JconograpI)ie. ffranüfurt a. 2R. 1898, 
Verlag oon 3« Sftofenfjeim. — ©obtfring, Sßrafiifdje Anleitung §ur 33e= 
feitigung bes Stotterns unb jur Kräftigung ber Spred)ftimme. £eip§ig 
1906, Verlag oon ©ürr. — S d) a r r , ©ie 53el)anbtung Stotternber. ipan* 
Hooer 1907, Verlag ber 9torbbeutfd)en 33ertagsanftatt. — Übungsbücher 
nad) biefer 9Jletf)obe für bzn ©ebraud) in Sprad)|eil!urfen: $(. © u ^ m a n n, 
ttbungsbud) für ftotternbe Kinber. Berlin 1911, 95erlag oon Staube. — 
^röfdjels unb 9mülleutner, ipilfsbud) für bie 53e^anblung oon 
Spradjftörungen. 2Bien 1916, SBerlag oon ^erlcs. — K o r o n o , Übungs= 
bitcb für ftotternbe Sd^ulünber nad) ber 2ftetf)obe S. ©erqitanbs. 9Bien 
1919, Verlag bes I. t Sdjulbüdjeroerlags. — S <f) a r r , Sßrattifdjes Übungs» 
bitd) für Stotternbe. öannooer 1907, Verlag ber SRobbeutfa^cn Verlags» 
«nftatt. — Z 1) i e I , Hbungstaf et für Stotterer. 59 : 77 cm. Vertag oon 
ft. £>irt in ^rpslau. — ©ie o i i) cb o l o a. t f d) e ^Dlettjobe. 91 r o n • 
f o fy n , ©er pfodjoTogifdje Hrfprung bes Stotterns. JpaHc a. S. 1915, 9Kot» 
ijolb. — Siebmann, Stotternbe Einher. Berlin 1912, Verlag oon ^cit-- 
tr)cr & 9?eicr)arb. — © e r f., ©ie pft)d)ifd)e SBe^anblung oon Spradiftörun-- 
gen. Berlin 1915, Vertag oon Goblen^. — ©en^arbt, ©as Stottern 



— 38 — 

eine Sßfodjofe. ßeipgig 1890, SBerlctg oon Sleü. — 9t etlcttf d) e to, (Eine 
neue pfndjologtfdje 93ef)cmbIungsmetf)obe bes 6totterns. äflosfau 1909, 
SBerlag oon 211er,. ßang. — ©ie 93e|)anblung nad) gefangsmetf)obi = 
f d) e n ©mnbfätjen. (Bibers, Teilung bes 6totterns nad) gefänglichen 
©runbfä£en. Seipgig 1910, Verlag oon 9Jterfeburger. — ©ie 2tteti)obe 5er 
Slutof uggeftion. Seng, ©as Stottern mit befonberer 93erüdfid;ti-- 
gung ber 6uggeftiott)erapte. Berlin 1905, ©md oon 2Bol)ltf)at, Urbanftr. 81. 
— 6 d) e r n i u s , StReine 6elbftbetjanbhmg oon 18 jährigen 6prad)ftörungen. 
Berlin 1910, SKobem. päb. u. pfnd)o!og. Verlag. — Sie § n p n o t i f d) c 
9ftett)obe. ßaubi, ©ie 2lnmenbnng ber iponofe in ber SI)erapie bes 
Stotterns. 9Jtonatsfd)r. f. b. gef. 6prad$eüi 1893, 2. Verlag oon $ifd)ers 
meb. 93ud)I)anbIung. Vertreter ße^rer (£ngel in 93onn. — ©ie 93ef)anblung 
nad) ber $ f o d) i o a n q I n f e. g r a n ! , ©ie Ißfodjoanalnfe. 9Jlünd)en 1910, 
Verlag oon 9ieinl)arbt. — 2 a n b i , Sin $afl oon Sßfnajoanalnfe bei einem 
ertoad)fenen 6totterer. 9ftonatsfd)r. f. b. gef. 6prad$eüt\ 1911. — ^ f i ft e r, 
©ie pfnd)ocmaIt)tifd)e 90tetljobe. ßeipgig 1913, Verlag oon ^iin^arbt. 1 ) 

b) 5>et $ütfd)amutg$= (6ad|=) Untetridjl 

S)ie Sßf^djologie leljrt, bog bas gefamte geiftige Beben fid) 
$unäd)ft nur auf bem 33oben fad)lid)er ^Infcfyauungen entmidelt. 
SMefe geben bie (Srunblage unb bie 9iol)ftoffe fyer, aus benen alle 
geiftigen ©ebilbe ifyre 9ßal)rung unb Anregung gießen. 3)ie gei- 
ftige (£nttüicf lung bes Stftenfcfyen t)oll#iel)t ficfy gunädjft oormiegenb 
in ber 9^id)tung oon ber ^Infdjauung in bte ©pracfye hinein unb 
fetjt fid) fobann burd) Vermittlung ber ©prad)e mit Unterftüfeung 
ber $lnfd)auung fort. 2)ie ©eroinnung oon $lnfd)auungen fefef 
eine boppelte Sätigteit ooraus, nämiid) bte ber ©inne unb bie 
bes ©elftes. 2Bie ftel)t es nun bamit bei unferen ©d)ülern? — 
©ie feljen, pren unb empfinben gtoar aud), bod) bleiben tljire 
©innesrätigfeiten meift nur unoollfommen, führen besl)alb nid)t 
gu beutlidjen, lebensoolien Vorfteüungen, bie infolgebeffen feine 
fid)ete förunblage für geiftige ©ebilbe abgeben lönnen. 3)as $or= 
ftellungs=, ©efüt)ls= unb 3BiIIensleben mirb mofyl aud) fonft in 
befcfyränfter 9Beife angeregt, aber bie $lnrei§e erroeifen fid) in 
ber Siegel fo matt, baß fie leine maf3= unb ridjtunggebenben ^in= 
brüde für ein gebeüjüc^es geiftiges 2Bad)fen unb ©erben bieten, 
©oll biefes aber erreicht tu erben, bann muß ein Unterriä)tsgegen= 
ftanb gur 93el)anblung gebrad)t unb folgerichtig burd) geführt toer= 
ben, ber alle jene SJlängel ju begeben oermag. ©iefen Unter= 
ric^tsgegenftanb getoinnen mir in bem ^nfd)auungs--(©ad)=)Unter-- 
rid)t ber ^ilfsfc^ule. ©egen feiner großen Vebeutung mirb er 
bie erfte ©teKe im gefamten Unterrichte einnehmen unb bie (&runb-- 
lage foroie ben SÖlittelpunft aller rtnterrtcr)itlicl)en SOflaßna^men 
bilben — alfo als S a d) ! xmb Sßringip- betrieben merben muffen. 
SUIs ^P r i n g i p mirb er alle Unterrid)tsgegenftänbe burd)b ringen, 
fo bafc beren (£rgebniffe auf bem 93oben ber ^lnfd)auung gemonnen 



x ) Über bie oerfdjiebenen ^Be^anblungsmet^oben, bie l)ier benannt finb A 
oerbreitet fid) ber oierte Seil bes £anbbud)s. 



— 39 — 

werben umb in ii)rer Sinwenbung auf bas ßeben ber 6d)üler wie= 
ber gur ^nfcfyauung gurücf fütjren. ^lls % a d) fyat ber ^Infcfjau* 
ungsunterricfyt oerfdjiiebene Aufgaben p erfüllen, oon benen bie 
erfte in ber Sdjärfung ber öinnestötigilei ten unb ber bamit in 
3krbintmng ftefyenben (Entwicklung ber geiftigen Gräfte ber 6d)ü= 
ler befielen wirb. gerner l)at er ^infcfyauungen gu flären, gu be= 
feftigen unfo neue gu fcfyaffen. 1 ) Unb enblid^ wirb er Slenntniffe 
erfdjiießen unb bie 6prad)= unb ©entfäfyigleit ber 6d)üler förbern 
Reifen, bamit fie bie gäfyigfeit erlangen, einfache Urteile unb 
Scfylüffe möglicfyft felbftänbig gu bilben. ©ie (Erreichung biefes 
Sieles ift burcfyaus nötig, weil aucfy bie ipilfsfdjüler gezwungen 
finb, im fpäteren Qebm oielfady felbftänbig gu fyanbeln. 

gür ben ^nftfyauungsunterricfyt ergeben fid)i folgenbe 
Stufen: 

1. ©ie oorbeteitenbe Stufe. Anregung, (Erfdjl'ießung 
unb Scfyärfung ber Sinnestätigfeiten gur (Gewinnung oon elemen= 
taren 'ilinfcfyauungen. ($ergl. ben $orbereitungsunterrid)t in ber 
<Borflaffe.) 

2. ©ie g r u n b l e g e n b e Stufe, ©er ^nfcfyauungsunte^ 
ritfjt fnüpft an bie (Erfahrungen unb 3ntereffen ber Scfyüler an, 
oermitteit ifynen flare unb beutlicfye SUnfcfyauungen unb legt btn 
(frrunb gu einer oerftänbigen elementaren $iu&brudswetfe. ((Ele= 
mentarer Sad)unterrid)t — freie Stofffammlung.) 

3. ©ie bef cfyr eibenb e Stufe, ©er $lnfd)auungsunter= 
tfidjt giefyt einzelne wichtige $infd)auungsgegenftänbe fyeran, bel)an= 
belt fie etwas umfaffenber unb gruppiert fid) um biefe, fo bafc in 
befcfyreibenber 3Beife Heine Spradjgange gewonnen werben. ((Er= 
gängenber Sad)'= unb Spracfyimterridjt.) 

4. ©ie erweiternde Stufe. ©urd)i (Erweiterung ber 
^nfcfyauungsfreife wirb ber $infd)auungsunterrid)t I)eimatfunb= 
lidjer Unterricfyt. (Er oereinigt fpäter nod) 93eobad)tungen unb 
^Belehrungen über 9caturwefen, Sftaturoorgcmge, fowie über §anb= 
hingen ber 9Kenfd)en, über oerfd)iebene (Ereigniffe, (Einrichtungen 
ufw. unb wirb baburcfy jum naturfunblicfyen, gefdjidjtlicfyen unb 
lebensfunblidjen Umgebungsunterricfyt. ©ie münblicfye unb 
fd)riftTid)e ^usbrucfsfäfyigfeit ber Sdjüler foll baburd) wefenf= 
lid) erweitert werben. Wte geeignete ^usbrucfsmittel fommen 
formen, "iUuöfcfyneiben, Stäbdjenlegen, 9Jcalen, Gingen, Spielen, 



*) Sangetmann begeid)net in feinem „(Brgietyungsftaat" fcas 6am= 
mein nener 9lnftf)auungen mit bem 9lusbrud „93ilberfangen". (Sr oerftefjt 
barunter bas benutzte 6ammeln non SBorftellungen bei einem Unterrtd)ts= 
gang. 2)as ^eprobugieren ber aufgefaßten 93orftelIungen erfolgt in ber 
5teif)enfolge bes Verlaufs ber beobachteten ©egenftänbe unb Satfadjen Sie 
in ber Umgebung ober ber ipetmat gefangenen Silber merben bura^ folgenbe 
Sätig!eiten jum ^tusbruc! gebraut: ^erausmaten, ^erausformen, £eraus= 
jeirfjnen, herausarbeiten, $)erausfprea^en unb iperausfpielen. 



— 40 — 

2)ramatifteren unb ^anbarbe'i'ten in 93etrad)t. Hilfsmittel toic 

©anbfaften, Lobelie, Silber unb fdjriftüdje S)arftellungen bürfen 

nid)t als Slusgangspunfte ber unterritfytlidjen 9$efpred)ungen bie-- 

nen, fonbern finb nur pr Belebung, Vertiefung unb (£rgängung 

bes Stoffes fjeranäugieijen. 

5ür bie $inorbnung unb $tustoaI)I bes Stoffes 

mögen nad) bem $Borfd)Iage Löffels in feiner beachtenswerten 

Scfyrift: „$id)tlinien für bie Stoff ausxoatjl im iinterr'id)t fd)mad)= 

finniger Slinber", folgenbe ©runofäfee 3kad)tung finben: 

„1. <Das gugrunbegulegenbe BorfteHungsmaterial ift fo meit mie irgenb 
mögltd) burd) Umgang mit ben Sttngen unb burd) ausgebeljnte prattifd)e 
Betätigung gu erroerben. 

2, 2>er Unterriajtsfioff mug ftd^ aus ber ipeimat ergeben unb — be* 
fonbers bei ©efinnungsftoffen, ©ebid)ien, (Erklungen ufto. — in fie IoJali* 
fiert merben. 

3, ©er Hnterridjtsftoff muft ein §ufammenl)cmgenbes, tebensfrifd)es 
(Sandes norftellen, in bem bie ilinber felbft t)iel Ijanbelnb auftreten tonnen 
unb ber fiare unb ftarte £anblungen in ftd) birgt." 

SBefonbere 33erüdfid)tigung urirb bemnad) ber ip a n b l u n g s = 
r cid) tum ber Sad)fioffe finben muffen, ^lis Stoffgrup= 
pen Commen folgenbe- in 93etrad)t: 

1. Slinblidjes 6piel unb tinblidje SBefdja'ftigung. 

2. linfere 6dmlftube unb unfere Sdjule. 

3. SBater unb Sftutter, ©efdjmifter unb (Elternhaus. 

4. ©ie Strafte. 

5. linfere Statt. 

6. Unfer Sd)ulgarten. 

7. Sas gelb. 

8. Sie SBiefe. 

9. ©er SBalb. 

10. Sas Sorf. 

11. 93on ben 3a5resgeiten. 

12. SBon unferen Sötitmenfdjen. 

13. SBon unferer £eimat. 

14. linfere Stere. 

93et ben ^nfdjauungsübungen ift folgender ©ang $u be= 
ad)ten. ©er Sefyrer oeranlaßt bie Sdjüler, fid) über ifjre 2Bal)r= 
netjmungen mit eigenen ^Borten §u äußern, 3)abei nimmt er 
gern alles an, was fie bringen. Hm fie jebodji nid)i munbtot §u 
madjen, läßt er fie reben, wie ifjnen ber Sdjnabel getoadjfen ift. 
(Sttoaige Sprad)feI)Ier toerben nid)t fofort oerbeffert, fonbern erft 
bann, toenn bie ümblidje Mitteilung beenbet ift. 2Birb auf öiefe 
3Beife ein (Stoff burd)i bie Mitarbeit ber Sd)üler 'tjerbeigefdjafft, 
bann gefd)iel)t bas Orbnen unb Vertiefen ber ^BorfteEungen. 
2)aran fd)Iie§t fidj bas ^ergMcfyen unb SSerfnüpfen mit früheren 
3Bat)rnet)mungen forote bas ©etoinnen neuer begriffe an. 93ei 
biefer (Megenfyeit toirb aud) eine ©idjtung unb Klärung bes 
Stoffes oorgenommen. ^Darauf erfolgt bie Ausbeutung bes (*>e= 
roonnenen für bie SBilbung intelleftueller unb etf)if<fyer ^Begriffe, 



— 41 — 

wenn angängig mit §eranjiel)ung unb (£tnprägung paffenber 
<5prüd)iein oder 2krs<fyen. 2)as näd)fte Qul ift bte Übung in 
ber fpracrjiiäjen 9ii(i)tigteit unb möglicrjjt gufammenfaf(enber ^4Bie= 
bergabe. Swle^t erfolgt bas 2>arfteEen burd) S^t^^^n, 3RobeI= 
lieren, formen, 6täbä)enlegen, 2)ramatifteren ufro v unb roenn 
bie 6d)üier genügenb geförbert finb, burd) fdjjriftlidje ^luf§eid)= 
nungen. 2Bo es angebracht ift, tonnen entfprectjenbe 93etäügun= 
gen auct) fcfyon früher gur ^inroenbung fommen» 

Sernmittel. SDie meiften Lernmittel für ben $lnfcl)au= 
ungsunterricrjt roerben beim Kinbe unb in feiner unmittelbaren 
unb weiteren Umgebung §u fucrjen fein» 3m übrigen tonnen fol= 
genbe (fregenftänbe, SJcobeEe, 6ammlungen, $ibbilbungen gute 
2>ienfte leiften: ^uppenftube, ^infcrjauungsutjr, üerfd)iebene %fer-- 
geräte im 9Jcobell, besgleicfyen ipausgeräte, eine ©ammiung von 
öpielmaren, besgleicrjen oon ^laturprobuften, oerfd)tebene S8er= 
ferjrsmittel im SERobeIX, Siere aus §oI^ ober Hartpapier, ber 6anb= 
faften ufto. 

1. ©egenftänbe. 

Sammlung oon 51 6tii<f 6ad)en aus 'ißapiermadje, meig lädiert: 3'^ 
tpfel, Kirfa>, öemmel, Sfteft, brei ^Birnen, pflaume, SRübe, brei Spille, 3*= 
garre, kregel, Körbchen, Kartoffel, (Mode, Zitrone, oier Safein Unaialbucj)* 
ftaben, 9lagel, gtoei Kälwe, stoei Sacfoieget, '-ilpfelftne, Stpritofe, 33rot, ©ur!e, 
Ofen, (Brbfe, Sol)ne, gmei SBallnüffe, SJiiftill Der Sulpe, 6teinptlg, ©eige, 
§elm, £om, Sßantoffel, 6tiefeltned)t, ftmxebil, Käfe, W6l)xe, 6d)lüffel, 

20 6tüd 6pielroaren: ©Rüffel, 9lapf, 9*ing, (£imer, 2öafd)be<Jen runb, 
^Blumentopf, gxoet Seitern, Sftaö, Krug, Saffe, 2Bafd)beden ooal, Kaffeemühle, 
£obel, Kaffeelanne, ©iepanne, Seuajter, Srompete, Kreifel, 6cl)tebebo<l 

32 6tüd 6pielmaren: 6dj)eibe, haften in SBürfelform, brei= unb oier* 
feitiger Sifa), Sreppe, 35anl, 6tul)l, 6äulentifa^, £antel, Sonne, Straften, 
Uljrtaften, 5 en fterlreug, Küdjenfrfjran!, (gcffdjran!, Kegel, Sentmal, gelt in 
^nramibenform, Seit in Kegelform, Kirche mit Surm, Qu&exfyut, ©ef)öft 
mit 2Bol)ni)aus, 6taH, 6a)eune, ^Brunnenbaus, £unbel)aus, gtoei 3 au ne, 
ooale platte» 

Sammlung oon gtoölf oerfdjiebenen Sftufdjeln. 

3mölf Stüa* Spielwaren: brei ©eroitfjte, ßttermafj, £rid)ter, Kette, 
ameritaniftfje 9Zu§, Kugeltnopf, Sifdjdjen, Korb in SBalgenform, Korb in 
spnramibenform, Sienenforb, 

Hausgerät, 9Ber!geug unb Sßaffen. §ammer, 3 Q nge, 6äbel, 6pie§, 
6a)ilb, ganger, 35ogen unb ^3feil, 6a)leuber, ©emeljr, ^t 

93er?e^rsmittel. SRobell eines 6egelfrf)iffes, SCRoöefi eines 2)ampf= 
Riffes, SO^obell einer £o!omotioe, SRobeE eines (Bifenbaljnjuges, 3RobeK 
einer (Straßenbahn. 

SMcrbaugerätfdjaften, neuer 6a^ in smedentfpred^enber ©rö§e in 
Kiftc: ^Benbepflug, getoöl)nlid)er Spflug mit ^ffiagen, (£gge, SBalge, gurdjen* 
roalge, ^euerntetoagen, 5)refa)flegel, 9led)en, 6enfe, 6ia)el, Öd^aufeln, ^>eu» 
gabel. Mittlere Ausgabe. ®erfelbe 3n^alt etmas kleiner, ©ie Lobelie finb 
genau ben toir!licl)en ©erät[rf)aften entfpred^enb gearbeitet, alfo nid)t mit 
Spielzeug gu uertnedjfeln. 

^Infrfjauungs» unb Unterria)tsu^r. S^luf ipolj, mit 6tunben= unb 
Minutenzeiger nebft Sftäberroerf aus detail. 



-- 42 — 

©anbmobeUiertaften. ßöfflers ©anblaften. ©röfce 100:100 cm, mit 
#anbl)aben, innen mit 3wfblea) ausgeflogen. 

6ämtlid)e Sachen finb t)on S?oet)ler ober «oltfmar, £eipzig, gu be- 
ziehen. 

2. allgemeine 2lnfcf)auungsbtlber. 

3ur (Einführung ber 6d)toad)finnigen in bas Skrftänbnis oon 33U-- 
bern werben gute ©ienfte leiften: ©er Sbfteiner ilnterfctjeibungstaften. 
SBilberfammlung für Saubftumme oon &itt (Verlag oon $Uerfeburger in 
Leipzig), «oljnns neues SBiiberbucf) (Verlag oon 6d)reiber in (Efjlingen). 
©er ^ilberfoal für ben Sprachunterricht oon Orell ^üffti in 3ürid). £eft 1, 
4 unö 7. 6d)rei0ers ecfter s 4nfct)auungsunterria)t für bie Sugenö. 27 
SBilbertafeln in garbenbrucü mit ettoa 300 Elbbilbungen. SJIuf Sßappe mit 
Öfen. $trt, 9lnfct)auungsbilber: ©ie 3al)reszeiten. «ilbgröfee 131 : 100 cm. 
Verlag oon £irt in ^Breslau. — ^öljel, SBanbbilber für ben 5lnfa)auungs» 
Unterricht: ©ie Scujreszeiten. ^itbgröge 140 : 95 cm. Verlag oon $ö§el. 
in SBien. — ^afemann, $lnfcl)auungsbtlber: Sie $äf)xtö%t\Un. 33ilbgrö§e 
158 : 100 cm. Verlag oon Stofemonn in ©anzig. — Sd)toannfd)e ipeimat* 
bilber für ben 2lnfä)auungsunterrid)t. $ld)t farbige Slünftler=Steinzeia> 
nungen. «ilbgröfje 120 : 80 cm. ©ruppe 91 Stabt, (öruppe 33 £anb. 3cbe 
©ruppe auf ßeintoanb mit ©täben. SBerlag oon ©dnoann in Süffeiborf. 
— Strafcburger Silber für ben ^nfcfyauungsunterridjt: ©ie S^resjeiten. 
93ilbgrö|e 147 : 97 cm. Verlag oon ber Strafjburger ©rutferei unb 93er= 
lagsanftalt. 

3. Silber z u (Erzählungen, Sierfabeln unb 2R ä r d) e n. 

Silber mit beweglichen Figuren, um ^inbern mit Slffoziations* 
befeften ipanblungen in (Erzählungen anfo)aulio) näf)er ju bringen. 
©9*(&9CR. 9tr. 253 346. — 93on Saubftummenle|rer Sorenz (Eaffimir in 2Bürz= 
bürg. Qu begießen oom 93erfaffer. ftolQenbe. (Erzählungen finb oeranfd)au= 
Itd)t: ©er 5lnabe oor bem ^Ipfeltorbe. ©er alte Säger Sfoorifc unb fein 
6tar. ©er Stelzfuß, ©ie laf)me ^rau. ©er lluge £unb unb ber unoor= 
ficfytige 3Ri$eL ©er ©renzftein. ©er böfe Elbolf. ©ie beftraften 9Sogel= 
raub er. 93iene unb Saube. Sd)ön, fa^öner, am fdjönften. ©roß, größer, am 
größten. 93oct unb 3ßolf. £amm unb 2Bolf. ittofctje niäjt. — ©azu ge- 
hörige (Erzählungen, Einleitung unb 93rofd)üre: ,,©ie (Erzählung unb il)re 
35eranfcl)aulicl)ung unter 3 u !)tff e ttal)me oon Silbern mit betoeglidjen ftiQu* 
ren", Vortrag, gehalten in ber ßefyrmtttelausftellung auf bem 5. 9Ser= 
banbstage ber &tlfsfcl)ulen ©eutfcf)lanbs zu ^Bremen am 25. 26. unb 27. 
Slpril 1905, toerben beigegeben. 

^e^r=Sßfeiffer=^ull, Silber für ben 9lnfd)auungsunterrid)t ju ben ipeo* 
6pec!terf^en fabeln. «Bilbgröße 68:90 cm. 27 Silber. Verlag oon 
^ert^es in ©otf)a. 

Seemann, Sfteue 2öanbbilber zu £eos fabeln. 93ilbgröße 100 : 70 cm. 
10 Silber. Verlag oon 6ä)icf & So. in Leipzig. 

9fteinl)olb, ©eutfcbe 2Rärdjenbüöer. «Bilbgröße 75 : 105 cm. 14 «Bilber. 
SBerlag oon 9Jleinl)olb, ©resben. 

4. Sierbilber, 3Ber!ftättenbiIber unb «über 

für ben 9Ser!e^r. 

Se^mann=2eutemann, Sierbilber für ben Elnfa^auungsunterrid^t. 33ilb» 
große 66 : 88 cm. 18 Silber Verlag oon 3Baa^smut§ in Seipzig* 

SUlein^olb, |)anbmerlerbilber für Elnfa^auungsunterria^t unb §e?mat- 
lunbe. SBilbgröBe 65:91 cm. 10 «Bilber. 3u jebem «Bilbe ift aua) eine 
befonbere SBerfzeugtafel zu ^aben. 93erlag oon 2fteinI)olb, ©resben. 



— 43 — 

SBet!ei)rs= refp. ©roMtabtbtlber. SBtlb 7 unb 8 ber §irtfd)en %n= 
fd)auungsbilber ftellen ©roßftabt unb Seehafen bar. Stfus 3fteint)olbs SBil* 
bern für ben Silnfdjauungsunterridjt bringt '©üb 21 (Efyriftmartl: unb SBtlb 
26 SBedeljr auf bem ©resbener ^auptbafjnljof. SBtlb 5 unb 6 ber 6traß= 
burger ^nfdjauungsbilber ftellen bar Stabt unb ©täbteleben unb SBecfeljr, 
£anbel unb ©etoerbe. SBtlb 6 ber Sißindelmannfdjen neuen SBilber für ben 
^nfd)auungsunterrtd)t oeranfd)autid)t 2ftenfd)enr»erfef)r. 

2iteraturnad)toets. 

SB ö & e r , Über ben fyetmattunblidjen Stfnfdjauungsunterridjt in ben 
£ilfsfd)ulen. £ilfsfd). SBb. 3. 170 unb 187. — 5) e r f., ©ie £eimat unb ü)re 
Regierungen gu SBaterlanb unb SIBelt. ßeipgig 1915, SBerlag oon fi. £irt. 

— © i d i) o f f , 6 d) m i b t unb © o f d) , ©arftellenber $inf a)auungsunter= 
rid)t. äftit gal)lreid)en Sestgeidjnungen. Sangenfalga 1913, SBerlag oon 
Sxort!amp. — gudjs, ©ie ©roßftabt unb il)r SBerfel)r, SJlnfdjauungsftoffe 
für SBolfs- unb £tlfsfdjuten. SBerlin 1906, SBerlag non SIBaraed. — © a ß - 
mann unb 6 d) m i b t , ©ie gef)lererfd;einungen beim 9tad)fpred)en non 
6ä^en unb if)re SBegie^ung gur fprad)lid)en ©nttoidlung bes 6dml£inbes. 
£eipgig 1913, SBerlag non Quelle & Stflerjer. — föoffeleä, 3um S>lnfd)au= 
ungsunterrid)t in ber $ilfsfd)ute. #ilfsfd). SBb. 6, 1. — ü)runotg, ©teSBe- 
beutung bes Rilbes im Unterricht ber ücöroaa>n. ßangenfalga 1918. — ©ürt= 
ler, Naturgemäßer $lnfd)auungsunterrta)t bei ©eiftesfd)toad)en auf ber unter« 
ften 6tufe im SUnfd)luß a.i bie Sriebbetätigung. 3. f. SBel). 6d)to. 1911, 2. — 
3) e r f. , Sriebgemäßer (£rlebnisunterrid)t. (Ein SBeitrag $ur Sßrar,is ber ipeilpäb* 
agogtf unb ber Stfrbeitsfdmle. £alle a. 6. 1921, S0larl)olb. — £orrir,, 
©er $lnfd)auungsunterrid)t in ber £ilfsfdmle. 3» f* ^ e ^- ©djro. 1899, 6. — 
© e r f., SlBegtoeifer bttrd) ben £el)rftoff ber £ilfsfdntle. SBreslau 1914, SBer= 
lag non %. £irt. — © e r f., SBegriffsbilbung unb ©ebanfenausbrud in ber 
£ilfsfd)ule. Slftetfjobifdje 2ötn^e unb ausgeführte Sektionen §ur (Einführung 
ber £ilfsfd)üler in bas SBerftänbnis unb bie $lntoenbung ber SCRutterfpradje. 
SCRit gal)lreid)en SJlbbilbungen. £alle a. 6. 1921, SOtarfjolb. — Sctnfd), 
3ur Sljeorie unb Sßrajis bes mobernen SJlnfdjauungsunterrtdjts. Oftertoied 
a. ipar§, SBerlag non 3^fßlbt. — Kannegießer, Über bie (Enttoidlung 
ber $arbenEenntniffe unferer Slinber. 3- f» ^ e 6» 6d)to. 1906, 5. — K i e I = 
b o r n , ©er SHnfd)auungsunterrid)t. ©ie ipeimatfunbe. 3» f* Ktnbf. SBb. 4, 
42. — 5\ ü f) n e l , SJJcobemer S#rtfd)auungsunterridjt. Se^rproben mit metl)o= 
bifdjer SBegrünbung. £eip§ig, 5tlintf)arbt. — Otto, Natur unb SBilbbe= 
trad)tungen mit ipilfsfd)ülent. ©er fjeilige ©arten, ßeipjig 1910, SBer= 
lag non Scfyeffer. — S)3 i p e r , ©er S>lnfd)auungsunterrid)t. 3* f» 93ef)» 6d)to. 
1891, 6. — SH ö f f e l , ©as Stfnfdjauungsbilb im Hnterria^te abnormer S\in-- 
ber. 3- f» Kinbf. SBb. 15, 361. — 6djarrelmann, ^lus meiner SIÖer!= 
ftatt. Spräparationen für ben 9Jnfd)auimQsunterrid)t unb ^>eimat!unbe. 
ipamburg 1909. — 3nngen = Sa^enf, SJlnfdjauung unb ^tnfa^auungö^ 
unterridjt bei Sa^toad^befä^igten. (£n§. ^>bba^., 6.55 ff. .^aUe a. 6., Sfftarljolb. 

— 6 ä) o b e r , ipeimatftmblid)er SJlnfdf)auungsunterria^t. (£benba 6. 70 ff. 

— 6tär?e, QxeQlex unb 6 d) n a i b t , saus ber Sßrajis. ^Infa^auungs^ 
unterridjt. 3- f» ®c^. 6d)to. 1906, 7=8. — Streng, SÜtoberne ^>eimat!unbe. 
1. 6dmljal)r. 40 ausgeführte ße!tionen nebft 3eiä)mmgen. SBetn^eim 19! 
SBerlag oon SJldermann. — SB o g e l , ©ie ^anbbetätigung im 9lnfd)auimas-- 
untetridjt. S^lnnaberg 1908, SBerlag oon ©rafen. — SJBieber^e^r, ©er 
6ad)-- unb 6prad)ttnterrid)t im erften 6a^ulja^r. SRann^eim 1913, SBerlag 
oon SBensfjeimer. — SIB i n t e r , Säglia^e Übungen. Jpilfsfrf). 1914, 5, — 
SBSintcrmann, ßef)rplan für ben SHnfa^auungs= unb fjeimatfimbltdjen 
Unterridjt einer breülaffigen £ilfsfdmle. 3- f- ^^- 6c^m. 1897, 6--7. — 
SB i s l e r , ©er 9lnfd)auungsunterrid)t in ber ^ilfsfd^ule unter ©erücffidj* 
tignng ber mobernen SBeftrebungen. ^ilfsfd^. SBb. 1, 49 unb 65. 



— 44 — 

c) §etmatfuttbltri;er Unterricht. 

^luf ber 9ftittelftufe erweitert fid) aus bem Q>efamtunterrid)t 
bei ^nfdjauungsunterridjt gur £eimat£unbe. Sttefe biibet 
bic Brücte oom $lnfd)auungsunterrid)t gum Unterricht in ben 
Realien unb erftredt fid} auf aEes bas, was man mit bem 2Borte 
„|>eimat" begeidjnet. 3n metfjobifcfyem ©inne üerftefjen roir unter 
Heimat ben (Erbraum, in bem bas (Erfatjrungsleben bes 51'tnbes 
wurgeli. 5)ie ipeimaifunbe röirb bemnact) bie engere unb weitere 
£eimat in geographica er, naturfunblia)er, ge]d)id)tlid)er unb 
lebensfunblidjer Begiefjung umfaffen unb ifyre Befanntfctjaft nad) 
biefen ®efid)tspunften gu vermitteln fudjen. Bemerfenswerte (£r= 
eigniffe unb Erfahrungen aus bem 2tbm ber <5d)üler finb mit 
in bie Befpredjungen gu gießen. 

Sie tjeimatfunblicfyen 33efpred)ungen ge^en com 
6ä)uII)aufe aus unb erweitern aEmätjlid) ben SBlid über ben 6d)ul= 
ort unb feine Umgebung ufw. 2)ie 6d)üler follen hierbei bie £et= 
mat an fid) unb in ifjrer 2Bed)felbegiet)ung gur £ier= unb Sßflangen= 
weit, gum £eben ber 9Jcenfd)en in elementarer 28eife fennen lernen, 
aus ben empfangenen Ginbrüden BorfteEungen unb Begriffe ge- 
winnen, Urteile bilben unb 6d)lüffe gießen unb fo burd) eine 
finnige Betrachtung ber §eimat gur ipeimattiebe gelangen. 

3>ie naturl unb liefen Befpredjungen werben fid) an 
bie burd) ben f)eimatftmbtid)en Stoff gegebenen „2ebensgemein= 
fcfyaften" anfcfyiiefjen unb fid) nur auf eine befcfyränfte $lngai)l oon 
Sftaturwefen erftreden. 5)ie Belehrungen finb in anfd)aulid)er unb 
gang elementarer 5°^^ h u geben unb fo gu geftalten, baj3 fie ge= 
mütbilbenb toirfen unb ben 6d)ütern 2hbt gur SRatur einflößen. 

2)ie gefd)id)tlid)en Befpredjungen werben fid) gunäd)ft 
nur auf einen 6toff begießen, ber fid) gang auf heimatlichen Boben 
aufbauen lägt. Baterlänbifdje 5 e ftf e ie rn / gefa^id)tlid)e ©egen= 
fränbe, ©enfmäter, ©ebäube, Silber finb gum $lusgangspunfte ber 
Belehrungen gu wählen unb burd) ergängenbe 931ttteilungen bes 
£el)rers gu oerooEftänbigen unb gu beteben, $lud) lönnen f)eimat= 
!unblid)e (Erzählungen unb 6agen herangezogen werben, bod) mu§ 
bie fprad)lidje 2)arfteEungs= unb $lusbruds weife bem $lnfd,au= 
ungsfreife ber 6d)üler angepaßt werben unb gang elementar ge- 
halten fein. (Eine gwedmäfjige Berüdftdjügung ber räumlichen 
unb örttidjen Berfyältniffe wirb triel gum Berftänbnis beitragen. 

5)ie lebensfunbtidjen Befpredjungen begleiten bie 
fyeimatfunblidjen unb bieten ben 6d)ütern bie einfachen Befet)-- 
rungen über foldje Einrichtungen, bie fie täglid) matjmetjmen ober 
benutzen, ober gu benen fie fonft in fyäufige Begieljung treten, ©er 
Betjanbiungsftoff wirb fid) auf folgenbe ©ruppen erftreden: 2Bof)= 
nung, Neigung, Beleuchtung, Ernährung, Betreibung, Arbeit, 
&auf, Berfef)r, SBitterung ufw. (Ergietjung gu einem lebensflugen 



— 45 — 

Behalten foE erftrebensmertes Qid fein. 3ius ber anfdjaulidjen 
Be'tyanblung fbnnen Sliugl)eits= unb Berfjaltungsmajjregeln ge= 
toonnen werben, bie in fnapper 3 u fa m we n f°ff un Ö gegebenenfalls 
aud) (£inprägung finben bürfen. 

%ls päb agogifdje 3ftaj3naf)mcn für ben gefamten f)ei= 
matlidjen Unterricht fommen in Betradjt: Unterrid)tsgänge, Be= 
fudje, geidjner'ifdje 2>arfteIIungen, Sätigfeitsübungen, $irbeits= 
Unterricht, arbeiten im 6anbfaften ufto. 

2)er erarbeitete 6toff ift nad) 9Jiögiid)£eit gut Vertiefung unb 
Befeftigung allen Unterrid)tsftoffen bienftbar §u machen. Weben 
ben allgemein geltenden ©runbjätjen für ^lusroal)! unb $inorb-- 
nung bes 6toffes finb !)ier nod) folgenbe C&eficfytspunfte gu be= 
ad)ten: 

1. Sic ^ustoaljl bes Unterrid)tsftoffes ift fo $u treffen, bafj 
bie 6d)üler burd) 6eIbftbeobad)tung gum (Selbftfinben unb 
6elbftmad)en oeranlaßt unb gur weiteren Betätigung ge= 
nötigt werben. 

2. 3>ie $lnorbnung bes Stoffes f^at nad) beftimmten metf)o= 
bifdjen (£inf)eiten p erfolgen, bie natürlichen, lebensvollen 
©ruppen entfprecfyen unb ben S^inbern feelifd), räumlid) 
unb ge'ttltc^ oerftänblid) erfdjeinen muffen. 

ßtteraturnadjroeis. 

93öder, Über ben fjeimatfunbltdjen $tnfd)auungsunterrid)t in §ilfs= 
faulen. £üfsfd). 93b. 3, 170, 197. — S e r f., 2>te Heimat unb if)re ^ie* 
jungen gu SBaterlanb unb 2Belt. Seipgig 1915. — ipenn, 2)ie ©arten» 
arbettsfdmle. 5ßom. ^Blätter 1921, 14. — ©er f., Sie ©artenarbeitsfdjule. 
Breslau 1921, g. Jptrt. — ßangermann, 2)er (Brgteljungsftaat uad) 
6tein=gid)tefd)en ©runbfä^en in einer £üfsfdmle burdjgefüfyrt. 93erlin= 
ßefylenborf 1914. — Sfttbbelborf, 5)as ^etmatprinjtp im $tlfs[rf)ul* 
unterrid)t. 33er. üb. b. 9. SBerb. b. £. 3). 6. 100. — Sß r ö d) 1 , 5)er fyetmat* 
hmbltdje 6admnterrtd)t auf ber Xlnterftufe ber 93oIJsfd)uie. $rog 1913. 

d) Ser geograp!)ifd)ß ttnietndji 

$Ius bem l)eimatfunblid)en Unterricht enttoidelt fid) ber geo= 
grapl)ifd)e, ber bie Befpredjungen über bie Ijeimatfunblicfyen Sftaunv 
gebiete allmöljlid) p Belehrungen über bas Baterlanb unb bie 
JJrembe erweitert. 6ein ^auptgtoed befielt barin, bie 6d)üler 
mit ber (Erbe als ifyrem Slöoljnfiöe einigermaßen befannt gu madjen. 
3)aburd) fommt biefer Unterricht bem natürlichen Bebürfniffe ber 
ipilfsfd)üler entgegen, benn aud) in ifynen regt fid) ber Srieb, bas 
gu erfunben, was fie umgibt. 5 erner aoer entfprid)t er praftifcfyen 
Bebürfniffen. 2)ie SRenfdjen ber oerfdjiebenften (Erbräume ftefjen 
Ijeute in mannigfachem Berfel)r miteinanber. 'SUud) unfere 6d)üler 
ijören oon naljen unb fernen ©tobten, Bölfern unb ßänbern, Be- 
gebenheiten, (Ereigniffen ufro. fpred)en. 6ie muffen alfo aud) bar= 
über roenigftens ettoas erfahren unb fid) besljalb ein geroiffes, 



— 46 — 

wenn aud) befd)ieibenes 3Jiaß biefer Slenntnifle erwerben, 2Ke 
(öeograplne ftelit ^en 6d)ouplat) bex <Beifd)td)te bar, ofyne beffen 
Kenntnis «bie ö>efd)id)te nicfyt recfyt oerftanben werben tann. 6ie 
belebt bas 3ntereffe für bie Heimat unb werft baburcfy Saterlanbs-- 
liebe, 6ie lentt ben SBlid ins 3$eite unb erwärmt bas |>er§ für 
bas (Droße unb Schöne, Sie fd)ilbert bas 3£unberbare unb &r-- 
fyabene bes 5Öeltaßs unb fütyrt gu ©ott, beffen Söofynfiö ber Him- 
mel ift 

5ür ibie ^uswarjl ber einzelnen Stoffe foE bie Jaffungstraft 
unb bas praftifdjje SBebürfnis ber Sd)üler maßgebenb fein. 3nx 
wefentlicfyen wirb ber Unterricht einem erweiterten fyeimatfunb- 
lid)en ^nfcrjiauungsunterricfyte gleichen unb ftd), ber mangelhaften 
Veranlagung unferer Scfyüter Rechnung tragen!), trieter §ilfs = 
"mittel bebienen, 2)ie Hilfsmittel werben fowofyl ber Veran-- 
fcfyaulicrjung geograpr/ifcrjer ©egenftänbe als aud) ber ^Belebung bes 
Unter xid)jts unb ber (Erleichterung bes Sernens bienen, (Es !om= 
men hierbei in Betracfyt: Ausflüge, Reifen, ^aturergeugniffe, 
plaftifcfye Hilfsmittel, bas Qtifymn, grapr)ifd)e unb literarifd)e 
Hilfsmittel. 

Ausflüge unb Steifen ftefyen unmittelbar im 3)ienfte 
ber geograprjifcfyen ^Beobachtungen, 6ie muffen besfyalb I) auf ig 
unternommen unb §um ^lusgangspunft ber ^Belehrungen ge= 
mad)t werben, 2>aburcrjj erhalten bie Schüler eine anfcfyaulicrje 
(örumblage, fo baß iljre Sßrjantafie aud)i weiterhin einigermaßen 
ptreffenbe Silber wirb fcfyaffen fönnen, 

3>er unmittelbaren Veranfdjiaulidjnng bient ferner bas $eran= 
äiefyen oon ^aturer^eugniffen, Sobalb man merft, baß 
Raturergeugniffe, bie ber Unterricht be#eid)net, ben ^inbern un= 
befannt fimb, follen fie in 9latur ober im Silbe gezeigt werben, 
wie §; 93. SJUneralien, ^flangen, Siere, ^Ibbilbungen oon $ften- 
fdt)|en ufw. 

Sefyr gute 3>ienfte werben p I a ft t ! f d) e Hilfsmittel bem 
erbfunblicfyen Unterricfyt in ber Hilfsfcrjiule leiften, $ln erfter 
Stelle ift hierbei ber Sanbfaften §u nennen, beffen 0ebraud)i für 
unfere Sw^cfe gerabegu ein unentberjdid)es Hilfsmittel barfteEt. 
Sei ben arbeiten im Sanbfaften erhält ber Scrjüter eine äußetft 
wirffame Seranfcrjaulicrjungj unb tann burcrj $iugenfd)ein unb 
Betätigung unmittelbare ^Infcrjauungen unb SorfteEungen ge- 
winnen, Weitere plafttfdje Hilfsmittel, bie in gegebenen fallen 
Serwenbung finben tonnen, finb bie Reliefkarte unb ber ©Tabus, 

2>as ßctdiitien wirb ebenfaEs eine große Rolle im geogra= 
prjifdjen Unterricht ber ^ilfsfdjiule fpieten. $ln ber %>anb ber 
arbeiten im San'bfaften läßt ber ßetyrer allmäpd) 6!iggen ober 
^artenbitber einer bargeftellten ßanbfdjaft ufw, entfielen unb 
veranlaßt bie 6c^üler p einer entfprecrjienben Rac^^eid)nung> 
2>iefe Übungen werben ftufenweife fortgefefet, fo baß bie Scrjüler 



— 47 — 

bei [ieigenber gertigleit in ber ©arfieEung fict> aEmäfylid) iljre 
eigenen $eranfcrjaulid)ungsf£iföen unb harten erarbeiten. 3>urd) 
anfcfyaulidje 93efpred)!ungen unb Sdfyilberungen können alsbann 
praftifd) wichtige (Ergebuiffe gewonnen werben, ©egebene 23e= 
gierjungen roerben als ^pperäeptionsijiifen benagt. 93ei 9Bieber= 
fyolungen oermögen bie StH^en unb 3eid) nu ngen wertüoile ©ienfte 
$u leiften. 

3u ben grapfyifdfyen Hilfsmitteln gehören San bf arte unb 
mitlas. S)iefe Hilfsmittel geben jebod); nur ben ©runbriß ber 
Objefte an, alles übrige [teilen fie burd)! Spmbole bar, bie eine 
mefyr ober weniger mittelbare Seidj'WifptftHfye bebeuten. Deshalb 
muß bie Hilfsf^ule barauf bebaut fein, bie (Einführung in bas 
^krftänbnis bes Slartenbilbes mit peinlidjer Sorgfalt unb l)anb= 
greif lidjer Älarfyeit §u o ermitteln. 2>ie Herausgabe eines §ilfs= 
fdjulatlaffes fowie bie 93efd)affung einiger Hüf&fdjjiulfarten wäre 
in (Erwägung gu gießen. %xi tiefer Stelle finb aud): SBilbwede, 
SBilberatlanten, "iUbbilbungen in 93üd)iern, ßidjtbilber unb Sd)ul= 
ftereoffopbilber gu erwähnen. Sie roerben ebenfalls fyäufig mit 
Vorteil #u gebrauchen fein, 'ftamentlict) ift bie $infd)affung einiger 
Stereoffope mit geograpl)ifd)en Silbern fefyr roarm §u empfehlen. 

ßiierarifctje Hilfsmittel finb bas Seljrbuct) (Seit» 
faben), bas £efebud)i, ^teifebefdtjreibungen unb geograpfyifdje (Et)a= 
rafterbilber. S)ie üorljanbenen 2el)rbüd)ier (ßeitfäben) paffen 
burct)weg nid)t für bie 3we<fe tei H^M^ule, ba fie weit über 
ben ©efidjtslreis unferer Sdjüler l)inausgel)en. ©asfelbe gilt 
oon ben meiften 9fteifebefcr)reibungen unb geograpl)ifd)en (El)ara!> 
terbilbern. 2)od) roäre bie (Erarbeitung unb 33enuj3ung eines 
geograpl)ifd)jen ^fterfbücfyleins nid)t oon ber §>anb gu weifen. 5)as 
2efebud)i ift, infofern es ©arfteHungen aus ber (&eograpl)ie ent- 
hält, ebenfalls Ijeranäujieljen, bamit bie Sdjüler ben befyanbelten 
Stoff aud) in einem anberen ©ewanbe fennen lernen als in ber 
fdjulgemäßen Darbietung bes Unterridjts. 

3ur $inorbnung bes ßeljrftoffes ift noct) folgenbes 31t 
bemerken. Die H^imütfunbe bilbet bie SBorftuf e bes gefamten erb= 
funblidjen Unterridjts. (Erft im trierten Hilfsftfyuljaljr fefet ber 
eigentliche geograpl)ifd)e Unterridjt ein. (Er wirb inbes in feinem 
weiteren Verlaufe bas, was bie Heimat bietet, gu oerwerten fudjen, 
fo baß fid) alfo bie H^imatfunbe aud) auf bie übrige Unterritfyts-- 
geit oerteilt unb möglidjft auf alle Unter ridjtsfäd) er erftredt. 3n= 
fofern ift bie fyeimatiunbt bei uns nidjt nur Unterridjtsfad), fon= 
bern fie gewinnt aud) bie 23ebeutung eines Unterrid)tspringips. 
Diefer iljrer Doppelbebeutung muß bie §ilfsfd)'ule weitgeljenbe 
9ted>nung tragen. 

Die 'ülnorbnung in ber Darbietung ber ßeljrftoffe fann in 
oerfdjiebener 2Betfe ober nad) oerfd)iebenen 9J^et1)oben erfolgen. 



(, 



— 48 — 

Sür Me |)ilfefd)uie fommt Ijauptfädjltc^ bas fgntrjetifcfye ©erfahren 
in SBetraäjt, ba biefes einem natürlichen gortfäjreiten oom &in= 
facfyen gutn Swfömmengefeöten, t>om Taljen gum gernen, gerecht 
wirb unb fomit ber Eigenart unferer bä)üler am meiften ent= 
fpridjt. 

©er Unterrid)t töirb bemnad), toie bereits erroäljnt, bie brei 
großen Qkbiete umfaffen: £>eimathmbe, 9Saterlanbsfunbe unb 
:ltfunbe. Sie SQßenge bes 6tof|es aus ben beiben legten 
28iffensgebieten toirb ftd) nur von gaü gu gall beftimmen laffen. 
Süßafjgebenb in biefer SBegietjung foE ber jeweilige (5tanbpun£t ber 
6ct)üler unb ber föefidjtspunft einer forgfcütigen SSefyanblung {ein, 

1. © e g c n ft ö n b e. 

Sanbtaften ptn SarfteHen ber Jjeimathmöltcfjett Sftaumoerljältniffe 
ufm. oon £öffler. ©röfte 100:100 cm. äftit &anbt)aben unb innen mit 
3in£Metf) oerfet)en. — Sammlungen gur §eimat= unb (£rbtunbe aus 9catur, 
©etoerbe unb Snbuftrie ber oerfd)iebenen in 93etract)t fommenben (Erb- 
räume, ©af)in gehören bie £änbergaben oon kaufet). 1. £änbergabe: Ser 
Sfyürtnger 2tfalb. 21 Hummern. 5. ßänbergabe: 2)er 93altifd)e £anbrütfen. 
19 Hummern. 17. £anbergabe: £>eutfcl)ianb. 75 Hummern in brei SUften. 
iloloniaifammlung für einfache •Sdnüoerpltniffe non kaufet) in Stifte. 
9ielieferbgioben oon Sänge ober Schotte. Sftelieffarte oon 2)eutfd)Iaub. 
60 : 60 cm in SRcüjmen unb 5Ufte. — Sdmlftereofrope für ben £anbgebraud) 
nebft Stereoftopanfid)ten. 3n einfacher unb facbiger $lusfül)rung. Set)r 
reichhaltig. — Sellurium. Schotte, Sdjultellurium mit Sunarium ufm. — 
3u be§. t?on 5toeI)ler in fieipgig. 

2. harten. 

Rummel, SBanbtafel gur (Einführung in bas 5lartenoerftänbnis. 3n 
trier Slott, auf Startenleinmanb vielfarbig gebruclt. 

S)as 6d)uläimmer im Stufrifc. 2)as Sdutigimmer im ©runbrifc. 2>er 
Sßlan fämtlicfyer Sdmlsimmer. Sie $lnftaltsgebäube mit näct)fter Umgebung: 
a) Sftobell, b) Situationspian. Sßlan ber 6tabt ober bes ©orfes. ©as 
Stabttbappen. 9Jlobell bes Strafjenburdjfdmttts. ^arte bes Greifes unb 
ber ipeimatprooing. — ©iefe Hilfsmittel toerben am beften oon ben £el)rem 
fyerguftellen fein. ipeimatsrarten ber ^ßroüinjen finb burd) bie SBud)i)anb= 
lungen gu begießen. 

^Bamberg, öftlidje $albfugel. Sßl)t)fitalifd) mit rot marfierten politi- 
fdjen ©rengem iufgegogen mit Stäben. — 2öeftlid)e £albfugel. (Ebenfo. 
— ©iefelben billige Ausgabe. Sßl)t)fii£alifcl) mit Politikern 5^c§en!olorit, 
öftlid)e unb meftlid)e ipalbrugel, jt>"e Starte auf £eintoanb mit Stäbchen. — 
©eutfd)lanb unb feine 9iad)bargebiete. $üx ben erften Sturfus. ^Billige 
Ausgabe für einfache Scfyuloerpltniffe, p^nfifalifd), mit (£ifenbal)nen unb 
S)ampf erlinien in 9totbru<l 1 : 750 000, 160 : 175 cm, mit rot marfierten 
©rengltnien. 9luf gebogen mit Stäben. — (Europa. Sß^tjfüalifd) mit roten 
politifrf)en ©renken. 5luf Seintoanb mit Stäben. 

©aebler, (Suropa, fleine Ausgabe für einfache ßanbfdjulen, mit politi= 
fdjem koloriertem ©elänbe in grauer Schummerung. 'Slufgejcgen mit 
Stäben. — 3)eutfcl)es SRtiä), ^llpengebiet unb SRadjbarlänber, pfjrjftfalifcl), 
a) mit roten ©renglinien nur bes 9fteid)es unb ben Sfteerestiefen, b) mit 
ben ©renken ber einzelnen beutfd)en £änber unb preuftifdjen ^ßrooingen, 
1:800 000, 206:183 cm, aufgewogen mit Stäben. 

iparms, Sd)ulmanblarte oon ©eutfdjlanb, in plaftifa^er Serrainmanier 
mit £öl)enfärbung unb in Übereinftimmung mit ber 93aterlänbifd)en (£rb= 



— 49 — 

funöe unb bem neuen Sdjulatlas bes 93erfaffers. Ausgabe % pf)t)fitaltfd)= 
poitiifd), 1:700 000, 200:210 cm, rol) unb aufgesogen mit Stäben. $lus-- 
gabe ^, pf)t)fttaii|d), aufgewogen mit Stäben. 

5\uf)neri=£eipoibt, ÜSanöfarte oon Spaläftina gur 3"* CQ&riftt, auf 
©runb ber neueften Jorfajungen bargefteüt nad) ber reinen Sfteüefmetfyobe 
mit iintsfcittger 93eleud)tung unb Sa)attentonftruiEtton. Stftit einem Profil 
burd) tyaläftina in ber 9tid)tung oon &$eft nad) Oft über 3etufaiem mit ^ln= 
gäbe ber entfpredjenben £id)t= unb Sdjattentöne unb mit einem Sjilane oon 
$Ut=3erufalem nebft ausführlichem Segte. 135 : 200 cm, 1 : 150 000, rol) unb 
aufgewogen mit Stäben. — gu beg. o. 5loel)ler ober SBolcfmar in ßeipgig. 

3, $lnfd)auungsbtlber. 

£ölgel, ©eograpl)ifd)e (Et)ara!terbüber. 46 93latt, fd)ulfertig. — £ef)= 
mann, (öeograpljifdje (Eljaratterbilber. 63 Silber, fd)ulfertig. — 9ßeiöe 
Sammlungen jtnö fefjr reichhaltig; bie $lusmaf)l toirb naa; ben jetoeilig in 
SBetradjt tommenben örtlichen -tftoüqniffen gu treffen fein. — 93oigttänoer, 
SÜßirtÜd^eitsbitber. (&ro§e farbige 2BanbtafeIn, 10 Silber, fdjulfertig. — 
Seemann, 5)ie 9JZenfct)enraffen. 3n fünf (£f)aral;tertopfen, buntfarbig auf 
einer Safel, fdmlfertig. — 3Mnfd)e, £anb unb 2eben. G>eograpf)ifd)e &tanb= 
büber. grünf Serien, fdjulfertig, 9ßeriag oon Meutert unO Sajnetbetotnb, 
Bresben. — £eimatbilber beutfd)er Kunft. 20 Silber in ©röge oon 
42 : 60 cm. Verlag oon Seutert & Sdjneibetoinb, Bresben. 

ßiteraturnadjtoeis. 

$1 b a m , Wittes toie bei uns. (Einführung ber Slinber in bas ^arten= 
oerftänbnis. ßetjrmitteltoarte f. l)eilpäb. Spulen unb 3inft. 1909, 3. — 
95 a l b r i a n unb Ä o l a r , (Erbfunbe für bfterreid)ifd)e 2aubftummenan= 
ftatten. 3Bien 1904, 93erlag bes I. t. Sd)ulbüd)eroerlags. — 93 ö & e r , 
(Einführung ber £ilfsfd)üler in bas Kartenoerftänbnis. £ilfsfd). 95b. 9, 
109 ff. — 2) e r l i e n , £eimatlunbe in ber £üfsfcf)ule. 3* f* ^d)* Scfjto. 
19015, 4=5. — (ööbelbeder, 9Bie id) meine kleinen in bie £eimat£unbe, 
ins £efen, ©abreiben unb S^edmen einführe. £eipgig 1914, Verlag oon 9ßem= 
nid). — £ o r r i % , Realien in ber £ilfsfd)ule. 3* f* 93e§- Sd)to. 1906, 10=11. 
— Sftarquart, ipeimatfunbe — $lrbeitsfdmle. ßeipgig 1914, Verlag 
oon Seubner. — furnier, (Erfahrungen auf 933anberfat)rten mit Sd)xoad)= 
finnigen. 3« f* ^ e Ö» Sdno. 1915, 6. — 6 d) ü I e , 2)as freie 95eobad)ten. 
(Ein Beitrag gum I)eimattunblid)en Unterricht auf ber £ilfsfdmIoberftufe. 
£itfsfct). 1915, 4. — S 1 ä r f l e , 3um ß>eograpIjieunterrid)t. £ilfsfd). 1917, 
5. — Streng, 2Kobeme £eimattunbe. (Erftes Sdjuljaljr. 40 ausge-- 
füfjrte Sektionen nebft Segnungen. 2Biesbaben 1913, Vertag oon 2Ider= 
mann. — 933 i b m a n n , 903ie id) bie Sd)üler ber £ilfsfdmle auf ©runb 
ber £anbfertig!eit in bas 93erftänbnis bes 5lartenlefens einführe, ifteue 
95al)nen 1910=11, 2. — 933 i 1 1 p o t f) , 5)er Spaziergang im ©ienfte bes f)ei= 
mat!unblia)en Hnterrid)ts auf ber Oberftufe ber §ilfsfd)ule. §ilfs)a) 
1914, 11. 

e) ®er naturfunbitc^e Unterridji 

5)cr naturfunblidje Unterridjt in ber £üfsfd)ule ift ebenfalls:» 
eine 5 0rt Wrung bes fyeimatfunblidjen ^Infd)auung5unterrid)t5 
mit ber 3ieUtellung, bte6d)üler mit einer befdjränften ^lngaf)! 
bebeutungsooller unb roidjtiger 9Raturt e örper unb =erfd)einungen 
befanntgumadjen, tl)nen nad) SORaggabe iljres SSerftönbntffes unb 
tljrer griftigen gaffungsfraft (Einfid)t in ÜBefen, 3Bert unb 3"= 
famment)Qng berfelben gu oermittetn, fie in befd)eibener 3Beife bie 
SRenfdjen in iljrem $erl)ältnis jur 9Ratur fennen gu lehren, unb 



— 50 — 

baburcfy nid)t nur auftlärenb, fonbern aud) gemütbitbenb unb 
fittlidj anregenb auf fie etnfturoirfen. 6ie follen greube an ber 
Sftatur finben, ^cfytung oor frembem ßeben unb 6ein erlangen 
unb &rjrfurd)t oor ber $iümad)t, '2&eisfyeit unb ©üte bes 6d)bp= 
fers im bergen empftnben. 

2>er finnlid), getftig unb fprad)lid)i befcfyränften % a f f u n g s -- 
f r a f t ber Sdjüler entfpredjenb, roirb ber naturfunblidje Unter= 
rtd)t bie burcfy ben fyeimatlidyen 6toff gegebenen „ßeben5gemein= 
fd)aften" §um ©egen jtanbe feiner 33efpreci)ungen unb SBefyanbiungen 
mad)en unb fid) im toef entließen an ben Verlauf ber 3afyres3eiten 
anfliegen, natürlich mit 93erü<ffid)tigung ber jeweilig gegebenen 
räumlichen SBerpltniffe. 3luf ft)ftemaiifd)e Überfielt unb toiffen= 
fd)aftlid^e ©rünblid)feit barf er rufyig oer#id)ten, bafür wirb er 
aber bie Scfyüler mit ifyren ßebensbebürfniff en in bm Sßorbergrunb 
ftetten unb fie insbefonbere $u reifer ^8orfid)t gegenüber allem 
6d)!äblid)en unb entfprecfyenber ^luenu^ung bes ©uten anleiten 
muffen» ■<£& wirb in ber §Ufsfd)iule aud) nidjt möglicl) fein, auf 
ben 3wfantmen:!)attg ober auf bie 2Bed)felwirfung oon ^Ratur= 
erfcfyeinung, ^Raturlraft unb ^aturgefe§ eingugeljen. 3)as finb 
3)inge, bie über bie gaffungst'raft unferer Sdjüler meift fyinaus= 
gefyen. 9htr mas ber $iugenfd)ein geigt unb bie £anbgreiflid)leit 
ober 3krunfd)aulid)ung Earlegi, mag nad) biefer Seite fytn $ur, 
33efpred)!ung unb (^rfdjliefrung, bes 9Serftänbniffes geboten werben. 

2)er naturfunblicfye 6 1 o f f gibt 93ef djreiibungen oon Sieren, 
^flangen unb Stftineralien. 3nuerl)alb biefer (Gebiete werben 
foldje Siere, Sßflanjen unb Sftineralien ausgewärjtt unb gur 93e= 
fyanblung gebraut, welcfye ber fyeimatltcrjen Statur oorwiegenb bas 
cfyarafteriftifcrje ©epräge oerleifyen, in praftifdjer ober ibeeßer 93e= 
jiefyung jum 9Jlenfd)en ftefyen unb für btn ^ausljalt ber Sftatur 
felbft oon befonbers weittragenber SBeibeutung finb, ^uslänbifcrje 
Sftaturtorper finb nad) benfelben Q>efid)tspunften in befdjränfter 
Söeife auszuwählen unb §ur SBefyanblung fyeranpgieljen. §in= 
reicfyenbe Kenntnis bes menfd)lid)en Körpers, namentlich für bie 
Swecfe einer oernünftigen ©efunbfyeitspflege, ift ebenfatts $u oer= 
mittein. ßbenfo ftnb biologifcfye ^Belehrungen, foroeit fie in an-- 
fcfyaulidjer 3Beife bem SBerftänbnis ber 6d)üler erfcfyloffen werben 
tonnen, in elementarfter 3)arfieliung gu bieten, tius ber 9tatur= 
leljre unb (Eljemie mirb nur bas ^lllertoid)tigfte ^eranjugie^en fein, 
unb §toar baoon nur foldjes, bas fid)i in red)t anfdjauli^ier 3öeife 
oorfüljren unb beljanbeln läßt unb für bie ßebensuerpltniffe ber 
6d)üler unbebingt notroenbig erfdjeinL 5)ie Urfadjen bes ©e= 
fdjefyens unb ber t)erfd)iebenen 2Bed)felrDirlungen auf§ufud)en, 
roerben mir uns uerfagen muffen. 33eobad)tungen oon SRatur-- 
erfd)ieinungen, praftifdje 6(^ülerübungen, ber ©ebraud) oon oer-- 
fd^tebenen Sammlungen, 3eiö)nungen, ^Ibbilbungen unb geeig= 
neten ^paraten roerben gute 3>tenfte leiften. 



— 51 — 

Bei ber Beljanblung bes 6toffes finb oornetjmlid) brei 
fünfte in Betracht gu jieljen: SHe Beo b a dt) tung, bie 33 e = 
fpredjung unb bie $1 n e t g n u n g. SHe Beobad)tung ift mit 
allen Mitteln anzuregen; barum toerben alle nur irgendwie er= 
reizbaren Beranfdjauiidjungsmittet t)eran§uftief)en fein.» häufige 
Unterridjtsgänge, regelmäßige Beobachtungen mit 6teEung oon 
Beobüd)tungsaufgaben unb Kontrolle berfelben, Befucfye, Ber= 
fudje, Übungen, ©emonftrationen, Bettungen, plaftifd)e 2)ar= 
ffcellungen, arbeiten im (äanbfaften ufto. toerben bie Beobachtung 
mirffam unterftüfcen. 2)ie Anlage oon 6d)iulgärten, gutter-- 
pläfcen unb Brutftätten ift bringenb &u empfehlen» (Ebenfo toer-- 
ben 6d)ulaquarien, 3immergetoäd)fe unb Sammlungen oerfd)ie= 
bener ^rt für Beobachtungen unb Belehrungen gtoecfmäfrig er= 
fdjeinen. 

Bei ber B e f p r e d) u n g finb bie toidjtigften SBörter an bie 
Safel anäufdjreiben; fie bienen nadjljer als ^ntjaltspunfte unb 
6tid)toörter für bie Sufammenfaffung, 9taturfunblid)e 6li^en= 
ober 90terfbüd)lein roerben fid) für bie 2Biebert)otung nottoenbig 
ertoeifen. 3)ie Aneignung mu§ abfolute 6id)erl)eit als ftänbiges 
Siel im 'iUuge behalten. Bei 3öteberf)olungen roerben etroa neu 
auftretenbe d)ara!teriftifd>e 6eiten ntc^t oon ber £anb getoiefen, 
jebod) ift nad) 9tflöglid)feit ^bfcfytoeifung unb $ibtoeid)ung oon 
Bern feftftefyenben Stoffe gu oermeiben unb bleues nur infofern 
§u berüdficfytigen, als es bie 5lmber oerftänbnisüoll fjeranbringen. 
SHe Scfyüler muffen ben erarbeiteten Stoff nad) feinem Slufbau 
unb 3nfyalt überfeinen unb barin gu £aufe fein. 3)as ßefebud) 
ift in berfelben 2Beife toie im geograpt)ifd)en Unterridjte $u be- 
nutzen. 

Hilfsmittel. 

1. SierJunbe. $lusgeftopfte Stere. ^ausfa^e mit 9ftaus im 
$ang. — ftin!engruppe: (Sttegli^ 3eiftg, Hänfling, Sud)finf, 33ergfin?, 
©rünfin!, Setnftnt — SReft mit ^elblerdje, fertig montiert. — Ausgeftopfte 
^reu§otter. — 9lusgeftopfter 9Bafferfrofd). — $lusgeftopfter Karpfen. — 
^äferfammlung. — ödjmetterltngfammlung. — Aquarien* unb £errarien= 
anlagen in t>erfd)iebenen ©röfjen unb Ausführungen. 1 ) 

SBanbtafeln unb ^Bilbermerfe. (£ngleber, SBanbtafeln für ben natur= 
tunbüdjen Unterricht. TOt anatomifdjen unb btologtfd)en SarfteEungen. 
60 ffarbenbrucftafeln. ©röge 80 X 105 cm, fdjulfertig. — £üf)n, 3oologi= 
fa)e Safdjenbüberbogen mit erläuternbem £er,t. 6 #efte. — 2el;mann=2eute= 
mann, 3oologifä)er Slttas. farbige Söanbtafeln, entfjaltenb Snpen aus bem 
gefamten Sierreta) nad) Originalen fjernorragenber ^ünftler, 90 Safein, 
fa)ulfertig. — SQlein^olö, SBanbbilber für ben Unterridjt in ber 3°°l°9i c * 
3n lebensmaljrem Kolorit ausgeführt unb nad) bem gegenroärtigen Stanbe 
ber 9taturttnffenfd)aften unb ber $TCetl)obif bearbeitet, ©röfce 65 X 91 cm. 
140 Safein, fdmlfertig. — Sdjröber unb ßull, <Btologtfd)e SBanbtafeln jur 

*) 3)iefe 6ad)en, fotm'e alle übrigen 93eranfd)aulid)ungs= unb ßeljr= 
mittel finb burä^ bie £ef)rmittelabtetlung ber 33erlagsbud)^anblung non 
daxl SRarfyotb in ^alle a. 6. gu begießen. 

4* 



— 52 — 

Sierfunbe in reichem garbenbrucf. 65 SBtlber, fdmlferttg. ©röfce 86 
X 106 cm. — Giebel $ius ber 2Belt ber meintiere. 33iologifc^c 2&anbbilber 
in fünftierifdjer Slusfüfyrung. gmei Serien. 

2. 9#enfd)enfunbe. Sorfo eines jungen 9ftenfd)en. 9tatürlid)e 
©röfce, fteJjcnb, alle inneren Seile finb herausnehmbar, lieferbar finb aud) 
SftobeUe ber oerfd)iebenen Körper* unb Sinnesorgane in ©ips ober Hart- 
papier. — SBerbanbfaften wfy Dr. SßoelEau. 3n einem polierten §oIglaften 
finb alle bei (£rrranhtngen unb Unglücksfällen nötigen SBerbanbfaajen unb 
Sftebifamente gufammengeftellt, mit einer Einleitung über bie 33enutjung bes 
Slaftens oom ^Berfaffer, oljne SBertoenbung oon ©iften, um aud) bei falfct)er 
93enu£ung 33efd)äbigungen ausgufajliefcen. — (Efdjner, $lnatomifd)e 2Banb= 
tafeln für ben Schulunterricht. SSier Safein in ^arbenbruc!, fdmlfertig unfc 
Segt ba§u. 

3. Sßflangenfunbe. 3in!!aften mit ©lasroänben gur 93eobad)= 
tung über 3Burgelentroic!lung. — kleines Sd)ull)erbarium. 100 Wirten ber 
beutfdjen glora. — Stein unb (Etjrtjarb, £olgfammlung ber toidjtigften 
53au=, 9iu£- unb 3i e *pl3 er * 20 Wirten. — Äünftlictje Spflangenmobelle, ent- 
Ijaltenb Steige, ^Blätter, SBlüten unb $rüd)te aus Stoff in natürlicher Fär- 
bung unb ©röfce. 9^ctd^r)altiöc Sammlung» 

2öanötafeln unö s .Mlüeitüerte. angUoer, 3öanbtafeln für ben natur- 
lunblicfyen Unterricht. Abteilung S$flan$enhmbe. 73 garbenbiucftafelm 
©röfte 60 X 80 cm, fdmlfertig. — £artinger, Söanbtafeln für ben natur« 
funblidjen Unterricht. Abteilung $flangen!unbe. 73 garbenbrucftafeln. 
©röfte 60 X 80 cm, fdmlfertig. — £artinger, 3Banbtafeln für ben natur- 
gefd)tct)tlid)en ^nfdjauungsunterricfyt. 3u> e ü e Abteilung: 33äume. 25 Wirten, 
fdmlfertig. — Mörtels, Sßflangenbilber. SBunte Sßflan§enpl)otograp^ien in 
natürlicher ©röfje. 16 Serien ju je 12 SBlatt. — Schreiber, ©ro§e kolorierte 
Söanbtafeln ber Statur gefcrjtct)te: Vierter Seil: ©iftgeroa'djfe. 3)rei Safein, 
fdmlfertig. 

4. äftineraUenfunbe. Sammlung oon Mineralien. 25 fdjöne 
d)ara?teriftifd)e Mineralien in Sßcpp£äftd)en. Sammlung oon 55erfteine= 
rungen. 25 SBerfteinerungen in Sßappfäftdjen. — 9toufd), Sftaturgaben unb 
if)re Umgeftaltung. Metfyobifdj aufgebaute Sammlungen mit 33erüd;ftd)ti= 
gung biologifd)er unb tedmologifdjer ©runbfä^e. ©iefe Stoffe finb in 
©lasbüd)fen mit Schraub enoerfdjluft unb glafdjen aufbewahrt, bie in eigenen 
mit 9li<Jelbefd)lag oerfefjenen Giften %u einer unterridjtlid)en (Einheit §u- 
fammengefaftt finb. Neunte 9laturgabe 9tr. 13: 5)ie SteinEoljle mit 31 
Hummern. 

9Banbtafeln. (Efdjner, Sedmologifdje SBanbtafeln. 9tr. 10: 5lol)len- 
bergroer!. 9ft. 13: ^oa)faljgeminnung. 3ebe Safel fdjulfertig. — Sdjreiber, 
©rofte Eolorierte 3Banbtafeln ber 9laturgefctjid)te. fünfter Seil: Mineralien. 
SBter Safein, fdjulfertig. 

5. 9taturlef)re. 93opp, ^rjftfalifaje Apparate für einfache Sdjul- 
oerpltniffe. 55 oerfd)iebene (Einaelfadjen nebft 93emerfungen unb 9lnlei= 
tungen über ben ©ebraud) ber Apparate. — ©erfelbe, farbige Söanbtafeln 
für ^B^nfü. 3n adjt folgen gu fünf bis neun Silbern. Sef)r retct)r)alttg. 
5)ie 9lusmal)l muß ben einzelnen Schulen nad) ^Bebürfnis überlaffen toer- 
ben. — 5?oef)ler, (Eljemifdjer ^.ppaxat für SBolfsfdjulen. komplett in Sdjie= 
berEaften mit oielfeitigem 3nfjalt. 

2iteraturnad)toets. 

5) e r l i e n , 9Bie id) mit £ilfsfd)ülem ^aturgefd^ic^te treibe. 3- f* 
Ätnbf. ^Bb. 15, 220. — ©ürtler, ^inbertümlidje gauftfü^en für ben 
notur!unblid)enUnterrirbt. 2 ipefte. ßetp^a ^09 u. 1910 — 3Bt ttpotb, ©as 
Aquarium, ein 3entralftoff im ^eimatfunblid^en 9lnfd)auungsunterrid)t auf 
ber Oberftufe ber £ilfsfdmle. ^ilfsf^. «Bb. 7, 194. — Seljrplan für ben 
natur!unblid)cn Unterridjt. 3. f. «Be^. Sd)to. 1900, 10-11. 



— 53 — 

i) ©er ©efdjtdjtsimterridjt 

©er Unterricht in ©efdjidjte wirb einesteils burd} bte ge= 
fd)id)tiid)en 33efpred)ungen bes f)eimatfunblid)£n Unterrid)ts, an= 
bernteits burd) ben biblifd)en ©efd)id)tsunterrid)t vorbereitet.- 2>ie 
Heimat unb bas Kinb muffen im S&littelpunft ^^ ©efd)id)tsunter= 
rid)ts ftefyen. ©urd) $inlnüpfen an f)eimatfunblid)e (£inrid)tun= 
gen, an bte geier oaterlänbifdjer gefte, an tjeimatlicfye 6agen ufto. 
toirb ber 93licf bes Kinbes auf bas Ijeimatltdje unb twterlänbifclje 
©emeinfdjaftsleben gerietet unb fo burd) grunblegenbe $lnfd)au= 
ungen ein einfaches gefd)id)tlid}es ^exftänbnis erfd)loffen. dbt= 
fd)id)tsunterrid)t im eigentlichen 6inne bes Portes mirb in ber 
igilfsfdjule nidjt getrieben, 3n ber §auptfad)e foll ber ©efd)id)ts= 
unterridjt $lnfd)auungen über bas gefellfdjaftlidje, fittlid)e unb 
nationale Sufammenleben ber Stftenfdjen vermitteln, ^Berftänbnis 
für bte fragen ber ©egentoart anbahnen unb bie Siebe §u s $olf, 
^Bolfstum unb SSaterlanb mecfen unb pflegen. 

2)er ©efd)id)tsftoff gruppiert fi<fy fyauptfädjlid) um 
ßebensbilber, unter roeldjen bie 33efpred)ungen einzelner beutfäfyer 
gelben unb Ijervorragenber $erfönlid)feiten aller S^i^n bie 
Hauptrolle fpielen werben, natürlid) nur in gang befdjränfter $al)L 
2)abei ift aud) weitgeljenbe 9^ed)nung ber SMtur=, 33ürger= unb 
©taatsfunbe §u tragen. 2)er abfcfyließenbe (£efd)id)tsunterrtd)t 
frmn aud) einen Überblicf über bie oölfifcfye (Bnttoidlung unferes 
Golfes bieten, jebod) nur infoweit, als bies bas ^erftänbnis un= 
ferer 6d)üler zuläßt, ©aburd) fott in it)nen bie fiuft gewedt tver= 
ben, burd) eigene ^Betätigung am ^ortxmrtsfdjreiten ber $olfs= 
gemeinfdjaft unb 9Jlenfd)I)eit mitzuhelfen. 2)er urfäd)lid)e 8 U= 
fammenfyang gtoifdjen $lufftieg unb ^iebergang unferes Zolles 
ift nad) SRöglid)!eit mit %u berüdficfytigen, fyauptfädjlid) in ber 
gorm bes gefd)id)tlid)ien $lnfd)auungsunterrid)ts. Sßolitil unb 
SSolfsoertjetjung fiub bei ben ^Belehrungen auszuf daließen. 3n ber 
ipauptfadje wirb ber ®efd)id)tsunterrid)t in ber £ilfsfd)ule ©e= 
fd)id)ten unb Silber aus ber (£efd)id)te bringen unb im übrigen 
auf bie in ber $oIfsfd)ule üblidjen Unt errid) tsmetl) oben t)erzidj= 
ten, ebenfo auf bie (Einprägung trieler gefd)id)tlid)er S)aten. 

3)ic ^Darbietung bes ©toffes erfolgt in flehten, fd)arf 
umgrenzten IJlbfdjnttten unb in einfacher, anfd)aulid)er 3)arftel= 
lungswetfe, fo baß ben S^inbern bie 3Biebergabe in eigener $lus* 
brudsweifes möglid) wirb. 38as fie Ijierbei etwa felbft §u 
bringen vermögen, ift banfbar anzunehmen unb z u verwer- 
ten. 5)ie Überfd)riften ber $lbfd)nitte finb an bie 2Banbtafel 
gu fdjreiben unb gegebenenfalls aud) in ein 3fterfbüd)lein 
einzutragen. Wad) eingeljenber 33el)anblung werben bie W>* 
fdjnitte z u abgerunbeten, überfid)tlia^en (Einheiten z u f ammen= 
gefaßt unb bie fittlid)en (Ergebntffe, Urteile unb 2el)ren in 



— 54 - 

Sprichwörtern, SOlerffä^en uftt>. urieb er gegeben. S)er gefd)td)t= 
Itd>e Unterricht muß ebenfalls in innige 93ejiefyung §u bem ge= 
famten Unterricht, insbefonibere gum beutfdjen unb erbfunblidjen 
Unterricht gebracht werben. SMe §eid)nerifd)e 5)arfteHung, bie 
plaftifcfye unb bilblidje $eranfä)iauliä)ung finb überall, wo bie $>e= 
tjanblung es erforbert ober wo es fiä)i macfyen läßt, in ben 5>ienft 
ber gefd)id)tlid)en ^Belehrungen p [teilen, ebenfo bie 33ilber unb 
gefd)td)tlid)en ßefefrüde bes 2efebud)s. 

^lls Hilfsmittel kommen in 93etracfyt: 

1, 6ammlung oon gefdpd)tlid)en ©egenftänben. 

Stftobelle gut Slulturgefdjiajte, 5Baffen, SJlünäenfammlungen, oerfd)te= 
bene ipausgeräte, SBauftUmobe&e, Sad)en aus 5er Steinzeit ufro. 

2. Söanbbilber unb SBilbertoerte. 

SBruftbilber oon I)eroorragenben gefä)itf)tUd)en Sßerfönlid)Eeiten in 
ßebensgröfte, — ©enlmäler unb 53autoerJe in ^Berlin. Sed)s SBilber in £on* 
bruct ©rö§e 88 : 66 cm. $tufgegogen auf ^appe mit 9tonb unb Öfen. 1. 93Üb: 
©enfrnai ftriebrid)s bes ©rofcen unter btn £inben. 5. Silb: ©ie Sieges* 
faule. 6. 2Mlb: ©as 93ranbenburger Sor. — Sangl, 9lbbilbungen ber |er= 
oorragenbften SBauroerfe aller 5htlturepodjen. 76 Blätter in ölfarbenbrutf. 
3ebes SBIatt auf gebogen auf ^ßappe mit SHanb unb Öfen. 47. 93ilb: ©er ©om 
gu Jtöln. 64. 93ilb: ©ie 2öartburg. — Seemann, ^ulturgefa)ia^ttia^e Silber 
für ben Sd)ulunterrid)t. SBanbtafeln in ber ©röfje 88 : 66 cm in 93unt= 
farbenbrud. Sebes 93ilb aufgewogen auf Spappe mit 9lanb unb Öfen. 
1. 93üb: ©ermanifdjes ©epft. 6. 23ilb: ^Belagerung. 17. 93ilb: 93or- ben 
Soren einer Stabt im 3a^re 1800. 21. 93ilb: 53efeljrung bei ben alten ©eut= 
fdjen. — ßoljmeuer, 3Banbbitber für ben gefajiajtliajen Unterriäjt. 24 far= 
bige 9BanbtafeIn. " 3ebes SBtlb auf Sßappe mit 9tanb unb Öfen. — 9ftein= 
f)olbs Silber gur beutfd)en ©efdjidjte. 3ebes 93ilb aufgewogen auf ftarEem 
Sßapier. — Seemanns 2BanbbiIber. CSine Sammlung oon ausgerollten 
9Jleifterbilbern ber bilbenben J^unft aller 3 ß iten in Sidgtbrud (Btroa 300 
9htmmem. 3ebes 93ilb rol). ©ie $lusmal)l muß bem SBefteEer überladen 
bleiben. — SBöl!erfd)lad)tben?mal bei Seipgig. Sdmlfertig. — <piftortfd)er 
93ilberatlas oon ipirt. Verlag oon ipirt in ^Breslau. — ipiftorifdje Silber 
aus ber Sammlung bes ßetpgiger 2ef)reroeretns (Seipjiger iüuftrierte 3 ß i r 
tung). ©ie Silber finb einzeln unb auü) in Serien gu begießen. Serien* 
bilber gibt es gum SMttriege 1914/17. — 93ilberfaal beutfa^er ©efd)id)te oon 
SBär & Quenfel. Stuttgart 1912, 93erlag ber Union. 

3. 90anb!arten %ux ©efcf)id)te. 

33red)er, ^iftorifa^e 3Banb!arte oon SßreuBen oon 1415 bis gur ©egen= 
roart. Sa^uifertig. 

ßiteraturnad)roets. 

2 e l) m , dDefd)id)tsIef)rpIan für bie brei oberen klaffen einer fea^s= 
ftufigen ^ilfsfdjule. 3» f* ®e^ Sa^ro. 33, 8. — S p i e t m a n n , Sd)üler* 
Ijefte für ben oaterlänbifa^en ©efa^ia^tsunterria^t. £eft 1: 3)ie ^o^engollern 
oon 2öüf)elm II. bis gum großen Slurfürft. ^alle a. S, r Verlag oon ©e= 
fenius. — © e r f., ©er ©efdjid)tsunterrirf)t in ausgeführten 2e!tionen. 
1. Seil: ©ie £of)engoIIem oon ^aifer SBil^etm II. bis gum großen Äur» 
fürft. ©erfelbe Verlag. — S ^ i e f e n , 3Bie ia^ ben Hnterridjt in ber oater= 
Iänbifa)en ©ef a^ia)te betreibe. 3. f. SBc^. Sdjro. 1906, 10--11. — 3 i m m e r * 
mann, ©efrfjidjtlidjer 5lnfa^auungs= unb (Srfa^rungsunterritt)t auf ber 
9JUtteIftufe. ^Insbad^ 1914, Verlag oon 9K. ^ßrögel. — Peiniger, ?Ius- 
fül)rlia)e ße^rpläne unb Stoffoerteilungen für ben neuen ©efd)id)tsunter= 
x\ü)L Sangenfalga 1919, Verlag oon iBel^. 



— 55 — 

i 

g) ®e* Hnterridfjt in Sefrenslnnbe* 

2)er Unterricht in ßebensfunbe fyat feine Anfänge in ben 
lebensfunblicfyen y5efpred)ungen bes tjeimatfunblicfyen 3lnfd)ou-- 
ungsunterridtji (Erft auf ber Oberftufe tritt er als felbftänbiges 
Unterricfytefad): auf unb foll bie 6d}üler mit bem 9cötigften be= 
lannt macfyen, roas fie für ifyre £ebenst)ert)ältniffe brauchen. (£r 
foH fie bes »eiteren befähigen, ben Sßflid}ten gegen fid) felbft unb 
gegen ifyre Stfcitmenfdjen nad}$ufommen, bamit fie aucfy bie gutn 
2BoI)Ie unb 6d)u&e ber Sftenfdjen getroffenen (£inrid)tungen t>er= 
ftefyen unb »ürbigen, insbefonbere aber auf bie ©efunbljeit ifyres 
Körpers unb bie Pflege ifyres ©elftes adjten lernen. 6ie muffen 
ferner erfahren, roie fie ftcfy im öffentlichen Seben ben SBefyörben 
unb ben t>erfd)iebenen fommunalen unb ftaatüdjen (Einrichtungen 
gegenüber gu benehmen unb p üerfyalten tjaben. 2Bas ifynen bie 
6d)ule in biefer $Be#iel)ung nidjt vermittelt, bas lernen fie im 
fpöteren 2ebzn geroöfynlidfy aucfy nid)t* (Eine richtige ^Beurteilung 
bes 3Bertes ber meiften 3>inge, ja fogar bes (Mbes, mangelt ifynen 
getoöfjnlid) aud), mesfyatb fte t)on ©aunern fyäufig genug aus= 
gebeutet »erben, daneben »irb ber Unterricht aud)! 9ßeran= 
iaffung nehmen, bas ftttltd)e ipanbeln unb 2BoHen ber 6d)üler 
günftig gu beein 
ftäbtifdjer unb 
uf». treten in ben 3)ienft ber unterridjtlicfyen ^Belehrungen. 

3)te lebensfunblid)en ^Belehrungen gehören etgentlid) §u ben realiftt* 
fd)en gäd^ern. 3d) I)alte es jebod) für angezeigt, eine befonbere 6tunbe 
im testen 6d)uljal)r für fie angufetjen, einesteils, meil fte bei ber 93ef)anb= 
lung ber Realien ju turj tommen mürben, unb anbernteils, meil fie t>on 
überaus großer 93ebeutung für bas praftifcfye ßeben ber 6djüler ftnb. SBct 
ifyrer felbftänbigen 93el)anblung rann ber Sefyrer t^nen mit allem 9Zad)bru<i 
©eltung nerfdjaffen unb fomit toeit tiefer auf bie Slinber einmirtm unb 
tf)nen bie Sejjren gum unverlierbaren (Eigentum einprägen, mie biefes aud) 
im 3ntereffe gerabe fola) mistiger ^Belehrungen geboten erfcfyeint. 

$Us 6toffgruppen fommen folgenbe in SBetracfyt: 

1. 5)er Sd)üler im Sßexlefyx (Orientieren in ber Stabt, ötragenoer* 
lefjr, Sßoft, $emfpred)t>er!e{)r, 93af)nl)of). 

2. 9Bof)lfaf)rtseinrid)tungen (2Bafferleüung, ^analifation, 93abeanftalt, 
$ranfenJ)aus, fteuermeljr, 6a5lad[)tl)of, Anlagen, ffriebljof). 

3. kulturelle (Einriäjtungen Öeitung, 93ibliotI)ef, Stirdjen, Sd&ulen). 

4. £ebenst>erl)ältniffe (Arbeit, (Mb, 6paren, mistige 6djrtftftü<fe, 
fiefyrling, ©efelle, SJteifter ufm.). 

5. (Semeinbeleben (Familie, 6tabtüermaltung, Armenpflege, Sßolijei, 
(f>eria)t, 6taatsüerfaffung). 

6. Sebensbebürfniffe (5ffio^nung, Äleibung, $Ra^rung, 'OToIjolmiB-- 
braud^, ©enu§mittel). 

SHIs Hilfsmittel »erben für biefen ilnterridjt mit $or= 
teil ju gebrauchen fein: 



luffen. Unterric^tegänge, ^8efud)ie üerfdjiebener 
taatlid)er (£mrid)tungen, gemerblic^er Anlagen 



— 56 — 

2lnfdjauungsbilber für b a s SBerEeJrstoefen ((örogftabt, 

53aJnIjof, £afen, Sölarft ufm.). 

£irts $tnfa;auungsbüber. SBtfb 7: ©rofcftabt. 93üb 8: ©er ©eejafen. 

— 6(f)mannfd)e £eimatbilber für ben 9lnfa)auungsunterrid)t, (Sruppe 5t: 
6tabt (im ötabtgarten, am SBaJnJof, auf bem yJlarftpla&e, im £afen). 
©ruppe 33: £anb (SBauemJof, ©etreibeemte, 2Beinernte, 6a)leifrotten). — 
6traftburger Silber für ben $inftt)auungsunterrid)t. 6erie II: 6tabt unb 
6täbteleben, 93erfejr, #anbel unb ©emerbe, bie ^amilie, £aus unb §of 
bes ßanbmanns. — 6eifart, 3nfd)riften. ©er SBerfaffer gejt t)on bem ©e= 
banden aus, ba| bie ins ßeben tretenben ipilfsfajüler fidf) oft nid)t fo fdmeü 
auf bem SBaJnJof, ber Sßoft, beim Ortsoorftejer, im 9ftatjaus ufm. §ured)t= 
finben werben, meil ijnen bie 3nfd)riften unb orientierenden ipintoeife nidjt 
geläufig finb, ober toeü fie gu lange 3^it brausen, um fie gu entziffern. 
Er Jat besjalb gur oorjergejenben Einübung in ber 6dmle eine 9tetf)e 
folajer Jäufig oorfommenben Snfdjriften gufammengefteHt unb fie in einer 
2Rappe Bereinigt, ©ie eingelnen Safein (ftar!er Karton) finb 43 cm lang 
unb etwa 14 cm Jod); bie 33uä)ftaben finb alfo auf größere Entfernung f)in 
gu lefen. Einige ber 9luffd)riften finb: SJlelbeamt, Jtaffe, SBauamt, Stanbes= 
amt, 33er!auf oon 2Bertgeid)en, 3ln!unft, Slbfajrt, 3Bartefaat ufm. — 3 U 
beg. o. ipilfsfdmlleiter ©eifart in $Utenburg i. <5a. 

93 ü r g e r = unb Söirtfdjaftsfunbe. 

Sejmann, Eine Sdjmurgeridjtsfi&ung. Eine 9ieia;stagsfi^ung. 3ebe 
Safel fdjutfertig. — 6aupe, gormularmanbtafeln für ben Sßoft=, 93ajn= unb 
©efajäftsoetfejr mit SRufterausfüßung unb 93egieitfd)rift. 20 Safein. — 
3u beg. v. 5?oef)ler, ßeipgig. 

SBoJIfaJrt unb ©efunbljeitspflege. 

£omer, Erfte £ilfeleiftung bei ilnglütfsfällen unb plöt$lid)en Erfran= 
lungern 40 ffarbenbrutfe. 6d)ulausgabe. — Efd)ner, Erfte £tlfeleiftung 
bei Unglücksfällen. S^ei Safetn. 6a^ulfertig, — 3effen, ©ie S'äfyw unb 
ijre Pflege. SBanbtafel, fdjulfertig. — 6djretbers Suber!uIofe=2BanbtafeL 

— 3u beg. o. Sloejler, Seipgig. 

Siteraturnadjmeis. 

SB e ä m a n n , £ilfsbudj gur ^Bürger» unb Sebensfunbe. SJUnben 1911, 
Verlag oon £ufelanb. — SBurtfJarbt unb 9teufd)ert, Einführung 
in bas bürgerlidje ßeben. Berlin 1913, Vertag oon 6taube. — $fturt = 
f e l b , ßebens= unb SBürgerfunbe. ©eutfcje $ilfsfdmlen in 9Bort unb SBilb, 
6. 136 ff, £aHe a. 6., $ftarl)olb. — Sfteigl, ©er 6aa)unterritt)t bei 
6djmacf)finmgen. ^urs für £eilpäbagogi! unb 6dmtf)t)giene, 6. 288 ff. 
©onaumörtf) 1908, Vertag oon "üluer. 

h) ©et 3tedjenutttettid}k 

©et 9ted)enuntetrid)t ift gtoetfeHos bex fd)tx>ietigfte Untet= 
tidjtsgegenftanb in ber £ilfsf<fyule, toeil et an bie geiftigen Gräfte 
ber 6d)iilet fe^t I)oI)e ^nforberungen [teilt, benen fie anfängli^ 
menig gett)ad)fen erfd)einen. 3)en §ilfsfd)ületn fällt bas begriff* 
lidfye ©enfen überhaupt feX)r f^toet, au|erbem erroetft fid) i^r 
3al)!engeb>äd)tnis unb i!)t 6inn für 3<rf)Ient)otfteIIungen meift fe^r 
mangelhaft. Unb bod) ift gerabe ber ^edjenunterridjt ein feljr 
t»id)tige6 Jad) gut (Emporbilbung ber geiftigen Gräfte <5<fymaty 
finniger unb !ann and^ aus praftifdjen ©rünben nid)t entbehrt 



— 57 — 

werben. 3m 9ted)enunterrid)t totrb ber SBerftanb gebübet, bie 
Überlegung angeregt unb entmicfelt unb bas Urteilen unb C5d)lie= 
ßen geförbert. 

c i)as gange aEtäglidje £eben ift mit bem 5led)nen innig oer= 
bunben unb t)erflod)ten, fo baß felbft ber niebrigfte ^Beruf einen 
gegriffen ©rab t)on ^edjenfertigfeit verlangt. 2>araus folgt, baß 
aud) ber 6d)toad)finnige nad) biefer (Seite l)in mit ben notmenbig= 
ften Kenntniffen unb gertigleiten ausgerüstet merben muß, menn 
er fid> als brauchbares 9JlttgIteb ber menfd)Itd)en Cdefellfctjaft er* 
weifen foll. S)ie $inberniffe, bie fid) uns in ben 28eg [teilen, 
muffen möglidjjft weggeräumt unb burd) gwecfmäßige äRaßnaljmen 
überwunben werben. 2)as fann neben ber ^Beobachtung ber att= 
gemeinen Unterrid)tsgrunbfäi$e gefcfyeljen: 

1. burd) ein 93erfal)ren, bas bie einfaßten unb leidjteften 
3Bege ber (Erkenntnis befdjreitet, 

2. burd) eine niebrige SielfteEung, bit namentlid) gu Anfang 
nur feljr geringe Anfprüdfye ftellt, 

3. burd) innige ^Berbinbung bes 9ted)nens mit ber £inblid)en 
(Erfahrung fowie mit bem gefamten Unterricht, 

4. burd) üollftcmbige (Erfd)ließung unb erfdfyöpfenbe 93el)anb= 
lung ber 3al)len£reife oon ben erften (öruppen an, 

5. burd)' (Einreibung ber 6d)üler in Abteilungen, bie üjren 
9^ed)enfäl)igleiten entfpredjen. 

gair bie $lusw al)l bes £el)rftoffes werben lebiglid) bie 
$erl)ältniffe maßgebenb fein, in benen ber Jpilfsfd)üler fpäter 
leben foll. ©er 6toff ift auf bas notwenbigfte 9ftaß gu befdjrän-- 
len; benn nur burd)' 93ef<fyrän!ung fönnen wir $u größerer ©rünb-- 
lidjfeit, 6id)erl)eit unb ^ertigf eit gelangen. S)as Slftinbeftmaß im 
9^ed)nen, bas Ijeute aud) com einfad)ften 9Jlann verlangt wirb, ift 
bas 3uredf)tfinben unb 93el)errfd)en in bem 3al)^nruum oon 1 bis 
100 bgro. in bem oon 1 bis 1000. Unfer $\d roirb erreicht fein, 
roenn mir bie 6d)üler fo weit bringen unb befähigen, ba$ fie ein= 
fadje Aufgaben in biefem 3öJ)lenraum üerftänbnisooll unb ftcfyer, 
wenn aud) langfam, gu löfen üermögen. 

Über einzelne metljobifdje SWaßnafymen mögen nod) 
folgenbe SBemerfungen geboten werben. 

3m 9led)enunterrid)t ift es in erfter Sinie erforberlid), ba$ er 
an bas anfnüpft, was bas &inb oon §aufe aus mitbringt, b. i. 
^reube an leidjter Sätigfeit unb abwedjfelnber 33efd)'äftigung. 
liefern Sätigfeitsbrang, ber fid) aud) bei ben meiften fcfywad)-- 
ftnnigen ^inbern gu äußern pflegt, muffen mir entgegenkommen. 
2)as wirb baburd) gefd)el)en, baß mir, an bas Sriebleben ber Slin= 
ber anfnüpfenb, Ü)re 6elbftbetätigung weden unb fie grünblid) in 
Anfprud) nehmen. 3u biefem Qxoz&t geben mir hm 6d)ülern bie 
Anfdjauungsmtttel felbft in bie §anb. 6ie muffen fid) baran 



— 58 _ 

felber, unb atoar jeber für ftd) unb bod) alle gu gleicher Seit, oon 
ber 9ft<fytigMt bes 33ei)anbelten burd) äfteffen, Qifyhn, Berglei-- 
tyen ufto. überzeugen. 53ei einem foldjen s £erfal)ren bekommen 
bie Slinber £uft unb Siebe für ben Unterricht. 3>em £ef)rer aber 
ift bamit bas befte äRittel in bie £anb gegeben, genaue Über= 
toadjiung über bas Berftänbnis unb ben gortfd)ritt eines jeben 
6d)ülers auszuüben. 3ft einer untätig unb gerftreut getoefen, fo gibt 
bie oon ifym ausgeführte Sätigfeit fofort Seugnis baoon. Hat }e= 
manb bie Aufgabe falfd) oerftanben, fo matfjt ftd) bies ebenfalls 
fid)tbar funb, unb ber ßefyrer fyat bann Gelegenheit, bas ^alfdje 
$u beridjtigen unb bem fdfytoadjen Slinbe nad)#uf),elfen. 

6elbftüerftänblid) reid)t ein ßeljrmittel für bie §anb ber 
Sd)üler nicfyt aus. (£s roirb im Gegenteil oon Vorteil fein, 
toenn ifynen mehrere Befd)iäftigungs= ober Hilfsmittel #ur Ber= 
fügung flehen; benn fie oerlangen nad) SJlannigfaltigfeit unb $ib= 
toed)flung. (Es gibt ja autfy fein Skrfaljren, bas Sinfprud) barauf 
ergeben tonnte, für alle Slinber paffenb §u fein, (Ein 6d)üler lernt 
bas 9ied)nen am beften auf ©runb oon ©efidjtseinbrücfen, ein 
anberer oon Gefyörstoal)rnet)mungen, ein britter mit Hilfe moto-- 
rifdjer Betätigungen ufto. feir muffen alfo beim Sftedjnen barauf 
b&atyt fein, ben Kinbern oielfeitige Sinregungen §u bieten. 

3 a i) l b i I b e r. 3a*)Ireid)e Berfudje fyaben ergeben, baß fid) 
eine Sinpljl oon (Einheiten am beften überfeinen lägt, toenn bie 
3äf)TOrper rnöglicfyft farbig bargefteüt unb unter 3nne$altung ber 
quabratifcfyen Bierergruppe angeorbnet finb. ©iefe Sinorbnung 
fyat ben Vorteil, ba§ fie aud)' auf einer fieinen 9ted)enmafd)ine mit 
nur groei Slugeireiijen praftifd) oerroertet werben fann. 

2)ie 3bee ber SafyibHber Ijat praftifdje Bertoertung in rnefyre* 
ren Hilfsmitteln gefunben; p nennen finb folgenbe: ©as 3ted)en= 
!äftd)en oon ©iefe, Krügers ^ed^enfeberfaften unb ber 9ted)en= 
faften oon Hünnemann & Sßopfen. Sitte biefe 9led)enmafd}inen 
fyaben 20 SäP^rper, bie auf §roei Steigen gu je 10 oerteiit finb. 
Bei einigen finb bie günfer burd) anbere Qtirbengebung üonein = 
anber abgegrenzt. Site 3äi)fförper bienen Kugeln, Sßerlen ober 
quabratifdje $oi§!örper, bie leidjt bexoeglid) finb unb oerfd)ieben= 
artig gruppiert roerben lönnen. Sitte biefe Slpparate oermögen 
bei ifyrem ©ebraud) bie Seibfrtätigfeit unb 6elbftänbig!eit ber 
6d)üler in fjofyem 9Cßaße gu förbern. 0ie geftatten bie Siuffaffung 
mit mehreren 6innen gugiei^ (©eftdjts- unb Saftfinn) unb er= 
fyötjen babur^ bie 6id)erl)eit unb Klarheit ber Siuffaffung. 5)urd) 
Befriebigung bes Sätigfeitstriebes roirb bas Sntereffe ber Kinber 
an bem fonft fo trodenen erften 9fle(^ienunterri(^t gehoben unb fo 
bie ßangeroeiie oerbannt unb bie Siufmerffamfeit immer toieber 
aufs neue gefeffeit. 

^ür bas &äi)ienbe Sftedjnen mödjte id) auf ein Hilfsmittel auf-- 



59 — 



merffam madjen, beffen (Bebrand) fid) 1 fefyr gut betoäljrt l)at, unb 
bas man fid> feljr leidet felbft befdjaffen fann. $iuf einem 3>edel 
roerben fünf Stridje in folgender SBeife gebogen: 



üDtan operiert bann an biefem Strickapparat mit (Erbfen, 
SBotjnen, Knöpfen, 33leifolbaten unb SRüngen. Rad)bem bie Drb-- 
nungs#al)len grünblid) eingeübt finb, fyeijst es: Stellt einen Sol= 
baten auf ben brüten Strid)i ufro. Retjmt ben fünften Knopf 
toeg! 3ä'^It bie 93or)nen bis gum trierten Strid); gangt beim 
gtoeiten Strid) an gu garjlen — gärjlt nad) red)ts — nad) linfs ufto. 

Später erroeitert man biefen Strickapparat um bas doppelte, 
fo ba$ man folgenbe Qtgur erhält. 



Run laffen ftdj bie Übungen in ber angebeuteten 2Beife nod) 
mannigfacher unb trielfeitiger gehalten als btx fünf Strid>en. 
6el)r gu empfehlen ift aud) bas Redjnen nafy ber SRetljab-e oon 
San germanns „fyanbelnbem Redjnen". 

2)es roeiteren fann ber C&ebraud} oon S t ä b d) e n roegen 
ber SRannigfaltigfeit iljer ^Berroenbung roarm befürwortet u>er= 
ben. Um bas 3ntereffe ber Kinber gu errjörjen, roerben bie Stäb= 
d)en mit |>ilfe ber finblidjen Sßljantafie in alle möglid)en 2>inge 
umgeroanbett (£s roirb bann mit Kinbern, Sßuppen, 2Bagen, 
Saternen, Nägeln, furg mit allem, roas man nur fürs Redjnen ge- 
brauchen fann, operiert 

©aß aud) bie Ringer beim erften Red)enunterrid)t ange= 
roanbt roerben bürfen, ift felbftoerftämblid). Ratürlid)i muß beim 
gingerrecfynen eine gang beftimmte Reihenfolge unb (Gruppierung 
innegehalten unb barauf geadjtet roerben, ba$ biefe fogenannte 
Red)enftüfee nid)t ausfdjliefltdj benutzt roirb. 

3Bas bie R e d) e n t) e f t e für bie ipanb ber Sd)üler anbe= 
trifft, fo entfpredjen bie meiften unferen ^Inforberungen leiber 
nur in geringem Umfange. Seite auf Seite ftarrt bas Kinb nur 
3al)Ien an, nadte, leblofe 3<#en. ^ine rül)mlid)e SUusnaljme 
baoon mad)t bie oon ©er lad) bearbeitete Redjenfibel: 3)es 



— 60 — 

5linbes erftes 9kd)enbud). 2)as 23üd)lein fud)t auf ©cfyritt unb 
Sritt ben für ben Unterricht fo notroenbigen fteten 3ufammenl)ang 
mit bem roirtlicfyen &eben bes Kinbes tjergufteilen, inbem es öüb-- 
lidt) bargeftellte ögenen aus bem 2zbm bes Sttnbes unb (öegen= 
ftanbe aus ber finblidjen Umgebung in intereffcmter 2öeife bem 
erften SRedjenunt erriet bienftbar mad)t, 2)ie 9xed)enibee liegt in 
ber planmäßig burd) geführten $inorbnung ber SHnge, 3 una ^)ft 
finb auf jeber 6eite, fo oerfdjieben bie S)inge aud) fein mögen, 
ftets gletd) üieie $u einer Gruppe Bereinigt, v5obann tjat in jeber 
(Gruppe nod) eine ßerlegung in p>ei ober mehrere Seile ftattge= 
funben, tooburd) bie mannigfad)ften Operationen ermöglicht toer= 
ben, ^latürlid) roirb ber ßefyrer bie aus bem £eben gegriffenen 
(Svenen einer Befprecfyung unterbieten muffen, 3)od) muß biefe 
fo finblid) unb lebenbig toie nur irgenb möglid) erfolgen, 2)aöurd) 
xoerben bie fprad)lid)e ^Bilbung unb bie (öebanfenarbeit ber 6d)ü-- 
ler, unb nid),t §um roenigften aud) itjr Sntereffe am 9fted)enunter= 
rtd)t, ungemein geföröert, — (£ine ät)ntid)e Anlage, oieEeidjt in 
ber (Gruppierung nod) ettoas überfid)tlid)er, toeift ,,2)es Hinbes 
erftes Sftedjenbud)" oon 2Baltt)er auf, ©iefelben ©runbfäfee 
finben mir aufy in bem „neuen SBilberbud)" oon 23 o t) n t) oer= 
mirllidjt unb ebenfo auf §enc!6 farbigen 2Banbtafeln für ben 
erften 9ted)emmterrid)t. 

6et)r roid)tig ift es ferner, baß bem erften 9ted) enunterridjt 
aud). bas 3 e i d) n e n bienftbar gemalt roirb, SHef e 93efd)äfti= 
gung ift für bie 6d)üler, bie ja fd)on ettoas malen tonnen, fetjr 
intereffant unb beeinflußt aud) xfyt Borftellungso ermögen in fjoljem 
(Grabe, 5)ie red)nerifd)e (Grunbtbee beim S^nen beruht auf ber 
3at)l unb ^Inorbnung ber 3)inge, S)ie 6d)üler muffen befähigt 
toerben, eine beftimmte ^Ingatjl oon (Gegenftänben nad) eingaben 
bes ßefyrers aufgugeid)nen, fie nad) angedeuteten (Gefid)tspunften 
gu gruppieren, etroa roie beftimmte 3ß|lenbitlber, unb fie matenb 
barpfiellen. 

Über bas ßefyroerfaljren ift nod)i §u bemerfen, baß 
man anfänglich möglid)ft alle $lbfid)ttid)feit eines planmäßigen 
93erfal)rens oermeiben muß, 1 ) ©er Unterridjt foE gunä^ft 6piel= 
djarafter geigen, 2)est)alb begnüge man fid) oorläufig mit bem, 
toas ber 3ufaH beim $lnfd)auungs= unb 6ad)unterrid)t oon 9led)en= 
mögtid)!eiten an bas kxxvb heranbringt, ^Umäpd) gefye man 
bann oon ber fptelenben Betätigung gum planmäßigen Unterrid)t 
über, orjne jebod) bie Sßerbinbung mit bem $lnfd)auungsunterri(f)t 
aufprjeben; benn burd) biefen foH ja bei ben 6d)ülern bas Bedürfnis 
nad) ber 3al)l unb bem Sftedjnen erzeugt toerben, S)ie © e r l a d) -- 
fd)e ^eform--3^ed)enfibel oermag aud) barin üortreffltdje ©ienfte 

!) 5)a tt)tr ic^t ©efamtimterrtd)t betreiben, fo Uegt too^l !eine ©efa^r 
in ötefer ^)infi<^t nor. 



— 61 — 

gu leifien. (Es ift ratfam, von ben mannigfaltigen £ernmitteln, 
mit benen wir unfere Kinber geifibilbenb §u beschäftigen fucfyen, 
eins, gu bem fie ftd> befonbers Eingesogen füllen, als ipaupioer* 
anfdjaulidjungsmittei überuriegenb oft in 6)ebraud) gu nehmen, 
bamit auf tiefe SBeife eine flare, fdjneße unb ftabiie 3ai)lüorjiel= 
lung ermbgiid)t wirb. 5)ie jur 93efefiigung bes Gelernten fo not= 
wenöige Übung foH anfänglid) immer fontret, aifo mbglicfyft in 
(Einfleibungen gefdjefyen, g. 33. 4 (öriffel unb nod) 1 Qkiffei 
= 5 ©riffel ufw. 3)as £eben ber 2Birtlid)teit muß bei jeöer 
Übung in bie Klaffe eingießen. Sa fpielen wir Ijeute Kaufmann, 
taufen unb oertaufen, geben aus unb netjmen ein, morgen fpielen 
wir (Eifenbaljn, laffen ^Bagen gufammenfeijen, laffen rangieren 
unb ^ßerfonen ein= unb ausfteigen, übermorgen laffen mir Knüpfe 
fucfyen unb fortieren, Scfyule galten ufw. 3)as fimb Übungen unb 
2öieberl)ü hingen, bie ins 2eben greifen unb bie trägen ©eifter %u 
fdjaffenben ättefen machen. 

(Eine fo weite §erangiel)ung ber finbiidjen Selbftbetätigung 
wirb trielen 91ut)en abwerfen unb eine fixere ©runbiage für bas 
fpätere 9ted)nen fdjaffen. 

2)er Aufbau bes 9ied)enftoffes muß ben burd) bie geiftige 
Ungulänglid)teit bes fd)wad)finnigen Kinbes gegebenen 2öeg bes 
geringen redjnerifdjen Vermögens, langfamen (Ertennens unb 
gortfdjreitens berücffidjtigen. 3^a^ bem Staube unferer bis= 
fyerigen (Erfahrungen gebraust ein foldjes Kinb etwa brei 3al)re, 
um eine einigermaßen fixere 5 er ^9^ e it in bem Sa^^aum öon 
1 bie 100 §u erlangen, fo baß bann ein 2Beiterbauen möglid) er= 
fdjeint. 93ewäl)rte 9Jletl)obiler empfehlen für ben Aufbau bes 
9fkd)enftoffes fed)s Stufen, bie fid) auf bie einzelnen §>ilfsfd)ul= 
jaljre folgenbermaßen verteilen: 

1. ^ilfsfdmljafyr: 3oW ß nraum 1 bis 10, nur rein tonfret. 

2. |>ilfsfd)uljaf)r: 3 a ^ßnraum 1 bis 20, nur rein fonfret. 

3. ^ilfsfdmljafir: 3afjlcnraum 1 bis 100, fontret, 1 bis 20 abftraft. 

4. ipilfsfdjuljafjr: 3 ö ^^raum 1 bis 100, 'Stbbition unb 6ubtraltion, 

5. <pilfsfd)ulja()r: 3 a f)lßnraum 1 bis 100, abftraft. 

6. |>iifsfd)uljal)r: 3 a f)I en * au itt 1 bis 1000. 

53ei ungünftigen $erl)ältniffen mag ber folgenbe 6 1 o f f = 
plan, ber befonbers gu Anfang bes 9ted)enunterrid)ts einen 
oerlangfamten ^ortfdjritt oorfie^t, 33ead)tung finben. 

1. £iIfsfd)uIj(U)r. (Einführung in bas 3 a ^ enüer flön6nis. 3*ff ßrn 
fd)reiben. 3 U= unb abjä^len im ftafyUriTaum uon 1 bis 5. (Eingefleibete 
unb angetoanbte Aufgaben. 

2. £üfsfd)uljal)r. 3 Us unb abgäben im 3 a ^ e ttraum ü °n 1 bis 20 
of)ne Itberftfjreiten bes Qtfyntxs. (EingeHeibete unb angemonbte Aufgaben. 

3. £üfsfd)ulia^r. 3u= unb abgäben im $dt)UnTaum non 1 biö 20. 
©as <pauptgeund)t ift auf ben Übergang aus bem erften in ben gtoeiten 
Seiner ju legen. Aufgaben roie t>orf)er. 



— 62 — 

4. £ilfsfd)utiaf)r. 9Ibbition unb (Subtraktion im 3<*9l e ttraum r»on 
1 bis 100. &ngeroanbte Aufgaben. 

5. £ilfsfd)uiialjr äRultiplifation unb 2)itnfion im Qafylmxaum tum 
1 bis 100. (Elfte unb elementarfte (Einführung in t)ie SBrudjreajnung. 9ln= 
geroanbte Aufgaben. 

6. £ilfsftf)ulial)r. 2)er 3°^ e «^°wni oon 1 bis 1000 nad) allen nier 
6pegies. 2)ic SBruäjreäpnung roirb in einfaajfter Form weiter geübt. 2)egi= 
male 6(i)retbrceife. £>ie Forderungen bes aEtägltdjen 93edel)rslebens finb 
befonbers §u berüdfiajttgen. 

2öeiß befürwortet in feinen „ßefyrplänen" für ben Unter= 
rid);t in ber ipilfsftfjule nocfy einen Unterrid)t in ber Jormen-- 
lefyre, ber fid) bie ^usbilbung ber SftaumoorfieEungen burd) 
Sutyilfenafyme ber Qafy §um ßiele gu fefeen fyat. (£r fagt fyietp: 
„©5 leuchtet ein, baß bei jeber Sinfdjaumtg bem ^äumlicfyen 
ber ipauptteil §ufäEt, unb wenn man weiter erwägt, ba% burd) 
bie ^Bewegung räumlidjer Elemente erft bie Verkeilungen ber 3eit 
mit S^itraumen entfielen, fo ift leicfyt §u ermeffen, weld) groger 
(Einfluß bm 9iaumt)orfteEungen in unferm ©eiftesleben gu= 
fömmt." „$luf i'Ijnen beruht §um großen Seile bie S^larfyeit ber 
VorfteEungen unb bes ©enJens." „6ie bilben ben Untergrunb 
aEer unferer geiftigen ^Betätigung, bm C&erüft, um bas fid) aEe 
übrigen %aitoxm gruppieren." — 3>er Verfaffer mag es jeben= 
falls gut meinen; aber in bem Umfange, wie er tiefen Unterrtd)t 
in ber ipilfsfäjule bemäntelt wiffen wiE, werben wir wegen ber 
mangelhaften lo giften ^äfyigfeiten unferer 6d)üler unb wegen 
ber 6<fywierigfeit bes 6toffes nid)t oorgeljen können, felbft bei 
nodj fo günftigen Verpltniffen. Einiges SBiffenswerte aEer= 
bings, bas fidt) anfdjaulicfy unb elementar befyanbeln läßt, fann im 
9kd)enunterrid)'te mit Verüdfidjtigung finten, wie g. 33. bas 
^Reffen, Veretfynen unb ©arfteEen eines Quabrates, eines 9teä)t= 
eefs, eines Söinfels, bas /^Unfertigen eines Slubifmaßes oon einem 
ßiter 3nl)alt ufw. 2>as 6d)äfeen ber 3)inge nad)> ßänge, ^Breite, 
§bl)e unb Siefe ift mit ben 6d)ülern aud)< p üben. Von weiteren 
^Belehrungen über Körper unb ^läcfyen ufw. können wir unbe= 
fdjabet il)res formalen unb materiellen 9Rut)ens ooEftänbig ab= 
feljen. 6old)e 6ad)en gefyen über ben 0efid)tsfreis unferer 6d)ü= 
ler weit fyinaus unb o erbieten fid) oon felbft für bie SBe'fyanblung 
in ber ^ilfsfdjule. 1 ) 

(Ein intereffantes Veifpiel für bie Verfdjmelgung bes 
9ted)ien=, Seiten--, §<*nbfertigMtsi= unb 9laumlel)reunterrid)ts &u 
einer «Jadjgruppe bietet ber £el)rplan ber §ilffd)ule gu 6targarb 
i Sßom., beffen einfd)Iägige Veftimmungen als befonbers bead)tens= 
wert fyier wiebergegeben werben foEen. 

*) Skrgl. bie 9luffä&e non Riefen unb 3iegler über Formenlehre in 
3. f. 93el). §d)to. 1916, 2-3, unb 1916, 10. 



— 63 — 



Aufgaben für ben &anb 
fertigheitsunterrid)t. 



9lnfd)luJ3ftoffe aus ben 
übrigen 2) i f 3 i p l i n e n. 



Unterftufe. 
$röbelarbetten:!£äfeld)enlegen,(5täb= Sftedjnen: 93eranfd)aulidmng 



djenlegen, 3ufammenfetjübungen 
mit farbigen SBürfeln, gled)t= 
arbeiten, Serfdjränlten , galten, 
Gdjneiben, Slufhleben, Saiten mit 
Saufteinen. 
gormen in £on: $ugel, perlen* 
fdjnur, Gi, 2Bal3e, JRegel. 



oon 
3af)Ibegriffen, QtxUQtn unb 3" s 
fammenfe^en ber 3äi}len im 3cd) s 
lenttreis oon 1 bis 10. 

3eid)nen: ;ftad)3eid)nen ber burd) 
bie fiegeübungen entftanbenen 
fttguren unb ber burd) bas gor« 
men entftanbenen Körper. 

3toumlef)re: kennenlernen oon 2i= 
nien (geraben, krummen), glä* 
d)en (Sterecfc, 2)retedt, ^reis) unb 
Körpern ($ugel, 2Bal3e). 



SRlttelftufe. 



Rapier» unb ^artonarbeiten : £ut, 
^örbdjen, £äfd)d)en, ^äftdjen, 
SBürfel, ©djiff, 2ifd), 2öinbmüf)le, 
Gljrtftbaumfdjmudt, £üten. 

formen in ion: 9?eft mit Giern, 
©efäfoe ber oerfd)iebenften (Beftalt, 
(Berate, föinge, Sregel, Stpfel, Sir* 
nen unb anbere grüßte, 5}ßil3e, 
9Uibe, Sdjnecnenfjaus ufro. 



SRedmen: gortfefcung ber oorfyin 
beseidjneten Übungen mit 23e3ug 
auf bie jetjt aus3ufüf)renben £>anb= 
betätigungen. 

Slnfcgauungs* unb naturhunblidjer 
Unterridjt: Sefpredjung ber ^er* 
3ufteIIenben (03m. Ijergeftellten) 
©egenftänbe unb ber nadjgebil* 
beten SRaturobjehte. 

3eid)nen: 9tad)3eid)nen bergefertig* 
ten <5ad)en. 



Oberftufe. 



^apparbeiten. 

glädjenarbeiten : 2luf3ief)en eines 
SBanbhalenbers, eines Stunben* 
planes, eines 23ilbes, Sdjneiben 
unb Sefcteben eines Sampentel* 
Iers, eines Sopfunterfetjers ufro. 

Äörperlidje arbeiten: ßäftdjen ber 
oerfdjiebenften 5lrt mit unb ofjne 
Hechel, £>eftmappe, Sdjreibmappe, 
23ud)futteral, $ofthartenftänber, 
Geroiettenring, fedjs* unb ad)t* 
edüges $örbd)en, runbes $örb= 
d)en, 6d)ad)teln, ßammhaften ufro. 



9ted)nen : kennenlernen bes SReter- 
mafees unb feiner (Einteilung, SRef* 

fen, 3 u f ammen 3 a ^ en » 2lb3iet)en, 
Seroielf adjen unb teilen oon 3toei* 
fad) benannten Sängengrbjjen. 

Staumletjre: fiinien, roageredjte, 
fenhred)te, fdjräge, ber redete SBin= 
hei unb beffen Slnroenbung, Gua= 
brat, 9ied)tedt, 2)reiech, regel= 
mäßiges Sieledt, ßreis, 3^ r ^ e ^ 
unb ©ebraud) besfelben, Umfang, 
2)urd)meffer, £>albmeffer, Söürfel, 
eckige unb runbe Säule. 

3eidjnen: 9?ad)3eid)nen ber gefertigt 
ten ©egenftänbe. l ) 

ftür btn 9ied)enunterric[)t befifecn toir gerabe eine Unmenge 
oon Lehrmitteln, Apparaten ufro v non benen fyier nur foI= 
ciznbz (ErtDöljnung finben mögen. 

1. 9*ed)enmafd)inen unb 9*ed)enapparate. 
9lbam, 9ied)cnapparat, fomplett. 9ftetf)obifd)e SHmoeifung. 6d)üler» 
redjenbrett. — 3 U &?ä« t). £üfsfdmllel)rer 'iMbam in 9tteimngen. 

x ) 93ergl. ^terju ben 2luffat} oon 3- Sdjneicfert über bas 'Slrbettspringip 
beim SRedmen in bei* £ilfsfrf)ule. 3)eutfd)e ipilfsfdjulen in 3Bort unb Stlb. 
6. 16 ff. 



— 64 — 

SBrintmanns fteberfaften mit 9ied)enmafa)ine. ©er haften enthält in 
feinem oberen Seile 20 SätylSörper, rote fie fid) an ber 9led)enmafd)ine befin* 
ben. SÜiit §ilfe ber 3ai)itörper !ann bas ftinb alle 9ied)enübungen, bie 
tym in ber Sdntie oeranfd)aulid)t rourben, gu ipaufe roieberljolen. 

©iefe, SKedjcntafien, 2Rit 20 kugeln, mit 5 SBürfeln unb mit 10 
2Bürfein. — 3" ^h *>♦ iiettot ©iefe in SJlagbeburg. 

5!ünnemonn unb Sßoplen, Sftedjenfaften« — §\\ beg. o. Verlag oon Otto 
Sftemnid) in ßcipgig. 

Srrgang, 9ied)enapparat. — 3u ^*h ü - $ilfsfdmllel)rer Srrgang in 
Slattotoi& i. Dberfdjl. 

äftiftas, £ilfs|dmtred)entaften. (Ein befonbers tnpifd)er 9ied)enapparat, 
ber toegen feiner finnreicfyen Sufo^^^nfe^ung roeitgeljenbe 93ead)tung oer= 
bient. — 3« bt$. o. 90Ri£Ias in 2Bien. 

Dörfer, Sd)ieberred)enmafd)ine mit aritfjmetifd^en Sftaturtopen. 9SoU= 
ftänbig einfallt e|lid) ©ebraucfysanmeifung. — 3 U & e 3* o. §ilfsfdmllel)rer 
53öder in ©uisburg. 

SBamedes Heine 9kd)enmafd)ine. Ausgabe A 20,5 cm breit, 7,5 cm 
I)od), mit 10 gäfyltöxvtm. 

3o^IenbiTber='3lpparQt oon Spilan. — 3" be§. o. (L Sölarljolb, ipalle. 

Solie, ©eutfd)e 9iecl)enmafct)ine für 6<$mad)befäl)igte. 1. yiypaxat für 
bas 9fted)nen oon 1 bis 20 mit gtoei 93rud)redmungsfäften. 2. Apparat für 
bas SRedmen oon 1 bis 100 mit maffioer oerfteilbarer Staffel. 3. Apparat 
für bas 9tedmen oon 1 bis 100 o!)ne (Staffel für ©efteUroanbtafel. 4. Qwti 
33rua)rea)nungs!äften mit 6täbd)en unb ßineal. — 3 U & e 8» *>• Sß^rer 93olte 
in gürftenroalbe a. 6pree. 

Schubert, 2Bürgburger SRedjenmafdjine. — 3« °^ *>. §ilfsfdmllel)rer 
6d)ubert in SBürgburg. 

2e^rmünsen aus 9JMaü\ Qu bes. aus ber Sßrägeanftalt oon ©uftao 
9tannenberg in §annooer. 

Seljrmüngen für Unterridjtsatoecfe aus 5ßappe. ©te Prägung unb h^ 
ftarbe ber betreffenben 9Jlüngen ift genau toiebergegeben. — Qu bej. o. 
ber ftirma ftrtebenberg in Hamburg 11, Slbmiralitätsftr. 71=72. 

2. SBanbftbeln unb 9lnfdjauungstafeln. 

ipenet, garbige 28anbbilber für ben erften 9led)enunterridjt. 28 Safein 
für ben 3<>l)Ienfreis oon 1 bis 10. — Qu oej. o. ber girma ©eorüber ©ott= 
Seift in Gaffel. 

9üflaetfd)!e, SRedjenbilbertafel für bas roerltätige 9terfmen im Ginne ber 
9lrbeitsfdmle. Seipgig 1913, Verlag oon Siegismunb & SBolfening. 

Su£, 2BanbtafeI ber metrifdjen SRafje unb ©erntete für Sdmlgtoecfo 
Sdmlferttg. — Qu beg. o. Verlag Su& in Stuttgart. 

2Babnii3, (ButmaleinstabeHe. — 3« be§. o. Sßaitl 6tieljl in Seipjig. 

3. 9ted)enbüd)er für bie §anb ber 6 d) ü I e r. 

93roI)mer unb $ül)ling, Übungsbudj ftum ©ebraud) beim SRedjenunter* 
riä)t in Saubftummenanftalten, Jpilfsfdmlen unb oerroanbten 6dmlgattun= 
gen. — 3 U &eg. *>♦ Vertag 6d)roebel in £aHe a. 6. 

©annenberg, ©realer unb Sflertelsmann, ^Rechenaufgaben für beutfdje 
£üfsfdmlen. 2 £efte. — 3« &eg. *>. $♦ $irt in Breslau. 

©iefe unb ßoeper, SRedjenbud) für ben Unterricht fa^tDac^befäSigter 
Schüler. — 33rofd)üre: ©as Safelrea^nen in ber ipilfsfclmle. — 3" bej. o. 
9Mtor ©iefe in 9JJagbeburg. 

Smurtfelb unb (£bred)t, SRea^enbucS für £ilfsfdmlen. 1. $eft: Unter* 
ftufe. (Srftes unb gtoeites ^ilfefd)uliar)r. 2. £>eft: TOttelftufe. ©rittes 
unb oiertes Jpilfsfdmljaljr. 3. ^eft: Oberftufe. fünftes unb fed)ftes 5>ilfs= 
fd^utia^r. 4. ipeft: 9?ecSenbucb für gortbilbungsfc|ulen — 3 U oe ^ ü ' Verlag 
©ieftertoeg in ftranffurt ö » 3R. 



— 65 — 

ednxlje unb 6dmübt, 2Ber rennet mit? Aufgaben für fcen SRedjen* 
unterridjt in ipüfsfdmlen unb nerroanbten Slnftalten nad) geitgemägen pfn« 
d)ologifd)en ©runbfäfcen ftufenmäfjig georbnet. — ßw &*&♦ *>♦ & 9ftart)olb, 
<paüe a. 6. 

9JUt Vorteil ftnb aud) folgenbe 93üd)er gu gebrauten, bic bas 3 a ^* 
pringip srüecfmäfcig nertreten. 

iofjnn, Reues SBilberbud). — 3« &es« *• Verlag Schreiber, (Egüngen. 

©erlad), ©es $linbes erftes Redjenbud). — git be^. t>. Verlag SBotgt» 
Iänber. 

SBalt^er, ©es ^inbes erftes SRedjenbud). — ßu bes. o. SBerlag <£. 6d)neH 
in aJttindjen. 

ßtteraturnadjmeis. 

91 b a m , ©er SRed)enunterrid)t in ber äfteininger §üfsfdmle. ©eutfdje 
ipüfsfdmlen in 2Bort unb 93üb, 6. 370 ff. §alle a. 6., 3RarJ)oIb. — 
© e r f v (Einige metf)obifd)e ipinbemiffe im Red)enunterrid)t. 3* f» ^ e ?)* 
6d)ro. 1908, 3=4. — (Haffe, Einführung ber ödjüler in bie 3eitred)nung. 
£ilfsfd). 1914, 7. — ©er lad), ßebensnoller 9fted)enunterrid)t. üeipftig 
1914, Verlag non SBoigtlänber. — © i e f e , ©as Redmen auf ber Unterftufe 
ber §üfsfd)ule. 8. f. äinöf. 33b. 8, 106. — ©rünmalb, ©as abfa^lie» 
§enbe Redjnen in ber £üfsfd)ule. £ilfsfdj. 1914, 12. — £aafe, ferner* 
fangen über ben erften SRedgenunterridjt. #ilfsfd). 93b. 2, 204, 231. — 
ip o r r i 5 , ©ie 3 Q 6^i^er. 2ftetf)obifd)e ^Bemerkungen jum erften SRed)en= 
unterriajt. Effen a. 9t., Verlag t>on SBäbeder. — © e r f., 2Bie vermittelt bie 
£ilfsfdmle ifjren 6d)ül°rn bie ftertigfeit, non ber UI)r bie 3 ß it abliefen? 
8. f. 93ef). 6d)to. 1898, 2. — © e r f., 6inb 3al)lenbilber ober Säulenreihen 
beim erften SRed)enunterrid)t in ber §ilfsfd)ule oor^ugie^en? 3* f- %> 
6d)tü. 1902, 8. — © e r f., ©er SRed)enunterrtc][)t in ber £Ufsfdwle. 3- 
SBej). 6d)to. 1909, 1 bis 3. — ©er f., 9lnfd)aulid)er SRed)enunterrid)t in ber 
£ilfsfdntle. #atle a. 6,, 2Rarf)olb. — ^empins!t), (Ein frohes 9ted)en» 
jabr. 6ad)auf gaben für bas erfte 6dmljal)r. ßeipgig 1914, Verlag oon 
©ürr. — £ i e 1 1) o r n , ©er Red)emmterrid)t. 8« f. Slinbf. 55b. 4, 42. — 
ßanbmann, Über bie Entroidlung ber 3^tt)orfteHungen fa^madjbegabter 
5linber. 3* f- Äinbf. 93b. 4, 195. — £ a n g , $röl)lid)es SRedmen. £angcn= 
falja 1913, Verlag i>on ^ort!amp. — ßangermann, Jpanbelnbes Red)= 
nen. 93erlin=3el)lenborf 1914, 9Jtatl)übe=3immer=$aus. — ß o e p e r , Über 
<Rea>nunterrid)t in ber £ilfsfdmle. 3. f. tfinbf. 33b. 2, 109. — ft e II , 
gtngertätigfeit unb ftingerredmen als ftaftor ber (Sntroidlung ber 3ntefli* 
gen§ unb ber $Red)enfunft non Sdjtoadjbegabten. ßangenfalga, SBcner. — 
91 ü e f d) , ©er Red)enunterrtd)t mit ©etftesfd)road)en mit befonberer 93e= 
rütfftd)tigung ber Gntmidlung ber 3 a ^oegriffe. &erf)anblungsbertd)t ber 
6. 6d)tneig. ^onf. f. b. 3btotenro. 1907. — ^ a n t to i d) , 9Inleititnci für ben 
9(nfangsunterrid)t nad) 5)S.^ed)enapparat. ©ortmunb 1909, Vertag üon 
«Ru^fus. — «Reiche It, ©ie Rechentafel. 3. f. SBcr). 6^to. 1882--83, 3. — 
SR ö f f e l , 3 11 ^ Belebung bes <Red)enunterrid)ts. 3* f» ^ G ^- Sd)ro. 1914, 1. 
— SRotF), ©ie natürlidje Red)enmafa)ine. 3. f. M). 6a^m. 1887, 6. — 
S d) m i b t , CebensnoIIer 5Rca^enunterrid)t, bas 91 unb O bes Rcd)cnunter= 
rtdjts in ber öilfsfcfiule. ^ilfsfd). 1913, 7. — ©er f., Sßrattifc^e SRcrfjena^f- 
gaben. ipüfsfd). 1916, 9. — 6d^reiber, ^Beitrag jur fruc^tbringenbcn 
©eftaltung bes SRcd)emmterrtd)ts in unferen 6d)ulen für normale unb 
abnorme tftnber. 3. f. ^inbf. 1906, 97. — S d) n e i cf e r t , ©as Slrbeite- 
prinjip beim Reebnen in ber $>itfsfd)ule. ©eutfebe $ilfsfd)ulen in 3Bort unb 
«Büb, S. 16 ff. £alle a. 6. OTarbotb. — 6 rb ü h e , ©or SRed)enuntorrid)t 
auf ber SRtttelftnfe unb Oberftufe ber £üfsfdmten für fdjmacbbpf'" : 
Äinber. «er. üb. b. 7. <Bcrb. b. £• ©. 1909, $alle a. S., Carl WarboTb. — 
6 1 ä r ! I e , Einige fotlfsmittel beim Rennen auf ber Unterftufe. 3- f ^ c ^- 
6d^m. 1904, 1. — 9Bagner, S3eobad)tungen unb Erfahrungen beim ab' 



— 66 — 

fd&liefcenben 9*edjenunterrid)t. ipilfsfd}, 1916, 10, — 2) e r f., 2Bte erjiele id) 
bei ipilfsfd^ülcrn eine fixere unb geläufige 23el)errfd)ung bes (Einmaleins? 
§ilfsfa> 1916, 7, — W ei gl, 3um 9ted)enuntemd)t in 5er £ilfsfd)ule, 
§ilfsfa> 93b, 3, 91, — 3tegler, 9iedjenunterrid)t bei 6<$maa)finnigen, 
(Ena, &bbä). (5. 1284 ff, — ßieting, 2)er ^aufmannsloben im 9iea;en-- 
unterrid)t. §ilfsfd), 1914, 4. 

i) ©et Mäi&iomxmmxifyL 

3ur ©efamtbilbung *ber ipilfsfdjüler gehört aucfy bie religiöfe 
Bilbung unb Unterm eifung, beren Aufgabe barin befteljt, 
bie Slinber pr Erfüllung ifyrer göttlichen Befrimmung gefdjicft 
§u machen unb fie gur güfyrung eines fittli(^i=religiöfen ßebens 
%u befähigen. ©ie religiöfe Untermeifung ber £ilfsfd)üler roirb 
mit großen ©ttyroierigfeiten oerbunben fein, 5)enn bie religiöfe 
Einlage ber ©cfymad)finnigen ift gang erl)ebliä)i oerfümmert; ebenfo 
befi&en fie ein wenig gebildetes ©efüfylsü ermögen, ein mangel= 
^aftes Berftänönis für religiöfe Einttrirftmgen unb ein fefyr ge= 
ringes Bebürfnis nacfy religiöfen Belehrungen, SDiefe Mängel 
finb befonbers bei ber $iusroat)l unb 9inorbnung bes 
©toffes p beacfyten, ©er ©toff muß auf aEen ©rufen mit bem 
übrigen BorfteEungsleben ber Sauber in engfte Berbinbung ge= 
brad)t werben, weil fonft lein fyinlänglidjer 9lnfd)luj3 erreicht 
wirb, 5)ie fonlreten £anblungen, Erfahrungen, Satfacfyen unb 
©efdjlefyniffe fpreäjien am beutlicfyften, unmittelbarften unb ein= 
brtnglidjften §um Berftanbe unb ©emüte ber Slinber. 2)es-- 
fyalb werben bie religiöfen Belehrungen burcfy fleine, einfache 
Er$äl)lungen religtös-fittlicfyen 3nl)alts, fowie burd) ftrcbltdje 
Unterredungen über ben lieben E>ott eingeleitet, 2)er 3teligions= 
unterriäfyt foE alfo als religiöfer ^nfcfyauungsunterridjt bem l)ei= 
matfunblidjen ^nfcfyauungsunterricfyt ergän^enb §ur ©eite treten 
unb mit ifym £>anb in £anb fortfcfyreiten, $laüj bem (&runbfa£: 
Erft Erfahrung b&w, ©efdjicfyte, bann ßefyre, wirb er mit ber bx&= 
lifcfyen ($efd)id)te beginnen unb als ^Infdjlufrftoffe Bibelfprüdje, 
Stated)ismusftüde, <&vbttt unb Sieberftropljen fyeranftieljen, 

3m Religionsunterrichte ber ipilfsfd)iule unterfdjdben wir 
folgenbe © t u f e n : 

1, 5>er oorberettenbe 9teligtonsunterrid)L 3)urcfy ©e- 
wöfynung an 3ud)t, Drbnung unb ©itte, Besprechung geeigneter 
Erfahrungen, bgm, aud) Befpredjung oon biblifcfyen ©arfteEungen 
roerben in ben Säubern BorfteEungen oon bem ^Balten ©ottes 
gewedt unb aud) einige Richtlinien für ifyr religiös--fittlid)e5 
Behalten geboten, 

2, 3)er g r u n b l e g e n b e Religionsunterridjt. 3)te anfd^au= 
lid)e Be^anblung ber biblifcfyen ©efd)id)te f^afft eine ©runblage 
oon einfad)en religiöfen Erlenntntffen, 2Bal)rl)eiten unb ßeljren, 
bie bas Berftänbnis §u roeiteren religiöfen Einroirfungen er= 
[fliegen foEen, 



— 67 — 

3. ©er ergänze n b e ^eligionsunterridjt. 3)urd) ent= 
fpredjenbe fperanaiefyung paffember Slated)ismusftüd;e, bie roid)tige 
<&laubens= unb Sittenlehren &wn Verftänbnis bringen, erhalten 
bie religiöfen ^Belehrungen eine ergcmäenbe ^Ibrunbung* 

4. 2)er a b f d) l i e ß e n b e 9teligionsunterrid)t. 2)te religiö-- 
fen Unterrid)tsftoffe w erben in überfid)tlid):er 2Beife oor geführt 
unb bie Sdjüler mit ibem ©ottesbienft unb bem fira)Rid)en ßeben 
befannt gemalt, fo baß ein geroiffer ^Ibfdfyluß erhielt roirb, ber 
bie Kinber einigermaßen fittlid)!=religiös oor bereitet für bas 
fpätere ßeben erfdjeinen läßt. 

S)en 6toff für bie religiöfen ^Belehrungen roerben in ber 
ipauptfadje bie biblifcfyen (Ergät)Iungen abgeben, aus benen in an'= 
fcfyaulidjer SBeife alle bie Momente abzuleiten finb, bie in ben 
ödjülern fittltdje Veroollfommnung unb religiöfe ^Belebung er= 
jeugen, fie alfo %u G>ott ^in^ieljen, 2)er (Sang ber SBefyanblung 
beginnt mit ber Vorbereitung, bann folgt bie (Er^är/Iung, barauf 
bie Vefpredyung, aisbann bie ^inroenbung unb fdjließlid) 1 bie 33e- 
feftigung unb Dertiefenbe SBieberljolung. 

(Ein befonberer 51 a t e d) i s m u s u n t e r r i d)l t roirb in ber 
|)ilfsfd)iule nidjjt erteilt; ebenfo muffen roir auf Vibelfunbe oer-- 
#id)ten. 2>ie ipilfsfdjiule roirb fid)l audji nid)t um bie (Einführung 
ber Kinber in bie firdjlic^jen Vefenntniffe rummem. 3)ie $fte* 
morier ftoffe finb auf bas Sftinbeftmaß gu befdjrcmfen; benn es 
fommt txfeniger auf bas (Erlernen tueler Sprüdfye, Steberfrropljen 
ufro. an, als melmefyr barauf, ba% ber 6d)üler bie unerläßlidjften 
28at)rl)äten ber Religion beutHd) erfaßt, fie auf feine Verfyältniffe 
anproenben oerftet)t unb bupd) föeroö'ljnung lernt, fein ipanbeln 
unb fein ßeben banad)! einzurichten. 3Benn er bal)in gelangt, 
SBitte, (Sehet, ^ürbitte, 2)anffagung, SBotyltun unb Mitteilen 
praftifd) gu üben, bann fyat ber 9fMigionsunterrid)t in ber £ilfs'= 
fdjule feinen Qvoed ooHfommen erreidjt. 9lus biefem (örunbe oer= 
#id)ten roir audj auf eine befonbere iperan&iefyung unb 23el)anb= 
hing bes Kirdjjenliebes. $lus einigen, $um ©emeingute geroorbe= 
nen ßiebern roerben einzelne Strophen gelcgentlidji ber 23el)anb= 
lung biblifdjer (£>efd)id)ten herangezogen unb memoriert, 93efon= 
bere 53erücfftd)tigung finben ^eftlieber, £ob= unb 2>anflieber, 
Streng-- unb Sroftlteber, ©laubens-- unb ©ebetslieber. 3)te me= 
morierten Strophen muffen im ©efangunterridjte aud) fidjer ein- 
geübt unb aisbann fyäufig gefungen roerben. — 3)ie Vibel fommt 
für bie öilfsfd)ule ebenfalls nid)t in 93etrad)t. &öd)frens roerben 
roir einige roid)tige Stellen aus bem 9teuen Seftament l)eran^ie= 
%tn, foroie einzelne Sßfalmen. Übungen im 3ured)tfinben unb 
ßefen bes leiten Seftamentes muffen aber gelegentlid) oorgcnom-- 
men roerben. Über bie Vorbereitung gur Konfirmation tft im 
groeiten Seile ausfüfjrlid) beridjtet. 

5* 



— 68 — 

2>er Sfteligionsunterridjt für 6<fyu>ad)f innige ift bereits jiem» 
lid) eingefyenb Dearbeitet; es egtftieren üöer ii)n eine gan$e 93tenge 
%b Handlungen, aber aud)i eine bebeutenbe ^ngal)! Don 
£ e r n m i 1 1 e I n für bie ipanb ber <5d)üler. 

!♦ ©egenftänbe. 

(£t)riftusfigur naa) Sfyortoalbfen in (Elfenbeinmaffe. |>öl)e 40 cm. — 
Krugifir, mit (löriftussörper. Kreug aus ipolg, Körper aus vslfenbeinmaffe. 
#Öi)e 40 cm. — Kntenöer (Engel aus (£>ips. #Öt)e 40 cm. — iü*eiünact)ts= 
Frippe mit gamUie. 40 cm fyoa). — 2uU)erfigur aus (öips. 35 cm i)oa). 

Stoffleörmittel gur SBibettunbe, geologtjcije (Ergeugniffe, (Ergeugniffe 
aus bem £ier= unb Sjjflangenreidje, Saajen aus bem ^tferbau, bem £irten= 
leben unb bem Kultus &it=3sraeis, fotoie aus ber d)riftlia)en 9ieUgions= 
gejd)ia)te finb ebenfalls gu fyabm. — 3u beg. o. Köhler ober SBolctmar in 
fceipgig, 

2. 93 i b I i f dj e $infd)auungsbtlber. 

Seemann, SBiblxfd)e 2Banbbilber. Slltes Seftament. garbige Künftler» 
fteingeicönungen t>on s 4>rof. grang &etn. (Eliefer unb ^Hebeita. i$ofepi) anrb 
t)ertau|t 3o|epi) begrübt feinen &ater. ©ie Auffinbung iüiofes. i^ie ü>e= 
fe^gebung« iKutt) unb $oas* §anna unb Samuel nor (Eli, ©ar»ib unb 
©oiialt). ©atnb fpielt t>or ©auf. Sobias #eimtel)r. — Sfteues 2eftament» 
garbige Künftlerfteingeidmungen t>on Sjirofeffor 3i*. Steinhaufen. 33isi)er 
erfd)ienen: ©ie Softer bes 3airus. 3efus ber Kinberfreunb. 3ßfas in 
©eti)femane. äRaria unb äftartlja. ©ie jünger t>on Ammans. — 93ilb= 
gröfte 100 : 70 cm. 3ebes SBilb aufgewogen auf XJeintoanb mit Stäben. 93er= 
lag t)on Scl)icE & <£o. in ßeipgig. 

Morgan unb (Eopping. iöiblifcfye 2öanbbilber. Orientalifclje $luffaffung 
mit a)aratteriftifa)en gtofcen giguren, in garbenbrutf ausgeführt unb non 
prächtiger gerntoirhmg. $lus bem alten Seftament: ©aniel in ber £öu)en= 
grübe. (Erijöljung ber ehernen ©anlange. ©aoib fpielt nor 6aul. ©er 
betenbe 6amuel. Abraham unb 3faat ©ie Stiftung bes 'ißaffaljlammes. 

— $lus bem neuen Seftament: ©er gute ipirte. ©er Säemann. 3efus fegnet 
bie Ktnber. ©er fintenbe Sßetrus. ©er gmölfiäljrige 3efus im Sempel. ©er 
Süngling gu SRatn. ©er verlorene Sol)n. ©er 5Minbgeborene. ©er barm» 
bergige Samariter, ©ie gel)n 3ungfrauem Paulus unb 6ilas im Keder 
gu ^l)ilippi. ©er verlorene ©rofäjen. ©äs 6d)erflein ber 2Bitme. Sal» 
bung 3efu burdt) bie Sünberin. 3efus fjetlt Kranke. 3efus unb bas Heine 
Kinb. ©ie ©eburt (Eljriftt. 9!Jiaria unb 9ttartl)a. 6peifung ber günftaufenb. 

— 3ebe Safel aufgewogen auf Seinmanb mit Stäben. Verlag ber ^Inftalt 
93etl)el bei 93ielefelb. 

Dr. 51. 9leu!auf, SReue biblifa)e SBanbbilber. garbige Kunftbrätter 
non Karl 6d)maud Gearbeitet unter 3ug*unbelegung ber neueften QueEen» 
mer^e in üielfaä)em garbenbruc! ausgeführt, bleues Seftament. ^BoIIftänbig 
in brei Serien §u fec^s 53latt Serie I. 3efu 2Bir!en in ©aliläa: 3ßfu Saufe, 
©er 93linbe non 33etf)faiba. ©as Söd)terc^en bes 3airus. ©er (öeläfymte. 
3efus als Se^rer am See. 3efus im §aufe bes *ißf)arifäers. Serie II. ©leid^= 
niffe: ©er Säemann. ©er verlorene So^n. ©er ^arifäer unb 3 ^ ner » 
©er barmherzige Samariter, ©er reiche 2Rann. ©ie Arbeiter im SBein« 
berg. Serie III. 3efus im Kampf um 3etufalem: ©er SReffiaseingug in 
3erufalem. ©ie Sempelreinigung. ©er 3insgrofd)en. ©as 3lbenbmaf)t. 
93or bem ^o^enrat. $lm Kreuje. — ©rö§e 92 : 65 cm. Vertag von Karl 
£at>lif i. ßangebrüc! i. Sa. 

9Bangemann, 20 ^Infd^auungsbilber für ben erften Unterricht in ber 
biblifdjen ©efd)i4te. 5lltes Seftament: Sparabies. Austreibung aus bem 
"parabies. Abrahams einjug in bas gelobte Sanb. SRebetra am Brunnen. 



— 69 — 

Sofepl) toirb oerfauft. 3ofepI)s (£rpt)ung. $luffinbung bes Sftofes. (Sli 
unö (5amuel. ©aoiö unö ©oiiati). s 4ö|aiom. — yteues Seftament; §eüige 
3iaa)t. ©te 2Bei)en aus öem UKorgenlanöe. 3e|us im Sempel. £odföett gu 
Slana. ©er 6turm auf öem 9fteere. ©er Süngiing §u Siain, ©er ipeilanö 
jegnct bie i^tnöer. (£i)riftus oor flatus. Kreuzigung, ©er $luferftanöene. 

— ©roße 56 : 70 cm, nebft £er,t oon &tangemann. ©iefe Ausgabe umfaßt 
20 Sibbuöungen gu öen rotdjtigjten &rsät)iungen aus 5cm Eilten unö Sieuen 
Seftament. ©ie Silber finö aber nidjt )et)r groß uub bestjalb meljr für tleine 
klaffen unb für &inäelunterrid)t pajfenb. Verlag oon Steictjaröt in ßeipgtg. 

gugel, ©ibelbtiöer. 24 Kunftblätter in ©ierfarbenbrud. $lltes &e|ta= 
ment: oajöpfung. tyarabies. Kain unb $lbel. 9ioat;s Opfer, Opfer $ibra= 
J)ams. ©ertauf 3ofepI;s. 3ofepf)s (Ert)öt)ung. ©urdjgang bura) bas S^oie 
$ieer. ©ie getyn ©ebote. ©ie ^eilige Qcit. ©aoib unö bie $3unbeslabe. 
(£tias betet um Siegen. — Steues Seftament: (£f)rifti ©eburt. ©er 3efus» 
Cnabe im Sempel. ^Berufung bes $tnbreas. ©rotoermef)rung. ©er wer* 
lorene 6ol)n. ^lufertoedung bes £ajarus. Ölberg. (Etjrifti ©erfpottung. 
^reugtgung. ^uferfteijung. Himmelfahrt. Sßfingftprebigt. — ©roße $lus= 
gäbe für ödmlgtoede als SBanbbiiber. ©röße 40 : 60 cm. 3n fedjs £iefe= 
rangen enttjaltenb je oier ©arfteilungen in Jarbenbrud, aufgewogen auf 
"ißappe. Vertag oon Slöfel in Kempten. 

©üffelborfer ©itberbibel. 30 Utt>grapl)ifa)e ^unftblätter. ®a%u ©e» 
gleitroort: ©ie 9Jieit)obt! bes biblifdjen ©ilbes. Verlag oon 8. 6d)toann 
in ©üffetborf. 

3. Sanbfdjaftsbilber. 

Sangl, Silber aus 'patäftina. ^lusgefütjrt in feinftem garbenbrud 
©rei Blätter: 3erufalem, ©etf)lef)em unb SUagaretf). ©röße 75 : 57 cm. — 
Qu beg. o. ^ör)Icr in £eipgig. 

4. SBanbtarten. 

Stuijnert unb ßeipolbt, 2öanbfarte oon Sßaläfttna §ur 3^t Cö&rtftt, auf 
©runb ber neueften gorfdjungen bargeftellt nad) ber reinen 9ieliefmetI)obe 
mit ünfsfeitiger ©eleudjiung unb 6d)attenronftru£tion. äftit einem Profil 
burd) ^aläftina in ber Sfttdjtung oon Sßeft nad) -Oft über 3erufalem mit 
einem ^pian oon $llt=3e*ufalem nebft ausfül)rlid)em Segte. 6d)ulfertig. — 
3u bej. t>. 5löt)ler in £eipgig. 

5. 93ütf)er (jum Seil für bie §anb ber 6d)üter). 

©affoto, 28 btbiifd)e ©ef(f)id)ten für bie Unterftufe, im ^Infdjluß an 
Silbern entroic!elnb bargeftellt. Verlag oon ©ancll in ©oslar a. §. — 
granfe, 93iblifd)e (5efcl)ia)ten aus bem eilten unb Svenen Seftament. (öotipa 
1907, Verlag oon Sl)ienemann. — Frings, &atl). 9ieligionsbücl)Iein für 
^ilfsfdjulen. Ausgabe für ßeljrer unb Ausgabe für 6a)üler. ©üffelborf 
1919. 93erlag oon 6a;toann. — ^entf, 33iblifa;e ©efa)ia)ten für Eleine 
ßcutc. Raf)la 1910, ©erlag £t)ürtngifcl)e ©erlagsanftalt. — Ää^n, ©ibiifd&e 
©efd)id)ten für bie Unterftufe. ^Berlin 1907, 93erlag oon ©erbes & §bbel. 

— 2Uener, 32 biblifd)e ©efd)id)ten, erjäl)lt nad) ben fttliftifdjen fforberungen 
bes 3Jlärci)ens für bie Hnterftufen eoangeltfdjer ^ilfs», SBol!s= unb 6onn- 
tagsfd)ulen. Atel, Verlag oon Sifdjer & ßipfius. — StRündjoxo, (Soangeli= 
fd)es 9ieligtonsbüd[)lein gum ©ebraud) für ben Unterrid)t mit 6d)toad)en. 
Berlin 1906, ©erlag oon 3ieleffen. — 9Jlurtfelb, ^eltgionsbuct) für $ilfs- 
fdjulen. ^anffurt a. 9Ji. 1914, ©erlag oon ©ieftertoeg. — Steuert, (Soan» 
gelifct^es 9ieligionsbud) grnn ©ebraud) an Saubftummenanftalten, |>ilfs» 
fd)ulen ufto. Seipjtg 1909, ©erlag oon ©übe. — 6d)ips, (£ntrourf einer 
mittleren, leid)tfafelid)en btbltfdjen ©efd)id)te für ?atf)oltfd)e |>tlfsfd)ulen unb 
^Inftalten. 6elbftoerlag ber (Erjteljungsanftalt für geiftesfd)xoad;e ^tnber 
in 6d)lof3 Sterest^eim in Württemberg. — 6oeber, 9Jlertbud) jum eoangeli- 
fdjen 9teligionsunterrid)t. £eipjig 1909, ©erlag oon Sieidjarbt. — 6perber, 



— 70 — 

Religionsbüct)lein für Me Unterftufe eocmgelifcl)er 93oltsfd)ulen. ^Breslau 
1901, Verlag oon <£. ©ülfer. 

£iteraturnad)U)ets. 

ff r e n i e 1 , ©ie erften religiöf en ^Belehrungen. 3« f» Äinöf . 93b. 3, 42, 

— 3 s r a e l , ©er ^onfirmcmbenunterricf)t bei Scfytoadjbefäljigten. 9fto= 
natsbl. f. 5. et). Religionsunterr. 1910, 9. — S^ i e 1 1) o r n , 3) er Religions= 
unterricfyt. 3» f* ÄinBf. 335. 4, 41. — 5) er f., ©er ilonfirmanbenunterricl)t 
in ber £tlfsf cljule. Sangenfttlga 1905, 33ener. — 2 e f) m , 93orfdjlag §u einem 
d)riftoäentrifcfyenReligionslel)rplan für bie f ec^sftufige ^ilfsfdjule. £ilfsfd). 
93b. 6, 10. — 3R o i o r , Reue 2Bege für ben Religions- unb ^onfirmanben= 
Unterricht abnormer. 3ena 1905, Verlag oon <£oftenoble. — 2R e n e r , 
9tttf)t 9JlärcJen, ffabeln unb ^orabeln, fonbern biblifcfje ©efd)icJ)ten nati) 
bem ^5rin§ip ber 3Jtärdj)en. &ilfsfd[). 93b. 2, 292. — 3ftüller, 2lustoal)l 
unb Aufbau bes religiöfen Unterrict)tsftoffes in ber ipüfsfdntle. £ilfsfc|. 
93b. 2, 176. — Sß i p e r , ©er Religionsunterricht. 3. f. 93el). 6dno. 1891, 
3 bis 5. — Reinfelber, ©er Religionsunterricht in £ilfsfcf)ulen. 
©eutfdje etfjulgtg. 1905, 38-39. — Sdjroeter, £eijrplcm für ben Reli- 
gionsunterricht. 3» !• 93el). 6cf)ro. 1894, 6. — 6 cj) u 1 1 e , ©er ^onfirmon- 
benunterric^t bei geiftig 9Jcinberroertigen. 'jßroteftcmtenblatt 1906, 18=19. 

— 5) e r f., Religionsunterricht in ber 6d)ule für geiftig 6djtoad)e. (£n* 
£bbct)., 6. 1322 ff. — 6traferial)n, ©er Religionsunterricht bei 
6dnoacf)finmgen. 3. f. <Bel). 6d)to. 1917, 1. — 2ö e i g l , Reue ßeljrmittel für 
ben ratfjolifctjen Religionsunterricht, ipilfsfcl). 93b. 2, 312. — 3 i e 9 * e x / 
3utn Unterricht in ber biblifctjen ©efdjidjte. 3. f. 93e|. Sd)to. 1907, 12. 

j) S)er $t\äfinuntttxxä)iL 

$iusgangspunft bes Qn^ntns ift bas malenbe Qtxfy 
neu ber Unterftufe, auf meldfyer bie SÜniber fid) biefer 93efd)äf= 
tigung; als ^lusbrudsmittel im (&cfamtuntcrrid)t bebienen. 2)ie 
äeidjnerifcfye ©arfteKung foH aber audj auf ben anbeten 6tufen eine 
große Atolle fpielen unb in bm ©ienft faft fätntlidjier Unterrid)ts= 
bifeiplinen treten. 2)as SJlalen entfpridjt im allgemeinen ber 
Statur bes Slinbes unb feinem Sftitteilungstriebe unb 23etäti= 
gungsbrange, bie fid)i beiibe aud); beim 6d)itoad)finnigen in erfreu= 
lidjer 2Beife bemerfbar machen. S)od)i üerurfadjt bie geid)nerifd)c 
5)arfteltung fyier oft große 6 d)i ro i e r i g ! e i t e n , namentlich) 
bei ^inbern mit motorifcfyen S)efe£ten, gefteigertem 23etpegungs-- 
brang, fd)Ied)ter Sßer§eption optifcfyer (Einbrüche unb gering ent= 
mideltem Sormenfinn. ©esfyalb finb in ber §ilfsfd)ule bie erften 
Übungen im malenben 3^*^ nur in gang einfadjer unb ele= 
mentarfter 2Beife auszuführen unb Stoff unb Sedjnif auf bas 
^Rottoenbigfte §u befd)ränfen. 3>ie geicfynerifdjie ^Betätigung fann 
burd) g^mnaftifdje Übungen, 33ef(^äftigungen mit 6töbd)enlegen, 
^Bauen, 5°^^^/ ^lusfd)neiben ufm. unterftüfet roerben. 4luf biefe 
3Beife toirb aud^ bas 6(^ireiben mirffam oorbereitet, ba Ijanblidje 
Übungen bie motorifcfyen 'Jlusbrudsfäljigleiten bes ^inbes, foroie 
feine $anbgefä)icflid)feit für bie SUusfü|rung ber 93uä)ftabenfor= 
men außerorbentlid) anzuregen unb p förbern oermögen. 

SHus bem malenben 3^iä)tien enttoicfelt fid) na$ unb nad) bas 



— 71 — 

f 9 ft e m a t i f d) e , rooburdji bas Slinb jur mögltdjft feibftänbigen 
Sotalauffaffung unb gur 9tad)bilbung unb 5)arfteEung von &e= 
genftänben unb gönnen geführt werben foE. S)er 3^d)^unter= 
rid)t rotlX bie 6d)üler anleiten, bie C&egenftänbe ifyrer Umgebung 
xvad) gönn unb garbe §u erfaffen unb burd); bie ©arfteUung getd) = 
nerifdj toieberpgeben, (Er fyat alfo bas $iuge für genaue 2Bafyr= 
nefymungen gu bilben unb bie £anib pr gefdjidten ^iusfüfyrung 
$u befähigen. Sieföewußtes Sufammentoirfen oon ^luge, §anb 
unb Berftanb. 

2)er 8eid)enunterrid)t befi&t für bie ipilfsfdjiule einen fyofyen 
formalen 3Bert. (Er bilbet bm 6d)iönf)eitsfinn ber 6d)üler 
unb förbert fomit ifyr SBerftänbnis für (Schönheiten. (Er erjie§t 
^ur Dnbnung unb ^einUdjfeit, toedt bie $lufmerffamfeit, bas ^ltt= 
fd)auungs= unb Unterfdjeibungsüermögen, regt bie Sßfjaniafie an 
unb beeinflußt fyeilf am 5>enfen, güfjlen unb 9BoEen. 3n mate = 
r i e 1 1 e r ipinfid)t bereitet er für bas praftifcfye ßeben oor, inbem 
er einige tedjnifdje gertigfeiten vermittelt, bem ©eftaltungstriebe 
(Gelegenheit gur Betätigung gibt unb SUrbeitfamleit unb gleiß 
förbert 

Wäfyimb bie früheren 3eitf)enmetf)o ben burd) ^nfyaltspunfte, 
ßinien ufto. bem S^inbe (Erieidjiterungen für bie äeidjnerifdjen 2lus= 
füfyrungen boten unb baburd) ben Übergang jum ^reiJjanbgeidjr 
nen mirffam oorbereiteten, oerroirft bie gegentoärtig I)errfd)enbe 
2ftetI)obe Miefe Hilfsmittel unb forbert fofort greiljanbbarftenun^ 
gen. Saburcfy erftefyen bem 3^d)'^wnterrid)t in iber |rilfsfd)ule 
gang bebeutenbe 6d)wierigfeiten, benen ber £efyrer burd) §erab= 
fe£ung ber ^hh, entfprecfyenbe $ereinfad)ung ber 2>arfteEungen 
unb grünbiidje Vorbereitung toirb oor^ubeugen fudjen. 

$luf ber SRittelftufe beginnt bas foftematifdje 3ei<fynen* 

3)te Übungen erftreden fid) auf bie ©arfteEung einfacher ©runb= 

formen oon ©egenftänben aus ber Ximmelt ber 6d)üler. 5)ie 

©arfteEungen toerben gunäcfyft blodiert unb bann in ^o^Ie unb 

Buntftift ausgeführt. SUxtf ber Oberfrufe nehmen bie ©ebilbe 

mannigfadjere formen an; es fommen Übungen Jjjingu im treffen 

oon garben unb im ®ebraud)e bes ßineals unb 3^ r ^ s - 

"211s (5 q n g für bie metf)obtfd)e 93ef)cmblung ift nad) 2Bei§ (§üfs* 
fdmUefyrplcme) ju empfehlen: 

a) „(StngefyenbefariiltdK^Befprerfmngen bes ©egenftanbes gur (Srgiclunö 
bes rechten intenfinen 2öiffens; 

b) fpejieHe 93efpred)ung über bie ftormgeftaltung mit befonberer 93e= 
tonung bes 3öarum unb 3^üdfüf)rung bes (begebenen auf be« 
ftimmte ftormeinfyeiten, ö, \ 9 redete fioxmanatyfe; 

e) ©arfteUung bes ©egenftonbes burd) ben 9lrbeitsunterrid)t (ent« 
roeber ganj ober in feinen formell roid)tigften Seiten); 

d) geidjnerifdje ©orfteüung unter beftänbiger 33ergleid)ung mit bem 
©egenftonbe, unb 

e) ©ebäd)tnisgeicf)en behufs fefter (Einprägung ober freier 55erroen= 
bung ber 5 or ni beim übrigen Unterrichte." 



— 12 — 

©egenftönbe unb Hilfsmittel. 

Königs ajloöelitifd&tcägec mit oerftellbarem Sifd&e unb feibfttätig feft= 
ftefyenbem Jptntergrunöe gum EluffteUen unb Eingängen tum 3eitt)ent>orlagen 
unö ijütoöeuen. fceta)t bret)bar unb neutral grau geftridjen, gum (Sinjegen 
in 6a)utbänte nebft paffenöem (fcinfa&bofyrer für beliebig niele £alter. 

lörunöftoc! tjon Lehrmitteln für ben 3ei$emuiterrid)t ber Unterftufe. 
28 ©egenjtänbe. — 3u b'ej. ü. Verlag t>on ^Bertelsmann, SBielefelb. 

Hotgartitel gum ^Bemalen: gebertaften, 6a)lüffelbrett, Söanöteüer ufm 
— 3 U bej. t>. ^ötjler, £eipjig. 

äftoöelle für bas ©eöaqjtnisaeidjmen: Jpanbfpiegel, (Sichel, SBeil, £öffel 
ufm. 

2Jlotit>e aus ber Sßflansenmelt. SRappe I a. ©röfje 15 : 20 cm. 
20 SBlatt. 

SUtotine aus ber Siermelt. Snfelten, Schmetterlinge, S^äfer, 93ogel= 
febern ufm. 

Stoffmufter, Sapeten, ^tiefen, platten, SBafen ufm. 

Osmalb, 3Banbfricfe für Slinbergimmer jum ausmalen. — 3« & ß S» *>• 
Verlag o. 6d)olj, SOlaing. 

©öl)l, Einleitung gum SBorgeidmen. 9 Hefte. ^Bannte, 9Jtenfdjen, 
93auten, Siere ufm. — 3 U & c 8* u. (5d)reiber in (Ejjüngen. 

Slrieg, 30 3 c ^ e ^fpiele. Sine Anleitung jum 3 e ^nen mit tmbltdjen 
Werfen. — 8« bej. v. Verlag (St>. ©efellfdjaft, Stuttgart. 

ßiteratumadjmeis. 
^ i e 1 1) o r n , 2)er 3eidjenunterritt)t. 3. f. 5Unbf. 93b. 4, 42. — SR ü l - 
l e r , ©as greiJmnbgeictmen in ber ^>itfsfd^xtte ju Seipgig. 3« f» 9te$» 6d)u>. 
1904, 11. — Sßul)rer, 3ür 2Retl)obi! bes 3 c ttf)ettunterrid)ts in 6dnüadj= 
finnigenfdjulen. 3» f» 93e&» Sd)m. 1899, 7=8. — 6 d) m i b t , Sßinf elübungen 
in ber £üfsftt)ule. 3. f. Slinbf. <Bb. 19, 47 ff. — 6 a)m ent, 2)er ßeia^en- 
unterridjt in 3biotenanftalten. 3» f» ^ e §» 6a)m. 1893, 6. — Srümper 
unb SBöbemann, ®ie ^arriEatur im Unterrichte 6a)tDaä)befäI)igter. 3» 
f. 93el). 6a)m. 1914, 1. — QxeQlex, 2Bte meine SUnber ßuft jum fyitynen 
belamen. 3. f. 93elj. 6d)m. 1906, 2-3. 

Sonftige ßiteratur. 

93aumgart, ßeitfaben für ben 3 c i<*)ßnunterridjt. 1. Seil: 3)ie Xln= 
terftufe, 2. Seilt Sie 2JUttelftufe. Qannovtz 1905, Verlag r*on SSittoe ©artoe 
& 6ol)n. — ^ollros, ©pielenbes Qeitynm mit Segefiguren, ©roge 
unb tleine Ausgabe. 9tat»ensberg, Vertag non Sftaier. — ßudom, 3ßu= 
ftrierter 2el)rftoff für ben 3ei$enunterrid)t in ben SBolföfdjulen. 6tutt= 
gart 1911, Verlag üon ber Hnion=2ef)rmUtelgefelIfd)aft. — 9ft a i e r , 2Bas 
bas ^inb im erften Sdjuljafjr geidmen foH. 2 Hefte. SJtündjen 1908, 35er- 
lag üon hellerer. — 2Rülas unb Sremel, 933;as toir in ber Sdntle 
8eicl)nen. SBien 1911, Verlag üon H* H^f^» 

k) S)er ©efanguntertt^t 

5)er ©efangunterri(i)t l)at bie Aufgabe, bie ßuft gum 
Gingen unb bie ^reube an 90luftf gu toeden, bie ©emütsbilbung 
gu förbern, bie 6timme unb bas mufiMtfdje 0el>ör 5U bilben, 
einen ödfyafe toertooEer getftlidjer unb weltlicher ßteber fielet ein= 
guprägen unb bie ^inber ju gefänglicher Betätigung im fpäteren 
!ird)lict)en unb bürgerlichen ßeben oorgubereiten. 3)ie §ilfsfci)üler 
oerfügen in ber Siegel nur feiten über eine fdt)öne 6timme, obröol)l 
fte fonft für 2Ruftf jiemXid) empfänglich erfc^einen. ©oc^ ift es in 



— 73 — 

ber üftegel ber 9lt)t)tt)mus, ber fie gefangen nimmt» $on befonberer 
3Btd)tig!eit mirb es in ber ipiifsfd)ule fein, baß burd) bas 6ingen 
bie geiftige unb körperliche Stärfung unb ömturidlung ber 6d)üler 
görberung ftnbet. ©er 6d)toerpuntt bes ©efangsunterricfytes 
liegt in bm Siebern, bie Don bm 5Unbern fd)ön, bemußt unb feib= 
ftänbig gefungen merben foEen. 3)agu finb gemiffe Übungen 
erforberlid), bie jeboq in mbglidjft enge 33egiei)ung gu ben ßiebern 
elbft gu fe£en finb, 5)ie Übungen befielen in $ltmungs=, Stimm- 
rilbungs= (Son= unb £autbilbungs=)/ Sreff=, rl)t)tl)mifd)en, ©e= 
fyör-- unb brjnamifdjen Übungen. 6elbftoerftänblid) merben fid) 
biefe Übungen nur auf gang einfache unb leiste Aufgaben unb 
Sonbemegungen begießen unb üormiegenb ben 23ebürfniffen ber 
£ieb= bgm. 9Jtelobieeinprägung 9kd)nung tragen. 

33ei btn ^Itmungsübungen ift auf tiefes Einatmen (oer= 
einigtes S^^djf^ 3 u ^ Slanfenatmen), galten bes Sterns unb 
langjames, gleichmäßiges ausatmen gu adjten. 

Übungen gur (kgielung eines frönen Sones (6timmbil= 
bungsübungen) finb gu beginn ieber ©efangftunbe oorgunetjmen* 
SBefonbers finb ber leife 6timmeinfat; unb ber roetdje Son gu 
pflegen; überlautes 6ingen ift unter allen iimftänben gu oer= 
meiben. 

3ur Sdjomtng b^s jugenblidfyen 6timmorgans barf anfäng= 
lid) eine getxriffe 6timmgrenge nid)t überfdfyritten merben. Später 
ift ber Stimmumfang nad) ipöfye unb Siefe aEmül)Ii<fy unb üor= 
fid)tig gu erweitern. Hm bie Stimme oor (Brmübung gu fdjüfcen, 
muß in jeber ©efangftunbe ein 2Bed)fel t)on (Eingel=, (Sruppen unb 
S^laffengefang eintreten. 

3)te gefänglichen ßautbilbungsübungen, bie burcfy fprad)lid)e 
(9lrtifulationsübungen) oorgubereiten finb, tjaben eine reine, 
bialeftfreie ^usfpradje ber SBofale unb eine pljonetifd) ridjtige 
93ilbung ber Slonfonanten gu erftreben. 2>abei ift auf lebhafte 
ßippentötigfeit unb ridjtige Sungenlage, foroie auf lodere 93eme= 
gung bes Unterkiefers gu galten. 

Sreffübungen in metljobtfdjer Stufenfolge merben toir auf 
bas 2Rinbeftmaß befd)ränfen, toeil unfere Sdjüler bafür fdjtoer 
gugänglid) finb. 

©urd) befonbere rl)t)tt)mifd)e Übungen ift bas Saftgefüfyl ber 
^inber gu entroideln unb ber 9l()t)tl)mus ber ßieber burd) oor= 
bereitenbe Übungen gu getoinnen, am beften burd) geeignete ßieb-- 
teilc (StRotinc) aus ben etnguübenben ©efängen. 3)abei ift es oon 
2Btd)tigfett, baß bie S^inber aud) felbft taftierenb fid) betätigen. 

91uf allen 6tufen finb ber einftimmige ©efang, bas (Eingel= 
fingen unb bas felbftänbige ^nftimmen ber ßicber burd) bie S^inber 
gu pflegen. 3)er einftimmige ©efang bleibt in ber §Ufsfd)uIe bie 
SRorm. * 3Benn bie 3krl)ältniffe es jebod) erlauben, fönnen aud) 



— 74 — 

einige Ieid)te ßieber ameiftimmig eingeübt werben. (£s gibt bis= 
weilen 3al)rgänge unter ben ipilfsfdjulfinbern, mit benen bas 
ofnte weiteres gu erreichen ift. 

$or bem Gingen bes Siebes ift fein Sntjalt burd) ein furges 
Gtimmungsbilb bem SSerftänbnis unb bem (fremüte ber Ktnber 
natje $u bringen, bamit ber ©efang mit innerer Seilnafjme aus= 
geführt wirb. 3eboä) barf barunter ber fd)lid)te, natürliche 93or= 
trag nicfyt leiben, $ludj ift bar auf ju acfyten, baß burd)' rid)ttges 
$ltmen fowotjl Sejt als SMobie finngemcif; gegliebert werben. 

3>ic 93efyanblung unb (Sinprügung ber ßiebertejte gehört gu 
ben Aufgaben bes 2)eutfd)= uxvb Religionsunterrichtes. 

3n jeber |>ilfsfd)ule ift für bie einzelnen klaffen ein Kanon 
oon fiiebern feftgufefeen, wobei bie oaterlänbifdjen ©ebenftage, 
bie fird)Ii(^en gefte unb bie 3al)resjeiten p beachten finb. 3)te 
©efamtgat)! ber feftgelegten weltlitfyen ßieber unb Choräle foll 
je 12 bis 15 betragen, 2)iefe ßieber muffen bie Kinber ooEftänbig 
frei üortragen fönnen. 

^lußer ben Kanonliebern bürfen nod) anbere ßieber gur (£in= 
Übung gelangen, beten 5M)I bem ßeljrer überlaffen bleibt, $lber 
aud) t)ier muß bas fd)lid)te ^Bolfslieb b%uo. oolfstümlidje Gpiel= 
lieb im Sorbergrunb ftetjen. 

©er für jebe Klaffe feftgefefete Übungsftoff ift auf ben folgen= 
ben Gtufen gu wie'bert)oten, besgleidjen bie Kirdjenlieber unb bie= 
jenigen ^Botislieber, bie für bas fpätere £eben bauerniben 3Bert 
labend 2>ie (Efyoräle werben nad) Segt unb SJtelobie fo geübt, tüte 
fie oon ben Slirdjenbefyörben üorgefdfyrieben finb. 

2>as Gingen nad): S^ffern unb anbern Gnmbolen bietet ber 
Jpilfsfdjule unüberwinblidjie Gdjwierigfeiten unb läßt ftd) nid)i 
ermöglidjen. 

3ur 93efämpfung t)on Koorbinationsftörungen bienen fombt-- 
nierte (&efangs= unb Turnübungen b%w. Gpiele mit ©efangsbe= 
gleitung, 2)od) finb foläje Übungen mit einer gewiffen $orfid)t 
anpwenben, weil fie, ungroedmägig betrieben, leidjt gur Gd)äbi= 
gung ber ökfunbljeit führen tonnen. 

9lls Hilfsmittel für ben (£efangunterrid)t finb bie 2ie= 
berbüdjer für einfadje Gdjuloerfyältniffe gu gebrauten, $Ils 3n= 
ftrumente fommen 6eige, Klatrier unb iparmonium in 93etrad)t. 
^lufcerbem weifen mir nod) auf folgenbe Gdjriften fyin: 

SJlüEer, tfinberlteö — tfinberfpiet. 

9laneau, 6pielc, Siebet unb 93erfe. 

£mmt=S(mtm. 20 luftige Heine Äinberlte£)d)en &u 2)td)tungen non 38. 
IBIüt^gen, % unb 9*. S)el)mel, ©, ftalfe, (£. Sntbxityz, gr. 3üU, 51. Jpolft, 
SOlia §otm, 3- £of)tnet)er, $>. 6eibel, 3. Srojan, O. 3Biener. %ixx eine 6ing= 
fttmnte unb Pionier, !omponiert üon 9ft. ©eorg 2Binter. Setpgig, 5)ürrfd)e 
5Bud)f)anMung. 



— 75 — 

£xteratumad)tDeis. 
Reiter, ©efang unb ©efangunterridjt in ber §ilfsfä)ule. iptlfsfdj. 
1911, 3. — 3onlf)eere, Über ben (Einfluß ber Söhtjtl auf bie SBetöegun« 
gen bei fd)U)ad)finnigen Kinbern. 3« f- Äinbf. 1901, 3» — Kannegießer, 
®er ©efangunterrictjt in ber §ilfsfd)ule. 3* f* ^ e 6» 6a)U). 1908, 12. — 
£ e g e I , ©efangunterria)t bei geiftig <5djtDa$etu (Eng. £bba> £alle a. 6 V 
SöiatSoH). 

1) 5)et 2Berfimterad)k 

3)er 3Ber£unterrid)it fyat feine Anfänge in ben Vorübungen 
ber Unterftufe; fpäter gel)t er feine eigenen 2Bege unb tritt als 
felbftänbiges $adj au f/ bleibt aber als ^rinjip, ba bie |)ilfsfd)ule 
bod) fdjon immer ber ^irbeitsfcfyultbeen toeitgerjenb 9ted)nung 
trug, bauernb befielen, inbem er burd) manuette ^Betätigungen 
bas red)te Sufammenroirfen t>on $luge, ipanb unb Verftanb er= 
ftrebt unb bamit geficfyerte ^ortfdjirittc in ber geiftigen (£ntroicf= 
lung ber 6d)üler herbeiführen roill. 2)ie £>ilfsfd)iule Ijat bie große 
Vebeutung ber lörperlidjen Übungen für bie geiftige (Ent= 
toidlung fefyr balb erfannt unb aud) bon iljrer Sßflege ausgiebigen 
©ebrauäj gemadjt. 5)urd) eine groedmäßige Betätigung ber 
Pusteln unb Heroen werben getoiffe ipirnpartien beffer ernährt, 
unb bamit toirb tfjre ßetftungsfärjigfeit aud); in geiftiger 33e§ie= 
fyung gefteigert. (Ebenfo fann bei entfpredjenber Übung eine $om= 
)enfation erfranfter Seile burcfy gefunbe eintreten. 1 ) 2)iefe ^lus= 
id)ten führten 31t Verfudjen mit ber 2 i n i s l u 1 1 u r , bie barin 
befterjt, baß neben ber redeten fyanfo aud)i bie linfe §ur Betäti- 
gung im turnen, ^Berfunterrtcrjt, 6cfyreiben unb 3eiä)nen l)eran= 
gebogen roirb. Über ben äftißerfolg, ben bie ßinMultur bei irjrem 
(öebraud) an btn Berliner £>ilfsfd)ulen erlitt, fyat feinergeit bie 
päbagogifdje treffe ausfürjrlid) berietet. 3n mannen gällen 
alierbings, rote g. B. bei redjtsfeitiger fiäljmung, roirb bie ^lus= 
bilbung ber linfen £anb geboten erfdjeinen. ©od) abgeferjen ba= 
oon, f)at im allgemeinen bie toeitgefyenbe §erangiel)ung ber ipanb= 
betätigung im £ilfsfd)iulunterrid)te oiele Vorteile für fid). 5)enn 
es liegt auf ber §anb, baß ein Hinb, toeldjes ^Infdjauungen unb 
(Erfahrungen nid)t nur burd) bas "^luge unb Ofjr, fonbern aud) 
burd) bie Jpanbbetätigungen geroinnt, bei roeitem im Vorteil 
fein unb ein gefiederteres 9Biffen unb können jebem anbeten gegen» 
über aufroetfen roirb. 

2)er 2B e r t bes $Berhmterrid)ts ift ein red)t oielfeitiger unb 
beftel)t im roefentlid)en barin, baß er ben Sätigfeitstrieb bes 6d)ü= 
lers roedt unb iljm neue 9Ral)rung ^ufüljrt, bie förperlidje (&efd)id= 
lid)feit unb (Entroidlung förbert, eine Stenge neuer ^nfdfyauungen 
oermittelt, bie oerfd)iebenften £el)rgegenftänbe unterftü^t, bie get= 

J ) SBcrgL 91 n t n , 2Biebererfat} ber 5 un ^i° n ^ e i (Srfranfungen beß 
(öe^irns unb 9^üdenmarfs, in feinen „pftjdjiatrifcfyen Vorträgen". ^Berlin 
1914. 



— 76 — 

füge (£ntu)idlung bes 6d)ülers günftig beeinflußt, bem Müßiggang 
corbeugt, bie atjarafteroilbung anregt unb bie 93erufs= uni> vx= 
roerösfutjigteit ooroereitet. Sinejer außerorbentüd) tyofye 2Bert bes 
%ertunterrici)ts l)at USeranlajfung gegeoen, baß einige £üfsfd)ul= 
pabagogen bte £>anbarbeit als ben < &usgangs= unb Mittelpunkt 
bes grämten £Mfs|d)ulunterrid)ts l)inge]telit miffen tooüten, aijo 
über bie 3bee ber ^rbeitsjctjule nocty hinausgingen. 2)od) l)at 
biefe einfiel)! fid) nid)t behaupten tonnen; benn öer 6d)U)erpunft 
-ber ipiifs)d)uier3iei)ung ift in ber t)armonifd)en Siusbiibung jämt= 
iidjer Kräfte bes ipiifsjdjülers gu judjen unb nid)t in ber s 43et)or= 
gugung eines einfeitigen ^bilbungsbereicfys. 

(£s faEen bem SBerf unterridjt gtoei Aufgaben §u, eine 
formale unb eine materielle. 3)ie erfte roirb er im Sufammenfyange 
mit ben anberen Unterrichtsfächern erfüllen — SBübung bes Saft= 
finns, &rgiet)ung gum genauen (5et)en unb gur körperlichen (5e= 
f<fytdiid)feit, aE|eiüges ^rfaffen eines ©egenfianbes, ©ennnnung 
flarer ^Borfteliungen unb begriffe ufro. 2)iefe Aufgaben muß 
eigentlid) jebes gad) erfüllen, unb es wäre nid)t richtig, bie barauf 
bezüglichen ipanDbetätigungen oon hm übrigen Unterrid)tsbif$i= 
:)linen gu trennen, ^lls Glittet fommen für biefen S^ed l)aupt= 
ädjlid) MobeEieren, gormen ufa). in 93etrad)t. S)ie mateiieEe 
Aufgabe bes 2Berfunterrid)ts muß barauf gerietet fein, ^n Sd)ü= 
ter für oerfdjiebene arbeiten bes täglichen Sebens tüdjtig gu 
madjen, itjn gur §erfteEung t)on mancherlei ©egenftänben gu 
ailjren unb itjm einige tedjnifdje gertigfetten in manueEer £>tn= 
id)t beizubringen, äßir werben bemnad) auf aEen 6tufen gu 
unterf Reiben tyaben: 

I. SBerEunterridjt im $lnfdjluß an ben übrigen Unterridjt, unb 
- II. f e l b ft ä n b i g e n 2öer!unterrid)t in ftufenmeifer ^norbnung. 

2)er $lrbeitsunterrid)t nrirb folgenbe ©ebiete umfaffen: 1. SBorberei» 
tenbe Übungen nad) $lrt ber $röbelftt)en 93efd)äftigungen für Knaben unb 
$ftäbd)en; 2. $nabenl)anbarbeiten; 3. 9Mbd)enf)anbarbeiten mit (£infd;lu§ 
oon £austDtrtfd)aft, unb 4. ©artenbau, 23lumen= unb Sierpflege für Knaben 
unb 2Jläbd)en. 

3n m e 1 1) o b i f d) e r £>inftd)t ift gu beadjten, ba$ ber 2Berf-- 
unterridjt ftets bas Sßringip eines intenfioen < 3lnfd)auungsunter= 
rid)ts verfolgen muß. $luf aEen 6tufen ift befonberes ©euridjt auf 
Me (Srgietjung gur 6elbftänbig!eit unb Selbfttötigleit gu legen. 

gür bie $tustDaf)l unb 5lnorbnung bes Stoffes mag ber 
folgenbe Sßlan nad) bem ^Berliner £et)rplan gelten: 

L 93orbereitenbe Übungen für Knaben unb ajläba^en: 1. 6innesübüngen 
nad) ber 9Jlet^obe ber Vorübungen; 2. ^erfteEung grunblegenber formen 
in Son ober ^ßlaftiltna; 3. $lusfd)netben oon oorgeäeia^neten 5 or ^en ober 
Silbern aus Rapier; 4. 35efa)äftigungen mit bem Saufaften ufm. 

II. Übungen für Knaben ber Unterftufe: 1. SKobeßteren unb formen 
elnfad)er ©egenftänbe bes 5lnfa)auungsunterria)ts; 2. ^lea^ten mit ^led)t= 
blättern; 3. Faltarbeiten aus Rapier; 4. arbeiten in ßeberpapoe (^läa^en). 



— 77 — 

III. Übungen für Knaben ber 9JUttelftufe: 1. gortgefefctes 2RobeHieren 
unb formen oon C&egenftänben bes 6adwnterria)ts; 2. gledjten fajnrierigerer 
6aa;en, $htf!lebearbeiten ufro.; 3. Kartonarbeiten; 4. arbeiten in ßeber* 
pappe (lörperliaje gormen). 

IV. Übungen für Knaben ber Oberftufe: 1. 3JlobeIIieren im 9lnfd)tu§ 
an ben 6ad)unterria)t; 2. 6d)roierigere S^apparbeiten; 3. Goldarbeiten, §olg» 
Ieiftenarbeit, 93retta>narbeit; 4. fcinfadje §obelbantarbeiten. 

2Beiblid)e ^aufarbeiten (nad) bem ^Berliner £ef)rplan con Sudjs). 

I» Unterftufe: 1. Kreuaftid)übungen auf Sßapier; 2. Kreuaftiajübungen 
auf £eintoanö; 3. $lusftiden oon ftreugfttcijäeictmungen; 4. Übungen auf 
Kaneoas; 5. Übungen mit ber 6d)ere in Rapier unb Karton. 

IL 3Jtittelftufe: 1. (Einführung in bm (öebraud) ber Siridnabeln (Strid» 
beutel); 2. 6trumpfftriden (einfache Sängen); 3. Sas §adenftricten (puppen» 
mü&e); 4. ©as Sinftricten; 5* £äteln; 6. Übungen im (öebraud) ber 6a;ere, 
$lusfd)neiben oon ^ngietjpuppen ufro. 

III. Oberftufe: 1. 2)as $lusfd)neiben t*on ^Ingieljpuppen in fdpie* 
rigerer ^lufmaa^ung; 2. 9läl)fd)üräe, Knabenfd)ürge, Überärmel; 3. $lnnäi)en 
t)on knöpfen, Öfen, 93änbern; 4. Unterrod; 5. filidm unb 6trümpfeftopfen; 
6. £embnäl)en in einfaä)fter ^orm; 7. Knüpfübungen, SKofjr» unb ^aftfleajt* 
arbeiten. 

IV. £ausroirtfd)aft: 1. Übungen oon Ijausroirtfdjafttidjen arbeiten im 
6a)ulgimmer: Kehren, 6taubroifa)en, Safelreinigen, genfterpuijen ufto.; 2. 
Übungen an ber eigenen Kleibung: 6dmf)eput$en, Kleiberbürften, Kleiber* 
ausbeffem ufro.; 3. Übungen in ber 6d)uitud)e, 

m) ©attenarfceti 

©iefe ift oon größter 2Bid)tig£eit für bie ipilfsfd)üler, weil bie 
93efd)äftigung im ©arten ^Bewegung unb Elufentljalt in frifd)er 
ßuft gewahrt. SDie ©artenarbeit förbert bie ©efunöljeit ber Kin= 
ber unb erweitert iljren Elnfdjauungsfreis. 6ie fdjafft greube an 
ber Sftatur, ergießt gur planmäßigen ^aturbetradjtung unb mad)t 
in praftifdjer Arbeit für bas fpätere 2eben gefdjidt. £>ie Gdjüler 
ber Dberftufe beforgen unter Einleitung bes ßefyrers bie eigent= 
lidje arbeiten im ©arten. Elm beften ift es, roenn jebes ^inb ein 
33eet ober ein burdjlaufenbes 6tüd bes gefamten ©artenlanbes 
zugeteilt erl)ält, bas es felbftänbig bebauen, pflegen unb abernten 
barf. Qux Pflege fogialer ©efinnung fann ein 6tüd aud) gemein* 
fam bearbeitet unb bemtrtfdjaftet werben. Sopfpflangen mögen 
aud) anbeut 6d)ülern gur Pflege übergeben merben. 3)ie Sier-- 
roelt bes ©artens gibt (Gelegenheit gur 33eobad)tung unb Sier= 
pflege. Einlegung oon 93rutftätten unb gutterpläfeen ift gu emp= 
fehlen. 2Betterbeobad)tungen ufto. 

2öertnoHe 9ttd)tlimen für biefe Betätigungen bietet ßangermann 
in feinem toteberfyolt ermähnten „ßraieljungsftaat". (£r befdjretbt barin bie 
(£rgtel)ungs= unb ^Übungsarbeit an fd)toad)begabten Kinbern in einem 
6d)ulgarten, raeldjer als freier SBefi^ (£eimat) bie Hauptrolle fpielte unb 
ben SOßittelpunft feines (£rgief)ungsftaates bilbete. 6eine 5ftaftnaf)men et> 
fd)einen baljer in uieler 'öegtefyung nadjatymenstoert unb oerbienen toeit» 
geljenbe 53ead)tung bei ber Pflege ber ©artenarbeit. (£ine äljnltdje 3bee 
oertreten in neuefter 3 e i* bie 33erfed)ter ber ©artenarbettsfa^ule, roeldje 



— 78 — 

if)re praftifdje 33eru)irflicf)ung in Stteufölln bei 33erlin gefunben f)at. 33gL 
§ e t) n , .Sie ©artenarbeitsfdntle. ^om. Blätter 1921, 14, © e r f., Sic ©ar= 
tenarbeitsfd)ule. 33reslau 1921, g. £irt. 

33eranfd)aulid)ungsmittel unö ©egenftänbe. 

Pipers Unopfapparat. Sßtpers Scfjnürapparat. — 3« & e S» *>. &• 93 er * 
littet £et)rmittelanftalt, griebrtajftrafce 6. 

Sajmenr 5 , Cttnfad£)c 3nbuftriegtoeige ber ^Inftalt 3bfteitt i. £. 

äftobelliertifd) nad) Sd)ulbireftor ^ßilg. Sanbfaften ausgejinft. 5Ölit 
einfd)iebbarem äUaterialienfaften, entf)altenb 2ftarfierungsäeid)en, perlen, 
©ips, garbett, Sßtnfel, äftobelUerfjolj, £oljfd)etben ufro. 

Sftormalmerr^eugiiaften nad) ßöffler, entf)altenb 18 3ßer!jeuge, ein 3 U= 
fdmeibebrett, eine ausfüf)rlid)e Einleitung unb 3ei$nungen gut Anfertigung 
oon ©egenftänben. 

Atbeitsfaften, ©röpe 20 : 10 cm, oterfäajerig, eingefetjte Seiltaftdjen 
mit bauerl)aftem jtalitoüber§ug. 

3Q3ert^euge gu Sßapp= unb Goldarbeiten* 

©eräte gur ©artenarbeit. 

©ie Hilfsmittel für ben erften 9lrbeitsunterrid)t. — Qu bej. o. Sd)effer 
unb Sd)labi& in ßeipjtg. 

Vorlagen für ben 333ertunterrtd)t. Seilte Goldarbeiten. 2 §efte mit 
je 10 Vorlagen. — Qu b*h* *>. ipeltn-ßeljrmittelüerlag t>on Asfjelm in 33erltn= 
ÄSKil 

33ilberroer!e: 2Reinl)olbs Ganbmerferbilber. 5 33ilber in ©röfce 
65 : 91 cm. — ©erf., Är^eugtafeln in bemfelben gormat. — Schreibers 
SBanbtafeln ber Arbeitskarten unb 9Ber!geuge für bie roidjtigften Ganb= 
roerfer. 4 folorierte Safein. — 3" ^h *>• ^öt)ler, ßeipjig, 

£iteratumad)roets. 

33 a r t f d) , 3um Ganbfertigfeitsunterridjt in ber Gtlfsfdmle. Gilfsfd). 
33b. 2, 195. — 33afeboto, Über ben $nabenr)anbarbeitsunterridjt in ber 
£ilfsfct)ule. 3. f. SUnbf. 33b. 6, 137. — berliner Seegang für leiste Gold- 
arbeiten. 2Rit 260 Abbilbungen. Seipgig 1894, Verlag oon Ginrid)s. — 
33 i e r ro a % , Arbeit im ^nabent)ort für Sa)road)begabte. 3» f» ^ßäö. spftj»d§. 
33erlin 1904. — 33 r o o t* e s , Ganbarbeit füt geiftesfd)road)e Slinber. 3» ?• 
SUnbf. 33b. 10, 84. — 93 u r g t) a r b t , Über bas formen in ber £ilfsfdmle. 
3. f. 33et). Sd)to. 1907, 11, unb 1908, 3*4. — SBüttner, formen unb ©ar= 
tenarbeit in ber £ilfsfd)ule. 3- f» ß*f» iöbl» Sdjro. 33b. 3. — 3) e r f., ©ar= 
tenarbeit in ber $üfsfdjule. 3. f. 33et). Sdjro. 1903, 3. — $ i f a) e r - & u d) s, 
Sie GtmbarbeU \ n & en «Berliner Gilfsfc|ulen. 33erlin 1911, Verlag bes 
Albred)t=©ürer=Gaufes. — g r e n g e l , ©er Slnabenl)anbarbeitsunterrid)t 
bei geiftesfdnoad)en ^inbern. 3. f. 33el). Sd)to. 1900, 8. — © i e f e , Vor- 
lagen für gled)tarbeiten. 4 Qtfte. SJtagbeburg, Selbftoerlag. — ©rie- 
fing er, ©er 9Q3er?- unb Arbeitsunterrid)t in ber ^ilfsfctjuXc. 331. f. 
S^nabentjanbarbeit 1911, 3, ßeipgig. — © r ü n b i g , £er)rplan für ben £anb- 
fertigWtsunterridjt. 3* f» ®*6» Sdjro. 1885, 4. — G a n&arbeitsunterrid)t in 
ben berliner Sftebenflaffen. 3ftetr)obifd) georbneter 2ef)rgang. 33erlin 1907, 
gebrudt bei 3$. 9töroer. — £ e dj t , 2)ie Suntpapiertedjnif in ber Gilfsfa^ule. 
|>ilfsf d). 33b. 3, 63. — £ e i n i g e r , ftrolje SBerlarbeit. ßeipgig 1916, 33er- 
lag oon Quelle & 9Jlet)er. — St i e 1 5 o r n , ©er Gmräfertigfeitsunterridfjt. 
3. f. Äinbf. 33b. 4, 42. — ^ o % , Über £<mbarbeiten t n & cr <B r üffeler $Ufs- 
fa^ule. 3. f. Stinbf. 33b. 7, 181 .— 2 a n g e r m a n n , ©er (Er jie^ungsftaat 
nad) 6tein--gia)tefc^en ©runbfä^en in einer G^fsfc^ule bura^gefü|rt. 33er-- 
lin=3e^lenborf 1914. — Wl e 15 e r , 3ur 33e^anblung geiftig jurücf gebliebener 
^inber auf ©runblage ber torperlidjen 33etätigung. 3^ f* ®c§. 6a^to. 1904, 
2-3. — © e r f., ©er £mtbarbeitsunterrtdjt in ber GMfsfdjule. 331. f. £na= 
ben^anbarbeit 33b. 19, 7, ßeipsig* — © e r f., ©ie Stellung bes £anbarbetts= 



— 79 — 

unterrichte in ben ipilfsfct)uleri, ©efunbtyeiteroarte ber 6ctyule 1905* £eip* 
gig, Verlag oon 9iemnicty. — 9Jlüller, ©er &anbfertig!eiteunterrictyt bei 
©ctymadtfmnigen. 3. fr 93ety. 6ctyro. 1892, 5, unb 1893, 1. — $ a b ft , ©ie 
93eöeutung bes #anbarbeiteunterrictyte in ber £tlfsfdmle. 3« fr <S*fr iö^I. 
6ctyu). 93b. 2, 29. 3ena 1909, Verlag oon fftfctyer. — 9U a fc , 2öerf= unb 2lr- 
beiteunterrrictyt in ber £ilfsfctyule. 23er. üb. b. 8. 93erb. b. §. 2). 1911. 
©alle o. 6., äftartyolb. — Löffel, 2lus bem 9ßert : ftättenunterrid)t. 3- fr 
33ety. 6ctyto. 1914, 6. — 903 e d m a n n , (Ein Beitrag §um £anbarbetteunter* 
rietyt ber Knaben in ber £ilfsfctyule. §ilfsfcty. $&. 4, 332. — 9Beigl, 
©runbfä&lictyes oom §anbarbeitsunterrtctyt in ber §tlfsfctyule. ipilfsfety. 
53b. 1, 86. — ©er f., §eileratetyung nnb manuelle ^Betätigung. 931. f. Hna= 
bentyanbarbeit 1908, 12. — 2B e n i g e r , Übe unb pflege bie 6elbfttätig!eit 
b« 6ctyüler. 3. f. «Bei). 6duo. 1898, 6. — SB § e b b o n , ©ie StotroenbigEeit 
einer praltifctyen ©eftaltung bes &anbfertig!eiteunterrid)te. 3* fr Ätnöfr 
93b. 10, 79. — 9Q3intermann, Setyrplan für ben §anbarbeiteunterrid)t 
einer breillaffigen §ilfsfctyule. 3» fr ^ety» 6ctyto. 1895, 2. — 3 f <$ 1 e f $ e / 
©er £anbfertigEeitsunterrictyt in ber £ilfsfctyule. 3* fr 93 ß ty» Sctyto. 1907, 8=9. 

— © e r f., ©er 9Q3erE* unb 3lrbeiteunterrictyt in ber £ilfsfctyule. 3» fr ^ e *> 
Sctyto. 1911, 45. 

93 i e f e n t § a l , ©er tyaustoirtfctyaftlictye Unterricht in ber §ilfsfctyule. 

93er. üb. b. 8. 93erb. b. £. 5). 1911. ipalle a. 6„ 3Rartyolb. — ©er Setyrplan 

für Stabelarbeiten in ben ffrcmlfurter #ilfsfctyulen. $ilfsfcty. 1916, 12. — 

,©öty l, (Ein 3<*tyr ©artenatbeit. §tlfs|d> s -öü. 8, 89. — ©rauoogel, 

(Ein 93erfucty mit ©artenarbeit in einer £ilfsfctyule. £ilfsfcty. 93b 8. 91. 

— ipenntgs, Söie tety 9lnfctyauungs* unb 3Berhmterrictyt oerfnüpfe. 
(Ein 93erfucty in ber Unterflaffe einer §ilfsfctyule. 931. fr Änaben- 
tyanbarbeit 1908, 3 unb 9. — 3) e r f. , Slnfctyauungs» unb 933erfunter» 
rietyt im britten Satyr ber &Ufsfctyule. 931. f. ^nabentyanbarb. 1908, 10. — 
© e r f., freies 6ctyaffen ber #ilfsfctyüler. 331. f. Stnabentyanbarb. 1910, 3. 

— ^enje, ©artenbau. §tlfsfdj. 53b. 8, 98. — SüonEa, ©artenbau in 
93reslauu £ilfsfctyulen. ©eutfetye #ilfsfctyulen in 2öort unb 93ilb, 6. 186 ff. 
£aHe a. 6., SDlartyolb. — HRertelsmann, ©er 9ßerfunterrictyt in ber 
£ilfsfctyule. 3. f. 93ety. 6ctyto. 1919, 18. — Sttielfe, 93erictyt über ben 
äßertunterrietyteturfus in ßeipjig. #ilfsfdj. 93b. 4, 284. — 3 i c 9 * c x t 
öctymactyfinnigenfürforge unb ßanbmirtfctyaft. ipilfsfdj. 1914, 9. — 6 ety e n t , 
©artenbau in ^ilfefctyulen. 3. f. ^inbf. 93b. 6, 121. 

Sonftige ßiteratur. 

©er ^Irbeitsunterridtyt im 9latymen ber bistyerigen Unterrid)tsgegen= 
ftänbe unb als 9ßer!ftättenunterrictyt. Oftertoied a. §. 1911, 93erlag t)on 
3idfelbt. — ©etyrmann, SUobeüieren. ßeipgig ^911, 95erlag oon Seub= 
ner. — (Ecftyarbt, 5)er erfte Sdjulunterrictyt im 6inne einer entmtdElungs^ 
getreuen (Erjietyung unb unter ^Berücfrtd)tigung ber 'Slrbeitsftfjulbeftrebun* 
pen. ßeipgig 1911, 93erlag oon Seubner. — |>offmann, ^Infctyauen unb 
iDarftellen, bas päbagogifctye Problem rnferer Sage mit pra!tifctyen 93or= 
fetylägen für ben erften Unterridjjt. ©iefeen 1911, 93erlag oon 9totty. — ßutj 
unb 9Bieber!etyr, ©er plaftifa)e ©arfteHungsunteirid)t auf ber Hntcr= 
ftufe. 3Jcanntyeim 1911, 93erlag on 93enstyeimer. — ©ortmunber Arbeits« 
fa)ulc. 2. 'Jlufl. ßeipsig 1914, 93erlag oon Seubner. — Hennings, 933as 
foH id) ausfdjneiben? kleiner Setyrgang für Anfänger für ^tusfd)neibe= unb 
spiafatfunft. 15 Safein. Hamburg 11, 93erlag oon ^>ans ^riebenberg. — 
j£>aftieb=953anbbilber, Safein für ben 'Sinfdjauimgöunterridjt, als 93orlagen 
für 'Sluöfa^neibetunft: ©änfeliefel. ©er erfte 6dmee. 9Q3er roill unter bie 
Solbaten. ßaterne. 3atyrmar!t. ©ro§e 3Bäfd)e. |>änfel unb ©retel. 9tot* 
tappetyen. ©rö^e 32 : 42 unb 20 : 27 cm. Hamburg 11, 93erlag oon $ans 
ftriebenberg. 



0» 



— 80 — 

n) 2)er Stmumtmid)i Spiele. 

2)er Surnunterridjt I)at in ber grilfsfdjule bie^Bebeutung 
oon £etlunterrid)t, inbem er bie törperiidje 9Jünbertoertigfeit ber 
6d)üier burd) ötärfung unb Übung ber ^örperfraft begeben fofl. 
(£r toiE aber aud) ©efd)icflid)feit unb ©etoanbfjeit erzielen unb 
0>ang, Haltung, 93enet)men unb 93erl)alten ber 6d)üler beffern, 
bes weiteren ifyren äftut unb iljr 6elbftt) ertrauen ftärfen, tljre 
6timmung erweitern unb erfrifdjen, bamit fie toie normale 3Jlen= 
fdjen gur regten 3eit unb am redjten Drt fid) benehmen unb l)an= 
betn lernen. 3)er £umunterrict)t umfaßt in ftufentoeifer golge 
Sätigfeitsübungen, eigentliches Sumen, 6pielen unb 28anbern. 
93ei günftigen $erl)ältmffen lommen nocfy 93aben unb 6d)toimmen 
unb im SBinter Eislauf Ijingu. 3n befonberen fiäUtn, tote bei 
£ät)mungen, 9}üdgratsoerfrümmungen, (5d)ieftoud)s, 33ruft= 
fd)toäd)e ber 6d)üler ufro. muß ein inbioibueH angepaßtes Surnen 
gur $intoenbung gelangen. 1 ) 

S)ie Sätigfeitsübungen finben I)auptfäd)lid) auf ber 
Unterftufe Pflege. Überall, too ftd) nur (Gelegenheit finbet, ift 
baoon ausgiebiger ©ebraudj) §u machen. $lls Sättgfeitsübungen 
ftnb aud) $lusbrucfsbetoegungen, ©eften, 9tad)al)mungen oon 
Sätigfeiten, hantieren mit 6pielfad)en, äfteffen, kaufen, 5)ar= 
fteüungen oon Situationen, ©emonftrationen, 2>ramatifterungen 
ufto. aufpfaffen. 33ei rechtem ©ebraud) toerben biefe äRittel aud) 
bem gefamten Unterridjt gute ©ienfte leiften, flare unb lebenbige 
$lnfd)auungen fdjaffen unb einen toarmen, lebensooHen Unter-- 
rid)tsbetrieb toaljren. 2Bid)tig finb auf biefer 6tufe Übungen gur 
SBetjebung ber Ungefcfydlid)feit, toie $. 93. Hangübungen, ©reif= 
Übungen ufto. 

©as eigentliche Surnen umfaßt auf allen 6tuf en Orb= 
nungs=, $ r ei= unb ©erätübungen. 2)ie Übungen ftnb in itjrem 
betriebe mit ber (Enttoidlung bes menfd)Iid)n Organismus in 
mettjobifdjen (Binflang gu bringen, hierbei fommt bas ©efefe 
oon ber Differenzierung ber ^Bewegungen in 93etrad)t, b. f). es 
toerben §unäd)ft bie gröberen Bewegungen geübt, bann feinere 
Seilbetoegungen unb aflmätjlid) aud) S^oorbinationsübungen. 
6ämtlid)e Übungen muffen genau unb ooHfommen ausgeführt 
toerben, benn je ooüfommener bie ^Bewegung erfolgt, befto in* 
tenftoer wirft ber funktionelle Sfteig auf bas ©eljirn, unb befto 
nachhaltiger toirb fein (Einfluß in ergief)lid)er 3Beife fein. 3n 
jeber 6tunbe ift jebe 2lrt oon Übungen gu pflegen. 3)as fdjafft 
nid)t nur 21bwed)flung, fonbern tragt aud) einer allfeitigen för= 
perlidjen 9Iusbilbung 9ted)nung. 6tar!e feelifdje Erregungen, 
fotoie !örperlid)e $lnftrengungen ftnb natürlid) gu oermeiben. Es 



*) Eergl. §enntg OrtljopäMe in ber £üfsfd)itle. 8- f- ® c ^ ®ti w - 
1914, 11. 



— 81 — 

toirb ftd) empfehlen, in gtoeifettjaften gäflen ärjtlidje ^ntüeifungen 
einholen. 3u ben erroafjnten Übungen fommen notf) folgenbe 
^inju: 

1. Übungen mit 6täben, $anteln, Stauen unb beulen. 

2. kombinierte Übungen, leichte Zeigen. 

3. Slnftanbsübungen. 

5)ie kombinierten Übungen umfaffen eine Reihenfolge grjm- 
naftijdjer Übungen mit genau angepaßter üDhtfifbegleitung, aus= 
geführt auf btm S\Iaoier ober burd) (öefang (eurfjntfjmifdjes 
turnen), (solche Übungsfolgen regen ungemein bas 3ntereffe ber 
6d)üier an, roirfen gang fyert)orragenb äfttyetifd), ceranlaffen große 
(£nergieentfaltung unb fpornen äußerft intenfb bie 2BiEens= unb 
^ufmerffamteitsentroicflung ber ©ä)üler an. Dr. med. 2fton = 
ton, §aag, fdjreibt über turnen mit SJhtfif folgenbes : 

„2>iefe 9Jcetl)obe btlbet eine Unterabteilung bes 6t)ftems, bas %al)h 
reiche Hilfsmittel enthält, ben ftumpffinnigen Siinbern ben Unterricht gu 
erleichtern, &er (£l)aratter ber ausäufütjrenben ^Bewegung nrirb in Klän= 
gen ausgebrüctt. 2)er ^Bewegung geljt ein SftitorneU ooraus, meines bas 
„ßeitmotto" enthält, fo bog öie Sctjüler pren — nacl) (Einftubierung — , 
toelctye 33eroegung ausgeführt merben muß. (Es fällt bies iljnen um fo 
leictjter, ba ftets jebe 93etoegung mit iljrer eigenen 5UangreU)e gepaart 
getjt. (Es mufc alfo nicfyt aUein jebes ^ommanbo überflüffig roerben, fon= 
bern man muß and) banac^ ftreben, ben piaftifdjen Staub ins < üftufifaiifrf)e 
ju übertragen. Sie ^inber finben eine fola^e Unter ricf)tsftunbe fefyr frfjön. 
Serben bie 9lpatl)ifcl)en burd) bie 3Rufil mitgezogen, fo f)ält fie bie (Er- 
regten im 3<uim. 3)a biefe Übungen, tommanbiert unb geleitet burd) Sfluftf, 
bie (öefamtaufmerffamfcit ber ^inber in 2lnfprud) nehmen, fo toerben 2lffo* 
giationen äftDifdjen (£>eprs= unb 93eroegungsoorfteHungen entfielen. Unb 
fid)crlid) tcirb biefe $lnfpannung bes ©elftes ben SUnbern bei anberen Seljr« 
fächern gut guftatten kommen." 

(£ine Ijolje 93ebeutung l)at bas 6piel in ber §ilfsfrf)ule. (£s 
Ijeitert auf, erfrifd)t bas (öemüt, reißt einzelne Kinber aus iljrer 
^Bereinfamung, förbert ben Sätigfeitstrieb, leljrt unb übt @emein= 
ftnn, ftärft bie greube am 6tf)ulleben unb fd)afft 3wi)ad)s an leib-- 
lidjer Slraft unb Q>etüanbtl)eit. golgenbe 6piele erfdjeinen für 
bie £ilfsfd)ule befonbers geeignet: 

1. <Ballfpiclc, ^eifenfpiele, Seil- unb Äegelfpiele. 

2. 93etoegungsfpiele: Sla£e unb 9Kaus, fdjmaräer 3Rann, Satdjs aus 
bem 2od), ^ßlumpfacf ufm. 

3. 9Rad)aI)mungsfpieIe mit 93enutjung oon 93ol!sliebern: ^ommt ein 
93ogel angeflogen, 2BolIt if)r miffenV Füller Imft bu nid)ts gu mal)= 
len? ufto. 

4. Unterpltungsfpiele im 3immer, ©efeUfd)aftsfpiele,9*ätfelraten ufto. 

3Me SBanberungen treten ebenfalls in bzn ©ienft ber 
förperlid)cn Übungen. 6ie Ijaben aber aud) Ijolje 93cbeutung für 
bie £eimatshtnbe unb ben Iebenshmblid)en Unterridjt. ^ußer-- 
bem bieten fie, in ber richtigen *5lrt unb 3Beife betrieben, förper» 
lic^e unb getftige (Erfrifdjung unb geben bem ßeljrer Gelegenheit, 
bie (Eigenart feiner 6d)üler beffer fennen gu lernen als allgemeine 



— 82 — 

^Beobachtungen im 6ä)ulunterrid)te. SBaben unb 6ct)mimmen 
ftetjen ben 5Banberungen gIeid)toerttg jur 6eite. 3m hinter 
bietet ber (Eislauf ufu>. einen trefflicfyen (Erfatj für biefe Übungen. 
"3115 Hilfsmittel für bzn Surnunterridjt t)ermenben töir 
bie allgemein üblichen ©eräte unb Utenfttien, ebenfo bie überall 
gebräudylidjen 6pielgeräte. 

Turngeräte für fallen unb für bas Sumen im freien: 

Darren, SBötfe, ßeitern, blatten, ^ßferbe, 9lecfftangen, Schaukelringe, 
Springbrett, Sprtngfaften, Springfa^nur, Springftänber, Surnftäbe unb 
Apparate für 3iwntergtjmnaftt!. — 3 U be^. v. Slöljler in Seipgtg. 

Spielfadjen uftt>. 

(Eine 2luslefe oon ^inberfpielgeugen, 93efdjäftigungs= unb G>efell= 
fdjaftsfpielen nebft Sptelmegmeifer ufm. bietet ber Verlag ber 3üHc^otöer 
Slnftalten bei Stettin — Sttreftor ^aftor 3al)n. 2)ie ^um Skrfauf fielen« 
ben Sammlungen finb fc^r reichhaltig, gmecfmägig für jebes Spielaltet 
gruppiert unb umfaffen fämtlid)e Spielgebiete, — $ludj bie ßef)rmittel= 
fjanblungen finb in ber Sage, gemünfdjte Spielfadjen ufm. §u liefern. 

3öanbtafeln. 

$llbred)t, Safel förperlidjer Übungen für Sdjule unb £aus mit unter= 
gebrücktem Sest. Ausgabe für Knaben unb Ausgabe für 2ftäbd)en aufge= 
gogen auf Seinmanb mit Stäben. — Sdjmibt, ipaliungsüorbilber. &tf)n 
SBanbtafeln mit 32 $altungsbilbern mm SBeifpielen unb ©egenbeifpielen. 
fertig gum $lufl)ängen. 3u bej. ü. &>I)ler in ßeipjig. 

ßiteraturnadjmets. 

SHebom, ©as Surnen in ber f>ilfsfd)ule. £ilfsfd). 1916, 10. — 
Jtengel, 2>ie tumerifdjen Übungen. 3» f* Ätnbf. $Bb. 3, 41. — © ü r t * 
l e r , 2He ausgeriffenen Spielfolbaten. 3* f* ®d)« Sdjm. 1916, 12 — §ar» 
t i g , Hnfere Surnftunbe. 3» f» %*§* Sdjm. 1914, 5. — ftie<l$orn, Surnen 
unb Spiel. 3- f. SUnbf. 93b. 4, 12. — £ o d) , Surnen in ber 33rüff eler &ilfs= 
fdjule. 3. f. Slinbf. 33b. 7, 176. — 2 e g e l , 2>ie päbagogifdje ©tmtnaftif in 
ber Schute für Sd)mad)finnige. 3» f* Stelj» Sdjm. 1902, 7. — 8 e l) m , Über 
ben 2Bert ber Freiübungen in £ilfsfdmlen. 3» f» Äinbf* 53b. 21, 1=2. — 
3) er f., Spielformen bes Sumunterridjts in ber £ilfsfdjule. #tlfsfdj. 
1916, 2=3. — Seifert, Spiele für ben Unterricht fc§mad)finniger Slinber. 
$ilfsfdj. 33b. 7, 8=9. — Sieglet, (Ein Spiel für bu gang Sd)mad)en. 3- 
f. <BeI). Sd)m. 1915, 1 . 

Sonftige ßiteratur. 

3al)n, 93efd)äftigungs= unb ©efeUfdjaftsfpiele als mistige (Er§ie= 
Düngemittel in 2lnftalten, Kolonien unb 5 am ili e n. Verlag ber 3üHd)omer 
$lnftalten bei Stettin. — Saufdj, ^inberfpiele. SBetlag non Spamer in 
ßeipjig. — Sdjlipföter, 2Bas f ollen mir fpielen? Verlag ber Agentur 
bes 9toul)en Kaufes in Hamburg. — 3) e r f., allerlei ^urjmeil im ipaufe. 
©erfelbe Verlag. — 9B e i dj e r t , Surnfpiele unb ßieberreigen. Verlag 
von ^afemann in ©anjtg. 

o) 3>er Hntemdjt in ter Sftuitesfpradje* 

S)ie geiftige (Entroicflung ber 6d)üler mirb burd) ben 6ad)= 
unterric^t geförbert. 5)ie realen ^nfdjauungen bilben ben 2lus= 
gangspunlt unb bie ©runblage bes gefamten Seelenlebens. 'Slls 
%usbrucfsmittel besfelben fommt bie 6prad)e in 53etrad)t, beren 



— 83 — 

Pflege bestjalb mit eine ber Hauptaufgaben bes Irilfsfcfyulunter-- 
rid)ts fein roirb. 3)ie 6prad)e bient in erfter Sinie wofyl als $Ber= 
fränbigungsmittel, bann aber ift fie bas §auptmittel gur 93ilbung 
ber geiftigen Gräfte unb Anlagen bes äftenfdjen. 3)iefer itjrer bop= 
pelten Eigenart muffen wir aud) im $ilfsfd)ulunterrid)t gerecht 
ix>erben unb bie 6d)üler batjin führen, baß wir fie burd) bie 6prad)e 
getfiig bilben unb fie befähigen, fid) iijrer als äftittel gut Verftän= 
bigung mit ber Umweit gu bebienen. 3)ie 6prad)e ift etwas <pör= 
bares, 6id)tbares, güljlbares unb (Mftiges, ober fie roeift Saute, 
6pred)bewegungen, S^i^n, ^Begriffe unb gto^n au f* 3>anad) 
werben mir im öpracfyunterridjte eine p $ o n e t i f d) e , eine 
I d) r i f 1 1 i d)s e , eine I o g i f d) e unb eine formelle 6eite gu 
unterfd)eiben Ijaben ober, wenn mir uns ber üblidfyen ^Begeidjnun-- 
gen bebienen, einen Unterridjt im 6pred)en, im ßefen, im 6d)tei= 
ben unb im ©ebraud) ber 6prad)formen. 3Ratürlid) werben biefe 
Smeige nid)t gefonbert ober nebenljergeljenb betrieben, fonbern in 
wedvfelfeitiger, inniger SBegiefyung miteinanber gepflegt werben 
muffen, 

(£s tonnte nun ber (Einwurf gemalt toerben, ber 6prad)-- 
unterridjt fei mit fd)wad)finnigen Kinbern ebenfo p betreiben toie 
mit ooflfinnigen, man müßte nur in etwas- oerlangfamter SBeife 
oorgeljen unb oiel üben, bann mürbe man bas $\zl erreichen. 
2>as trifft jebod) nidjt gu; benn bie 93erfyältniffe in fpradjlidyec 
93egiel)ung liegen in ber §ilfsfd)atle gang anbers als in ber $ol£s= 
fdjule. S)ie6prad)e bes fd)wad)if innigen Slinb es i)i 
infolge ber mangelhaften geiftigen Veranlagung oft aufs empftnb= 
lid)fte gefdjäbigt unb weift in mandjerlei |>mfid)t gang erfyebltd)e 
Sftängel, Sftücfftänbe unb Unoottfommenljeiten gegenüber ber bes 
oollfinnigen ^inbes auf. ©esljalb muß in ber £tlfsfd>ule aud) 
anbers oorgegangen toerben als in ber 93oltsfd)ule. SOlit fort= 
fdjreitenber geiftiger (Entwidmung allerbings wirb eine $lnnöfy£= 
rung an btn normalen Unterrid)tsbetrieb möglicfy fein, bod) immer 
mit 33eobad)tung befonberer ^Raßnaljmen, bie burd) bie jeweiligen 
tnbhnbueflen (Eigentümlidjfeiten bes 6d)ülermatertals bebingt 
werben. 

©er Unterricht im 6precfyen Ijat bie 33ilbung bes 6pre= 
d)ens unb bie Pflege ber ©ebanfenbarfteHung gur Aufgabe. 93ei 
S^inbern mit 6prad)gebred)en werben SUrtifttlationsübungen gute 
SMenfte tun. SMefe foHen jebocty nidjt 6elbftgwed, fonbern nur 
Mittel gum 3roede fein, förunbfafe muß aud) bei btefen Übungen 
bleiben: (Brft $lnfd)auung, bann fprad)lid)e 93egeid)nung unb gu-- 
le£t 23efeitigung ber mangelhaften ^lusfpradjc burd) anfd)aulid)e 
Übungen. (Es ift oon oornljerein großes Qkwidjt auf eine forrefte 
^usfpradje gu legen, bie bas 9^erfmal eines normalen 9(ftenfd)en 
bilbet. 3)arum wirb bie 6prad)pflege in ber <pilfsfd)itle mit größ- 

6* 



— 84 — 

ter Sorgfalt gu betreiben fein, bamit es bann nid)t bei jeber ©e-- 
legenljeit Reißen fann: ,,©u bift ein S<fyroad)finniger, beine 
Sprache oerrät bid) als foldjen." 

5)ie Pflege ber © e b a n l e n b a r ft e II u n g finbet fyaupt-- 
fädjlid) im $lnfd)auungsunterrid)te ftatt. ©ie Sammlung oon 
Haren, lebensvollen $lnfd)auungen itnb iljre fefte Verknüpfung 
mit ben entfpred)enben 93egeid)nungen (^Borten), bleibt als 
Hauptaufgabe befielen, ©er Unterridjt beginnt mit bem 3^9^ 
unb ^Benennen oon toirflid)en ©egenftänben, erftredt fid) bann 
auf bas ^Benennen ber toidjtigften djarafteriftifcijen Seile einzelner 
©egenftänbe unb gelangt fdjließlid) gur 53egeid)nung oon 2ätig= 
feiten, (Mgenfdjaften ufto. Überall ift auf eine innige, unmittel= 
bare Verknüpfung oon 2Bort unb Sprache gu ad)ten, befonbers 
aber eine ftete Verbinbung gum ßeben bes S^inbes fyerguftellen, 
fo baß baburd)' ein inniger eintrieb gur fprad)lid)en Betätigung 
geboten toirb. Sinngemäße ^Ineinanberfettung eingelner gufam= 
menfyängenber Saiden gu lleinen Spracijgangen mit anfdjaulidjer 
^Betonung iljres logifdjen S^fammen^angs muß naä) Maßgabe ber 
jeweiligen Spradjenttoidlungsftufe ftets beobachtet toerben. Um= 
gebungs= unb (Erlebnisunterrid)t. 

$luf fdjönes, tooljlflingenbes unb finngemäßes Sprechen ift, 
toie bereits betont, gieid) oon Anfang an großes ©etoid)t gu legen, 
©esljalb muß aud) fleißiges (Etjorfpredjen geübt toerben. ©ute 
^Betonung, 3Bed)fel ber Stimme, Vertoenbung ber ©efte unb rid)-- 
tige Atmung finb unbebingtgu beobachten unb befonbers beim 9fte= 
morieren Heiner Versehen gu pflegen. 

©er £efeunterrid)t in ber ipilfsfdjule toirb 9tücffid)t 
auf bie bisherigen Kenntniffe unb gerttgleiten ber Schüler nehmen 
muffen unb bann barauf toeiter bauen. 3n ben meiften gällen 
jebod) toerben fid) bie oorljanbenen SBefifetümer fo bürftig ertoeifen, 
ba^ ein neuer Aufbau nottoenbig erfdjeinen toirb. $luf analt)tifd)- 
frjntljetifdjem 2Bege toirb ber Sd)üler baljin geführt, ba^ er er- 
nennt, toie fid) ein ©ebanfe aus feorten aufbaut, toie bie 3Borte 
aus (Silben unb biefe aus ßauten befteljen. ©ie (Brfdjließung biefes 
Verftänbniffes ift nottoenbig, bamit ber ^Betrieb bes £efeunter= 
ridjts nid)t gum medjanifdjen ©rill ausartet, fonbern ben Sdjüler 
oon vornherein ben S^ecf bes ßefens erfennen läßt. 3n umge= 
feljrter 2Beife foll ber Sdjüler aud) erfahren, toie georbnete 3ufam= 
menfefeungen ber 2aute gu 6ilben unb Wörtern unb biefer gum 
Safee fprad)Iid)e 3nl)alte ergeben. (Er toirb bann fofort beim ßefen 
merfen, baß es fid) um 6prad)e unb 3nl)alt Ijanbelt, unb barum 
bem ßefen meljr 3ntereffe fotoie Verftänbnis entgegenbringen. (£s 
fd)einen bies feljr Ijolje Silnforberungen gu fein; aber trofebem finb 
fie gu erfüllen, toenn man in gang elementarer unb fonfreter 
2Beife oorgeljt. 9Jton muß (td> nur bemühen, fo tief toie möglid) 



— 85 — 

gum Slinbe Ijerabgufteigen unb aus biefer Sßerfpefttoe bie Sadje. 
in Eingriff gu nehmen, bann gefyt es gang gut, 

3n ber §tlfsfd)ule roäfjlen roir für ben ^Betrieb bes erften 
£efeunterrid)ts bas frjntfyetifcfye $erfat)ren, ofjne uns 
jebod) barauf gu cerfteifen, baß es ausfdjtießlid) §ur $In= 
roenbung gelangen fofl. 5)as frjntl)etifd)e $erfal)ren paßt 



tufenroeife, fid) aß= 
tigen Gräfte beffer 



toegcn feiner größeren (Einfadjtjeit unb feiner 

mafylid) fteigernben 3nanfprud)narjme ber gel 

für unfere 6d)üler als jebes anbere Unterridjtsoerfafyren. $luj3er= 

bem trägt bie 6rjntf)efe aud) bem Sßringip ber 3foüerung ber 

6d)roierigfeiten Sftedjnung; fie ift alfo bie S0tetf)obe ber ge- 

ringften fui^effioen (Steigerung ber $inforberungen an bie ßei= 

ftungsfäl)ig!eit ber (5d)üler. Sdjließlid)! ermöglicht fte au<fy eine 

befdjleunigte 9lutomatifierung ber einfadjen elementaren ^lffo§ia= 

tionen beim £efeoorgang. 6ie erfdjeint barum als bie geeignetfte 

2efemett)obe für 6d)road)fmnige, bei benen ja fo fyäufig $lffo5ia= 

tionsftörungen, ©ebädjtnisfcfyroädjen unb ^Ibftraltionsmängel oor= 

fommen. 

S)as 3B o r t b i I b I e f e n , roie es oon einigen Siftettjobif ern 

autf) empfohlen roirb, fommt für unfere 6d)üler gunäd)ft nid)t in 

93etrad)t, roeil fie Totalitäten erft aHmäljIid) aufgufaffen oermögen 

unb aus biefem ©runbe nur feiten §ur genauen unb üofifommenen 

(Erlernung bes ßefens gelangen tonnen, ©ann fann aber bas 

SBortbilblefen aud) nocfy jum ^adjteil für bie Orthographie 

toerben, infofern als ber optifdje (Einbrudi nid)t genügenb nad)= 

faltige SBortbilber unferen ungenau auffaffenben Slinbern für 

bie fd)riftlid)e ©arftellung abzugeben oermag. 3)as Sefen ift 

an folgen Wörtern gu üben, beren 3nfyalt il)nen aus bem ©e= 

famtunterrid)te befannt unb intereffant ift, 3)ie Wörter ftnb tun'= 

Iid)ft balb $u fleinen Saferen gu gruppieren, um ©pradjinfyalte 

$u gewinnen. 3)ie 9lusfd)altung med)anifd)er ßefeübungen fann 

nid)t befürwortet roerben; benn ßefen ift aud) eine mecfyanifcfye 

Sätigt'eit unb bebarf gu ifyrer Übung foldjer 6toffe. ßefetedjnifdje 

Übungen ftnb am beftcn mit 93enut$ung oon ßefefäftdjen ausgufürj= 

ren. 2Btd)tig erfdjeint es, baß geeignete ^ffogiationen (£autibeen= 

affogiation), bie pr 33efeftigung oon 2autnamen unb ßautformen 

bienen, red)t anfcfyaulid) geboten roerben. 3e inniger SRame unb 

5Mlb bes Sautes fid) oerbtnben, befto Ieid)ter unb fixerer fann bie 

^Reprobuftion erfolgen. 3n ben 3)ienft beifes $erfat)rens roiü fid), 

außer oerfd)tebenen anberen 90Retf)oben, befonbers bas foge* 

nannte „ftinqerlefen" fteHen, bei roeId)em ^roifd)en ftinqerftel* 

hingen, ^ud)ftabenformen unb 90^unbftellungen $rjnlid)fcits= 

formen unb d)araftcrifttfd)c tarnen geboten merben, bie pr Icid) 1 -- 

teren 9^cprobuftion ber ßautnamen führen follen. 

*3[n biefer 6tcltc fei auf ein Skrfafyrert ^ingetniefen, bas in mandjer 
^egic^img rccf)t Icfjrrcirf) unb intereffant ift. 1920 erfc^ien t>on CBrict) 



V 



— 86 — 

2Barnetfe bei 33orgmener in £ilbesl)eim eine 6c§rift unter bem Sitel: 
©er erfte 6d)reiblefeunterrid)t in ftnblid) barftellenber gorm auf mne- 
motedjmifcljer ©runblage unter (Einfügung oon Vegleitberoegungen gur 
Sautartitulation. ©er Verfaffer ftellt barin bte Vefjauptung auf: „2ln 
&ilfsfcl)ulen roirb man biefe äRetljobe gern nriulommen feigen." 6eine 
2Retf)obe, bie einen umfaffenb anfajaulidjen, burd) 9Jlitbetättgung bes Slin- 
bes gehobenen ßefeunterrid)t aufbauen «rill, ift etwa folgenbe: 

1. Unter ©arbietung eines Stoffes aus bem (Erfaf)rungs!retfe bes 
lUnbes ttrirb es in bie ©urdmafyme eines jeben ßautes unb Vuajftabens 
eingeführt ©er gu toäfylenbe Stoff mufj alle (Elemente enthalten, auf bie 
Saut, ßautgeiajen unb Vegleitbemegung 93egug nehmen tonnen. Sie ©ar= 
bietung mu§ ferner in einer 2Beife erfolgen, bog bas ©ange für bas 
5Unb fiel) gu einem (Erlebnis geftaltet. 

2. Slaify ber (Einführung mu§ ber ßaut geroonnen roorben fein aus 
ben vorgekommenen Statur ftimmen, (Empfinbungsausbrücfen ber ^erfonen, 
aus ben ©eräufajen ber ©inge, feiten nur nad) 9lrt ber 3gclmetf)obe aus 
bem tarnen ber £auptträger ber &anblung. 

3. ©er 53ud)ftabe muft fid) aus Elementen ber ©eftalten ber (Einfüh- 
rung aufbauen, unb gmar gang ober gum Seil, mögliajft aber in feinen 
5lernftücten. 

4. Saut unb 3 e ^ e « muffen in Vegieljung gueinanber gefegt merben. 

5. 9lls midjtigfter $a!tor mufc hinter ber ßautgeminnung ober ber 
bes 5Bud)ftabens bie Vegleitbemegung feftgelegt unb geübt merben. 3!) re 
Vegieljung gur (Einführung muft Jlar bargefteKt merben. 6ie mufj aus 
bem Vud)ftabenbilb unbebingt nocl) einmal abgeleitet werben. 

6. ©ie Vemegung toie bie finblitf)e (Erläuterung muffen aud) nodj bei 
ber ßautfnntl)efe angemenbet merben. 

©er 6tufengang im Seeerfahren ift folgenber: 

1. (Einführung. 

2. ßoslöfung unb Vefeftigung bes ßautes; Verbinbung mit ber 93e* 
gleitbemegung. 

3. ©arbietung bes 93ud)ftabens unb toeitere Verknüpfungen. 

4. Übung unb (Einprägung. 

Sin SBctfpteX aus bes Verfaffers Einleitung mag nun gur toeiteren 
(Erläuterung feines Verfahrens folgen: 

©as „t". 
I. (Einführung. 

a) 2lnfd)auungsunterricl)t im ©arten, an Räumen unb 
Sträudjern, blättern unb Vlüten, über Heine ßebemefen auf ben Sßflangen 
toie ^äfer, Vlattläufe u. bergl. 2Bo 2lnfd)auungsunterrid)t nidjt möglid), 
Unterhaltung über genannte £ebensgemeinfd)aft. 

b) (Ergäl)lung, 3ba fpielte einft mit ifjren ^reunbinnen im 
©arten Verftecfen. ©abei oerbarg fie ftdj in einem bieten ©ebüfd). 35alb 
aber mürbe fie oon il)rer ^reunbin ßifa gefunben. 3ba !am nun Ijeroor. 
3m Vufdj mar il)r ipaar gergauft unb il)re ipaarfdjleife losgegangen. Sie 
bat ßifa bie Schleife feftgubinben. ßifa tat es. ©abei erbliche jte auf ein= 
mal einen kleinen grauen ^äfer auf 3bas Scheitel, ©arüber erfdjraf fie 
unb rief: „3, auf beinern Scheitel friedet ein e!liges Sier!" (93ei „3" mimi* 
fdjen 9lad)bruc! geben.) ©ann rief fie bie übrigen Sftäbdjen Ijerbei, geigte 
auf 3bas S^opf unb fpradj mieber: „3, fel)t einmal, auf 3bas Scheitel !ried)t 
ein Ster!" „©ann nimm es bodj meg!" bat 3ba. „3, nein! idj mag es 
nidjt anfaffen; bas frabbelt fo", fpradj ßifa mieber. „9Ber fürchtet ftdj 
benn oor fold) einem Ileinen Sier?" fagte 3ba ärgerlich. „©Rüttele bod) 
mit bem £opf", riefen bie anberen 9J?äbd)en, „bann mirb ber ^äfer herunter« 
fallen." ©as tat nun 3ba, unb ber ^äfer fiel I)erab. 



— 87 — 

IL Sautgeminnung. 3Sas tief Sifa, als fic öen Käfet auf 
3bas Sdjeitel etblidte? — 2Bas tat fic, als öic anbeten äRäbdjen famen? 
Ste geigte auf 3bas Kopf unb tief: „31" ufm. — 2Bas tief Sifa immet 
guetft? 

SBegleitbetoegung. 9tuft audj fo unb geigt öabei auf 
euten Kopfl 

3Bas bie Kinbet tiefen, ift «riebet ein Saut. 2Bie l)eif}t bet Saut? 
2öeld)en Saut fennt tl)t fd)on? 2BoIjet Ijaben mit bas e bekommen? (golgt 
bie äBiebetgabe bet &egteitbemegung bes e; biefet Saut mutbe als etftet 
gewonnen.) Spteä)t Jefet bas i unb geigt babei auf ben Kopf (Sdjeitel)! 
Sntoenbungen bes i anbetmeittg. 

III. Aufbau bes 9ßud)ftabens. 5Bit moßen bas i fdjteiben. 

2Bo ftod) bet Käfet? Z_ bas foH btx ©Reitet fein; bet Sßunft batübet ift 
bn Käfet. 9Bas liegt auf beiben Seiten com Sdjeitel? 28it mollen 
Stttdje, bünn urie£äate, an ben Sa)eitel legen, oben unb unten: ~W~ . $lun 
Ieft bas! (9tuft unb geigt toie bie Kinbet in bet (öefd)id)te,) 

IV, Übung unbCEinptägung. 

1. $efct toetben toit alle bas i üben, 2Iusmifd)en bes etften 93ot* 
bilbes. — 3Bas mufc id) guetft f^teiben? 2Bas bann? 9tun moEen toit 
alle gufammen fptedjen: Haatfttid) hinauf, Sdjeitel Ijetuntet, £aatfttid) 
hinauf, Sietdjen bataufl Obet: SRauf, tuntet, tauf, ^ünttdjen oben btauf! 

2. Übt bas in bet Suft mit bem ©tiffel! He mug bet ©tiffel ge* 
fül)tt toetben? SRauf, tuntet, tauf, Sßünftdjen oben btauf 1 

3. 9Bet mtH bas an bie gtofce Safel fa)teiben? 

Ktitif: 3ft bas tiajtig? 9Bas ift falfd) gemalt? Söatum? Waä) 
es tiä)tig! 

4. Übt aEe bas i auf eutet Safell 

a) 5)as 33otbilb bleibt fteljen. 

b) <£s folgt austoenbiges Sd)tetben. 

5. S)et Seljtet ftellt feft, meldje Kinbet geilet gemalt f)aben unb 
lägt fte betid)tigen. Sie Übungen toiebet^olen fid), bis alle Hinbet bas i 
tid)tig lefen unb fdjteiben tonnen. 

Übet bie SBegleitbemegungen fagt bex SBcrfaffer nodj folgen« 
bes: $öenn bie bie (Btfaffung unb Sfteptobuftion bes Sautes nebft feinem 
3eid)en begleitenben SBemegungen nun nod) aus einem Saut unb 3 e ^ cn 
lauftetenbet 3 u f a uimen^ang Jjetootgefjen, fo ift mit ifjnen bas (Btlcbms, 
bas mit füt bie metl)obifd)en (Einheiten fotbetn, etft gu einem 2öit!lid)en, 
9tbgefd)loffenen geftaltet unb bet (Einptägung bes Stoffes, bet Seid)tigteit 
feinet 9*eptobuftion bas lefcte, befte unb fidjetfte Hilfsmittel gegeben. „3)ie 
SBegleitbemegung ftellt u. a. ein CBntmidlungsmittel füt bie oetfümmetten 
in gtage fommenben ©eljitnpattien bet Sdjmad)begabten bat, bie übetatt 
btingenb bet Hilfe bebütfen." „Sie 93egleitbetoegung, bie anfangs nut ein 
Hilfsmittel gum (Etletnen unb 93ef)alten voax, fann fpätet gu einem felb» 
ftänbigen gaftot etljoben metben, oon bem aus ftd) neue Übungen anfteKen 
laffen, bie ba ftnb ©ütat unb Kopflefen." 

So le^tteid^ aud) mandjes in bet !leinen Sd)tift ift, um fo umftänb« 
lid)et jebod^ erfd^cint bos befd)tiebene $etfol)ten unb um fo ge!ünfteltet 
bie ©etoinnung bet 53egleitbemegungen unb iljte ^Betmenbung. Uns mu§ 
es not allem batauf on!ommen, eine innige Sautibeenaffogiation §etgu- 
fteHen, unb Mefe !ann mit oiel einfad)eten unb natütlidjeten Hilfsmitteln 
etteid)t metben, toie es namentlid) $ o r r i 5 in feinet Sdjtift: SRatgebet 
beim erften Spteä> unb Sefeuntettid^t ufm. empfiehlt 

(Ein langfamer ^ortfdjritt, nomentliti) beim ^nfancj bee 
Scfen?, ift unbebingt inne^u^olten. ^ür bie Reihenfolge bes < 3luf= 



— 88 — 

tretens ber Staute mögen 6pred)--, 93ilb= unb 6<fyreibfd)tDierig= 
feiten 93erüdfid)tigung finben, bie aEerbings je nad) ber inbioi-- 
bueEen $luffaffung med)feln, bafyer aud) bie große s £erfd)iebeni)eit 
in ber Anlage ber £efefibeln. 

33epglid) ber 2Bat)I ber Schriftart finb bie Meinungen 
nodj geteilt — man ift ftd) nid)t einig, ob man Steinfdjrift ('ün-- 
tiqua) ober graftur bgm. (5d^retbfd)rift als ^tbelfd^rift roätjlen 
foE. 2)ie neue (£runbfd)ule foE iUrbeitsfdjule fein, alfo ber $lr= 
beitsfdjulibec aud) im (£efamtunterrid)t ber Unterftufe 9ted>nung 
tragen. "ülus biefem (Drunbe mürbe im erften 2efeunterrid)t mit 
Sorliebe bie Antiqua (6teinfd)rift) ab gibelfdjrift geroäijlt, raeil 
biefe 6d)riftart eine Bereinigung oon ßefen unb 6d)reiben in 
SBerbinbung mit $anbbetätigungen geftatten foE, roie fonft leine 
anbere. 5)ies ift bh $infid)t ber Vertreter ber Antiqua* Sex 
$lrbeitsfd)ulgebanle lamt aber bei jeber 6d)rtftart gur ^in= 
menbung gebracht werben. (£s lommt weniger auf bie Sd)rift= 
art im Lehrbetrieb an, als melme^r auf ben ßefeinfyait, unb 
tiefer ift an leine beftimmte 6d)riftart gebunben. 3Bir bleiben 
besfyalb bei ber 5raltur, beginnen aber perft mit bem Sefen 
unb führen bas 6d)reiben erft bann ein, wenn bie 6d)üler 
burd) malenbes 3^^nen unb anbere Betätigungen in ber £anb= 
gefd)idlid)leit genügenb für feinere ©arfteEungen geübt finb. 

3)ie S^ibelfragc ift aud) in ber £ilfsfd)ule, tro& einiger 
red)t erfreulichen 9irbeiten, nocfy lange nid)t gelöft, benn mir be= 
fttjen nod) immer leine linbertümlicfye fiefefibel, bie oom Seben 
bes Slinbes ausgebt ±~ alfo ein pft)d)oIogifd)es Stinber= unb 
ßefebud) barfteEt. Berfudje mit ber 6elbfterbid)tung ber $ibel 
unb bes erften ßefebudjes foEen an einigen ©teilen erfreu= 
lidje (Ergebniffe erhielt fyaben. 1 ) Sftit großem Vorteil werben 
2efeläftd)en mit beweglichen 93ud)ftaben, weld)e bie 6elbftbetäti= 
gung ber 6d)üler in 9infprud) %u nehmen geeignet erfd) einen, 
SBerwenbung finben 'lönnen. 3n etwa gwei 3af)ren oermögen bie 
ipilfsfcfyüler gur 93ef)errfd) ! ung bes ßefens gu gelangen. 6ie wer= 
ben bann Iautrid)tig unb aud) einigermaßen gufammenfjängeub 
Heine unb leiste ßefeftüde lefen unb fid) über ifyren 3nt)alt aus= 
fpredjen lönnen, fdjmäcfyere 6d)ülerjal)rg'änge aEerbings nid)t. 

SCRtt bem brüten £ilfsfd)uliaf)r ift bas ßefebud) in ©e- 
braud) gu nehmen. S)ie 9totwenbigleit eines befonberen §ilfs= 
fdjullefebudjes ergibt fid) Ijjauptfädjiid) aus bem limftanbe, ba§ bas 
SBoIlsfcfyuIIefebud) in feiner Einlage unb in feinem 3nf)alte nid)i 
bem geiftigen (Entwidlungsgange bes 6d)wad)finnigen aud) nur 
qnnäfjernb entgegen lommt. 3)ie Spradje ift trielfad) gu abftralt, 
ber «Stoff liegt |äufig bem ^inf^auungslreife bes £ilfsfd)ülers 

x ) 3ScrgL ben ^tuffofe oon »artfdj, 2cipjtg: ^ott mit ber fftbel 
3. f. b. SBef). 6ä)m. 1921, 0. 



— 89 — 

fet)r fern, bie 6prad)form ift $u fompliftiert unb bie ©arfteEung 
p umfangreich unb weitgefyenb. 3m £tlfsfd)uliefebud) muffen gu= 
näd)ft Sntyait, Aufbau unb fprad)lid)e 2)arftellung ber eigenartigen 
©ent- unb "iUusbrudsweife bes ödjwadjfinnigen 9ted()nung tragen* 
5)er 3n^alt wirb alfo oorwiegenb fonfretes unb t)eimatlid)es (Se= 
präge magren unb finbertümiicfye 6a<fyen bieten muffen, 2)er 
Aufbau muß ber 2)en!fraft unb ber ©ebanlenweit ber 6d)üler 
nid)t nur entfpredjen, fonbern aud) gang unb gar angepaßt fein, 
(£r wirb barum bie bisherigen (£rgebniffe bes Unterrid)ts in 23e= 
tradjt gießen unb barf nad) Umfang unb gorm nid)t üon tfjnen 
abweidjen. 5)ie fpradjltdje ©arfteEung foll einfad) unb linbertüm= 
lid) fein, fid) in bekannten $lusbruds-- unb ©arfteilungsweifen be= 
wegen, anfd)aulid)e ©ebanfenreifyen bieten, ^usfdjmüäungen unb 
2öeitfd)weifigfeiten oermeiben. 

2)as £efebud) muß ebenfo wie unf er gef amter Unterricht gang 
in bem perföniidjen 2)en!en, 93eobad)ten, 5^Ien unb Urteilen 



djon geroon= 
i£ Orbnung, 



unferer Slinber feine Gurgeln ausbreiten. 3n bie 
nenen Vorftellungen unb ben inburibueüen 6eelenbefi 
3ufammenl)ang unb ^Iftioität hineinzubringen, bas muß aud) ber 
£efeinl)alt bes £efebud)s ermöglichen. 3)as wirb aber nur ge= 
fd)el)en, wenn wir unfere £efebüd)er mit aller 6d)onung iljres 3n= 
ijalts auf bas Kinbertümlidje einftimmen. 3n bas gebrudte unb 
erftarrte ßeben bes ßefebudjs muß ber weidje, warme im (£>efamt= 
unterridjt erworbene Seeleninljalt überfließen, unb umgefetjrt, 
bie oft fo einförmige unb falte Sßra^is bes ßebens foll burd) ben 
33ilbet= unb ©ebanfenintjalt bes Sefebudjjs immer burd)leud)tet 
unb beflügelt werben. 3>amit bin id) nun gu ber gweiten Aufgabe 
bes 2efebud)s gelangt — es foE Kenntnis bzs 6d)rifttums unferes 
Golfes oermitteln, bamit aud) unfere Sd)üler burd) nad)benfltd)es 
ßefen fid) einen befd)eibenen Seil bes im 6d)rifttum überlieferten 
Kulturgutes p eigen machen fönnen. ^ber erft allmäljlid) wirb 
es uns möglid) fein, bm $lbftanb gwifdjen 6d)ul= unb 6d)tift= 
fpradje gu Überbrüden unb ßefeftüde, bie bas elementare, meift in 
geraber ßinie fortfdjreitenbe 5)en!en bes 6d)wad) finnigen burd)= 
bredjen, Ijerangugieljen. 3luf ben oberen 6tufen finb bann für bie 
^luswal)!, Slnorbnung unb ^orm btt ßefeftoffe bie oorljin er= 
Ijobenen 33eben!en nid)t meljr fo ftreng gu beadjten, es fönnen 
nunmefjr aud) bie formalen 3wede ber allgemeinen ©eiftesbilbung 
in ben Vorbergrunb gerüdt unb etwas mefyr gur C&eltung ge= 
brad)t werben. 6d)ließlid) foll bas ßefebud) aümäljltd) in ben 
SORittelpunft bes 6prad)unterrid)ts treten unb §u einem wid)tigen 
SDRtttel ber geiftigen 93ilbung ber £>tlfsfd)üler unb ber Vertiefung 
iljrer ©ebanfenwelt werben. 

gatr ben 3nl)alt bes £ilfsfd)ullefebud)es werben folgenbe 
Wirten oon ßefeftüden in 93etrad)t fommen: 



— 90 — 

a) <£rgäf)Iungen aus öem gamüien= un b 93oIfeIeben, 

b) 6d)überungen aus bem Sftaturleben, aus bem (öebiet bes 93er= 
!ef)rs ufu>., 

c) gabeln, 8)iära)en, 6agen, SRätfel uftD v 

d) Sefeftüde fittltdjen unb reltgiöfen 3nl)alts, 

e) (Efjaratabüber ans ber ©eograp^ie, ©efd)id)te unb 9toturftmbe unb 

f) poettftfje 6tüde. 

£efebud)teformer toerfen tjeute bie ^rage a ^f : Sefebud) ober 
3ugenbfd)tift? Sie (5 e g n e r bes £efebud)s tabeln oot allem 
feinen buntfdjedigen, äufammtftgetoütfelten 3nl)alt, ber gar feine 
ftatt'en (Einbrüde auf bie Kinber p madjen geeignet erfdjeint, fo 
bafj biefe fyäufig nidjt toiffen, toas fie oor längerer &it gelefen 
fyaben. Sie $ln fy ■finget bes Sefebucfys bagegen behaupten, ba{3 
bie Hinber gar nid)t imfianbe finb, längere, gumeift ungegliederte 
Scfyriften mit iljrem Reifte ^u umfaffen. 6ie erlahmen leidjt ba= 
bei, unb bie anfange gegeigte ßefeluft oertoanbelt ftd> fdjliefjiid) in 
ßefeleib, 

2Benn toir biefe Bebenden für bie £ilfsfd)ule in (Erwägung 
äiefyen, bann toerben toir tooljl bei bem ipilfsfdjullefebudje bleiben, 
aber aud) Berfucfye mit größeren, finbertümlid) gehaltenen öd)rif= 
ten, toie $. B. mit ben Bänbcfyen aus 90fiart)olbs Büdjerei u. a. m-, 
anftellen. Berfud)e mit biefen Scfyriften follen an einigen 6tellen 
gur oollen Sufriebenfyeit ausgefallen fein, toir wollen fie besfyalb 
nid)t oljne weiteres oon ber ipanb toeifen. 

Sie 6ä)ület ftnb aud) in bas ßefen oon Sagesblättern eingu= 
fügten, in bas 3ured)tfinben ifyrer oerfdjiebenen 3nl)altsabteilun= 
gen ufto. Sie muffen ju biefer gßfyigfeit befonbers erlogen toet= 
ben, toeil fie oon felbft nid)t bagu gelangen, (Ebenfo tottb es nötig 
fein, Übungen im ßefen unb felbftänbigen (Etfaffen oon 3ugenb= 
fd)riften ufto. anguftellen. Sie maßg^benben ©eficfytspunfte bafür 
l)at bas Kapitel „6d)ülerbibliotl)e!" bereits entwickelt. 

S e r Sp t a d) u n t e t i d) t (©tammatif). Sie Sptad)übun= 
gen ber Unterftufe ftnb als Anfänge bes grammatifdjen Untertidjts 
anpfefyen. 9luf bet Sftittelftufe toirb bet Sptad)untetrid)t fort= 
gefegt. (Es treten fyier aud) fprad)lid)e Belehrungen auf, entbehren 
aber allen leljrljaften (Efyarafters unb irgenbweldjer ft)ftematifd)en 
Slnorbnung. Sie £auptfad)e toirb immer fprad)lici)e Übung ober 
Sprachpflege bleiben. CErft auf ber Dberftufe fommen bie wid)tig= 
ften grammatifdjen Belehrungen l)ingu, bie ftd) febod) nur auf bas 
91Hemotwenbigfte befdjränfen werben. Sie Sd)üler lernen ben 
einfachen Safe kennen unb einige 3Bortarten, bie Seflination, bie 
Konjugation in btn §auptgeiten unb ben ©ebraud) ber wid)ttg= 
ften Berfyältniswöttet. $lls Regeln beim Betriebe bes 6prad)= 
unterridjts, ber im übrigen gur 6d)ulung bes logtfcfyen Senfens 
ein burc|aus unentbehrliches Hilfsmittel barftellt, gelten folgenbe: 

a) ©el)e beim Sprachunterrichte oom Safee (6eban!eninl)alt) aus; 

b) erft 9infd)auung in Sä^en, bann (Ergebnis aus ber Betrachtung 



91 



bes 9lngef (Rauten unb enblitfy Übung unb ^nroenbung bes burd) 
bie $lnfd)auung ©eroonnenen; c) toäljle gur SHarfteHung immer 
m^rere, red)t anfdjaulidje 93eifpiele aus, bie aus bem 6prad)fd)afee 
ber 6d)üler entlehnt fein muffen; d) richte bidj bei ber $lusroal)I 



fen ber ipilfs» 
ad)t, beutfdje 



bes 6toffes nad) ben gäljigf'eiten unb bm 93ebürfni 
fd)üler; e) oermeibe Definitionen unb gib nur ein 
33e§eid)nungen; f) übe red)t fleißig, unb p>ar münblid); unb fd)rift= 
lid); g) bringe ben grammatifdjen ilnterridjt in organifcfye 33er= 
binbung mit htm gefamten Unterricht 

2) ie Sft e d) t f d) r e i b u n g* 3m 9ted)tfd)reiben gelangen 
Übungen pr 93et)anblung, rooburd) bie ^lufgeidjnung ber Wörter 
mit bm richtigen 2autgeid)en erhielt traben foil. 3n feinem 
anberen Unterrid)tsfad)e fielen bie erreichten (£rgebniffe in einem 
fo großen 9?Ußoert)altnis p ber barauf oertoanbten Seit unb Sölülje 
roie gerabe im 5ted)tfd)reibunterrid)t. 3n ber SBolfsfdjule roerben 
laute klagen über bie Un$ulänglid)leit unb Unficfyerljeit ber Äinber 
in b^r Orthographie geführt. ^ur in ber Saubftummenfdjiule foH 
es um bie Orthographie beffer flehen, benn SBaltfyer erflärt 
in feinem $anbbud)e ber Saubftummenbilbung ausbrüdlid): „2)ie 
Orthographie, bas 6d)mer§enslinb ber ißolfsfdjule, bereitet unfe= 
ren 6d)ülem, bie bie 2öortbilber lebiglid); burd) bas ^luge erfaffen 
unb fiefy bamit faft unfehlbar richtig einprägen, gar feine Sd)iroie= 
rigfeiten." 

2Benn bas 9?ed)tfd)reiben in ber ipilfsfdjule feinen Swvd oolt 
unb gang erreichen foE, bann muffen bie erften ortl)ograpl)ifd)en 
Übungen bereits auf ber Unterftufe mit ^Beginn ber erften 2efe= 
unb 6d)reibübungen einfetten. 6obalb bie 6d)üler einige S r ertig= 
feiten erlangt tjaben, fönnen fie angehalten roerben, aud) für bie 
gehörten Saute bie entfpredjenben 6d)riftgeid)en ju fe£en — fie 
foÜen alfo bie berjanbelten ßaute nad) ©if tat nieberfdjreiben» 
6päter tritt bas 9Üeberfd)reiben §meier ßaute nad) bem föerjör 
tyngu ufro. 6old)e Übungen finb insbefonbere für unfere ^inber 
ferjr midjtig unb roertooÜ, toeil baburd) abfolute 6id)er'I)eit im 
SUuffaffen, Sefen unb 6d)reiben erhielt roirb. 1 ) 23ei ben 6d)reib= 
übungen nad) bem (öerjör ift gunädjft immer baran feftgurj alten, 
baß nur foldje SBörter gur Sßerroenbung rjerangegogen roerben, in 
roeldjen ftd) Saut unb ßautgeidjen beden. (£benfo ift gu bead)= 
ten, baß gttnäcrjft für jeben ßaut nur ein geidjen gegeben roirb. (£s 
barf alfo g. 93. bas s unb bas ß, f unb o nidjt balb nacfyetnanber 
gur 93erjanblttng gelangen. ^lusgufd)ließen finb anfänglid) 3Bör-- 
ter mit furgen totalen unb Serben in ber 3nfinitioform, tote 

x ) 6 $ m i b t , £Ufsf(f)itneüer in 2Bernigerobe, toeift in einer Arbeit 
nad), bafc eine pfndjologifd) toof)lbegrünbete 2lnbal)nung bes ©ütats fcfyon 
nmfjrenb bes erften £ilfsfd)ulial)res noraüglidje ©ienfte für bie gefamte 
6prad)pflege gu leiften vermag. 



— 92 — 

audj bie Umlaute, ßefctere treten erft auf, roenn bas Of)r ber 
6d)üler im Unterfdfyeiben fetner ßautflänge gehörig geübt t)t (£ö 
erforbert bei unferen Slinbern außerorbentiid) t)iel ßeit unb TOfje, 
beoor fie ben Unterfdfyieb ätjnlid) flingenber £aute, toie e unb ä, 
i unb ü, m unb n u\vo. aufgufaffen imftanbe finb. 

2)as Siel ber Unter ftufe wirb im allgemeinen erreicht 
fein, toenn bie 6cfyüter Wörter in lauttreuer 6d)reibung nad) bem 
©epr aufgufdjreiben vermögen. 3)amit foll jebod) nid)t gejagt 
fein, baß toir auöfdjite^Iitf) bas ©efyor ber Kinber in $lnfprud) gu 
nehmen tjaben, fonbern roir werben fd)on früf) aud) btn (£efid)ts= 
ftnn fyerangiefyen unb in folgen gälten gang einfache 6ilben unb 
Wörter gum merlenben ^Infdjauen Meten, bann bie SBortbilber 
oenbeden unb, olme baß fie t)orf)er gelefen toorben finb, nieber= 
fdfyreiben laffen. (Ein foldfyes SBerfafyren fdjärft ungemein bie < 3luf= 
faffung unb üerantaßt genaue (Einprägung ber ^Bortbilber. 93ei 
allen ortf)ograpf)ifd)en Übungen ift gleid) oon Einfang an bas 
ipören, 6et)en, 6pred)en, ßefen unb ©dfyreiben möglidjft gleid)= 
mäßig $u berüdfidjtigen; benn baburd) werben toir nid)t nur ben 
oerfd)iebenen ^uffaffungs- unb 6innestt)pen unfern 6d)üler ge= 
red)t, fonbern erfahren fo aud) am beften, toorauf toir bei je= 
bem einzelnen SUnbe gu adjten tjaben, bamit es feine Sftedjnung 
finbet. 

3n Hn SKenft ber 9ted)tfd)ireibübungen ift bas 9lbfd)reiben 
p ftellen, bod) muß biefes ftets forgfättig übertoadjt unb nid)t ein= 
eitig unb medjanifd) betrieben werben, ©ie Sdjüfer follen fid) 
ogletd) mit ben erften Übungen im $lbfd)reiben baran gewönnen, 
bie gangen ^Bortbitber aufgufaffen unb barpfteflen unb nid)t etwa 
93ud)ftaben nad) 53ud)ftaben aogufetjen unb fdjreibenb aneinanber 
$u reiben, (Ein fotdjjes $lbfd)reiben h%vo. 2Utffd)reiben ift gang unb 
gar nufelos unb barum in feinen Anfängen §u befeitigen. 

^uf ber 9ftittel= unb Ob er ftufe finb bie ortf)ograpI)i-- 
fdjen Übungen ftufenmäßig fortzuführen, unb gwar, toie fd)on für 
bie Unterftufe angebeutet würbe, im engften $lnfd)luß an ben 
6ad)-- unb 6prad)unterrid)t. (Es fann nid)t unfere Aufgabe fein, 
bie Sdjüler gur üollfommenen 93et)errfd)ung ber Orthographie gu 
führen; roir werben oielmefyr nur bas $\il verfolgen, baß fie 
l)auptföd)lid) in ben ©renken unb in bem Umfange tfjrer 6ad)i= 
unb 6prad)bilbung richtig fdjreiben lernen. 

3)ie 91 u s w a t) l , ^Inorbnung unb SBefyanblung bes 
ortl)ograpl)ifd)en 6toffes toirb burd) ben 6ad)= unb 6prad)imter= 
rid)it befttmmt unb nid)t etwa t)on ortl)ograpt)ifd)en ^eiljen, (Srup* 
pen ober gar oon grammatifdjen ©eftd)tspun!ten abhängig §u 
mad)en fein. (Es barf jebod) begügtid^i ber ortl)ograp'I)ifd)en Übun-- 
gen feine planlofe 2BiK!ür obtoalten; ber ße^rplan toirb im (£e= 
genteil im SUnfdjluffe an ben übrigen Unterri^t, fpegieE an ben 



— 93 — 

2)eutfd)unterrid)t, jebem 6d}uljaf)re aud) einen entfpredfyenben 
6toff gum üKed)tfd)reiben guroeifen, fo baß in jeber Unterrid)ts= 
ftunbe bie (Einprägung getoiffer SBortbiiber bgro. 2Börtergruppen 
erfolgen !ann. 2)ie fo gewonnenen (Ergebniffe tonnen am 3at)res= 
djlutfe unter einheitliche ©efidjtspuntte geftellt, gu einer Uber= 
id)t gufammengefaßt unb bann gur roeiteren SBefeftigung über= 
idjtlid) burdjgegangen werben. 

3n feinem inftruftioen ^luffafee: 5)ie fdjriftlidjen arbeiten in 
£>er £>ilfsfd)ule, begeid)net 6 d) u l g e , Küdenmürjle, als befon= 
bers geeignete Gelegenheiten gur Pflege bes Sftecfytfcfyreibens im 
$infd)luffe an anbere Unterricrjtsgegenftänbe folgenbe ©teilen: 

1. „$ltfe Mnterriajtsgegenftänbe bei ieber faajüajen ßeftion; bie neuen 
unb unbekannten Wörter werben an bie äßanbtafel gefäjrieben. 

2. Sebes £ejen; bie nad) ifyrer Schreibung fäjtoierigen SBörter ber 
üefeftücte merben befonbers ausgefucfyt unb angefcfyrieben. 

3. äRanclje Sftemorierftoffe, fofern biefe fajriftüd) uüebergegeben mer= 
ben fotten. 

4. äftufterftiufe, bie betn Sefebuäje entnommen ober oon ben ^inbern 
mit £Ufe bes £ef)rers [eiber erarbeitet roerben. 

5. 3ebe fdjrtftlid^e Arbeit com erften bis jum legten 2ßort." 

SUls SQltttel gur Erlernung ber ^edjtfc^reibung fommen neben 
Gkfybr unb (öefictjt aud) ortt)ograpl)ifd)e Regeln in 33etrad)t. 3 U * 
(Einübung ber Orthographie toenbet man ©iftieren unb 33ud)= 
ftabieren an, unb als wichtige üfteprobuftionsfjilfen bienen ©pred)= 
beu)egungs=, 6d)reibberoegungs= unb öadjoorftellungen. 

^ingelne 9[Rett)obtfer finb im $lufftellen oon ortf)ograpt)ifd)en 
Regeln reä)t groß; fie befitjen ber üftegetn oft fo oiele, baß fcXbft 
leine $lusnaf)me cfjne üftegel bei iljnen bleibt» ÜBenn roir in ber 
§ilfsfd)ule nad) bem (örunbfa^e oerfafyren roollen, baß bie 6d)üler 
nichts lernen follen, was fie nid)t oerfte^en, bann muffen wir oon 
ooinlj.rein oergtdjten, ifjnen ortf)ograpf)ifd)e Regeln gu geben. 
Regeln finb im allgemeinen für unfere Slinber gu fdjwer, weil fie 
metft fo feine linterfdjeibungen ausbrüd'en, ha$ fd)wad)finnige 
6d)üler rat= unb fjilflos baoorftefjen. ^Daraus ergibt fid) gur ©e= 
nüge, baß bas 9xed)tf djreiben in ber ipilfsfdjule nie wiffenfdjaftltel) 
roirb begrünbet roerben fbnnen. 3)arum finb aud) faft alle Regeln 
übcrflüffig, gubem erfdjeinen fie für bie fprad)Iid)e 6d)ulung un= 
ferer 6d)üler oon roenig Gelang. 9kd)tfc()reiben roirb für uns 
immer eine ^erttgfett bebeuten, unb ^ertigfeiten erlernt man am 
beften burd) Übung. Übung unb ©ewöfynung, b. i. bie lebhafte 
(Erinnerung an (5et)örs=, (&efid)ts=, 6pred)bewegungs=, 6d)rcib-- 
bewegungs-- unb 6ad)oorftelIungen, roerben bei uns ^dfiti gu 
oerl)ütcn oermögen, toeniger roirb bas bie Siegel bewirken. 3)arum 
muffen mir uns begüglid) ber ortf)ograpl)ifd)cn Regeln auf bas 
$UIernotmenbigfte befdjränfen unb nur foldje Regeln geben, bie 
anfdjaulid) entroidelt roerben (önnen, bem ©eifte ber 6d)üler oer= 



— 94 — 

ftcmblid) erteilten unb unbedingt für bie Sftecljtfcfyreibung unb 
ifyre Erlernung 3Bert befiSen. 

Über bas SKftieren gum ^Beginn ber ortI)ograpfyifd)en Übun= 
gen finb fcfyon einige ^Inbeutungen gemalt toorben. ©in folcfyes 
©iltieren, bas eigentlich ein Sßrüfungsmittel gur geftftcllung ber 
erreichten Unterridjitserfolge abgibt, toerben von ftets gelten iaffen 
unb bes öfteren gur ^Intoenbung bringen, 2lnbere formen bes 
©iftatee jebod) erfcfyeinen in ber §tlfsfd)tule überflüffig, befonbers 
folcfye, toie fie bisweilen in ber $olfsfd)ute nad) 6eu>innung einer 
ortfyograptjifctjien Siegel angeftellt werben unb oft von 6pit}finbig= 
feiten wimmeln. 

2Benn wir ftets barauf galten, baß unfere Scfyüler alles, was 



fie fdjreiben, aucfy richtig 
erreichen als burd) getun 
atte 8 bis 14 Sage zin 3)i 



cfyreiben, bann werben wir bamit meljr 
"leite ©tftate. (£s nü£t abfolut nicfyts, 
tat fd)reiben gu Iaffen, wenn bas 9ted)t= 
cfyreiben nidjjt bauernb Pflege finbet. 3n manchen ipilfsfcfyulen 
inb befonbere SMItatfjefte eingeführt, unb mancher £el)rplan oer= 
iangt aüjäl)rlid) fogar bis 40 ortljograpfyifcfye Übungen im ^eft. 
3)as ift entfd)ieben gu weit gegangen, eine fo große $Ingal)l oon 
©iftaten bürfte felbft bei normalen SBerfyältniffen in ber s #ol£s= 
fdjule nidj't angebracht erfdjeinen, tote trief roeniger bei uns, 3)ie 
Sorgfalt, mit welcher mir bei allen fcfyriftlicfyen arbeiten in ber 
Hilfsfdjule gu SBerfe gefyen muffen, wirb uns nur eine befcfyeibene 
^Inja^l oon ©iftaten geftatten; wir tonnen uns ruljig mit ber 
Hälfte begnügen, gumal uns aud) nocfy bie $lnfertigung anberer 
fdjriftliefyen arbeiten übrigbleibt. 

$lls Hilfsmittel gur Erlernung bes 9^ed)tfd)ireibens fommen 
in $olfsfd)ulen 6prad)l)efte, Spracfyftoffe, 6prad)fd)ulen ufw. in 
SBetradjit. 2)ie 6toffe in biefen 6cfyriften finb meift naö^ ortl)o= 



tdjten georb= 
td)tspunften. 



grapfyifcfyen, teilweife aud)i nad) grammatifcfyen 9ttid 
ttet unb nur in einigen wenigen nad) fad)lid)en ©e 
31lle biefe 6pracfyt)efte erweifen fid) für bie ipilfsfcfyule als burd)= 
aus ungwecttnäßig, ba fie oon ^Borausfetjungen ausgeben, bie für 
unfere Kinber unb für unfere Skrfyältniffe nid)t red)t paffen. Unb 
bod) regt fid)i aud) in §ilfsfd)ul!reifen ber 28unfd) nad) befonberen 
6prad)t)eften gum ©ebraudj für ortI)ograpI)ifd)e Übungen in ber 
Hilfsfcfyule. 6djenf, ^Breslau, unb 6d)ulge, &ücfenmüt)le, 
empfehlen bie (£infül)rung oon foldjen Hilfsmittel für unfere 
6d)iulen. 

2>te SBermirflidmng btefer 3bee liegt je&t in einem SBörterbudj sor, 
ba5 bm Übungsftoff für ben Unterrtdjt in ber 9tetf)tfd)retbung für $Ufs= 
faulen in met^obtfc^er Stufenfolge in gtnei ^eften, 1. ^>eft: Sauttreue 
Schreibung, 2. §eft: ^Inbersfd^reibung, bietet. 5)er 33erfaffer ift ber £ilfs= 
ft^ulle^rer Sanftenberg in SJlagbeburg. SHefe ^efte finb t»on t^m birett 
ju begießen. 

^euli(^ ift üon ^Rurtfelb ein Hilfsmittel für ben 9kd)tfd)reib= 
nnterrtd^t erfc^ienen, bas in ^met heften ben ilbungsftoff für £üfsf<f)ulen 



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bietet ©as erfte bringt ben Übungsftoff für Me 2Rittelftufe unb bas stoeite 
für bie Oberftufe. ©er Übungsftoff roiü ein Hilfsmittel fein, bamit aud) 
bie £ilfsfdmlJinber einfädle ©arftellungen unb Mitteilungen aus iljrem